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Wie der bittersüße Soundtrack eines Highschool-Films – Holly Humberstone im Portrait

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Holly Humberstone // © Jordan Curtis Hughes

Wer im Jahr 1999 in UK zur Welt kommt und 2021 Headlineshows in den USA innerhalb von drei Minuten ausverkauft, muss irgendeinen Nerv getroffen haben. Holly Humberstone trägt mit ihrem Pop dick auf und besticht gleichzeitig durch eine unbeschwerte Leichtigkeit. Auch auf ihrer neuen EP „The Walls Are Way To Thin“.

Ganz egal ob unaufhaltsame Abenteuerlust, komplizierte Selbstfindung oder erste Liebesbeziehungen: Das Erwachsenwerden ist häufig der aufregendste Lebensabschnitt eines jeden Menschen. Das scheint auch Holly Humberstone trotz ihrer jungen 21 Jahre zu wissen. Es ist fast so, als ob sie musikalisch und lyrisch ganz bewusst den passenden Soundtrack für das „Coming Of Age“ der jungen Generation liefert. So fungiert sie als eine Art Ratgeber.

Offen geht sie mit ihren Gefühlen um. Sie lässt ihre Fans hautnah an sie heran treten. „Schreiben ist für mich eine gute Therapie, um Emotionen zu verarbeiten und festzustellen, wie ich über Dinge denke“, sagt die Britin im März 2020 zu The Postie mit Blick auf ihre hochgelobte Debüt-EP „Falling Asleep At The Wheel“.

Bis dato im Vordergrund des kreativen Outputs: ihr Elternhaus. Jenes wurde über die Zeit baufällig. Die Familie musste umziehen. Für die heute 21-Jährige verabschiedete sich dadurch ein fester Anker ihrer Kindheit und ihrer Jung-Adoleszenz. Vielmehr: ein Teil ihrer familiären Vergangenheit – ja sogar Geborgenheit.

Holly Humberstone wagt neues Kapitel

Die Familie spielt fortan auch in ihrer Musik eine wichtige Rolle. So handelt „Deep End“(erste EP) von der psychischen Gesundheit ihrer Schwester. „Das aufzuarbeiten und sich damit auseinanderzusetzen war ehrlich gesagt sehr schmerzhaft für mich“, sagt sie damals mit dem Verweis darauf, dass sie sich auf dem Song sehr verletzlich zeige. Wohl auch wegen solcher Themen verleiht sie ihrer Musik einen dunkleren Anstrich.

Und nun? Die beeindruckende Offenheit bleibt – inklusive noch mehr Herzschmerz und allen Facetten des Erwachsenenseins. Das beweist unter anderem der Titelsong der neuen EP, bei der sich langsam eine klaustrophobische Energie einschleicht.

Auch generell bleibt sie sich musikalisch im Grundsatz treu: Bis ins Detail perfektionierter 2000’s-Pop, der sich stets an einer gewissen Melancholie orientiert und zeitgleich durch unbedarfte Naivität strotzt. Doch ihre neue EP „The Walls Are Way To Thin“ ist keine einfache Blaupause ihres Debüts.

Mit brutaler Offenheit zur musikalischen Heimat

Stattdessen experimentiert sie. So erinnert „Please Don’t Leave Just Yet“ so dermaßen an Bon Iver, dass ihrer Aussage zu The Postie in 2020 über Ästhetik in der Musik ein immenser Nachdruck verliehen wird: Es sei wichtig als Musiker:in seine/ihre „eigene kleine Welt“ zu kreieren. „Es fühlt sich so an, als kenne man diese Menschen persönlich, obwohl ich sie noch nie getroffen habe“, sagt sie mit Blick auf Bon Iver, Phoebe Bridgers und Lana Del Rey. „Und genau das ist sehr wichtig“.

Das Streben nach einer eigenen Identität durch den Blick auf die Vorbilder. Dieses Gefühl, das sicherlich viele junge Menschen nachvollziehen können, manifestiert sie in ihrer Musik, oder auch: auf dem Weg zu ihrer eigenen musikalischen Heimat. Ähnlichen wie bei einem Verlassen des Elternhauses wagt Holly Humberstone mit ihrer neuen EP einen Sprung ins Unbekannte. Und startet das nächste Kapitel in ihrer Geschichte.

Hört hier „Scarlett“ von Holly Humberstone:

Exklusive Videopremiere: Celia May in „Before I Sleep“ über den Nebel in Beziehungen

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„Before I Sleep“ ist die erste Single der jungen Musikerin Celia May in der sie musikalisch an die größten Acts im Business erinnert.

Es ist ein Bild, das seit Jahrhunderten besungen wird. Die Großstadt, die mit ihrer ganzen Brachialität auf uns Einzeln einprasselt. Vor allem junge Menschen tappen immer wieder in die Falle in Großstädten wie Frankfurt oder Berlin unterzugehen. Schnell ist man überfordert von dem zu großen Angebot und den Menschenmassen, in denen man so schnell untergehen kann.

Man sucht Halt und klammert sich immer wieder an falsche Menschen, woraus dann komplizierte Beziehungen resultieren. Und genau dies thematisiert die Newcomerin Celia May in ihrer neuen Single „Before I Sleep“. Es geht um zwischenmenschliche Spielchen, Vertrauensverlust und dadurch verlorener Halt. Im dem dazugehörigen Video spielt die Nacht eine große Rolle. Beziehungsprobleme lassen einen schnell in tiefe Gedanken versinken und schon reiht sich eine schlaflose Nacht an die andere.

Musikalisch orientiert sie sich für „Before I Sleep“ an den ganz Großen des Pop. Billie Eilish ist ein Name, der beim Sound der 19-jährigen Künstlerin einfach fallen muss. Unter dem Deckmantel des Pop versteckt Celia May immer wieder Metaphern der Dunkelheit, die eben für eine neue Traurigkeit eines ganzen Genres stehen. Und damit rutscht sie schon, wenn auch nur gedanklich, immer wieder in grungige Sphären ab, die dann von der Prise Soul in ihrer Stimme abgefangen werden. „Before I Sleep“ kann man sich ab dem 12.11. auf allen gängigen Plattformen anhören.

Das Video zu „Before I Sleep“ gibt’s hier:

The Postie präsentiert: Mavi Phoenix geht im Frühjahr mit neuem Album „Marlon“ auf Tour

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Mavi Phoenix ist zurück. Nachdem Album „Boys Toys“ im letzten Jahr blieb es ein wenig still um den österreichischen Musiker. Erst im Mai 2021 tauchte er mit dem Song „Nothing Good“ im ZDF Magazin Royale wieder auf der Bildfläche auf. Jetzt kündigte Mavi Phoenix nicht nur eine neue Tour, sondern auch sein neues Album „Marlon“ an.

Mavi Phoenix ist definitiv kein Neuling in der Musikwelt. Trotzdem ist „Marlon“ ein Neuanfang. Auf Instagram schrieb der Sänger in einem Post zur Ankündigung: „Nachdem ich mein Debütalbum im letzten Jahr herausgebracht habe, habe ich angefangen Testosteron zu nehmen und habe ich mir eine Auszeit von posten genommen und mich nur darauf konzentriert neue Musik zu schreiben. Ich wusste nicht was mit meinem Körper oder meiner Stimme passieren würde, klar, die Ärzte sagen einem was vielleicht passiert aber jeder Körper reagiert anders auf die Hormone. Aber ich wusste, dass das der Weg ist, der mein Leben retten würde, dass ich ich werden würde, Marlon, das musste ich tun.“

Sex-Positivity und ein emotionales Album

Das Album befasst sich mit der Gefühlswelt des Musikers und den manchmal schwierigen Momenten in seinem Selbstfindungsprozess. Dabei aber auch mit einer Leichtigkeit, einprägsamen Beats und der gewohnten Mavi Phoenix Coolness.

Einige Schnipsel aus dem neuen Album können bereits jetzt gehört werden. Mit „F Song“ erschien Ende Oktober ein Sex positiver Hit. Der Song ist aber auch ein Statement: „Es ist ein Akt der Rebellion für eine transidente Person einen Song wie diesen zu schreiben. Es hatte für mich persönlich etwas Befreiendes.“ Das Album erscheint am 25. Februar 2022. Im März und April kann man sich dann auch Live von „Marlon“ überzeugen.

Tickets: eventim.de/artist/mavi-phoenix

The Postie präsentiert „Marlon“ Tour:

31.03.2022 Köln, CBE
01.04.2022 München, Ampere
02.04.2022 Frankfurt, Zoom
03.04.2022 Stuttgart, Im Wizemann
05.04.2022 Bielefeld, Stereo
06.04.2022 Hannover, Faust
07.04.2022 Hamburg, Uebel & Gefährlich
08.04.2022 Leipzig, Naumanns
09.04.2022 Berlin, Frannz Club

Den „F Song“ von Mavi Phoenix gibt’s hier:

Indie Season eingeleitet – Bibiza releast „4 Tage“ mit Liebcozy

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Der Song „4 Tage“ ist ein weiterer Ausschnitt aus dem anstehenden Album „Leben wie ein Hippi“ von Bibiza, das am 10. Dezember erscheint.

Indie ist back! Was schon länger in der Luft liegt, hat Bibiza nun einfach faktisch bestätigt. In der Beschreibung zum Video seiner neuen Single „4 Tage“ meint er: „Fratellos! Die Indie Season hat gestartet.“. Und tatsächlich versteht der Musiker es in DIY-Manier Rap mit Indie zu vermischen. Hinzu kommt eine Prise Abgedrehtheit, die aber nie ins Peinliche abdriftet.

Bibiza versteht es zudem sich immer wieder mit anderen Künstler:innen gegenseitig zu inspirieren. Zu seiner Chosen Family zählen Acts wie prodbypengg, Eli Preiss, Liebcozy, Supergerne und der restlichen Swift Circle. Wir vermuten, dass Bibiza auch hier seinen Gitarren-Background mit einfließen lässt. Angefangen hat nämlich alles mit einer Gitarre und Covertracks von Altbekannten: Red Hot Chili Peppers, The Smashing Pumpkins, The Cure. Mit Hilfe von YouTube Tutorials fing Bibiza dann irgendwann mit 14 Jahren an die ersten Beats zu basteln und zu rappen.

Auf seinem neuen Song treffen demnach irgendwie alle Welten des in Wien lebenden Musikers zusammen. „4 Tage“ kommt mit einem sehr laid back Gitarren-Sound daher, der fast schon Slacker-Herzen höher schlagen lässt. Dazu kommen Vocals, die halb Gesang halb Rap sind. Es ist der zweite Song aus seinem anstehenden Album „Leben wie ein Hippi“, das am 10. Dezember erscheint. Vor ein paar Tagen hat er bereits den Track „Ich steige aus der Dusche fühl mich frisch“ online gestellt.

Das Video zu „4 Tage“ von Bibiza ft. Liebcozy gibt’s hier:

Von Leichtigkeit und Schattenseiten – Parcels veröffentlichen ihr neues Album „Day/Night“

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Parcels veröffentlichen ihr Album
Parcels Pressefoto - Credits: Remi Ferrante Hartman

Dass viele Musiker:innen die Pandemiezeit erfolgreich für neue Projekte nutzen konnten, dürfte mittlerweile bewiesen sein. Da es den Wahlberlinern von Parcels lange nicht möglich war, in ihr Herkunftsland Australien zu reisen, haben sich die Musiker ins Studio zurückgezogen, um dort an ihrem heute erschienen Album „Day/Night“ zu arbeiten.

Tag und Nach – Licht und Schatten. Der Titel des neuen Parcels-Album lässt bereits erahnen, dass hier nicht nur die Sonnenseiten des Lebens beleuchtet werden. Doch zunächst geht es in bester Parcels-Manier optimistisch los. Sommerliche Feelgood-Vibes und verträumte Streicher bilden einen gelungenen Kontrast zur dunklen Jahreszeit. Der typische mehrstimmige Gesang trifft auf helle, verspielte Piano-Sounds und lässt gleichzeitig Raum für einen Hauch Melancholie. Dabei hat musikalische Komplexität selten so unbeschwert geklungen, wie auf der ersten Hälfte von „Day/Night“.

Nachdem „Outside“ mit ausladenden Streichern das Ende des Albums ankündigen könnte, beginnt mit „Shadow“ Teil Nummer zwei. Darauf widmen sich Parcels den Schattenseiten der Existenz: Unsicherheit, Einsamkeit und Verlustängste sind die thematischen Aufhänger dieses Kapitels. Die Akkorde werden düsterer, die Drums bedrohlicher. Ungewohnte Töne aus dem sonst so federleicht anmutenden Parcels-Universum. „Night steht für die dunklere Seite der Psyche… für die Schattenseiten. Einige Texte aus diesem Teil sind auch gar nicht so leicht zu verdauen“ sagt die Band selbst dazu. Dabei gelingt es den Musikern trotz inhaltlicher Schwere so viel Nonchalance zu bewahren, dass Teil zwei nicht zur depressiven Dauerschleife verkommt. Songs wie „Famous“ beweisen, dass auch in den dunkelsten Momenten Raum für etwas Disco-Euphorie gelassen werden darf.

Wesentlich dramatischer beginnt „LordHenry“, eine Referenz an die gleichnamige Figur aus Oscar Wildes „Das Bildnis des Dorian Gray“, der maßgeblich für die Entwicklung des Protagonisten verantwortlich ist. So cineastisch der Song beginnt, so plötzlich ändert er seine Richtung. Nach einer instrumentalen Funk-Passage geht er unverhofft in einen schleppenden Chorus über – und wieder zurück. Die oft gedroschene Phrase vom musikalischen Facettenreichtum darf hier zurecht Verwendung finden. Man hört dem Album an, dass es als gemeinschaftliches Werk von fünf gereiften Musikern entwickelt wurde.

Parcels veröffentlichen ihr Album "Day/Night"

„Wir sind ein sehr rücksichtsvoller Haufen“

Zehn Jahre Bandgeschichte haben die unverschämt gut gestylten Australier mittlerweile vorzuweisen. Seit der Schulzeit machen sie gemeinsame Sache und über die Jahre haben sie auch gelernt, abseits von der Musik als Gruppe zu funktionieren: „Jeder von uns kümmert sich um die anderen… denn wir haben schließlich unsere Leben in diese Sache investiert – unsere ganze Teenager-Zeit. Wir alle wünschen uns sehr, dass es auch weitergeht, und wir können es echt kaum abwarten, dieses neue Album endlich live zu präsentieren.“

Das wird in Deutschland allerdings erst im Herbst des nächsten Jahres möglich sein. Genug Zeit, um sich dem Album zu widmen, das mit einer stattlichen Laufzeit von 96 Minuten genug Zwischentöne zum Entdecken lässt. Nicht nur die sommerlichen, sondern auch die Schattenseiten. Denn auch die stehen Parcels ausgesprochen gut.

Schaut euch hier das neue Video zu „Famous“ an:

Pressefoto: Alex Vaugh

Mental Health und Erwachsen werden – Snail Mail veröffentlicht neues Album „Valentine“

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Snail Mail // © Tina Tyrell

Nach dem erfolgreichen Debüt-Album „Lush“ in 2018 meldet sich Snail Mail jetzt zurück. Die ersten drei Singles ließen bereits vermuten: Snail Mail ist erwachsener geworden. Das zeigt sich auch in den anderen Tracks auf dem Album „Valentine“ das am 5. November erschienen ist.

Als „Lush“ vor drei Jahren veröffentlicht wurde, war Snail Mail-Sängerin Lindsey Jordan gerade achtzehn Jahre alt. In kürzester Zeit spielt sie sich in die Herzen von Kritiker:innen und Fans. Laut.de schrieb damals: „Die Zukunft sieht für Snail Mail und seine Protagonistin Lindsey Jordan rosig aus. Ihr Debütalbum hat sie sofort in die Riege der kommenden Indie-Superstars wie Soccer Mommy, Car Seat Headrest, (Sandy) Alex G oder Mitski katapultiert.“ Dass so ein schneller Erfolg auch belastend sein kann, realisiert man oft erst später.

Deswegen entschied sich Lindsey Jordan mehr oder weniger freiwillig für einen Rehab-Aufenthalt. Der Erfolg, eine zerbrochen Beziehung, alles wurde zu viel. In der Klinik in Arizona angekommen, schnappte sich die Musikerin Stift und Papier ohne Proberäume und Instrumente und fing an an „Valentine“ zu arbeiten. Obwohl der Rehab-Aufenthalt nur 45 Tage geht, dauert die Arbeit an den Songs beinahe zwei Jahre. Fast ungewöhnlich in unserer schnelllebigen Zeit. Diese neu gewonnene Ruhe spiegelt sich auch in einigen Tracks wieder.

Ein Kapitel abschließen und die Vergangenheit verarbeiten

Das Album „Valentine“ ist ein Schlussstrich hinter eine düstere Zeit, die Trennung und den Rehab-Aufenthalt. Das man so ein Album nicht von heute auf morgen schreiben kann, erklärt die Sängerin auch in einem Interview: “ Ich wollte mir mit diesem Album so viel Zeit wie möglich nehmen, um sicher zu sein, dass ich mit jedem kleinen Detail zufrieden bin, bevor ich es veröffentliche. Den Prozess würde ich als die tiefste innere Reinigung und Therapie beschreiben, die ich je erlebt habe. Valentine ist wie mein Kind!“

Dennoch scheinen einige Meilensteine ihrer frühen Karriere Lindsey Jordan immer noch zu beschäftigen. In Interviews spricht sie über ihre Erfahrungen in der harten Musikindustrie. Das schafft man als junge Künstler:in ohne Unterstützung nur schwer. Im Umgang mit Medien und dem Hype, den es plötzlich um die eigene Person gibt, hat ihr vor allem Katie Crutchfield von Waxahatchee geholfen. „Sie ist eine der besten Menschen, die ich kenne. Sie war seit dem Beginn von Snail Mail da, deswegen versteht sie wie schwer es bei jeder Veränderung ist. Es bedeutet sehr viel jemanden zu haben, der dich komplett versteht. Katie hat mir durch sehr harte Zeiten geholfen.“ 

Ganz neue Sounds und Altbewährtes

Katie Crutchfield ist es auch, die ihr den Produzenten Brad Cook vorstellt. Der Grammy-nominierte Produzent und Songwriter hat bereits mit Künstler:innen wie Bon Iver oder The War on Drugs zusammen gearbeitet. Überzeugt hat Lindsey Jordan vor allem der Pro-Woman-Approach des Produzenten und seine sanfte Art mit ihren Songs umzugehen. In seinem Home-Studio arbeiteten die beiden an „Valentine“ und brachten den Snail Mail-Sound auf ein neues Level.

Nicht nur thematisch ist das „Valentine“ eine Erweiterung. Während es in „Lush“ noch um Adoleszent, Aufbruchstimmung und den Wunsch sich selbst zu finden ging, schlägt das neue Album eher düstere Töne an. Weiterentwicklung lässt sich auch jenseits der Texte erkennen. Synthesizer und teils eher poppige Klänge, gepaart mit der tiefen Stimme des Sängerin machen „Valentine“ auch musikalisch zu einem intensiven Album. Dabei immer wieder das Thema der Weiterentwicklung. In „Mia“ singt Jordan: „Mia, don’t cry/ I love you forever/ But I gotta grow up now/ No I can’t keep holding onto you anymore.“

Ein Album für alle Anfang zwanzig

Mental Health, Trennungen und Erwachsen werden- Damit spricht Snail Mail sicherlich vielen Fans aus der Seele. Aber auch die Probleme, die dabei manchmal aufkommen thematisiert die heute zweiundzwanzig Jährige. In einem Interview mit dem Rolling Stone verrät sie: “ Ich war wirklich isoliert. Ich hab gesehen, wie jeder um mich herum Sachen so viel schneller veröffentlicht hat als ich und das hat mir Angst gemacht. Bei so vielen Dingen, über die ich reden musste, konnte mir keiner helfen.“ Das Album reiht sich neben Künstlerinnen wie Mitski und Phoebe Bridgers ein, die es schaffen ihre Gefühle in sanft-traurige Indie-Hits zu verwandeln.

Mit Disco raus aus dem Fiebertraum – Foals veröffentlichen „Wake Me Up“

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Nachdem auf den letzten zwei Alben fast schon apokalyptische Zustände besungen wurden, möchten Foals nun optimistischere Töne einschlagen. „Wake Me Up“ dient hier als erster Befreiungsschlag.

Seit den letzten Alben von Foals ist viel passiert. Brexit zeigt sein von allen erwartetes, hässliches Gesicht, den Klimawandel interessiert die Politik noch immer viel zu wenig und wir sind so ganz nebenbei in eine weltweite Pandemie geschlittert. Eigentlich Grund genug für Foals den aggressiven Ton, den sie auf „Everything Not Save Will Be Lost“ fortzuführen. Und dennoch will die Band mit dem neuen Song „Wake Me Up“ nun nach vorne blicken – ohne dabei das Erlebte auszublenden.

Der Frontmann Yannis Philippakis meint: „Die Lyrics greifen das Bild eines 18-monatigen Fieber-Albtraums auf, aus dem man wach wird. Wir wollen mit dem Song die Musik und den Rhythmus als Solches feiern, weil es genau das ist, was Herz und Seele in unsere Körper bringt. Es ist ein absoluter Hit, der Freude und Glück in uns auslösen soll!“ Tatsächlich erinnert der Song durch seine Funk-Elemente zurück an Zeiten, in denen man noch ausgelassen in Indie-Discos feiern konnte. Fans der Band werden schnell an den absoluten Party-Banger „My Number“ erinnert.

Doch wie bereits angeteast, möchten Foals auch die letzten 18 Monate für sich und für uns alle verarbeiten: „I’m walking through the fire / defiant on the wire, burning up my desire“. Nicht nur gesellschaftlich hat sich in der vergangenen Zeit viel getan, sondern auch bei der Band selbst. Nach 15 Jahren hat der Keyboarder Edwin Congreave sich aus der Band verabschiedet, um in Zukunft seinen Anteil bei der Bekämpfung der Klimakatastrophe leisten zu können.

„Wake Me Up“ ist der erste Ausschnitt aus dem neuen Album von Foals. Dies hat die Band das erste Mal als Trio aufgenommen und soll im Mai nächsten Jahres erscheinen.

„Wake Me Up“ von Foals gibt’s hier:

 

Das C-Team – Charli XCX releast „New Shapes“ gemeinsam mit hochkarätigen Features

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Charli XCX releast
Charli XCX // © Presse

Auf dem 80s-inspirierten Hit sind neben Charli XCX auch Christine and the Queens and Caroline Polachek zu hören.

Charli XCX ist eine:r der Künstler:innen, die sich Release für Release neu erfinden. Auf ihren Lockdown Songs hab sich die Musikerin noch nahbar, verletzlich und hat ihre Fans sinnbildlich mit in ihre vier Wände genommen. Seit ein paar Wochen ist klar, dass sie das nun hinter sich gelassen hat. Wie passend also, dass ihr neuester Song den Titel „New Shapes“ trägt. Unterstützung hat sie hier von Christine and the Queens und Caroline Polacheck bekommen.

Tatsächlich überrascht es schon fast, dass diese Kollaboration mit dem neuen Song Premiere gefeiert hat. In der Vergangenheit haben die drei Musikerinnen bereits in verschiedensten Konstellationen zusammengearbeitet aber nie in Form eines Trios. So ist beispielsweise Caroline Polacheck auf dem Song „Tears“ aus dem Jahr 2017 zu hören und Christine and the Queens auf der Lead-Single „Gone“ von 2019.

 

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Musikalisch scheinen die 80s der gemeinsame Nenner der drei Ausnahmetalente zu sein. Was Charli XCX mit dem Artwork bereits andeutet, zieht sich im Sound, wie ein roter Faden, durch. Hallende Synthesizer, auf das Nötigste heruntergebrochene Refrains und Drums wie aus der Popcorn Drum Machine. Zeitgleich mit der Single droppt die Musikerin auch das Release-Datum, wie auch den Namen ihres kommenden Albums: „CRASH“ erscheint am 18. März 2022 und kann ab sofort vorbestellt werden. Nach „Good Ones“ und „New Shapes“ ist davon auszugehen, dass „CRASH“ sich wieder aus dem Sci-Fi-Bedroom-Pop verabschiedet und größere Töne anpeilt.

Eine Kostprobe von „New Shapes“ von Charli XCX, Christine and the Queens und Caroline Polacheck gibt’s hier:

Nie war politischer Rap so leicht – Apsilon veröffentlicht mit „Sport“ und „Ich Leb“ gleich zwei erste Songs

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Apsilon Rapper
Still aus: Apsilon - Sport (prod. Ahzumjot)

Selten verspricht eine erste Single so viel, wie Apsilon mit seiner Doppel-Single „Sport“ verspricht. Der junge Moabiter veröffentlicht mit dem gleichnamigen Song und „Ich Leb“ seine ersten beiden Tracks in voller Länge. Die Dringlichkeit politischen Raps trifft hier auf die Gelassenheit und Leichtigkeit eines jungen Talents, das schon bald als eine:r der Newcomer:innen des nächsten Jahres bezeichnet werden wird.

Als wir im Juni für unser Interview mit Ahzumjot sprachen, erzählte er uns merklich begeistert von einem neuen jungen Rapper, gänzlich unbekannt, mit dem er im Studio gewesen war. Seinen Namen verriet er nicht. Jetzt wissen wir: Es kann sich nur um Apsilon gehandelt haben. Zu diesem Zeitpunkt fand man auf seinem Instagram Account schon einige vielversprechende Hörproben. Darunter auch aktivistische Acapella über Hanau, #deutschrapmetoo und Moria. Mittlerweile folgen ihm hier 1,5 Tausend Menschen. Seine Bio verspricht „Rap and Activism“.

„Deine Leute klatschen Beifall für ein Nazi, wenn es sein muss // Meine Leute klatschen Nazis von der Straße, wenn es sein muss“

Das vereinen auch seine Songs. „Sport“ erzählt von den gegensätzlichen Lebensrealitäten zweier Seiten der Gesellschaft. Die eine Realität: Rassismus, Racial Profiling, Polizeigewalt und der Kampf dagegen. Die andere: Das ignorante Leben in grenzenlosen Privilegien. „Dein Homie hat am Kotti Angst, dass ihn ein Kanak abzieht // Mein Homie hat kein Bock, dass deiner ihn wie n Bastard ansieht // Ihr kriegt Logenplätze Bruder, wir kriegen Zelle // Ihr könnt große Sätze, wir können rennen“

Das dazugehörige Video zeigt die schönsten Gesichter Berlins, darunter auch einige bekannte wie die von Miriam Davoudvandi, Şeyda Kurt und Naima Amazigh. Es zeigt die Menschen und Szenen, deren Schönheit wir im Alltag selten erkennen. Für die visuelle Umsetzung war 27BUCKS verantwortlich, der auch für Ahzumjot und OG Keemo die kreative Direktion übernimmt. Von ihm, Ahzumjot, stammt der Beat und die Produktion des Songs, sein Fußabdruck ist deutlich zu erkennen. Die Leichtigkeit, die sich hier mit derart schweren Inhalten paart, findet man in politischen Rapsongs selten.

„Sie sehen nur ein paar schwarze Schafe bei den Cops // Ich seh‘ einen großen Wolf und er macht seinen Job“

Andere Töne schlägt „Ich Leb“ an. Der Track ist langsamer, Apsilons Stimme tiefer, melodischer. Produziert von Cato, der auch mit Ansu arbeitet, ist die Stimmung hier schwerer und düsterer und stellt einen starken Kontrast zu „Sport“ dar. Apsilon singt und rappt von den Widerständen, denen er sich stellen muss. Nicht er allein, sondern alle Betroffenen von Rassismus und Diskriminierung. Während sich das Anwerbeabkommen mit der Türkei dieses Jahr zum 60. Mal jährt, findet er deutliche Worte zum Umgang mit der Generation der Gastarbeiter:innen und ihren Nachfahren: „Dieses Land frisst meine Leute seit den 70ern // und redet dann von Toleranz und Freiheit, verpiss dich Mann“ und „Dieses Land braucht uns nur, wenn es Business macht“.

Apsilons erstes Release beeindruckt mit diesen präzisen Zeilen, die genau da treffen, wo sie treffen sollen. Die verschiedenen Facetten der Doppelsingle machen neugierig auf alles, was hoffentlich sehr bald folgt.

Seht hier das Video zu „Sport“: