Alle Jahre wieder pilgert jeder, der in der Musikbranche Rang und Namen trägt sowie unzählige Liebhaber schöner musikalischer Neuentdeckungen ein ganzes Wochenende zur Reeperbahn. Um euch die Erstellung eures persönlichen Timetables etwas zu erleichtern, präsentieren wir euch unsere Highlights. Klar, Acts wie Foals oder Feist sind natürlich auch Must-Sees, aber das ist ja vermutlich allgemein bekannt. Deshalb beschränken wir uns in unserer Liste eher auf die kleineren Acts. Unsere ersten 15 Highlights gibt’s in Teil 1:

Amilli

Seit ihrem Durchbruch-Track „Rarri“ aus dem letzten Jahr ist die 19-Jährige  Sängerin Amilli unter Musikfans in aller Munde. Sie gibt dem Rap bzw. R’n’B Game ein frisches Update, indem sie dem üblichen Herumgeprolle mit Ice-besetzten Uhren oder teuren Markenklamotten entsagt. Statt Oberflächlichkeiten geht es der Bochumerin um Authentizität, die sie in frische, exzellent produzierte Beats verpackt.

Mittwoch, 20:10 Uhr – Mojo Club
Donnerstag, 19:00 Uhr – Viva con Agua Hangout Stage

The Screenshots

The Screenshots sind ein Mysterium. Erstmalig live zu sehen waren sie im vergangenen Jahr als musikalische Gäste im Neo Magazin Royale. Auch dort wurde man nicht großartig schlauer, wer hinter Kurt Prödel, Susi Bumms und Dax Werner steckt, konnte man lediglich ihre Silhouetten wahrnehmen. Aber gut, so tragisch ist das auch nicht. Die lockere, punkig angehauchte Musik des Trios, welche mit einer gehörigen Portion Ironie und stellenweise Gesellschaftskritik versehen ist, ist schließlich vollkommen ausreichend.

Mittwoch, 21:00 Uhr – Hanseplatte
Samstag, 20:10 Uhr – Terrace Hill

W.H. Lung

Das Trio W.H. Lung aus Manchester spielt melodische, aber gleichzeitig experimentelle und progressive Musik. Ihr Sound ist dabei irgendwo zwischen Krautrock, Synthie-Pop oder Dance-Punk einzuordnen. Ein gutes Beispiel für den gewaltigen Aufbau der Tracks ist zum Beispiel der Opener „Simpatico People“  ihres vor Kurzem erschienenen Debütalbums „Incidental Music“. Sich über zehn Minuten erstreckend, begibt man sich beim Hören des Tracks auf eine regelrechte Talfahrt.

Mittwoch, 21:00 Uhr – Nochtspeicher

Oehl

Im letzten Jahr veröffentlichte das Indie-Pop Duo bestehend aus dem Wiener Songwriter Ariel Oehl und dem isländischen Multiinstrumentalisten Hjörtur Hjörleifsson ihre Debütsingles „Keramik“ und „Neue Wildnis“. Diese auf den Punkt produzierten, schwebenden Stücke Pop klangen so intim, dass man dachte, sie wären nur für einen selbst produziert worden. Ganz nebenbei, ohne sich groß in den Vordergrund spielen zu müssen, blieben sie im Ohr hängen. Seitdem ist ein Jahr vergangen. Das Duo veröffentlicht inzwischen auf Grönland, dem Label Herbert Grönemeyers und spielt ebenfalls Support auf dessen Stadiontour – ein Aufstieg, der seinesgleichen sucht. Kommende Woche spielen sie im Rahmen des Reeperbahn Festivals zwei kleine Shows. Vermutlich eine der wenigen verbleibenden Chancen, Oehl in so einem kleinen Setting live zu sehen.

Mittwoch, 21:10 Uhr – Indra
Samstag, 00:15 Uhr – Imperial Theater

Bedouine

Die in Syrien geborene und in Saudi-Arabien und den USA aufgewachsene Singer-Songwriterin Azniv Korkejian releaste im Juni ihr zweites Album unter ihrem Künstlernamen Bedouine. Ihr folkiger Chamber-Pop zeugt von einem delikaten Songwriting und lässt den Hörenden schnell auch mal melancholisch werden und in Gedanken versinken.

Mittwoch, 21:20 Uhr – Imperial Theater

Do Nothing

Rest in Peace british Indie, lang lebe britischer Indie! Das schon x-mal totgesagte Genre erfährt aktuell eine Renaissance. Ob Johnson und seine Tory-Vorgänger mit ihrer Politik hier einen maßgeblichen Anteil daran haben, bleibt eine Vermutung. Dennoch tut der Frust auf die Politik und die damit einhergehende Wut den Kulturschaffenden gut. So werden auch bei Do Nothing aus Notthingham Energien ausgesetzt, die wohl oder übel im Pub ausgelebt werden müssen. Darauf ein Pint!

Mittwoch, 21:30 Uhr – Molotow / Club

Culk

Culk spielen intelligenten, shoegazy Postpunk mit vielen kleinen Besonderheiten. Nicht nur der säuselnde, silbenverschlingende Gesang der Sängerin Sophie Löw, auch die poetischen und kraftvollen Lyrics komplettieren die düsteren (Bass-)Gitarren und bilden einen unverkennbares Gesamtprodukt. Im März veröffentlichte das Quartett aus Wien via Siluh Records ihr selbstbetiteltes Debütalbum. Vor ein paar Tagen legte die emsige Band mit „Ruinen“ einen weiteren Track mit Statement nach. Wir hoffen, da kommt dieses Jahr noch mehr.

Mittwoch, 21:45 Uhr – Molotow / Skybar

Catnapp

Dass Die Antwoord in ihrer Weltansicht keine anhörbare Band mehr sind, hat ein geleaktes Video erst kürzlich gezeigt. Gut, dass es Acts wie Catnapp gibt, die avantgardistische Sounds weiterdenkt und nicht auf dem Die Antwoord-Stand der 00er Jahre stehen bleibt. Der Sound auf Songs wie „The Mover“, welcher in Zusammenarbeit mit Modeselektor entstanden ist, ist eine hektische Welt aus RnB, Grime und pulsierenden Bässen.

Donnerstag, 00:00 Uhr – Prinzenbar
Donnerstag, 21:15 Uhr – Moondoo

Say Sue Me

Hört man in das bisherige Werk von Say Sue Me rein, würde man die Band vermutlich eher nach Toronto oder Los Angeles zu Genrekollegen wie Alvvays oder Best Coast verorten. Weit gefehlt, denn das Indie-Pop Quartett kommt aus Busan, Südkorea. Letztendlich spielt es auch keine Rolle, woher sie kommen, denn was sie auf ihrem aktuellen Album „Where We Were Together“ abliefern, kann mit eben jenen Bands absolut mithalten.

Donnerstag, 16:30 Uhr – Spielbude

Drahla

Dass Drahla eine spannende Band ist, scheint nicht nur uns aufgefallen zu sein. Im letzten Jahr kuratierte Robert Smith, seines Zeichens lebende Legende und Kopf von The Cure, das Londoner Meltdown Festival und lud Drahla ein, auf diesem zu spielen. Ihr musikalischer Mix bestehend aus experimentellem Post-Punk und abstrakten Lyrics ist spannend und fordernd zu gleich.

Donnerstag, 19:40 Uhr – Nochtspeicher

Sasami

Inzwischen ist Sasami sicherlich kein Geheimtipp mehr in der Indie-Rock-Welt. Im letzten Jahr spielte die Musikerin aus Los Angeles diverse Supportshows, unter anderem für Szenegrößen wie Snail Mail, Mitski oder Soccer Mommy. In diesem Jahr veröffentlichte sie ihr Debütalbum „SASAMI“ via Domino, welches sie quasi in Eigenregie und ohne großen technischen Schnickschnack aufnahm. Dieses wird sie Rahmen ihrer Europatour auch dem Reeperbahnfestival zum Besten geben.

Donnerstag, 19:45 Uhr – Knust

5K HD

5K HD aus Österreich machen es vor, wie man mit thematischen Konzeptalben umgeht. Die Band hat sich für ihre neue Platte „High Performer“ nicht nur inhaltlich, sondern auch visuell angepasst. In feinster Shutterstock-Optik möchte die Band mit Songs wie „Crazy Talk“ auf den Druck in der Arbeitswelt hinweisen. 5K HD zeigen die Grenzen unserer Gesellschaft auf. Live präsentiert die Band ihre musikalische Vielfalt und entfacht eine manchmal ungeahnte Tanzbarkeit.

Donnerstag, 19:50 Uhr – Indra
Freitag, 15:00 Uhr – N-Joy Reeperbus

Sparkling

Sparkling aus Köln stehen aktuell ganz hoch im Kurs in der Newcomer Szene im Deutschsprachigen Raum. Dabei könnten sie in Zukunft locker auch die Landesgrenzen sprengen, singen sie mal auf Deutsch, mal auf Englisch und auch teilweise auf Französisch. Auch ihre Musik ist dabei nicht auf ein klares Genre zu reduzieren. Insgesamt bleibt sie zwar im groben Bereich Indie-Rock zu verorten, doch mischen sich auch viele elektronische Sounds und poppige Hooks ein. Nach sehnsüchtigem Warten erschien am 23. August endlich ihr Debütalbum „I Want to See Everything“.

Donnerstag, 20:00 Uhr – Kaiserkeller
Samstag, 16:00 Uhr – Spielbude

OTEO

Wie lässig kann Electro-Pop klingen? Die Frage stellt man sich zwangsläufig beim Sound der Kölner Band OTEO. Die beiden Musiker kombinieren mehrere Genres, sind dabei aber immer bedacht die Coffee-Lounge, wie auch den Club abends mit ihrer Musik zu beglücken. Damit passen sie perfekt in Zeiten in denen Insta-Hypes schneller verflogen sind, als ein Duft von Bruno Banani. Im Falle von OTEO spiegelt sich dies in der Musik wieder. Immer wieder fließen neue Nuancen in den Sound mit ein, ohne dass dabei auf die Wurzeln der Band verzichtet wird.

Donnerstag, 22:30 Uhr – Kaiserkeller

Blaue Blume

Die Musik der vier Dänen von Blaue Blume lässt sich nur schwer in Worte fassen. Ihr klar produzierter und progressiver Dream-Pop vermittelt ein Gefühl von Weite, Wärme, aber auch Melancholie. Nicht nur der rangierende Falsettgesang von Sänger Jonas Smith, auch der gekonnte Einsatz von Stille und Lautstärke erinnern dabei vermehrt an die Post-Rock Meisterwerke von Mark Hollis und seiner Band Talk Talk. Nach ihrem Debütalbum „Syzygy“ aus 2015 war es einige Zeit still um die Band. Vor Kurzem kehrte das Quartett mit einem neuen Track namens „Morgensol“ zurück, sodass wir auf ein baldiges Erscheinen eines neuen Albums hoffen.

Freitag, 20:00 Uhr – Sankt Pauli Museum