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Das „Pop-Kultur“ veröffentlicht sein Programm für 2019

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Mykki Blanco // ©Bruno Staub

Auch 2019 bringt das „Pop-Kultur“ frischen Wind in die Deutsche Festival Landschaft. Neben Konzerten, DJ-Sets und Lesungen wird es Workshops und eigens in Auftrag gegebene „Commissioned Works“ geben. Das Festival findet vom 21. bis 23. August in der Kulturbrauerei in Berlin statt.

Erstmalig in 2015 im Berghain stattgefunden, geht das „Pop-Kultur“ nun in die fünfte Runde. Wie auch in den letzten zwei Jahren wird das Festival in 2019 erneut in den Räumlichkeiten rund um die Kulturbrauerei an der Schönhauser Allee in Berlin ausgetragen. Heute gab das Festival neue Acts bekannt. Zu den internationalen Namen gehören beispielsweise Mikky Blanco, CocoRosie oder Anna Calvi. Auch die hiesige Musikszene ist auf dem „Pop-Kultur“ durch zum Beispiel Die Goldenen Zitronen, Jungstötter oder Die Kerzen vertreten.

Auch International Music wurden eingeladen: 

Seit Beginn sticht das „Pop-Kultur“ besonders durch den unkonventionellen Rahmen hervor. Neben den regulären Konzerten und DJ-Sets gibt es eine Auswahl an Ausstellungen, Installationen, Gesprächsformaten und Filmen. In sogenannten „Commissioned Works“ präsentieren Künstler*innen wie Ilgen-Nur oder International Music einzigartige Auftragsarbeiten. Auch Max Rieger, seines Zeichens Frontmann von Die Nerven, wird sein neues Projekt JAUCHE im Rahmen der „Commissioned Works“ in einer sechsstündigen Musikperformance auf die Bühne bringen. Außerdem findet parallel zum regulären Festival das „Pop-Kultur Nachwuchs“ statt. Dieses besteht aus Workshops, in denen Künstler*innen und Mitwirkende aus der Musikbranche ihr Wissen an aufstrebende Musiker*innen weitergeben. Bewerbungen für das „Pop-Kultur Nachwuchs“ können hier eingereicht werden.

Das „Pop-Kultur“ findet vom 21. bis 23. August statt und wird veranstaltet vom Music Board Berlin. Alle bisherigen Bestätigungen sowie zusätzliche Infos rund um das Festival und Tickets findet ihr auf der offiziellen Homepage des „Pop-Kultur“.

Wie es letztes Jahr auf dem „Pop-Kultur“ war, könnt Ihr hier sehen:

Videopremiere: HAYUNG zeigt in „Rabbit Hole“ die schwarzweiße Verschwommenheit

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Still aus "HAYUNG - Rabbit Hole"

In seiner dritten Single „Rabbit Hole“ besingt HAYUNG die verzerrte Selbstwahrnehmung in Zeiten von Social Media. 

Social Media und das Internet sind längst zu einem Monstrum namens verfälschtes Spiegelbild herangewachsen. HAYUNG demonstriert mit seiner neuen Single „Rabbit Hole“, die Wirkung von Social Media Plattfformen und zeigt auf was es mit unserer Selbstwahrnehmung macht. Täglich scrollt man an perfekten Körpern vorbei, faltenlose Gesichter glätten die Screens und perfekt proportionierte Fitness Models clickbaiten sich um ihr Leben. 

„Rabbit Hole“ beschreibt den damit einhergehenden Realitätsverlust. Düstere Synthesizer, jazzig einbohrende Gitarren und herzschlagartige Drums dramatisieren den Kontext zusätzlich. Im dazugehörigen Musikvideo stellt sich HAYUNG erstmals selbst vor die Kamera. Der in schwarzweiß gehaltene Clip zeigt den Singer/-Songwriter samt Band in einer Studio-Kulisse. Die verursachte, verfälschte Selbstwahrnehmung wird optisch durch Zerr-Effekte erzeugt. Die Klarheit des Studios steht also sinnbildlich für die Online-Welt und das Verschwommene für die damit erzeugte Einschätzung. 

HAYUNG ist das Soloprojekt des gleichnamigen Songwriters/Produzenten aus Berlin. Live wird das Projekt zur Band, mit der er aktuell auch an seinem Debütalbum arbeitet. Dieses erscheint im Mai via Späti Palace. 

Die Videopremiere zu „Rabbit Hole“ von HAYUNG gibt’s hier:

Alles bleibt anders – So wird das Immergut Festival 2019

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Bilderbuch // ©Frederic Fisch

Alles bleibt anders – so lautet das diesjährige Motto des Immergut Festivals. Das kleine aber feine Musikfestival im Herzen der mecklenburgischen Seenplatte feiert dieses Jahr sein 20-jähriges Jubiläum.

Ein Jubiläum ist immer etwas Besonderes. Gut, dass die Macher vom Immergut Festival ihr 20-jähriges richtig zu feiern wissen. Die Besucher dürfen in diesem Jahr ihre Zelte einen Tag länger aufschlagen – die Jubiläumsausgabe findet vom 30. Mai bis zum 02. Juni statt.

Trotz dieser Veränderung bleibt sich das kleine Festival, seit Beginn ansässig in Neustrelitz, treu. Mit  Stillstand hat das für die Veranstalter allerdings nichts zu tun. Jahr für Jahr erfindet sich das Festival neu, ohne dabei an den eigenen Prinzipien zu rütteln – nämlich denen einer großen Familie. Eben ganz nach dem diesjährigen Motto Alles bleibt anders. „20 Jahre, oh ja – wir wollen die Ärmel hochkrempeln! Mit der Zeit gehen, ohne Erinnerungen zu vergessen. Neues finden, ohne Altes zu verlieren. Uns vorwärtsbewegen, ohne unsere Wurzeln auszureißen“, heißt es dazu auf der Webseite.

Zu den Grundprinzipien gehört allerdings auch etwas anderes: Musik genießen können und zwar, ohne einen der Acts verpassen zu müssen, ohne Überschneidungen im Zeitplan. Darüber können die Besucher in diesem Jahr besonders froh sein – die Künstlerauswahl hat es in sich. Hier kann bei bekannten Größen wie Balthazar, Bilderbuch, Frittenbude oder Deerhunter laut und textsicher mitgesungen werden, während neuere Acts wie Boy Harsher, Hope, Fountaines D.C. oder Monako die persönliche Sammlung an Lieblingshits erweitern. Bleibt nur zu hoffen, dass die technischen Pannen aus dem letzten Jahr ausbleiben.

Einer der Headliner auf dem Immergut Festival:

Abseits der Musik verwandelt sich der Birkenhain, die kleinste Bühne auf dem Festivalgelände, in diesem Jahr zu Ehren mehrerer Gäste wieder in eine kleine Lesebühne. Hier kann das Publikum verschiedensten literarischen Ergüssen lauschen. Diese stammen in diesem Jahr unter anderem von Giulia Becker, deren Gesicht dem ein oder anderen aus dem Neo Magazin Royale bekannt vorkommen dürfte, und Heinz Strunk, dessen Buch „Der Goldene Handschuh“ vor kurzem verfilmt wurde.

Was die Festivalmacher sich neben dem angekündigten Programm für dieses Jahr ausgedacht haben, bleibt abzuwarten. Das jährliche Anbaden in einem der benachbarten Seen sowie ein Ausflug ins beschauliche Neustrelitz ist den Besuchern jedoch auf alle Fälle sicher.

Überzeugt? Tickets gibt es hier. In diesem Jahr bietet das Festival allen Musikfans mit einem eng gestrickten Zeitplan erstmals auch Tagestickets für alle drei Tage an.

Das gesamte Line-Up auf einen Blick:

Bilderbuch, Isolation Berlin, Roosevelt, Karies, International Music, Deerhunter, Some Sprouts, Kala Brisella, Nilüfer Yanya, Balthazar, Priest, Frittenbude, Leoniden, Dagobert, Mavi Phoenix, Komfortrauschen, Isolée, BLVTH, Sophia Kennedy, Gewalt, Boy Harsher, Cate Le Bon, Heinz Strunk, Linus Volkmann, Allie Neumann, Black Midi, Hope, DENA, Kommode, Giulia Becker, Fountaines D.C., Shelter Boy, Karen Gwyer, Monake, Die Wände, Fenster, Lauer, Das Wetter

So war das Immergut Festival 2018:

Sparkling geben mit „Champagne“ weitere Einblicke in ihr Debüt

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Sparkling // Press Pic

In „Champagne“ machen Sparkling einen großen Schritt Richtung Post-Punk und geben einen weiteren Vorgeschmack auf ihr kommendes Debütalbum.

Sparkling springen gerne zwischen deutschen und englischen Songzeilen in ihren Tracks. Auf der aktuellen Single „Champagne“ bleiben die Kölner jedoch im englischen und klingen dabei so Post-Punkig wie nie zuvor – schnelle, klare Gitarrenriffs treffen in dem Song auf treibende Indie-Beats und New Wave-Elemente. Erst vor einigen Wochen gab es mit „The Same Again“ eine neue Single der Band.

Aktuell arbeitet die Band an neuen Songs für ihr Debütalbum, das noch in diesem Jahr erscheinen soll. Live zu sehen sind Sparkling im Mai auf drei Konzerten in Hamburg, Berlin und München. Neben Altbewährtem wird es bestimmt auch den ein oder anderen neuen Song auf die Lauscher geben.

Sparkling auf Tour:

13.05.2019 – Hamburg, Übel & Gefährlich
14.05.2019 – Berlin, Maze
15.05.2019 – München, Unter Deck

Tickets gibt’s an allen bekannten VVK-Stellen.

Hier gibt’s den brandneuen Track „Champagne“:

Exklusive Videopremiere: Love Machine verbreiten mit dem psychedelischen Clip zu „Valentino“ Glam-Rock-Esprit

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Love Machine // Videostill aus "Valentino"

Dem Video nach zu urteilen, könnte „Valentino“ auch eine Hommage an Thunfischpizza sein. Mit dem Release melden sich Love Machine zurück und kündigen mit „Mirrors & Money“ eine neue EP für Oktober an.

Mit ihrem einzigartigen Mix aus Psychedelic Rock, Krautrock und Americana sind Love Machine in diesem Jahr sogar für den pop NRW Award in der Kategorie „Outstanding Artist“ nominiert. Dabei können die Düsseldorfer schon auf ganze drei Alben in ihrer fünfjährigen Bandgeschichte zurückblicken. So veröffentlichten Love Machine im vergangenen Herbst mit „Time To Come“ ihren dritten Longplayer.

Nicht nur musikalisch auch optisch orientiert sich die Band gern an die späten 60er, frühen 70er Jahre. Besonders gut kommt die Stilsicherheit auch im psychedelischen Clip zur aktuellen Single „Valentino“ daher. Hierfür haben sich Love Machine vor Alufolien-Kulisse zurecht gemacht und performen den Song in schönster Glam-Rock-Attitüde. Hin und wieder werden dafür auch Bilder von rotierenden Pizzen im Clip eingeblendet – made of Tuna natürlich!

Bevor es mit dem aktuellen Album und dem neuen Material der kommenden EP „Mirrors & Money“ im Herbst auf Tour geht, ist die Düsseldorfer-Band im Sommer auf einigen Festivals anzutreffen u.a. auf dem Burg Herzberg Festival, dem Junkyard Open Airs und auf der Mannheimer Sommerbühne.

Exklusive Videopremiere: Seht hier den psychedelischen Clip zu „Valentino“:

Von Wegen Lisbeth – „sweetlilly93@hotmail.com“

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Von Wegen Lisbeth // Albumcover "sweetlilly93@hotmail.com"

Man nehme ein Sammelsurium an Alltagsproblemen der Generation Y, spült diese mit süffigen Synthie-Pop-Melodien durch und heraus kommt „sweetlilly93@hotmail.com“. Auf dem zweiten Album sind Von Wegen Lisbeth reifer geworden, musikalisch bewegen sich die Berliner jedoch noch in derselben gewohnten Sound-Kulisse ihrer verpixelten Realität.

Als Albumtitel eine Internetadresse? Das klingt nicht nur ziemlich verrückt, sondern zeigt den Weg an, den Von Wegen Lisbeth auch auf ihrem zweiten Studioalbum eingeschlagen haben. Experimentierfreudig hebt sich die Band selbst aus ihren Babyschuhen der „Grande“-Zeiten und taucht direkt in die Pubertät ab. Wer kann sich nicht noch gut daran erinnern mit 13, 14, 15 seiner erste E-Mail-Adresse genau in dem Stil angelegt zu haben? Von Wegen Lisbeth verstehen es perfekt die Alltagsprobleme ihrer Generation aus Mitt- und Endzwanzigern in rhythmische Pop-Gewände zu hüllen.

„Wieso“ ist dabei der passende Opener. Der Song startet wie ein 80er-Jahre Rock-Klassiker, bevor er durch verspielte Synthie-Pop-Elemente das Ganze in ein experimentierfreudigeds Pop-Gewand lullt. Nicht nur der Sound fasziniert hier direkt, sondern auch der Text. So wird in dem Song das hinterfragende „Wieso“ als Erklärung für alles, getreu dem Motto „du weißt wieso“, ausgelegt! Mit „Lieferandomann“ folgt anschließend die erste Single-Veröffentlichung der Platte – ein Liebesbrief an den bunten Food-Engel. Hinter dem Offensichtlichen verbirgt sich – wie so oft bei Von Wegen Lisbeth – eine Metapher. Eifersucht und Probleme mit dem eigenen Selbstbewusstsein werden hier in humoristischer Manier relativiert und in Alltagsprobleme gepackt. Dabei bedient sich die Band in ihren Songs auch gern lautmalerischen, bildhaften Texten, die ihre Musik noch lebendiger und teils auch emotionsgeladener klingen, wie auch wirken lässt. Die Berliner-Band versteht sich darauf ihre Songs so zu schreiben, damit diese für ihre Hörer nachvollziehbar bleiben. So wird niemand der Generation Y Probleme damit haben, sich mit den einzelnen Ärgernissen und angesprochenen Situationen identifizieren zu können.

Hochintelligente, sprachverliebte Kreationen treffen auf treibenden Indie-Pop

Ernster wird es hingegen auf „Staub und Schutt“. Hier wird der Humor für kurze Zeit abgelegt. Es geht um Steuerunterschlagung, Missbrauch und heruntergespielte Kavaliersdelikte. Themen, die für Von Wegen Lisbeth schon fast zu ernst klingen. Der Song beweist jedoch, dass die Band sich sehr wohl auch außerhalb ihres „Kiez“ bewegen kann. Eine weitere Ausnahme aus dem süffigen Synthie-Pop-Gewand der Platte bildet auch „Westkreuz“. Zwar kommt die Nummer im treibenden Indie-Pop daher, doch zeigen die Berliner hierauf eine melancholische, düstere Seite von sich.

Wer ist eigentlich diese Lilly? Das wird man sich spätestens bei dem Track „Sweet Lilly“ fragen. „Sweet Lilly ist so schüchtern, sweet Lilly ist so nett, sie würde dir nie wehtun, außer du triffst sie im Internet,“ heißt es im Text. Hier wird schön die Message des Albumtitels erneut aufgegriffen. So wird man sich seit der Ankündigung des Titels fragen, was sich wohl hinter „sweetlilly93@hotmail.com“ verbirgt? Etwa eine sweete Lilly, geboren 1993? Oder wohl doch ein dicker alter Mann? Ist auch egal, denn die Nummer kommt cool und lässig daher und birgt großes Ohrwurmpotential. Daran knüpft auch „Gefährder“ an. Die Nummer wird spätestens auf der großen „Britz-California“-Tour ihr wahres Zündpotential entfalten. Besonders der Refrain animiert zum mitsingen, muss man sich hier auch nicht allzu viel Text merken.

Hinter den süffigen Pop-Nummern und den banal wirkenden Texten verbergen sich hochintelligente, sprachverliebte Kreationen. Hierfür greifen Von Wegen Lisbeth immer noch tief in die Casio-Tasten. Musikalisch bewegen sich Von Wegen Lisbeth noch im gewohnt gleichen Horizont, wie noch zu „Grande“-Zeiten, und knüpfen gar daran an. Die Songs sind groovig, schmissig und beinhalten ironisch-humoristische Textzüge, die beim Zuhören Spaß machen. Thematisch kreist die Band dabei stets um die selben Alltagsprobleme ihrer Generation: Gentrifizierung, Liebe, Hafermilch-Cheesecake und Nachbarn, die ihre DHL-Pakete nicht zeitnah abholen. Alles erwartbar, trivial und doch nachvollziebar. „sweetlilly93@hotmail.com“ birgt keine krassen Stilbrüche und keine großen Überraschung und doch wirken die Berliner reifer und experimentierfreudiger als noch zu „Grande“-Zeiten.

Beste Songs: „Sweet Lilly“, „Westkreuz“, „Staub und Schutt“
VÖ: 03.05.2019 // Columbia / Sony Music

Hier gibt’s das Video zur aktuellen Single „Westkreuz“:

Big Thief – U.F.O.F.

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Big Thief // © Michael Buishas

Das angehängte „F“ in U.F.O.F. steht für „Friend“. Und genau damit setzt sich die Band um Adrienne Lenker auf ihrem neuen Album auseinander: Freundschaft mit dem Unbekannten schließen. Big Thief glänzen dabei nicht nur mit einem delikaten Songwriting, sondern auch mit überraschenden musikalischen Arrangements und eindringlichen Vocals. U.F.O.F. erscheint am heutigen 3. Mai via 4AD / Beggars.

In 2016 veröffentlichten Big Thief ihr Debütalbum. Eher sarkastisch als „Masterpiece“ betitelt, schien die New-Yorker Band nicht damit gerechnet zu haben, große Aufmerksamkeit zu erregen. Dies kam jedoch anders. Seither können sich Big Thief vor Kritiker-Lob kaum noch retten und sind beinahe pausenlos auf Tour. Auf dem Nachfolger „Capacity“ bewiesen sie sogar noch größeres Geschick in puncto Songwriting. Mastermind Adrienne Lenker zeigt, dass sie in ihren Songs Geschichten erzählen kann, die sehr spezifisch, aber gleichzeitig universell gültig sind. Ein wenig reduzierter instrumentiert, aber nicht weniger tiefgründig, erschien letztes Jahr das erste Soloalbum der scheinbar ununterbrochen produzierenden Frontfrau.

Auf „U.F.O.F.“ wählte die Band einen kollaborativeren Ansatz, wobei sie den Großteil der Tracks gemeinsam entwickelte und live aufnahm. Dadurch, dass die Band nun schon so lange zusammen unterwegs ist, sind Adrianne Lenker, Buck Meek, Max Oleartchik und James Krivchenia perfekt aufeinander eingespielt. Einige Aufnahmen benötigten nicht mehr als ein Take, um im Kasten zu sein. Produziert und aufgenommen wurde das Album zusammen mit Dom Monks im Bear Creek Studio. Eine abgelegene, umgebaute Scheune, in der Nähe von Seattle, Washington. Diese Intimität, die dem Aufnahmeprozess Inne wohnte, ist auf „U.F.O.F.“ deutlich zu hören.

Trotz des kollaborativen Ansatzes ist das Album geprägt von Adrienne Lenker. Und das ist auch gut so. So wurden beispielsweise zwei Tracks („From“ & „Terminal Paradise“) ihres Solowerks „Abysskiss“ für das neue Big Thief Album neu aufgearbeitet. Musikalisch hebt sich „U.F.O.F.“ von den vorherigen Alben der Band ab. Vorher im Indie-Rock einzuordnen, finden sich Big Thief nun völlig im Folk-Rock, teilweise sogar im Freak-Folk wieder. Wie auch auf den vorherigen Alben, gibt es Momente, die den*die Hörer*in durch die plötzliche Änderung der Lautstärke und Instrumentation vom Hocker hauen. Zwar weniger häufig, dafür aber umso intensiver.

Einer dieser Momente findet zum Beispiel direkt im Opener „Contact“ statt. Wie in einigen anderen Tracks, entwirft Lenker auch hier eine Person, mit der sie sich unterhält. Jodi, wie auch die weiteren fiktiven Personen (Betsy, Caroline, Violet und Jenni) stehen alle für eine schwierig zu greifende Stimmung. Lenker nutzt diese Personifikationen, um sich mit ihren Themen auseinanderzusetzen. Das Gespräch mit Jodi endet in einem Schrei. Danach knallt einem eine Gitarrenexplosion um die Ohren, die unerwarteter nicht hätte kommen könnte.

Eine ähnlich grandiose Progression ist im gespenstischen „Jenni“ zu finden. Adrienne Lenker wird von Jenni´s Gegenwart nahezu zerissen. Sie weiß nicht wohin mit sich, es schnürt ihr die Kehle zu: „Too hot to breathe / Jenni’s in my room“. Erleichterung tritt ein, sie kann sie begleiten: „The portal forms / She calls me through“. Es folgt eine kurze Zäsur, Meek´s Gitarren werden prominenter und toben regelrecht.

Im Kontrast zum eher düsteren Grundton des Albums, gibt es jedoch auch Tracks, deren Sound eher uplifting ist. So zum Beispiel das beinahe dem Alt-Country zuzuordnende „Cattails“. Finger-gepickte, an Neil Young erinnernde Akustikgitarren begleiten Lenkers wunderbar brüchigen Vocals. Sie singt von dem wunderbaren Zusammenspiel zwischen Zivilisation und Natur: Eine Fahrt mit dem Zug durch die Landschaft oder das Erhaschen einer Sternschnuppe auf dem Parkplatz vor dem Motel in der Einöde. Sinnbildlich für diese Symbiose stehen für sie die Cattails, zu Deutsch „Rohrkolben“ (ernsthaft?). Diese sind nicht nur an abgelegenen Seen, irgendwo im nirgendwo, sondern auch in den Gewässern der Vorstadt zu finden.

Ein weiteres wiederkehrendes Thema auf „U.F.O.F.“ ist der endgültige Abschied. Auf „Orange“ besingt Lenker auf melancholisch schöne Art den unausweichlich nahenden Verlust einer Geliebten. Während im Hintergrund das Geheule von Hunden zu hören ist, realisiert sie: „Fragile is that I mourn her death / As our limbs are twisting in her bedroom.“ Nur eine einzige Gitarre begleitet sie bei diesen traurigen Gedanken. Auch auf „Open Desert“ beschäftigt sich Adrienne Lenker mit dem Tod. Aus der Ich-Perspektive beschreibt sie, wie sich eine Person auf die letzte Reise macht und im letzten Moment das Leben durch einen Türspalt erblickt: „The white light of the waiting room / Leaking through the crack in the door“.

Auf dem Titeltrack „U.F.O.F.“ beschreibt Adrienne Lenker den Grundgedanken des Albums. Seltsam und gleichzeitig wunderschön erzählt der Track von einer Alien-Entführung. Feine und gleichzeitig weird klingende Melodien auf der Akustikgitarre und klare Rhythmen geben den Ton an. Hier und da tauchen durch die Akkordfolgen in Kombination mit den eindringlichen Vocals Gedanken an Amnesiac-Era Radiohead auf.

Das UFO beschreibt das Andere, das Unbekannte und Unbewusste. Genau wie wir alle, hat Adrienne Lenker Angst davor. Doch versucht sie, anders damit umzugehen. Sie verharrt nicht in einer Starre oder flieht. Sie wählt die Annäherung und beginnt, sich mit dem Unbekannten anzufreunden. Auch, wenn das einiges an Courage verlangt, ist es sicherlich die klügere Variante.

Beste Songs: Contact, Cattails, Jenni
VÖ: 03.05.2019 // 4AD / Beggars

Hört hier den Titeltrack „U.F.O.F.“:

Fotos: Michael Buishas

Exklusive Videopremiere: LUNAS zeigt in „feels“ die Leere einer Großstadt

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LUNAS // Presse

Die Single „feels“ des Kölner Produzenten LUNAS spiegelt mit seiner Hommage an den Garage Sound der 90er die Melancholie britischer Großstädte wieder. 

Der Sound von „feels“ weckt viele Assoziationen. Vorbeirauschende Cabs, die Hintergrundkulisse einer Großstadt wie London, enge Kellerpartys und die Unpersönlichkeit des kalten Betons. Und genau in diesem Überfluss an Konventionalität findet der Kölner Produzent LUNAS seinen persönlichsten Moment. Dies behauptet der junge Musiker selbst und ergänzt: „Ich wollte Soundwelten schaffen, die zu der Stimmung des Songs passen“. Gemeint ist die Melancholie, die trotz treibender Beats aufkommt. Inspirieren lassen, hat sich LUNAS an dem Electro und dem UK Garage der 90er Jahre und tritt damit in die Fußstapfen von Acts wie Real Lies oder Jamie xx. 

Hinter LUNAS versteckt sich das Projekt von Marvin Mauelshagen, einem House-Produzenten aus Köln. 2014 hat er sich erstmals in DIY-Manier elektronischer Musik gewidmet. Ein Jahr darauf folgte mit „Dive“ eine erste EP, die sich musikalisch von dem heutigen Sound unterscheidet. Dieser war zurückgenommener und passte nicht in die Ästhetik einer Großstadt. Dies änderte sich prompt, als LUNAS 2017 die Liebe für 90er Underground-Electro entfachen ließ. 

Inspiriert vom UK Garage der 90er 

Wie bereits oben beschrieben, gipfelt diese Liebe nun in „feels“. Passend dazu liefert der Musiker urban anmutendes Videomaterial. Die Protagonistin des Videos entdeckt die Verlassenheit, die eine Großstadt bei Nacht mit sich bringt. Die Lichtquellen stammen aus großen Werbetafeln, die quasi jedes Stadtbild zehren. Gegen Ende kehrt Nicole Stieben zurück in die Wohnung, die als Rückzugsort dargestellt ist. „feels“ von LUNAS erscheint auf dem Berliner Label „Guesstimate“.

Die exklusive Videopremiere zu „feels“ gibt’s hier:

Juju schlägt mit Henning May in „Vermissen“ einen ungewöhnlichen Weg ein

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Still aus "Juju feat. Henning May - Vermissen"

In „Vermissen“ zeigt Juju, dass sie musikalische Grenzen einreißen kann und gibt sich im Duett mit Henning May sentimental. 

Bisher war die Ex-SXTN-Künstlerin Juju nicht unbedingt bekannt für ihre weiche Art. Erst kürzlich wurde sie rebellisch am Flughafen festgehalten, nachdem sie auf Instagram verraten hat, dass sie eine kleine Menge an Gras durch die Kontrolle gemogelt hat. Auch die ersten Single-Auskopplungen aus ihrem anstehenden Album „Bling Bling“ haben eher vor Selbstbewusstsein gestrotzt, als das sie Verletzlichkeit zeigen. 

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Dies wandelt sich jetzt mit Jujus neuem Song „Vermissen“. Für die Ballade hat sie sich den Sänger Henning May der Band Annenmaykantereit zur Seite geholt, der mit seiner Stimme einen starken Kontrast zu den Lines von Juju darstellt.  In dem Song geht es, wie der Titel es bereits vermuten lässt, darum, dass sich zwei Menschen vermissen. Mit ihrer ehrlichen Art und Weise versteht es die Berliner Künstlerin den Nerv ihrer Zuhörer zu treffen ohne sich lange in Verschnörkelungen und Metaphern zu verstricken. „Vermissen“ ist ein weiterer Song aus dem anstehenden Debütalbum „Bling Bling“. Die Platte erscheint am 31. Mai. 

Das Video zu „Vermissen“ gibt’s hier: