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Verbaler Hammerschlag – Tristan Brusch mit weiterer Singleauskopplung „Trümmer“

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Tristan Brusch // © Ashley Armitage

Am 08. Juni erscheint das Debütalbum von Tristan Brusch – also bereits übermorgen. Ganz knapp veröffentlicht der Musiker noch einen weiteren Vorgeschmack. „Trümmer“ ist schon die fünfte Singleauskopplung aus dem kommenden Album „Das Paradies“.

Im Interview mit uns verriet Tristan Brusch, dass er nicht zwingend ein Verkleidungskünstler ist. Aber in ihm würden sehr wohl viele Tristans wohnen: „Ein Schüchterner, ein Verliebter, ein Vorlauter, ein Ernster, ein Zorniger, ein Trauernder, ein Hässlicher – um nur wenige zu nennen.“ In der aktuellen Singleauskopplung „Trümmer“ packt er den verbalen Hammer aus und zeigt somit wohl eher den Tristan der zornigen Sorte. Im vom Sprechgesang dominierten Track lässt er verlauten: „Und wenn die Nacht kommt, schlag ich euch zu Trümmern. Und wenn die Nacht kommt, schlagen wir euch zu Trümmern. Ich bin nicht, was ihr wollt, dass ich es bin. Ich fühle nicht, was ihr wollt, dass ich es fühl. Wir sind nicht, was ihr wollt, dass wir es sind. Wir fühlen nicht, was ihr wollt, dass wir es fühlen.“

Nach „Loch“, „Hier kommt Euer Bester Freund“, „Tier“ und „Zuckerwatte“, verdeutlicht „Trümmer“ nur noch mehr, wie fassettenreich Tristan Brusch ist. Dies nicht nur in musikalischer Hinsicht, sondern auch thematisch. Mit der jetzigen Singleauskopplung werden die Schattenseiten aufgezeigt und dabei gerade zur gegenwärtigen Zeit auch politische Töne laut. „Das Paradies“ befindet sich aktuell zumindest in dieser Hinsicht leider nicht auf Erden. „[…] Aber hauptsächlich herrliches Wir-Gefühl. Die restliche Angst mit Bier runterspülen“, verheißt sicherlich keine Kritik an der nahenden WM und die deutschen Flaggen für „unsere Jungs“ zu schwingen. Trotzdem regt es sicherlich zum Denken an, wenn man sich in knapp zwei Wochen die Fahne auf die Wange schminkt und gleichzeitig Politiker mit Dackelkrawatte schreckliche Aussagen tätigen. Wie man den Song auch deuten mag, ist solche Art von Musik mit intelligenten Texten, wie Tristan Brusch sie macht, gerade richtig und wichtig und vielleicht sogar auch mutig.

The Postie präsentiert: Any Other kommt mit ihrem Indie-Folk nach Deutschland

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Any Other // Press Pic

Im September kommt die Italienerin Adele Nigro aka Any Other mit ihrem Indie-Folk-Pop für einige Termine nach Deutschland, um ihr neues Album vorzustellen. 

„Und was kommt jetzt? War es das jetzt?“ Diese Frage stellte sich die 24-jährige Adele Nigro, als das Kapitel ihrer alten Band langsam aber sich zu Ende ging. Da Aufhören aber nicht in Frage gekommen ist, hat sie das Projekt Any Other ins Leben gerufen. Ganz in der Tradition der amerikanischen Indie-Szene schreibt sie sich den Frust à la Waxahatchee von der Seele. Danach ging alles sehr schnell und 2015 erschien mit „Silently. Quietly. Going Away“ ihr Debütalbum. Eine Platte, die dem Dasein als Rebellin gegen das Böse und Schlechte auf dieser Welt eine Berechtigung schenkt. 

Drei Jahre später schreibt sie immer noch über das Erwachsenwerden und andere Struggles mit denen Millennials so leben müssen. Ihre Musik veröffentlicht sie über das Label 42 Records, das in ihrer Heimat als eines der renommiertesten gilt. Mit „Walktrough“ veröffentlicht sie die erste Auskopplung aus ihrem bevorstehendem Album und zeigt sich ähnlich gefühlvoll wie in der Vergangenheit. Ihr Songwriting ist noch immer on Fleek und wird geprägt von einem eleganten Minimalismus. Neu ist der Einsatz von jazzigen Gitarren und dem zurückgesetzten Einsatz des Klaviers. 

Auch das Video zur ihrer Single „Walktrough“ hält Any Other bewusst minimalistisch und ähnliches gilt auch für ihre Live-Shows. Bei der immer noch jungen Musikerin stehen die Texte und ihre Musik im Fokus. Anders als andere Musiker in ihrem Alter hat sie nämlich eine Geschichte zu erzählen. Zuhören dabei kann man ihr im September bei gleich 8 Terminen im deutschen Raum. 

Tourdaten:
17/09/2018, München, Unter Deck
18/09/2018, Berlin, Monarch
23/09/2018, Dortmund, FZW
24/09/2018, Köln, Die hängenden Gärten (KingKalk)
27/09/2018, Darmstadt, Oetinger Villa
28/09/2018, Magdeburg, Volksbad Buckau
29/09/2018, Schorndorf, Manufaktur
01/10/2018, Winterthur (CH), Portier (Monomontag)

Zehn musikalische Highlights auf dem Maifeld Derby 2018 (1/2)

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Dieses Jahr geht das Maifeld Derby in seine bereits 8. Edition. Neben ein paar große Namen ist das Festival in Mannheim auch immer für seinen guten Riecher bekannt. So hat zum Beispiel ein junger Rotzlöffel aus der Pfalz damals seinen ersten Auftritt im Zelt gegeben. Dieses Jahr wird der gute Geschmack vom 15. – 17. Juni gefeiert. 

5K HD

Auf was bezieht sich eigentlich dieser inflationär benutzter Begriff „Austropop“? Geht es hier lediglich um Bands aus Österreich oder sollte man sich vielleicht doch enger mit der Begrifflichkeit des Pop beschäftigen? Letzteres trifft nämlich eher wenig auf die Musiker von 5K HD aus Wien zu. Ihre Musik ist wunderschön unangepasst, fast jazzig und dann doch ab und zu halt einfach Pop. Was man sich von dem Konzert erhoffen kann? Wir wissen es nicht genau, vermuten aber, dass es eine musikalische Erziehungsmaßnahme werden wird, die sich aber so gar nicht nach langweiliger Doppelstunde anfühlt. Vielmehr wird es eine Unterrichtsstunde bei seinem Lieblingslehrer. 

Samstag, 16:00 – 16:40, Palastzelt

Gus Dapperton

Gus Dapperton passt perfekt zum Marketing von Urban Outfitters. Mit seinem Look müsste er sich in vielen ländlichen Gegenden übel beleidigen lassen; er trägt grell gefärbte Fingernägel einen präzis getrimmten Topfschnitt und halt so ziemlich die ganze Slacker Kollektion von Urban Outfitters. Der New Yorker beantwortet uns aber keineswegs die Frage, ob das Shirt in Größe M oder L noch zu haben ist. Gus Dapperton macht lieber Laid-Back Slacker Musik, die an manchen Stellen smart an Mac Demarco erinnert. Der Blick auf das Timetable zeigt auch, dass sich hinter dem Maifeld Derby kluge Köpfe verstecken und den jungen Dude bei hoffentlich sommerlichen Temperaturen in die sonntägliche Nachmittagssonne stecken. 

Sonntag, 15:30 – 16:20, Fackelbühne

Ibeyi

Ibeyi sind eine dieser Bands bei der man sich sicher ist, dass die das Potenzial dazu hätten eine ganz große Nummer zu werden. Nur scheint es so, als hätte das französisch-kubanische Geschwisterpaar da keinen Bock drauf. Stattdessen machen sind sie mit XL Recordings bei einem der innovativsten Indie-Labels unter Vertrag und können sich künstlerisch austoben. Ihre Musik lebt von ihren Wurzeln und so mischen sie immer wieder sprachliche Einflüsse ihrer Heimat mit ein.  Auf Englisch, Französisch, Spanisch und auf Yoruba, einer nigerianischen Sprache, die mit dem Sklavenhandel nach auf Kuba gekommen ist, singen sie in ihrem Mix aus Trip Hop, RnB und Afro-Beat.

Freitag, 19:20 – 20:15, Palastzelt

Tamino

Von einem Act bei dem man das Gefühl hat, dass ihnen der Fame nicht so wichtig ist, zu einem Act bei dem wir uns fast sicher sind, dass es nur eine Frage der Zeit bist bis er unter die Decke geht. Erinnert ihr euch noch an das Set von Hozier auf dem Maifeld Derby 2016? Richtig, den kannte zu dem Zeitpunkt bis  auf ein paar Nerds auch niemand. Ein paar Wochen später lief dann selbst in den regionalen Unterwelten namens „Radio Regenbogen“ „Take Me To Church“ rauf und runter. Ein ähnliches Schicksal wird Amir Moharam Fouad aus Belgien auch demnächst ereignen. 

Sonntag, 18:10 – 19:10, Parcours d’Amour

Fibel 

„Die Rohheit des Sounds und die Thematik, die Fibel hier ausbreiten, erzeugen eine beklemmende und ziellose Atmosphäre, der sich nicht nur Fans von Der Ringer oder britischem Postpunk der 80er Jahre entziehen werden können.“, meinte unser Redakteur David im Zuge ihres ersten Songs „Kripo“. Mittlerweile sind ein paar Monate vergangen und FIBEL haben sich zu einem der Newcomer der deutschsprachigen Bandszene gemacht. Quasi als Gegenpart zu den fröhlichen RIKAS besingen Jonas Pentzek, Dennis Borger, Noah Fürbringer und Lukas Brehm die morbide Melancholie unseres Alltages.

Samstag, 14:20 – 15:00, Fackelbühne

Sam Vance-Law

Erst kürzlich hat Sam Vance-Law mit seiner Live-Perfomance auf dem Immergut Festival überzeugen können. Der von der Presse oft als schwuler Dandy verschriene Kanadier lebt seit einiger Zeit in Berlin, ist mit der ganzen Gang um Markus Ganter, Max Gruber (Drangsal) und Konstantin Gropper befreundet. Letzter hat auch das Debütalbum „Homotopia“ produziert, das mit Sicherheit zu einem der besten Alben der ersten Jahreshälfte zählt. Wir hoffen natürlich, dass er die Freude, die er beim Immergut ausstrahlte beim Maifeld Derby wiederholen kann. So wirklich Zweifel daran haben wir jedoch nicht.

Freitag, 22:10 – 23:00, Parcours d’Amour

Leyya

Wenn eine Band ihren Werken namen gibt wie „Spanish Disco“, „Zoo“, „Sauna“ oder „Heat“ nennt, weiß man was einen erwarten, oder? Eine falsche Fährte legen Marco Kleebauer und Sophie Lindinger aus Österreich nämlich nicht. Tropisch angehauchter Indie-Pop aus dem Land der Schnitzel und Berge wird aufgetischt und genau dieser Sound von Leyya, was übrigens so viel so viel wie Vermarktungsstrategie auf Inuktitut bedeutet, wurde 2016 mit dem renommierten Amadeus Award ausgezeichnet. 

Freitag, 18:00 – 18:40, Palastzelt

Fenne Lily 

Dass Einfachheit nicht gleich Einfallslosigkeit und Belanglosigkeit bedeutet, zeigt uns Fenne Lily aus Dorset. Die junge Briten verfährt nach einem fast in die Jahre gekommenem Konzept. Sie benutzt eine Gitarre, ihre wunderschöne Stimme und singt über Liebe, das Leben und Schmerz. Wir sind jetzt erst einmal eine Runde sad, freuen uns aber trotzdem gewaltig auf den Auftritt auf dem Maifeld Derby

Freitag, 20:55 – 21:45, Parcours d’Amour

Ilgen-Nur

„Ich wusste vorher gar nicht, was ein Slacker sein soll. Ich musste das googlen und habe herausgefunden, ok, Mac DeMarco ist ein Slacker. Das ist eine Person, die faulenzt und viel chillt, was natürlich auch auf mich zutrifft“, meinte Ilgen-Nur bei uns im Interview. Auf dem Maifeld Derby wird aber nicht gefaulenzt, sondern malocht! Mit viel Spaß und Liebe natürlich!

Sonntag, 16:50 – 17:40, Parcours d’Amour

Young Fathers

2006: Arctic Monkeys, 2007: Klaxons, 2008: Elbow, 2009: Speech Debelle, 2010: The xx, 2011: PJ Harvey, 2012: Alt-J, 2013: James Blake, 2014:, Young Fathers, 2015: Benjamin Clementine, 2016: Skepta, 2017: Sampha. Anbei eine Auflistung der letzten Gewinner des Mercury Prize. Viel mehr Worte müssen eigentlich über die Relevanz von Young Fathers nicht mehr verloren werden. 

Sonntag, 16:20 – 17:20, Palastzelt

Mehr Information zum Maifeld Derby und anderen Festivals findet ihr in unserer Festival-Rubrik.

 

Das beste Release der Woche: Gorillaz

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In einer vorübergehend neuen Formation spielen sich Gorillaz zusammen mit George Benson in den wohlverdienten Urlaub an der West Coast. 

Wer so fleißig ist wie die lustige Truppe von den Gorillaz, hat sich einen Urlaub an verdient. Erst im letzten Jahr ist mit „Humanz“ ein neues Album von dem Kollektiv um Damon Albarn erschienen. Dieser saß nun mit James Ford (Arctic Monkeys) und Remi Kabaka an dem schnellen Nachfolger und eine erste Single „Humility“ gibt es auch bereits. Es ist ein sommerlicher Eindruck aus der fünften Platte „The Now Now“ der Gorillaz, die am 29. Juni erscheint. Für die Album-Sessions verzichtete die Band ausnahmsweise fast gänzlich auf Gast-Auftritte und bildete stattdessen ein kreatives Rudel im Studio 13 in London. 

Dieses besteht aus den blauhaarigen, gutmütigen Träumer 2D im Gesang, die so blitzgescheite wie knallharte Noodle aus Japan an der Gitarre und nicht zu vergessen den in Brooklyn geborenen Philosophen und Schmied-hinter-dem-Beat Russel Hobbs an den Drums. Murdoc konnte leider nicht an den Aufnahmen teilnehmen und wurde von Ace ersetzt, den geschulte Hörer als  ehemaliges Mitglied der Gangreen Gang, aus der Serie Powerpuff Girls, kennen werden. „Humility“ führt den eingeschlagenen funky Weg, den „Humanz“ ebnete weiter fort und so sieht man den Rollschuh-fahrenden 2D über die Promenade in Venice Beach cruisen. Auf seinem sonnigen Weg begegnet er Jack Black, der in dem Clip eine merkwürdige Sucht zu seiner Gitarre entwickelt hat und sich natürlich der Umgebung entsprechend in ein Hawaii-Hemd gezwängt hat. Wer mit „Humility“, dem Video, dem ausnahmsweise gut gelaunten 2D und Jack Black nicht in Sommerstimmung kommt, dem ist einfach nicht nehr zu helfen.

„Das empfinde ich als großes Kompliment“ – Inner Tongue Interview

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Inner Tongue // © Tobias Pichler

Mit Austro-Pop hat Inner Tongue musikalisch nicht viel am Hut, dennoch löste seine Musik und die zugehörige visuelle Ästhetik einen Hype aus, der ihn zum nächsten großen Ding aus Österreich machen könnte. Sein Debütalbum „Favours“ verwebt intelligent Soft-Rock mit Trip-Hop oder Neo-Soul und sorgt für unerschöpfliche Höreindrücke. Wir sprachen mit dem Songwriter über seinen Arbeitsprozess, musikalische Wurzeln und Anfänge und wie es sich anfühlt, mit Lorbeeren geschmückt zu werden.

Bereits 2015 sprachen wir nach seinem Auftritt auf dem Maifeld Derby mit Inner Tongue – damals noch über seine EP „TZ, KA“. Drei Jahre später legt der Wiener schließlich sein Debütalbum „Favours“ nach und beeindruckt sowohl seine Hörerschaft auch als die Medienlandschaft mit noch vielfältigeren Soundwelten.

Mit Austro-Pop hat Inner Tongue musikalisch nicht viel am Hut, dennoch löste seine Musik und die zugehörige visuelle Ästhetik einen Hype aus, der ihn zum nächsten großen Ding aus Österreich machen könnte. Sein Debütalbum „Favours“ verwebt intelligent Soft-Rock mit Trip-Hop oder Neo-Soul und sorgt für unerschöpfliche Höreindrücke. Wir sprachen mit dem Songwriter über seinen Arbeitsprozess, musikalische Wurzeln und Anfänge und wie es sich anfühlt, mit Lorbeeren geschmückt zu werden.

Du veröffentlichst schon seit ein paar Jahren Deine Musik – jetzt ist das Debütalbum „Favours“ endlich draußen. Wie geht’s Dir damit?

Mir geht’s gut – ich bin happy, dass das Album endlich draußen ist. Ich bin zwar allergisch, wie alle anderen Allergiker momentan, aber ansonsten tiptop! Ich bin auch glücklich, dass die visuelle Welt rund um das „Next-Life“-Video so gelungen ist, und wir dazu auch so viele Responses bekommen haben.

Ihr habt ja auch Responses von Magazinen bekommen, zum Beispiel hat Dich die Intro prompt als spannendste Platte des Jahres betitelt. Ist so ein Lob für Dich jetzt auch mit etwas Druck oder Angst vor zu hohen Erwartungen verbunden?

Nein, eigentlich nicht. Wenn man sein Baby quasi frei lässt, gibt es ja einige Möglichkeiten wie das angenommen kann – man weiß einfach nicht, wie es die Leute auffassen, ob die Leute verstehen, was man versucht hat. Oder die ganze Philosophie, die hinter dem Musik machen und hinter einem Album steckt und ob der Zuhörer mit einem Mal Durchhören den Kontext versteht. Und ich bin einfach super happy, dass sich die Autoren der Reviews, die ich so gelesen habe, auch wirklich verstanden haben, worum es mir geht. Das empfinde ich als großes Kompliment.

Meinst Du damit Deine inhaltlichen oder eher musikalischen Intentionen?

Ich meine weniger die textliche Ebene, sondern vor allem die musikalische. Quasi, dass ich meine eigene Kerbe eingeschlagen habe und jetzt auch angenommen wird, was man damit versucht. Dass das kein klassischer Pop ist, der jetzt in allen Radios daher kommt. Es liegt ja immer im Auge des Betrachters, ob er sich dem hingibt, oder ob man sagt: „Ich kann damit nichts anfangen, das sind keine normalen Arrangements, ich höre keinen normalen Refrain heraus“ und so weiter. Ich wusste vorher einfach nicht, wie das Album tatsächlich aufgefasst wird, und habe das Gefühl, dass die Leute, die darüber geschrieben haben, sich tatsächlich damit befasst haben.

Du verwebst verschiedene Einflüsse in deinem Album – ich höre da einen Vaporwave-Grundton raus, dann liegt der Fokus wieder auf den Gitarren und plötzlich ist ein Blasinstrument dabei: woher schöpfst Du Deine Inspiration?

Jein. Ich habe mich zwar mit Vaporwave befasst, das ist aber schon eine Zeit her. Das war kein großes Ding in meinem Leben, aber ästhetisch fand ich Vaporwave schon ganz interessant.

Ich habe auf deinen Social-Media-Accounts gesehen, dass Du dort eine durchgehende und Ästhetik an den Tag legst – ist es Dir wichtig, dass das Ganze zu einem Gesamtkunstwerk zusammen fließt?

Im Ideallfall ja, ich glaube es ist uns auch ganz gut gelungen. Dadurch, dass wir auch eine digitale Welt erschaffen haben, wie mit dem letzten Video, darf diese Ästhetik auch über die Musik hinaus leben, also beispielsweise in Instagram-Posts. Ich finde es auf jeden Fall interessant, damit zu arbeiten. Es gibt ja auch eine Ebene hinter der Musik und somit gibt es auch eine Ebene vor der Musik. Dahinter liegt zum Beispiel das Persönliche und aktuell ist es die visuelle Ebene, die man vor die Musik schiebt, um den Leuten einen ersten Eindruck zu geben. Ich finde es spannend, dass man mit beidem Spielen kann und mir ist das auch sehr wichtig.

Ich fand es so interessant, weil Du ja zu Anfang ein kleines Mysterium aus der Person hinter Inner Tongue gemacht hast.

Am Anfang habe ich damit gespielt, dass es Nichts gibt. Man arbeitet dann mit dem Eindruck der Leute, damit sie sich direkt mit der Musik konfrontieren: es war ja nicht mal klar, ob es überhaupt jemanden interessiert. Und jetzt ist es genau umgekehrt – der Eindruck ist bereits da. Um ein neues Bild zu schaffen mit dem neuen Album, kann man mit dem visuellen Arbeiten und das auch bewusst Einsetzen, solange wir da noch eine gewisse Philosophie verfolgen.

Du sprichst gerade von wir, bezeichnest Dich selbst auch als Soloprojekt, aber Live und im Studio hast Du eine Band dabei.

Es ist schon ein Soloprojekt. Die Band ist mir extrem wichtig, aber der überwiegende Teil des Outputs ist dann auch mein Output. Wenn ich von „Wir“ spreche, dann weil ich mit jemanden zusammen gearbeitet habe, der mit mir zusammen diese visuelle Welt erschaffen hat – Tobias Pichler, der eben auch beim „Next Life“-Video Regie geführt hat. Ich arbeite immer wieder sehr gerne mit Anderen zusammen für solche Projekte. Durch den gesamten Prozess ist zum Beispiel auch Patrick Sturm mit mir gegangen, welcher sich auch viele Gedanken gemacht hat.

Hat das schon zu Konflikten geführt, wenn Dinge nicht so umgesetzt wurden, wie Du sie Dir noch während des Arrangierens vorgestellt hattest? Anders gefragt: wie perfektionistisch bist Du?

Ich glaube sehr perfektionistisch, das sehe ich auch gar nicht als eine positive Eigenschaft. Ich hoffe mal, dass ich es bis zu einem gewissen Grad beim nächsten Prozess ausblenden kann. Es ist zum Beispiel so, wenn ich die Demos komplett selbst instrumentiere. Ich hatte einen Co-Produzenten mit an Board, mit dem ich ohne Konflikte eher zielgerecht drauf los gearbeitet habe. Im Studio nehme ich mir dann sehr viel Zeit, es wird quasi zu meinem Zuhause. Da haben wir dann auch gewisse Songs schon drei-, viermal aufgenommen. Aber nicht, weil es recordingtechnisch nicht gepasst hätte, sondern eher gefühlsmäßig. Manche Parts, wirkten anders, als ich sie vermitteln wollte. Die Band ist mit mir immer wieder durch schwere Prozesse gegangen, in dem man manches noch mal neu-interpretieren musste.

Welche Instrumente spielst Du?

Im Studio Alles und Nichts. Je nachdem wer bei der Recordingsession dabei ist, nehme ich einfach die Instrumente in die Hand, Live spiel ich Gitarre und Klavier. Beim Album ist es etwas schwer zu sagen, weil ich überall und nirgends instrumentiert habe. Es wäre auch sehr schwer, das rückwirkend heraus zu finden, wer wo instrumentiert hat.

Wie hast Du ursprünglich angefangen, Musik zu machen? War’s bei Dir dann auch die Gitarre zu der man gegriffen hat?

Auf jeden Fall, ich hab mit der Gitarre angefangen und relativ zeitnah dann auch mit dem Klavier. Mit 3,4 Jahren habe ich öfter die Ukulele genommen und in Fake-Englisch gesungen und ich weiß noch, wie ich meine Mum gefragt habe, ob denn das Wort überhaupt Englisch wäre und sie hat immer so „Jaja“ gesagt. Das ist so eine Kindheitserinnerung mit Musik.

Warst du später auch Teil einer Band?

Ja, ich hab mein Leben lang auch Musik gemacht dann, auch mit Bands. Nichts, was jetzt erwähnenswert wäre, aber es zog sich so durch mein ganzes Leben durch.

Ich habe auch ein paar Vergleiche von Dir mit dem letzten Album von Bilderbuch gelesen. Meinst Du, das liegt sehr an der Verortung der Musik (Wien) oder siehst Du die Gemeinsamkeiten auch?

Ich denke, Bilderbuch spielen auch mit vielen modernen Einflüssen in ihrer Musik und bauen das sehr intelligent ein. Wenn man da einen Zusammenhang mit mir sieht, empfinde ich das auf jeden Fall als Kompliment. Ich würde nicht sagen, dass ich von ihnen beeinflusst wäre, aber mir gefällt die Musik und ihre Herangehensweise an die Musik. Man bekommt ja mit, wie Leute Musik machen und ich denke bei Ihnen ist das ein Mix aus Chaos und der wohlüberlegten Bündelung dieses Chaos‘.

Durch die kürzliche Veröffentlichung mit deutschen HipHop-Acts ist Falco ja wieder in aller Munde. Hast Du auch einen persönlichen Bezug zu ihm / würdest Du sagen, dass er Dich beeinflusst hat?

Leider ist die Antwort: nein. Ich habe mich mit Falco erst sehr spät in meinem Leben beschäftigt. Und ich würde nicht sagen, dass er die Musik, die ich mache beeinflusst hat, obwohl ich natürlich größten Respekt vor seinem Lebenswerk habe. Ich muss auch dazu sagen, dass ich noch nie nach Falco gefragt wurde. Aber das liegt vielleicht daran, dass Falco deutschsprachig singt und diese Referenz wahrscheinlich gar nicht so oft in Betracht gezogen wird.

Fotos: So war es bei Wild Child in der Kantine am Berghain in Berlin

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Wild Child in der Berliner Kantine am Berghain // © Annekatrin Schulz

Am Montagabend sorgten Wild Child für einen harmonischen Wochenstart in der Kantine am Berghain in Berlin – mit Indie-Pop und Miniorchester.

Bei schönstem Wetter hat sich die Kantine am Berghain seiner winterfesten Hülle entledigt. Und wirkt auf den ersten Blick gar nicht wie eine Konzertlocation mit seinem bunten Publikum, das sich draußen auf Hollywoodschaukeln, an Tischen oder der Gartenbar niederlässt. Doch ein kleiner Aufsteller gibt kreidebemalt den Hinweis, dass musikalische Gäste in Form einer siebenköpfigen Band aus Austin erwartet werden. Wild Child.

Nach und nach sammeln sich mehr Leute in dem kühlen, kerzenbeleuchteten Raum mit Bühne, auf der schon eine ganze Schose verschiedener Instrumente bereitsteht. Neben Schlagzeug, Keyboard, Bass und Gitarre gibt es Violine, Ukulele, E-Cello, Posaune und Trompete. Doch bevor dieser Vielfalt die ersten Töne entlockt werden, müssen sich die Zuschauer noch etwas gedulden.

Umso mehr scheint die Band es dann zu genießen, für eine Stunde ihren Indie-Pop dem Berliner Publikum darzubieten. Wobei sie sich nie ganz in den verträumten Melodien verlieren, stehen sie doch barfuß auf der Bühne der Tatsachen. Diese bietet trotzdem genug Platz für mitgebrachte Freude und den ein oder anderen herzlichen Lacher. Zwischen Songs ihres im Februar erschienenen, vierten Albums „Expectations“ präsentieren Wild Child auch alte Melodien wie die von „Pillow Talk“ und kreieren daraus einen soulig, natürlichen Vibe, der einen an einem Montagabend nicht überrollt, aber auch nicht euphorisch mitreißt.

Fotos: Annekatrin Schulz

The Postie präsentiert: Chad Valley kommt für vier Konzerte nach Deutschland

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Hugo Manuel ist den meisten wahrscheinlich eher als Chad Valley ein Begriff. Im September und Oktober geht der Brite mit seinem neuen Album „Imaginary Music“ auf Tour durch Deutschland und Österreich.

2013 landete Chad Valley aus dem britischen Oxford einen großen Hit. Seine Single „Shell Suite“  wurde zum Soundtrack von „Warm Bodies“, einem weirden Zombie-Drama mit dem Skins Schauspieler Nicholas Caradoc Hoult in der Hauptrolle. Mittlerweile schreiben wir das Jahr 2018 und die Kids von heute haben keine Ahnung mehr von Skins. Nur eines ist geblieben: die Liebe zu den 80ern. 

Chad Valley gilt sozusagen als Vorreiter des von Föhnfrisuren und Jogginganzügen  dominierten Synthie-Sounds. Auf seinem neuen Studioalbum „Imaginary Music“ zeigt der von der Presse oft als knuffig aussehende Musiker uns notgedrungen eine neue Seite von sich. Dem Musiker wurde auf Tour nämlich sein komplettes Equipment inklusive Laptop gestohlen. Daraufhin beschloss er ein neues Songwriting-Konzept für sich zu entwickeln und versuchte die Songs aus seinen Erinnerungen irgendwie zu rekonstruieren.

 

 

 

Herausgekommen ist mit „Imaginary Music“ ein Album, das ein nervenaufreibender Mix aus Angst, Aufregung und Adrenalin ist. Wie das erste Kennenlernen einer fremden Person fühlt sich die Platte an und ist damit, das wohl künstlerischste Werk des Briten, der komplett auf autobiografische Texte verzichtet hat. Seine Live-Auftritte gelten als besonders gefühlvoll und zeigen die 80er in ihrer rührendsten Form. Mit diesem Konzept kommt Chad Valley im September und Oktober für insgesamt vier Termine nach Deutschland. Einen Abstecher in Wien gibt es auch. 

Tourdaten:

25.09.2018 Leipzig (DE) Moritzbastei
28.09.2018 Wien (AT) Waves Vienna Festival
30.09.2018 Regensburg (DE) – Heimat
02.10.2018 Frankfurt (DE) – Horst
05.10.2018 Berlin (DE) – Monarch

Flip Flops an – Bilderbuch veröffentlichen ihre neue Single „Eine Nacht in Manila“

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Mit „Eine Nacht in Manila“ verbringen Bilderbuch nicht nur Zeit in einem engen Gefängnis, sondern liefern auch einen potenziellen Sommerhit ab. 

Schwedische Gardinen, Kittchen, Bau, Knast, Gefängnis – nennt es wie ihr wollt, denn Bilderbuch machen eben genau diesen Ort zu ihrer Bühne. Im Video zu ihrem neuen Song „Eine Nacht in Manila“ befindet sich Maurice Ernst zusammen mit dem Rest der Band hinter dicken Eisenstreben. Wegen guter Haltung oder vielleicht auch wegen dem richtigen Bestechungsgeld darf die Band kurioserweise ihre Instrumente mit in die Zelle nehmen. Im Hintergrund erkennt man die für Gefängnisse typischen Graffitis an den Wänden, die gleichzeitig an das Artwork zu „Eine Nacht in Manila“ angelehnt sind. Diese kommen von dem deutschen Illustrator Stefan Marx und sind in einem für ihn typischen Zeichenstil gehalten. 

Neu und zugleich symptomatisch ist auch der Look der Band. Der Sänger von Bilderbuch zeigt sich, wie bereits auf ihrer 5000 Tour mit neuer Frisur. Die wasserstoffblonden Haare mussten einer pechschwarzen 90s Frisur weichen. Auch der Gitarrist Michael Krammer zeigt sich im Video mit neuem Kurzhaarschnitt. Eine Art Racing Streifen ziert die Kopfhaut des Musikers. Ähnlich wandelbar ist auch der Sound der Band aus Österreich. „Eine Nacht in Manila“ hat noch immer Elemente der klassischen Bilderbuch-Gitarre, diese muss sich den Platz aber diesmal mit entspannten Afro-Beats teilen. 

Artwork: Stefan Marx

Der Song knüpft an die Lässigkeit und Sexyness von „Baba“ an und so singt Maurice Ernst in „Eine Nacht in Manila“ darüber, wie er in der Hauptstadt der Philippinen am liebsten Zeit mit seinem Gegenüber verbringen würde. „ich spiele solo für dich baby / du hast ein ticket für die nacht / deine augen diese streets /blitzen blau blinken pink“, zeigt deutlich, dass Ernst sich textlich treu geblieben ist. Die deutlichen Einflüsse aus dem Hip Hop haben den neuen Bilderbuch Sound über die Jahre hinweg maßgeblich geprägt. Nicht umsonst gelten Bilderbuch mittlerweile als kreativer Maßstab im deutschsprachigem Pop, wenn es darum sich neu zu erfinden.

Tourdaten:
01.06.2018 – Rock im Park
03.06.2018 – Rock am Ring
21.07.2018 – Deichbrand Festival
02.08.2018 – Szene Open Air
10.08.2018 – Sziget Festival
17.08.2018 – Highfield Festival

06.04.2019 – Posthalle, Würzburg
07.04.2019 – Beethovensaal, Stuttgart
08.04.2019 – Capitol, Offenbach
09.04.2019 – Turbinenhalle, Oberh.
11.04.2019 – Haus Auensee, Leipzig
12.04.2019 – Capitol, Hannover
13.04.2019 – Palladium, Köln
14.04.2019 – Stadthalle, Kassel
16.04.2019 – Zenith, München
17.04.2019 – Docks, Hamburg
18.04.2019 – Columbiahalle, Berlin
24.04.2019 – Dogana, Innsbruck
24.05.2019 – Schloss Schönbrunn

The 1975 haben einen neuen Song namens „Give Yourself A Try“ veröffentlicht

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The 1975 // © Jack Caldwell

Die Single ist ein erster Einblick in das dritte Studioalbum „A Brief Inquiry Into Online Relationships“ von The 1975, das bereits im Vorfeld geheimnisvoll angeteasert wurde. 

„Give Yourself A Try“, so heißt sie also die neue Single von The 1975. Der Song wurde heute Abend bei Annie Mac auf BBC Radio1 erstmals gespielt und ist auch ab sofort im Stream auf Spotify verfügbar. Es bietet einen ersten Einblick in das dritte Studioalbum „A Brief Inquiry Into Online Relationships“, das im Oktober erscheinen soll. Healy erklärte im Interview zudem, dass ein weiteres Album mit dem Namen „Notes on a Conditional Form“ im nächsten Jahr folgen soll.

Der Song ist typisch für The 1975 und zeigt die Band von ihrer melancholischeren Seite. Matt Healy setzt sich in dem Song außerdem mit seiner Drogenvergangenheit auseinander und beschreibt diese im Interview auch noch als „schrecklich“. Seit einigen Wochen teasert die Band aus Großbritannien ihr neues Material mit kryptischen Poster-Designs ein. Auch für das heutige Release hat The 1975 ein dazugehöriges Poster mit den Lyrics des Songs hochgeladen. 

Eigentlich war geplant, dass das dritte Studioalbum der Band aus Manchester den Namen „Music For Cars“ trägt. Dies wurde aber verworfen und wird von Healy mit den Worten erklärt: „Let’s talk about Music For Cars – I just change my mind all the time. What it was, I realised when I was doing the album before this one, any writer wants a good ending in their repertoire. The guide to do that stylistically was so potent within me and I’d always said I wanted to do three albums. I thought, I’m not going to stop doing the 1975 now. I’m not only going to do three albums. I couldn’t bare the idea of it. Music For Cars is going to be an era, then. It starts with two albums. We’ve got two albums, ‘A Brief Inquiry…’, and when I come in later in the year I’ll tell you about the other one. It’s not going to be a double-album, because that would be prog and annoying. It’ll be two completely independent statements. It’s partially because there’s too much to say to only do one record.“ Glück gehabt!