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5 Acts, die man auf dem Elektrik Pony Cup nicht verpassen sollte

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Vom 30. September bis zum 01. Oktober findet die zweite Edition des Mannheimer Indoor-Festivals von den Machern des Maifels Derbys statt.

Oum Shatt

Oum Shatt wird Uhm Shatt ausgesprochen und ist Programm. Es klingt wie ein Stampfen, wie ein sich Schütteln, wie Bewegung im Takt. Das alles verkörpert die Band aus Berlin. Die Band hat also geschafft woran sich Musikjournalisten und Kenner die Szene ausbeißen. So richtig fassen und plakativ in eine Schublade stecken kann man den Sound der Band nämlich nicht. Zu Komplex ist der Mix aus New Wave, Doors-Romantik und arabisch anmutenden Klängen. Bei aller Vielfalt gelingt es der Band trotzdem ein gemütliches Pop-Gebilde auf die Beine zu stellen das Spaß macht und weitaus weniger anstrengend ist, als man vermuten würde.

Samstag, 21:20 – 22:05, Keller

Baby Galaxy

„Holland ist die geilste Stadt der Welt“, ist ein Zitat aus einem beschissenen Song von einer limitierten Rap-Kombo und passt eigentlich nicht so richtig zu The Postie. Die Line umschreibt trotzdem relativ gut was momentan in den Niederlanden musikalisch so abgeht. Baby Galaxy sind nur eine von vielen jungen Gitarrenbands, die es ihren britischen Kollegen nachmachen und gescheite Popmusik für raue Zeiten am Fließband produzieren. Wer Pete & The Pirates, Teleman und The Rakes feiert wird diese vier Jungs aus Maastricht lieben.

Freitag, 20:00 – 20:30, Keller

Bombay

An der Stelle können wir eigentlich gleich weitermachen mit den talentierten niederländischen Bands. Bombay sind das momentane Aushängeschild der Szene in den Niederlanden. Mit ihrem Album Show Your Teeth hat die Band uns außerdem eines der besten Platten des Jahres beschert. Ihre energiegeladenen Shows haben sich mittlerweile auch im Rest von Europa herumgesprochen und so ist die Band mittlerweile Stammgast auf jedem großen Festival. Nun darf also auch endlich Mannheim die Ausnahmekönner in Empfang nehmen.

Samstag, 22:05 – 22: 50

Golf

Was soll man über Golf noch groß sagen? Jedes Mal, wenn einer ihrer Song in irgendeiner Playlist von uns auftaucht, taucht auch gleich Sonnenschein und gute Laune auf. Wer Golf nicht feiert, hat den guten Geschmack nie geliebt! Mehr bleibt uns zu der Kölner Band eigentlich nicht zu sagen. Wer doch noch etwas mehr erfahren möchte, kann sich folgenden Artikel reinziehen: Warum die besten Indie Platten dieses Jahr aus Deutschland kommen.

Freitag, 21:40 – 22:00, Saal

Yung

Yung Lean, Yung Hurn oder einfach nur Yung. Ihr Name lässt wohl erst an den momentanen Cloud-Rap erinnern, dabei hat der Surf-Punk-Sound recht wenig mit Pillen und Bianco zu tun. Kopf der Band ist der charismatische Mikkel Holm Silkjær, der seit etwas fünf Jahren an den Texten für Yung tüftelt und auch den Sound immer weiter voranbringt und eigene Noten mit einbaut. Die jungen Dänen bringen Brückenaward Feeling auf den Elektrik Pony Cup. Es darf also gerangelt werden!

Samstag, 22:50 – 23:40, Keller

Karies mit neuem Album und Tour

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Der Zweitling der Stuttgarter Post-Punker erscheint im November

Und schon sind wir wieder bei Szenen. In und um Stuttgart gibt es eine sehr aktive (Post-)Punkszene, deren prominenteste Vertreter zurzeit die Nerven sind. Julian Knoth, Sänger des Trios, ist mit Philipp Knoth von Karies verwandt, die wiederum gerade ihr zweites Album angekündigt haben. Wie die Nerven und die andere bekannte Band der Szene, Human Abfall, haben auch die vier Freunde der Zahnfäule „Keine Zeit für Zärtlichkeit“. Stattdessen gibt es bedrückende Bassrhythmen und kalte, schneidende Gitarren der Marke Joy Division.

Es geht sich aus folgt auf eine selbstbetitelte EP und das Debütalbum Seid umschlungen, Millionen. Erscheinungstermin ist im November, wenn sich die Augenbrauen nach unten ziehen und allgemeine Schwermut einsetzt. Genauer, der 4. November, auf dem geschätzten Hamburger Label This Charming Man. Im Anschluss an die Releaseparty im Stuttgarter Goldmarks sind Karies dann mit Es geht sich aus auf Tour, die Termine sowie das Video zu „Keine Zeit für Zärtlichkeit“ findet ihr unten.

Karies live:

04.11. – Stuttgart, Goldmarks
09.11. – Dresden, OstPol
10.11. – Leipzig, Café Manfred
11.11. – Berlin, West Germany
12.11. – Hamburg, Hafenklang
13.11. – Köln, Privat
15.11. – Trier, Ex-Haus
16.11. – Wiesbaden, Kreativfabrik
17.11. – Nürnberg, K4
18.11. – Würzburg, Cairo
19.11. – München, Glockenbachwerkstatt

Alben des Sommers 2016

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Das Beste aus den letzten drei Monaten

Während alle busy waren, haben wir bei The Postie eine kleine Auszeit gemacht. Zum falschen Zeitpunkt, wie sich herausstellte. Radiohead sind fünf Jahre nach The King of Limbs endlich wieder mit einem sehr guten Album aufgetaucht. Metronomy, DM Stith, Swans, Wild Beasts, BADBADNOTGOOD und Gonjasufi melden sich ebenfalls mit überzeugenden neuen Platten zurück.

In Deutschland ging es auch hoch her: Niklas Kramer, die deutsche Antwort auf Kevin Parker, hat seine Debüt LP als Still Parade veröffentlicht, genauso wie Marius Lauber aka Roosevelt; Sea Moya treiben mit ihrer Baltic States EP die Erwartungen an deutsche Newcomer noch höher; die Heiterkeit stellen sich mit Pop & Tod I+II große Fragen vor dem Hintergrund kleiner Musiken. Von Sommerloch kann also (mal wieder) keine Rede sein. Im Folgenden unsere Highlights aus den letzten drei Monaten.


Die Heiterkeit: Pop & Tod I+II

„Die Kälte“, „Im Zwiespalt“, „Vergessen“ – das dritte Album von der Heiterkeit platzt vor lauter Schwermut. Oder eher vor lauter Andeutungen, dass man sich nach dem Hören von Pop & Tod I+II schwermütig beziehungsweise melancholisch fühlen wird. Wenn man nämlich über den Bariton von Stella Sommer und die eindeutigeren Weltschmerz-Textzeilen hinweghört, ist es vor allem der an Element of Crime erinnernde Irgendwie-Doch-Optimismus in der Musik, der einen in einen Zustand der Heiterkeit versetzt. Am besten, man lässt sich von dem Doppelalbum mitreißen in den Strudel zwischen moribunder Atmo und großen Popmelodien.


Mala: Mirrors

Nach fünf Jahren Untergrund im UK, sechs Jahren Aufstieg zum Mainstream in Clubs und Radios aller Länder und weiteren sechs, in denen von London aus ein Songwriter den Stil salonfähig (und stilübergreifend interessant) macht, während auf der anderen Seite des Atlantik ein ehemaliger Post-Hardcore Sänger das Ganze auf amerikanisch-übertriebene Art zu einem orgiastischen (und von den Außenstehenden größtenteils verachteten) Phänomen hochzieht, ist Dubstep im Jahre 2016 kaum noch ein Gesprächsthema. Wie so oft zog die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit einer Horde Termiten gleich über die Musik her, die uns Burial, Skream und Digital Mystikz gegeben hat.

Der Großteil jener Produzenten hat seit drei Jahren nichts mehr veröffentlicht. Umso erstaunlicher daher, dass Mala, eine Hälfte der Digital Mystikz, im Juni ein von peruanischen Rhythmen beeinflusstes Album namens Mirrors veröffentlichte – und das sogar frischen Wind in das aus dem Relevanzschrank aussortierte Genre bringt! Neben einem akustischen (!) Song mit der Sängerin Danitse aus Lima ist auf „Zapateo“ – der Name eines peruvianischen Tanzes, dem Chicagoer Footwork im Grunde sehr ähnlich – die Fußpercussion des Colectivo Palenke zu hören. Während Mala In Cuba Dubstep wieder wie den ihm zugrunde liegenden Dub in den Antillen verortete (von Jamaika über Bristol nach Kuba), lässt Mirrors darauf schließen, dass seine Zukunft anderswo liegt, in Peru und, wer weiß, darüber hinaus…


Mitski: Puberty 2

„Ihr habt es leicht, früher war alles viel schwieriger,“ sagen uns die Eltern und Großeltern. Klar, dank Facebook, Bafög, Interrail und Erasmus können sich die digital natives und sonstige Angehörige der Generation Y mehr oder weniger ungehindert durch digitale und reale Regionen bewegen. Das Eintrittsalter in die Berufswelt erhöht sich immer weiter, Geld ist für die Generation, die alles hinterfragt, auch nicht mehr so wichtig. Aber ohne Beruf und Familie fallen auch Orientierungspunkte weg. Die zwischen 1984 und 2000 geborenen befinden sich gerade in einer Situation zwischen Jugend und Erwachsenenleben.

Mitski Miyawaki, Baujahr 1990, hat dieser zweiten Pubertät der Mittzwanziger ein ganzes Album gewidmet. Und welche Anhaltspunkte passen da besser als College Rock, Grunge und der leicht leiernde Gesang von Indie Singer-Songwritern? Von der Musik ihres Geburtsjahres aus drängt sie in alle möglichen Richtungen, von denen Menomena’sches Saxofon-Staccato („Happy“) und Autotune („Thursday Girl“) nur die entferntesten sind. Mitski, das hört man ihr sofort an, ist nicht sorglos, auch wenn sie scheinbar ohne Anstrengungen für jeden Song die Haut des vorigen ablegt. Heute ist vieles leichter, aber Sorgen gibt es immer.


Radiohead: A Moon Shaped Pool

Wer hätte gedacht, dass Radiohead nochmal mehr als ein Abklatsch von Thom Yorkes Ausschweifungen im Electrobereich sein können? A Moon Shaped Pool, das neunte Album der Briten, hat die einst vom Musikexpress als „Motor der Moderne“ bezeichnete Band nach viel Lob für die Releaseformate endlich wieder musikalisch relevant gemacht. Und das, obwohl die elf Songs hauptsächlich von den Streicherarrangements von Jonny Greenwood getragen werden und zu einem großen Teil sehr verhalten zwischen Electronica und Kunstpop schweben. Radiohead gibt es nun seit 31 Jahren, Songs wie „True Love Waits“ und die erste Single „Burn the Witch“ stammen noch aus dem letzten Jahrhundert. A Moon Shaped Pool zeigt, dass sie nichts von ihrer frühen Größe verloren haben.


Still Parade: Concrete Vision

Gefühlvoller Funk Pop im Stile von Tame Impalas Currents, dazu noch aus den heimischen Gefilden? Vorhang auf für Niklas Kramer aus Berlin. Der als Still Parade seit drei Jahren durch das Indie-Orbit schwebende Musiker hat im Juni sein Debütalbum veröffentlicht. Das hört auf den Namen Concrete Vision und enthält wunderbar unkonkrete Tagträumerlieder. Die Gefühlsspanne reicht dennoch vom beschwingten „07:41“ über den sommerlichen „Walk In the Park“ zum defätistischen „Everything Is Going Down (Again)“. Ein Muss für alle, die gerne mit einem Hauch von Traurigkeit im Blick den Horizont anstarren und ihre Gedanken vagabundieren lassen.


Swans: The Glowing Man

Die neuen Swans haben allein wegen der Massivität ihrer Musik schon gewonnen. Songs, die bis zu 34 Minuten lang sind, drei Alben mit jeweils zwei Stunden Laufzeit, ganz zu schweigen von der monochromen, ausgedehnten und repetitiven Natur der Songs selbst. Die Resultate von Michael Giras Reinkarnation sind im wahrsten Sinne überwältigend. The Glowing Man, das vierte Album seit der Wiedergeburt der No Wave Pioniere, soll das vorerst letzte in dieser Formation sein. Mit acht Songs über 118 Minuten (das sind durchschnittlich 14,5 Minuten pro Song) und einem Gefühl von Zufriedenheit ist es ein würdiger Abschluss für diese Periode der Swans.

https://www.youtube.com/watch?v=jFHQiYvuVlM


Whitney: Light Upon the Lake

Diejenigen unter euch, die wie ich über die Tatsache, dass Julien Ehrlich bei Unknown Mortal Orchestra an den Drums saß, auf Whitney gekommen sind, werden sich angesichts der Single „No Woman“ erstmal am Kopf gekratzt haben: zwar lo-fi, wie das Debüt des Orchesters um Ruban Nielson, aber überhaupt nicht funky. Stattdessen gibt der Opener von Light Upon the Lake einen Einblick in jenes Paralleluniversum, in dem Nielson, Justin Vernon und Dan Bejar dieselbe Person sind. Die 26 Minuten, die auf „No Woman“ folgen, schillern dann tatsächlich in jenen drei Farben – discogold, Bon Iver-grün und das verwaschene Grau der Cover der letzten drei Destroyer Releases. Mit solch einer Flagge muss man sich nicht hinter den gestandenen Größen verstecken.


Auf der nächsten Seite: Juli und August


11 Alben, auf die wir uns im September freuen

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Fast wäre es ein Dutzend gewesen, Frank

Vorbei das Sommerloch, wir können wieder vorausblicken. Der September verspricht eine Handvoll hochkarätiger Neuerscheinungen, fast alle von altbekannten Favoriten (Blondage und Preoccupations sind lediglich neue Inkarnationen alter Bands). Unsere sehr subjektive Auswahl enthält von Indie Rock, Art Rock und Psych Pop bis hin zu eiskaltem Electro und hitzeflimmerndem Wüstenrock wieder Musik aus allen Himmelsrichtungen. Das Label Jagjaguwar gewinnt außerdem mit drei Releases knapp vor Rough Trade. Wir hoffen, ihr habt ein bisschen was angespart.


Angel Olsen: My Woman

Die Stimme des Jahrzehnts ist zurück. Nein, nicht Adele, sondern Angel Olsen. Zweieinhalb Jahre nach Burn Your Fire for No Witness veröffentlicht die ehemalige Backingsängerin von Bonnie „Prince“ Billy ihr drittes Album namens My Woman. Man muss kein Countryfan sein, um ihre Songs zu lieben, denn neben jener Spielart finden sich auf Album Nummer Drei wieder jede Menge Kompositionen, die unabhängig von Genrezugehörigkeit trotz und durch ihre Einfachheit bezaubern.

Die erste Single „Intern“ zeigte bereits, dass ihre Stimmbänder nichts an Kraft eingebüßt haben. Wem das genauso gefällt wie mir, dem werden die Gesangsmelodien auf „Never Be Mine“ und „Not Gonna Kill You“ das Herz schneller schlagen lassen. „Shut Up Kiss Me“, das als zweite Single veröffentlicht wurde und das ihr euch oben anhören könnt, geht dafür wieder in eine rauere Richtung. Parallelen zu Courtney Barnett kann man ziehen (vor allem bei „Sister“ und „Give It Up“), doch wo jene die kleinen Dramen des Lebens auf die leichte Schulter nimmt, behandelt Olsen Liebesthemen mit einer Ernsthaftigkeit, die nie in pathetischen Kitsch abrutscht.

My Woman erscheint am 2. September auf Jagjaguwar.


La Femme: Mystère

La Femme bleiben auf ihrem zweiten Album ihrem Stil treu, ohne ihr Debüt nur zu kopieren. Immer noch ein psychedelischer Soundtrack mit treibendem Krautbeat, aber dunkler und offener zugleich. Drei Jahre nach Psycho Tropical Berlin verteidigen die sechs Franzosen mit Mystère ihren Platz an der Spitze der französischen Popmusik.

Die Vorabsingles deuten auf Coldwave („Sphynx“) und Yé-yé („Où va le monde?“), aber auch türkischer Disco, Wüstenblues und akustische Songs sind zu hören. Ganz zu schweigen von „Vagues“, einem 17-minütigen Monster à la Pink Floyd, das das Album ausklingen lässt.

Mystère erscheint am 2. September auf Born Bad Records.


Blondage: Blondage EP

Neuer Name, neuer Stil (I): Esben und Pernille sind fortan nicht mehr Rangleklods, sondern Blondage. Unter diesem Namen ist ihre Musik viel poppiger als früher, die bedrohliche Stimmung hinter Hits wie „Lost U“ und „Tricks“ – adé! Stattdessen fahren sie mit 80er Synthpop und der der Zeile „You’re trouble but I don’t care“ die Drive-Gedächtnistrophe sicher nach Hause.

Gewagter Move, hat doch gerade die Mischung aus Theatralik, Elektronik und Dunkelkammer die beiden Rangleklods Alben so einzigartig gemacht. Das Herumexperimentieren mit der Produktion, die sich ergänzenden Stimmen der beiden Dänen und die Synthklarinette gibt es zum Glück immer noch. Stilistisch neben Bon Iver der größte Sprung in dieser Liste, wir sind gespannt wie ein Fetischknebel.

Die Blondage EP erscheint am 16. September auf Tambourhinoceros.


Keaton Henson: Kindly Now

Eines der ruhigeren Releases des kommenden Monats wird Keaton Hensons Kindly Now sein. Eines der am meisten fordernden sowieso, denn bei Henson heißt es aufpassen, sonst verpasst man was. Kindly Now ist nach Dear…Birthdays und Romantic Works bereits das vierte Album des Folk Poeten. Ende Juni konnte man sich bereits an der Pianoballade „Alright“ ergötzen.

Auf der zweiten Single „The Pugilist“ beschäftigt sich Henson auf gewohnt gefühlvolle Weise mit seiner Berufung als Musiker. „Don’t forget me!“, fleht er den Hörer an, von Streichern unterstützt. Der Song ist so voller Drama, dass selbst Carrie & Lowell dagegen blass würden. Fast schon zuviel für einen einzelnen Menschen. Wie soll das dann auf Albumlänge erst werden…?

Kindly Now erscheint am 16. September auf Play It Again Sam.


Noura Mint Seymali: Arbina

Wem Noura Mint Seymali kein Begriff ist, der hat was nachzuholen. Die Musikerin aus Mauritanien vermählt traditionell maghrebinische Instrumentation und Gesang mit dem, was gerade als „Wüstenblues“ gefeiert wird. Wie Tinariwen, Bombino und Kel Assouf klingt Mint Seymali für unser westliches Ohr exotisch – sie singt in einem arabischen Dialekt namens Hassania und lässt ihrer starken Stimme freien Lauf. Die Energie ihrer Musik ist jedoch universell, ihr internationales Debütalbum Tzenni sei hiermit jedem ans Herz gelegt.

Danach könnt ihr euch auch schon auf das nächste Album freuen. Arbina ist gleichzeitig spirituell – „Arbina“ ist ein anderer Name für Gott – und politisch, der Titeltrack handelt von female empowerment und dem, was der Mensch für sein Schicksal tun kann. Jenen Song könnt ihr euch bereits oben anhören, das Album ist dann in zwei Wochen auf dem World Music Label Glitterbeat erhältlich.

Arbina erscheint am 16. September auf Glitterbeat.


Preoccupations: Preoccupations

Neuer Name, neuer Stil (II): Auch die Kanadier, die bis vor einigen Monaten noch als Viet Cong auftraten, haben sich umbenannt. Zwar in weniger erfreulichem Kontext – die empörten Reaktionen der Öffentlichkeit auf ihren Bandnamen veranlasste Veranstalter, mehrere Konzerte abzusagen – doch geht der Namenswechsel auch hier mit einem stilistischen Neuanfang einher. Wie uns Scott Munro im Interview erzählte: „I really do like self-titled albums a lot, so it was kind of exciting to have another chance to have a self-titled album. To the point that we even thought about just changing our band name again for the next record. And then just keep releasing self-titled records under a different band name every time, which I would be fully into.“

Im September erscheint mit Preoccupations ein zweites Album, dem man seine Vergangenheit noch anhört, das auf der anderen Seite aber viel offener als das labyrinthische Viet Cong ist. Der krautig-noisige Art Rock wurde mit der Stimmung von frühem New Wave versetzt. Matt Flegel klingt immer noch wie Paul Banks, aber die Musik, die seine Stimme umgibt, lässt tatsächliche Vergleiche mit Interpol nicht mehr zu. Davon können Preoccupations nur profitieren.

Preoccupations erscheint am 16. September auf Jagjaguwar.


Slavic Soul Party!: Plays Duke Ellington’s Far East Suite

Ohje, eine Brass Band. Ich weiß, was ihr denkt, aber Slavic Soul Party! sollte man für ihr nächstes Album eine Chance geben. Zum Misch aus Balkanfolk, Gypsy Jazz und amerikanischem Soul kommen nämlich musikalische Einflüsse aus Südindien und dem Nahen Osten hinzu. Genau genommen ist es eine doppelte Adaption, denn die Far East Suite, die die neun Jazzmusiker aus Brooklyn neu arrangiert haben, stammt ursprünglich von Duke Ellington.

Zusammen mit Billy Strayhorn wurde die Suite 1967 veröffentlicht – natürlich ohne Akkordeon und die für die Slavic Soul Party! üblichen lockeren Rhythmen. Da wird gestampft und marschiert, während die Vogelmelodie darüber hinweg säuselt. Hier greift die Melting Pot Metapher, denn orientalische und slawische Skalen vermischen sich mit der Improvisation der Klarinette zu einem Weltmusikbrei, den man genießen kann, ohne die Zutaten auseinanderdröseln zu müssen.

Plays Duke Ellington’s Far East Suite erscheint am 16. September auf Ropeadope.


Trentemøller: Fixion

Anders Trentemøllers viertes Album kündigt sich stark an. Auf „River In Me“ singt niemand geringerer als Savages Frontfrau Jehnny Beth. Auch wenn nicht so ganz klar ist, was das mit dem blutig-sexualisierten Video soll – der Song ist klasse. Eiskalter, unwirtlicher Electropop in Weiß- und Blautönen, wie ihn nur die Skandinaven hinkriegen. Dreimal hat das schon geklappt: 2006 mit dem Debüt The Last Resort, das ihn zu einem der führenden dänischen Produzenten machte, 2010 mit Into the Great White Yonder (der Titel spricht Bände) und zuletzt 2013 mit Lost.

Fixion ist laut Billboard Trentemøllers „most minimal, elemental and brutalist output“, „River In Me“ ist noch einer der fröhlichsten Songs. Die Meinung zur zweiten Single „Redefine“ könnt ihr euch selbst bilden, den Song gibt es oben zu hören. Gleichzeitig soll das neue Album mehr wie ein Live-Bandprodukt klingen. Zwei Wochen noch, dann können wir uns selbst davon überzeugen, ob Trentemøller immer noch Dänemarks Techno-Hero ist.

Fixion erscheint am 16. September auf In My Room/Rough Trade.


Warpaint: Heads Up

Köpfe hoch! Nach einer Pause, in der sich die vier Musikerinnen ihren Soloprojekten zugewandt hatten, steht jetzt das nächste Warpaint Album an. Als Vorgeschmack gab es vor einem Monat bereits den „New Song“, am 23. folgt die dazugehörige LP. Viel kann man noch nicht spekulieren, doch der Songtitel „Dre“ weist darauf hin, dass Warpaint auch auf Heads Up wieder ihrer Liebe zu wippenden Hip-Hop Beats frönen werden.

Laut Bassistin Jenny Lee Lindberg ist das neue Album eine reifere Version von Warpaint – als ob die Band, die 2010 mit The Fool eines der besten Debüts und (imho) das Album des Jahres veröffentlicht hat, noch reifen müsste, um zu überzeugen! Wahrscheinlich belehren sie uns dennoch eines besseren.

Heads Up erscheint am 23. September auf Rough Trade.


Bon Iver: 22, A Million

Justin Vernon, das haben die letzten Jahre deutlich gezeigt, ist mehr als nur der rurale Folkie mit engelsgleicher Stimme, der sich selbst in den Schlaf singt. Für sieben Songs hat der Frontmann von Bon Iver mit Kanye West zusammengearbeitet, außerdem taucht er auf Alben von Colin Stetson und seinem heimlichen Zwilling James Blake auf. Den ersten beiden Songs auf Bon Ivers neuem Album 22, A Million nach zu urteilen, hat er sich bei Blake einige Produktionskniffe und bei West das Vorstoßen in unangenehme Regionen abgeschaut.

Während 22 (OVER S∞∞N)“ die dekonstruierte Musik vor allem als Basis für Vernons Gesang nutzt, geht 10 d E A T h b R E a s T ⚄ ⚄“ ein ganzes Stück weiter in Richtung kaputten Folktronicas. Besonders spannend ist „33 “God”“, das Vocals von – richtig geraten – Kanye und ein Sample eines Paolo Nutini Songs unter einen Hut bringt. Und wenn der Ex-Folkie mit seinem wohl experimentellsten Release seine „white butler“-Stammfans verärgert, wen schert’s?

22, A Million erscheint am 30. September auf Jagjaguwar.


Jenny Hval: Blood Bitch

Zu guter Letzt noch ein persönlicher Favorit. Jenny Hval hat mit ihrem fünften Album apocalypse, girl. auf einzigartige Weise undefinierbare Musik mit herausragenden, feministischen Texten verbunden und ihr folglich Vergleiche mit Björk beschert. Wie die isländische Königin der experimentellen Musik kann man die Norwegerin Hval kaum in eine Ecke drängen. Man kann nur sagen, dass ihre Kompositionen mal formlos, mal im Gewand von sphärischem Electropop daherkommen, dabei aber immer vom klaren Gesang geleitet werden – auch mal bis in höchste Höhen, wie auf „That Battle Is Over“.

Nach „Female Vampire“ gibt es seit Kurzem einen weiteren Song aus Blood Bitch zu hören, „Conceptual Romance“. Beide Singles beschwören eine ähnliche Stimmung herauf wie apocalypse, girl., wobei letztere etwas mehr wie eine Hval’sche Version von Beach House klingt. Diese unerhörten Gesangslinien! Das fast schon Sakrale in dieser Musik! Jenny Hval klingt so gar nicht wie aus dieser Zeit, dabei kann man gar nicht zwischen Avant-Garde und Altehrwürdigkeit unterscheiden. Weiter komme ich nicht in meinem Versuch, diese Musik in Worte zu fassen, daher nur dies: Markiert euch den 30. September mit Rotstift im Kalender…

Blood Bitch erscheint am 30. September auf Sacred Bones.

Bilderbuch stellen neuen Song „Sweetlove“ vor

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Mit der Single veröffentlichen die Österreicher erstmals seit ihrem großen Erfolgsalbum SCHICK SCHOCK wieder neue Musik.

Was ist das für 1 Sexyness? Kaum eine andere Band beherrscht die sexy Vibes so gut wie Bilderbuch. Dies beweisen sie nun auch in ihrem neuen Song „Sweetlove“, der ab sofort auf Youtube anschaubar ist. Präsentiert wird er durch ein animiertes Video von Sucuk und Bratwurst. Ruhig, überschaubar und doch irgendwie auch rau und packend ist der neue Song von Bilderbuch und lässt durchaus eine gewisse Hommage an Prince vermuten. Außerdem lässt sich darüber streiten, ob die Band sich vielleicht ein klein wenig an der Band Leisure hat inspirieren lassen. Die Ähnlichkeit des Artworks lässt hier durchaus Spekulationspielraum zu.

Nach Hits wie „Maschin“, „Spliff“ oder „OM“ wurde es in den letzten Monaten erschreckend ruhig um die Band und so konnte man schon fast ahnen, dass Bilderbuch etwas aushecken. Der kürzliche Secret-Gig bei AnnenMayKantereit galt hier also schon quasi als kleiner Teaser und bereitete das „Comeback“ der Band behutsam vor. Nähere Informationen zur neuen Platte werden uns Bilderbuch sicherlich in den nächsten Tagen und Wochen mitteilen.

Ich habe mir das Album von Blossoms angehört und war überrascht

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Wie sich die Band mit dem klassischen Indie-ABC an die Spitze der Charts spielte.

Wenn man mit einem herkömmlichen Namen wie „Blossoms“ im Google Ranking vor einer Serie aus den 90ern und vor der eigentlichen Wortbedeutung landet, kann man von sich behaupten, dass man es geschafft hat. Und auch sonst ist die Band momentan in aller Munde. Es ist schließlich auch schon wieder eine Weile her, dass eine neue Indie-Kombo einfach mal an der Spitze der britischen Albumcharts steht und sich jetzt schon in der zweiten Woche auf diesem Platz halten kann. Dabei muss ich zugeben, dass ich dem Hype um die Band nie so richtig getraut habe. Hat mich jemand in meinem Bekanntenkreis nach „diesen neuen Blossoms“ gefragt, habe ich meistens mit folgender Beschreibung geantwortet: „ach, das ist wieder einer dieser britischen Indie-Bands. Du weißt schon.. die mit den zu engen Skinny Jeans, Chelsea Boots und langen Haaren, die auf Shows gerne mal den Gallagher mimen, aber eigentlich doch ganz passable Schwiegersöhne wären. Die werden jetzt bis auf’s Maximum von der NME gespusht und dann irgendwann wie eine heiße Kartoffel fallen gelassen. Solche Musik lässt sich im Jahr 2016 einfach nicht mehr dauerhaft vermarkten.“

Scheisse habe ich mich getäuscht! Natürlich habe ich die Band nie komplett aus den Augen verloren und doch ist es irgendwie bezeichnend, dass keinen einzigen Artikel auf The Postie über diese aufstrebende Newcomer-Band aus Stockton gibt. Auch der Wechsel zum Label Virign EMI im Jahr 2015 konnte mich nicht umstimmen .Singles wie „Charlemagne“ oder „Cut Me And I’ll Bleed“ habe ich zwar klangheimlich auch das ein oder andere Mal gehört und mich dann tatsächlich auch dabei ertappt wie ich dann doch irgendwann mitgepfiffen habe oder mich sogar dazu bewegt habe. Ja, Musikblogger sind nicht immer nur die Menschen, die auf Konzerten von der letzten Reihe aus mit kritischem Blick nach vorne starren. Trotz dieser aufkeimenden Begeisterung, grätschte meine Vernunft immer wieder rein und malte dieses Bild dieser vergangenen Indie-Generation.

Nun hielt ich vor ein paar Tagen im Plattenladen doch tatsächlich das Debütalbum Blossoms in Händen und ein paar Euros später gehörte das Teil mir. Zuhause angekommen legte ich sie dann doch gespannt auf und nach wenigen Sekunden hallte es schon „Charlemagne“ durch mein Wohnzimmer. Es folgten mit „At Most A Kiss“ und „Getaway“ zwei weitere Songs, die man bereits aus vorherigen Single-Veröffentlichungen kannte. Alle waren noch dem gleichen Muster gestrickt. Es sind allesamt gut gemachte Songs, die zwar einerseits nach vorne gehen und doch schwingt immer diese Prise Melancholie mit. Typisch britisch halt. Also 2005er britisch, versteht sich. Die Kitschnote wird dann bei Nummern wie „Honey Sweet“ oder „Texia“ noch ein bisschen stärker und zeigt, dass Blossoms sowohl Psych-Rock wie auch schnulzigen (Indie-)Pop können.

Obwohl ich den Kitsch von „Texia“ nicht leugnen kann, war es gerade dieser 6. von den insgesamt 12 Tracks, der mich am meisten gepackt hat. Ich habe mich dem Sound der Band gebeugt und habe mich verführen lassen und das ist auch gut so. Blossoms spielen bewusst mit diesen alten Mustern des Musikgeschäftes aber irgendwann kam mir dann einfach der Gedanke auf, warum das alles immer negativ behaftet sein muss? Muss wirklich immer alles zu 100% hip und innovativ sein? Blossoms beweisen mit ihrem Debüt, dass man auch einfach mal das Vorhandene genießen kann. Die Platte macht tatsächlich einfach Bock. Für diese Erkenntnis bedanke ich mich bei der Band und so ist es vielleicht auch mal wieder an der Zeit die Chelsea Boots aus der hinteren Ecke des Kleiderschrankes zu packen.

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The Postie präsentiert: Jordan Rakei auf Tour

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Der Australier Jordan Rakei kommt im Oktober für zwei Exklusive Termine nach Deutschland.

Leichtigkeit ist eine Eigenschaft, die nur schwer erlernbar ist. Da ist es umso erstaunlicher, dass Jordan Rakei quasi mit links zwischen Genres wie Jazz, Soul  und Hip-Hop hin und her springt. Mit diesen außergewöhnlichen Fähigkeiten und packenden Live-Auftritten hat er sich schnell einen Namen in der Londoner Szene machen können und wickelte mit seiner zweiten EP Groove dann wohl auch den letzten Kritiker um den Finger.

Mittlerweile zählen Größen wie Sam Smith und Disclosure zu seiner Fan-Base. Aus diesem tiefen Respekt und der gegenseitigen Anerkennung heraus ist dann auch der Closer namens „Masterpiece“  aus Disclosures Album Caracal entstanden. Nun hat Jordan Rakei sein Debütalbum Cloak in der Hinterhand und lässt es sich nicht nehmen mit den neu produzierten Nummern einmal quer durch Europa zu reisen. In diesem Zusammenhang gibt der Musiker auch zwei exklusive Konzerte in Deutschland, die von The Postie präsentiert werden.

28.10.2016 Golem, Hamburg
29.10.2016 Monarch, Berlin

Die Single „Talk To Me“ im Stream:

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Dom Zilla feiert mit seinem Video zu „Tonight“ das Alleinsein

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Der Musiker aus Newcastle wird als heißer Newcomer gehandelt.

Dom Zilla ist ein schrecklich beschissener Name. Es klingt mehr nach einer hängengebliebenen Nu-Rave-Band, die in ihrer Freizeit aus voyeuristischen Gründen Big Bang Theorie, als nach guter Musik. Aus diesem Grund wäre die Pressemail tatsächlich auch fast in den Untiefen der Ignoranz verschwunden. In Wahrheit verbirgt sich hinter dem zweifelhaften Namen aber ein talentierter Brite, der seit seinem zwölften Lebensjahr musikalisch unterwegs ist.

Anfänglich schraubte, der mittlerweile in London lebende, Musiker an Hip Hop-Beats, bevor er dann seinen ganz eigenen Style gefunden hat. Seine Wurzeln sind zwar nach wie vor herauszuhören und doch ergibt sich der Sound jetzt viel mehr aus einer Mischung aus Soul, Jazz und Electronica. Mit seiner EP ‚ii‘ zeigt Dom Zilla, dass er aber mehr als nur ein weiterer Vertreter der James Blake-Anbeter ist. So entstammt auch die aktuelle Single „Tonight“ aus eben dieser EP, die über das in der Gesellschaft verpönte Alleinsein spricht.

Das Video zur Single „Tonight“:

5 Trennungen von Indie-Bands, die geschmerzt haben

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Wie viele unter uns bin auch ich quasi von der „Class of 2005“ musikalisch erzogen worden. The Kooks, Arctic Monkeys, The Strokes. Neben diesen Big Names gab es immer auch Bands, die das Genre zwar mitgeprägt haben, aber trotzdem doch irgendwie immer im Schatten der eben genannten Bands standen. Mittlerweile schreiben wir das Jahr 2016 und Indie ist leider (oder Gott sei Dank ) nur noch semi hip und dies hat natürlich auch zufolge, dass sich das Feld der Band mehr und mehr lichtet. Mit folgendem Artikel trage ich fünf Bands zu Grabe, die meine Jugend mehr oder weniger geprägt haben und in den letzten Monaten und Jahren ihre Trennung bekanntgegeben. Es war schön mit euch.

Milburn: die Arctic Monkeys Coverband

Wer kann sich noch an Hits wie „Send In The Boys“ oder „What Will You Do, When The Money Goes?“ erinnern? Milburn war eine dieser typischen Indie-Nerd-Bands, die in Großbritannien zwar relativ bekannt war, in Deutschland aber immer ein wenig übersehen wurde. Wahrscheinlich dachte man, dass es sich einfach nur um eine weitere Coverband der übermächtigen Arctic Monkeys aus Sheffield handelt. Dabei waren es vielmehr Milburn, die den Arctic Monkeys zu Anfangszeiten auf die Sprünge geholfen haben und sie sogar als Support mit auf Tour genommen haben. Leider wurde diese Tatsache dann irgendwann selbst von den britischen Musikmedien vertauscht und so litten die vier Musiker immer mehr unter dem „Fake“-Stempel, was dann 2008 zur Trennung führte. Danach versuchten sich der Sänger Joe Carnall (The Book Club) und Tom Rowley und Joe Green (The Backhanded Compliments, Dead Sons) an mehreren neuen Projekten. Der Erfolg blieb jedoch mehr oder weniger aus und so kam es, dass Tom Rowley sogar zeitweise die Liveband der befreundeten Arctic Monkeys begleitete. Mittlerweile hat sich die Band für ein paar Konzerte wieder zusammengerauft und tourt nostalgisch durch Großbritannien. Vielleicht gibt es ja doch noch ein Happy End.

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Klaxons: als New Rave noch en vogue war

Zugegeben hat New Rave nicht nur gute Bands hervorgebracht. Die Zeiten in denen man noch schamlos Hadouken oder Does It Offend You, Yeah? gehört hat sind Gott sei Dank vorbei. Trotz allem gab es eine Band, die sich qualitativ doch deutlich von der Masse abgehoben hat. Die Rede ist von den Klaxons, die 2006 mit „Golden Skans“ eine Welle der Euphorie losgetreten haben. Auf einmal war für die NME alles Nu Rave oder sollte zumindest Nu Rave sein. Nach dem erfrischenden Album Myths of the Near Future nahm gönnte sich das Trio eine schöpferische Pause bevor sie dann mit „Echoes“ 2010 ihre Comeback-Single und ihren neuen erwachseneren Sound der Welt präsentieren wollten. Der Hype blieb aber unverhofft aus und so kam die Band selbst mit ihrer äußerst gelungenen dritten Platte Love Frequency nicht mehr aus diesem Tief heraus. Im Oktober 2014 gab es dann auf Twitter ein kurzes Statement, dass es die letzte Tour der Band sein würde. Frontmann James Righton versucht sich mittlerweile an Soloprojekten und hat hoffentlich noch nicht bemerkt, dass selbst Wikipedia die Trennung der Band noch nicht erfasst hat. Das nennt man wohl Gleichgültigkeit.

Wir haben euch 35 Newcomer für das Jahr 2020 vorgestellt. 

Bombay Bicycle Club: die immer braven Indie-Boys

Kaum einer Band standen zugeknöpfte Hemden und Desert Boots so gut wie Bombay Bicycle Club. Leider passten die Hemden auch super zum Image der Band. Bombay Bicycle Club waren nie die großen Sprücheklopfer wie beispielsweise The Courteeners oder The Enemy. Dies hatte zufolge, dass die Band oftmals in der Berichterstattung leicht untergegangen ist und man sie auch als Fan schon mal leicht vergessen konnte. Anfang dieses Jahres haben die Musiker aus London dann ihre Pause auf unbekannte Zeit bekanntgegeben. Und was das heißt wissen wir mittlerweile alle: wir haben uns getrennt, warten aber darauf irgendwann man eine Comeback-Tour zu spielen.

UPDATE: Die Band ist mittlerweile wieder gemeinsam unterwegs und hat 2020 ein neues Album veröffentlicht.

Viva Brother: die neuen Oasis?

Es ist jetzt wirklich nicht so, als hätten Viva Brother (die anfänglich noch Brother hießen) die Musikgeschichte nachhaltig geprägt. Auch ihre Trennung wäre nur halb so schlimm, wenn der 05er Indie sich weiterentwickelt hätte und Acts wie Jamie T heute noch von Bedeutung wären. Leider sehe ich in Viva Brother so etwas wie ein Sinnbild des sinkenden Schiffes eines ganzen Genres. Viva Brother waren so die letzte Generation, die es krampfhaft versucht haben das Genre noch einmal aufblühen zu lassen. Der Ausgang ist bekannt uns gleichermaßen tragisch: die Band trennte sich am 1. April und niemand nahm es so wirklich ernst.

The Maccabees: Trennung trotz Weiterentwicklung

Was habe ich die letzte Platte gefeiert. „Endlich hat es eine Band der „Class Of 2005“ den Sprung in das große Musikgeschäft geschafft“, hab ich gedacht. Dementsprechend ernüchternd war die Erkenntnis vor ein paar Tagen, dass die Band sich doch dazu entschieden hat dem ganzen ein Ende zu setzen. Schade dabei war der letzte Versuch Marks To Prove It ein Schritt in die richtige Richtung dem Stempel der altmodischen Indie-Band zu entkommen. Die Maccabees wollten wohl doch nicht weiter als Indie-Band groß werden und vielleicht ist es auch an uns Fans an der Zeit damit abzuschließen und zu erkennen, dass Indie wieder das geworden ist, was es immer war. Ein kleines Sub-Genre für Nerds.