Mental Health und Erwachsen werden – Snail Mail veröffentlicht neues Album „Valentine“

Nach dem erfolgreichen Debüt-Album „Lush“ in 2018 meldet sich Snail Mail jetzt zurück. Die ersten drei Singles ließen bereits vermuten: Snail Mail ist erwachsener geworden. Das zeigt sich auch in den anderen Tracks auf dem Album „Valentine“ das am 5. November erschienen ist.

Als „Lush“ vor drei Jahren veröffentlicht wurde, war Snail Mail-Sängerin Lindsey Jordan gerade achtzehn Jahre alt. In kürzester Zeit spielt sie sich in die Herzen von Kritiker:innen und Fans. Laut.de schrieb damals: „Die Zukunft sieht für Snail Mail und seine Protagonistin Lindsey Jordan rosig aus. Ihr Debütalbum hat sie sofort in die Riege der kommenden Indie-Superstars wie Soccer Mommy, Car Seat Headrest, (Sandy) Alex G oder Mitski katapultiert.“ Dass so ein schneller Erfolg auch belastend sein kann, realisiert man oft erst später.

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Deswegen entschied sich Lindsey Jordan mehr oder weniger freiwillig für einen Rehab-Aufenthalt. Der Erfolg, eine zerbrochen Beziehung, alles wurde zu viel. In der Klinik in Arizona angekommen, schnappte sich die Musikerin Stift und Papier ohne Proberäume und Instrumente und fing an an „Valentine“ zu arbeiten. Obwohl der Rehab-Aufenthalt nur 45 Tage geht, dauert die Arbeit an den Songs beinahe zwei Jahre. Fast ungewöhnlich in unserer schnelllebigen Zeit. Diese neu gewonnene Ruhe spiegelt sich auch in einigen Tracks wieder.

Ein Kapitel abschließen und die Vergangenheit verarbeiten

Das Album „Valentine“ ist ein Schlussstrich hinter eine düstere Zeit, die Trennung und den Rehab-Aufenthalt. Das man so ein Album nicht von heute auf morgen schreiben kann, erklärt die Sängerin auch in einem Interview: “ Ich wollte mir mit diesem Album so viel Zeit wie möglich nehmen, um sicher zu sein, dass ich mit jedem kleinen Detail zufrieden bin, bevor ich es veröffentliche. Den Prozess würde ich als die tiefste innere Reinigung und Therapie beschreiben, die ich je erlebt habe. Valentine ist wie mein Kind!“

Dennoch scheinen einige Meilensteine ihrer frühen Karriere Lindsey Jordan immer noch zu beschäftigen. In Interviews spricht sie über ihre Erfahrungen in der harten Musikindustrie. Das schafft man als junge Künstler:in ohne Unterstützung nur schwer. Im Umgang mit Medien und dem Hype, den es plötzlich um die eigene Person gibt, hat ihr vor allem Katie Crutchfield von Waxahatchee geholfen. „Sie ist eine der besten Menschen, die ich kenne. Sie war seit dem Beginn von Snail Mail da, deswegen versteht sie wie schwer es bei jeder Veränderung ist. Es bedeutet sehr viel jemanden zu haben, der dich komplett versteht. Katie hat mir durch sehr harte Zeiten geholfen.“ 

Ganz neue Sounds und Altbewährtes

Katie Crutchfield ist es auch, die ihr den Produzenten Brad Cook vorstellt. Der Grammy-nominierte Produzent und Songwriter hat bereits mit Künstler:innen wie Bon Iver oder The War on Drugs zusammen gearbeitet. Überzeugt hat Lindsey Jordan vor allem der Pro-Woman-Approach des Produzenten und seine sanfte Art mit ihren Songs umzugehen. In seinem Home-Studio arbeiteten die beiden an „Valentine“ und brachten den Snail Mail-Sound auf ein neues Level.

Nicht nur thematisch ist das „Valentine“ eine Erweiterung. Während es in „Lush“ noch um Adoleszent, Aufbruchstimmung und den Wunsch sich selbst zu finden ging, schlägt das neue Album eher düstere Töne an. Weiterentwicklung lässt sich auch jenseits der Texte erkennen. Synthesizer und teils eher poppige Klänge, gepaart mit der tiefen Stimme des Sängerin machen „Valentine“ auch musikalisch zu einem intensiven Album. Dabei immer wieder das Thema der Weiterentwicklung. In „Mia“ singt Jordan: „Mia, don’t cry/ I love you forever/ But I gotta grow up now/ No I can’t keep holding onto you anymore.“

Ein Album für alle Anfang zwanzig

Mental Health, Trennungen und Erwachsen werden- Damit spricht Snail Mail sicherlich vielen Fans aus der Seele. Aber auch die Probleme, die dabei manchmal aufkommen thematisiert die heute zweiundzwanzig Jährige. In einem Interview mit dem Rolling Stone verrät sie: “ Ich war wirklich isoliert. Ich hab gesehen, wie jeder um mich herum Sachen so viel schneller veröffentlicht hat als ich und das hat mir Angst gemacht. Bei so vielen Dingen, über die ich reden musste, konnte mir keiner helfen.“ Das Album reiht sich neben Künstlerinnen wie Mitski und Phoebe Bridgers ein, die es schaffen ihre Gefühle in sanft-traurige Indie-Hits zu verwandeln.

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