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Palma Violets feiern Comeback

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Die NME-Schützlinge sind nach zweijähriger Pause wieder zurück im Musikzirkus.

Mit ihrem Debüt „180“ haben sie besonders die britische Presse von sich überzeugen können. Nun sind die jungen Musiker also endlich zurück und geben erste Infos ihres am 01. Mai erscheinenden Album preis. Es trägt den Namen „Danger In The Club“. Aufgenommen wurde es im Rockfield Studio in Wales. Für die Produktion ist John Leckie verantwortlich, welcher auch schon bei den Alben der Stone Roses und Blur seine Finger mit im Spiel hatte.

Die Single, die den gleichen Namen trägt wie das Album wurde gestern bei BBC Radio 1 vorgestellt. „Danger In The Club“ ist eine polarisierende Indie Rock-Nummer, die an alte Zeiten anknüpfen möchte. Der Chorus lässt sich locker noch nach einigen Ale’s trinken und vermittelt so heimliche Pub-Stimmung. Passend dazu zeigt die Band in einem One Take Video den Pub ihres Vertrauens und liefert so Einblicke in das Leben der jungen Briten.

Tracklist:

  1. Sweet Violets
  2. Hollywood (I Got It)
  3. Girl, You Couldn’t Do Much Better On The Beach
  4. Danger in the Club
  5. Coming Over to My Place
  6. Secrets of America
  7. The Jacket Song
  8. Matador
  9. Gout! Gang! Go!
  10. Walking Home
  11. Peter and the Gun
  12. No Money Honey
  13. English Tongue

 

Hier kann man sich das Video zu „Danger In The Club“ anschauen:


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Yannick

 

 

Doldrums teilt „HOTFOOT“

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Die erste Single des neuen Albums The Air-Conditioned Nightmare

In zwei Monaten veröffentlicht Airick Woodhead sein zweites Album unter dem Namen Doldrums. Der Musiker ist Teil der innovativen Montrealer Electroszene um Grimes und Purity Ring und gut befreundet mit Claire Boucher, deren Laptop er sich für sein Debütalbum Lesser Evil ausgeliehen hat. Wie auch Grimes hat Woodhead auf Lesser Evil fragmentierten, sterilen und teils harschen Electro mit eher verträumtem Gesang verschmolzen und sich einen eigenen, außerirdischen Sound geschaffen. Das zweite Doldrums-Album trägt den ominösen Titel The Air-Conditioned Nightmare, nach einer Essaysammlung des amerikanischen Schriftstellers Henry Miller.

Als Vorgeschmack gibt es jetzt „HOTFOOT“ zu hören, die erste Single des am 10. April auf Sub Pop/Cargo Records erscheinenden Albums. Die dröhnenden Sounds kontrastieren auf gewohnt verstörende Weise mit dem verspielten Gesang Woodheads. In einem Statement zum Album spricht der Kanadier von Paranoia und Dystopie und erklärt seine Musik mithilfe seines Geisteszustands: „Anxiety is my default state.“ Die beste Kunst kommt wohl tatsächlich von gequälten Seelen.

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The Air-Conditioned Nightmare:

01 HOTFOOT
02 Blow Away
03 Funeral for Lightning
04 We Awake
05 Video Hostage
06 Loops
07 iDeath
08 My Friend Simjen
09 Industry City
10 Closer 2 U

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„HOTFOOT“:


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Fichon

Premiere: Deafkid – At Bay (Live Session)

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Der Song ist der Abschluss einer spannenden Live Session.

Die beiden Musiker Christopher Lockington und Florian Sauvaire haben sich mit Adam Collier zusammen getan und die Session aufgenommen. Dieser wurden dann von Letzterem bei Beauty And the Bear geschnitten. Die komplette Session kann man sich übrigens hier anschauen. Der Song „The Bay“ ist eigentlich Teil ihrer im letzten Jahr erschienenen EP Dialects und wurde nun in einer puristischen Live-Version gefilmt. Der Clip zeigt die Band mitsamt Instrumenten, die von grellen LED-Lichtern minimalistisch beleuchtet werden.

Deafkid waren früher unter anderem mit dem Rapper Ghostpoet als Liveband on Tour und gelten in London mit ihrem besonderen Sound als Geheimtipp. Letztes Jahr konnte man die beiden übrigens auch in Deutschland bestaunen. Als Support haben sie das Publikum von Oracles einheizen dürfen.

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Hier kann man sich die Live Session zu „The Bay“ anschauen:


 

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Yannick

Dan Deacon – Gliss Riffer

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Dan Deacon schreibt Ekstase mit einem sehr großen E. Das erste, was ich je von ihm gehört bzw. gesehen habe, war ein Ausschnitt seines Konzerts beim Electronic Beats Festival 2013. Während „Of the Mountains“, „Konono Ripoff No. 1“ und „The Crystal Cat“ – und sogar beim Organisieren des Dance Contests – geht der Musiker mit Bart und Brille so dermaßen ab, dass ich ihn direkt auf meine ‚Unbedingt anhören!!!‘-Liste setzte. Zwei Drummer, eine hyperaktive Heliumstimme und quietschbunte Synthesizer – den zuckersüßen Rave vergisst man nicht so leicht. Warum ich mir bis zum Erscheinen der Single „Feel the Lightning“ trotzdem nichts mehr von Dan Deacon angehört habe, ist mir im Nachhinein schleierhaft. Glücklicherweise lag vor ein paar Wochen das neue Album Gliss Riffer im Briefkasten und endlich, endlich!, hat Dan Deacon auch mich erreicht.

Gliss Riffer ist bereits das vierte Album des Musikers aus Baltimore und laut Presse eine Rückkehr zu seinen Wurzeln. Nach dem offiziellen Debüt mit dem herrlich bescheuerten Titel Spiderman of the Rings (vorher veröffentlichte er schon Computerspielmusik und Live-Aufnahmen) beschäftigte Deacon sich vermehrt mit Filmmusik und zeitgenössischer Klassik. Diese Einflüsse fanden ihren Weg auf die beiden nächsten Alben, America und Bromst, und heimsten ihm die Tags „contemporary classical“ und „absurdist composition“ ein. Statt 14-köpfigem Ensemble macht Deacon auf Gliss Riffer nun wieder alles selbst, inklusive des weiblichen Gesangs auf „Feel the Lightning“. Wenn man sich jenen Electronic Beats Auftritt nochmal anschaute, konnte man nur hoffen, dass die Energie sich auch auf dem neuen Album so gut umsetzt.

Verglichen mit Spiderman of the Rings ist Gliss Riffer nicht übermäßig ekstatisch. Zwar feuern die Neuronen im Millisekundentakt, wenn man sich „Sheathed Wings“ oder „Learning to Relax“ anhört, doch gleichzeitig ist die Sensibilität für minimalistische Kompositionen geblieben. Besonders die beiden siebenminütigen Closer „Take It to the Max“ und „Steely Blues“ (beide Songs könnten das Album ausklingen lassen) erinnern an Steve Reich, wenn dieser auf halbem Wege noch abgehackte Vocals in den Mix werfen würde. Der modus operandi mag zwar auf Spiderman of the Rings verweisen und Gliss Riffer ist zugegebenermaßen noch ein Stück weit entfernt von den Synthphonien auf America. In seiner Gesamtheit ist das Album jedoch gezügelter und vor allem poppiger. Die goldene Mitte zwischen Seifenblasen-Rave und minimalistischem „contemporary classical“ ist wohl ein ausgelassener, elektronisch-psychedelischer Glitch Pop, halb Animal Collective, halb John Maus mit einem Hauch von Oneohtrix Point Never. Überlassen wir die Ekstase lieber Spiderman of the Rings und den Live-Auftritten, Gliss Riffer bietet genug Farben- und Formenreichtum für ein überragendes Album.

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Beste Tracks: Sheathed Wings, Take It to the Max

VÖ: 20/02 // Domino Records

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Schaut euch hier das bekloppte Video zu „Feel the Lightning“ an:


Fichon

Hundreds mit „Stones“ Video

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Beziehungskiste im Kopfkino, von Filmstudenten realisiert

Da behaupte noch mal einer, Studenten seien faul und kriegten nichts auf die Reihe. Für den Hundreds Song „Stones“ hat sich ein Filmteam der TH Nürnberg dem Thema Beziehung gewidmet und eine knappe, aber berührende Geschichte um das Lied gesponnen. Ein Mann geht durch einen dunklen Wald, bis er auf eine Bühne stößt, vor der ein einziger Stuhl steht. Verängstigt setzt er sich hin, der Vorhang geht auf, und vor ihm spielt sich die tragische Geschichte seiner Beziehung ab. Irgendwas passt da von Anfang an nicht und nach nur zwei Szenen sieht sich der Protagonist stumm auf der Couch sitzen, während seine baldige Ex ihn anschreit. Der Begriff „Kopfkino“ wird hier wörtlich genommen, man lässt solche Szenen nachher endlos im Kopf ablaufen und ist umso deprimierter, weil man sie nicht ändern kann. Im Video versucht der Protagonist das tatsächlich, er schreit sich selbst an und man liest seinen Lippen „du Idiot!“ und „mach was, bitte, bitte!“ ab, nur ändert das am Ergebnis leider auch nichts.

Die quälende Ohnmacht findet sich auch schon im Song, Eva Milner wiederholt den Satz „We’ve become stones“ bis zur Unerträglichkeit. Das Lied findet sich auf ihrem aktuellen Album Aftermath, mit dem das Duo momentan auf „Tame the Noise“ Tour sind. Wie ein normaler Auftritt der Hamburger Geschwister aussieht, kann man in diesem schönen Video sehen. Die „Tame the Noise“ Tour hingegen versucht, die Kompositionen akustisch umzusetzen, „ohne großes Elektronikspektakel, nur Klavier, Stimme, ein paar Beats.“ Wie das klingen soll? Laut der Band: „Sehr intim. Sehr warm.“ Das Video findet ihr unter den Tourdaten.

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Tame the Noise Tour 2015

13.02.  Rostock, Heiligen Geist Kirche
14.02.  Kassel, Schlachthof
16.02.  Wien (AT), Stadtsaal
17.02.  Nürnberg, Neues Museum
18.02.  Dresden, Schauburg
20.02.  Berlin, HAU 1 (leider schon ausverkauft)
21.02.  Berlin, HAU 1

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„Stones“:


Fichon

Alben des Monats – Januar 2015

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Ein kalter Monat mit vielen herzerwärmenden Momenten.

Das Semester ist vorbei, wir können uns endlich wieder auf unser Lieblingsthema konzentrieren: schöne neue Musik. Das Jahr hat auch gar nicht mal so übel angefangen, mit ein paar coolen Ankündigungen (Hot Chip! Courtney Barnett! Unknown Mortal Orchestra!) und natürlich frisch gepressten Alben. Um Letztere soll es hier auch wieder gehen, nach üblichem Prozedere und ohne weitere Umschweife daher voici unsere Alben des Monats Januar:


Aqualung: 10 Futures

aqualung-10-futuresMatt Hales hat auf seinen fünf Soloalben ein feines Gespür für Songwriting bewiesen. 10 Futures ist da keine Ausnahme. Ganz im Gegenteil, die zehn Songs machen Bombast Pop endlich wieder salonfähig. Mit sieben Gastspots (u.a. von Sweet Billy Pilgrim und Kina Grannis) und Bassgeknarze („Everything“) geht 10 Futures weiter als seine Vorgänger – auch ein Zeichen dafür, dass Aqualung nach den Charts strebt. Hales‘ klares Organ klingt gut, wenn auch manchmal zu stark nach Jamie Woon oder Matthew Hemerlein. Das interessante am Album ist aber eher die Tatsache, dass der Brite mühelos von einem Genre zum nächsten springt. Der Opener „Tape 2 Tape“ fliegt über die restlichen Songs hinweg, doch „New Low“, „Shame on Me“ und „To the Wonder“ sind nichtsdestoweniger sonderbar catchy Poptunes. Manchmal klingt es zu geleckt, wie zum Beispiel wenn in die Ballade „Clean“ die Autotune-Stimme reinrutscht. Man muss zwar den Impuls unterdrücken, sich dafür zu schämen, dass einem 10 Futures gefällt, doch jeder Mensch braucht ab und zu ein Popalbum voller Grandeur.


Dengue Fever: The Deepest Lake

lp-thedeepestlake-lgRockmusik kann so einiges an Einflüssen aufnehmen und verschmelzen. Ob Indien (das White Album), Sudan (Sinkane), Südafrika (BLK JKS) oder Russland (die viel zu unbekannte Olga Bell), Künstler bedienen sich bei anderen Kulturen oder ihren eigenen Wurzeln und kombinieren das mit westlicher Rockmusik. Ein großer Name – fünf Alben, drei EPs und ein Soundtrack – sind auch Dengue Fever, die aber bisher eher außerhalb meiner Wahrnehmung musiziert haben. Umso faszinierender ist ihr neuester Cocktail aus psychedelischer Rockmusik und Kambodschanischem Pop. Die „klassischen“ Rocknummer des Albums („Rom Say Sok“) ist recht unaufregend, doch zum Glück ist der Großteil von The Deepest Lake energetisch, orientalisch und auf spannende Weise ungewohnt. Hitzeflimmern inklusive.


The Dodos: Individ

homepage_large.d2bd1ad9Yes! Erst Something Anorak und Caddywhompus, jetzt ein neues Album von den Dodos! Rauer Lo-Fi Folk Rock kann doch noch was. Das Duo aus Kalifornien lässt auf seinem sechsten Album Individ schon mit „Precipitation“ die sprichwörtliche Sau raus und ist sich nicht zu schade, das Niveau mit den restlichen Liedern durchzuziehen. Logan Kroeber ist an den Drums ziemlich unterwegs, während Meric Long vor allem durch den Gesang brilliert. Bei all dem harschen Getrommel und Geschrammel dient jener als emotionaler Anker, der für das nötige Gefühl, für die starken Emotionen sorgt. „Competition“ hat die Gitarrenfiguren und Gesangslinien von 00er Jahre Indie Rock und beweist, dass das Genre erst tot ist, wenn sich niemand mehr dafür interessiert. Überhaupt wirkt Individ, als befände es sich am letzten Scheideweg dieser Folk Rock-Spielart, wie ein Foto, das zu vergilben beginnt: Noch ist das aktuell, doch die Nostalgie setzt schon ein.


Francisco the Man: Loose Ends

artworks-000089316307-9e7opy-t500x500Ganze sieben Jahre hat sich die Band aus LA für die Fertigstellung ihres Albums Zeit gelassen. Das Resultat heilt jedoch sämtliche Wunden, die durch das lange Warten aufgerissen worden sind. Es ist ein warmer Empfang, der zwar ab und zu an die kühlen Schotten von We Were Promised Jetpacks erinnert. Jedoch gehen Francisco the Man viel unbeschwerter (trotz langer Produktionszeit) an die Sache heran und mischen Genres wie Shoegaze und klassischen Alternative Rock spielend leicht miteinander. Insgesamt ist Loose Ends aber wie ein Flashback in eine Zeit in denen es noch rebellisch war sich Piercings stechen zu lassen. Mit Francisco the Man und ihrem Debüt blickt man jedenfalls gerne in diese Zeit zurück!


Jib Kidder: Teaspoon to the Ocean

TEASPOON-TO-THE-OCEANWo wir gerade bei der Indienphase der Beatles waren: Jib Kidders neues Album Teaspoon to the Ocean klingt auch ganz schön nach Ashram. Sean Schuster-Craig befreit sich über 40 Minuten von allem Weltlichen. Die wabernden Synthesizer und Gitarren kommen daher wie benebelnde Rauchschwaden, als würde Jib Kidder sich über Drogen religiöse Erleuchtungen schaffen wollen. Bizarrerweise klingt Teaspoon to the Ocean nicht so sehr nach dem Produkt eines Musikers auf LSD, sondern vielmehr als würde die Musik selbst durch einen „trip“-Filter gejagt werden. Der Gesang ist verwaschen und windet sich durch die Gehirngänge (besonders auf dem fast zehminütigen „Melt Me“), die Instrumente machen anscheinend, was sie wollen, und auch ein ziemlich unheimliches Saxophon schleicht sich von hinten an („The Waves“). Gleichzeitig bleibt die Musik im Kopf hängen und verlangt, wieder und wieder und wieder gespielt zu werden. Vieles deutet auf Drogenmusik hin, doch Teaspoon ist besser als das: ein Album, das nicht viel verlangt, um zu gefallen. Außer vielleicht Offenheit gegenüber ein bisschen Weirdness.


Panda Bear: Panda Bear Meets the Grim Reaper

Layout_11_A_FINAL_CorrDas fünfte Soloalbum von Noah Lennox ist genauso trippy, wie man es vom Animal Collective Sänger erwartet. Das fängt beim bunt gestreiften Cover an und zieht sich durch Videos, Songtitel und Musik. Während Avey Tare mit seinen Slasher Flicks ein Album voller organisch-orgiastischer Safaris veröffentlicht hat, geht es bei Panda Bear eher um das liquide Klima der Tropen. Songs wie „Crosswords“ und „Boys Latin“ bleiben gleichmütig, anstatt den nächsten Höhepunkt zu jagen. Da kann sich ein Song dann auch mal über sieben Minuten erstrecken („Come to Your Senses“), so verträumt fließt alles dahin. Grim Reaper erinnert in vielen Punkten an Merriweather Post Pavilion, jedoch mit mehr Electro als Pop. Ich glaube, der Grim Reaper hat verloren.


Petite Noir: The King of Anxiety EP

homepage_large.63d7f154Der Vergleich zu Bloc Party liegt bei Yannick Ilunga so nah und doch so fern. Klar kann man sehr viel Kele Okereke im Oeuvre des jungen Musikers heraushören, man tut dies aber nur, wenn man es wirklich will. Denn eigentlich ist die EP von Petite Noir viel zu aufregend und eigenständig, um sie mit anderen Werken zu vergleichen. Der oft undurchsichtige aber erfrischende Sound der Platte wird des Öfteren von Post-Punk-Elementen begleitet und durch die klare und unglaublich abwechslungsreiche Stimme Ilungas geführt. Sie dient als Fremdenführer eines Eindringens in neue Gewässer. Willkommen beim King of Anxiety!


Pond: Man It Feels Like Space Again

2014POND_ManItFeelsLikeSpaceAgain_201014.galleryDer Cousin von Tame Impala macht dem Original große Konkurrenz. Pond geben beim Nachfolgewerk von Hobo Rocket eine psychedelische, farbenfrohe Version von Pink Floyd ab. Den Australiern gelingt bereits beim Albumtitel Man It Feels Like Space Again der Große Wurf. Treffender könnte eine Platte wohl kaum heißen. Den Zuhörer erwartet nämlich eine abgedrehte, spacige Himmelfahrt in die Sphären des Psych-Pops, ja in die Sphären in die MGMT seit ihrem ersten Album versuchen aufzusteigen. Es wird so gekonnt mit Soundeffekten und Reverb-Elementen gedealt,so dass man weder psychedelische Drogen noch Pilze braucht, um sich in einen wahrhaftigen Rausch zu hören.


Viet Cong: Viet Cong

Viet_Cong_self_titled_album_coverEin Album zwischen den Subgenres. Die vier Musiker von Viet Cong toben sich in Spieloasen wie dem Psych oder dem Art und Prog-Rock rum, verstehen es aber, das Gesamtwerk dabei harmonisch aussehen zu lassen. Harmonie ist eh so ein Wort, das dem Album trotz des vielen Lärmes und Krawalls irgendwie gut zu Gesicht steht. Der wummernde Sound ist nämlich nie unbedacht und strapaziert die Hörorgane so auf eine sehr angenehme Art und Weise. Mit diesem Mix sind Viet Cong bereits so früh im Jahr heiße Anwärter auf den Posten der spannendsten Alben des Jahres.


Zun Zun Egui: Shackles‘ Gift

25431-shackles-giftZun Zun Egui haben sich in Bristol getroffen, aber das Quintett hört sich weder nach Drum’n’Bass an, noch besonders britisch. Shackles‘ Gift ist ihr zweites Album, eine explosive Mischung aus Funk, Punk, Art Rock, Noise Rock und Weltmusik mit Wurzeln in Mauritius und Japan. Zun Zun Egui sind massiv wie die Queens of the Stone Age, verrückt wie Battles, hypnotisierend wie die Master Musicians of Bukkake und dann klingt Sänger Kushal Gaya auch noch ziemlich nach Japanoise-Mastermind Yamataka Eye. Shackles‘ Gift ist eins dieser Alben, das man nichts ahnend anmacht, nur um vollkommen überrumpelt zu werden. Der Lautstärkeregler sollte übrigens für das beste Hörerlebnis bis zum Anschlag aufgedreht werden.


Fichon & Yannick

Unknown Mortal Orchestra erfinden sich als Synthie-Band neu

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„Multi-Love“ ist die erste Single des gleichnamigen dritten Albums

Da musste ich erst ein zweites Mal hinhören, ob das tatsächlich der neue Track von Unknown Mortal Orchestra ist. Statt lässigen Gitarren und halbkrautigen Drums hört man auf „Multi-Love“ erstmal nur Keyboard, bevor Ruban Nielson mit seinem unvergleichlich schläfrigen Gesang einen zurück in die Realität holt. Kurz darauf setzt dann auch das Schlagzeug mit einem typischen UMO-Fill ein – doch irgendwie klingt das trotzdem viel zu synthetisch für das Trio, das solche Lo-Fi Hits wie „Ffunny Ffriends“ und „Swim and Sleep (Like a Shark)“ geschrieben hat. Aber gut, künstlerische Neuerfindung gehört in dem Business ja dazu, und tatsächlich sind die Melodien und Harmonien genauso schön wie schon auf dem Debüt und II.

Die House-Anklänge zwischendurch schon ziemlich gewöhnungsbedürftig. „Multi-Love“ ist Geschmackssache, aber man sollte sich drauf einstellen, dass das gleichnamige dritte Album ähnlich innovativ ist. „Es hat sich gut angefühlt zu rebellieren, gegen das typische Bild eines Künstlers und was er heute ist, ein Kurator,“ so Nielson. „Es geht mehr darum jemand zu sein der Dinge auf konkrete Arten möglich macht. Alte Synthesizer zu bauen und sie wieder zum laufen zu bringen, Sounds zu kreieren die nicht wie die von anderen klingen. Ich denke das ist viel subversiver.“ Meinen Geschmack trifft es, deshalb werde ich mir den 22. Mai auch im Kalender anstreichen – da erscheint nämlich Multi-Love.

Multi-Love

01 Multi-Love
02 Like Acid Rain
03 Ur Life One Night
04 Can’t Keep Checking My Phone
05 Extreme Wealth and Casual Cruelty
06 The World Is Crowded
07 Stage or Screen
08 Necessary Evil
09 Puzzles

Hört euch hier den Titeltrack an:


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Fichon

All We Are – All We Are

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Kennt ihr das Gefühl, wenn am Anfang eines Abends noch niemand auf der Tanzfläche ist, dann aber euer Lieblingslied kommt und ihr euch nicht so recht auf die Tanzfläche traut? So in etwa klingt das Debütalbum des kosmopolitischen Trios aus Liverpool. Die Band, die sich während Studienzeiten kennengelernt hat, versteht es dabei aber so verdammt elegant auszusehen, dass man es ihnen nicht übel nimmt, dass sie so zaghaft das Tanzbein schwingt. Mit ihrem verträumten „Intro“ macht die Band nämlich schnell deutlich, dass sie sich eher in die Riege der Alt-Popper und Geometrie-Fetischisten von Alt-J zählt.

Bei „Stone“ merkt man dann jedoch, dass All We Are zu den ‚coolen Kids‘ gehören, die immer cool angezogen sind und auch sonst so unwahrscheinlich weit weg (im Grad der Coolness) zu sein scheinen. In dem Track findet sich eine gemäßigte Portion an Funk wieder, die sich wie ein Segen immer mal wieder an manchen Ecken des Debüts wiederfinden lässt. „Feel Safe“ ist dann eigentlich die logische Steigerung davon und kommt im reduzierten R’n’B-Look daher. Der Sound von All We Are ist eh dermaßen Haute Couture, dass man sich wundern muss, dass sich die Designer noch nicht um die Songs des Trios gerissen haben. „Honey“ mag dann im Gegensatz zwar noch so süß daherkommen, überzeugen kann der Track dann leider doch nicht.

Es ist der Moment am Abend, wenn der DJ sich sicher ist, dass das Publikum ausrasten wird und nach einer gefühlten Minute dann doch jeder an der Bar sein nächstes Bier, pardon, seinen nächsten Gin Tonic bestellt. Hat man den aber erst einmal ausgetrunken, kann man bei „I Wear You“ endlich ausgiebig tanzen. Auch hier erwartet einen zwar noch immer keine Up-Tempo-Nummer, doch die einfachen Lyrics und der elegante Funk machen den Song zum wahrscheinlich stärksten auf dem ganzen Album. Der Höhenflug des Album nimmt mit „Keep Me Alive“, wie soll es auch anders sein, kaum ab. Danach geht es dann wieder ruhiger zu und man merkt so langsam, dass der Band die songschreiberischen Ideen ausgehen. Songs wie „Something About You“ kommen in den ersten zwei Minuten zwar sehr gut an, wirken dann durch die manchmal etwas laschen Lyrics doch etwas leer.  So ist es heutzutage leider oft mit den ‚coolen Kids‘. Sie stehen sich selbst im Weg und kommen einfach nicht so richtig aus sich heraus. So haben All We Are zwar am Ende des Tages ein elegantes Alt-Pop-Album an den Tag gelegt, müssen aber in Zukunft beweisen, dass sie auch dazu fähig sind ihre eigens gezogenen Grenzen zu überschreiten.

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Beste Tracks:  Feel Safe, I Wear You, Keep Me Alive

Vö: 03/02 // Domino Records


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Yannick

Egyptian Blue

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Die Band macht einen Sprung durch die Musikgeschichte.

Bei den vier Musikern aus Ipswich merkt man gleich, dass man es hier mit richtigen Nerds zu tun hat. Trotz ihres jungen Alters besitzen Egyptian Blue bereits die Fähigkeit sich aus jedem Zeitalter etwas für sich selbst rauszupicken. So klingt der Refrain in „Hearts Of Gold“, so sehr nach dem goldenen Indie-jahr 2004, dass man sich arg wundert, wenn man liest, dass der Song keine zwei Monate alt ist. Auf ihrer Coma Chain EP verarbeitet die Band aber außerdem noch Eindrücke aus dem Post-Punk und dem Stoner Rock, die sie in eine tolle Lo-Fi-Hülle verpackt.

Herausstechen tut aber eine Nummer, die wohl eher in die psychedelische Richtung abwandert. Auffallend düster kommt bei „7 Years“ das sonst so feuchtfröhliche Hippie-Genre bei Egyptian Blue beim Zuhörer an und wiegt wie eine schwere Last auf einem, die man so erst einmal verdauen muss. Der sich wie eine Schaltuhr immer wieder wiederholende Gitarrenriff schindet hier besonders Eindruck und so trägt man den Song auch noch eine Zeit lang später mit sich rum. In Zeiten wo Bands wie Peace oder Swim Deep über die scheinbar heile Welt singen, sind Egyptian Blue eine willkommene Abwechslung.

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Für Fans von: The Blue Angel Lounge, TOY, Ty Segall

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Yannick