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Diese Acts lösen auf dem Maifeld Derby Tanzgefühle aus

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Wer auf dem Maifeld Derby die Hüften schwingen lassen will, trifft mit diesen Acts ins Schwarze.

Sea Moya

Sea Moya klingt so fern und ist doch so nah. Die Band aus Mannheim hat sich in den letzten Monaten zu einer der allerliebsten Postie-Acts entwickelt. Psychedelische Klänge, die, wie Fichon so schön beschrieben hat, Nahtriperfahrung auslösen, sind das Metier des Gespanns aus Mannheim. Wenn das Wetter Sea Moya dann auch noch in die Karten spielt, könnten sie eines der Highlights des diesjährigen Maifeld Derbys werden. Mit ihren Auftritten beim Jetztmusik Festival und im Karlstorbahnhof haben die Jungs auf jeden Fall schon einmal bewiesen, dass sie auch die Deltaregion mit ihrem internationalem Sound begeistern können.

Sonntag, Palastzelt: 13.30-14.10

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Wir haben uns die Mühe gemacht die Kommentare unter ihrem neuesten Song bei Filtr durchzulesen und können uns ein Zitat einfach nicht verkneifen: „Ist das nicht die, die bei major lazers musikvideo lean on scheidenpilz hatte? :D“ meinte der nette User „Der Jumperman“. Tatsächlich geht der Gesangspart und die zugegeben etwas gewöhnungsbedürftige Tanzeinlage auf das Konto von MØ. Die junge Musikern durchlebt gerade eine Phase die Fluch und Segen zugleich ist. Die Masse kennt sie nur durch „Lean On“, obwohl sie mit „Don’t Wanna Dance“ bereits vorher Hits hatte und doch kämpft sie jetzt gegen den übermächtigen Hit des letzten Jahres an. Gott sei Dank scheint es wenigstens so, als hätte die Künstlerin, die den Spagat zwischen Kunst und Pop locker schafft, ihre alten Fans nicht verloren. Ach und was das Tanzen angeht; nicht nur „Lean On“ ist tanzbar.

Freitag, Fackelbühne: 20.50-22.00

https://www.youtube.com/watch?v=YFyuNBPXu0I

SG Lewis

Opgelet! SG Lewis ist der ganz heiße Scheiss dieses Jahres. Ihr glaubt uns nicht? Dann zählen wir doch an der Stelle einfach mal ein paar Fakten auf. Pharrell, ja wir wissen, dass er seit dem beschissenen Minions-Song bei vielen unten durch ist, feiert den Jungen bereits sehr und bezeichnet ihn als „weißen Jungen mit Soul“. Wer ganz dicke mit den Brudis von Disclosure ist, geht meistens mittelfristig unter die Decke. Die Soundcloud Community liebt ihn. Seine Songs knacken regelmäßig die 500k-Marke und bei der BBC Radio 1 Live Lounge hat er auch schon mächtig abgeräumt. Diese Gründe müssten stark genug sein, um sich den Grooves des jungen Briten auf dem Maifeld Derby zu geben.

Freitag, Palastzelt: 19.15-20.00

Ogoya Nengo

Maifeld Derby wir lieben dich für deine Vielfalt und natürlich für die Tatsache, dass spätestens mit dem Booking von Ogoya Nengo kein Fascho das Gelände freiwillig betreten möchte. Die Geschichte von Ogoya Nengo ist schon ein wenig surreal. Entdeckt wurde sie beim Kühehüten, mittlerweile reist sie mit ihrer Women’s Group durch die ganze Welt. Die traditionellen afrikanischen Klänge hieven das Festival nochmals auf eine komplett neue Ebene und wir sind uns sicher, dass wir das Tanzen von den Frauen respektablen Alters beigebracht bekommen. Das Maifeld Derby durchbricht Grenzen!

Sonntag, Fackelbühne 12.30-13.30

Vimeo

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Boy

Das Duo aus der Schweiz wird sicher nicht als größte Partyband aller Zeiten in die Geschichtsbücher eingehen und doch gibt es einen Moment in ihrer Karriere, der das Leben vieler jungen Menschen mitgeprägt hat. Am 16.09.11 erschien nämlich die Single „Little Numbers“, die wie kaum ein anderer Song jemals davor in den Indie-Clubs hoch und runter gespielt worden ist. Der Gebrauch der Vergangenheitsform ist hier auch eher suboptimal gewählt, da der Song auch heute noch ein gängiger Begleiter ist und so liegt es natürlich nicht allzu fern das Gelände des Maifelds für einen kurzen Moment in die größte Indie-Disko weit und breit zu verwandeln.

Sonntag, Fackelbühne 18.20-19.30

Auf der nächsten Seite geht es unter anderem mit dem tanzbarsten Headliner der Maifeld Derby Geschichte weiter.

Pscht: Marquis Compressor

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Future Funk aus London mit Löchern im Beat

Der Marquis Compressor wird zwar nicht mehr hergestellt, aber sein Esprit lebt weiter. Ein Musiker aus London, der anonym bleiben will, hat sich den Namen zu eigen gemacht und sendet von der Hauptstadt aus alternativen R&B der Jai Paul/Ben Khan Machart in die Weiten des Internet. Unsere Antennen haben die Funkwellen von „Galaxy“ und „Landing“ aufgeschnappt, seitdem stehen auf der Soundcloud-Seite von Marquis Compressor bereits drei weitere Tracks.

Wer schonmal die Musik von Jai Paul gehört hat – der Buzz um das Alt-R&B-Wunderkind war vor ein paar Jahren ziemlich groß – weiß, worauf er sich einlässt. Stark prozessierte Gitarre, Löcher im Beat, gedämpfter Electrofunk, souliger, kaum greifbarer Gesang. Marquis Compressor versteht sein Handwerk, kopiert aber auch nicht einfach den offenen Sound seiner Vorbilder. „Columbia“ ist geradeheraus erdrückend, während der gerade einmal eine Woche alte Track „21 Thieves“ fast die Bezeichnung Ballade verdient.

Marquis Compressor macht vom Songwriting bis zum Mastering alles selbst und ist gerade dabei, ein erstes richtiges Release auf die Beine zu stellen. Bis das später im Jahr auftaucht, haben wir schonmal eine Handvoll Songs, an denen wir uns ergötzen können.

Für Fans von: Jai und A.K. Paul, Ben Khan

Soundcloud:

Die Wild Beasts zeigen sich so sexy wie nie

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„Get My Bang“ ist der Vorbote zum neuen Album, das am 5. August erscheinen wird.

Revolution. Das muss das Motto bei den Aufnahmen zur neuen Platte Boy King gewesen sein, denn mit der ersten Single „Get My Bang“ zeigt uns die Band ein völlig neues Gesicht. Kein theatralisches Falsetto, weniger Liebe, mehr Sex. Die Wild Beasts aus Kendal waren sonst eher für ihre ruhigen Nummern mit viel Gefühl und Ernstheit bekannt. Man denke nur mal an die Debütsingle „Wanderlust“ ihrer letzten Platte. Was hat wohl für den Umschwung gesorgt?

Mit der Entwicklung steuern die Briten locker am gefährlichen Indie-Eisberg vorbei, der schon so etliche männliche Bands in den Abgrund gezogen hat. Nach der Pause von Bombay Bicycle Club hätte es die Wild Beasts locker als nächstes treffen können. Mit „Get My Bang“ erfindet sich die Band aber neu und hat sich den Hüftschwung und das Instinktive wohl bei Alex Turner abgeschaut und die locker sitzenden Synth-Beats bei Metronomy. Geschrieben wurde die Platte in London, aufgenommen dann aber im warmen Austin in Texas. Die Mischung ist jedenfalls sehr hot und vielversprechend.

Den Hüftschwung à la Turner gibt’s hier zu bestaunen:

Das StoneRock Festival stellt große Headliner vor

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Das kleine Festival aus Bentheim überrascht mit großen Namen.

Indie-Liebhaber sollten sich den 23. Juli besser ganz fett im Kalender markieren. Am Wochenende haben die Veranstalter des StoneRock Festivals nämlich erste Headliner bekannt gegeben und die haben es in sich. Man muss nur kurz „Quiet Little Voices“ anstimmen und schon weiß jeder, der schon einmal einen Fuß in eine Indie-Party gesetzt hat, dass die Nummer von We Were Promised Jetpacks kommt. StoneRock goes Party könnte man sagen. Ergänzend dazu haben sich die verspielten Belgier von BRNS als Co-Headliner angekündigt.

Neben den beiden großen Acts werden auch noch Taymir aus den Niederlanden auf ihrer Abschiedstournee in Bentheim vorbeischauen. Die Britrock-Niederländer, die mehr Fish & Chips statt Krokette sind, haben vor einigen Tagen ihre Trennung annonciert, wollen mit ein paar letzten Auftritten aber noch ein Mal für Furore sorgen. Außerdem werden noch Cannibal Koffer, Calves und Crash Down auftreten.

Gecampt werden darf auch wieder und so begrüßt das StoneRock Festival auch dieses Jahr wieder 100 Camper, die für eine Gebühr von 5 Euro den gegenüber vom Gelände liegenden Platz nutzen dürfen. Tickets gibt es ab heute über Eventim oder an örtlichen VVK-Stellen in der Grafschaft und Umgebung für 16 Euro und an der Abendkasse für 20 Euro.

Oracles – Bedroom Eyes

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Mehr als nur die Trendwelle reiten: Das Debütalbum der Köln/Berliner bietet Psychedelia für das Hier und Jetzt, ohne in nostalgischen Revivalismus zu verfallen.

Anderthalb Jahre nach ihrer Debüt EP Stanford Torus veröffentlicht die Band Oracles ein erstes Album, das nicht nur aufgrund seiner Spielzeit als „richtiges“ Album bezeichnet werden muss. Auf zwölf tadellos geschriebenen, aufgenommenen und sequenzierten Songs zeigt das Quintett aus Köln und Berlin, dass es der psychedelischen Musik mehr als nur um der Hipness willen verhaftet ist. Im Vergleich mit anderen aktuellen Veröffentlichungen aus dem Bereich „Psychedelic Pop/Rock“ ist Bedroom Eyes deutlich ruhiger und introspektiver. Anstatt ein Festivalpublikum zum Tanzen bringen zu wollen, regen die meisten Songs eher zum Tagträumen an.

Nicht, dass das was Schlechtes wäre. Im Gegenteil, paradoxerweise ist Bedroom Eyes sowohl entspannt als auch catchy. Das fünfeinhalb Minuten lange Intro „Lacerate Slowly“ klingt, als würde man langsam seine Augen aufschlagen und in die Mittagssonne blicken. Die meisten Songs sind schöne Popsongs, die auf dem Grat zwischen Eingängigkeit und spielerischem Experimentieren wandeln. Ein tanzbares „Gazing from Without“ findet man zwar nicht, dafür sind die Einflüsse breiter gefächert: ein bisschen Peace, viel prä-Swim Caribou, oft erinnert Bedroom Eyes auch an MGMT. Mit „Chardonnay“ und der Mac DeMarco-Gedächtnisnumer „Returning Never“ zeigt das Quintett, dass Jangle Pop nicht den Kanadiern vorbehalten ist. Selbst „Agharta“, das vor zwei Jahren als einer der ersten Songs der Band veröffentlicht wurde, kommt ohne den double time Endteil deutlich besser aus.

Den Seelenfrieden, für den MGMT drei Alben gebraucht haben – das richtige Gleichgewicht zwischen weird und poppig also – haben Oracles schon auf ihrem Debütalbum gefunden. Noch besser: Das, was Ariel Pink mit 80er Jahre College Radio für ein amerikanisches Publikum so attraktiv macht, bieten fünf inzwischen nicht mehr als Nachwuchstalente beschreibbare Musiker viel universeller dar. Und das aus einem Land heraus, das historisch gesehen mehr mit robotisch-motorischem Rock als mit psychedelischer Musik zu tun hatte,

Being does not entail presence – hauntologische Musik ist kein simpler, nostalgischer Revivalismus. Niemand, der sich Bedroom Eyes genau anhört, wird es für ein Album des letzten Jahrhunderts halten, und sei es aufgrund der produktionstechnischen Tricks. „Lacerate Slowly“ beginnt mit dem Sound eines warmlaufenden Schallplattenspielers, „Chardonnay“ wiederum hört so abrupt auf, als hätte jemand dem Turntable den Stecker gezogen. „Cries & Whispers“, zusammen mit „Amoeba“ das Finale furioso, zerreißt es am Ende, so als würde sich das Tape auflösen oder die Boxen den Geist aufgeben. Die Produktionsmittel dringen in die Musik ein.

Wie schon Stanford Torus ist Bedroom Eyes eine Zeitreise, aber nicht, wie man erwarten würde, in die Vergangenheit, sondern aus der Vergangenheit ins Jetzt. Statt sich blauäugig nach einem Früher zu sehnen, das eh nicht mehr kommt, nehmen die Musiker alte Geister als Ausgangspunkt und lassen sie durch ihre fest im Heute verwurzelte Musik spuken. Da wird ein bisschen Tagträumerei ja wohl erlaubt sein.

Beste Songs: Cries & Whispers, Thoughts of Love on the Verge of Sleep, That Was I

VÖ: 27/05 // This Charming Man

„Amoeba“:

Deerhoof mit neuem Song „That Ain’t No Life to Me“

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Das neue Album The Magic erscheint am 24. Juni

Eigentlich sollte die Herangehensweise an The Magic kaum mehr überraschen. „Aufbauen, einstöpseln und aufdrehen“ ist laut der Pressemitteilung zum 15. Deerhoof Album die Devise – als würden die bisherigen Alben anders klingen als spontane Ausbrüche einer Band, die einen Scheiß auf Erwartungen gibt. Trotzdem ist The Magic ein Stück weit chaotischer, weil wie auf diesen Facebookpartys, die hinterher von der Polizei aufgelöst werden müssen, ohne Kontrollmechanismen alle möglichen und unmöglichen Gäste eingeladen werden.

Unter „Gäste“ muss man altbekannte wie Punk, Pop und Noise, aber auch Kuriositäten wie College Rock, Glam, Hair Metal und Hip-Hop verstehen. Die neue Single „That Ain’t No Life to Me“ bewegt sich im Territorium von the Kinks, Ty Segall und dem ersten, fusselig-fröhlichen Album von Cloud Nothings. Passend, dass Deerhoof selber The Magic mehr als ein Mixtape ansehen, auf dem „That Ain’t No Life to Me“ der Frat Party-style Stimmungsmacher ist.

The Magic erscheint am 24. Juni auf Altin Village & Mine. Vorbestellen könnt ihr das Album Mixtape hier„That Ain’t No Life to Me“ gibt’s direkt hier unten drunter:

Ogoya Nengo and the Dodo Women’s Group – On Mande

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Das uralte Bedürfnis zu tanzen: Das zweite Album von Ogoya Nengo spricht mit Gesang und Rhythmus eine universelle Sprache

Anastasia Oluoch wurde Dodosängerin, da war sie gerade einmal 13 Jahre alt und ihre Heimat Kenia noch eine britische Kolonie. Mit über 70 singt sie immer noch und hat für ihre außergewöhnliche Stimme den Beinamen Ogoya Nengo, „die Kostbare“, bekommen. Unter diesem Namen bringt die Sängerin des nilotischen Luo-Stammes jeden, der ihre Musik zu hören bekommt, zum Staunen und zum Tanzen. Das waren bis vor ein paar Jahren allerdings nur diejenigen, die in die Region um Oluochs Geburtsstadt Magoya kamen und Ogoya Nengo und ihre Dodo Women’s Group live sahen.

2013 suchte dann Tabu Osusa von Ketebul Music zusammen mit den Musikern Sven Kacirek und Stefan Schneider die Sängerin in Rang’ala für eine Aufnahmesession auf. Das Resultat Rang’ala machte Ogoya Nengo and the Dodo Women’s Group einem breiteren Publikum bekannt. Die Europatour im Mai ist bereits ihre dritte und begeistert immer mehr Menschen für ihre natürlich tanzbare Folklore. Mit On Mande erscheint nun Oluochs zweites Album auf Schneiders neuem Label TAL.

Wer von On Mande die mit billigen Synthesizern und 80er Jahre Drumcomputern ausgestattenen Songs der bekannteren Releases von Awesome Tapes from Africa erwartet, wird seine Erwartungen erstmal zurückschrauben müssen. Das Album beginnt mit von Instrumenten ungestörtem Gesang auf „Wololo Josiaya“, erst nach und nach kommen akustische Gitarre, Asili-Flöte, Nyatiti – die Laute der Luo – und die anderen Sängerinnen dazu. Von Anfang an macht Ogoya Nengo jedoch zwei Dinge deutlich: Die menschliche Stimme ist das dehnbarste und, zumindest bei Sängerinnen wie Oluoch, nuancierteste aller Instrumente; und am Anfang jeder Musik, wie auch (offensichtlich!) jedes Tanzes, steht der Rhythmus.

„Bunde Kod Asili“ besteht nur aus einem repetitiven Rhythmus, über dem die Asili improvisiert. „Thoo Manonega“ lässt Oluochs Stimme über einem Trommelkreis tänzeln. Auf „Owano Ojwang“ begegnet uns erstaunlicherweise ein männlicher Gesang – der berichtende und kommentierende Gesang der als Dodo bekannten Gesangstradition ist normalerweise ausschließlich Sängerinnen vorbehalten. Ihn umgeben nervöse Klänge, mit knapp sechs Minuten ist der Song für westliche Hörgewohnheiten die größte Herausforderung. „Owano Ojwang“ steht außerdem in starkem Kontrast mit den ansonsten warmen Liedern, die ein Gemeinschaftsgefühl nicht unähnlich dem von (westlicher, östlicher, südlicher – wen schert’s?) Lagerfeuermusik wecken.

Zwischen den auf einfachen Rhythmen und Melodien basierenden Stücke, von denen „Jawend Peke“ und der quasi-Titeltrack „On Monday“ die heitersten sind, finden sich auch rein gesangliche Schönheiten wie „Chur“ und „Wend Peke“. Was einem zu Beginn fremd erscheint – die Frugalität der Stücke, die meist nur aus einem oder zwei Elementen bestehen – wird nach und nach selbstverständlich. Wie hat man auch nur einen Moment denken können, der Gesang der Luo und sein inhärenter Rhythmus würden nicht auf die gleiche Weise wie jede andere Musik das uralte Bedürfnis befriedigen, seinen Körper im Takt zu bewegen? Hat man ihre Musik einmal entdeckt, ist Ogoya Nengo aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken.

Beste Songs: Jawend Peke, Ortutu Kod Asili, Bunde Kod Asili

VÖ: 06/05 // TAL

Alben des Monats – April 2016

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Mit Neuem von Alten und ein bisschen Altem von Neuen

„No matter what you see / you’ve got to get back to being found.“ – „Maybe we could roll a tree. / Or maybe…“ – „Let me go / let me go.“ – „Talk to me ! I want to kill…“ – „Do it. D-d-d-do it.“

So aus dem Kontext gerissen können letzte Worte ziemlich dadaistisch anmuten. Die Alben des letzten Monats, anders als die Textfetzen von deren letzten Songs, brillieren hingegen fast ausschließlich in ihrem Kontext. Sei es der Zustand von Art Rock in elektronisch dominierten Zeiten, das immer schwierige Thema posthumer Veröffentlichungen oder das Wieder-aufleben-lassen von Stilen, die sich inzwischen in der Mid-Life Crisis befinden müssten. Falls euch das zuviel textlicher Lärm um Nichts ist, hört euch einfach die Hörbeispiele an, vielleicht findet ihr ja dort euer Glück.


Autolux: Pussy’s Dead

Cover onlineDas dritte Autolux Album heißt Pussy’s Dead. Davon mal abgesehen, ist es wirklich sehr, sehr gut. Vom schleppenden Opener „Selectallcopy“ bis zum leicht melancholischen Ende von „Becker“ zeigt das Trio aus LA, wie Art Rock heute geht. Manche Gesangslinien erinnern zwar an den Alternative Rock der Neunziger, dafür tut die Produktion alles, um zeitgemäß und vor allem detailreich zu klingen.

Während zuerst die Bedrücktheit auffällt, tritt mit wiederholtem Hören vor allem das Melodische in den Songs zutage. Als emotionales Gegengewicht gibt es mit „Brainwasher“ und „Listen to the Order“ in der Mitte des Albums fast schon sludgy ein paar E-Gitarren, die einen auf den Boden der Tatsachen zurückholen. Und wer bei „Junk for Code“ nicht minnigstens mit dem Fuß wippt, sollte mal zum Orthopäden. Es gibt nicht mehr viele überzeugende Fürsprecher für die causa rockbandii. Autolux gehören zu den letzten Größen ihrer Art.

https://vimeo.com/151944473


DJ Rashad: Afterlife

dj rashad afterlifeRashad Harden war zum Zeitpunkt seines Todes zwar schon einige Jahre über dem passenden Alter, aber er wird von seinen Fans (von denen es so viele gibt, dass Footworkplatten inzwischen selbst im konservativsten Plattenschrank auftauchen) auch anno 2016 so inbrünstig verehrt, als wollten sie ihn in den 27 Club neben Amy Winehouse und Jimi Hendrix stecken. Dass aus den Archiven von DJ Rashad ein ebenso umfangreiches posthumes Œuvre wie das von Tupac Shakur entstehen kann (und wohl auch wird), ließ sein engster Vertrauter und partner in crime DJ Spinn kürzlich verlauten.

Nach den EPs We on 1 und 6613 ist Afterlife nun zugleich die erste Kompilation von DJ Rashad Tracks auf Albumlänge und das erste physische Release auf dem Label der Teklife Crew. Auf Next Life, das Best Of der Rashad-Affiliierten und -Inspirierten, folgt mit Afterlife ein weiteres Beispiel für die kollaborative Natur des ganzen Teklife Universums. Dass dem Release ein narrativer Bogen wie dem von Double Cup fehlt, ist nicht verwunderlich. Dass ab „Oh God“ die Songs immer verrückter werden und einen Schritt weg vom signature sound von Teklife und hin zu den neuen Vordenkern DJ Roc und Jlin machen – das zeigt dann doch, wieviel Weitsicht selbst in den Veröffentlichungen nach Hardens Tod weiterlebt.


Drangsal: Harieschaim

Drangsal Harieschaim 1600„Ich hab den Kopf voll Pflastersteine / weil du nie kapierst, was ich meine.“ Man kommt sich vor wie in Gesellschaft jener Jugendlicher, die high auf the Cure den 30. Geburtstag von deren Frontmann Robert Smith zelebrierten. Tatsächlich befinden wir uns nicht unter einer Brücke in der ehemaligen DDR, sondern im pfälzischen Herxheim, der Heimat von Max Gruber alias Drangsal. Harieschaim heißt das Debüt der jungen Popsensation, mit Fabian von Sizarr und dem Tocotronic-Produzenten Markus Ganter haben ihm dabei zwei Instanzen des deutschen Indie unter die Arme gegriffen.

Dementsprechend stilecht sind die zehn Songs auf Harieschaim. Die Gitarren und Synths klingen nach Augenschminke, Ohrring und über die Stirn gegelten, schwarzen Haaren; die programmierten Drums hätten weder A-ha noch Duran Duran besser hingekriegt. Der „Brachialpop“ (Gruber) ist hauntologisch wie sonst was, bei jeder musikalischen Wendung erwartet man, dass ein spektraler Ian Curtis durch die Wand schwebt. Dass Gruber nach eigenen Angaben weder Joy Division noch the Cure übermäßig gehört hat, tut nichts zur Sache. Wenn Wave-Post-Punk so catchy gemacht ist, darf der Rezensent auch mal schweigen und genießen.


Guido Möbius: Batagur Baska

guido möbius batagur baskaGuido Möbius bedient Liebhaber elektroakustischer Musik und bassgesteuerter Polyrhythmik wie das Adoptivkind von John Cage und Geoff Barrow. Mit einer Bassline wie aus „Ham Green“ beginnt der Titeltrack seines neuen Albums Batagur Baska, nur um plötzlich Fahrt aufzunehmen und dem Gesangsample von Prak Chum einen Drum Circle unterzulegen. Der Song ist der längste auf dem sechsten Album des Berliner Klangkünstlers, aber trotz Rhythmusmindfuck keineswegs der unkonventionellste.

„Nach Draussen“ lässt sich noch am ehesten mit zum Beispiel den Vocaltracks von Modeselektor vergleichen; „Moloch“ ist Sci-Fi-Techno erster Klasse. Die übrigen Stücke erstrecken sich von Scat Gesang zu unförmigem Fusion-Flöten-Bass-Gedudel („Windsurfing Chile“) über eine Kinderreimmelodie, die mit Soundeffekten wie aus Raumpatrouille Orion konkurrieren („How to Never Wake Up“) bis zu Dielengequietsche mit Eno-Ambient und einer Auflistung von Wörtern, die auf „-ing“ enden („-ing“). Möbius öffnet mit Batagur Baska rostige wie frisch gestrichene Türen für in Berlin fabrizierten Techno und darf für seinen querköpfigen, elektromotorischen Drang als, ja, krautig bezeichnet werden.

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Imarhan: Imarhan

test_single_05Am Rande des Ahaggar-Gebirges liegt Tamanrasset, die südalgerische Hauptstadt der Tuareg. Zwischen den Bergen, der Wüste und dem Ahaggar Nationalpark leben dort circa 10.000 Menschen. Unter ihnen die fünf Mitglieder von Imarhan, einer Band, die den traditionellen Wüstenblues, den sogenannten Assuf, spielt. Deren erstes Album, Imarhan benannt, ist im April auf dem Berliner Label City Slang erschienen.

Auf Imarhan hört man neben warmen Akustikgitarren und entspannter Perkussion die Sprache der Kel Tamasheq, wie sich die Tuareg selbst bezeichnen. Damit wollen Imarhan den Vorurteilen über das Leben als Tuareg und Algerien im Allgemeinen entgegenwirken – Tamanrasset ist kein von der Welt abgeschnittenes Dorf, es gibt dort sehr wohl Internet und Globalisierung funktioniert schließlich nicht nur in eine Richtung. In Imarhans Musik durchdringen sich Tuareg- und „westliche“ Bluestraditionen. Kein Wunder, dass sie sowohl mit Kurt Vile als auch Tinariwen getourt haben. „Imarhan“ bedeutet übrigens „die dir Gutes wünschen“. So klingt Imarhan auch.


Suuns: Hold/Still

CoverHalt still, während sich die Welt um dich herum verändert, dann verstehst du sie besser. Anstatt über das Verschwinden des Rock’n’Roll zu jammern, beobachtet die Montrealer Band Suuns die Veränderungen und setzt den Zeitgeist dann in die Tat um. Hold/Still ist bereits ihr viertes Album, nach der Zusammenarbeit mit Jerusalem In My Heart zugleich das subtilste. Man muss in der Tat genau aufpassen, um die Details zu bemerken, mit denen Suuns sich auf ihrem neuen, sehr guten Werk von Rock und Electronic zugleich abgrenzen.

Die Spex spricht ebenfalls von „zeitgeistiger“ Musik und bezeichnet Suuns zurecht als die Clinic unserer Ära (ungeachtet der Tatsache, dass Clinic noch existieren und mit Free Reign ganz und gar aktuell klingen, wenn auch nicht so düster wie Suuns). Was man an Hold/Still kritisieren kann: die Klarheit von Images du Futur fehlt, das neue Album ist dickflüssiger als ein Earl Sweatshirt Album oder die beiden Beak> Platten, es lässt sich nicht mehr so gut zu Suuns tanzen. Das käme aber einem Jammern gleich, und das ist bei einem Album wie Hold/Still so unangemessen wie Sorglosigkeit im 21. Jahrhundert.

France With Benefits #6.1

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Vier gewinnt: zweimal Electropunk, zweimal Noise aus dem Land, das – auch musikalisch – lieber rebelliert als reformiert.

Der letzte Beitrag dieser Kolumne liegt schon etwas zurück, deshalb gibt es diesen Monat gleich doppelt auf die Ohren. Vier französische Bands diese Woche, vier weitere in zwei Wochen. Shit’s hot, deshalb geht es jetzt ohne weitere Umschweife los mit La pietà, der Newcomerin mit der Maske.


https://www.youtube.com/watch?v=EgltOuww5Bo

La pietà (oder PieTà, die Großbuchstaben tauchen recht willkürlich auf) ist der Durchschnitt, die unsichtb are Masse hinter Wohnzimmergardinen und in Fetischkellern. Oder wie es in ihrem ersten Song heißt: „Je suis la moyenne, à peine.“ Drogen, nackte Haut, Kotze – im Video zu „La Moyenne“ wird all das dargestellt, was nicht anständig und angenehm, aber doch allzu alltäglich ist. Die wütenden, gesprochenen Texte und das Spiel mit religiösen Symbolen stellen sich provokant gegen die aseptische Wohlfühldiktatur von Werbebranche und Kapitalismus. Als wären die Schwarz-Weiß-Bilder nicht schon Schock genug, zerreißt eine Gitarre einem die Trommelfelle in feinster Electropunk Manier.

Das Projekt La pietà macht sich das Internet auf mehrere Arten zunutze. Da wäre zuallererst die Anonymität. Die Sängerin aus Montpellier trägt auf Konzerten und in Videos stets eine Katzenmaske. Wer dahinter steckt, soll egal sein, es geht nämlich um die Kunst, unabhängig davon, wer sie macht. Ob mehr Leute La pietà ausmachen als nur die anonyme Sängerin, kann man auch nicht mit Sicherheit sagen, zumindest auf der Bühne ist sie nicht allein.

"Man sagt von mir, ich sei verdorben, verbraucht, zerschmettert.": La pietà // © A.L.Cinematography.
„Man sagt von mir, ich sei verdorben, verbraucht, zerschmettert.“: La pietà // © A.L.Cinematography.

Das Nicht-Allein-Sein ist dann auch das zweite Anliegen des Projekts: Hinter den Kulissen soll eine Community aufgebaut werden, die im Moment noch schön altmodisch per Mail mit der Mater Dolorosa höchstselbst kommuniziert. Die Musik wird in „Kapiteln“ veröffentlicht: EPs mit drei Songs, deren Texte aus verschiedenen im Entstehen begriffenen Romanen stammen. Das fertige Produkt wird dementsprechend auch nicht ein Album, sondern eine Seite für ebenjene „Famille Della Pietà“ sein, auf der die Mitglieder auf die verschiedenen Kapitel zugreifen und ihre eigenen musikalischen, textlichen oder sonstwie gearteten Kunstwerke präsentieren können.

Das erste Kapitel, das eigentlich am 3. Mai erscheinen sollte, aber aufgrund mehrerer technischer Probleme mit Streamingdiensten mit Kapitel II Anfang Juni veröffentlicht wird, enthält neben „La Moyenne“ noch „Ça dans le sang“ und „A la folie“. Im Herbst soll ein weiteres Kapitel folgen, „der Rest“ dann im nächsten Jahr. Die unbequeme Schock’n’Fetisch-Ästhetik, die nicht selten an den dystopischen Electropunk der Crystal Castles erinnert, erregt in Frankreich schon Aufsehen und wurde jüngst als „Ohrfeige für unsere mittelmäßigen Existenzen“ beschrieben.

Die Videos von La pietà findet ihr auf ihrem Youtube Kanal. Falls ihr ein Teil der Familie werden wollt, schaut auf der Webseite vorbei. Einen Vorgeschmack auf Chapitre II gibt es auch schon, le voici:



Ebenfalls sehr punkig, aber deutlich besser gelaunt sind Cheveu. Cheveu sind ein Trio und wollen, wie so viele, ein Genre erfunden haben. Ihr „lofi symphonique“ schafft es tatsächlich, zwischen fünf Stühlen zu sitzen und sich dabei nicht die Haxen zu brechen. Für das bessere Sitzgefühl sind sie von Bordeaux nach, wie so viele, Paris gezogen und verbreiten von dort als Botschafter des „shitgazing“ – noch so ein halbgares Genre, das eigentlich keins ist – auf Französisch wie auf Englisch die fröhliche Kunde des bastardisierten Punk.

Punk ist hierbei nicht als das Genre Punk Rock zu verstehen. Cheveu wecken auf und gehen die Dinge anders an als die Obrigkeit, ihr Anliegen ist Chaos, Anarchie und gute Laune – ohne dabei in plumpe Strukturen zu verfallen und immergleiche Drei-Akkord-Songs zu produzieren. Ob das pseudo-arabeske „Madame pompidou“ oder die diabolischen Casio Orgeln und Meredith Monk Gesänge von „Monsieur perrier“, das motorisch tuckernde „Johnny Hurry Up“ oder das grandiose „Polonia“: So extravagant kleidet sich die Energie von Punk selten. Cheveu lassen sich von allem inspirieren, was sich irgendwie gut anhört und verarbeiten ihre Einflüsse zu aggressivem Art Punk Cybertrash.

Und das ist nur ihr aktuelles Album Bum. Geht man zurück in der Diskographie, findet man zuerst Mille von 2010 ein Album, das bei Discogs die unwahrscheinliche Ansammlung „Genre: Hip Hop, Rock, Classical – Stil: Garage Rock, Punk, Avantgarde, Parody“ bietet. Die Mischung aus rumpelndem Krach und billigen Keyboards erinnert mitunter an Bands wie An Albatross und Foetus. Der Trashfaktor ist noch höher als auf Bum, das gegen die meisten Songs hier wie große Kunst wirkt.

Noch weiter in der Vergangenheit liegt Cheveu, das clever betitelte erste Album. Der Erstling ruft eher Shellac, Bloodhound Gang und sogar die Sleaford Mods auf den Plan und ist das konventionellste Werk der alles andere als konventionellen Diskographie von Cheveu. Wem die hier angebotenen Hörbeispiele zu schräg sind, findet dort vielleicht Vergnügen. Oder beim experimentellen Improjazz von Jean Louis.


Auf der nächsten Seite: noisy Jazz von Jean Louis und noisy Rock von Fordamage