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Das Watt en Schlick Fest durch die Linse von 01099 – zwischen Rückblick und Portrait

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01099 // Watt en Schlick Fest
01099 // Watt en Schlick Fest

Am Wochenende, als der Juli endete und der August begann, hatten Monate des Ausharrens und Bangens kurz Pause, weil mit dem Watt en Schlick endlich wieder ein Festival stattfand. Ein echtes Festival, mit Zelten und Dixis und Handbrot und Moshpits. In der Gewissheit eines negativen Testergebnisses, das das ausgetüftelte Hygienekonzept für den Zutritt zum Gelände voraussetzte. Es war ein Wochenende des Aufatmens, zwischen Euphorie und Eskalation. Ein besonderes und ein wichtiges Wochenende für die Veranstaltungsbranche, für die Freunde von Live-Musik und nicht zuletzt auch für 01099. Mit einer Einwegkamera haben die Newcomer ihren Tag für uns festgehalten.

01099, das sind Gustav, Paul, Zach und manchmal Daniel, der sich gerade aber auf sein Studium konzentriert. Die vier Jungs verbindet die Liebe zur Musik, die Vision, Rap neu zu interpretieren und die Dresdner Neustadt, deren Postleitzahl der Gruppe ihren Namen verleiht. 2019 gab es die ersten musikalischen Lebenszeichen. Damals noch ironische, fast parodistische Songs, die eventuell gar nicht so ernst gemeint waren. Mit ihrem Debütalbum „Morgensonne“ zeigen sie sich 2020 nicht nur seriöser, sie bieten auch eine vielversprechende Neuinterpretation von deutschem Rap, stilsicher, vielseitig und mit einem besonderen Gespür für Melodien.

01099 // Watt en Schlick Fest
01099 // Watt en Schlick Fest

Dann erscheint „Frisch“ und 01099 katapultieren sich über Dresdens Grenzen hinaus in die Playlisten des Landes. Als wäre dieser Song nicht Hit genug, liefern sie ein paar Monate später mit „Durstlöscher“ den nächsten Ohrwurm, gefolgt von der „Dachfenster“-EP inklusive BHZ Feature. Gemeinsam verzeichnen die beiden Songs mittlerweile 55 Millionen Streams auf Spotify. Hätte es dieses Jahr ein Splash! Camp gegeben, seine Hymne wäre vielleicht einer der Songs gewesen. Ganz sicher waren sie aber für viele die Hymnen des Sommers.

01099 // Watt en Schlick Fest
01099 // Watt en Schlick Fest

Da war ihnen niemand böse, als 01099 die Songs gleich mehrmals auf dem Watt en Schlick Fest zum Besten gaben. Es ist die erste Festivalsaison der Jungs, der erste Sommer, in dem sie sich auf der Bühne ausprobieren und beweisen können. Aufregend muss das sein, sicher auch ein bisschen seltsam, zu wissen, dass da nun plötzlich Menschen vor der Bühne stehen, die mit der vollen Absicht gekommen sind, diese Jungs aus Dresden zu sehen, die aus Spaß während ihrer Schulzeit anfingen, zu rappen.

01099 // Watt en Schlick Fest
01099 // Watt en Schlick Fest

01099 spielen am Abend des ersten Tages auf dem Floß, die Flut bringt die Bühne leicht zum Schwanken, der Himmel sieht bedrohlich aus. Betrachtet man die Menschenansammlung vor der Bühne, erkennt man genau, für wen sie gekommen ist. Das Publikum ist jung und wirkt noch etwas unbeholfen nach all den konzertlosen Monaten. Für manche ist es vielleicht die erste Live Show überhaupt.  Ihre aufgeregte, freudige Erwartung ist spürbar. Als Gustav, Paul und Zach dann die Bühne betreten, wirken sie ähnlich verlegen wie ihr Publikum. Vielleicht sind sie überrascht von der Menge, die nicht mehr aus Streamingzahlen, sondern echten und vielen Menschen besteht, die sie erwartungsvoll bejubeln.

01099 // Watt en Schlick Fest
01099 // Watt en Schlick Fest

Nach wenigen Songs beginnt der Regen. Mit jedem Tropfen, der fällt, scheint auch die Unsicherheit und Anspannung zu fallen. Die Jungs lassen los, springen barfuß über die Bühne, laufen über den Steg zu ihren Fans und teilen immer wieder ihre Mikros mit ihnen, um gemeinsam zu singen. Auch das Publikum ist jetzt vollkommen gelöst, tanzt durchnässt im Regen, mit schlammigen Füßen im Schlick. Immer wieder schieben Securities die Fans vom Steg, der ständig von ihnen eigenommen wird. Auch als Gustav „Frisch“ zum dritten Mal anstimmt, nimmt die Euphorie nicht ab. Mittlerweile hat der Regen die Bühne nahezu überschwemmt, immer wieder setzt der Ton aus, dafür werden die Stimmen vor der Bühne immer lauter. Sie alle kennen diese Songs, haben sie über Monate gehört. Und sie alle haben Monate darauf gewartet, sie endlich live zu erleben. Es sind Momente der absoluten Euphorie, die sich mit jedem Song vervielfacht.

01099 // Watt en Schlick Fest
01099 // Watt en Schlick Fest

Es ist dieses vollkommene Glück, dass an diesem Wochenende überall und jederzeit spürbar ist. Man sieht es in den strahlenden Augen der Besucher:innen und in den manchmal glasigen Augen der Musiker:innen. Man spürt es im Gedränge der Moshpits und hört es in den Chören der Menge. Es ist die Art von Glück, die nur auf Festivals entstehen kann, wenn tausende Menschen es miteinander teilen, tanzend, singend, feiernd.

01099 // Watt en Schlick Fest
01099 // Watt en Schlick Fest

Das Watt en Schlick Fest war einer der wenigen Orte diesen Sommer, an dem es möglich war, Musik in seiner stärksten, unmittelbarsten Form wahrzunehmen. Es hat uns alle daran erinnert, wie es sich anfühlt, Musik kollektiv, live und direkt zu erleben. Sich in der Musik und der Menge zu verlieren, loszulassen, freizudrehen. Das Festival macht Mut für die Zukunft der Veranstaltungsbranche, denn heute besteht die Gewissheit: Das Hygienekonzept ging auf, es gab am gesamten Wochenende und auch danach nicht einen positiven Test im Zusammenhang mit dem Festival. Das Fest war ein Modellprojekt, das Grund zur Hoffnung gibt. Hoffnung, keinen Sommer mehr ohne Festivals verbringen zu müssen.

Im November geht es für die Band weiter auf Tour:

18.11.21 München, Strom
19.11.21 Frankfurt a.M., Zoom
20.11.21 Köln, Helios 37
22.11.21 Hamburg, Hebebühne
24.11.21 Berlin, Lido
25.11.21 Chemnitz, Weltecho
27.11.21 Dresden, Puschkin

Seht hier 01099’s Rückblick vom Watt en Schlick Fest:

Måneskin veröffentlichen ihre neue Single „MAMMAMIA“

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Måneskin veröffentlichen ihre neue Single
Måneskin // © Aidan Zamiri

Die italienischen ESC-Gewinner:innen Måneskin kündigen die erste neue Single namens „MAMMAMIA“ nach ihrem Album „Teatro d’ira – Vol I.“ an.

Es sind aufregende Zeiten für Måneskin. Erst gewinnen sie den ESC mit viel Furore, dann veröffentlichen sie gemeinsam mit Iggy Pop „I Wanna Be Your Slave“. Außerdem ist Måneskin die erste italienische Band in der Musikgeschichte, die mit zwei Singles gleichzeitig in den Top Ten der UK Singles Charts landete und ihr Song „Beggin“ führte Wochenlang die Spitze der Spotify Global Top 50 Charts an. Und nun folgt also neue Musik. „MAMMAMIA“ nennt sich der Song, der von der Band bereits vor einigen Tagen auf Social Media angeteast.

@therealmaneskinOh MAMMAMIA a little sneak peak for you♬ MAMMAMIA – Måneskin

Als weiteren PR-Stunt haben die Bandmitglieder:innen auf ihren Social-Accounts Fake Paparazzi-Bilder aus Paris hochgeladen. Dort tragen sie den Gürtel, welcher auch auf dem Artwork zu sehen ist. Und auch im Text zu „MAMMAMIA“ blicken sie auf ihre eigene Art und Weise auf die letzten Monate zurück. Der Song handelt von ihrem neuen Leben als Rockstars: „They treat me like if I did something criminal /All eyes on me I feel like I’m a superstar“.

Außerdem nehmen sie Bezug auf die Drogen-Vorwürfe die unmittelbar nach ihrem Gewinn beim ESC im Raum standen: „I swear that I’m not drunk / And I’m not taking drugs / They ask me why I’m so hot / ‚Cause I’m italiano“.

„MAMMAMIA“ ist der erste neue Song, den die italienische Band nach ihrem Album „Teatro d’ira – Vol I.“ veröffentlicht. Erst kürzlich haben sie eine Europa-Tour angekündigt. Die Tickets waren innerhalb von Minuten ausverkauft. Es scheint, als würde der Hype von Måneskin noch etwas anhalten.

„MAMMAMIA“ von Måneskin gibt’s hier:

Zwischen Konzertrausch und Maskenpflicht – So war das Reeperbahn Festival 2021

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Goldroger im Mojo Club beim Reeperbahn Festival 2021 // © Chiara Baluch

Vier Tage sind wir für euch zwischen Sonnenschein und dem typischen Hamburger Nieselregen vom Knust bis in die Elbphilharmonie umhergestreunt, um uns an musikalischen Highlights zu bereichern. Das Reeperbahn Festival hat auch dieses Jahr unter bekannten Umstände alles rausgeholt, was möglich war und hier auch hier und da an seine Grenzen gestoßen. Wir nehmen euch ein Stück mit.

Am ersten Tag zeigt sich Hamburg definitiv von seiner besten Seite und die Sonnenstrahlen rücken das Festival Village und seine Besucher ins richtige Licht. Das Programm des Festivals ist prall gefüllt mit Acts, Panels und Awards. Wie immer ist die Auswahl gar überfordernd, würde man doch am liebsten zu jedem einzelnen Konzert gehen können. Aber bevor hier überhaupt ein Fuß in irgendeinen Club gesetzt werden kann, muss sich jeder Besucher seinen 3G-Nachweis in ein pinkes Bändchen umwandeln lassen. Zusätzlich hat sich das Reeperbahn Festival dieses Jahr mit einer App verknüpft, über dich sich beim Betreten jeder einzelnen Venue mit einem QR-Code ein-und ausgeheckt werden muss.

Es ist nicht zu leugnen: Corona wirft nach wie vor einen Schatten auf ein unbeschwertes Festivalerlebnis. Masken sind Pflicht, in den Konzerträumen gibt es Kreuze auf dem Boden die dir sagen, wo du stehen darfst und wo nicht. Zusätzlich sind die Kapazitäten sehr limitiert. Delegates und Journalisten haben Vorrang, die „normalen“ Besucher müssen warten. Lange Schlangen vor den Clubs sind die Folge. Wir haben schnell gemerkt: Einen gar zu ambitionierten Festivalplan sollte man lieber auf zwei bis drei Konzerte beschränken.

In den sozialen Medien hagelt es Kritik an der Umsetzung des Festivals. Hier und da hört man sogar Beschwerden, dass manche Festivalbesucher kein einziges Konzert sehen konnten. Das Reeperbahnfestival hat inzwischen dazu Stellung genommen. In ihrem Statement sagen sie unter anderem: „Der Run auf die Indoor-Clubshows hat uns überrascht. Als wir dies festgestellt haben, haben wir umgehend versucht, die Besucher*innenströme mittels der App zu den Spielorten zu leiten, in denen noch jede Menge Platz war – was leider nicht besonders erfolgreich war.  Wenn man sich ein Ticket kauft und am Ende nur einen oder gar keinen Programmpunkt erleben kann, den man sich vorgenommen hatte, ist das frustrierend. Das ist absolut nachvollziehbar. “ 

Für die Festivalbesucher*innen, die tatsächlich ohne Konzerterlebnis nach Hause gehen mussten, natürlich kein besonders großer Trost. Aber wenigstens Einsicht von Seiten des Veranstalters. Zumindest lassen sich in Schlangen wohl die besten Gespräche führen. Hat man endlich die finale Pforte passiert, wird dir gezeigt, wo du dir einen Platz suchen darfst. Das Positive: Dadurch, dass es nicht so voll ist, sieht man eigentlich von überall gut, muss nicht drängeln und hat genug Platz.

Von atmosphärischem Austro-Pop zu Rock am Ring-Feeling

Am Festival-Mittwoch tummelt es sich vorm Knust. Hier spielt heute die österreichische Band Buntspecht, die wahrscheinlich noch nicht jeder auf dem Schirm hat. Indie-Pop gespart mit der extravaganten Stimme seines Sängers Lukas Klein, der mit Kleid, aber ohne Schuhe die Bühne betritt. Wir lassen uns treiben und hineinziehen in die melancholischen, andersartigen Songs. Wie vielseitig das Lineup des Reeperbahn Festivals wirklich ist, merken wir spätestens, als wir am selben Abend draußen an der „Arte Concert Stage“ stehen, wo Kadavar ihr Set zu Besten gibt. Eine musikalische 180-Grad-Drehung von Indie-Pop zu Psychedelic-Rock.

Das Reeperbahnfestival nimmt auch den aufstrebenden Post-Punk aus UK in den Blick. Während uns der Eintritt bei Famous im Molotow verwehrt bleibt, schaffen wir es am Donnerstag zu Working Men’s Club in den Grünspan und zu PVA in den Nochtspeicher. Die beiden sehr jungen Bands aus Großbritannien liefern treibende Power-Sets irgendwo zwischen Post-Punk, Dance und Acid House.

Treibend ist auch der Auftritt von Edwin Rosen im Grünspan, der Indie-Deutschland im vergangenen Jahr mit seiner „neueneuedeutschewelle“ wachrüttelte. New Wave mit verhallten Synthies und verhallten Vocals tönt durch den Club an der Großen Freiheit, der die beiden Musiker mysteriös-teilnahmslos, aber gleichzeitig wahnsinnig mitreißend erscheinen lassen. Letzteres bestätigen die vielen tanzenden Menschen im vollen Club. Wir sind Fans, keine Frage. Mehr zu Edwin Rosen gibt es in unserem Interview.

Zwischen Licht, Rap und Schatten

Mit Schmyt hat sich das Reeperbahn Festival wohl einen der begehrtesten Newcomer des Jahres ins Lineup geholt. Wenn man hier überhaupt noch von Newcomer sprechen kann. Schmyt, füllt am Freitag das Uebel & Gefährlich gleich zweimal. Einmal davon, weil Mavi Phoenix ihren Gig kurzfristig absagen musste. Schmyt passt perfekt in die im Bunker integrierte Location. Hinter ihm flackern die Lichter. Seine Songs wechseln von melancholisch wie bei „Keiner von den Quarterbacks“ zu mitreißend Tanzbar wie bei „Gift“. Mit seiner charmanten Art und dieser gewissen Aura zieht er an diesem Abend wohl jeden in diesem Laden in seinen Bann. Inklusive uns.

Ein Lichtermeer erwartet uns auch beim Konzert von Goldroger. Im Mojo Club tummeln sich die Zuschauer auf zwei Ebenen und scheinen den Künstler gar zu umzingeln. Alles ist erleuchtet, gar hypnotisierend, während wir zu Songs wie „Lavalampe Lazer“ tanzen. Es soll sein letztes Konzert dieses Jahr werden, eh es für Goldroger im Januar 2022 wieder auf große Tour geht. Vielleicht war diese Gig deshalb so besonders.

Aus der Kirche in die Elbphilharmonie

Neben Open-Air-Veranstaltungen und Club-Konzerten hat das Hamburger Festival auch dieses Jahr wieder einige besondere Locations aufgefahren. Ein Highlight: Der Auftritt der Crucchi Gang im Michel. Wann sieht man schon mal Sven Regener, Tobias Bamborschke und Matthias Rohde gemeinsam auf einer Bühne? Platz nimmt man hier in den Rängen, in denen sonst gebetet wird. Heute leuchtet hier das Reeperbahn Festival Schild vor dem Altar, während Steiner und Madlaina einen ihrer Songs auf italienisch singen. Auch Konzerte in der St. Pauli Kirche – zwischen Reeperbahn und Park Fiction – haben ihren Charme. Ein gutes Beispiel dafür ist Thala, die uns mit ihrem Dream-Pop in sphärische Weiten entführt. Und das vom Altar aus, auf knartschigem Holzboden und zwischen Gebetsbüchern.

Nicht weniger eindrucksvoll wird es, als wir die Rolltreppe in der Elbphilharmonie empor fahren, im großen Saal platz nehmen und das Konzert von Alice Phoebe Lou verfolgen. Ihre kindliche unbeschwerte Performance stellt gar einen Bruch zu der pompösen Halle dar. Was es eigentlich noch viel einzigartiger macht.

Vier intensive Tage liegen hinter uns. Wir haben die Warteschlangen verflucht, die Konzerte genossen und das Tanzen vermisst. Aber die Musik hat uns das gegeben, was lange zu kurz gekommen ist. Wir blicken zuversichtlich auf das Jahr 2022, in dem wir hoffentlich wieder eng an eng in der ersten Reihe stehen dürfen.

Fotos: Chiara Baluch

Der Hype bekommt ein Gesicht – Edwin Rosen im Interview

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Edwin Rosen // © Zeitfang

Edwin Rosen hat es sich im düsteren New-Wave-Sound heimelig gemacht. Heimelig trifft es gut, denn seine Synthie-geladene Melancholie sorgt insbesondere während Corona für eine wohlige Atmosphäre und einen Ort des Rückzugs. Gleichzeitig treiben seine treibenden Neue Deutsche Welle-Rhythmen die Jugend auf die Tanzfläche. Er schafft es einen Sound zu kreieren, nach dem die (zugegebenermaßen müde) deutsche Indie-Landschaft lechzt. Ohne jegliche Promo kommt seine Debütsingle „leichter//kälter“ bis heute auf über 7,5 Millionen Plays bei Spotify. Doch wer steckt eigentlich hinter dem „Mysterium“ Edwin Rosen? Ein Interview über Erfolg ohne sich preiszugeben, mögliche Gefahren des schnellen Aufstiegs und die russische Post-Punk-Szene.

Wir haben schon oft über dich berichtet, aber wissen nicht so recht, wer du eigentlich bist. Sag mal ehrlich, hast du die Öffentlichkeit aktiv gemieden?

Ich habe „leichter//kälter“ mitten in der Prüfungsphase hochgeladen und hatte dann nicht die Zeit Promo-Fotos oder Videos zu machen. Und als ein paar Leute den Song gehört hatten, fand ich es auch ganz cool, wenn man nicht so viel preisgibt. Dadurch lässt man mehr Freiraum für Interpretationen. Die Hörer fragen sich: „Wer steckt dahinter?“ oder „Von wem genau kommt dieser Sound?“. Mich hat diese Zurückhaltung immer gereizt bei Musiker*innen, die ich gerne höre. Daher dachte ich, ich probiere das einfach mal aus. Und danach habe ich dann nie wirklich viel aktiv daran gesetzt, etwas von mir preiszugeben. Es war quasi eine bewusste Entscheidung, die sich aus Zufall entwickelt hat.

Ey, und besten Dank übrigens. Der Artikel von euch zu „Verschwende deine Zeit“ ist mein Lieblingsbericht von dem Song.

Das freut uns! Glaubst du, dass dieses „sich verstecken“ zum Erfolg beigetragen hat?

Ich kann mir schon vorstellen, dass es die Leute abholt. Eben weil das Gesamtbild des Künstlers dadurch nicht so glatt und hochpoliert erscheint. Vielleicht denken die Leute, dass es noch echt und real ist. Aber ob es den Erfolg richtig push, weißt ich nicht.

Die Indie-Szene in Deutschland ist jedenfalls extrem abgegangen, man kann da ja schon von einem Hype sprechen.

Ich habe das hauptsächlich über Instagram mitbekommen. Ich hätte echt nie wirklich damit gerechnet. Der Hauptgrund, warum ich Musik gepostet habe, war, weil ich irgendwann auch mal live spielen wollte. Dann habe ich Musik hochgeladen und natürlich auch die Klickzahlen bei Spotify verfolgt. Wenn man sieht, dass einen Song so 2.000 Leute hören, dann ist das schonmal total verrückt. Aber das ist einfach immer mehr geworden. Und dann wäre es gelogen, wenn ich jetzt sagen würde, ich hätte mich nicht hingesetzt und meinen Namen gegoogelt. Es kamen so viele Nachrichtern auf einmal. Die Leute haben dann gefragt: „Hey, wo kommst du her?“ Viele Leute denken witzigerweise immer noch ich wohne in Berlin.

Dabei kommst du aus dem Stuttgarter Raum. In Berlin warst du neulich trotzdem und hast direkt zwei Shows im Aeden gespielt. Beide waren – wie die gesamte Tour – innerhalb von Minuten ausverkauft. Wie wars?

Es war surreal und hat Riesenspaß gemacht. Ich war erst skeptisch, was das live spielen angeht. Es ist ja mehr oder weniger dem Zufall geschuldet, dass es so Anklang gefunden hat und dadurch alles etwas ernster geworden ist. Ich habe mich gefragt, ob es auch wirklich das ist, was ich mache möchte – also auf Tour gehen. Da hatte ich schon leichte Zweifel, aber nach der ersten kleinen Tour jetzt ist das alles verworfen. Es ist einfach zu krass, direkt mit Leuten in Kontakt zu stehen, denen die Musik etwas bedeutet. Das direkte Feedback ist super, super schön. Ich habe das alles zuvor pandemiebedingt nur über Social Media mitbekommen.

Bei der zweiten Berlin Show war die Stimmung extrem ausgelassen.

Ja, es war einfach nur verrückt, wie viel Energie da im Raum war. Krass war auch, dass Leute auf Instagram geschrieben haben: „Ey, ich wurde abgezockt. Ich wollte eine Karte für 100 Euro kaufen, aber habe kein Ticket bekommen“ oder sowas. Das ist halt echt schade zu sehen.

Ich glaube deine gesamte New-Wave-Ästhetik, inklusive Analog-Fotografie, die auch bei deinem Internetauftritt mitspielt, ist auch ein wichtiger Faktor.

Ja voll, ich finde vor allem visuelle Dinge können oft mehr sagen als Worte. Sie bringen Gefühle richtig gut rüber. In diese Dinge versuche ich auch meine Gefühle hineinzustecken. Ich habe mit 16 Jahren angefangen, analog zu fotografieren und es seitdem durchgezogen. Außerdem habe ich eine Vorliebe für das Festhalten von Momenten entwickelt. Ich finde, dass Instagram-Accounts von Künstler*innen schnell langweilig werden, wenn der Output wirklich nur ist: „Hey, wir spielen heute da und das hier ist unsere neue Single – hört die mal an“. Weil ich neben der Musik sehr gerne fotografiere, poste ich zusätzlich Fotos, die die Leute vielleicht interessieren. Für mich gehört das zusammen. Die Cover sind ja auch Fotos von mir. Ich schaue, dass so alles ein Stück weit zusammenpasst.

Und deine musikalischen Einflüsse?

Ganz früher habe ich sehr viel Pop-Punk gehört, ich habe Blink-182 geliebt. Und dann eben diese alten Acts wie zum Beispiel The Cure oder zum Beispiel speziell Peter Hook (Bassist von Joy Division, Anm. d. Red.). Wie er seinen Bass spielt…Außerdem feiere ich auch neuere Bands wie Black Marble. Gerade die Welle des New Wave, die in den letzten Jahren gekommen ist, beeinflusst mich.

Und da schielst du immer mal wieder rüber nach Russland, habe ich beobachtet. Ich selbst feiere den Vibe der russischen Post-Punk-Szene auch sehr.

Ey, ja, ich wollte es gerade sagen, allerdings kann ich da kaum über Bandnamen reden, weil ich fast nie weiß, wie die heißen. Ich habe aber schon diese Playlist, in der die kyrillisch geschriebenen Bands stehen. Aber ich kann sie halt nicht suchen, weil ich keine kyrillisches Tastatur installiert habe und weil ich nicht weiß, wie sie ausgesprochen heißt (lacht). Aber ich mag die Musik sehr. Zum Beispiel Motorama höre ich sehr gerne. Im Komma in Esslingen sind manchmal so Wave-Konzerte und Motorama war das erste, was ich in dieser Richtung gesehen habe. Da ist ja zuletzt auch richtig viel passiert mit Molchat Doma aus Weißrussland, die voll durch die Decke gegangen sind.

Was reizt dich daran so?

Es sind meist die Gitarrenriffs. Ich weiß nicht, was es genau ist, aber gefühlt haben russische Bands immer eingängigere Riffs als andere Bands. Und da reicht es mir auch, nur das Gefühl mitzubekommen. Die kann man gut hören, obwohl man nicht weiß, worüber sie singen. Es hat auf jeden Fall, wie du auch gesagt hast, einen Vibe, der mich definitiv abholt.

Kennst du auch das andere Projekt von dem Motorama-Frontmann Vlad Parshin? Utro?

Ja, mega, total gut. Ich finde alle Sachen, in denen Vlad Parshin involviert ist, super spannend. Sie lassen jegliche Strategie in der Musikbranche komplett außer Acht. Die laden einfach eine neue Platte auf Spotify hoch, komplett ohne Ankündigung. Die schreiben dann nur „Mittwoch, 17 Uhr“ und veröffentlichen das. Auch zu so Zeiten, wo sonst niemand anderes etwas hochlädt. Und trotzdem funktioniert es irgendwie.

Und auch visuell verfolgen sie ein ähnliches Gesamtkonzept wie du.

Ich weiß ganz genau, was du meinst. Motoramas Instagram-Auftritt besteht ja hauptsächlich aus Fotos vom Wald und Nebel. Die bringen den Vibe ihrer Musik auch visuell richtig gut rüber. Ähnlich wie ich es anstrebe.

Du hattest ja während Corona sicherlich auch viel Zeit dir darüber Gedanke zu machen. Hat dich die Zeit in deinem Werdegang als Musiker ansonsten auch beeinflusst?

Also ich habe „leichter/kälter“ kurz vor Corona hochgeladen. Ich glaube, die Pandemie hatte großen Einfluss darauf, dass die Musik die Leute erreicht hat. Ist ganz lustig: Anthony Fantano (bekannter Musikjournalist aus den USA, Anm. d. Red.) hat, als Corona losgegangen ist, gesagt, dass es eine gute Zeit für kleine Künstlerinnen und Künstler ist, um Musik zu publizieren. Denn die großen Releases wurden alle verschoben. Ich glaube, das stimmt. Und es kann schon sein, dass die Leute dieses Gefühl meiner Musik, also dieses melancholische was bei mir ja viel drin ist, mit Corona in Verbindung gebracht haben.

Verspürst du durch deine durchgestartete Debütsingle „leichter//kälter“ irgendeinen Druck, weiterhin abliefern zu müssen?

Uh, das ist eine spannende Frage. Also der Unterschied zwischen „leichter//kälter“ und den anderen Songs ist schon groß, würde ich sagen. Aber klar, wenn man sich die Klickzahlen anschaut, ragt der Track heraus. Und natürlich macht man sich dann schon Gedanken zum Thema „One Hit Wonder“. Allerdings ist es auch so, dass es mich nicht aktiv stresst und ich denke: „Fuck, ich muss jetzt unbedingt etwas raushauen“. Mir fällt es generell schwer Musik zu schreiben, zu der ich wenig Bezug habe. Alle Lieder, die ich geschrieben habe, sind direkt bezogen auf etwas, das mir passiert ist. Unter Druck neue Songs zu schreiben, ist dann schwer zu forcieren. Ich werde das Tempo weiterhin so gehen, wie ich es als natürlich empfinde.

Ich glaube, wenn du dich dazu zwingen musst, neue Songs zu schreiben, dann läuft auch etwas falsch.

Genau. Ich möchte einfach weiter Spaß haben. Ich habe tatsächlich etwas Angst, dass es sich irgendwann anfühlt wie ein Beruf und ich dann denke: „Scheisse“. Derzeit versuche ich noch die Balance zwischen Studium und Musik machen zu finden, was mir dieses Jahr allerdings eher schwer gefallen ist.

Wie reagiert denn dein Umfeld auf die neue Situation?

Es ist total gemischt. Meine Eltern zum Beispiel, die glaube ich am meisten davon mitbekommen, sind zwiegespalten. Die freuen sich natürlich riesig und sind beeindruckt, wie sich das entwickelt. Ich selbst habe aber oft gedacht „Ey, irgendwie ist das gerade doch ganz schön viel“. Sie sagen dazu dann auch, dass ich aufpassen soll auf mich.

Machst du dir manchmal auch Sorgen um dich selbst?

Ich habe eigentlich das Gefühl, dass alles gut läuft. Gerade bei der Tour hatte ich gar keinen Stress. Aber jetzt neulich, wenn dann die EP ins Mastering geht, dann wird es schon stressig. Es wirkt auf mich teils erdrückend. Da türmen sich dann mit Artwork und allem Drumherum riesige Berge auf. Da weiß ich nicht so richtig, wo ich anfangen soll. Ich mache ja auch immer noch viel alleine. Ich merke, dass ich dann ungeduldig und unruhig werde. Das sind dann so kleine Momente, in denen ich mich bremsen muss. Also ich teile die Sorge meiner Eltern ein Stück weit. Aber ich habe auch die Hoffnung und das Vertrauen, dass wenn man sich dessen bewusst ist und beobachtet, was mit einem passiert, man dementsprechend gegensteuern kann.

Außerdem war im vergangenen Jahr alles super spontan. Ich habe mir für 2022 vorgenommen, alles ein bisschen geordneter zu machen, weil es dann auch für die mentale Gesundheit und Psyche entlastend ist.

Ein gewisser Abstand hilft dann glaube ich auch, oder?

Ja total. Und ich glaube es hilft auch, wenn das alles nicht mehr ganz so neu ist. Uns ist beim Maifeld Derby das erste Mal etwas auf der Bühne kaputt gegangen. Auch das stresst gewaltig. Ich glaube aber, wenn man das öfters mal macht, entwickelt sich da ein natürlicher Prozess.

Wie geht es denn jetzt weiter?

Am 24. September kommt ja erstmal die EP, oder vielmehr die Compilation, einfach um quasi mit den Liedern abzuschließen, die ich bereits habe. Da spielen wir dann auch auf dem Reeperbahnfestival. Danach ist dann erstmal eine kleine Pause angesagt. Und im kommenden Februar gehen wir auf eine größere Tour, die nicht nur die Medienstädte abdeckt. Ja, und ansonsten ist der Plan einfach, weiterhin Spaß zu haben.

Hört hier den neuen Song „mitleerenhänden“ von Edwin Rosen:

Fotos: Zeitfang

Die Beziehungsangst im Blick – Lyian releast „Kind deiner Zeit“

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Lyian // © Stephi Proem

Lyian meldet sich in seiner dritten Single „Kind deiner Zeit“ mit einer Pop-Hymne zurück – und beschreibt den Moment, in dem die Beziehungsangst mal wieder kickt.

„How Indie Went Pop – and Pop Went Indie“ titelte das Pitchfork Magazin im Jahr 2019. Es scheint so, als hätte Lyian diesen Artikel ganz genau studiert und möchte jetzt zeigen: Ich lasse mein künstlerisches Schaffen nicht auf ein Genre begrenzen. In seiner Musik lebt sich der Berliner nicht nur im Indie-Pop („Methadon“) aus, sondern wildert gleichermaßen durch zeitgenössischen Rap („Hollywood“). All das spiegelt sich in kleinen Nuancen auch in seiner dritten Single „Kind deiner Zeit“ wider. Und na klar: Auch die 80s-New Wave/Synth-Pop-Vibes finden erneut Platz in seiner Musik.

Herausgekommen ist eine gut produzierte Pop-Nummer, die gleichzeitig durch eine gewisse Schlicht- und Leichtigkeit überzeugt. Er schafft so einen geeigneten und zugänglichen Rahmen, um auf eine belastende Situation zwischen Verliebten zu schauen. Denn inhaltlich bringt Lyian das auf den Punkt, was viele sich nicht trauen auszusprechen. In „Kind deiner Zeit“ geht es um eine Beziehung zu einem Menschen, der Angst davor hat, sich zu öffnen und verletzt zu werden: „Jede Lovestory geht irgendwann vorbei, denn niemand lässt dich allein, Kind deiner Zeit“.

Lyian findet sich in der Musik

Gewohnt einfühlsam tritt der Musiker an dieses sehr intimes Thema heran. Beziehungsängste sind Bestandteil unserer Gesellschaft und wohl kein Mensch wird sich davon komplett befreien können. Durch seinen Umgang mit Fragilität spricht er vielen verschlossenen Menschen aus der Seele. Lyian schafft es, die eigene Verletzlichkeit offen zu legen und sie für die Hörer*innen greifbar zu machen. „Es hat lange gedauert, bis ich gelernt habe, dass man Zärtlichkeit auch zulassen kann“, sagt er heute auch mit Blick auf überzogene Selbstansprüche und männliche Rollenerwartungen. 

Eine Erkenntnis, die viel wert ist in der heutigen oft zu oberflächlichen Welt und die von einem langwierigen Reifeprozess zeugt. Lyian hat sich durch die und vor allem in der Musik gefunden. Das ist gut so. Und wenn dann noch so ein Pop-Kracher dabei herauskommt: Umso besser!

Hört hier „Kind deiner Zeit“ von Lyian:

„Ich fordere eine neue Normalität“ – Drangsal im Interview zu „Exit Strategy“

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Mit „Exit Strategy“ veröffentlicht Drangsal das vermutlich lauteste Album der Pandemie-Zeit. Anstatt es sich mit akustischen Balladen vor dem heimischen Kamin gemütlich zu machen, zieht er das Tempo an und liefert ein musikalisches Dauerfeuer ab Minute eins. Jegliche Zurückhaltung, die auf dem Vorgänger „Zores“ noch zu hören war, ist nun endgültig der selbstbewussten Darstellung der eigenen Künstlerperson gewichen. „Exit Strategy“ ist die Forderung nach Selbstbestimmung eines gereiften Musikers. Wir haben Max Gruber zum Interview in Berlin getroffen und mit ihm über die Produktion des Albums, das Leben in der Öffentlichkeit und natürlich über seine Beziehung zur Gender-Thematik gesprochen.

Wie liefen die ersten Konzerte nach der langen Abstinenz?

Herrlich! Zuerst war es strange, weil ich meine Sachen nicht mehr selber aufbaue, sondern erst zur Show auf die Bühne komme und deshalb dachte, dass es natürlich schief gehen muss. Ist es aber nicht. Es hat alles geklappt und ich würde behaupten, dass sich das viele Proben gelohnt hat. Vor allem war ich beseelt, weil es den Leuten so gut gefallen hat.

Bist du eigentlich ein bisschen froh über die Promo-Phrase?

An sich schon, es ist nur gerade so fragmentiert. Früher waren es zwei Wochen Radio-Promo, dann kommst du zurück und hast drei Tage frei. Dann machen wir drei Tage Interviews in irgendeinem Büro. Jetzt ist alles verteilt und nie an einem Tag. Das ist okay, aber manchmal wünscht man sich den einen Abwasch. Dazu kam natürlich diese Unsicherheit darüber, eine Platte während der Pandemie rauszubringen.

Mir ist ein Post von dir sehr eindrücklich im Gedächtnis geblieben, auf dem du zum Pandemie-Beginn mit gebrochenem Knöchel zu sehen warst. Du schriebst dazu, dass dich nichts davon abhalten wird, dieses Album fertigzustellen. Abgesehen von dem Knochenbruch. Hat das zeitlich für dich im Grunde ganz gut gepasst?

Das Ding ist. Geschrieben war das Album schon lange und ich war froh darüber, dass ich etwas etwas zu tun hatte. Das Studio war zehn Minuten von mir entfernt. Während viele damit konfrontiert waren, sich mit sich selbst beschäftigen zu müssen, hatte ich eine Aufgabe. Außerdem war es ein Glücksgriff, dass wir nicht auf die Idee gekommen sind, ein Studio in Italien, sondern direkt bei mir in der Gegend zu mieten.

Du hast dieses Album mit Patrick Majer aufgenommen, der sonst Wir Sind Helden und Rosenstolz produziert. Wie kam das und wie sah der Produktionsprozess aus? Hast du noch mehr alleine gemacht?

Es waren schon immer Leute vor Ort und da man sich testen lassen konnte, hat das auch gut funktioniert. Wir waren die meiste Zeit zu zweit oder zu dritt. Patrick war der Vorschlag von Casper-Ben. Anhand seiner bisherigen Produktionen hätte ich ihn vielleicht nicht gewählt. Nicht weil ich die kacke finde, aber weil ich dachte, dass es nicht zu meiner Platte passt. Aber es zeichnet einen guten Produzenten auch aus, dass er außerhalb seiner Comfort-Zone arbeiten kann. Ein bisschen war Patrick auch mein Notnagel. Ich hatte mich schon mit Alex Silva getroffen, der Manic Street Preachers und Grönemeyer gemacht hat, aber in der Situation hat einfach der Vibe nicht gestimmt.

An den Songs hast du viel mit Oli aus deiner Live-Band gearbeitet, oder?

Ja, mit Oli hab ich schon vorher an Songs gesessen. Zum Beispiel ist die Vocal-Melodie von Mädchen sind die schönsten Jungs von ihm. Genau wie der Refrain von „Urlaub von mir“. Bei „Karussell“ hat er viel Sounddesign und Arrangement gemacht. Und natürlich war Oli auch öfter im Studio, um Gitarren einzuspielen.

Du hast gerade erwähnt, dass das Album schon vorher geschrieben war und man hört dem natürlich auch an, dass es für das live Spielen konzipiert ist.

(Lacht) Als klar wurde, dass die Tour nicht stattfindet dachte ich nur: oh fuck. Als ich mit dem Song „Exit Strategy“ fertig war hatte ich schon eine feste Vorstellung: Bierdose gegen den Kopf, so Southside-mäßig. Als klar war, dass das nicht passiert wusste ich zunächst auch nicht weiter.

Warst du erstmal verzweifelt oder hat sich schnell ein gewisser Pragmatismus eingestellt?

Mehr als Pragmatismus bleibt einem in so einer Situation nicht. Ich bin überhaupt froh, dass ich die Songs nah am Release spielen kann und ich merke schon, dass Songs wie „Urlaub von mir“ und „Liedrian“ besonders gut ankommen.

Ich hab dein Album das erste Mal an so einem melancholischen Regentag gehört und war erstmal fast überfordert, weil es so wahnsinnig laut und schnell ist. Gerade zu einer Zeit, in der viel veröffentlichte Musik ruhiger ist und es gleichzeitig diesen Wunsch nach Ausbruch gibt. Selbst ein Song wie „Karussell“ geht ab der Hälfte wieder nach vorne. Hast du dir gedacht, dass du jetzt erst recht diese Lautstärke willst?

Vielleicht hab ich diese Ruhe noch nicht in mir, wobei ich finde, dass ein Song wie „Ich bin nicht so schön wie du“ schon zu den ruhigeren gehört. Im Grunde hat es sich einfach so ergeben. Es gibt natürlich einen Arsch voll Demos und auch viel ruhigeres Zeug oder Klavier-Skizzen, aber das wurde alles ausgesiebt. Am Ende nimmt man die Songs, die am schlüssigsten ineinandergreifen und das waren diese elf. Es gefällt mir auch, dass es mit dem ersten Song losgeht und einfach nicht aufhört. Vor Jahren hat jemand meine Musik Wave-Metal-Schlager genannt – und das ist es auch. Es ist gleichermaßen Digimon-Intro-Musik und 80er Jahre Deutschpop. Das ist einfach die Musik, auf die ich Bock hab und natürlich hat es auch mit live spielen zu tun. Ich komme vom Punkrock und da wird schnell gespielt.

Wenn du Songs für ein Album nicht in Betracht ziehst, sind die auch wirklich weg?

Nein überhaupt nicht. „Rot“ sollte eigentlich auf „Zores“ erscheinen, aber der musste wohl noch ein bisschen im Kühlschrank liegen und reifen. Da musste ich einfach etwas Abstand gewinnen. Nach drei Jahren fand ich ihn immer noch gut und musste ihn nur etwas umbauen..

Veränderst du Songs über die Zeit sehr radikal in ihrer Form?

Auf jeden Fall. „Liedrian“ war zum Beispiel viel schneller, aber Patrick meinte, ich soll die Leute den Song verstehen lassen. Außerdem hatte er einen Instrumentalteil, der raus ist. „Mädchen sind die schönsten Jungs“ hatte eine ewig lange Bridge, die ebenfalls gestrichen wurde und der Refrain war völlig anders. Bei der Platte hatte ich oft das Gefühl, dass einzelne Songs noch nicht meiner Vorstellung entsprechen, aber in solchen Situationen muss man sich trauen, einfach mal einen ganzen Refrain zu löschen. Am längsten hat „Ein Lied geht nie kaputt“ gedauert. Ich glaube, ich saß zwei Jahre auf dieser Hauptmelodie.

Weißt du an einem bestimmten Punkt, dass ein Song fertig ist? Musste dir Patrick manchmal sagen, dass jetzt Schluss ist?

Ja unbedingt. Andererseits hat er auch wahnsinnig viel an den Songs gemacht. „Urlaub von mir“ stand eigentlich auf meiner Abschussliste, aber er hat nach den Aufnahmen noch viel verändert. Er hat dieses Arpeggio eingefügt und meine Vocals teilweise hochgepitcht und gedoppelt. Erst danach habe ich mich dazu entschieden, den Song mit reinzunehmen. Aber es gab auch andere Momente. Bei „Ich bin nicht so schön wie du“ hatte er lauter Synthies eingespielt, die ich am Ende alle rausgeworfen habe, weil es das für mich einfach nicht war.

Wo wir schon bei „Ich bin nicht so schön wie du“ sind. Da geht es viel um Selbstakzeptanz.

Voll! Aber es geht auch darum, dass das eine Ausrede für Leute sein kann, die keinen Bock haben, ihr Verhalten zu ändern. Mein Vater ist so einer. Der sagt, man soll ihn nehmen wie er ist. Das muss man zweischneidig sehen. Klar sollte man Leute nehmen wie sie sind, aber für viele Leute ist das eben die letzte Exit Strategie, wenn sie nicht mehr weiterkommen. Dann ist es eben nicht mein Problem, sondern dein Problem, wie ich bin. Aber so funktioniert es halt auch nicht.

Als sich bei deinem ersten Album „Harieschaim“ ein gewisser Erfolg abgezeichnet hat und du erstmals in der Öffentlichkeit warst, hast du es sehr genossen Dampf abzulassen und vor allem gehört zu werden. Hat sich in der Hinsicht mittlerweile etwas Genugtuung eingestellt?

Auf jeden Fall. Vor allem habe ich ein zwiegespaltenes Verhältnis zum Dasein als öffentliche Person. Klar bin ich zum Glück nicht so weit, dass sich das auf jeden Parameter meines Lebens auswirkt, aber ich merke dass es teilweise andere Maßstäbe gibt, anhand derer man bewertet wird. Natürlich gibt es auch wahnsinnig viele Vorzüge und vieles, was ich daran schön finde. Aber es gibt mindestens genau so viel, was mir mittlerweile daran missfällt. Das Verhältnis hat sich also umgekehrt oder zumindest um eine neue Perspektive erweitert.

Du singst in „Exit Strategy“ die Zeile: „Wie soll ich singen, was ein jeder versteht, wenn es mir nicht wie allen anderen geht.“ Spielst du da auf deine Situation als Person des öffentlichen Lebens an?

Das meinte ich nicht nur so. Es ging mir eher darum, dass von einem erwartet wird, etwas zu sagen, womit sich alle identifizieren können. Aber wie soll ich zu dir singen, was auf dich zutrifft, obwohl es mir nicht geht wie dir? Das ist aber auch in Ordnung. Manchmal hab ich das Gefühl, über so vertrackte und individuelle Dinge zu singen, dass es niemand checkt, aber dann sagen viele Leute, dass ihnen ein Song wie „Liedrian“ gerade sehr hilft. Ich hoffe, dass jeder einen eigenen Bezug dazu finden kann. Unabhängig vom Inhalt und vor allem unabhängig davon, was ich gemeint habe. Ich wünsche mir, dass die Leute sich die Songs in gewisser Hinsicht vereinnahmen. Auch wenn es textlich vielleicht gar nicht passt, gibt der Song der Person trotzdem etwas.

Wo wir schon bei Texten sind. Ich finde, dass du trotz persönlicher Texte als Person ein bisschen ungreifbar bleibst, weil immer dieser larger than live-approach mitschwingt. Hast du das Gefühl, dich beim Schreiben komplett nackt zu machen?

Ja schon. Gerade ein Song wie „Liedrian“, in dem es darum geht sich so klein zu machen. Das ist ja nicht unbedingt schön. Am meisten Spaß machen mir aber Songs wie „Schnuckel“. Ich wurde schon öfter gefragt, was das soll und genau das gibt mir die größte Genugtuung. Trotzdem ist es auf gewisse Art therapeutisch für mich. Ich rede im Freundeskreis eher ungern über Themen, die mich belasten, weil ich der Meinung bin, dass man das damit zweimal durcharbeitet. Einmal mit dir selber und einmal mit anderen. Da sind die Songs eine gute Müllhalde für den emotionalen Abfall, wo man es gut parken und zu etwas machen kann, das am Ende sogar Spaß macht.

In deinem Pressetext steht, dass deine Musik keine Schamgrenzen kennt.

Das check ich einfach nicht, dass Leute immer noch so Musik hören. Dieses guilty pleasure-Ding find ich mittlerweile einfach sau lame. Wenn Musik etwas in dir auslöst, dann macht sie das doch automatisch valide. Das sind so Diskussion für Musiknerds. Ich war selbst lang genug so, dass ich gesagt habe, was gut und was schlecht ist und was man hören und nicht hören darf, aber das ist einfach Käse. Mit Bewertungskriterien für Musik restriktiert man sich nur selber. Ich hasse es außerdem, wenn Leute etwas ironisch hören. Entweder man hört es oder halt nicht. Ich höre auch gern Mickie Krause, ja und? Und so bin ich letztendlich auch bei meiner Musik. Wenn es dir Freude bringt, ist es cool.

Du hast eben schon „Schnuckel“ erwähnt. An dem Song finde ich spannend, dass er aus der Perspektive eines Fans geschrieben ist. Eben die typische Stan-Story. Kannst du eigentlich selber noch Fan sein?

Stimmt, Stan. Das ist das passende Wort. Ja, ich bin immer noch geisteskrank obsessed mit allem. Zum Beispiel teilen wir uns jetzt den Proberaum mit den Tocos (Anm. der Redaktion: Tocotronic) und ich habe viel Kontakt mit Jan Müller. Ich will mit ihm immer über irgendwelche Songs reden und er ist daran überhaupt nicht interessiert. Wobei ich in privaten Gesprächen auch eher wenig Lust habe, über meine Musik zu sprechen.

Ich hätte mir vorstellen können, dass das Dasein als Musiker vieles entmystifiziert, weil du dich in die Situation leichter reinfühlen kannst.

Na klar, das kommt auf jeden Fall dazu, aber ich bin trotzdem immer noch jedes Mal starstruck. Gerade wenn wir bei Rock am Ring spielen, wo dann so riesige Bands wie Slayer spielen. Ich glaub es ist schwierig, das so auszudrücken, dass es nicht arschig klingt, aber jemand hat mir gestern ein Foto von mir bei einem Konzert geschickt. Da trag ich diese Maske, den bunten Anzug, die Ketten, den Nagellack, die Schuhe und diese rosa-glitzernde Custom-Gitarre. Und ich dachte mir nur, dass mein achtjähriges Ich sofort in love wäre. Das hat mich total gefreut, weil es am Ende das ist, was man selber werden will.

Durch Social Media ändert sich die gefühlte Nähe zu Musikern und Musikerinnen, indem man mehr privates und alltägliches mitbekommt. Das kann einerseits den direkten Einfluss verstärken, aber andererseits auch die Figur banalisieren. Kannst du dem etwas abgewinnen?

Ich finde das gut. Dadurch sehen die Leute, dass alles gar nicht so fancy ist, wie es scheint. Ich weiß noch, als ich mit 15 die Band Wavves live gesehen habe und wir danach mit denen noch einen geraucht haben. Ich fand es erst krass, dass der Typ mit 30-minütigem Pitchfork-Interview und dem Cover vom Fader hier mit mir steht. Aber man sieht eben auch, dass jemand einfach Musiker ist, der zwar vor ein paar hundert Leuten spielt, aber nicht die ganze Zeit mit der Limo unterwegs ist oder in seiner Villa sitzt.

In „Ein Lied geht nie kaputt“ singst du in gewisser Weise über die Unsterblichkeit von Musik. Hast du schon das Gefühl, dass du etwas hinterlässt, das größer ist, als du?

Auf eine gewisse Art ja. Auch wenn sich nur eine Person in hundert Jahren daran erinnert. Es gibt so viel Musik, die keine Sau interessiert, die mir aber die Welt bedeutet. Dadurch ist man auch auf eine Art unsterblich geworden. Ich hab gar nicht das Bedürfnis, unsterblich zu sein oder nie vergessen zu werden, ganz im Gegenteil. Am Ende mache ich das, weil ich Musik und das Musikmachen so liebe und ich geil finde, was das für eine universelle Sprache und Träger für Emotionen ist.

Wir müssen natürlich noch über Gender sprechen. Mir ist kein deutschsprachiger Song eingefallen, in dem das Thema Trans*- und Intergeschlechtlichkeit so selbstverständlich und unbeschwert aufgegriffen wird.

Im Grunde war mir nicht richtig bewusst, was ich da tue. Wenn man einen Song schreibt, beschäftigt man sich ein Jahr lang damit, wie die Kick-Drum klingt und man hier und da was wegziehen könnte, damit es noch mehr nach – keine Ahnung – Basketball klingt. Dann vergisst man manchmal den Inhalt des Songs. Selbst beim Aufnehmen denke ich nicht an die Lyrics. Vieles hat sich mir erst im Nachhinein erschlossen.

Das ist ein so subjektives Thema und Kunst kann heute noch viel weniger universell sein. Gerade weil es so ein individuelles Thema ist, kann es auf milliarden Arten und Weisen gehört und interpretiert werden. Letztendlich liegt es an der Hörer*In, das auf die persönlichen Lebensumstände zu beziehen. Darüber hab ich keine Kontrolle mehr. Für mich ist der Song ein gewisser Lernprozess, weil es keinen Freifahrtschein mehr gibt. Wenn eine Person, die sich mit dem Themenbereich identifiziert oder diesen Umständen ausgesetzt ist, sagt, dass in dem Song beschissene Narrative bedient werden, kann ich nur zuhören. Und das versuche ich. Im Grunde ist es erst das Echo, das einem den Song wirklich bewusst macht.

Gab es auch viel negative Reaktionen zu dem Song?

Einen Tag nach der Show bin ich völlig fertig nach Hause gekommen und war noch ganz euphorisiert von den vorherigen Tagen. Mia war mit ihrer ganzen Band da, Blond waren da, die ich sehr gut leiden kann. Außerdem hatte ich Geburtstag. Es war eine richtige Ferienfreizeit. Am nächsten Morgen checke ich mein Handy und die ersten Nachrichten waren: „Gott wird dich richten“ oder „Was für eine kranke satanische Scheiße“. Der Tag war gelaufen. Das ist etwas, das mich an der Öffentlichkeitswirksamkeit stört. Die Hochs sind extrem hoch und die Tiefs dementsprechend tief. Es kann so plötzlich und so extrem sein. Gerade bei „Mädchen sind die schönsten Jungs“ gab es auch widerliche Nachrichten und Drohungen.

Hast du mittlerweile eine gewisse Methode entwickelt, um mit sowas umzugehen oder geht dir das immer nah?

Das ist von der Tagesform abhängig. Ich frage mich ständig, warum Leute sich die Zeit für soetwas nehmen. Wir leben hier in einer Bubble, die in Berlin natürlich recht groß ist. Wenn jemand kommt und eklig findet, wie ich mich auf Promofotos anziehe, verwirrt mich das richtig und holt mich gleichzeitig zurück auf den Boden der Tatsache. Die Erkenntnis, dass Leute in der echten Welt sowas immer noch strange finden, macht mich schon traurig.

Dass du mit Geschlechtsidentitäten spielst ist nicht neu. Was du machst ist mehr als bloßes Crossdressing. Welche Rolle spielt das für dich heute noch?

Ich halte mich selber nicht für ein Sprachrohr und nicht für mutig, weil ich Nagellack und hochhackige Schuhe trage. Am ehesten hoffe ich, dass Leute dem Song das abgewinnen können, was du gemeint hast. Nämlich die Selbstverständlichkeit und die Unbeschwertheit. Ich will keinen Mut propagieren. Ich will einfach, dass es nicht mehr hinterfragt wird. Dass nicht hinterfragt wird, welche Schuhe ich trage, sondern dass es einfach selbstverständlich ist, weil es mir gefällt. Ich will, dass es nicht relevant ist, weil es für mich nicht relevant ist. Ich fordere nur eine neue Normalität.

Fotos: Max vom Hofe

Auf diese Acts freuen wir uns beim Reeperbahn Festival 2021

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Schmyt // © Lea Bräuer

Am Mittwoch startet endlich wieder das Reeperbahn Festival in Hamburg! Vier Tage gefüllt mit einem Lineup voller spannender Acts und Newcomer:innen. Solltet ihr noch ein wenig Inspiration brauchen, welche Konzerte ihr euch anschauen wollt, kommen hier einige Tipps:

Los Bitchos

Die fünf Girls aus London bringen den Sommer zurück in die verregnete Hansestadt. Ihr Mix aus lateinamerikanischem Cumbia und spacigem Psych-Rock hat die The Postie-Redaktion bereits auf dem Eurosonic Noorderslag 2020 in Groningen überzeugt. Aber nicht nur dort zeigte die Instrumental-Band ihr Können, sondern unter anderem auch in der bekannten KEXP-Session oder auf einer Arena-Tour mit Mac DeMarco. Kein Wunder, dass Franz Ferdinand-Frontmann Alex Kapranos auf sie aufmerksam wurde – und gleich ihr Debütalbum produziert.

Donnerstag, 19:45 Uhr – Molotow, Backyard

Schmyt

Schmyt – Diesen Namen solltet ihr euch merken und vielleicht schon ein Ticket für seine „Niemand Kommt Tour 2022“ sichern. Er brachte dieses Frühjahr seinen Song „Gift“ raus und ist seit dem schon längst kein Geheimtipp mehr. Live hat man ihn dafür noch nicht so oft zu Gesicht kriegen können. Darum ein absolutes Muss auf dem diesjährigem Reeperbahn Festival!

Freitag, 19:00 Uhr – Uebel & Gefährlich

Nana Adjoa

Soul, Funk, RnB: All das und noch viel mehr vereint die Tochter eines ghanaischen Vaters und einer niederländischen Mutter. Der Indie-Pop der gelernten Jazzmusikerin und Liebhaberin amerikanischer Rock-Classics ist divers – ihr Debütalbum „Big Dreaming Ants“ aus dem vergangenen Jahr belegt das eindrucksvoll. Sie spielt gleich drei Mal auf dem Reeperbahn Festival.

Mittwoch, 17:45 Uhr – Festival Village / Fritz Bühne
Mittwoch, 22:30 Uhr – Nochtspeicher
Donnerstag, 13:00 Uhr – Molotow / Club

Dagobert

Nicht nur Drangsal ist Fan. Auch wir lieben diesen unkonventionelle Mix, der ein bisschen nach einer Symbiose aus Falco, Faber und Florian Silbereisen klingt. Oder wie auch sonst ihr den musikalischen Stil von Dagobert beschreiben wollt. Ihn zu vergleichen, schwierig. Darum unbedingt ansehen und -hören und zu Songs wie „Nie Wieder Arbeiten“ zustimmend mit dem Kopf nicken.

Mittwoch, 21:00 Uhr – Draussen im Grünen

Crucchi Gang

Wer sich nach ein bisschen Italo-Flair sehnt, dem sei die Crucchi Gang ans Herz gelegt. Das Bandprojekt von Francesco Wilking (Die Höchste Eisenbahn) interpretiert deutschsprachige Songs in schönstem italienisch. Mit dabei Sven Regener (Element Of Crime), Matthias Rode (Von Wegen Lisbeth), Steiner & Madlaina und Tobias Bamborschke (Isolation Berlin). Damit ist die Crucchi Gang in dieser Konstellation auch das erste Mal live on Stage!

Freitag, 19:30 Uhr – St. Michaelis Kirche

Thala

Die deutsche Thala macht wunderschönen, verzerrten Dream-Pop zum Dahinschmelzen. Ihre engelsgleiche Stimme erinnert an Mazzy Star-Frontfrau Hope Sandoval und auch sonst hat sie es sich musikalisch irgendwo zwischen Beach House, Slowdive und Cigarettes After Sex bequem gemacht. Nicht umsonst werden die Songs ihres Debütalbums in den Radiostationen der ganzen Welt gespielt, unter anderem bei BBC 1 Radio.

Donnerstag, 20:30 Uhr – Headcrash
Samstag, 18:45 Uhr – St. Pauli Kirche

Working Men’s Club

Im weitesten Sinne schwimmt die junge Band aus Yorkshire mit auf der Welle des UK-Post-Punk-Revival. Harsche Gitarrenriffs gehen hier allerdings Hand in Hand mit melodischem Synth-Pop und explosivem Acid House. Das Ergebnis: treibende und schwitzige Songs, die den Puls in die Höhe schießen lassen.

Donnerstag, 18:30 Uhr – Grünspan

M.Byrd

Der einstige Bassist von Ilgen-Nur stellt sich nun selbst hinters Mikro. Wurde auch Zeit, spätestens wenn man sich die Single „Morning Sun“ des Songwriters anhört. Feinfühliger Sound trifft auf noch feinfühligere Texte. Das wollen wir Live auf keine Fall verpassen.

Freitag, 20:20 Uhr – Imperial Theater
Samstag, 16:00 Uhr – Festival Village/ Fritz Bühne

Das komplette Lineup vom Reeperbahn Festival mit Timetable findet ihr hier.

Der Beginn einer neuen Ära – Mit „ALLES WAR SCHÖN UND NICHTS TAT WEH“ veröffentlicht Casper den ersten Vorboten seines gleichnamigen Albums

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Casper // Still aus
Casper // Still aus "ALLES WAR SCHÖN UND NICHTS TAT WEH"

Ganze vier Jahre sind seit Caspers letztem Solo-Album „Lang lebe der Tod“ vergangen. Immer wieder gab er auf Instagram oder im gemeinsamen Podcast mit Drangsal Einblicke in die Entstehung neuer Musik. Nun endlich die Gewissheit: Am 25. Februar 2022 wird das neue Album erscheinen, gefolgt von einer kleinen und schon fast ausverkauften Tour im Frühjahr. Es trägt den Titel „ALLES WAR SCHÖN UND NICHTS TAT WEH“, eine Anlehnung an den Roman „Slaughterhouse Five“ von Kurt Vonnegut. Jetzt veröffentlicht Casper den gleichnamigen ersten Vorboten des Albums – und der verspricht Großes.

Streicher, Klavier und Chöre. Schon die ersten Sekunden des Songs sorgen für Gänsehaut, noch bevor die so vertraute Stimme die Klänge durchbricht. Die Stimmung ist andächtig, feierlich, irgendwie erhaben. In zwei Strophen gibt Casper in präzisen Worten und klaren Bildern weitere Einblicke in seine inneren Kämpfe, singt von seiner Distanzierung zu Freund:innen und Familie. Die Hook kommt laut und intensiv daher, eine Explosion als Lichtblick, als Erlösung.

Eine Explosion ist auch die Visualisierung des Songs, aus kräftigen Farben und eindrucksvollen Bildern. Casper liegt auf einer kleinen Insel in einem Feld aus Blumen, um ihn herum nichts als Meer, in dem ab und zu eine Haiflosse auftaucht. Auf seiner Blumenwiese rappt er, während hinter ihm die Sonne untergeht und der Nachthimmel von Leuchtraketen erleuchtet wird, bis er schließlich von Wurzeln überwuchert eins mit der Insel wird.

„ALLES WAR SCHÖN UND NICHTS TAT WEH“ ist neu, anders und mutig. Und doch, oder vielleicht gerade deshalb, ist das unverwechselbar ein Casper-Song. Denn es ist nicht zuletzt seine Vielseitigkeit und ständige Weiterentwicklung, die Caspers Musik ausmacht. Seine neue Musik wurde produziert von keinem Geringeren als Max Rieger, Mastermind hinter All diese Gewalt, Die Nerven und Produktionen von Drangsal oder Ilgen-Nur. Unterstützung bekamen die beiden von zahlreichen befreundeten Künstlern wie Max Richard Lessmann, Drangsal und Ahzumjot.

Ein neues Album, das bedeutet bei Casper die Fusion seiner eigenen Bio- und Diskographie mit seinen unzähligen musikalischen, kulturellen und gesellschaftlichen Einflüssen. Was dabei herauskommt, ist eine Vision. Man hört: Das ist genau die Musik, die Casper gerade machen möchte, in genau diesem Moment, in genau dieser Welt. Über Caspers Vision für „ALLES WAR SCHÖN UND NICHTS TAT WEH“ lassen sich zu diesem Zeitpunkt nur Vermutungen anstellen, aber so viel ist sicher: Dieser erste Song gibt Grund zur Annahme, dass da etwas Besonderes auf uns zu kommt.

Seht hier das Video zu „ALLES WAR SCHÖN UND NICHTS TAT WEH“:

Some Sprouts lassen uns in „Aloe Vera (Clear My Mind)” nostalgisch werden

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Some Sprouts
Some Sprouts // Presse

Die Regensburger Band Some Sprouts veröffentlichen ihre neue Single „Aloe Vera (Clear My Mind)“ und kündigen für den Herbst eine EP an.

Mit den Some Sprouts geht der Sommer nie zu Ende. Ihren gewohnt chilligen und verträumten Sound muss man auch in ihrem neuesten Track „Aloe Vera (Clear My Mind)“ nicht vermissen. Harmonisch verbinden sie eingängige Gitarrenriffs mit funky Synthie-Klängen, der in „Aloe Vera“ diesen nostalgischen Vibe mitbringt. Der Song erinnert an Freundschaften, in denen uns diese eine Person innerhalb weniger Minuten in den Bann zieht, alles um uns herum vergessen lässt und den Blick auf die ganze Welt verändern kann.

„Nothing ever felt that right. I need you in my life.“

Den Song hat die Indie-Pop Band mit dem renommierten Produzenten Oliver Zülch aufgenommen, der auch schon mit Die Ärzte, The Notwist und Sportfreunde Stiller zusammengearbeitet hat. Im Herbst ist eine neue EP der Some Sprouts geplant. Mit „Aloe Vera (Clear My Mind)“ geben sie uns nun einen ersten Sneak Peek.

Dass sie einfach nur auf der Bühne stehen wollen, haben uns Some Sprouts im Interview 2019 als sie gerade auf ihrer ersten Tour waren, erzählt. Wer wissen will, was sich seit dem verändert hat und sich von den entspannten Melodien der Band anstecken lassen will, kann sich – wenn alles gut läuft – die fünf Regensburger bei einem ihrer vielen Termine im Rahmen ihrer Tour live anschauen. Außerdem treten sie im September neben Künstler:innen wie Amilli, C’est Karma und Edwin Rosen auch auf dem Reeperbahn Festival 2021 auf.

Hört hier „Aloe Vera (Clear My Mind)“ von Some Sprouts: