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So war das 8. Maifeld Derby (+ Fotogalerie)

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Ilgen-Nur // © Sebastian Weindel

Fast 15.000 Besucher haben den Weg nach Mannheim zum Maifeld Derby gefunden, um Musik zu leben. 

Es ist eine unausgesprochene Tatsache, dass Musikfestivals in der Größenordnung wie das Maifeld Derby in den kommenden Jahren immer rarer werden. Dies hängt vor allem mit dem Verhalten von uns Musikkonsumenten zusammen, die schon lange keine Platten, geschweige denn CDs kaufen wollen und lieber auf Streaming-Angebote zurückgreifen. Dadurch wird der Konzertmarkt inflationär in die Höhe getrieben, das die Künstler am Ende des Tages dann doch nicht nur von unserer Liebe zur Musik leben können. Es hat sich also in den letzten Jahren eine Jagd auf die Gagen der Festivals gemacht, die vor allen kleineren und mittleren Festivals in Bedrängnis bringen. Da ist es umso überraschender, dass es das Maifeld Derby für seine 8. Edition dennoch geschafft hat an drei Tagen ein gleichbleibendes Niveau an Headlinern abzuliefern. 

Neben den großen Namen wie The Wombats, The Kills, Ibeyi oder Black Rebel Motorcycle Club sind es aber vor allem Acts wie Tamino, Gus Dapperton, Fibel oder Chocolat, die das sympathische Festival in Mannheim zu dem machen, was es ist. Und so wünschen wir den Veranstaltern nur, dass sie auch weiterhin mit derart viel Herzblut an die Herkulesaufgabe Musikfestival herangehen werden und überlassen besser dem Booker Timo Kumpf das Wort.

Hier könnt ihr den ausführlichen Bericht zum Freitag lesen. 

Hier könnt ihr den ausführlichen Bericht zum Samstag lesen. 

„Was soll man da schreiben, wenn man nach drei grandiosen Festivaltagen zum ersten Mal einen ruhigen Moment im Büro hat? Draußen spielt gerade der Black Rebel Motorcycle Club ein furioses Set und gleich werden die bestens aufgelegten Eels wohl noch einen draufsetzen. Zu dem Zeitpunkt hat der ambitionierte Zuschauer dann schon in fast 70 Konzerte unterschiedlichster Art reingehört. Pop, Jazz, Elektro oder gar Black Metal, Authentizität kennt keine Genregrenzen! Die 8. Auflage des Maifeld Derbys konnte auf ganzer Linie überzeugen und neben etablierten Acts wie Nils Frahm, Editors, The Wombats oder Neurosis waren mit Tamino, Tank And The Bangas oder George Fitzgerald auch viele Stars von morgen dabei. Samstag und Sonntag konnten wir mit fast 5000 Besuchern nahezu ausverkaufen und am Freitag fanden über 4500 Besucher den Weg auf das Mannheimer Maimarktgelände – viele davon weit angereist, zum Teil auch aus dem benachbarten Ausland. Zudem konnten daheimgebliebende Musikliebhaber die Konzerte der beiden Hauptbühnen bei ARTE Concert live im Internet streamen und sich so ein Stückchen Maifeld Derby nach Hause holen.  

Ich bin superhappy mit der diesjährigen Ausgabe. Wir haben die Besucherzahlen zwar erstmals nicht gesteigert, aber wenn man bedenkt, dass durch ein massives Überangebot – gerade im Juni – der Markt gerade komplett neue aufgeräumt wird, und dabei viele Veranstalter auf der Strecke bleiben, ist das Stagnation auf verdammt hohem Niveau. Darauf bin ich ebenso stolz wie auf mein Team, das ein organisatorisch nahezu perfektes Event auf die 4 Bühnen gebracht hat. Das Feedback welches uns seitens der Zuschauer und Bands erreicht ist phänomenal und für alle Beteiligten ist es weit mehr als nur ein normales Festival-Wochenende. Ich bin wahnsinnig stolz, wie sich diese Schnapsidee entwickelt hat. Und dabei geht es hier nicht um Selbstbeweihräucherung, es geht um Musik!“ 

Sebastian Weindel hat die 8. Edition des Maifeld Derbys für uns bildlich festgehalten. Hier eine Galerie: 

 

Amilli veröffentlicht „Rarri“ und macht eure Sommernächte ein Stück realer

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Amilli // Pressebild

Amilli ist 18 Jahre alt, kommt aus dem Pott und ist mit „Rarri“ bereit für den nächsten Hype.

Sind 12.000 Klicks innerhalb von drei Tagen bei einer Abonnentenzahl von gerade mal 290 schon Hype-würdig? Wir glauben schon. Amilli ist gerade mal junge 18 Jahre alt, kommt aus Bochum und bringt von Flow bis Vibe alles mit, was man derzeit für einen Superstar braucht. Ihre erste Single ist ein entspannter Mix aus RnB, Soul, der jedoch keine Scheu vor großen Popgesten zeigt. In „Rarri“ geht es um Marken wie Ferrari, oder Louis Vuitton. Während andere Menschen in ihrem Alter, gepusht von dem Lifestyle der (T)Rapper und Youtuber, noch geradezu darum betteln Supreme & Co. von ihren Eltern geschenkt zu bekommen, steht Amilli längt drüber und besingt solche Absurditäten lieber.


Die Entspanntheit in der Stimme der jungen Musikerin wird von den Beats von leomarykate begleitet. Der Produzent hängt nicht nur mit Amilli ab, sondern hat auch die beiden anderen Songs auf Spotify produziert. Auf den Spuren von Mavi Phoenix sucht Amelie Flörke zusammen mit ihrem Produzenten gerade ihren Platz in einem Business. Es schint, als wäre das alles nur ein einziges Game für Amilli. Bei ihrem Künstlernamen hat sie sich von keinem geringeren als Lil Wayne inspirieren lassen und auch sonst macht die Musik der Bochumerin den Eindruck, als wäre die Welt nicht so kompliziert wie sie scheint. Irgendwie erschleicht einen das Gefühl, dass es sich bei Amilli und ihrem „Rarri“ um eines dieser Naturtalente handelt, die auch ohne große Mühe immer gewinnen. Und vielleicht ist genau das ihr Geheimrezept?

Jung macht alt und umgekehrt – So war der Samstag beim Maifeld Derby

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Samstag // © Sebastian Weindel

Nach einem ereignisreichen Festivalfreitag bot der Samstag beim Maifeld Derby nicht nur ein großes Potenzial für Sonnenbrände, sondern auch viel Indie-Nostalgia.

Die Uhr schlug 14:20 und es versammelte sich ein aufgeregter Mob vor der Fackelbühne, welcher nur von einem Großeinsatz unserer Lieblingskommissare gebändigt werden konnte. Die Rede ist von der Mannheimer Band FIBEL, die einen Tag vorher mit „Kommissar“ ihre erste EP veröffentlicht hat. Mit Songs wie „Kripo“, „Medikament“ oder „Tristesse“ kombinieren sie vertrackte Post Punk Attitüde mit tanzbarem 80’s Charme. Es gibt diese Bands auf dem Maifeld Derby bei denen man sich fragt, ob die Veranstalter sie auch wegen der Nähe zu Mannheim mit ins Booking genommen hat. Diesen Zweifel hat man bei FIBEL keine Sekunde lang, vielmehr fragt man sich, wie lange es wohl dauern wird bis der Name dann auch im großen Palastzelt aufblitzen wird. Kurz nach FIBEL tritt mit SIND die nächste deutschsprachige Band auf. Mit ihrem Sound, der sich manchmal auf einem schmalen Grad zwischen Golf, Wanda und Clueso bewegt, finden sie auf dem Maifeld Derby ihr Publikum. Vollends überzeugen die sympathischen Musiker dann mit ihrem bandinternen Secret Act namens Eros Ramazotti. 

Über die Alpen ins Palastzelt geht es anschließend zu 5k HD, die live noch eine Spur elektronischer zu Werke gehen als auf Platte. Gut, dass das Palastzelt so viel Schatten wirft, denn tatsächlich kann man sich die Songs der Band aus Österreich gut zu späterer Stunde vorstellen. Da das Laben aber nicht immer nur süß ist, helfen Chocolat mit einer großen Portion Psych-Sweetness nach. Trotz drückender Hitze schaffen es die Kanadier aus Montreal Leute mit ihrem Gitarren-Wahnsinn für sich zu begeistern. Ähnlich hitzig, aber deutlich entspannter geht es anschließend bei den Girls von Hinds zu. Die Spanierinnen nehmen kein Blatt vor den Mund und schämen sich auch nicht ihrer Einflüsse Mac DeMarco, The Strokes und The Black Lips zu huldigen. Und genau das spiegelt ihr knackiges Set, das mit noch knackigeren Ansagen gespickt ist, wider. 

Noch euphorisiert vom schnellen Lo-Fi-Sound fällt es schwer dem Antennen-Gedöns von Kid Simius eine Chance zu geben. Nett, dass der Samstag auf dem Maifeld Derby gut besucht war, denn so konnte dieser Part von genug anderen Festivalbesuchern erledigt werden. Zeit genug also das Festivalgelände unsicher zu machen und sich von den etlichen Bierspezialitäten überzeugen zu lassen. Übrigens trinken eure Mütter Aperol. Das nur mal so dahingestellt. Kurz vor 21:00 trank man im Parcours d’Amour zwar keinen Aperol, dafür trug man aber Afro und Geige. Sudan Archives tauchte in experimentelle Klangwelten ab und entdeckte zusammen mit einer breiten Masse die Tiefen von Afro-Beat, Jazz und Soul. 

Wesentlich bodenständiger ging es bei The Wombats zu. Ja, genau jenen Wombats, die in den 00er Jahren mit „Kill The Director“, „Moving To New York“ und „Let’s Dance To Joy Division“ eines der Zugpferde einer kompletten Bewegung gewesen ist. Schaut man sich den Verfall ihres Genres an, gleicht es fast an ein Wunder, dass die Band aus Liverpool das große Sterben überstanden hat und kürzlich mit „Beautiful People Will Ruin Your Life“ sogar ein solides Album abgeliefert hat. Und trotzdem sind es am Ende des Tages natürlich die großen (alten) Indie-Banger, die, die Menge zum Moshen und zum Mitsingen bewegen. Dies passiert natürlich stilecht mit weit ausgebreiteten, in die Luft ausgestreckten Armen. Very british, very Indie. 

Im Palastzelt kam dann eine Band zusammen, die in den letzten Jahren eben genau dafür kritisiert wurde, dass sie dieser Indie-Bewegung unbedingt entkommen wollte. Die Rede ist von Editors. Live zeigt sich der SWR3-Sound der letzten beiden Alben von einer deutlich angenehmeren Seite und doch werden auch hier vor allem alte Hits wie „Papillon“ oder „Smokers Outside the Hospital Doors“ gefeiert. Was zurückbleibt bei uns ist vor allem am Ende des Abends eine große Portion Nostalgie, die aber in ein Mitgefühl für Bands wie Editors oder The Wombats übergeht. Musiker wie Tom Smith oder Matthew Murphy versuchen dem musikalischen Stillstand zu entkommen, um dann bei einem Festival-Slot doch gefühlt zur eigenen Coverband werden zu müssen. Es wird spannend zu sehen, wie Eels, The Kills und Black Rebel Motorcycle Club dieses Problem am Sonntag angehen wollen. 

Impressionen vom zweiten Tag auf dem Maifeld Derby:

Musikalische Tipps für das Maifeld Derby findest du hier und hier

Nie wieder analog – Gurr im Interview

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Gurr // © Rowan Allen

Sechs Jahre nach der Gründung von Gurr stehen Laura Lee und Andreya Casablanca vor der Veröffentlichung ihres zweiten Albums. Im Interview geben die beiden uns unter anderem bereits erste Einblicke in den Entstehungsprozess.

„Hot Summer“ heißt der erste Vorbote des zweiten Albums von Laura Lee und Andreya Casablanca alias Gurr. Die beiden können uns zwar noch nicht verraten, wann die von so vielen Künstlern gefürchtete zweite Platte erscheinen wird – einen Einblick in die Produktion des Debüt-Nachfolgers geben sie uns im Interview trotzdem schon. Außerdem verraten sie uns, wie sie heiße Sommertage am liebsten verbringen und sprechen mit uns über deutsche Musik und Festivalkultur.

„Hot Summer“ ist der erste Vorbote von eurem zweiten Album. Wie steht ihr der Veröffentlichung des Debüt-Nachfolgers gegenüber? Viele Künstler haben ein bisschen Bauchschmerzen beim Gedanken an die Veröffentlichung des zweiten Albums – teilt ihr dieses Gefühl?

Laura: Es kribbelt uns auf jeden Fall gerade eher sehr krass in den Fingern, wieder was neues zu veröffentlichen. Das Einzige, was wirklich anders ist als bei unserem letzten Release, ist, dass wir beim zweiten Album nicht wirklich Zeit hatten, das Ganze in einem Stück aufzunehmen und zu mischen. Daher zieht sich der Prozess gerade etwas in die Länge. Aber wir haben auf jeden Fall super viel geschrieben und aufgenommen im letzten Jahr und hoffen, das Ganze dann bald rauszubringen.

Inwiefern hat sich nach der Veröffentlichung von „In My Head“ für euch beim Songwriting und der Produktion etwas geändert? Hattet ihr euch nach eurem Debüt vorgenommen, explizit etwas anders zu machen?

Laura: Nie wieder analog (haha)! Unser letztes Album haben wir ja komplett analog auf Band aufgenommen – es gibt auf dem ganzen Album glaube ich nur einen digitalen Schnitt. Für unser neues Album wollten wir uns da mehr Freiheiten lassen…

Foto: Rowan Allen

Andreya: Es war auch eine komplett neue Sache für uns, sich hinzusetzen und gezielt Songs fürs Album zu schreiben. Viele Demos sind Demos geblieben, und ein paar Riffs haben wir dann in ganze Songs ausgearbeitet. Bei „In My Head“ haben wir viele der Songs erstmal live gespielt bevor wir etwas aufgenommen haben.

Wie lief denn die Produktion des Nachfolgers ab?

Laura: Den Großteil haben wir im UFO Studio in Berlin aufgenommen. Aber „Hot Summer“ haben wir zum Beispiel in London in den Miloco Studios aufgenommen. Wir haben auch zum ersten Mal mit verschiedenen Produzenten zusammengearbeitet, was für uns eine riesen Ehre war. Zum Beispiel ist der Produzent der Band Sunflower Bean, von denen wir große Fans sind, extra für unsere Aufnahmen nach Berlin gekommen. Das macht uns schon ein bisschen stolz!

Verratet ihr uns, wann etwa die neue Platte erscheinen wird?

Laura: Leider gibt es noch kein finales Releasedatum – aber die nächste Single wird auf jeden Fall ganz bald erscheinen.

Was macht Ihr denn idealerweise an einem „Hot Summer“-Tag?

Andreya: Früh aufstehen, um noch ein bisschen Prä-Hitze mitzubekommen und dann, für mich, ganz klassisch an den See oder ins Bad, wenn’s leer ist… Idealerweise wäre natürlich am Meer zu sein. Lange Zeit habe ich die Hitze und den Sommer richtig gescheut, aber seit ein, zwei Jahren sauge ich die Sonne lieber auf.

„Hot Summer“ ist einer unserer besten Songs des Monats Mai.

Ihr spielt in diesem Sommer auf vielen Festivals. Seid ihr eigentlich selbst auch Festivalgänger? Welche Festivals liegen euch besonders am Herzen – irgendwelche persönlichen Favoriten?

Laura: Für mich ist das Highlight des Festivalsommers auf jeden Fall schon, dass ich Dave Grohl auf dem Rock am Ring kennengelernt habe. Aber Immergut war auch schön – besonders als Ty Segall nach dem Stromausfall auf der kleinen Bühne gespielt hat.

Andreya: Ich fand das Immergut richtig toll – und eigentlich ist es immer schön, wenn viele Bands spielen, die man kennt. Dann ist das so wie mit FreundInnen auf einem Festival zu sein.

Wie steht ihr im Allgemeinen der deutschen Festivalkultur gegenüber?

Laura: Puh, ich weiß gar nicht, ob es da international so Unterschiede gibt?

Andreya: Ja, ich glaube wenn Asi, dann überall Asi. Und die coolen Festivals gibt es auch überall. Letztes Jahr haben wir in England auf dem Latitude Festival gespielt und das war so überraschend cool! Total familiär und kreativ, aber dennoch echt groß.

Wenn abends im Zelt auf der Aftershow Oasis gespielt wird. Mitsingen oder an die Bar gehen?

Laura: MITSINGEN!

Andreya: Und ich hol‘ die Drinks für Laura an der Bar.

In Deutschland bedient ihr mit eurer Musik noch eine Nische, obwohl ihr in UK und den USA viele Weggefährten habt. Wie erklärt ihr euch das? Was läuft an der musikalischen Sozialisation in Deutschland anders bzw. falsch?

Andreya: Also ich glaube nicht, dass es falsch ist. Es kann ja nicht überall die gleiche Musik geben. Ich weiß auch nicht, was hier anders läuft – und ich weiß, dass ich oft daran verzweifele, aber es wäre auch langweilig, wenn es hier die gleichen Bands gäbe wie in den USA und in England. Dass es hier sowas wie Klaus Johann Grobe oder Bilderbuch gibt, ist ja auch einmalig. Und wir freuen uns auch total über den Support von der deutschen Musikszene wie zum Beispiel von Kraftklub.

Denkt ihr, dass es als deutschsprachige Band schwieriger ist im Ausland Fuß zu fassen?

Andreya: Also, wenn deine Lyrics deutsch sind auf jeden Fall. Dazu fallen mir nur Rammstein und Nena ein, und die bedienen beide krasse Genres. Aber eine Band wie Alphaville hat ja auch einen weltweiten Hit geschrieben – oder Milky Chance touren auch ausverkauft durch die USA. Ich glaube generell schwappen wenige deutsche Bands auf internationale Touren, die jetzt kein massiv großes Level erreicht haben. Aber das finden wir total spannend.

Und zu guter Letzt: Was sind die heißen Musikempfehlungen für den Sommer?

Andreya: Ich finde alle neuen Singles von Mavi Phoenix, wie Yellow und Bite richtig gut. Mir gefällt der Sound total.

Girl Power & Beats – So war der erste Tag beim Maifeld Derby

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Freitag // © Sebastian Weindel

Wenn in Mannheim wieder Steckenpferde zu guter Musik galoppieren, weiß man, dass das Maifeld Derby wieder zu sich einlädt. Der Freitag war ein Tag voll mit Girl Power, staubig gutem Wetter und brachialen Beats. 

Fast hätte es den Anschein erwecken können, dass die Veranstalter des Maifeld Derbys in Mannheim jeden Tag brav ihre Suppe aufgegessen haben. Denn kaum auf dem heißen Gelände angekommen, vermisste man die Sonnenbrille und die Sonnencreme. So musste man sich seinem Schicksal ergeben und durfte in Gegenzug dem Opener des Festivals Gringo Mayer zuhören. Ihre Musik ist eine Mischung aus Americana und The War On Drugs und passt somit doch ganz gut zu dem rötlich verbrannten Nacken. Diesem konnte man anschließend kurz im Schatten zu den Immenhof-Filmen in der Nähe des Parcours d’Amour eine Pause gönnen. 

Dort haben die Veranstalter nämlich eine große LED-Wand hinstellen lassen, falls Fußball am Sonntag überraschenderweise doch spannender sein sollte als Alex Cameron oder Eels? We doubt it! Nach einem Snack an den feinen, regionalen Buden durfte man die eingenommenen Kalorien bei Leyya wieder wegtanzen. Ihr Set ist live noch einmal eine Schippe schneller als auf Platte und damit quasi ein gutes Fit For Free-Angebot. Ähnlich hibbelig waren an dem Tag die Dudes von Great News drauf. Die Norweger gelten mit ihrem Debütalbum „Wonderfault“ zwar noch als Newcomer, spielen aber schon Shows wie die ganz Großen. Ihr Auftreten ist so charmant wie das ihrer Landsmänner von Kakkmaddafakka und der Sound so verpsycht wie der von Tame Impala. Wir sind froh, dass wir dank Maifeld Derby in ein paar Jahren wieder damit klugscheissen können, dass man die ja schon „vor Ewigkeiten“ live gesehen hat. 

Kaum ist der letzte Gitarrenriff von Great News im Staub der Fackelbühne erloschen, schallte es schon voller Stimmgewalt aus dem Palastzelt. Denn hier sorgten nun eine knappe Stunde lang für majestätische Zustände. Die bei XL Recordings unter Vertrag stehenden Zwillingsschwestern von Ibeyi sprechen mit der Stimme von Michelle Obama die Missstände der Frauen und den Sexismus von Patriarchen wie Trump an. Mit ihren beigen Overalls gaben die beiden Ausnahmekünstlerinnen einem das Gefühl an einem Bootcamp für das eigene Selbstvertrauen teilzunehmen. „Deathless“ sollte man sein und an sich und die eigene Stärke glauben. So richtig in eine Kiste einordnen lässt sich der Ibeyi-Sound nicht und es ist genau das, was die Musik der beiden Frauen so faszinierend macht. Ein Hauch Pitchfork-Festival wehte durch das Palastzelt und fegte uns erst nach dem letzten Schrei hinaus zu gutgelaunten Niederländern.

Klangstof // © Sebastian Weindel

Diese tragen den Namen Klangstof kommen aus Amsterdam und geben zu eigentlich keine besonderen Musiker zu sein. Wen das sympathische Untertreiben nicht stört, kann eine sehr gute Zeit mit den Jungs und ihrem weirden Electro-Indie haben. Oft sehnen sich die Besucher des Maifeld Derbys nach dem ausgiebigen Tanzen nach einer Pause auf dem Parcours d’Amour, wo sie dann mit ihrem Aperol Spritz kurz entspannen wollen. Das mag zwar nach einer netten Pause klingen, kann für die gerade auftretenden Acts jedoch manchmal auch fatal sein. Als Fenny Lily aus London ihr ehrliches Bedroom-Pop spielte und sich die Seele von schlimmen Typen wieder reinwaschen wollte, gab es immer wieder störende Unterhaltungen, die das Gesamtgefühl (für die Künstlerin) schmälerte. 

Da tat es gut, dass Rhye an jenem Tag die Beatkiste ganz voll gepackt hat und sich offensichtlich zum Ziel gemacht hat sich in einem seiner seltenen Europa-Shows zu verausgaben. Anders ist die Energie und Spiellust des Kanadiers nämlich nicht zu erklären. Ein weiteres Highlight bot etwas später Sam Vance-Law der den eben noch zurückhaltenden Parcours d’Amour mit nur ein paar Keyboardklängen fast zu sich auf die Bühne geholt hat. Es wurde ausgelassen getanzt und trotzdem immer im Hinterkopf behalten, dass man ja fast keine Zeit hat. Da kann man als Kanadier schon mal vergessen, dass man eigentlich Deutsch kann. Etwas später bot Nils Frahm mit verwandten und doch so andersartigen Klavierklängen Pionierarbeit bei der man nur anerkennend wackeln und staunen konnte. Eben dieses Wackeln arteten mit tiefen Bässen von Jon Hopkins zu später Stunde  in ein wildes Schütteln aus. Damit hätte man sich die mit Pizza und Handbrot angefressenen Kalorien wieder abtrainiert und man ist ready für einen zweiten Festivaltag. 

Impressionen von dem ersten Festivaltag auf dem Maifeld Derby: 

Musikalische Tipps für das Maifeld Derby findest du hier und hier

 

Exklusive Premiere – KITSCH veröffentlichen ihr erstes Video zu „Cellphone“

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Die deutsche Band KITSCH veröffentlicht ihr erstes Video. „Cellphone“ heißt der Song, dem das Quartett die ersten Bewegtbilder in ihrer Musikkarriere widmet.

In ihrem ersten Musikvideo präsentiert sich das Quartett von KITSCH in einem Pastelltraum aus Rosa, Gelb und Blau. Das DIY-Video, das mit seinen Neon-Schriftzügen und tanzenden Oldschool-Handys an die Ästhetik der 80er Jahre erinnert, ist das erste Lebenszeichen von Thoralf, Niklas, Julian und Moritz aus Hannover und Peine, die seit 2017 gemeinsame Sachen unter amourösem Namen machen.

Mit dem Song „Cellphone“ bewegen sich KITSCH zweifelsohne im Dunstkreis des gitarrenlastigen Indiepops: Synthesizer, eingängige Gitarren und simple Lyrics gehören zum festen Bestandteil ihres Arrangements und erschaffen passend zur Jahreszeit eine frische, sommerliche Atmosphäre. Damit reiht sich das Quartett in die neue Welle deutscher Indie-Gruppen ein, zu der derzeit auch Rikas, Fibel oder Ilgen-Nur zählen.

„We rip off other pop bands“, lassen KITSCH auf ihrem Instagramkanal verlauten. Da ist es kaum verwunderlich, dass musikalische Parallelen zu britischen Vorreitern des Indie-Pops wie Two Door Cinema Club nicht von der Hand zu weisen sind. Mit der provokanten Äußerung schaffen es KITSCH allerdings, das Vorurteil des immer gleichen Indie-Sounds humorvoll zu umschiffen. Bleibt abzuwarten, was das Vierergespann zukünftig von sich hören lässt.

Eine Liste mit Fußballsongs, die einigermaßen erträglich sind

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Still aus: The Rhythm Method - Chin Up

Es ist wieder Schlandzeit und überall werden laute, dumme Songs gespielt, die oft genau so viel Nationalismus aussagen wie die AfD. Aus diesem Grund haben wir uns auf die Suche noch ein paar brauchbaren Songs für die WM gemacht. 

The Rhythm Method – Chin Up

„A plastic chair, thrown across a European market square“, sind sie nicht nett die Engländer? Mit dieser Line besingt das britische Duo The Rhythm Method ihre Three Lions augenzwinkernd und hat ein paar hochkarätige Sommertransfers getätigt. Für das Video und den Chorus wurden nämlich Swim Deep und Ellie Rowsell von Wolf Alice verpflichtet. Mit dieser Sturmspitze und dem sehr 90’s liken Song übersteht England die Gruppenphase vielleicht sogar.

Mad Fox – Hush

Mad Fox sind eine junge Band aus Luxemburg, die in ihrem Video die Vielfalt des Landes ausdrückt Egal ob Spanier, Portugiese oder Belgier, hauptsache man mag Fußball und im Fall von Mad Fax Vespas. Ob es aber auch daran liegt, dass Luxemburg leider nicht mit dabei ist, sei mal so dahingestellt. 

Parquet Courts – Total Football

Total Football ist die englische Übersetzung von „Voetbal total“ einem Spielsystem, das von den Niederländern geprägt wurde. Auch die Elftal muss dieses Jahr leider zuhause bleiben und kann als Trost wenigstens ein paar Parquet Courts Panini-Bilder sammeln. Der Song ist nämlich so ziemlich alles, was Parquet Courts ausmacht. 

New Order – World in Motion

Das Video zu „World in Motion“ wirkt wie eine High Class Produktion des oben genannten „Chin Up“ und diente mit Sicherheit auch als Inspirationsquelle. Der Song wurde anlässlich der WM 1990 in Italien aufgenommen und ist ehrlicherweise kein super gelungener New Order-Song und trotzdem reicht es für diese Liste, da es sich dann doch noch minimal von dem restlichen Trash abhebt. 

Real Lies – World Peace

Unser letzter Tipp zur WM hat eigentlich keinen Bezug zu Fußball, sondern soll einfach eine Message zwischen all der Korruption und all dem aufkommenden Nationalismus aussenden. Und wenigstens sind Fanschals und Fußballtrikots im Video zu sehen.

Goodbye Skinny Jeans – Wie deine einstigen Indie-Idole das ehemalige Must-Have komplett beerdigen

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Spätestens mit dem neuen Release von „Tranquility Base Hotel & Casino“ und den dazugehörigen Pressebildern wurde das einstige Must-Have der Indie-Szene beerdigt. 

„I just wanted to be one of the Strokes, now look at the mess you made me make“, mit diesen Worten steigt Alex Turner auf dem sechsten Studioalbum seiner Arctic Monkeys ein und meint damit sicherlich mehr als nur die Musik. Denkt man zehn Jahre zurück, dann denkt man eben auch an Julian Casablancas und The Strokes. Kaum ein andere Band zu der Zeit verkörperte den rauen, wüstenstaubigen Lifestyle mit New York Hero-Chic mehr als The Strokes. Noch bevor die damalige Indie-Welle endgültig in Großbritannien einschlug, trugen die Mitglieder schon lange Pilzkopffrisuren, Lederjacken, Chelsea Boots und hautenge Skinny Jeans. 

Julian Casablancas war eine Art Posterboy einer neuen Bewegung, die durch Myspace damals noch einen weiteren Schub bekommen hat. Schnell wurde der Style millionenfach kopiert und selbst heute findet man in den Massenfilialen dieser Welt noch Überbleibsel davon wieder. Erst kürzlich hat Aldi beispielsweise Bandshirts in seinem Werbekatalog beworben. Es war ein Look, der für die Jugendkultur, wie auch für die Modemarken vor allem eines symbolisierte: Rock and Roll und Freiheit. Wer in Englisch aufgepasst hat, dem wird aufgefallen sein, dass eben das Genre auf das sich seit Jahren bezogen wird, nämlich Indie, nichts anderes als independent, also unabhängig bedeutet. 

 
Arctic Monkeys // © Zackery Michael

Schnell wurde dieses Gefühl der Unabhängigkeit von der zweiten 00er-Welle in UK aufgegriffen und so liefen die Fans der Arctic Monkeys, The Kooks, Bloc Party, Kaiser Chiefs und wie sie alle heißen, eben mit Skinny Jeans, verwaschenen Bandshirts und Lederjacken rum. Die Kids aus gutem Hause durften endlich ein bisschen Rock and Roll sein ohne dabei abseits der Norm zu sein. „Indie“ zu sein, war immer ein guter Kompromiss für Menschen, die sich individuell fühlen wollten aber trotzdem nicht in der ersten Reihe tanzen wollten. Sinnbildlich für dieses Gefühl wurde schnell besonders ein Kleidungsstück unabdinglich; die Skinny Jeans. Von Pete Doherty über Luke Pritchard (The Kooks) trug sie einfach jeder. Man stieß dabei auf Unverständnis bei den Eltern, war aber trotzdem noch immer verhandlungsfähiger als die gute, alte Jogginghose. 

Kombiniert wurde der Look meistens mit anderen Accessoires, die man in vergangenen Zeitaltern immer wiederfinden konnte. Von Stoffarmbändern über Hüte, bis hinzu Ankle Boots, Bandshirts oder dem obligatorischen Sakko, war alles mit dabei. Nun schreiben wir aber mittlerweile das Jahr 2018 und so langsam sollte selbst der letzte Indie-Nerd aus seiner Nostalgie erwecken und begreifen, dass man entweder zu fett oder zu alt für seine hautengen Skinny Jeans geworden ist. 

Die Fashion-Idole sind gealtert und haben keinen Bock mehr sich in enge, selbst mit Stretch oftmals unbequeme, Jeans zu zwängen und so trägt das Indie-Idol von gestern heute Bundfaltenhose. Bei einem Alex Turner beispielsweise wird diese oft im Schlaghosenlook getragen und mehr oder weniger von der kompletten Band auch so übernommen. Vielleicht liegt am glitzernden Lifestyle in LA oder Alex Turner drückt seiner Liebe gegenüber Nick Cave nun auch kleidungstechnisch aus. 

Kombinieren kann man diese mit einem lockeren Hemd und auch der Hawaii/britischer Daddy-Look passt gut dazu. Auf einer ähnlichen Welle schwimmt auch der Frontmann von The Kooks, wie das neueste Pressebild der Band zeigt. Auch hier werden die Stoffhosen wieder ganz im Stile der 70er Jahre Hemden mit einem Reverskragen und Boots getragen. Wem dies aber zu overdressed ist, kann durchaus auch die Lederschuhe beiseite lassen und dafür Classic Vans oder sogar die ewig geliebten Converse tragen. Eurer Kreativität sind keine Grenzen gesetzt, aber lasst die alte Skinny Jeans doch jetzt einfach bis zum nächsten Revival im Schrank. Please. 

So war es bei Deerhunter in Leipzig

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11 Jahre nach ihrem letzten Auftritt in Leipzig kehrten sie zurück: Am 12. Juni traten Deerhunter erneut auf die Bühne des UT Connewitz – fünf Alben später.

Bradford Cox und seine Bandkollegen sind in jedem Fall eine Erscheinung. Der dürre Frontmann von Deerhunter tritt an diesem Abend in weiten Faltenhosen à la Mode der 50er Jahre auf die Bühne. Sie sind immerhin auch nicht mehr die Jüngsten – Shirt, Cap und Jeans weichen heute Hemd, Faltenhose und edlen Lederschuhen. Nochmal 11 Jahre, dann kommen sie wieder nach Leipzig, meint Bradford Cox während des Auftritt. Dann wäre er schon in seinen 50ern angelangt.

Die Band strahlt an diesem Abend eine unglaubliche Energie aus. Dass das Konzert der US-amerikanischen Band nicht ausverkauft ist, merkt man Deerhunter nicht an. Sie spielen an diesem Abend ein Potpourri aus neueren und alten Veröffentlichungen. Durch Songs von „Agoraphobia“ bis „Take Care“ kamen im UT Connewitz sowohl Fans der ersten Stunde als auch jüngere Enthusiasten auf ihre Kosten. Deutlich wird: Die Musiker sind Künstler der Verwandlung. Wie bereits die einzelnen Veröffentlichungen verraten, ist der Spagat zwischen verschiedenen Genres und die Verbindung dieser miteinander ein Kinderspiel für Deerhunter.

Knapp zwei Stunden verausgabt sich das Gespann um Bradford Cox auf der Bühne, spielt teils wie in Trance seine Songs, schlachtet Instrumentalteile aus, bringt das Publikum zum Schwitzen und gibt zwei Zugaben – bis die Drumsticks unter der Last der brachialen Klänge den Geist aufgeben. Auch wenn bis zum nächsten Wiedersehen noch ein Jahrzehnt vergeht: Von diesem Auftritt können wir noch eine Weile zehren.