Dieses Jahr geht das Maifeld Derby in seine bereits 8. Edition. Neben ein paar große Namen ist das Festival in Mannheim auch immer für seinen guten Riecher bekannt. So hat zum Beispiel ein junger Rotzlöffel aus der Pfalz damals seinen ersten Auftritt im Zelt gegeben. Dieses Jahr wird der gute Geschmack vom 15. – 17. Juni gefeiert.
HINDS
Lo-fi des Lo-fi wegen? So ähnlich kommt es bei HINDS aus Spanien rüber. Unbekümmert, frech und das obligatorische Temperament. Wir wollen halt auch ein paar Klischees bedienen. Zurück zum Thema: HINDS machen Spaß und den will man ja schließlich auch auf Festivals haben.
Samstag, 17:20 – 18:05, Palastzelt
Great News
Great News sind besser als Fake News. Nicht nur der Sache wegen, sondern auch, weil die Norweger richtig gute Musik machen. Dieses Jahr haben sie mit „Wonderfault“ ein Debüt veröffentlicht, das sie selber charmant wie folgt beschreiben: „Wonderfault“ ist etwas, das mit seinen Fehlern wunderschön ist und auch nicht komplett makellos sein muss, um schön zu sein. Man darf gespannt sein, wie der Daze-Pop von Great News live klingen wird.
Freitag, 18:40 – 19:20, Fackelbühne
Klangstof
Fast hätte es letztes Jahr schon mit dem Slot beim Maifeld Derby geklappt, wäre dem Festival in Mannheim da nicht Flaming Lips in die Quere gekommen. Die haben die Band aus den Niederlanden nämlich als Support für ihre große Amerika Tour gebucht. Zeit genug haben Klangstof am Freitag diese Absage mit ihrem Sound, der eine Mischung aus Indie, Electro ist und trotzdem lieber als verträumter Pop um die Ecke kommt, wieder gutzumachen. Inspirationsquellen wie Radiohead und Mercury Rev schreien laut von den Dächern und hauchen dem Frontmann Koen Van De Wardt Ideen ein, die sicherlich auch für große Bühnen, dann auch irgendwann ohne Flaming Lips, gemacht sind.
Freitag, 20:15 – 21:00, Fackelbühne
Rhye
Wer sich öfter auf aussterbenden Plattform Soundcloud herumgetrieben hat, dem wird aufgefallen sein, dass Post-RnB das neue Singer/-Songwritertum ist. Oftmals braucht man dafür auch nur irgendeinen x-beliebigen Beatmaker, ein paar nachdenkliche Lyrics und noch nachdenklichere schwarzweiß Bilder. Tatsächlich tappt Mike Milosh hier ziemlich in die Klischeefalle und doch unterscheidet sich sein Projekt Rhye in einem ganz entscheidenden Punkt – Rhye ist gute Musik. Mit seinem zweiten Album „Blood“ mag er dem Mainstream den kleinen Finger ausgestreckt haben, aber hey auch The xx laufen im Radio und auch sie bleiben verschont vor böser Verachtung.
Dass diese schrägen Vögel irgendwann noch einmal den Sprung auf den Hypetrain schaffen, hätten wir der Band aus London nicht zugetraut, als wir 2015 über ihr Debütalbum „Khaki Tears“ geschrieben haben. Man kann nur darüber spekulieren, ob Warmduscher ihren U-Umlaut im Namen in einer wilden Nacht verloren haben, oder ob die Band vielleicht auf dem Weg zum diesjährigen Eurosonic im Tourbus vielleicht ein wenig vor Babbel saß und zur Erkenntnis gekommen ist, dass ja ein Rechtschreibfehler in ihrem Bandnamen ist. Das mag alles sehr chaotisch und wirr klingen und so in etwa darf man sich auch die Bühnenshow der spannenden Warmduscher vorstellen.
Sonntag, 19:30 – 20:30, Brückenaward Zelt
Golden Dawn Arkestra
Einen Act wie Golden Dawn Arkestra in einem ersten Festivaljahr zu buchen, stellt sich als äußerst kompliziert da. Dies liegt gar nicht mal an der Bekanntheit der Band aus Austin, sondern eher daran, dass man als Organisator im ersten Jahr oft mit finanziellen Engpässen zu kämpfen hat und eine große Bühne halt mal teuer werden kann. Diese benötigt man nämlich, wenn man das knapp 20-Musiker große Disco Funk, Afrobeat und Rock And Roll Kollektiv zu sich einladen möchte. Gut, dass das Maifeld Derby und die Fackelbühne mittlerweile groß geworden sind!
Sonntag, 12:30 – 13:30, Fackelbühne
Chocolat
Wer Schokolade nicht liebt, hat nie gelebt. Vor allem, wenn sie derart funky verpackt daherkommt, wie bei den frankophilen Kanadiern von Chocolat. Da wir euch den Klick bei Google auf eine K-Pop Band ersparen wollen, binden wir lieber gleich den Link zu denKanälen der Band ein.
Samstag, 16:40 – 17:20, Fackelbühne
ÄTNA
Demian und Inéz alias ÄTNA aus Dresden machen kontrastreichen Elektro-Pop und wurden von den Veranstaltern des Maifeld Derbys als „das Spannendste was die deutsche Musiklandschaft derzeit zu bieten hat“ gelobt und kann durchaus so stehen gelassen werden. Mit einem Jazzstudium in der Hand und einer Liste an Inspirationen, spielen sie am Sonntag einen entspannten Slot auf dem Parcours d’Amour und sind somit mindestens genau so attraktiv wie der neu angekündigte Biergarten des Festivals.
Sonntag, 15:40 – 16:30, Parcours d’Amour
George Fitzgerald
George Fitzgerald ist der letzte Act unserer Tipps für das Maifeld Derby. An dieser Stelle sollte man vielleicht betonen, dass auch unsere Crew durchaus bei Acts wie Black Rebel Motorcycle Club, Editors, The Kills, Jon Hopkins oder The Wombats rumhüpfen werden und natürlich werden auch Headliner wie Nils Frahm oder Eels nicht außer Acht gelassen. Da das Maifeld Derby aber immer auch ein Festivals des Entdeckens ist, haben wir Acts in dieser Auflistung vorgezogen, die hinter den großen Namen vielleicht ab und an ein wenig untergehen möchten. So kann man zum Beispiel nur hoffen, dass die sich Besucher das elektronisch-harmonische Klangspektakel von George Fitzgerald nach Editors nicht entgehen lassen werden.
Deerhunter sind zur Zeit auf Tour: Morgen spielt die amerikanische Rockband um Koriphäe Bradford Cox im Leipziger UT Connewitz, am Mittwoch im Festsaal Kreuzberg in Berlin. Grund genug, um euch zur Vorbereitung unsere Lieblingstitel von Deerhunter vorstellen.
Ambient-Punk, Noise-Rock, Shoegazing, Psychedelic, Slowcore und Postpunk – das sind die Gefilde, in denen sich das Gespann um Bradford Cox musikalisch bewegt. Seit der Gründung von Deerhunter 2001 sind ganze sechs Alben und zwei EPs erschienen. Anlässlich ihrer wenigen Deutschlandkonzerte, die bisher geplant sind – in Leipzig, Berlin und auf dem Maifeld Derby in Mannheim – stellen wir euch drei unserer Lieblingstitel der amerikanischen Band vor.
Desire Lines
„Desire Lines“ steht nicht nur bei der Spotify-Hörerschaft hoch im Kurs, sondern auch bei uns. Der Titel erschien bereits 2010 auf dem vierten Studioalbum „Halycon Digest“ und ist definitiv ein echter Hit. Das Intro, geprägt durch sich steigernde und wieder abfallende Gitarren, bleibt wie auch der längere Instrumentalteil am Ende des Songs im Gedächtnis. Die Vocals, die in diesem Fall von Bradford Cox‘ Bandkollegen Josh Fauver stammen, sorgen für eine gelungene Abwechslung. Highlight: Der gesamte Refrain, der sich durch wiederholende „Woah-Ohs“ herrlich zum Mitsingen eignet.
Operation
„Operation“ ist nicht zuletzt wegen seiner überraschenden Tempowechsel ein kompositorisches Meisterwerk. Neben der musikalischen Komponente ziehen auch die kryptischen Textzeilen aus der Feder von Bradford Cox den Zuhörer in den Bann. Das Album „Weird Era Cont.“ feiert dieses Jahr übrigens sein zehnjähriges Jubiläum. Doch auch ein Jahrzehnt hat der Titel nicht an Beliebtheit eingebüßt.
Agoraphobia
„Agoraphobia“ bezeichnet die Angst vor weiten Plätzen: Ein Junge lässt sich während seiner Suche nach Trost und Wohlbefinden durch das Verspüren von Enge in diesem Song am lebendigen Leibe begraben. Auch hier singt Frontmann Bradford Cox nicht selber, sondern überlässt die Vocals Gitarrist Lockett Pundt. Das sanfte Schlagzeug und melodische, teils psychedelische Gitarren lassen zunächst auf ein verträumtes Liebeslied schließen, lässt man die Lyrics außer Acht. Das musikalische Backing sowie der Text gehen im Fall von „Agoraphobia“ weit auseinander, verleihen dem Titel allerdings das besondere Etwas.
Jordan Mackampa widmet seine neue Single „One In The Same“ den durch die moderne Kommunikation aufkommende Missverständnisse.
Die Musikwelt liegt Jordan Mackampa bereits zu Füßen. Kein Wunder bei dem Charisma und der Stimmgewalt, die der junge Brite so mitbringt. Der Musiker aus Coventry hat kongolesische Wurzeln und seine Jugend in den weiten der britischen Midlands verbracht. Sicherlich nicht immer einfach für einen Farbigen in dieser manchmal rauen Welt zu bestehen. Doch Jordan Mackampa tauchte viel lieber in seinen eigenen Musikkosmos ab und ließ sich von der Liebe seiner Mutter beeinflussen. Eine Liebe für die ganz Großen des Souls. Marvin Gaye, Bill Witwers und Curtis Mayfield gehören zu den Namen, die immer wieder fallen.
Und so verbindet er in seiner Musik Soul mit Folk und zaubert Songs wie „One In The Same“ hervor. Mackampa selbst sagt über seine Single folgendes: „Er spiegelt die moderne Kommunikation zwischen Menschen wieder, ob es nur Freunde sind oder doch etwas mehr. Wir sehen es als selbstverständlich an, wie einfach es ist, eine Textnachricht zu schicken zu FaceTimen oder einen Freund/Liebhaber anzurufen. Dies hat die Art und Weise wie wir miteinander sprechen verändert. Wenn man wie ich in einer Fernbeziehung lebt, ist es sehr einfach, seiner Freundin am Telefon zu sagen, dass es einem gut geht. Anders ist es wenn man jemandem direkt gegenüber sitzt und darüber spricht, wie man sich wirklich fühlt. Am Telefon entstehen viele Missverständnisse. Ohne direkten menschlichen Kontakt kann noch so viel mehr falsch gedeutet werden. Wir sind alle elektronisch miteinander verbunden aber physisch und emotional haben wir uns voneinander entfernt. Ich wollte zum Ausdruck bringen wie stark unsere „Online-Persönlichkeiten“ unser tägliches Leben vereinnahmen.
Nun gibt es auch ein dazugehöriges Video, das den jungen Musiker sitzend in einer britischen Sporthalle zeigt. Daneben werden immer wieder Szenen aus dem Alltag eingeblendet, die die Emotionen von Verzweiflung, Wut aber auch Freude zum Ausdruck bringen. Verstärkt werden diese Gefühle von den ausdrucksvollen Tänzen der Darsteller, die in ungewohnten Umgebungen ihren Gefühlen freien Lauf lassen. Im Laufe des Jahres soll dann auch das Debütalbum von Jordan Mackampa folgen.
Mystisch, traumhaft und irgendwie very skandinavisch – das sind CHILDREN. Nach knapp vier Jahren meldet das Duo sich nun mit „Lover’s Leap“ zurück und gibt einen ersten Einblick in neues Material.
CHILDREN, das sind Steffi Parker und Laura Loop, die sich in ihrer langjährigen Freundschaft zur Aufgabe gemacht haben gute Musik zu schreiben. Ihr „Berliner Dream Pop“ erinnert sehr an den verwandten Dream Pop, den man geografisch etwas weiter nördlich verordnen würde. Bei den Klängen von „Lover’s Leap“ und dem dazugehörigen Video fühlt man sich nämlich nicht nur anhand der Szenerie sehr skandinavisch. Ihr Sound ist minimalistisch, traumhaft und irgendwie doch sehr vertraut.
Die melancholischen Klänge werden durch auf Retro-getrimmte Instrumente wie eine lange Midsommernacht arrangiert. Dazu reicht man sich selbstgemachte Getränke und man genießt die kühle Brise, die einem am späten Abend in das angetrunkene Gesicht bläst. Es könnte alles so schön sein und doch hat das Video von „Lover’s Leap“ einen ernsten Charakter. Es geht darum die bösen Geister und Dämonen, die in einem schlummern zu vertreiben. Man soll über seinen eigenen Konflikten stehen, erst dann findet man seinen eigenen Frieden. „Lover’s“ Leap ist der erste Eindruck, den uns CHILDREN nach ihrem Debütalbum „Leaving Home“ geben.
Bei „Das Paradies“ handelt es sich um das Debütalbum von Tristan Brusch. Akustisch nimmt er einen an die Hand und wagt eine Runde über den Rummelplatz. Die Songs sind eine bunte Mischung aus Zuckerwatte und allerlei Süßem, machen aber auch keinen Halt vor der Geisterbahn.
Was das Paradies eigentlich ist, kann in verschiedener Weise beantwortet werden und eigentlich auf fast alles zutreffen. Im Interview mit uns sagte Tristan Brusch genau das. „Das Paradies kann sein: Ein Versprechen und eine Hoffnung, ein Ort nach dem Tod, ein Ort hier auf der Welt, ein Zustand oder auch einfach der Name für einen Puff oder ein Fahrgeschäft auf der Kirmes.“ An diesem Punkt handelt es sich bei „Das Paradies“ um das erste Album des Künstlers. Auch das Cover der Platte zeigt bereits, worum es gehen wird: Tristan Brusch, den man definitiv auf den Schirm haben sollte, wenn dies nicht schon längst passiert ist. Die enthaltenen Tracks sind süß, wie der Apfel (aber nicht ganz so verboten, wie die Frucht aus dem biblischen Paradies), trotzdem an manchen Stellen so giftig, wie der Biss der gezeigten Schlange. Das Album ist vor allem aber eines in jedem Fall: Eine willkommene Abwechslung davon, was der Deutsch-Pop des Mainstreams ansonsten zu bieten hat.
Verrücktheit und Talent
Mit „Zuckerwatte“ führt uns eine der Singleauskopplungen in das Album von 12 Songs. Eine Liebeserklärung, die aber doch etwas Verbotenes zeigt: Eine Tür, in die man sich trauen muss. Wie das Bier, so verschüttet der Künstler sich dann auch selbst, wenn die besungene Person den Mut dazu aufbringt, Verbote zu überschreiten. Der zweite Track „Karussell“ zeugt von der Verrücktheit, aber auch von dem Talent, das in Tristan Brusch steckt. Fast niemandem gelingt es, zur selben Zeit vulgäre Worte wie Kotze, Pisse und Fresse zu verwenden und dabei einen leichtfüßigen Refrain zu liefern, bei dem man eigentlich auch auf einem Karussell sitzen könnte und zum Beat den Kopf hin und her schwingen möchte. „Trümmer“ erschien ganz knapp vor dieser Albumveröffentlichung und überraschte mit experimentellen, aber ernsten und wichtigen Tönen.
„Ich lass dich nie los“, „Neujahrsschnee“ und „Die fetten Jahre“ sind Ausflüge in verschiedene musikalische Richtungen. Dort taucht man in elektronische Beats, Gitarrenriffs und 80er-Sounds, ruhige, fast schon balladenhafte Erzählungen und popige Selbstreflexionen ein, die durchaus tanzbar verpackt sind. Mit Charlotte Brandi holt sich Tristan Brusch die einzige Person als Gast auf sein Debütalbum. „Dispoqueen“ lässt aber dennoch auch Bezüge zu anderen Weggefährten zu. „Papa wollte immer nur ein rollender Stein sein“ könnte eine Referenz auf Maeckes Song „Urlaubsfotograf“ sein. Hier heißt es: „Papa war kein rollender Stein, Papa war ein Stein, den man von Autobahnbrücken auf fremde Frontscheiben schmeißt.“ Dieser Song erschien auf dessen Solo-Album „Tilt“, das Tristan Brusch komponierte. Bei seiner Arbeit am Album von Maeckes, lernte Tristan Brusch Äh, Dings kennen, der nun auch bei „Das Paradies“ tätig war. Charlotte Brandi ist ein Teil des Duos der Band Me and my Drummer und ist mit „Disoqueen“ auf den Spuren echter Liebe, die frei sein muss. Dies ganz ohne ins Schnulzige abzudriften. „Nicht mehr Zuhaus“ ist ein Beispiel dafür, welche starke Bildgewalt der Künstler im Gepäck hat. Das wird besonders an Zeilen wie „Die Welt ist meine Schlangenhaut“ mehr als deutlich. Das Album endet mit „Hier kommt euer bester Freund“ und „Tier“. Beide Songs sind ebenfalls vorab erschienen. Besonders mit dem Hinweis auf den besten Freund, deutet Tristan Brusch an, dass damit auch der Feind gemeint sein kann, der nicht all zu selten in einem selbst wohnt.
„Das Paradies“ ist ein ehrliches Album. Und das nicht nur deswegen, weil Tristan Brusch das selbst sagt: „Ich besinge halt Themen, die mir in meinem Leben begegnen und die mich berühren. Da ist nichts Ausgedachtes in meinen Texten, die eben alle meine Lebensbereiche behandeln.“ Genau diese Kunst besteht am Ende genau darin, dass Alltäglichkeit in Songs gepackt wird, die einen ergreifen und einen dann auch selbst berühren. So verschieden solche Themen sein können, sind auch die Songs auf der Platte, von denen jeder eine Überraschung birgt. Diese Überraschung offenbart sich hier und da auch dadurch, dass man in dem Track einen Spiegel erkennt, den man vor sich gehalten bekommt. Genau das ist das Gute an diesem Album: Es steckt nicht nur Arbeit vom Künstler drin, sondern fordert auch Arbeit vom Hörer, die sich aber definitiv lohnt, wenn man sich traut. Der Gang durch die verschiedenen Stände der Kirmes bringt einem zum Straucheln, doch man übergibt sich weder von zu schnellen Karussells, noch von zu viel Zuckerwatte.
Beste Songs: Zuckerwatte, Karussell
VÖ: 08.06.2018 // Downbeat Record / Warner Music Germany
Alle Jahre wieder beginnt im Mai eine Zeit in der Trunkenheit am Tage, Sonnenbrand in besorgniserregendem Zustand und Konzerte unter freiem Himmel ahnen lassen: Die Festival Saison ist eröffnet. Seid’s dieses Jahr so gut: Nehmt euren Müll mit heim, jagt euren Mitmenschen alle Stunde einen Liter Wasser wenn nötig intravenös ins System und an alle Typen, die immer noch nichts kapiert haben: Nein heißt fucking Nein. Achja, hier unsere Lieblingssongs des Monats.
Ben Howard – Nica Libres At Dusk
Mit der dritten Veröffentlichung vor dem Erscheinen seines dritten Studioalbums „Noonday Dream“ ist „Nica Libres At Dusk“ die erste Single, der Ben Howard auch ein Video hinzufügt. Staubtrocken ist es, ein Songwriter, der einsam Wüstenschutt mit den Stiefeln vor sich her tritt, auf unbefahrenen Bergstraßen wandert, im blauen Himmel ein paar Vögel, mehr ist da nicht außer dem Mann aus dem Westen Londons und dem besten Song seit seiner sieben minütige Hymne an die Verzweiflung des Auseinandergehens „The End of the Affair“. Howard hatte laut eigener Aussage nach seinem zweiten Album „I Forget Where We Were“, das die Unbekümmertheit und den Optimismus seines Debüts „Every Kingdom“ durch dunkle Melancholie und schmerzverzerrte Gitarren ersetzte, schwer damit zu kämpfen gehabt, dem Bühnendruck Stand zu halten und die Ausdrucksform seiner Kunst in Frage gestellt. Vielleicht habe er einfach ein Dichter sein wollen, Gedichte schreiben, den Zehntausenden vor den britischen Festivalbühnen endgültig entgehen, so der mittlerweile 30 Jährige. Auf „Nica Libres At Dusk“ sind es neben der atmosphärisch dicht gehaltenen Untermalung nun eben genau die Bilder von blutendem Zahnfleisch, gewisperter Unendlichkeit und zehn Zigaretten, die Howards Musik besonders machen. Es ist noch Platz in der Nische neben Patti Smith, Leonard Cohen und Nick Cave, diesen singenden Poeten.
Gurr – Hot Summer
Nach fünfzehn Minuten auf dem Fahrrad drückt die Körpernässe von Achseln und Rücken durch dein neues T-Shirt und das Sommerkleid, das eigentlich so luftig ausgesehen hat, klebt irgendwie noch bevor es wirklich Mittag wird am köchelnden Leib. Eis schmiltzt und verklebt deine Finger, die Straßenbahn riecht nach Menschen, von denen alle dreißig Sekunden der nächste über die warmen flatternden Lippen erschöpft wie ein Gaul ausatmet. Es ist ganz eindeutig: Der Mensch mag hierzulande für die Akkumulation des Kapitals gemacht sein wie die Kakerlake für schimmlige Stellen in defekten Geschirrspülmaschinen, im Sommer aber weist die Almanya Edition unserer Spezies ihren Grunddefekt in glänzender Gänze auf. Hier ein paar Tipps aus einem der besten Videos des bisherigen Jahres wie man, laut Gurr, den Sommer ganz famos verbringen kann: 1. Beim Oralverkehr ungehemmt in den bei Hochtemperaturen köstlich erfrischenden Teller Kartoffelbrei greifen, um so dem ganzen Spaß auch eine kulinarisch aufregende Note zu verpassen. 2. Nach dem Genuss eines Tages voller Selbsterfüllung im Büro sich einfach mal mit dem Kopf nach unten im Pool treiben lassen. Wer am längsten die Luft anhält, bekommt den nächsten Tag frei. 3. Auf der nächsten Gartenparty der WG, die du über zwei Ecken kennst, die Snacks nicht sofort in dein gieriges und von Alkohol und Weiterem angeregtes Mäulchen verfrachten, sondern einfach mal alle vier Hosentaschen, sofern vorhanden natürlich, bis zum Platzen vollmachen. Verbessert deinen Eigengeruch umgehend und wer sich für größere Aufgaben berufen fühlt, schreckt auch vor Käsesoße und Blätterteigtaschen nicht zurück.
Arctic Monkeys – Four Out Of Five
Die größte zeitgenössische Rockband der letzten zehn Jahre kehrt nach fünf Jahren mit einem neuen Album zurück. In den sozialen Netzwerken wird sich, vielleicht auch auf Grund der fehlenden Voraberscheinungen, aber vor allem über die Gesichtsbehaarung des Sängers eben jener Arctic Monkeys der virale Mund fusslig geredet. Das Album erscheint, in Großbritannien und überall sonstwo ist man sich einig: Dieser Sheffielder Sänger namens Alex Turner schreibt wie es niemand sonst vermag. Was an Witz schon in „Cornerstone“, an Charme schon in „Suck It and See“, und an Coolness in „Do Me A Favour“ vorhanden war, findet auf „Tranquility Base Hotel & Casino“ endlich soviel Platz wie nie zuvor. Was eben auch bedeutet, dass die Moshpits für die neuen Songs wahrscheinlich geschlossen bleiben, bietet Turner eine Weite an Möglichkeiten, seine Musik gänzlich um den Text herumwachsen zu lassen und so ist das neue Album voller wiederkehrender lyrischer Motive, die „Tranquility Base Hotel & Casino“ eher wie eine geschlossene Novelle des Autors Alexander David Turner erscheinen lässt, als dass es das befürchtetete Stadionrock Album wird, das die Kings of Leon, eine der weiteren Gruppen dieser ehemaligen Indiebands, die nun vor Zehntausenden spielen und sich über 2000 Pfund Strafen wegen Rauchens auf der Bühne nicht mal mehr ansatzweise kümmern, beispielsweise bereits zum dritten Mal in Folge gemacht haben. Turner & Co. sind von Einfachheit und Haudrauf-Gegröhle weiter weg denn je zuvor, auch „Five Out Of Five“, das vielleicht eingängigste Stück des Albums, erscheint in dystopischen Kubrick Visuals, während der Sänger mit der Gesichtsbehaarung zum Verweilen auf dem Mondkrater Clavius einlädt. So unvorstellbar und unzugänglich sei es gar nicht, singt er eindringlich, die kleinen süßen Läden schießen aus dem Boden wie die Pilze und die kalte Hand der Gentrifizierung streckt sich von Kreuzberg in die Schwerelosigkeit.
Beach House – Lose Your Smile
Beach House gehen auf „7“, dem siebten Album, das gleichzeitig die 77 Songs ihrer bisherigen Diskografie voll macht, nicht nur was mystische Zahlenspiele angeht in die Vollen. Wo auf den Vorgängern immer wieder zur musikalisch-minimalistischen Restriktion zurückgekehrt wurde, finden sich jetzt großflächige Arrangements aus Drums, Synthieflächen und der üblichen Dopplung der Vocals von Sängerin Victoria Legrand. Für Songs wie „Lose Your Smile“ ist nicht mehr ein Schlafzimmer, eine Bettdecke über dem Kopf oder eine einsame Zigarette auf einem nächtlichen Balkon die Bühne, auf der Beach House ihre Wirkung entfalten, es ist die Weite eines Science Fiction Films, betrachtet in einem großen Kinosaal, der von Fluoreszenz und Wellen voller Emotion geflutet werden kann. Nie war das Duo näher am Rausch von Shoegaze, was nicht nur der Stimme Legrands, sondern auch den Gitarren Alex Scallys eine Breite an Möglichkeiten verschafft, ihren originellen Dreampop Klang eindrucksvoller auf die große Bühne zu heben. So zu sehen und zu genießen gewesen zum Beispiel auf dem letztes Wochenende zu Ende gegangen Primavera Sound in Barcelona.
Leon Bridges – Forgive You
Wo eine Stimme für die Schwere des Blues gemacht wird, 60s Jazz auf einem Debütalbum Kritikerinnen und Fans in Staunen versetzt und auf der Bühne mit selbstsicherer Coolness getanzt wird als gäbe es das Wort „Publikum“ nicht, veröffentlicht ein Sänger aus Texas, der zufälligerweise alle oben genannten Attribute in sich und seiner Musik vereint, ein Liebeslied, das in seiner Emotion vielleicht genau so aus nur dem Blues und dem Soul kommen konnte. „Forgive You“ ist eine Ausnahme auf Bridges zweitem Studioalbum „Good Thing“, für dessen Tour im Winter Konzerte in London und Paris bereits jetzt ausverkauft sind. Eine Ausnahme deswegen, weil es musikalisch so wenig mit dem zu tun hat, was Bridges auf seinem Debüt den Ruf eines modernen Soulsängers mit dem Gespür der 60er Jahre eingebracht hat. Neben „Shy“ ist „Forgive You“ nämlich vor allem eins, gute Popmusik mit Hang zum Kitsch. Wenn schon zu Beginn über eingängigen Drums gefragt wird „Did I not love enough, to keep your attention on and on? Am I the stupid one?“, dann sind es vor allem klare Verzweiflung und offene Irrationalität, die die Ballade so herzzerreißend machen. Lyrisch hat man alles um „I forgive you, though my friends tell me not to“ sicher schon zu Genüge gehört, es ist Bridges Stimme und die sanfte Komposition aus ruhiger Gitarre über Synthies und Drums, die dieses Liebeslied niemals fad oder unehrlich wirken lassen, sondern es zum romantischen und ruhigen Mittelpunkt eines zweiten Albums machen, auf dem sich der 28 Jährige von der konstanten und doch arg repetitiven Reminiszenz an vergangene Vorbilder und Klänge befreit und zu einem individuellen und authentischen Stil aufbricht.
Snail Mail – Let’s Find An Out
„I would love people to just listen and not to be so obsessed with the fact that I’m a girl, or that I’m gay, or eighteen. Being a girl is not a genre.“, so Lindsey Jordan über die ihr zu Beginn des Jahres entgegenkommende Welle der Euphorie, in der sie medial zumeist mit Musikerinnen wie Soccer Mommy oder Girlpool in einem Atemzug genannt wird, was in der verallgemeinernden Natur der Aussage der Kunst jeder Künstlerin individuell die Eigenständigkeit raubt. Jordans Low-Fi Gitarrenrock überzeugt vor allem mit melodischen Refrains, ehrlicher Lyrik über gefühlte Unzulänglichkeit und nicht nachlassenden Herzschmerz und der Stimme der Sängerin, die auf ganz unangestrengt natürliche Weise eine Tiefe besitzt, die ihre Texte direkt umzusetzen vermag. „Let’s Find an Out“ ist nach den ersten beiden Veröffentlichungen „Pristine“ und „Heat Wave“ der erste Song des am achten Juni erscheinenden Debütalbums „Lush“, der auch ohne die für die ersten beiden Songs so entscheidenden Gitarrenriffs auskommt. Jordans Songtexte sind in der metaphorisch untermalten Klarheit ihrer Aussagen eigentlich als hätte man eine gute Freundin, die dir von ihrem Sommer erzählt als würde sie ihn im Kopf aufgeschrieben haben. Auf rot glühenden Juni folgt das simple Unverständnis in „Something that’s lost belongs to you. If someone should pay for it, I don’t know how who“, womit Jordan an die so intelligente Einfachheit in „Pristine“ („Don’t you like me for me?“) anknüpft und den glücklicherweise schamlosen Kitsch in „Heat Wave“ („Swirl in the white evening sun, tell me that I am the only one“) zum zart und originell aufblitzenden Motiv ihrer Texte macht. Bevor am Freitag nun ihr erstes Album erscheint, hat Snail Mail bereits auf Europas Bühnen in Amsterdam, London und Paris gespielt, eine große USA Tour nach Release steht kurz bevor. Und überall sind wahrscheinlich alle ganz gespannt, von Lindsey Jordan erzählt zu bekommen, wie es so ist, das Herz gebrochen zu bekommen. Dabei weiß man das doch oder? Oder?
Father John Misty – Please Don’t Die
Auf „pointless benders with reptilian strangers“ durch das Reich des Todes. Von einem Grab ins Nächste, knochige Arme greifen kalt und leblos nach lebendigen Fingern und die Natur ist bereits voraus gegangen, verdorrt und ausgebrannt. Eine durchaus düstere Metapher entwirft Father John Misty im neuen Video zu seiner Single „Please Don’t Die“, die Ende Mai vor der Veröffentlichung seines diesjährigen Albums „God’s Favourite Customer“ erschienen ist. Was visuell zwar für die Musik des Songschreibers typisch bewusst ironisch gehalten umgesetzt wird, beschreibt dunkle Momente im Leben eines Ausgezehrten, den wahrscheinlich nur noch die Liebe zum Geliebten/ zur Geliebten über der Erde hält. Und da kommt die stark an Emma Tillman erinnernde Rettungsfigur in Weiß vielleicht wirklich im letzten Moment gerade recht, um dem Tod sprichwörtlich von der Schippe zu springen. Was bereits auf „I Love You, Honeybear“ seine Texte bestimmt hat, kehrt auf „God’s Favourite Customer“ zurück und so ist das gerade erst erschienene vierte Studioalbum Tillmans erneut wieder voller Liebeslieder an seine Ehefrau, gewohnt selbstironiesierend und sarkastisch ausformuliert und bereit dazu, auch mal einen oder zwei Meter in die Wellen des Pathos hinzufallen. Der Witz ist sensibler geworden und der Nihilismus aufgeweicht in zuneigungsvoller Emotion. Gehüllt in einfache Melodien und wenig spektakuläre Arrangements ist Joshua Tillman auf seinem neuen Album so ehrlich wie noch nie.
Childish Gambino – This Is America
Es ist eines der spannendsten Videos der letzen Jahre, man muss sich die halbe Stunde Zeit nehmen, um die mehr oder weniger hintergründigen Metaphern dieses Bilderpuzzles von Donald Glover allesamt nur wahrzunehmen. Die Recherche lohnt sich, also los los, ab durch die erkenntnistheoretischen Möglichkeiten des Internets.
Iceage – Beyondless
Entstiegen aus einem Kopenhagener Stadtfriedhof jagen Elias Bender Rønnenfelt und seine Band Iceage auf ihrem im Mai erschienenen Album „Beyondless„ durch Beckett Poesie und Exzesslyrik, um so die beste Musik ihrer noch jungen Karriere zu machen. Wo beim Live Auftritt im Publikum Schweiß, Ellenbogen, Spucke und Geschrei ausgetauscht wird und Rønnenfelt sich hemmunsogslos in eben jenen Sog aus Ekstase wirft, ist es doch jede Sekunde spürbar, dass dem Punk hier ein wenig mehr entlockt als nihilistische Katharsis. Wut, Unverständnis und ein Auge für die alltägliche Bosheit des gemeinen Individuums finden sich in Texten wieder, die nicht zum Mitgrölen auf den Festivals dieser Musikwelt gedacht sind, sondern einer poetischen Abhandlung gleich mehr vorgetragen werden. Und so erscheint es nur logisch, wenn in Songs wie „Take It All“ oder dem Titeltrack „Beyondless“ der atmosphärischen Weite der Vorzug vor der Eingängigkeit eines Gassenhauers wie „The Lord’s Favourite“ gewährt wird. Iceage erweitern nicht nur ihr klangliches Bild um Bowie-Avancen und vielfältigen Instrumenteeinsatz, sondern gehen vor allem lyrisch auf mehr Originalität und Tiefe zu.
Der Grafikdesigner Peter Saville hat zusammen mit der britischen Kultmarke Dr. Martens an insgesamt drei Entwürfen im Stile von Joy Division und New order gearbeitet.
Peter Saville ist nicht nur einer der einflussreichsten Grafikdesigner der letzten Jahrzehnte, sondern auch eine Art Hausdesigner von Joy Division und New Order. Wir kennen sie alle – die Wellenform des Pulsars CP 1919. Zusammen mit der Band hat er am legendären Design zu „Unknown Pleasures“ gearbeitet und meint dazu: „Es ist sinnlich und doch sehr technisch. So tight wie die Drums von Stephen Morris und doch irgendwie fluid: viele Leute halten es für einen Herzschlag.“ Eben genau dieses Design wurde jetzt in Form eines Reliefs auf den hohen Lederschuh von Dr. Martens gedruckt.
Für das Cover von „Power, Corruption & Lies“ von New Order begab sich Saville in die National Gallery auf der Suche nach Inspiration. Auf dem Rückweg seiner erfolglosen Suche lief er an einem Souvenirladen vorbei und stieß auf eine Postkarte mit Rosen und schon war das Artwork geboren. Das dritte Design, das von Saville und Dr. Martens ausgewählt wurde, ist der Look von „Technique“ aus dem Jahre 1989.
Fast schon im Vaporwave-Style ist der Hintergrund in pinken und lila Tönen gehalten. Im Vordergrund ist eine neoklassizistische Skulptur zu erkennen, die aber durch die Farbgebung verfremdet wirkt. Es ist mit Sicherheit der auffälligste Schuh von allen. Alle Modelle sind für rund 169 Euro bei Dr. Martens auf der Website zu erwerben.
„The Rover“ nennt sich die erste Single aus dem neuen Album von Interpol und ist eine Wanderung zurück zu ihren Wurzeln.
Warum eigentlich unbedingt in Mexico City? Ganz einfach, weil Interpol an keinem anderen Ort der Welt so geliebt werden wie in der mexikanischen Hauptstadt. Das gibt einem als Band Kraft und Selbstbewusstsein und treibt einen sicherlich auch immer wieder an neue Musik zu machen. Diese haben sie gestern auf eine halb gescripteten, halb realen Pressekonferenz in Form von „Marauder“ vorgestellt. Entstanden ist das komplette Album in dem Studio der Yeah Yeah Yeahs in New York und schnell wurde klar, dass das Ding eine große Sache werden könnte.
Aus dieser scheinbar großen Nummer haben sie mit „The Rover“ gleich auch eine erste Single vorgestellt. Als Produzenten für ihren neuen alten Sound haben Interpol sich Dave Fridmann dazugeholt, der zuvor u.a mit den Flaming Lips, Spoon, MGMT und Mogwai zusammengearbeitet hat. „Marauder“ zeigt auch das Innenleben des Frontmannes, Beatmakers und Texteschreibers der Band. Was auf dem Vorgänger „El Pintor“ noch sehr abstrakt war, wandelt sich nun zu autobiografischen und direkteren Texten um. Passend dazu legte die Band diesmal auch einen besonderen Wert auf das Artwork.
So zeigt das Cover eine Fotografie des US Justizministers Elliot Richardson, der 1973 bei einer Pressekonferenz seinen Rücktritt erklärte, nachdem er Anweisung Präsident Nixons ignorierte den Verfassungsrichter und Sonderermittler Archibald Cox zu entlassen, der damals die Ermittlungen im Watergate Skandal gegen Tricky Dick leitete. Das Bild zeigt Richardson als einsamen und isolierten Menschen, in einer künstlich wirkenden Umgebung. Das Bild ging damals um die Welt. „Marauder“ handelt in vielen Teilen von Aufrichtigkeit und davon Rückgrat zu beweisen, weshalb das Foto perfekt zum Thema des Albums passt.
Heute erscheint mit „My Narrow Road“ die zweite Vorab-Single zum dritten Album von Roo Panes. Schwarz-weiße Bilder flimmern zum Vorboten von „Quiet Man“ über den Bildschirm.
Auf dem kommenden Album „Quiet Man“ geht es Roo Panes insbesondere um das zentrale Thema Zuspruch. Die Songs handeln vom persönlichen Wachstum, von der Anerkennung geliebter Menschen und von Vertrauensbeweisen unter Freunden. Und auch in der zweiten Vorab-Single zum dritten Album bewegt sich der Brite in diesem thematichen Spektrum und gibt sich gewohnt gefühlsvoll. „Oh you’re my narrow road/ But will you walk it with me/ All of the way to you/ Be my guiding light/ Be my view“, heißt es in dem fünfminütigen Track.
Passend dazu zeigt das Video immer wieder Kamerafahrten auf einer engen Straße – mal gesäumt von Bäumen, mal durch einen Wald führend. Im Wechsel mit den Landschaftsbildern werden sowohl der Gitarre spielende Roo Panes als auch verschiedene Personen im Close-Up gezeigt: Denn wie bereits der Songtext verrät, steht die enge Straße sinnbildlich für einen geliebten Menschen. Die Schlichtheit sowie die Schwarz-Weiß-Ästhetik der Filmbilder unterstreichen die Wärme und Emotionalität des Textes.
Musikalisch trifft Roo Panes in der neuen Veröffentlichung die Erwartungen seiner Hörer. Irgendwo zwischen Ben Howard, Sufjan Stevens und Bon Iver gelingt dem Briten ein zeitloses Songwriting, das trotz der simplen Untermalung durch die Akustikgitarre nicht langweilig wird. „My Narrow Road“ beginnt langsam und gewinnt im Verauf deutlich an Intensität: Nicht nur das musikalische Backing baut sich mit der Zeit auf und wird eindringlicher, sondern auch der Gesang unterliegt einer Steigerung in Bezug auf seine Kraft und Tonlage. Fast schon wie in Trance wiederholt Panes am Ende immer wieder die Zeile „Oh you’re my narrow road“, bevor die Intensität von Musik und Stimme relativ abrupt wieder abreißt.