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Ambient und weniger, 2015

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Fünf experimentelle Alben aus dem letzten Jahr

Ein letztes Mal wenden wir den Blick nach hinten, auf das vergangene Jahr und die Musik, die wir euch noch mit auf den Weg geben wollten. Diesmal geht es um, grob gesagt, Ambient. Ob mit Gitarre, Synth oder Laptop, es gibt immer wieder Künstler, für die Ambient mehr ist als Hintergrund- oder, noch schlimmer, Fahrstuhlmusik. Sicher, das kann für manche anstrengend sein – vor allem wenn man sich bei einem Konzert zwei Stunden auf Musik konzentrieren muss, die eigentlich genau das verhindern will (so geschehen bei Gora Sou im Vorprogramm von Andy Stott und Laurel Halo letzten Herbst). Die hier aufgezählten Alben jedoch sollte man zumindest einmal ausprobieren, dann legt sich vielleicht ein Schalter im Gehirn um und ihr wollt nur noch Eno, Basinski und Aphex Twin hören.


Noveller: Fantastic Planet

Noveller hat schlicht und einfach das schönste Album des Jahres gemacht. Schöner noch als das wunderschöne b’lieve i’m goin down…, und das, obwohl Fantastic Planet weder Texte noch besonders ausgeprägte Melodien hat und mit dem Schlagzeug sehr spärlich umgeht. Tatsächlich hört man auf den neun Songs hauptsächlich Gitarre und elektronische Effekte, die sich zu Soundwänden auftürmen. Bei „Rubicon“ wird man davon überrollt, während im Anschluss mit „Sisters“ das am ehesten als Song zu identifizierende Stück steht.

Ansonsten sind Textur und Stimmung aber Herz und Seele, jedes Stück ist sein eigener fantastischer Planet; durch Sarah Lipstates stark verzerrte Gitarre bekommt das Album dennoch einen roten Faden. Auch wenn die Songs komponiert und mit allerlei Effekten versehen sind, bekommt man das Gefühl, es handle sich hier um Musik in ihrer reinsten Form – ähnlich wie bei Colin Stetsons monumentalem New History Warfare Vol. 3: To See More Light. Anders als bei vielen Alben aus dem Ambient-Bereich ist Fantastic Planet nicht bloß der Soundtrack zu einem imaginären Film. Vielmehr handelt es sich hier um eine Anthologie von wortlosen Geschichten, die keine visuelle Unterstützung brauchen. Als Hintergrundmusik funktioniert es deshalb auch nur halb, seine Schönheit entfaltet Fantastic Planet erst, wenn man es sich bewusst anhört. Am besten im Wald, mit geschlossenen Augen und Kopfhörern. Laut aufdrehen, damit sich die Emotionen entfalten. Dann fühlt man sich wie auf einem anderen Stern.


William Basinski: Cascade

William Basinski ist so etwas wie der aktuelle Großmeister der Tape und Process Music. Mit den Disintegration Loops, die in den zwei Jahren nach 9/11 erschienen, erschuf der Komponist einen minimalistisch-monumentalen Soundtrack zur Angststarre nach den Attentaten in New York, nicht zuletzt aufgrund der Paradigmenwechsel-Symbolik der Entstehungsgeschichte der Alben. Beim Überspielen von analogen Tapes ins Digitale zerfielen jene mehr und mehr in ihre Einzelteile, brachten dabei aber immer wieder kleinste Geräuschvariationen mit sich. Als Basinski mit allen Tapes durch war und sich auf seinem New Yorker Dach alles noch einmal anhörte, krachten die Flugzeuge in die Twin Towers.

Cascade ist weniger symbolisch aufgeladen, auch wenn das über 40 Minuten wiederholte Piano-Motiv wie der musikalische Ausdruck von Wellenrauschen anmutet (Titel und Cover machen das überdeutlich). Das Motiv besteht aus vier Teilen, die sich kaum merklich verändern, aber nach zehn Minuten doch anders klingen als nach 20, nach 30, nach 40. Cascade ist bei Weitem nicht so außergewöhnlich und bedeutungsschwanger wie die knapp fünf Stunden der Disintegration Loops. Aber das ist das wiederholte Heranrollen, Brechen, Auslaufen und Zurückfließen der Wellen auch nicht, und doch besitzt es eine beruhigende Grandeur. Perfekt, wenn man gerade kein Meer zur Verfügung hat.


Gora Sou: Ramifications

Mit Ramifications sind wir in dieser Liste an dem Punkt angelangt, an dem weltraumhafte Synthesizer und undefinierbare Glitches zu einem unheimlich-schönen Soundtrack zusammen kommen. Es handelt sich um die vierte Veröffentlichung von Gora Sou, der als Marc Übel bei Sizarr für die Rhythmusgeräte zuständig ist. „Punta Alem“ klingt mit seinen Glocken wie die musikalische Untermalung eines Spaziergangs durch eine eisige Höhle. Ich kann mir nicht helfen: Die ruhigen Chöre im Hintergrund lassen mich immer wieder an verschiedene Computerspiele denken, da viele Komponisten sich denselben Mitteln bedienen wie Übel.

In den Momenten, in denen sich auf „Fregata“ erst eine Synthspur, dann asiatisch anmutende Flöten und zum Schluss computergeneriertes Rauschen über jene Chöre legen, klopft jedes Mal das Herz ein bisschen schneller. Die Songs auf Ramifications haben oft eine erhabene Stimmung und durch die Myriaden an (unmusikalischen) Nebengeräuschen wird der Eindruck erzielt, es liefe tatsächlich ein Soundtrack zu einem Film, den man nur gerade nicht sehen kann. „Xplor“ wartet dagegen mit in Tempo und Rhythmus sich immer wieder transformierenden Arpeggios auf, eine willkommene Abwechslung auf einem sonst sehr ruhigen Album.


Donnacha Costello: Love from Dust

Donnacha Costellos Love from Dust besteht nur aus einem Instrument. Erstaunlich, wie viele und unterschiedliche Emotionen der Ire aus dem Buchla Music Easel herauskitzeln kann. Die Struktur seiner Stücke ist aufgrund der begrenzten Möglichkeiten des Synthesizers oft gleich –steigende Arpeggios, gleichmäßige 4/4-Akkorde oder formlose Klangflächen. Nichtsdestoweniger klingt kein Song wie der andere, aber alle klingen einnehmend.

Der Music Easel funktioniert, entgegen der vorherrschenden Philosophie der Synth-Hersteller, nach dem Prinzip „komplizierte Bedienung, einfache Sounds“. Costello hat die sieben Tracks live mit zwei Effektpedals aufgenommen, wie auch das ein paar Monate später erschienene Album Stay Perfectly Still. Das merkt man der Musik allerdings nicht an, so blitzebank klingt sie. So viel Kopfkino gibt es sonst nur auf Filmsoundtracks.


Thomas Brinkmann: What You Hear (Is What You Hear)

Dass das mal klar ist: Auf Thomas Brinkmanns neuem Album gibt es keinen Schnickschnack, keine versteckten Mitteilungen oder falsche Versprechungen. Das, was ihr hört, ist alles, und that’s it. Die Grenze zwischen experimenteller, minimalistischer Musik und nacktem Ton ist überschritten, von jetzt an ist alles nur noch Geräusch. 98 Jahre nachdem Erik Satie mit seiner Musique d’ameublement Musik zum ersten Mal aus dem Vordergrund in den Hintergrund verschob und die Backgroundmusik erfand, macht Brinkmann das Gegenteil: „unmusikalische“ Geräusche werden zu etwas, das man aufmerksam und konzentriert hört (oder zumindest aktiv als Musik auflegt).

Wer findet, dass „Old Dreams Waiting to Be Realized“ der beste Song auf Shaking the Habitual war, wird sich mit den Tonspuren (denn von Kompositionen kann hier kaum noch die Rede sein, von Songs schon gar nicht) namens „Agent Orange“, „Mitisgrün“ und „Graphit“ bestens amüsieren. What You Hear (Is What You Hear) geht als Endpunkt der Musik sogar noch weiter als Samuel Becketts Breath in Sachen Endpunkt des Theaters, da den elf Stücken jeglicher interpretatorische Ansatzpunkt fehlt. Klar, man kann die Pigmente, nach denen die Stücke benannt sind, in einen Zusammenhang bringen oder die Tautologie des Titels analysieren, aber eine solche literarische Analyse trägt nichts zum Verstehen der Musik bei. What You Hear (Is What You Hear) ist eine klangliche Nahtoderfahrung, eine Frage nach purem Ton, die man sich mal gestellt haben muss.


Bonustrack – Lakker: „Pylon“

Bei Lakker handelt es sich zwar nicht direkt um Ambient, aber der industrielle Techno des Dubliner Duos wirkt nicht nur auf dem Dancefloor des nächsten risikoreichen Clubs besonders. Den Track „Pylon“ wollen wir euch deshalb nicht vorenthalten.

Lakkers zweites Album, Tundra, ist auf Dauer etwas enttäuschend. Zu unspannend der Techno, zu ineffektiv die Noise Einsprengsel. Diesem Album fehlt es bei allem handwerklichen Können an Emotionen, gleich, ob positive oder negative. Ein Track sticht allerdings heraus: das Inception pervertierende Biest „Pylon“. Während der Industrialbeat gewohnt schwerfällig-treibend ist, verleiht das sich erst verdichtende und dann ausfransende Dröhnen dem Track eine Wucht, die Gänsehaut verursacht. Von ein paar klaren Pianotönen, die an 90er Electro erinnern, wie er auf übertriebene Weise in Hacker-Filmszenen dargestellt wird, mal abgesehen, ist „Pylon“ ein einziges, eintöniges, fast schon unmusikalisches Drängen, als würde James Blakes „Order“ von einer Dampfwalze angetrieben. Das Echo von Kirchenglocken tut sein Übriges, um zur unheimlichen Stimmung beizutragen. Als Soundtrack für den Showdown in einem Steampunk-Computerspiel wäre „Pylon“ ideal.


 

Lydmor & Bon Homme kommen in die Halle02 (+Verlosung)

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Am Donnerstag (28.01.) gibt’s Pralinen für Synthie-Liebhaber.

Das Reeperbahn Festival ist ja bekanntlicherweise das Festival der Liebhaber und Experten. Wenn man es also schafft so viele Musikkenner anzuziehen, dass man die Show quasi als ausverkauft bezeichnen könnte, dann hat man wohl einiges richtig gemacht. Eben genau  dieses Kunststück ist im vergangenen September Lydmor & Bon Homme gelungen und das obwohl ihr gemeinsames Album Seven Dreams of Fire erst vor einigen Tagen erschienen ist.

Auf ihrer ersten Platte bietet das musikalische Duo alles was die Synth-Pralinenschachtel zu bieten hat. Von bitter-süßem Electro-Pop bis hinzu gespenstisch-atmosphärischem Synth-Folk. Es ist erstaunlich wieviel Vielfalt die Künstler in die 13 Songs gepackt haben. Mal geben sie sich tanzbar wie im besten Indie-Club, mal kuschlig süß mit ganz viel Liebe. Tomas Høffding (WhoMadeWho) und aka Bon Homme und Jenny „Lydmor“ Rossander laden in dem Zusammenhang am Donnerstag in die Halle02 ein. Supported wird  der Act vom Klangkünstler Airøn Kølarøw, der die Meute mit frischen Beats und einem Live-Set mit eigenen Songs auf den Abend einstimmen wird. Wenn ihr die eben beschriebene Vielfalt nun am eigenen Leib erfahren wollt, laden wir euch gerne dazu ein bei unserer Verlosung mitzumachen.

The Postie verlost nämlich 1×2 Karten für das Konzert am Donnerstag (28.01.). Um im Lostopf zu sein, müsst ihr lediglich Fan von The Postie sein, den Post auf unserer Facebook-Seite liken und mit „Pop Noir“ kommentieren. Verlinkt ihr dann auch noch die Person mit der ihr hinwollt in den Post, verdoppeln sich eure Chancen sogar noch! Weitere Teilnahmebedingungen lest ihr hier. Einsendeschluss ist am Donnerstag 28.01 um 16:00.

Wir stimmen uns schon einmal auf Donnerstag ein:

 

France With Benefits #5: Le Best

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Die besten Releases aus Frankreich

Bonne année! Neujahr ist jetzt zwar schon drei Wochen her, aber für einen Rückblick ins letzte Jahr ist es hoffentlich noch nicht zu spät. Frankreich kann man dabei wieder eine Sonderrolle zugestehen. So viel konstanten Einfallsreichtum findet man sonst nur in Island. Von den zehn Veröffentlichungen in dieser Liste ist die Hälfte schonmal bei uns aufgetaucht, der Rest ist erst im Nachhinein an unsere Ohren gedrungen. Und nun auch an die euren: Viel Spaß mit den besten französischen Alben 2015!


Bagarre: Musique de club EP

Das äthetische Konzept von Bagarre ist nicht nur auditiver Natur. Schaut man sich die Videos zu den fünf Songs ihrer zweiten EP an, fallen einem zuerst das matte Schwarz-Weiß und die ultra-langsamen, hypnotischen Kamerabewegungen auf. Dann die Trainingsanzüge und Goldketten, die mehr auf Gangstarap hinweisen, als in den Texten tatsächlich vorhanden ist. Und während man zuschaut, wie sich fünf junge Franzosen das Gesicht zukleben, den Hals verdrehen oder wie Cheerleader eine Pyramide bilden, merkt man, dass die Musik die Sogwirkung der Clips noch verstärkt.

Rap ist, wenn auch die stärkste, nur eine Facette von Bagarre. Maximalistischen Drama-Pop können sie genauso gut wie Dancehall oder House, Singen so gut wie Rappen. Zusammengefasst ergibt das eine neue, französische Spielart elektronischer Musik, oder eben Musique de club. Die stimmt schon zuhause euphorisch, dabei ist für La Bête und Loup (die Mitglieder tragen alle Pseudonyme) der Konzertsaal der Ort, wo Bagarre erst richtig zum Leben erwachen. Der Bandname ist übrigens ebenfalls perfekt gewählt: Bagarre bedeutet Krawall.


Barbagallo: Amor de Lonh

Wer hätte gedacht, dass der Drummer von Tame Impala so ein poetisches Naturell ist? Amor de lonh ist Julien Barbagallos erstes Soloalbum und die Romantik schon am Titel ablesbar –  „Fernliebe“ auf Okzitanisch, der alten Sprache Südfrankreichs. Gesungen wird dann zwar doch auf Französisch, das verleiht den mäandernden Gesangsmelodien aber umso mehr Poesie. Nach dem ausschweifendem Psych Rock seiner aktuellen Hauptband oder dem verkopften Kunstpop von Aquaserge, bei denen Barbagallo auch schon mitgewirkt hat, hält man außerdem vergeblich Ausschau.

Stattdessen beweist der Mann hinter dem Schlagzeug, sobald er andere Instrumente in die Hand nimmt, ein erstaunliches Gespür für Melodie. Die Gitarre ist akustisch, Drums und Bass geben dezent den Rhythmus vor, das Keyboard untermalt hier und da. Der Fokus liegt, ganz in der Chansontradition Frankreichs, auf dem gesungenen Erzählen. Die neun Songs handeln immer von Ihm und Ihr, ob nachts im Bett, in Ipanema oder auf Sizilien oder, wie der mit Posaune verzierte Opener „La réconciliation“, im Moment der Trennung. Der ruhige Lockenkopf hat mit Amor de lonh die schönste Kollektion von on-the-road-Liebesgeschichten seit, naja, ewig veröffentlicht. Die könnte man nun noch weiter Lied für Lied auseinandernehmen. Oder einfach mit seiner/seinem Liebsten im Arm genießen.


Beastie Vee: vee – sides EP

Isolation ist ein Kreativitätspusher. Auch wenn die vier Songs auf der vee – sides EP nur Outtakes aus dem dieses Jahr erscheinenden ersten Album sind, merkt man Beastie Vee den musikalischen Reifeprozess direkt an. Die Songs sind durchkomponierter, die EP hört sich nur noch stellenweise nach dem Soloprojekt eines Drummers an. Es werden mehr Spuren aufeinander geschichtet, was den Eindruck noch verstärkt, es handle sich hier um einen obskuren, primitiv-punkigen Ableger von A Silver Mt. Zion. Und um uns das Debüt noch schmackhafter zu machen, hat Beastie Vee im November die erste Single „Sungasm“ veröffentlicht.


Bon Voyage Organisation: XĪNGYÈ EP

Was Disco und viele aktuelle französische Bands gemeinsam haben, ist das ausgeprägte Stilbewusstsein. Sie präsentieren sich immer in bestem Gewand, verursachen Instant-Gute-Laune und haben oft genug ein selbstironisches Lächeln im Gesicht. Das gilt besonders für Bon Voyage Organisation. Mit XĪNGYÈ hat die Band um Adrien Durand eine Konzept-EP über alternative Universen, China und Afrodisco veröffentlicht, die nicht nur in Frankreich ihresgleichen sucht. Die verschiedenen ideellen Ursprünge finden sich auch in der Musik wieder, die Space Disco, Blechbläser und Bongos zu einem planetarischen Tanzfest zusammenkommen lässt.


Feu! Chatterton: Ici le jour (a tout enseveli)


Feu! Chatterton sind jung und traditionsbewusst, einfühlsam und rockig, besonders französisch und nichtsdestoweniger universell. Ici le jour (a tout enseveli) ist ein Paradebeispiel für das Anliegen dieser Kolumne: zu zeigen, wieviel unglaubliche Musik zu Unrecht auf dem nationalen Niveau stecken bleibt und diesen Fehler zu beheben. Man muss nicht frankophil sein, um das Debütalbum von Feu! Chatterton zu mögen. Allah-Las seid ihr nicht abgeneigt? Großen Erzählern wie Alex Turner und David Bowie? Dann lasst euch auf Ici le jour ein – ihr werdet’s mir danken.


iZem: Hafa


Trends kommen und gehen, aber Blasinstrumente werden immer der größte Trumpf von Chillout sein. Jérémie Moussaid Kerouanton weiß das genauso gut wie Bonobo, dem er als iZem mit seinem ersten Album Hafa nacheifert. Das Besondere an Hafa sind die afrikanischen und lateinamerikanischen Vibes, die sich durch die Songs ziehen. Kein Wunder, ist der Franzose Jahre lang durch Brasilien, Argentinien und Marokko gezogen und hat sich schließlich in Lissabon niedergelassen. Als Einflüsse nennt er außerdem Tahar Ben Jelloun und Jack Kerouac; die verschiedenen Sprachen, in denen die Gastvokalistinnen singen, tragen ihr Übriges dazu bei, dass iZem als Initiator eines neuen elektronischen World Pop gehandelt wird.


J.C. Satàn: J.C. Satàn


Eklektisch sind auch J.C. Satàn. Das Quintett aus Bordeaux gehört zur Speerspitze von Born Bad Records, einem Label, das sich auf französischen Rock’n’Roll spezialisiert, obwohl das sowohl den Noise Rock von Cheveu, Forever Pavots 60er Filmmusikpop und eine Neuauflage von Francis Bebeys psychedelischem Makossa einschließt. Da passen J.C. Satàn noch am ehesten ins Rockschema, die fünf Franzosen fuzzen sich durch die musikalischen Territorien von Iggy Pop und Ty Segall. Das selbstbetitelte Album ist nicht ihr Erstes, aber eines der besten des letzten Jahres. Wie gut das live ist, mag man sich gar nicht vorstellen…


The Marv: The Marginal, Pain & Beauty EP

Unglaublich, aber the Marv ist die einzige beatmaker française. Dabei war das alles gar nicht geplant: Eigentlich hört sie viel lieber Bands wie Nirvana oder Joy Division und hat mit Hip-Hop gar nichts am Hut. Das Handwerk hat sie von ihrem Freund gelernt, der gleichzeitig Labelboss von StillMuzik ist. Dann kamen ihre eigenen Einflüsse: Indische Filmmusik der 50er und 60er Jahre, vor allem vom „King of Tunes“ Ilaiyaraaja. Gerade einmal drei Monate später legte die Pariserin ihre erste EP Malayalam Beats vol. 1 vor.

The Marginal, Pain & Beauty ist zwei Jahre später bereits die vierte. Die Beats sind die gleichen – schwungvoller Funk, Turntablism – doch anstatt sich für die Melodien auf Samples zu stützen, macht the Marv fast alles alleine. Das Resultat ist polierter, synthlastiger und dunkler. Vergleiche mit Madlibs Beat Konducta India oder Four Tets Morning/Evening sind spätestens mit dieser EP obsolet. Und wenn sich kein Rapper findet, der über die Beats rappen will, ist das alles andere als schlimm.


Requin Chagrin: REQUINCHAGRIN

Marion Brunettos Kummerhaie geben einen Dreck auf den Is-Pop-Repeating-Itself-Diskurs. Ein Vierteljahr vor dem Debüt von Hinds hat das Debüt vom Quartett aus Ramatuelle ein großes Ausrufezeichen gesetzt: Musik muss nicht kompliziert oder experimentell sein oder das Rad neu erfinden. Wenn es Spaß macht, habt ihr es richtig gemacht. Auf REQUINCHAGRIN würde übermäßige Innovation sogar eher stören. Deshalb haben sich die vier Franzosen ihre Instrumente geschnappt und acht unschuldige Songs zwischen Garage Rock und Surf Pop eingespielt. Bei Requin Chagrin gilt: Kopf abschalten und Gliedmaßen lockern.


The Shoes: Chemicals

Es hat mal jemand gesagt, Electro sei kein Genre. Logisch, entweder bezeichnet der Begriff die Machart der Musik, dann wäre das in etwa so hilfreich, wie Oasis als Analogue oder Miles Davis als Trumpet Music zu bezeichnen. Oder „Electro“ fungiert als eine Defaultkategorie, die all das bezeichnet, was man nicht zuordnen kann. Chemicals ist demnach Electro. Das dritte Album des Duos the Shoes bedient sich bei viel von dem, was seit den 80er Jahren im Bereich der elektronischen Musik passiert ist (abgesehen vom Dubstep/EDM-Craze der letzten Jahre). Das Resultat klingt homogener, als man denkt und oft nach dem Misch aus Techno und pathetischem Pop, der in den Neunzigern angesagt war. Aber in gut!

Lewis Del Mar

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Ernsthaft, wo kommen all diese guten Duos her?!

Mit ein bisschen Glück könnten Lewis Del Mar der nächste wirklich große Indie-Hit werden. Das Duo aus Queens, New York trifft auf einer ersten bereits veröffentlichten, unbetitelten EP perfekt den Mittelgrund zwischen Hipster-Indie à la Alt-J und dem Hipster-R&B von Chet Faker („Wave(s)“ könnte original so auf Built on Glass erschienen sein). Und das Beste: Das Resultat klingt nicht nach Hipstershit!

Was Lewis Del Mar daran hindert, zu fake-Fakern zu werden – sie sind immer hart an der Grenze zum Plagiat –, ist das knallige Drumming. Auch da erinnern sie zwar an eine andere Band, nämlich PVT als sie noch Pivot hießen und spacigen Math Rock spielten. Aber die Hooks sind da, der Sound ist interessant und die Songstrukturen alles andere als platt. Lewis Del Mar sind auf ihre eigene Weise packend. Nico, wo gräbst du immer wieder solche Knaller aus?

Für Fans von: Everything Everything, Alt-J, die frühen PVT, Chet Faker

Savages – Adore Life

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Adore Life ist ein Statement. Das zweite Album der Savages vermählt erneut die Gravitas von Anna von Hausswolff oder Cold Specks mit der unbändigen Wut von Punk und Post-Punk. Jehnny Beth ist hypnotischer denn je. Alles an der Frontfrau der Londoner Band zieht einen in einen Bann – die strenge Stimme, der flexible Gesang, bis hin zu ihrem markanten Gesicht und dem unnachgiebigen Blick. All das ist nicht trivial, sondern gehört zum Gesamtkonzept der Band. Worin das besteht, wird mit jeder Veröffentlichung des Quartetts deutlicher.

Auch musikalisch stellt das Album eine Verfeinerung der Savages-Ästhetik dar. Der Punk ist aggressiver, die Post-Punk-Elemente wirken noch dunkler und harscher als zum Beispiel auf „She Will“. Das zeigt sich vor allem im Zusammenspiel von kalter Leadgitarre und rauer, warmer Rhythmusgitarre. Gemma Thompson bringt ihre Gitarren abwechselnd zum Knurren („The Answer“) und zum Schreien („Slowing Down the World“), manchmal beides in einem Song wie auf „T.I.W.Y.G.“. Es lärmt und kracht noch stärker, „Fuckers“ findet sein Echo in der Maschinengewehr-Snare von „Evil“. „When In Love“ zeigt Parallelen zu der Welle an unzufriedenen (Post-)Punkbands – Iceage, Eagulls, METZ, Protomartyr – der letzten Jahre auf. Was sich geändert hat, lässt sich am besten an den letzten Songs der beiden Alben ablesen: Wo „Marshal Dear“ noch versöhnlich mit Piano und Klarinette aufwartete, ist „Mechanics“, der Closer von Adore Life, von rastlosem Noise durchzogen und zerfranst am Ende in elektronische Verstümmelung.

Beths Gesang geht mit der Musik Hand in Hand. Beides ist genauestens geplant, der spärliche Einsatz der Kopfstimme sorgt für maximalen Adrenalineffekt. Auf „I Need Something New“ klingt Beth wie ein Hund, der gleich zubeißt, anderswo vibriert und hallt ihre Stimme wie die einer Opernsängerin. Die Geplantheit verhindert aber (zum Glück!) nicht das Ausrasten, wie das für den Moshpit gemachte „The Answer“ oder der Punk Shuffle von „T.I.W.Y.G.“ beweisen.

Liebe ist allgegenwärtig, sie ist „the answer“ und „the strongest addiction I know“.

Schon vom Debüt Silence Yourself an machten Savages klar, dass ihre Musik mehr ist als nur Vergnügung. „In einem Zeitalter der ständigen Stimulation“ sollten die Songs dazu dienen, sich mal wieder auf das Wesentliche zu besinnen – „the distant rhythm of an angry young tune“. Was dieser „tune“ eigentlich war, ließen sie offen, auch wenn es nicht schwer fiel, die Lücke zu füllen. Nach dem Release der Single „Fuckers“ – „don’t let them fuckers get you down“ war dort die Parole – wurde die Kernaussage mit der Bo Ningen-Kollaboration Words to the Blind offensichtlicher; nun steht sie endlich explizit im Titel: Liebe das Leben!

Was auf dem Kalender eine Plattitüde wäre, ist im Kontext von Adore Life eine Kampfansage. Die dritte Single „Adore“ ist dabei zentral. „Is it human to adore life?“, fragt sich Beth und antwortet sogleich: „I will die maybe tomorrow / so I need to say: / I adore life.“ Liebe ist allgegenwärtig in ihren Texten, sie ist „the answer“ und „the strongest addiction I know“. Was sich oft als Liebesgeschichte zwischen zwei Personen lesen lässt, ist auf „Adore“ deutlich universeller. Jehnny Beth ist schließlich nur ein Künstlername, dahinter versteckt sich Camille Berthomier, Nationalität: Französisch. Nach den Schrecken des letzten Jahres erscheint die Faust auf dem Cover also wie eine Drohung: Passt auf, ihr Terroristen, Ausbeuter und Hassschürer! Die Wut, die ihr hört? Die blüht euch, wenn ihr das Leben nicht zu ehren wisst. „This is what you get when you mess with love.“

Beste Tracks: Adore, Surrender, alle anderen

VÖ: 22/01 // Matador Records

„The Answer“:

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The Last Shadow Puppets mit Details zum neuen Album

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Die Platte Everything You’ve Come to Expect erscheint am 1. April.

Acht Jahre sind vergangen, seit The Last Shadow Puppets das letzte Mal zusammen im Studio standen. In dieser Zeit haben Alex Turner und Miles Kane sich beide musikalisch mehr oder weniger neu orientiert und lassen dies nun in ihre neue Platte mit einfließen. Everything You’ve Come to Expect ist der Nachfolger von The Age Of The Understatement, welche wie ein Sturm durch die britische Musikwelt fegte und Kritiker begeisterte.

Bereits vor Wochen stand fest, dass die neue Single von The Last Shadow Puppets ein Gewinner werden muss.

Aufgenommen wurde die neue Platte in den Shangri La Studios in Malibu in Zusammenarbeit mit James Ford, dem Stammproduzenten der Arctic Monkeys. Begleitet wurden die Aufnahmen musikalisch vom Bassisten Zachary Dawes und Owen Pallett ist für die Streichinstrumente zuständig, die ja charakteristisch für den Sound der Band sind. Mit „Bad Habits“ gibt das Duo uns auch einen ersten Einblick in das kommende Werk, das am 1. April als Standard und Deluxe CD mit einem 40 seitigem Booklet exklusiver Fotos, sowie als Standard LP erscheinen wird. Die Deluxe Heavyweight LP mit 32-seitigem Booklet und einer farbigen Bad Habits” 7″ mit dem Bonustrack „The Bourne Identity“ ist auf eine Pressung limitiert.

Tracklist und Artwork:

1. AviationTLSP Everything Youve Come To Expect packshot_hires
2. Miracle Aligner
3. Dracula Teeth
4. Everything  You’ve Come to Expect
5. The Element Of Surprise
6. Bad Habits
7. Sweet Dreams, TN
8. Used to Be My Girl
9. She Does the Woods
10. Pattern
11. The Dream Synopsis

Hier kann man sich das Video zur Single noch einmal anschauen:

Abdomen

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Das Video zu ihrer Single „System“ ist der absolute Wahnsinn.

Was haben pinke Roller, Softeis und trash Horror mit Garage-Rock zu tun? Sämtliche komponenten tauchen im Video der drei Niederländer auf. Die Musiker Peter van Beets, Roel Meijer, Redmer de Boer aus Leeuwarden standen vor einigen Tagen noch auf dem Eurosonic auf der Bühne und haben mit ihrer Energie Aufsehen erregt. Ihr Sound ist schnell, wild, zerstörerisch und fucked up, wie die Experten von der Insel wohl sagen würden.

Ihre Songs kommen losgelöst beim Publikum an und wirken fast, als wären sie recht willkürlich aus der Unbändigkeit heraus entstanden. Wirre Gitarrensolos treffen auf punkigen Gesang und so passt das Gesamtbild doch irgendwie ganz gut zum wahnsinnig lustigen Amateurvideo, welches sich Bart Postma zuschreiben kann. Das Video macht die drei Musiker so wahnsinnig sympathisch und macht auf jeden Fall Bock auf einen Live-Gig von Abdomen.

Für Fans von: The Ramones, Slaves, The Black Cult

https://www.youtube.com/watch?v=xh41RQAqSxs

LÅPSLEY kündigt (endlich) ihr Debütalbum an

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Eine neue Single und ein neues Video hat sie mit „Love Is Blind“ auch noch am Start.

Bereits 2014 unterschrieb die aus Southport stammende Musikerin Holly Fletcher alias Låpsley ihren Plattendeal mit XL Recordings. Wirklich überraschend kam dies nicht, so hatte sich bereits Monate davor ein regelrechter Hype um die Britin gebildet, welcher unter anderem von Zane Lowe, damals noch bei BBC Radio 1, angestiftet worden war. Andere hätten diesen Hype regelrecht ausgemerzt und so schnell es geht ein Album auf den Markt geworden. Nicht aber Låpsley, die lange noch nicht einmal wusste, ob der Beruf des Musikers überhaupt der richtige Weg ist. Es waren die Naturwissenschaften, die der Musik sehr lange im Weg standen.

Nach etlichen Gigs und Lobhuldigungen sind mittlerweile aber sämtliche Zweifel ausgeräumt und so hat sie sich im vergangenen Jahr mit dem XL Produzenten Rodaidh McDonald (Adele, The xx, Savages) an ihr Debütalbum gemacht. Mit „Love Is Blind“ liefert die junge Musikerin uns nun einen ersten Vorboten, der sich sicherlich sehen (beziehungsweise hören) lassen kann. Am 4. März reicht sie dann ihr Debüt Long Way Home nach.

Das Video zu „Love Is Blind“ kann man sich hier anschauen:

Sturla Atlas

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Weißer könnte R’n’B nicht klingen.

R’n’B gilt seit jeher als Genre der afroamerikanischen Gemeinschaft in den USA. Nun kommt jedoch ein junger Musiker aus Island an und stellt einmal alles auf den Kopf. Aussehen tut Sturla Atlas nämlich wie ein groß gewordener Michel aus Astrid Lindgrens Geschichten und musikalisch liegt er wohl irgendwo zwischen Drake und Yung Lean. Ja, die Mischung klingt tatsächlich so explosiv wie man meinen könnte.

Architypische Beats treffen auf eine Mischung aus Rap und Gesang. Verpackt werden diese durch oftmals trashige Videos und noch trashigeres Grafikdesign und Artwork. Mit seinem ganzen Lifestyle hebt er sich deutlich von den gängigen Klischees ab und bietet eine fast schon angenehme Persiflage bei der man jedoch nicht so recht weiß, ob es überhaupt eine ist. An wen erinnert uns das alles sehr stark? Richtig. An Moneyboy, halt nur in besser und in arty (wenn auch auf skurrile Art und Weise).

Für Fans von: Yung Lean, Drake, LGoony