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Josefin Öhrn und Gnoomes remixen einander

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B-Seiten und alternative Edits auf der Repetitions EP

Josefin Öhrn + the Liberation und die Psych Rock Band Gnoomes haben nicht nur gemeinsam, dass sie mit einem viel zu wenig beachteten Album debütiert und seitdem eine Art Geheimtipp-Status inne haben. Dass repetitive Krautrhythmen und psychedelische Gitarrenflächen eine große Vorliebe sowohl von der Schwedin Öhrn als auch von dem russischen Quartett sind, dürfte niemandem entgangen sein. Da wäre es fast schon kriminell, wenn sie ihrer Zusammenarbeit nicht den Titel Repetitions geben würden.

Für die gemeinsame EP kramen beide Bands nicht nur B-Seiten und neue Versionen alter Songs aus der Demokiste, sondern remixen sich gegenseitig. Gnoomes verwandeln „Take Me Beyond“ in eine rauschende Kosmische-Nummer, während sich Josefin Öhrn dem übermächtigen „Roadhouse“ annimmt. Die Repetitions EP erscheint am 20. Mai als 12″ und Download auf Rocket Recordings. Einen Vorgeschmack gibt es mit dem „Take Me Beyond“ Remix auch schon. Josefin Öhrn + the Liberation treten außerdem am 14. Mai auf dem Orange Blossom Special in Beverungen auf.

„Take Me Beyond (Gnoomes Remix)“:

The Limiñanas – Malamore

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Fernweh, Sergio Leone-style: the Limiñanas erklären mit Malamore ihre Liebe zu Western und Wüsten

Viel geändert hat sich seit Down Underground nicht. Die Geschichten, die Lionel und Marie Limiñana erzählen, sind die gleichen, nur die Namen der Protagonisten haben sich geändert. Genauso wie die elektrisch verzerrten Ausbrüche, die auf ihrem neuen Album Malamore erneut über Kyuss und Fu Manchu zu Western und Blues zurück weisen. Der Western ist dabei vermeintlich italienischer Abstammung: „El Sordo“ klingt wie der Titelsong zu einem Film von Sergio Leone, der Artikel „el“ verweist allerdings eher auf Zorro als auf Mario Girotti. Kaum verwunderlich, stammen die Limiñanas schließlich aus Perpignan an der Grenze zu Spanien.

Auch das Kunstwort Malamore sieht lediglich italienisch aus, der Titelsong hört sich eher an wie eine verlorene T. Rex Demo. Die Ethnografie ist auf Malamore durcheinander gebracht. Die beiden Franzosen werfen – aus Versehen oder Berechnung, man kann es nicht so ganz sagen – ihr Heimatland, Spanien und Italien, Amerika (durch Verweise auf die Roberts Mitchum und Duvall) und Griechenland (durch Titel wie „Athen I.A“ und „Kostas“) in einen Topf mit der Aufschrift „Desert Rock“.

In der Musik tritt der Einfluss von Nordamerika und seinen Soundtracks noch stärker hervor: Man hört das Hitzeflimmern der Wüsten, der Gitarre hängt oft noch der Staub vom Ritt durch die letzte ghost town an. Nicht erst durch die Mundharmonika auf „Paradise Now“ fühlt man sich an Spiel mir das Lied vom Tod erinnert, die Ikone unter den Spaghetti-Western. Gleichzeitig sind die Songs viel psychedelischer, allen voran die wortlose Schlussnummer „The Train Creep a-Loopin“ (nur echt mit Südstaaten „a-“ Präfix), bei der sogar der franko-katalanische Filmkomponist Pascal Comelade mitgeschrieben hat.

Den Titel, den die Limiñanas für ihr fünftes Album gewählt haben, könnte passender nicht sein. Malamore steht für eine obsessive, unerfüllte Liebe. Das Cover zeigt die beiden, wie sie an einen Trailer gelehnt gen Westen blicken, dorthin, wo ihre musikalischen Reisen immer öfter ihr Ziel finden. Ihre Fernliebe für die amerikanischen Weiten ist aber nicht ihr Verhängnis; tatsächlich ist Malamore trotz dem Einfluss ausschweifender Kompositionen das Release in ihrer Diskografie, das man am ehesten als richtiges Album wahrnimmt. The Limiñanas sind zwar immer noch Europäer, die von Amerika träumen – und das sollen sie auch bleiben! Aber wie Sergio Leone schaffen sie es mit ihrer Kunst, uns andere genauso träumen zu lassen.

Beste Songs: Malamore, Kostas, The Train Creep a-Loopin

VÖ: 08/04 // Because Music

„Garden of Love (feat. Peter Hook)“:

Doomhound mit erster Single

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Die Single „Yum Yum Watercourse“ fruchtet aus der momentanen Pause von Sizarr.

Die drei Jungs von Sizarr haben sich die Pause redlich verdient. Wer so lange zusammen musiziert und sich bereits aus der Schulzeit kennt, der braucht irgendwann auch mal Abstand. Im Fall von Philipp Hülsenbeck bedeutet Abstand auch Fortschritt. Mit seinem neuen Projekt Doomhound durchbricht er Grenzen und trifft dabei losgelöst in viele Stylerherzen. Sein exotisch experimenteller Sound lässt sich zwar geografisch kaum zuordnen und doch verbindet man mit „Yum Yum Watercourse“ Begriffe wie Dschungel, hippe Pflanzen und Hawaiihemden.

Aufgenommen wurde der Sound zusammen mit Joe Haege und Fritz Brückner von White Wine im weniger exotischen Leipzig. Im April geht es dann mit dem neuen Sound erstmalig als Support von Get Well Soon auf Tour und man darf gespannt sein wie das Ensemble live klingen wird.

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Autolux – Pussy’s Dead

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Düsterer Spagat zwischen Barbiturate Trip-Hop und lärmendem Art Rock: Autolux mit ihrem besten Album

Autolux sind in gewissem Sinne die Anti-Radiohead. Anstatt alle paar Jahre ein Album rauszuhauen, das sich stilistisch vom Vorgänger entfernt hat, braucht es für ein Album sechs Jahre und die Ansatzpunkte bleiben irgendwie immer dieselben: mit Noises gespickte Rockmusik, viel Rhythmus, grau-auf-graues Industrieflair und der paranoide Gesang von allen drei Bandmitgliedern. Was beide Bands verbindet, ist ihre Sprengkraft hinsichtlich Genreklassifizierungen, die Barbiturate-geschwängerte Atmosphäre ihrer Songs und die Tatsache, dass sie immer verlässlich sind, was die Qualität ihrer Veröffentlichungen angeht. Pussy’s Dead, die dritte LP von Autolux, ist wie erwartet ein harter Brocken.

Wie nimmt man ein Album einer solchen Band auseinander? Mit Verweisen auf die Verwandtschaft? Die Beobachtung, dass Autolux sich im gleichen klanglichen und kompositorischen Universum wie Clinic, Public Memory, Beak> und Suuns befinden, bringt wenig mehr, als die Einflüsse von Can und Neu!, Tortoise, Suicide und Sonic Youth nochmal deutlicher hervorzuheben. Diese kaum originelle Analyse zeigt indes eine interessante Strömung in dem gedanklichen Milieu auf, das man grob unter dem ambivalenten tag „Art Rock“ gruppieren kann: Die Songs sind in den letzten Jahren deutlich düsterer geworden, zu Krautrock und Noise hat sich Trip-Hop als Einfluss gesellt, alles wird weniger „rockig“ und mehr „post-rockig“ dargeboten.

Das trifft bei Pussy’s Dead nur in der Hälfte der Fälle zu. Die Gitarre wird oft zu Gunsten von Synthesizern zur Seite gelegt. Der Trend geht, wie auch bei Suuns‘ bald erscheinendem vierten Album Hold/Still, zum Bass als Leadinstrument. Der herausstechende Opener „Selectallcopy“ (wahrste Textzeile des Albums: „It’s so, so sad to be happy all the time.“) wird durch Eugene Goreshters Gesang leicht psychedelisch. Songs wie „Junk for Food“ und „Hamster Suite“ sind durch Carla Azars Drumming im Gegensatz zu denen von Suuns allerdings weiterhin sehr physisch und „Listen to the Order“ und „Brainwasher“ suggerieren, dass Autolux auch zwölf Jahre nach „Turnstile Blues“ noch den Willen haben, es mit Jimmy Page und Thurston Moore aufzunehmen. Brilliant ist auch der wiederholte Einsatz von akustischer Gitarre, der zusammen mit dem trockenen Schlagzeug den Sound von Songs wie „Selectallcopy“ und „Becker“ am stärksten bestimmt.

Trotz des hohen Wiedererkennungswertes, den Autolux besitzen, klingen in den meisten Songs andere Bands an. „Change My Head“ lässt einen sowohl an Son Lux als auch an Genesis circa The Lamb Lies Down On Broadway denken; „Junk for Code“, „Reappearing“ und der instrumentale Endteil von „Soft Scene“ erinnern an Fear of a Blank Planet und Oceansize. Das fällt allerdings überhaupt nicht negativ auf, Pussy’s Dead ist so eigenständig wie die anderen beiden Alben der Band. Als Kritiker lässt es einen aber auch verzweifeln, wenn anstatt einer Beschreibung der Musik eine Art Milieustudie herauskommt, für die das Album der Eingangspunkt ist. Dann wiederum ist es vielleicht besser so, dass einem bei Pussy’s Dead die Worte fehlen. Für Autolux gilt im Endeffekt schließlich dasselbe wie für Radiohead: Diese Musik ist zu einzigartig, um ihr mit Sprache nahe zu kommen.

 

Beste Songs: „Junk for Code“, „Selectallcopy“, „Soft Scene“

VÖ: 01/04 // 30th Century Records

„Change My Head“:

https://vimeo.com/151944473

Videopremiere: Marla mit „Marais“

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Das neue Video von Marla könnte französischer nicht sein.

Eines sei mal gleich klargestellt: wer sich erhofft, dass die deutsch/spanische Musikerin mit Baguette, Rotwein, Baskenmütze und Streifenshirt durch Paris schlendert, wird bitter enttäuscht werden. Die momentan in Heidelberg lebende Marla zeigt uns in den ergreifenden schwarz/-weiß Aufnahmen eine andere, sinnlich kunstvolle Seite von Paris. Gekonnt wird das Leben der Großstadt aufgegriffen und doch scheint die Welt für einen Moment lang um sie herum innezuhalten.

Passend dazu, verläuft die französische Sprache fließend ins Englische über und verleiht der Single „Marais“ einen so rein gar nicht aufgesetzten Touch. Das Viertel, welches oft als das ‚alte Paris‘ bezeichnen wird, wird vom Song aufgesaugt und umgekehrt. „Marais“ ist Teil des Debütalbums Madawaska Valley, das im kanadischen Toronto aufgenommen wurde. Kein Wunder, so leben auf der nordamerikanischen Halbinsel viele Inspirationen der Künstlerin, wie etwa Jessica Pratt oder auch noch Robert Francis.

Das Video zur Single „Marais“ gibt’s hier:

Jan Blomqvist kommt samt Band in die halle02 (+Verlosung)

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Der Musiker und Producer bringt den Berliner Rooftopsound nach Heidelberg.

Von den Hippie-Eltern zum Erfinder des Konzerttechno. Der Werdegang des Berliner Nichtschweden lässt sich durchaus sehen. Momentan ist der Musiker samt Band auf Konzertreise und macht auch halt in Heidelberg. Dort bietet er ein Programm bestehend aus lockeren Beats, sanften Vocals und Electro-Pop an. Verrückt, wenn man bedenkt, dass Jan Blomqvist mit seine musikalische Laufbahn eigentlich mit destruktivem Punk begonnen hat.

Mittlerweile rockt er eher selten den Wohnwagen in dem er seine  erste Band gegründet hat, vielmehr bevorzugt er es sich auf den Dächern Berlins einen Namen zu machen. Und siehe da es scheint geklappt zu haben. Indie-Nerds wie Techno-Heads lieben den warmen Sound des Berliners und so ist der Sound nicht nur für jedermann (Floskeln müssen auch mal sein), sondern auch eine tolle Alternative, um das Wochenende soundtechnisch bis auf Montagabend zu verlängern.

Aus diesem Grund verlosen wir 1×2 Karten für den Gig von Jan Blomqvist am 04.04. im Club der halle02. Alles was ihr dafür tun müsst, ist den Post auf Facebook liken und eure mögliche Begleitung in den Kommentaren verlinken und schon seid ihr im Lostopf. Einsendeschluss ist Sonntag um 21:00. Die genauen Teilnahmebedingungen könnt ihr hier nachlesen.

Ariel Ariel

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Chill(wave)iger Gute-Laune-Pop aus Paris

Ariel Ariel sind ein Beispiel für die heute übliche Hybridisierung von Genres. Die von Bordeaux nach Paris gezogene Band nimmt sich ein paar großformatige Klangflächen, etwas Chillwave von Washed Out und ein klein wenig Afrobeat und peppen damit ihren Franco Pop auf. Ein naher Verwandter sind Pendentif, bei denen Ariel Tintar, der Kopf der Band, Gitarre und Keyboard spielt. Im letzten Jahr hat das Quartett im Vorprogramm von Youth Lagoon sogar schon in Berlin gespielt.

Und das, obwohl Ariel Ariel bisher erst einen Song veröffentlicht haben: das (sehr leicht) psychedelisch angehauchte „Comme toi“, dessen Gitarrenriff dem von „Stillness Is the Move“ zum Verwechseln ähnlich klingt. Der Song ist zwar schon über ein Jahr alt, fungiert aber als erste Single aus einer ersten EP, die im Mai erscheinen soll. Gestern wurde „Comme toi“ außerdem mit einem bunten animierten Video von Nathaniel H’limi versehen. Auf „Comme toi“ teilt sich Tintar den Gesang mit Blandine Millepied von Sahara, auch deren Schlagzeuger Swann Vidal sitzt bei Ariel Ariel am Puls.

Das Video zu „Comme toi“ könnt ihr euch unten anschauen, der Song kann hier heruntergeladen werden. Haltet im Mai Ausschau nach der ersten EP von Ariel Ariel!

Für Fans von: Pendentif, Washed Out, Dirty Projectors

„Comme toi“:


Facebook // Soundcloud

Alben des Monats – Februar 2016

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Mit dem Technoviking, Taylor Swift und dem Staubsauger aus Teletubbies

Neues Jahr, neues Glück. Einen Monat haben wir schon verstreichen lassen, bevor wir uns nun wieder dem monatlichen Best Of zuwenden. Ein Kandidat für die besten Alben des Jahres – Savages‘ Adore Life – war auch schon dabei. Im Februar sind es eher die kleinen Gesten und die subtilen Songschreiber, die es in diese Liste geschafft haben. Mit „Afro“-Techno, Odd Pop und minimalistischem Singer/Songwriter dürfte aber auch diesmal für jeden etwas dabei sein.


Africaine 808: Basar

Africaine 808 BasarTanzmusik muss ja nicht immer zum Tanzen da sein. Africaine 808s Basar funktioniert ebenso gut auf wie abseits der Tanzfläche, zum Beispiel bei einer 75 Minuten langen Wanderung durch eine überhaupt nicht afrikanisch anmutende deutsche Großstadt. Da ist es gleichzeitig erstaunlich als auch erwartbar, dass der DJ Africaine 808 gar nicht aus Afrika stammt, sondern aus Köln-Berlin und eigentlich Dirk Leyers und Hans Reuschel heißt.

Ja, die beiden Herren, Raveveteranen der ersten Stunde, die den Technoviking live erlebt haben, wie es bei Groove zu lesen ist, führen den unkritischen Hörer durch Projektname und Albumtitel schön auf den Zebraholzweg. Leyers und Reuschel aka DJ Nomad spielen mit dem unkritischen Blick, sie sind sich der Diversität des Kontinents (natürlich) sehr wohl bewusst und können den jeweiligen Einfluss – Senegal, Mali, Nigeria – präzise benennen. Kein kopfloser Hipstershit also, sondern meta-kopflos. Auch wenn man, und das macht das Spiel so erfolgreich, Basar genauso gut ohne Hintergrundwissen genießen kann, als gute, von verschiedenen afrikanischen Stilen beeinflusste Bewegungsmusik.


Field Music: Commontime

fieldmusic commontimeCommontime, das fünfte Album von Genesis Field Music, ist zwar ziemlich lang für ein Prog-Album, aber dafür auch ungewöhnlich leichtfüßig. Trotz aller Versuche, mit Streichern ein bisschen Highbrow-Appeal auf die Songs zu klatschen, wippen sich die Brewis Brüder recht discoid durch die 57 Minuten. Commontime ist teils der gute, alte Prog Rock der Siebziger (ohne die 30-minütigen Epen), teils die nach Plastik schmeckende Achtzigervariante in buntem Anzug (oder die sehr köstliche in weißem). Ihr wisst schon, Peter Gabriel vs. Phil Collins, Pictures at an Exhibition vs. „Owner of a Lonely Heart“.

Nach dem instrumentalen Soundtrack zu Drifters vom letzten Jahr tut es gut, mal wieder den akrobatischen Gesang der Gebrüder zu hören. Der kann bisweilen sogar als Soloinstrument fungieren, wie „That’s Close Enough“ mehr als eindrucksvoll beweist. Den Großteil der Attraktivität von Commontime, wie von jedem Gentle Giant Field Music Album, sind die ungeraden Rhythmen und die gute Laune. Man fühlt sich, als würde man durch eine M. C. Escher Version der Teletubbies-Landschaft springen. Und „The Noisy Days Are Over“ ist in seinem Talking Heads-Swagger ein Loblied auf den Staubsauger!


Florist: The Birds Outside Sang

Florist Birds OutsideEmily Sprague hat eine Post Pop Depression. Anders als Iggy Post Pop verarbeitet sie die aber so, dass es nicht nach Zynismus klingt. Obwohl The Birds Outside Sang ein Bandprodukt ist, klingt das erste Album von Sprague als Florist wie ihr eigener, trauriger Blick auf ihre eigene, traurige Welt. Kommt einem auch bekannt vor, aber anders als Chan Marshall springt die Depression nicht auf den Hörer über. Dadurch, dass sie ihre Texte selbst schon detachiert und mit einer Mischung aus Poesie und Humor vorträgt, dringt eben das zum Hörer durch und nicht das, was ihn herunterreißt.

Eigentlich wollte ich etwas ganz anderes sagen, aber das ist auch so ein Effekt, den das Hören von The Birds Outside Sang hervorruft. Jeder Versuch, einen Text über das Album zu schreiben, resultiert in einer komplett neuen Review, denn jeder Song ist ein (Achtung Phrasenalarm) eigenes kleines Minimalpop-Poem, das sich textlich, musikalisch sowie in Stimmung und, anfangs, Länge vom Vorhergegangenen unterscheidet. Mal erinnert es an Courtney Barnetts Fähigkeit, an scheinbar unbedeutenden Kleinigkeiten eine ganze Welt aufzuziehen. Der orgellastige und in seiner Schwermütigkeit orgiastische Titeltrack ruft the Microphones in Gedächtnis, „White Light Doorway“ dann Sufjan Stevens, bis hin zur Gesangslinie. Alle Songs sind „moving at a perfect speed“, dem Album ist nichts vorzuwerfen. Außer vielleicht, dass es eine Depression hervorruft, wenn man gezwungen wird, es abzuschalten.


Kedr Livanskiy: January Sun EP

KEDR-JANUARY-SUNThis one is for you, Globalisierung! Kedr Livanskiy ist zwar weit davon entfernt, eine Wunderentdeckung aus dem Internet zu sein – das Projekt der Russin Yana Kedrina ist über das Moskauer DIY-Label John’s Kingdom zu Mike Simonettis (ex-Italians Do It Better) und Mike Snipers (Captured Tracks Gründer) Label 2MR gekommen und dann über Pitchfork zu the Postie; durchaus traditionelle Distributionswege also – aber vor 1990 wäre das Projekt gar nicht erst zustande gekommen.

Einerseits, weil es das Geburtsjahr von Kedrina ist, andererseits, weil die Einflüsse, die sie aufzählt, ihren Weg wohl, hätten sie damals schon existiert, nicht nach Russland gefunden hätten: Death Grips, Inga Copeland, Rashad, Legowelt, die crème de la crème des Darkroom-Techno (bitte nicht als Genrebezeichnung übernehmen). Die January Sun EP hätte auch Taylor Swift-style 1990 heißen können, die Synthesizer und Drummachines klingen arg nach kaltem Krieg. Was January Sun dann doch noch aus der Ecke drogengeschwängerten Drum’n’Bass’/Technos/Trip-Hops herauslöst und in einen zeitgenössischen bedroom producer Kontext verpflanzt, sind die wie Samples übereinander lagernden Vocals. Auf Russisch, versteht sich.


Santigold: 99¢

Santigold_99c99¢ ist Gute-Laune-Musik. Santi White vermischt auf ihrem dritten Album erneut die verschiedenen guten Stimmungen von Reggae, Dance und Pop, wie nur sie es kann. Angeführt von der vermeintlichen Narzissmus-Hymne „Can’t Get Enough of Myself“ zeigt 99¢, wie gut White ihr Selbstvertrauen steht. Der Opener und „Banshee“ (Chorus: „Rip it up, I’m having a good time“) nehmen es glatt mit dem Überhit „Disparate Youth“ auf, die dritte Single „Chasing Shadows“ und „All I Got“ sind in der Rangliste der besten Santigold Songs nur knapp dahinter. Der Rest ist zwar nicht meisterhaft, aber selbst langsamere Songs wie „Walking In a Circle“ und „Who Be Lovin Me“ machen Bock und gliedern sich in das Album ein.

In einer Hinsicht ist 99¢ deshalb auch ein Versagen: Das Album ist textlich von Kulturpessimismus und Sozialkritik geprägt (White: „Wir leben in einer Zeit voller Machtlosigkeit“), trägt darüber aber die Maske der überfröhlichen Musik. Jene Maske hat White dabei so bunt gestaltet, dass die Kritik dahinter glatt verschwindet. 99¢ ist ein Paradox, denn: Eine Maske soll ja zugleich etwas verstecken und die Präsenz des Versteckten durch die Künstlichkeit des Versteckenden andeuten; beim Hören des Albums vergeht einem allerdings jegliche Lust, jene Präsenz anzuerkennen. Man läuft Gefahr, sich wie bei Spring Breakers mit der Maske selbst zufrieden geben. Deshalb: 99¢ mit Vorsicht genießen!

Maifeld Derby hauen Flume in neuer Bandwelle raus

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Außerdem gibt es nähere Informationen zu den Tagestickets.

Da haben die Jungs und Mädels vom Maifeld Derby ja mal einen richtigen Kracher rausgehauen. Kein geringerer als der unfassbar gutaussehende Flume aus Australien kommt als Headliner nach Mannheim. Mit Singles „Holdin On“ oder der neuen Nummer „Never Be Like You“ läuft er in den Clubs und angesagten Playlists in Dauerschleife. Außerdem ist er ganz dicke mit Größen wie Chet Faker oder Disclosure. Wer nicht so auf Hipster-Future-Electro steht für den hat das Maifeld mit den Augustines und Kadavar auch ein paar richtige Gitarrenbands auf ihr Festival geholt die beide großes Live-Potenzial haben.

Weitere Acts sind der vielversprechende Newcomer SG Lewis, sowie Mothers, Keren Ann, Ogoya Nengo, Fai Baba, Tiere Streicheln Menschen (Comedy), Fil Bo Riva, Carolin Callies (Lesung), Blackberries, Pleil, Luna&Lewis. In vorherigen Bandwellen wurden bereits Acts wie James Blake, Daughter, Explosions In The Sky u.v.m. bestätigt.

Informationen zu den Tagestickets gibt’s hier.

Die aktuelle Single von Flume „Never Be Like You“

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