Hinds – The Prettiest Curse

Hinds etablieren sich in ihrem dritten Studioalbum weiter zur Stimme der neuen Indie-Rock Generation. Dass sie dafür professioneller produzieren und sich immer mehr vom Lo-Fi Klang von „Leave Me Alone“ verabschieden ist für einen kurzem Moment schade, aber wichtig. „The Prettiest Curse“ ist klug, abwechslungsreich und stilecht.

Ihr seid nur bekannt geworden, weil ihr attraktive Beine habt. Ihr könnt nicht singen und habt sowieso keine Ahnung von Musik. Misogynie in der Musikszene ist allgegenwertig. Der Erfolg weiblicher MusikerInnen wird auf ihr Aussehen oder Männern zugeschrieben und dazu von wütenden Männern in den Kommentarspalten im Internet diffamiert. Darüber sang bereits Courtney Barnett, die auch die neue Bob Dylan und Lou Reed genannt wird, beim Song „Nameless, Faceless“.

Mit solchen Vorurteilen wird auch immer wieder die ausschließlich weiblich besetzte Band Hinds ausgesetzt. In ihrer Single „Just Like Kids (Miau)“ haben sie daraus ganz in ihrem eigenen ikonischen Stil einen sarkastisch-bissiges Kommentar kreiert. Denn die vier starken weiblichen Charaktere lassen sich von nichts mehr irritieren. Viel zu oft standen sie dafür seit ihrem Debüt „Leave Me Alone“ weltweit auf Bühnen.

„We have the craziest crowd, Waiting for these kittens to meow“

Ihre Konzerte sind atemberaubend und mitreißend. Als sie 2018 im ausverkauften Bi Nuu in Berlin spielten, nahm das Publikum an einer leidenschaftlichen Rock ’n’ Roll Perfomance teil, sahen zu, wie viel Spaß und Liebe, die vier Frauen aus Madrid bei ihren Konzerten mitnehmen. Dabei war ihr Konzert am Schlesischen Tor eines der letzten von ihrer bereits seit drei Monaten anlaufenden Welttournee. Ihre Erschöpfung wurde jedoch auch vom euphorischen Publikum, mit aktivem Einsatz und lautstarken Mitsingen gemindert. Es wurden zwei Zugaben gespielt, gecrowdsurfed und im kompletten Konzert leidenschaftlich und freundlich ein kollektiver Moshpit geführt, in dem keine aggressiven Egos mitspielten.

Nach dem Konzert stand die Band gemeinsam mit Fans, draußen in Kreuzberg, bei einer Frühlingsnacht, redeten, lachten und umarmten. Ein einzigartiges Konzerterlebnis! Zusammen eine Band feiern, freundliche Nähe zeigen, Fremde umarmen – dies vermisst man in Zeiten von Corona. Umso trauriger ist es, dass Hinds auch ihre in den Herbst verschobene Tour zum dieswöchig erschienen Album „The Prettiest Curse“ absagen mussten.

Hinds können aber auch neben einzigartigen Konzerten auch gute Alben machen. Mit ihrem Debütalbum „Leave Me Alone“ veröffentlichte die vierköpfige Band aus Madrid ein ikonisches Album für die neue Indieszene. Damals spielten sie im Lo-Fi Klang ein hochgelobtes Album ein. Dank Home-Studios und Social-Media wird diese in den letzten Jahren wieder immer mehr „Independent“ und somit auch weiblicher und progressiver. Damals erkannte man am Lo-Fi Klang den großen Einfluss von Rock n Roll, The Strokes und Grunge.

Auf „The Prettiest Curse“ befreien sich Hinds von allen verbleibenden Lo-Fi-Vorwürfen und offenbaren ein grandios breitgefächertes produziertes Album. Eine wahre Entwicklung als Band. Man könnte meinen, die Band ist erwachsener geworden, hat sich von dem verabschiedet, was die Band so sympathisch machte. Im Gegenteil. Die herzerwärmenden Texte, die hellen Melodien, der leidenschaftliche Gesang lässt den Zuhörer weiterhin in sommerlich sonnigen Kulissen träumen.

Die Staffelübergabe der musikalischen Vorbilder

Es ist eine Platte, auf der die Musikerinnen größer und komplexer klingen als alles, was man bisher von ihnen kannte. Mit dem neuen Arbeiten mit Synthiklängen entstehen Songs die an MGMT, M.I.A und dem neuen Album von The Strokes „The Normal Abstract“ erinnern. Dass ihre nun alten Idole von der neuen Indierockszene beeinflusst werden und lernen, zeigte sich auch daran, dass The Strokes in Paris mit Hinds, in Deutschland mit dem Berliner Girl-Duo Gurr auftraten.

Mit schnellem Tempo aufbauende lebendig rockige Gitarrenriffe wie auf „Riding Solo“ spielen dabei eine sehr große Rolle. Bei „Come Back And Love Me <3” beweisen sie wiederum auch ein weiteres Mal, wie fantastisch sie ruhige Songs beherrschen, bei „Burn“ hingegen spielen Hinds weiterhin mit ihrem „Hannah-Montana“ Girl-Gang Image. Stilecht und sich selbst gefunden beenden Hinds mit „This Moment Forever“ ein fantastisches Sommeralbum.

Lebensbejahende Musik in „Good Bad Times”.

Hinds‘ lebensbejahende Musik, die man durchaus ernst nehmen sollte, stellt mit weiteren Künstlerinnen wie Snail Mail, Soccer Mommy und Sunflower Bean eine neue Generation des Indie-Rocks her, die jung, weiblich und klug klingt. The future of Rock Music is Female.

Das Video zu „Just Like Kids (Miau)“ von Hinds: