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Bitte, wer? FJAAK!

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Samstag, 28.11.2015: Techno, wie man ihn nur in Berlin macht.

Wer Berlin und Musik sagt, muss automatisch Techno sagen. FJAAK, ein Trio aus der Hauptstadt, machen genau das: pumpenden, organischen Tanz-die-Nacht-durch-Techno mit genau dem richtigen Anteil House- und Breakbeat-Einsprengsel. Letztes Jahr sind sie noch kurz zum Label 50Weapons gekommen, das bald aber schließen wird. Die Jungs von Modeselektor haben ihnen jedenfalls den Daumen hoch gegeben, man wird ihr im Herbst erscheinendes Debüt also sicher bald bei Monkeytown o.ä. finden. Wer, wie wir, zu jung ist, die glorreichen 90er in Berlins Technoszene noch miterlebt zu haben, findet in FJAAK den perfekten Ersatz. Im Anschluss an das Konzert von David Moore legen die drei zusammen mit den Blank-DJs im Saal auf.

Schaut euch hier das Video zu „Unten“ an:


Bitte, wer? David Moore!

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Samstag, 28.11.2015: Pianogeschichten.

Was dem Prêt à écouter 7 sein Lambert, ist dem Prêt à écouter 8 sein David Moore. Der Pianist, der Teil des New Yorker Ensembles Bing & Ruth ist, stattet im Rahmen seiner Solotournee auch dem Karlstorbahnhof einen Besuch ab. Fast genau ein Jahr nach Lamberts verzauberndem Konzert schickt sich Moore an, dem rockig-elektronischen Programm ein Gegengewicht in Form eines Flügels entgegenzusetzen. Ob es neues Bing & Ruth Material zu hören geben wird – mit dem Ensemble ist Moore im Dezember ebenfalls unterwegs – ist noch unklar, aber recht wahrscheinlich. Moores Kompositionen können sich oftmals nach Soundtrack anhören, aber wenn man sich konzentriert, entdeckt man kleine Geschichten in den Melodien und in den Harmonien große Gefühle.

Schaut euch hier eine Take Away Show von David Moore an:

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Bitte, wer? Kodiak Deathbeds!

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Donnerstag, 26.11.2015: Gitarre, Bass, Gesang, Glückseligkeit

Ob groß oder klein: Der rote Faden bei jeder Ausgabe des Prêt à écouter ist der Geheimtipp-Status der Bands. Ob Zola Jesus 2011 oder Benjamin Clementine bei der letzten Ausgabe, es gibt immer Neuentdeckungen – für das Publikum und oft ein, zwei Jahre später für die Musikpresse. Dieses Jahr scheinen uns Kodiak Deathbeds die zukünftigen Newcomer des Jahres zu sein.

Amber Webber aus Vancouver und Derek Fudesco aus Seattle bewegen sich zwar ganz klassisch im Singer-Songwriter Bereich – Gitarre, Bass, Gesang und das war es auch schon – aber das mindert mitnichten die Emotionen, die sie mit ihren Klängen erzeugen. Beide haben sich in anderen, rockigeren Bands (Lightning Dust, Black Mountain und the Cave Singers) schon austoben können, mit Kodiak Deathbeds ist jetzt die gefühlvolle Ruhe dran. Holt die Feuerzeuge (und bitte, bitte nicht die Smartphones!) raus und lasst euch verzaubern.

„Against the Wind“:


 

Bitte, wer? Ariel Pink!

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Freitag, 20.11.2015: Alles außer unspektakulär.

Stichwort: Hypnagogic Pop. Ariel Pink, bürgerlich Ariel Rosenberg, ist der Hauptvertreter dieses Genres, das halb Popmusik, halb musikgeschichtliche Psychoanalyse zu sein scheint. Das klingt nach Mainstream Radio aus den 70ern, käsigen Synthesizern aus den 80ern und neo-Beatles-Pop aus den 90er und 00er Jahren. Mit seiner Band Haunted Graffiti hat er zwei Alben veröffentlicht, nachdem er viel Furore mit Tapes unter demselben Namen gemacht hatte.

Stichwort: Provokation? Wegen mehrerer Aussagen in Interviews wird Pink von manchen als Macho und misogyn wahrgenommen. Manche Textstellen verstärken diesen Eindruck, gleichzeitig stellt der Kalifornier mit seinem durchgedrehten Weirdo-Charme das Bild von Männlichkeit in Frage. Pink ist mit Azealia Banks befreundet – ein weiterer Hinweis darauf, dass die Grenzen zwischen Unbedachtheit und Provokation fließend verlaufen. Ob er lediglich ein Troll ist oder nicht, muss jeder für sich selbst entscheiden.

Stichwort: Stil. Während Pink ganz gerne in Glam-Outfits herumläuft und mit „Round and Round“ einen der besten „songs to have sex to“ geschrieben hat, ist er oft eher der Freak, der in der Schule immer gehänselt wurde und Trost in der Musik Gleichgesinnter gesucht hat. Die Early Live Recordings sind kaum mehr als primitive Töne und Rhythmen mit Texten zwischen erbärmlich und David Bowie; auf dem aktuellen Album pom pom hingegen zeigt sich Ariel Pink als musikalischer Allesfresser und Syd Barrett Reinkarnation. Man mag von ihm halten, was man will, nur eins wird das Konzert nicht: unspektakulär.

Hört euch hier „Lipstick“ an:


Bitte, wer? Deerhunter!

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Montag, 16.11.2015. Von Veteranen keine Spur.

Wer sich sieben Studioalben auf sein Konto schreiben kann, muss eigentlich niemandem mehr etwas beweisen. Und doch hat der Act aus Atlanta vor einigen Wochen mit dem Album Fading Frontier mächtig für Furore gesorgt. Kritiker wie Fans lagen (oder liegen) der Band zu Füßen. Kein Wunder, denn die Platte ist noch weitaus ausgewogener als der Vorgänger Monomania. Lang nicht mehr so raus und manchmal unbeholfen, eher elegant und zielstrebig kommt Fading Frontier daher. Bradford Cox, Moses Archuleta, Josh Fauver und Lockett Pundt werden euch mit ihren schnellen Gitarren also höchstwahrscheinlich schnell zum Wackeln und Schütteln bringen.

Ihr merkt also schon, dass man bei Deerhunter schnell mal dazu neigt ins Schwärmen zu geraten. So muss es auch den Veranstaltern des Karlstorbahnhofs ergangen sein, sonst hätten sich sie wohl kaum derart um die Band bemüht. Die Band gibt auf seiner Tour durch Deutschland nämlich bis auf Berlin nur das Konzert in Heidelberg und so kann man sich wieder mit den Großen des Landes messen. Eines steht also fest: der Monday Blues ist am besagten Montag spätestens gegen Abend, wenn die Herren in die Saiten hauen Geschichte.

Hier kann man sich die Single „Breaker“ anhören:

Bitte, wer? Rangleklods!

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Mittwoch, 25.11.2015: „Your head’s in the clouds.“

Da hat sich die englischsprachige Musikpresse aber einen großen Schnitzer geleistet. Außer von Noisey und the Line of Best Fit wird Rangleklods dort einfach mal ignoriert, als hätte Esben Andersen keine zwei grandiosen Alben und eine EP auf seinem curriculum musicae vorzuweisen. Zusammen mit Pernille Smith-Sivertsen bespielt Andersen seit rund fünf Jahren (als Myspace noch ein Ding war) die Konzert- und Festivalbühnen Europas, zuletzt auch ein Late-Night-Set auf dem Maifeld Derby. Jenes haben wir leider verpasst, deshalb nutzen wir die Gelegenheit, sie im Karlstorbahnhof zu sehen, umso mehr.

Mit im Gepäck haben sie ihr neues Album Straitjacket, das gerade mal ein halbes Jahr alt ist und die beiden Hammersingles „Lost U“ und „Schoolgirls“ beinhaltet. Meine einzigen Erinnerungen an Rangleklods live sind leider etwas getrübt – es war ein Festival, denkt euch den Rest – aber was hängen geblieben ist, ist das Gefühl, dass Andersen seinen Electropop live ziemlich massiv über die Bühne bringt und ein Drang, sie noch einmal sehen zu müssen. Falls ihr noch unentschlossen seid, hier eine kleine Einführungsplaylist:

Clouds
Schoolgirls
On Top + In Charge
Dry Me Out
Puzzlehead
Lost U
Young & Dumb
Straitjacket
Nerves

Rangleklods Mini-Einführung:


iZem

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Weltmusik für Chiller

Chillout- und Afrobeat-Fans, haltet euch fest: iZem ist der neue Bonobo. Der Franzose Jérémie Moussaid Kerouanton webt die federleichten Beats und jazzigen Sounds so gekonnt zusammen wie sonst nur der alte Hase Simon Green. Kein Wunder, dass Mount Kimbie einen Track des Produzenten und DJ in ihrer Radioshow gespielt haben. iZems Kompositionen besitzen den gleichen entspannten Groove wie Mount Kimbies weniger clublastige Songs, wenn auch in nicht so komplex. Nach zwei EPs hat Kerouanton im Juni sein Debütalbum Hafa veröffentlicht.

„Sadeo“, der erwähnte Track, zeigt außerdem, was das Besondere an iZems Musik ist. Er gehört nämlich laut Funkhaus Europa zu einer „jungen Global Pop Szene“, die Klänge aus Südamerika, Afrika, Südeuropa und Asien mit der für gewöhnlich als „westlich“ bezeichneten Musik vermischt. Auf „Sadeo“ zum Beispiel ist Emma Garnett zu hören, eine Sängerin aus Sierra Leone, die die Afro Soul Band Feather anführt; Yolanda Reyes aus Mexiko verziert „Belén“ mit ihrem Gesang und die Irisch-Malaysierin Aminah Dastan von Madu ist sogar bei zwei Songs dabei. Wir empfehlen, iZem und seinem Global Pop in einer ruhigen Stunde mal beide Ohren zu schenken.

Für Fans von: Black Seeds, Black Sands, Black President

English version

Chillout and afrobeat fans, watch out: iZem is the new Bonobo. Frenchman Jérémie Moussaid Kerouanton weaves featherlight beats and jazzy sounds together so skilfully, like no one’s been able to since Simon Green. No wonder Mount Kimbie played a track by this producer/DJ on their radio show. iZem’s compositions have that same relaxed groove you may find in some of Mount Kimbie’s less club-heavy songs. After two EPs, Kerouanton released his debut album Hafa in June.

In addition, our selected track,“Sadeo”, shows what’s so remarkable about iZem’s music. According to Funkhaus Europa he’s predominantly part of the „young global pop scene“, which mixes sounds from South America, Southern Europe and Asia with music commonly referred to as „Western“ music. On “Sadeo” for example, Emma Garnett can be heard, a singer from Sierra Leone, who heads the afro-soul band Feather; Yolanda Reyes from Mexico decorates “Belén” with her vocals, and Madu’s Irish-Malaysian Aminah Dustan even features on two songs. We recommend giving both your ears the gift of a quiet night in listening to iZem’s global pop.

„Sadeo (feat. Feather)“:


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Englische Version: Rachel

Clock Opera sind zurück

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„Changeling“ ist der Vorbote für das zweite Album

Clock Opera sind gestern wie aus dem Nichts mit einem neuen Song aus den Aufnahmesessions aufgetaucht. „Changeling“ ist die erste Single vom kommenden zweiten Album der Londoner Band, die inzwischen auf ein Trio geschrumpft ist. Nach einem viel zu wenig beachteten Debüt vor drei Jahren und einer Crowdfunding-Kampagne im Frühjahr kam Ende September ganz unaufgeregt die Nachricht, dass Album Nummer Zwei – bis jetzt ohne Titel – fertig gemischt sei.

Gestern dann gab es die Premiere von „Changeling“, das einem mit seiner Mischung aus drängendem Indie Rock, elektronischen Elementen und der unverwechselbaren Stimme von Guy Connelly direkt das Herz erwärmt. Dem Song nach zu urteilen, hat sich bis auf ein bisschen mehr Wucht nicht viel geändert seit Ways to Forget. Umso besser, war jenes Album doch schon ziemlich mitreißend. Im Dezember kommen Clock Opera im Vorprogramm von Maximo Park nach Deutschland und 2016 hoffentlich wieder auf die Festivalbühnen. „Changeling“ findet ihr nach den Tourdaten.

Clock Opera live:

05.12. – Hamburg, Uebel & Gefährlich
07.12. – Berlin, Kesselhaus
09.12. – Köln, Essigfabrik
10.12. – München, Backstage Werk
11.12. – Amsterdam (NL), Melkweg

„Changeling“:


 

Bitte, wer? The Jon Spencer Blues Explosion!

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Mittwoch, 18.11.2015: Der Name ist Programm.

„That’s right, blues explosion!“ Als sei der Name nicht schon hart genug mit dem Zaunpfahl ins Gesicht geschlagen, verraten uns the Jon Spencer Blues Explosion auf dem ersten Song ihres neuen Albums, was Sache ist. „Funeral“ besteht nur aus Phrasen wie „Psychedelic!“, „I wanna know right now, who’s ready to do it?!“ und „Countdown! Here we go! 5 4 3 2 1!“ Die Ausrufezeichen spricht Gitarrist und Sänger Jon Spencer selbstredend mit. Die Blues Explosion gründete Spencer 1991 mit Judah Bauer (Gitarre, Mundharmonika und Gesang) und Russell Simins (Drums), seitdem gab es keine Änderungen im Line-Up. Nach einer siebenjährigen Pause kehrte das Trio mit Meat + Bone zurück, im März erschien das zehnte Album Freedom Tower – No Wave Dance Party 2015.

Das Live-Gehabe von Spencer, das an the Hives Frontmann Pelle Almqvist erinnert, ist mindestens amüsant, im besten Falle elektrisierend. Musikalisch gestaltet sich das außerdem noch abwechslungsreicher als bei den Hives, man findet Elemente von Noise Rock, Soul und sogar ein bisschen R&B. Die goldene Ära des Blues Rock ist trotz den Black Keys leider vorbei, aber es geht doch nichts über ein bisschen nostalgisches Hüftenschütteln vom selbsternannten „funkiest man alive“.

„Wax Dummy“: