„PDLIF“ ist die erste Single seit ihrem Album „i,i“ aus dem vergangenen Jahr. Der Song entstand in Quarantäne und unterstützt die Hilfsorganisation Direct Relief.
Das musikalische Mastermind Justin Vernon arbeitete für den neuen Titel mit insgesamt sechs weiteren Musikern zusammen. „PDLIF“ entstand in Isolation, der Song wanderte von einem Mitwirkenden zum nächsten. So wurden Bass, Streicher, Klavier und das Drum Programming nach und nach eingespielt. Die Vocals stammen neben Justin Vernon zum Beispiel auch von der US-amerikanischen Trip Hop Künstlerin Kacy Hill. Dieser vielfältige Einfluss macht den Song besonders, insbesondere weil alle Parts perfekt harmonieren und in Bon Iver-Manier wunderschön arrangiert sind. Das Lied basiert auf einem Sample von Alabaster dePlumes „Visit Croatia“.
Ebenso schön ist auch die Message des Songs. Die Angst soll durch die Coronakrise nicht in den Mittelpunkt rücken. Daher gehen alle Erlöse des Tracks an die humanitäre Organisation Direct Relief, die das Gesundheitspersonal mit lebenswichtigen medizinischen Artikeln versorgt. In Zusammenarbeit mit Gesundheitsbehörden, gemeinnützigen Organisationen und Unternehmen werden so Schutzausrüstungen an die Einsatzkräfte in den USA und der ganzen Welt geschickt. Direct Relief möchte das Leben von Menschen verbessern, die von Notlagen betroffen sind – unabhängig von Politik, Religion oder Zahlungsfähigkeit.
Die Band rund um Justin Vernon möchte mit „PDLIF“, gerade wegen der Entstehungsform in Isolation, außerdem daran erinnern, dass wir zwar getrennt, aber nie allein sind.
Der vielseitigen Künstlerin PIPPA aus Österreich ist eben nicht egal, dass der Gesellschaft alles egal ist.
„Egal“ ist nicht nur eine Einstellung, die durch Memes eines gewissen deutschen Schlagerstars an Beliebtheit gewonnen hat. Gleichgültigkeit herrscht in unserer Gesellschaft immer dann, wenn es einen nicht selbst betrifft. Dieses Phänomen besingt PIPPA zusammen mit Nora Mazu in ihrem aktuellen Song „Egal“. Es geht um das Treibenlassen, die Einstellung „Ach, ein Bier geht noch“, um das mit dem Strom schwimmen. Gleichgültigkeit verwässert die eigene Meinung und die eigenen Einstellungen.
Musikalisch verpackt PIPPA diese Thematik in ein Geschenkband an Ironie und Witz, welcher durch den Rap-Part von Nora Mazu unaufgeregt veredelt wird. Durch ihre andere Leidenschaft, dem Schauspielern, weiß die Künstlerin aus ihrem Musikprojekt ein komplettes Kunstwerk zu schaffen. In Ihrem Video greift sie Looks des Zeitgeists auf. Jogginghose, egal. Fast Food, egal. Einörner, egal. Alles auf retro, egal. „Egal“ ist trotz allem ein catchy Pop-Lovesong. Erscheinen wird der Track auf PIPPAs zweitem Album „Idiotenparadies“, welches Ende August erscheint.
Die exklusive Videopremiere zu „Egal“ von PIPPA feat. Nora Mazu gibt’s hier:
Das quälende Gefühl und die Angst von dem Menschen verlassen zu werden, den man seit Jahren liebt, behandeln ANGER in „Wo ist die Liebe?“.
Das Pop-Duo Anger aus Südtirol veröffentlichen ihren neuen Song „Wo ist die Liebe?“. Wenn die Liebe verblasst, die Beziehung bröckelt und einer nicht mehr will, leidet der andere umso mehr. Man will das Ende nicht wahrhaben, es nicht akzeptieren, all die schönen Jahren gehen dahin. Doch schon seit einiger Zeit begleitet einen diese Unsicherheit, diese Verzweiflung – und dann kurz bevor alles vorbei ist, steigt die Wut. Man will doch einfach nur weiter in diesen Armen liegen und geliebt werden.
In ihrem Synthie-Pop bringen ANGER viel Gefühl und Herzschmerz unter und setzen mit dem neuen Track und dem gängigen Refrain schnell einen Ohrwurm ins Gehör. Dieses Mal singen sie deutsch, doch ein paar Zeilen auf englisch haben es auch beim Songwriting zu „Wo ist die Liebe“ geschafft. Ihre Musik liest sich dabei wie ein Rezept: Man nehme Dream Pop, mischt elektrische Gitarren und Autotune darunter und füge den harmonischen Stimmen von ANGER einen Hauch von Melancholie bei.
Ihre Liebe haben die Bandmitglieder Julian Angerer und Nora Pider hingegen ganz nach dem Storytelling eines Teeniefilms ineinander gefunden. Emo-Boy trifft Skatergirl. Sie finden sich doof. Werden Freunde. Verlieben sich. Letztlich gründen sie eine Band. Letztes Jahr brachten sie ihr Debütalbum Heart/Break heraus. Doch auch schon vor ANGER machte das Duo gemeinsam Musik. Aus ihrem ursprünglichen Plan eine Rockband zu werden, wurde zwar nichts, aber mit ihrem jetzigen Sound konnten sie mit ANGER bereits beim Waves Vienna Festival den XA-Award als Newcomer-Band für sich gewinnen.
Das Album „Live Vol. 1“ erscheint am 30. April. Mit „Redline“, „IknowhowIfeel“ und „Elude“ wurde heute schon ein erster Vorgeschmack samt Video von Parcels geliefert.
Es gibt neue Musik von Parcels! Naja, fast. Die Australier veröffentlichen mit „Live Vol. 1“ ihr erstes Live-Album. Die insgesamt 18 Songs erscheinen am 30. April. Bereits heute teilt die Band einen Ausschnitt mit uns. „Redline“, „Iknowhowlfeel“ und „Elude“ wurden in den legendären Hansa Studios in Berlin auf Band aufgenommen und abgemischt. Bei „Redline“ und „Elude“ handelt es sich sogar um bisher unveröffentlichte Songs. Mit dem Album versuchen die Parcels ihren Fans ein wenig geliebtes Live-Feeling zu schenken. Das Album bietet funky Übergänge, spontane Solos und alles wofür man die Wahl-Berliner liebt.
Die Regisseurin Carmen Crommelin, die das Projekt visuell begleiten, sagt über die Session folgendes: „The magic of Parcels needs no added narrative if you’re lucky enough to witness them in creation. I wanted the camera to be both passive and intimate, so you could politely observe from a distance and walk through the room like a friend.“ Und auch Parcels selber sagen zum Geschenk, das sich an ihre Fans richten soll: „For us two years ago, this idea was the perfect bookend to the debut album. A lush 24 track tape recording of all the album songs being performed in a classic studio. Surprisingly it still feels like a good idea now, which never really happens unless it’s the right thing to do.“ Finden wir auch!
Hier ein erster Ausschnitt aus der Live-Session von Parcels:
Im Youtube-Universum gibt es unzählige tolle Live-Performances. Wir haben nicht die Absicht, die „Top-10“ herauszusuchen. Wir wollen einfach eine kleine Auswahl an Videos von Songs liefern, die live hochemotional oder aus anderen Gründen besonders sind. Bei der Suche fanden wir Künstler*innen in Höchstform, Zuschauer, die von den Bands mitgerissen werden und Auftritte mit wichtigen politischen Messages. Wir fanden Videos mit exzellenter Qualität oder eben das komplette Gegenteil. Ganz egal – wir wollen euch einen kleinen musikalischen Ausbruch aus der Quarantäne geben und daran erinnern: Die aktuelle Zeit geht vorbei und irgendwann könnt ihr eure Lieblingsmusik wieder live sehen.
Julien Baker – Something
Die Live-Songs der melancholischen Indie-Singer-Songwriterin alleine sind es schon wert in diese Liste aufgenommen zu werden. Nimmt man dann noch den glasklaren Sound der OurVinyl Session hinzu, geht eben einfach kein Weg daran vorbei.
Sufjan Stevens – For The Widows In Paradise, For The Fatherless in Ypsilanti
Ein Kommentar unter dem Video verrät: Im März 2004 setzt ein Produktionsteam aus den Niederlanden Sufjan Stevens im Rahmen des SXSW in Austin, Texas vor diese Farm und drückt ihm ein Banjo in die Hand. Mehr braucht es gar nicht für einen YouTube-Schatz in schlechter Qualität, der in 16 Jahren lediglich gut zwei Millionen Mal angeklickt wird. Pure Beauty.
Idles – Danny Nedelko
Seit Bandbestehen ist es der große Traum der Indiepunk-Band auf dem legendären Glastonbury zu spielen. Der Wunsch erfüllt sich im Sommer 2019 in einem energiegeladenen, mitreißenden Set. Bei „Danny Nedelko“ brechen bei Sänger Joe Talbot die Dämme: Ein Auftritt zum Niederknien.
The Murder Captial – More Is Less
Die zwei Songs, die jetzt folgen werden, bringen eine Energie und Gewalt mit sich, die man durchaus aufsaugen kann, wenn einem danach ist den Corona zu verprügeln. The Murder Capital liefern mit „More Is Less“ den ersten Beitrag dafür.
Foals – What Went Down
… und Foals liefern den zweiten Beitrag. Beim Glastonbury 2019 sind die Briten als Secret Act aufgetreten. Kurz nach der Bekanntgabe der Bühne musste das Gelände aus Sicherheitsgründen abgeriegelt werden – der Andrang war zu groß. Wer würde auch gerne darauf verzichten Yannis Philippakis auf Händen zu tragen?
Drangsal – Turmbau zu Babel
Hier macht der Titelzusatz „Live im Morgenmagazin“ den entscheidenden Unterschied. Denn auch, wenn Drangsal zweifelsohne großartige Live-Perfomances abliefern, zaubert dieser Auftritt einem immer wieder ein Lächeln ins Gesicht. Man beachte bei 1:06 ein Relikt der ooer Jahre: eine Digitalkamera! Die anschließenden Bilder bescherten Drangsal bestimmt Promo in etlichen Familien-Whatsappgruppen.
Slowdive – Golden Hair
Die junge Dame mit den blauen Haaren (zu sehen u.a. ab Minute 01:58 und 04:02) fasst die Emotionen ganz gut zusammen. Und damit genug.
Grimes – Genesis
Und was macht ihr so in Quarantäne?
Dave – Black
Ein Auftritt, der Mitte Februar für Diskussionen sorgt, da der britische Rapper Premierminister Boris Johnson einen Rassisten nennt. Doch viel wichtiger: Er hält der Insel den Spiegel vor, indem er den vorherrschenden Rassismus in seiner Heimat kreativ und mit der nötigen Eindringlichkeit anspricht. Außerdem zollt er dem durch einer Messerattacke getöteten Jack Merrit Tribut, kritisiert den Umgang mit Meghan und Harry, spricht sich für Unterkünfte für die Opfer der Grenfell-Katastrophe aus und fordert Unterstützung für die Windrush-Generation. Genau sowas braucht es heutzutage. Das Video geht insbesondere in England durch die Decke. Völlig zurecht.
Mazzy Star – Fade Into You
Ein Rückblickins Jahr 1994: Die bezaubernde Sängerin Hope Sandoval ist eins mit der Musik. Sie wirkt so zerbrechlich und introvertiert, dass man sie direkt umarmen möchte. Völlig zurecht wird in den Kommentaren danach gefragt, ob sich Lana Del Rey dieses Video angesehen hat. Hach…
Charli XCX – Boys
„Sounds like collecting coins in Mario“, manchmal lieben wir Top-Comments auf Youtube. Und Charli XCX sowieso!
Camp Cope – Jet Fuel Can’t Melt Steel Beams
G I R L P O W E R <3
Fleet Foxes – The Shrine / An Argument
Ein musikalischer Einklang, der auch nach neun Jahren eines der Highlights des Festivals an der Deutsch-Niederländischen Grenze ist. The Shrine/An Argument ist schon auf Fleet Foxes’ zweiter Platte „Helplessness Blues“ (erschien im Jahr des Auftritts) der Wahnsinn, live umso mehr. Und da so ein Live-Performance-Rewatch meist mit dem Abchecken des damaligen Line-Ups einhergeht, bitteschön: Fleet Foxes, Ben Howard, Explosions in The Sky, James Blake, Isbells, Okkervil River, Other Lives, Nils Frahm,…Haldern Pop 2011 – kannst du dir nicht ausdenken.
Tyler, The Creator – EARFQUAKE / NEW MAGIC WAND
Mehr muss eigentlich nicht dazu gesagt werden, oder?
The xx – On Hold
Dass Jamie xx das musikalische Mastermind von The xx ist, wird vor allem bei Live-Gigs deutlich. Von seinem Pult aus im Hintergrund gibt er den Ton an. Romy Madley Croft und Oliver Sim runden die Sache – auf sehr hohem Niveau – ab.
The Stone Roses – I Wanna Be Adored
Bei diesem Auftritt verkündet Ian Brown das erneute Ende der Band. „Don’t be sad it’s over, be happy that it happened“ sagt er, nachdem die Briten 2011 ihre Reunion bekannt geben und ihre Hits der 1980er und 1990er nochmal weltweit spielen. So auch im Hampden Park, Glasgow. Welchen Stellenwert die Musik auf der Insel hat, wird in diesem Video besonders deutlich. You gotta love the UK.
Waxahatchee – Fire
Wie gut ist eigentlich das neue Album „Saint Cloud“ von Waxahatchee? Die Antwort: Sehr! Eine reduzierte Acousticversion von „Fire“ stellt das zumindest schonmal etwas unter Beweis.
LCD Soundsystem – Dance Yrself Clean
In 2011 gab James Murphy das Ende von LCD Soundsystem bekannt. Dieses zelebrierte die Band mit einem knapp vierstündigen Live-Spektakel im New Yorker Madison Square Garden, in dem sie nahezu ihren gesamten Katalog zum Besten gaben. Für all diejenigen, die nicht in den Genuss dieser standout-performance kommen konnten, wurde das Ganze glücklicherweise im Rahmen einer Live-Dokumentation für die Nachwelt festgehalten. (Vier Jahre später atmeten Indieheads dieser Welt auf, als überraschend eine Reunion angekündigt wurde.)
Und zu guter Letzt…
Arcade Fire – Power Out + Rebellion (Lies)
Es wäre fahrlässig, dieses Video nicht mit aufzunehmen. Gerne auch den gesamten Auftritt beim Rock en Seine 2007 anschauen. Hier ein kleiner Ausschnitt.
Sein erstes und bis dahin letztes Debütalbum erschien 2015. Nun ist Jamie xx aus London mit einem harten Club-Sound zurück.
Jamie xx hat es in den letzten Wochen und Monaten geschafft ein Geheimnis für sich zu behalten. Sein heute veröffentlichter Track „Idontknow“ zirkuliert bereits seit einiger Zeit in Playlisten diverser DJs. Es ist niemand geringeres als Jamie xx. Tatsächlich tauchte der Song erstmals im Herbst 2019 auf – auf einem DJ-Gig des Musikers selbst.
„Idontknow“ ist sein erster Solo-Track seit der Veröffentlichung seines Grammy und Brit Award nominierten Solo-Albums „In Colour“. Anschließend schickte er den Track an befreundete DJs wie Ben Ufo, Four Tet, Caribou, HAAI oder Bicep, die den Song in ihre Sets einbauten. Es ist der erste Song seit der Veröffentlichung seines Grammy und Brit Award nominierten Solo-Albums „In Colour“. Der Song ist rougher als sein altes Material und greift Elemente aus der Garage-Szene in UK auf.
Einen Trailer zum Video von „Idontknow“ gibt es hier:
Große Medien wie die Süddeutsche und die Tagessschau berufen sich hier auf eine Meldung der Deutschen Presse-Agentur. Dies würde das wahrscheinliche Ende der Festivalsaison bedeuten.
Es ist eine Meldung, die wohl viele Konzert- und Festivalveranstalter interessieren wird. Doch auch Fans und MusikerInnen warten schon länge auf eine Aussage, ob und wann Großveranstaltungen wieder erlaubt sind. Nun wurde scheinbar eine Entscheidung getroffen. Die Süddeutsche beruft sich hierbei auf eine Meldung aus dem dpa-Newskanal:
„Großveranstaltungen sollen wegen der Corona-Pandemie bis zum 31. August grundsätzlich untersagt werden – auch Fußballspiele sind davon betroffen. Die Ministerpräsidenten der Länder und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) einigten sich nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur am Mittwoch bei einer Schaltkonferenz auf dieses prinzipielle Verbot. Konkrete Regelungen, etwa zur Größe der Veranstaltungen, sollen durch die Länder getroffen werden.“
Diese Entscheidung würde wohl das Ende oder zumindest eine gravierende Verschiebung des Festivalsommers bedeuten. Eine Bestätigung dieser Meldung steht zum jetzigen Zeitpunkt noch aus. Noch heute möchte sich Angela Merkel in einer Pressekonferenz zu den weiteren Schritten im Vorgehen gegen die COVID-19 Pandemie äußern.
Auf „The New Abnormal“ schlagen The Strokes einen Spagat zwischen Nostalgie und futuristischer Experimentierfreudigkeit. Auch 19 Jahre nach ihrem Debüt zeigen die Vertreter des Garage-Rock, dass Gitarrentrock immer noch verdammt lebendig ist und tänzeln mit Leichtigkeit zwischen schwermütigen Synthie- und funky Videospielsounds.
Quarantäne, Kontaktverbot, eine Welt im Ausnahmezustand − Selten hat ein Albumtitel so nahtlos in das derzeitige Zeitgeschehen gepasst als „The New Abnormal“. Dabei wollten sich die Strokes nach eigenen Aussagen mit dem Titel ihres sechsten Studioalbums am politischen Treiben ihres Landes beteiligen − Trump, Twitter, Tiger King − um nur einige aktuelle Beispiele zu nennen. Der Titel sollte eine Anlehnung an den ganz normalen Wahnsinn der Gegenwart sein. Fernab des Titel gehen die New Yorker aber auch in den folgenden neun Songs der Platte nicht weiter auf das politische Klima ihres Landes ein. Vielmehr verirrt sich Sänger und Texter Julian Casablanca, wie schon auf den vorherigen Alben, in Andeutungen und lückenhafter Dichtung. Ausgetragen werden auf „The New Abnormal“ persönliche Kämpfe mit Gleichmut und fehlendem Antrieb, süßer Alltagsschmerz und Wehmut.
Musikalisch wird das Ganze in einen experiementierfreudigen Mix aus wallenden Synthies, futuristischen Pop-Sounds und altbewährten Retro-Melodien eingebettet. Schon beim Opener „The Adults Are Talking“ fühlt man sich in den nostalgischen Sound der Strokes zurückversetzt. Das zu Beginn einsetzende aggressive elektronische Drum-Sample geht bereits nach wenigen Sekunden in die vertrauten melodischen Gitarrenriffs der Strokes über. Am Ende des Tracks, wie auch später nochmals bei „Why Are Sunday’s So Depressing“, hört man die Band gar fröhlich plaudern. Das gleicht einmal Mäuschen spielen im Proberaum − nahbar und zugleich familiär.
Waltzende Gitarren und Gameboysounds
Die Strokes haben wieder richtig Bock gemeinsam zu musizieren, geben sich spielerisch und experimentierfreudig. Da klingen die Gitarren mal wie Synthesizer, mal wie lustige Sounds aus einem Gameboy. Und auch die Einflüsse von Julian Casablancas Solo-Bandprojekt „The Voidz“ leuchten immer wieder durch die Fassade, so betragen die Stücke auch durchschnittlich eine Dauer von fünf Minuten. Das Tempo ist zwar zu niedrig um ein Hitfeuerwerk zu zünden, jedoch gibt die Dauer und die gedrosselte Geschwindigkeit den Stücken genug Raum um sich zu entfalten. „Selfless“ gleicht durch die waltzenden Gitarren und dem monotonen Schlagzeugbeat einem Tagtraum über dem einzig die durchdringende Stimme von Casablancas schwebt.
Für „Brooklyn Bridge To Chorus“ greift Achtziger-Nostalgiker Julian Casablancas hingegen tief in die 80er-Disco-Kiste. Der Track lebt von den flirrenden Synthies und dem im Vordergrund stehenden Gesang, welcher fließend durch das Stück leitet und den Hörer einlullt. Auch „Eternal Summer“ lebt von Synthies und zerrt von diesem nostalgischen 80’s Vibe. Durch die hohen Gesangstöne erinnert es zu Beginn hier und da in einzelnen Nuancen entfernt an die Bee Gees. Dagegen möchte man sich in das wummernde Dröhnen der zweiten Singleausskopplung „At The Door“ geradezu hineinlegen. Die Nummer ist durch seinen retrofuturistischen Sound eines der Höhepunke der Platte und zurecht im Mittelfeld platziert.
Retrofuturistischer Sound
Während „Not The Same Anymore“ schwermütig dahinplätschert, zelebriert „Ode To The Mets“ die bittersüße Melancholie. Der Song beginnt zwar mit Synthie-Beats, driftet aber schon nach wenigen Takten in eine langsame Ballade ab. „Drums please, Fab“, bittet Casablancas seinen Bandkollegen Fabrizio Moretti, das Schlagzeug setzt ein und der Song bauscht sich nach und nach auf bevor auch der Gesang druckvoller wird. Mit „Ode To The Mets“ lassen die Strokes ihre Fans zum Schluss nochmals auf eine sechsminütige emotionale Achterbahnfahrt bevor die Platte nach einer Dreiviertelstunde ihr Ende findet.
Alles in allem hat sich das lange Warten auf ein neues Album der Strokes gelohnt. So schafft es das Quintett auf ihrem sechsten Album durch das breite Soundspektrum eine Brücke zwischen dem nostalgischen Retrosound der 00er Jahre und der Gegenwart zu spannen. „The New Abnormal“ ist frisch, lebendig und experimentierfreudig. Vor allem aber ist es eine Liebeserklärung an melodischen und gut punktuierten Gitarrenrock.
Seht euch hier den fünfminütigen Clip zur Single „At The Door“ an:
Videostill aus "Call My Phone Thinking I'm Doing Nothing Better"
Der gemeinsame Track „Call My Phone Thinking I’m Doing Nothing Better“ von The Streets und Tame Impala könnte auch eine Anleitung zum derzeitigen Social Distancing sein. Die Kollaboration ist ein erster Vorgeschmack auf das neue Streets-Mixtape, welches im Juli erscheinen soll.
The Streets sind zurück und haben sich für ihre neue Single niemand geringeren herangeholt als Tame Impala. „Call My Phone Thinking I’m Doing Nothing Better“ ist das erste Musikvideo seit fast zehn Jahren und zugleich eine erste Kostprobe auf das neue Mixtape der Engländer. Neben dem australischen Psychedelic-Rocker sind auch weitere Featurgäste auf der kommenden Platte zu hören, die neben Kevin Parker ebenfalls in dem Clip zu sehen sind.
Thematisiert wird in Coronazeiten im dazugehörigen Video natürlich Social Distancing. Die Hauptrolle spielt neben Mike Sinner jedoch ein altes Nokia-Handy, mit dem der Multiinstrumentalist unter anderem Kasien, Greentea Peng, Donae’O, Hak Baker und Idles anruft. Entstanden ist das neue Tape gewissermaßen am Telefon, weshalb Kommunikation eine zentrale Rolle in dem Clip spielt. In Zeiten von Kontaktsperre und Selbstisolation aktueller denn je. So sieht man zwar Sinner und Kevin-Parker beide im Video, jedoch niemals im selben Raum, stattdessen wird ausschließlich über das Telefon kommuniziert.
Das neue Mixtape „None Of Us Are Getting Out Of This Life Alive“ erscheint am 10. Juli via Island Records und wird 12 Titel umfassen. Es soll laut Sinner das abwechslungsreichste Werk der Streets werden. Auf ein längeres The Streets-Projekt mussten Anhänger länger waren, denn erschien das letzte Album „Computers and Blues“ im Jahr 2011.
Hier gibt’s den gemeinsamen Clip von The Streets & Tame Impala zu „Call My Phone Thinking I’m Doing Nothing Better“: