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Happiness, Richness und Gif-Kunst – Der Konzeptkünstler Andy Kassier im Interview

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„success is just a smile away“ steht in der Bio des Instagram-Profils von Andy Kassier. Tatsächlich beschäftigt sich der Künstler, der in Berlin lebt, aber in der Welt zuhause ist mit den Themen Glück, Erfolg und Reichtum. Wir haben ihm ein paar Fragen zu seiner Gif-Kunst, Tinder und der Internetpräsenz von Mann und Frau gestellt.

Andy Kassier ist ein Entrepreneur wie er im Buche steht. Blind beherrscht er das Einmaleins des Unternehmerdaseins auf Instagram. Der Unternehmer von heute ist nämlich zugleich auch Motivationskünstler, Online-Philosoph und Werbemodel. Der in Berlin lebende Künstler hat an der Kunsthochschule für Medien in Köln studiert. Er setzt sich in seiner Konzeptkunst mit Glück, Erfolg, Stereotypen und der Beziehung zwischen „Happiness“ und „Richness“ auseinander.

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Dazu macht er Social Media zu seinem Museum, wie er uns weiter unten im Interview verrät. Doch wozu die überspitzte Selbstinszenierung? Andy Kassier spielt bewusst mit unserer Wahrnehmung und legt uns hochpolierte Bilder auf den Servierteller namens Instagram. Immer wieder findet man die Hashtags #sun, #palms oder #goodlife unter seinen Aufnahmen wieder, die vor allem eines verdeutlichen sollen: Dieser Typ hat es geschafft. Damit tanzt er nicht bloß der Neidgesellschaft auf der Nase herum, sondern hinterfragt auch unterschwellig die Rolle der Männlichkeit auf Social Media Plattformen.

Im Gegensatz zu Frauen, bei denen auch nach der #metoo-Debatte weiterhin die Schönheit im Vordergrund steht, wird bei den Männern großen Wert auf den Ausdruck von Macht gelegt. Gängige Protzobjekte wie Uhren, teure Sonnenbrillen oder polierte Schlitten tauchen ebenso auf wie das gängigste Statussymbol unserer heutigen Zeit: Reisen. Was davon echt ist und was nicht, bleibt oft unklar. Doch vor allem zeigt der Künstler was man besitzen kann, nicht was er besitzt.

Kassier hat sich einen eigenen Mikrokosmos geschaffen, in dem nichts unmöglich scheint. 

#wanderlust spielt in Zeiten von Social Media eine Rolle wie nie zuvor und so trifft man Andy Kassier in Form von Selfies in Cape Town, New York oder auf den Seychellen wieder. Mittlerweile beschränkt sich die Kunst des Künstlers aber nicht bloß auf Selfies und Selbst-Portraits. Kassier hat sich einen eigenen Mikrokosmos geschaffen, in dem nichts unmöglich scheint. „Taking risks and succeeding makes you a winning player“, scheint bei ihm vollends aufzugehen, denn er macht es zu einem aussichtslosen Unterfangen, zwischen dem fiktiven und dem realen Andy Kassier zu unterscheiden. Der Ausdruck von Macht ist auch ein ausschlaggebender Punkt. Zum einen bestimmt Kassier selber, welche Welt er seinen Betrachtern zeigt, zum anderen forciert er trotz des Begriffes „social“ in Social Media eine Distanz zwischen der handelnden und der passiven Person. 

Der neuste Coup des 2016 von der Saatchi Gallery ausgestellten Künstlers gibt dem Betrachter das Zepter in die Hand. Das Medium der Gifs ist mittlerweile fester Bestandteil in unserem Alltag. Sie sind problemlos auf Social Media Plattformen wie iMessage, WhatsApp, Facebook oder Instagram integrierbar. Andy Kassier hat sich diese enorme Reichweite zunutze und sich selbst als Gif instrumentalisiert. Die Gifs des dargestellten Künstlers können von allen jeden Tag in jeder Lebenssituation benutzt werden. Dabei ist es gerade die Übertreibung, die seine Konzeptkunst derart reizvoll macht.

Eine Portion Sarkasmus und Ironie spielt in der heilen Welt des Andy Kassier nämlich immer eine Rolle. Anders als bei den Kardashians oder den selbsternannten Entrepreneurs ist ihm die Wirkung von Narzissmus und Protz bewusst. Da ist es dann schnell egal, ob man mit seinen Gifs gerade viral geht oder Bitcoins und Katzenvideos einem vielleicht doch bald wieder den Rang ablaufen – denn was sind ein Klick und ein weiterer Follower schlussendlich schon wert?

© Andy Kassier

Deine Kunst ist von Werbebildern der 80er Jahre geprägt, ist aber gleichzeitig dem Zeitgeist der jetzigen Selbstdarstellungskultur nachempfunden. Gibt es irgendwelche konkreten Vorbilder an denen du dich orientierst?

Ich finde es interessant, was wir allein unbewusst alles in unserem Alltag aufnehmen, weil wir ständig von Werbung umgeben sind. Konkrete Vorbilder gibt es für mich nicht, eher ein Großes und Ganzes und bezieht sich immer spezifisch auf das Thema oder die Arbeit, an der ich gerade sitze. 

Wenn man sich deinen Instagram-Account anschaut, bekommst du sehr oft Lob von sogenannten Motivationscoaches aber auch von Mode-Influencern. Wäre also das perfekte Bild auf Instagram ein Werbe-Look mit einer motivational Quote?

Es gibt kein perfektes Bild, sondern nur Kontinuität, die am Ende den Account und alles was ringsherum ist ausmacht. Jedes Bild ist abhängig davon, was man überhaupt für einen Account hat und welche Strategie für einen da wichtig ist. 

Woher entnimmst du diese Strategien? Handelst du auch viel intuitiv?

Es geht immer darum, etwas zu lernen, ich würde Bücher lesen und Youtube schauen empfehlen. Ich handle meist konzeptuell, allerdings ist auch wichtig, dass ich dabei Spaß habe.

Hast du bereits, wie „normale“ Influencer, Angebote für Product Placements bekommen?

Ja, aber mache ich nicht, weil meine Arbeit ja ihre Aussage dazu trifft.

 

Mit deinen GIFs auf Instagram hast du ein Bildmedium für dich besetzt, das dem Internet allein vorbehalten ist. Wie kamst du darauf, ausgerechnet das Medium für dich zu nutzen?

Ich arbeite mit sehr vielen Medien und ein Stück Marmor ist doch viel einschränkender, weil es nur die Leute sehen können, die zur Ausstellung kommen, oder? Das Internet ist für fast jeden zugänglich. Mein großes Problem mit der meisten Kunst ist, dass diese nur einem kleinen Kreis von Leuten zugänglich ist und ich versuche meine Arbeit weiter zu streuen, deswegen arbeite ich mit so vielen verschiedenen Medien.

Gibt es deiner Meinung nach Unterschiede in der Internetpräsenz von Frauen und Männern?

Diese Frage ist so komplex, dass wir Jahre lang daran arbeiten könnten, sie beantworten. Allein die Verallgemeinerung aller Frauen und Männer ist eigentlich falsch, weil alle unterschiedlich sind. Aber hier eine viel zu kurze Antwort: Wenn ich mir auf Instagram die Profile der meisten Basic Männer und Frauen anschaue (nicht alle), dann kann ich möglicherweise feststellen, dass es Frauen gibt, denen  es sehr viel darum geht, ihr Aussehen und ihren Körper zu zeigen und dass es Männern gibt, denen es darum geht, Macht zu repräsentieren, sei es durch Autos, Freunde, Waffen oder Muskeln.

Die Gifs werden sogar von Internetgrößen wie @thefatjewish genutzt. Hättest du mit dem großen Erfolg gerechnet?

Es kann sich jeden Tag alles ändern, seitdem das erste Gif viral gegangen ist (20 Mio Views in 2 Tagen) überrascht mich das nicht, ich frage mich immer nur: Was kommt jetzt?

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Welcher virale Internet-Trend ist dir denn als letztes besonders im Gedächtnis geblieben?

Bitcoins vielleicht! (lacht) Auch hier ist die Frage immer, was kommt als nächstes und in welcher Bubble befindet man sich gerade, denn meistens kann man dann schon vorher absehen, was als nächstes passieren könnte.

Ein großes Thema bei dir ist die Selbstinszenierung. Findest du, dass diese bei jungen Bands oft ein wenig verloren gegangen ist? Welche Tipps würdest du ihnen mit auf den Weg geben?

Ich kenne mich leider gar nicht mit jungen Bands aus, aber ich denke ein wichtiger Punkt ist , dass es nicht um das fertige Produkt geht, sondern um den Weg zum Ziel. Und dieser Weg lässt sich doch super auf allen Kanälen und auch in den Instagram Storys zeigen. Es geht hier um jeden kleinen Fortschritt, jedes Konzert, Proberaum, Studio, Tour. Das sind alles sehr spannende Sachen und geben einen super Einblick in den Alltag der Musiker. Das Schöne für die  Fans ist ja schließlich immer sehr nah dabei sein zu können und die (tägliche) Entwicklung mit zu erleben. Das Schöne für die  Fans ist ja schließlich immer sehr nah dabei sein zu können und die Entwicklung mit zu erleben.

© Andy Kassier

Abgesehen von Influencern und #foodporn. Sind nicht eigentlich Tiere die heimlichen Stars auf Social Media?

Ne, denke ich nicht. Ich denke auch nicht, dass es heimliche Stars gibt. Jeder Star oder jede Person mit einem großen Following hat da harte Arbeite reingesteckt.

Wie würdest du den Andy Kassier von heute in einem Tinder-Profil beschreiben?

“I don’t use this app anymore, but you can follow me on Instagram : andykassier.“

Tinder habe ich seit Jahren nicht mehr benutzt.

Eine letzte Frage haben wir noch. Als Mann von Welt: Köln, Berlin oder doch Maui?

Ich denke Berlin ist sehr spannend gerade, auch weil es dort eine Große Cryptocurrency Community gibt und die Stadt im Vergleich zu allen anderen Städten in Deutschland einfach mehr ist wie das Internet. Man sollte bedenken, dass Berlin eine Hauptstadt ist und im Vergleich zu allen anderen tollen Hauptstädten sowie den kleineren Städten Deutschlands immer noch günstig ist. Das wird  wahrscheinlich nicht mehr lange so sein.

Aber das schönste ist , wenn man sich jeden Tag aussuchen kann, wo man als nächstes hinfliegt, oder?

Father John Misty teilt den neuen Song „Mr. Tillman“ mit der Welt

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Das letzte Album „Pure Comedy“ von Father John Misty ist knapp ein Jahr alt. Zeit für etwas neues hat sich Papa John gedacht und „Mr. Tillman“ veröffentlicht.

Erst letzte Woche hat Father John Misty in Tokio einen neuen Song von sich preisgegeben, der unter dem Namen „Mr. Tillman, Please Exit The Lobby“ herumschwirrte. Nun gibt es den Song auch in einer Studio-Version und heißt knapp „Mr.Tillman“. Der besagte Herr Tillman nach seinem Aufenthalt in einem Hotel gefragt und wird aus der Perspektive eines Hotel-Mitarbeiters erzählt. Mit dem Track beweist Father John Misty aka Josh Tillman seinen Sinn für Homor und entdeckt gleichzeitig seine Solo-Wurzeln wieder.

Die leicht psychedelischen Noten in „Mr. Tillman“ erinnern wieder mehr an  die ersten Schritte seines Solo-Projektes. Es plätschert gut gelaunt vor sich hin und macht auf jeden Fall Lust auf mehr neues Material von Father John Misty. Vielleicht ist diese Lust aber auch dem Video zur neuen Single geschuldet. Wer es schafft mehr als die Hälfte des Songs auf einen roten Hintergrund mit goldenen Buchstaben zu starren, wird mit einer grandiosen Perfomance von Mr. Tillman himself belohnt. Der trashy Charakter der Photostock-Bilder im Hintergrund geben dem ganzen Song nochmals eine andere Note. Ein Datum für ein neues Album sind bis jetzt noch nicht bekannt.

Superorganism stellen das trippy Video zu „Reflections On The Screen“ online

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Der Hype ist real! Superorganism sind momentan vielleicht die neue Band mit der meisten Publicity. Nun stellen sie ihr neues Video zu „Reflections On The Screen“ vor und reisen wie auf Acid durch das World Wide Web.

Superorganism passen nicht in das Schema-X, das man von so vielen Indie Bands hat. Mit acht Mitgliedern überschreitet sie die fast magische Zahl vier und zählt also einen Haufen an Nerds, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Vielleicht macht gerade das den Reiz dieser Band aus, die nun mit „Reflections On The Screen“ ein neues trippy Video online gestellt haben. Zu sehen ist die Sängerin Orono mit einer klassischen 3D-Brille, wie man sie noch von früher kann. Ihr wisst schon, die mit dem roten und dem blauen Brillenglas. Gefangen in einem illustriertem Bildschirm und umgeben von einer Lavalampe über weirde zwischenmenschliche Online-Beziehungen.

„Reflections On The Screen“ ist laut eigener Aussage der bis dato introvertierteste und persönlichste Song der Band. Er zeigt die Emo-Seite von Superorganism. Am 2. März erscheint das gleichnamige Debütalbum via Domino Records, das sie kommende Woche noch in auf Shows in Berlin und Köln vorstellen werden. Neben „Reflections On The Screen“ haben Superorganism aus Großbritannien bereits die Singles „Everybody Wants To Be Famous“ und „Something For Your M.I.N.D.“ veröffentlicht.

 

 

Fünf Songs, die dich ein bisschen weniger mies in die Woche starten lassen

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Es ist Montag, eine neue Woche steht an und du schaust jetzt schon verzweifelt auf den Kalender in der Hoffnung, dass die paar Tag schnell hinter dir sind? Wir geben dir fünf Songs an die Hand, die deine Woche ein bisschen weniger scheisse werden lässt.

Rikas – Lisa

Dass wir Fans von den Tropen-Schwaben sind, haben wir bereits in unserer Newcomerliste, die in Zusammenarbeit mit The Daily und Dansende Beren entstanden ist, unter Beweis gestellt. Es gibt momentan kaum eine Band, die uns derart zappeln lässt und einfach sämtliches Grau vergessen lässt. Wir sind für mehr Sex on the Beach an einem Montag!

 

Jean Tonique – The Party (with Dabeull)

Jean Tonique ist ein französischer DJ und Producer, der nach jahrelangem Remixen, Auflegen und Produzieren nun endlich sein Debütalbum veröffentlichen wird. Die Platte trägt den Namen „Well Mannered Frivolity“ und bietet eine bunte Mischung aus Funk, Nu-Disco und Hip Hop. Nach folgender Vorgehensweise ist auch seine neueste Single „The Party“ aufgebaut, die einen glauben lässt, man hätte den französischen Kaytranada gefunden.

Kero Kero Bonito – Only Acting

Zugegeben fehlen auch uns manchmal die Worte bei Kero Kero Bonito. Dabei ist die aktuelle Single „Only Acting“ für ihre Verhältnisse relativ normalen geworden. Oder vielleicht doch nicht? ¯\_(ツ)_/¯

Peace – Power

Vor knapp drei Jahren haben Peace ihr letztes Studioalbum „Happy People“ veröffentlich. Seitdem ist es musikalisch relativ ruhig um die Band geworden, was vielleicht auch daran liegt, dass sie nun nicht mehr bei ihrem Major Sony unter Vertrag stehen. Nach dem ersten Teaser „From Under Liquid Glass“ haben sie nun mit „Power“ den ersten, echten Ausschnitt aus dem am 9. Mai erscheinenden Album „Kindness Is The New Rock And Roll“ releast. Es fällt auf, dass der Sound größer aber auch weniger verspielt geworden ist. Laut Aussage des Frontmannes Harrison Koisser stellt der Song aber nur gefühlt ein Zehntel der Platte der. Insgesamt soll das Album Funge (Funk + Grunge) werden. Auch egal, weil „Power“ ist trotzdem ’ne gute Hymne für ein bisschen mehr Motivation.

 

Naaz – Loving Love

Gut möglich, dass ihr hier gerade „das nächste große Ding“ hört. Natürlich liest man das täglich auf irgendwelchen Blogs über irgendwelche random Acts aber bei Naaz deutet halt verdammt viel darauf hin? Ihr glaubt uns nicht? Fair enough, aber hört doch einfach mal hin? Bisschen Tay Tay, bisschen M.I.A. quasi alles was man als Pop-Act heutzutage so braucht. Oh, und mit „Up To Something“ hat die Niederländerin auch bereits einen ersten Hit landen können.

Premiere: Left Hand Island veröffentlichen „Pluto“

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Left Hand Island // © Luise Risch

Left Hand Island sind George Raquet (COMA) und Wolfgang Paris (Golf). Mit „Pluto“ veröffentlichen sie ihre erste gemeinsame EP, die absolut dancy ist. 

„Left Hand Island streicheln mit ihrer Debüt EP sanft Ohren und Hüften.“ Mit diesen Worten leiten die beiden Musiker ihr gemeinsames Projekt ein. Knapp fünf Jahre vergingen bis sich die Idee von Left Hand Island verfestigte und schlussendlich wurde die EP dann innerhalb von drei Wochen dingfest gemacht. Davor war das Studio vielmehr ein Ort des Austausches: ein Ort an dem man zusammen die Liebe für Pain au Chocolat ausleben konnte, sich über Musikprojekte austauscht und zusammen Kaffee trinken konnte.

Die Reise von Wolfgang Paris nach Australien beschleunigte den musikalischen Prozess und resultierte in der EP „Pluto“, die den musikalischen Horizont der beiden Künstler wiedergibt. Mutig greifen sie in die Trickkiste der modernen Verzerrer aka Autotune und singen im Duett über Themen wie Wärme oder Neuanfang. Schüchtern, wie die netten Jungs hinten an der Bar, die nicht zu cool zum Tanzen, sondern vielmehr zu introvertiert dazu sind, umarmen sie mit ihrem Sound, der ein Händereichen ist. Die Songs „In My Arms“ oder „A little Swim“ sind nämlich sommerlich poppige Nummern, die an Funkiness nicht mehr zu überbieten sind. „Pluto“ hebt sich ein wenig von den beiden anderen Nummern ab und wird von der instrumentalen Komponente dominiert. Die Lyrics schmücken den Song lediglich aus und schaffen eine Stimmung, die Geheimnisvolles mit Bewährtem vermischt.

© Luise Risch

Vielleicht ist es Kölsches Understatement oder einfach nur die Klarheit in den Songs, die die knapp 13 Minuten Hörlänge derart angenehm gestalten. Der Sound auf „Pluto“ ist dafür gemacht sich in warmen Gedanken zu verlieren, kann aber genau so gut der Appetizer eines angenehmen Wochenendes sein. Musikalisch schwirren George Raquet und Wolfgang Paris irgendwo zwischen ihren jeweiligen Bands COMA und Golf herum, wagen aber auch immer wieder den Blick in Richtung Metronomy oder in RnB-nahe Sphären. Die britische Zurückhaltung und Höflichkeit Joseph Mounts wird hier mit kölscher Lebenslust ergänzt.

 
 
 
© Luise Risch

Yung Hurn gibt sich in seinem Video zu „MHM“ als Fremdenführer von Wien und New York

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Hat Yung Hurn sich etwa von seinem Bruder K.Ronaldo helfen lassen? Die neue Single „MHM“ klingt jedenfalls nach dem lang ersehnten Featuring und lässt ihn zu seinen Wurzeln zurückkehren.

DIY Atmosphäre bis zum geht nicht mehr. So teasert Yung Hurn sein Debütalbum, das der Postleitzahl eines Wiener Stadtbezirks gewidmet ist, an. Die Single „MHM“ wurde vom Stammproducer Stickle produziert und das Video von Max von Live from Earth. Dass Yung Hurn seine Heimat Wien relativ gerne hat, ist kein Geheimnis. Da kann man auch schon mal eine Goldkette mit der Postleitzahl „1220“ um den Hals tragen.

Der Sound in „MHM“ erinnert wieder mehr an Banger wie „Skrrt Skrrt“ oder eben an die Vita seines Bruders K. Ronaldo. Sein alter Ego macht Musik, die man getrost als Dada-Trap abstempeln könnte, falls man denn unbedingt ein Genre für die Musik finden müsste. Vielmehr geht es doch um ein Lebensgefühl oder wie in dem Fall um „1220“.

Offenherzig und mit offener Bomberjacke zeigt uns Yung Hurn in seiner neuesten Single „MHM“ nicht bloß die Heimat von Falco, sondern auch gleich die Metropole New York. Der Fremdenführer Hurn zeigt uns kreative Graffitis, legt gewohnt sichere Tanzeinlagen ein und beschert uns einen Ohrwurm, der mit Sicherheit das ganze Wochenende halten wird. Die Ästhetik im Video ist in Pink und gräulichen Tönen gehalten und zeigt Aufnahmen, die mit einer wackligen Videokamera aufgenommen wurden. Yung Hurn, danke für diese crazy Hymne. „Mhm mhm mhm 1220“.

Das beste Release der Woche – Courtney Barnett

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Neues Album, neue Tour, neue Single. Courtney Barnett geht nach der gemeinsam mit Kurt Vile veröffentlichten LP Lotta Sea Lice wieder ihrer eigenen Wege. Aus Dialog wird eigene Aussage, aus dem sanften Folk wieder rauerer Garagenrock.

Den Schlüssel zwischen den Fingern, die Hände am Telefon, vielleicht muss gleich losgerannt werden. Was für die meisten Frauen auf dem Weg allein nachhause immer noch Standard ist und den meisten Männern scheinbar immer noch so gar nicht bewusst ist, füllt nun den Refrain im Song „Nameless, Faceless“ der Australierin Courtney Barnett. Besser gesagt ein paraphrasiertes Margaret Atwoord Zitat: „Men are afraid that women will laugh at them; women are afraid that men will kill them“. Barnett gibt in einem Interview mit Pitchfork an, auf ihrem neuen Album Themen wie Feminismus und Misogynie vor allem aus persönlicher Erfahrung zu schildern. Ein Konzept, das sie schon auf ihrer letzten Solo Veröffentlichung Sometimes I Sit and Think, and Sometimes I Just Sit, das durch die Direktheit und Originalität ihrer Autorin besticht, verfolgte. Barnett beschreibt locker und flapsig, während sie gleichzeitig sehr mühelos detaillierte Betrachtungen über sich selbst und ihre Umwelt anstellt.

Über den Gefühlszustand, der nun auf den neuen Songs beschrieben werden soll sagt Barnett: „It’s definitely angry and frustrated and sad, and I was trying to actually feel those feelings, to go through them instead of pushing them away. I was really trying to use songwriting to do some work on myself in that area. There’s definitely more vulnerability on this one. I felt vulnerable writing it, even though I knew that, at the time, I was the only one seeing it, and I might never show it to anyone“. Das Album trägt den Titel Tell Me How You Really Feel. Hört sich sehr passend an und wer der Aufforderung nachkommen will, kann auf Barnetts Homepage in einer Message Funktion in 250 Zeichen angeben, wie’s denn gerade um den eigenen Gemütszustand steht. Eine Tracklist gibt’s außerdem auch  schon.

Tell Me How You Really Feel

01 Hopefulessness

02 City Looks Pretty

03 Charity

04 Nameless, Faceless

05 I Need a Little Time

06 I’m Not Your Mother, I’m Not Your Bitch

07 Crippling Seld-Doubt and a General Lack of Self-Confidence

08 Helpin‘ Yourself

09 Walking On Eggshells

10 Sunday Roast

 

Great News – Wonderfault

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Erfrischend anders. Great News aus Bergen liefern mit ihrem Debüt „Wonderfault“ einen weiteren Beweis dafür, dass man in Skandinavien noch immer ein Händchen für guten Indie-Pop hat.

Great News – das sind Even Kjelby, Kim Åge Furuhaug und Ole Kristian Einarsen. Das norwegische Trio hat sich lebenslänglich der Musik und dem Songwriting verschrieben. Ohne Frage ist die gemeinsame Band der entscheidende Dreh- und Angelpunkt ihres Lebens. Dass sie für ihren Traum von einer Musikerkarriere häufig belächelt werden, nehmen die drei Norweger dafür in Kauf – sie schlagen sich mit unterbezahlten Gelegenheitsjobs durch und ziehen die notwendige Kraft aus ihren Songs.

Mit ihrem Debüt, das am 16. Februar über das norwegische Label Eget Selskap veröffentlicht wird, beweist das Trio, dass sich Schweiß und Tränen in jedem Fall lohnen. Um Perfektion geht es Great News dabei allerdings nicht – nicht umsonst trägt das erste Album den Namen „Wonderfault“. Selbst aufgenommen und von Freunden produziert, appellieren Kjelby, Furuhaug und Einarsen mit ihrem Werk an andere Kreativschaffende: Einfach mal machen! Dass das funktioniert, haben bereits die ersten drei Single-Auskopplungen gezeigt, die im Vorab erschienen sind.

Wer nun vermutet, dass es sich bei Great News um eine weitere Band aus der Dunstwolke des schnöden Indie-Pops handelt, hat weit gefehlt. Die jungen Norweger haben mit ihrer erfrischenden Mischung aus Pop und Shoegaze mehr zu bieten als romantisch anmutende Akustikgitarren. Elf Songs entführen den Zuhörer in eine Klangwelt, die von Zeit zu Zeit an musikalische Klassiker der 80er Jahre erinnert. Selbst definiert die Band den außergewöhnlichen Sound ihrer Musik liebevoll als Daze-Pop.

Mit dem Opener „Sleep It Off“ wird auch gar nicht lange um den heißen Brei geredet – einprägsame Gitarrenriffs, unbefangene Bassläufe, psychedelische Melodieabfolgen und die verträumten Vocals von Even Kjelby zeigen, wohin die Reise musikalisch geht. Der gleichnamige Titeltrack und „Make Me Feel“ machen anschließend Weiten auf, die mit der Stimme Kjelbys zu einem Ganzen zu verschmelzen scheinen. Dass den Norwegern diese ausufernden Klangteppiche bestens zu Gesicht stehen, wird auf „Wonderfault“ mehr als einmal bewiesen.

„Told“, der erste Song, den das Trio gemeinsam geschrieben hat, stellt definitiv den Hit des Albums. Hier nimmt das Debüt in alter Indie-Manier so richtig Fahrt auf. Kjelby, Furuhaug und Einarsen konzentrieren sich hier auf das Wesentliche, so dass der Titel im Gegensatz zu seinen Vorgängern fast minimalistisch wirkt – das geht ins Ohr. Zudem scheint der Song genau das zu transportieren, was den Norwegern selbst so am Herzen liegt: Träume. Erzählt wird die Geschichte von Menschen, die ihre ursprünglichen Ziele aufgeben, um ein Leben zu führen, dass schnellstmöglich von Erfolg geprägt ist.

„Secrets“ lässt in Bezug auf das Tempo nicht nach, strotzt allerdings vor diskotauglicher 80s-Attitüde. Sich immer wiederholende psychedelische Melodien lassen den Titel aus der Klanglandschaft des restlichen Albums heraustreten. Nachdem das Trio mit der Downtempo-Nummer „Untouchable“ einen Gang runterschaltet, folgen mit Songs wie „Never Get My Love“ und der Synthesizer-Hymne „You’re Mine“ wieder echte Ohrwurm-Garanten. Dabei werden Great News bis zur letzten Sekunde nicht müde, stets Neues auszuprobieren.

Nach ihren gefeierten Auftritten auf dem SPOT-Festival in Aarhus und beim KOKO in London haben Great News 2018 noch einige Konzerte auf ihrer Liste, bei denen sie das internationale Publikum von sich überzeugen können. Bestätigt sind unter anderem das Eurosonic Noorderslag und das Øya-Festival. Und mal ganz ehrlich – eine Portion verträumten Daze-Pop können wir zu diesen Zeiten doch alle gut vertragen.

Frank Ocean reist in die Sechziger und covert die Breakfast At Tiffany’s Titelmelodie „Moon River“

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Frühstück bei Frank. Auf „Moon River“ interpretiert der R&B Superstar den Breakfast at Tiffany’s Klassiker mit ruhigen Soul und der schier unendlich scheinenden Softness seiner Stimme.

2/14 steht unten rechts im rot-schwarz flimmernden Artwork. Frank Ocean arbeitet also nicht anders wie jeder stinknormale Drogeriemarkt und bietet zum Valentinstag was ganz besonderes an. Na gut, „Moon River“ schlägt ein „Kauf-zwei-für-eins-Angebot“ natürlich um Längen und wenn Ocean damit beginnt, die krude und sicher nicht verbindliche Ansage „If you liked 2017, you’ll love … 2018“ umzusetzen, wird die popkulturelle Aufwertung des 14. Februars selbstredend in Kauf genommen. „Moon River“ hätte mit seinem Autotune Intro und der sich nach und nach in den Song arbeitenden Dominanz von Oceans Stimme, die gedoppelt und verdreifacht wird gut und gerne neben Songs wie „White Ferrari“ auf Blonde stehen können. Die Interpretation des 60er Jahre Songs, mit dem Audrey Hepburn Blake Edwards‘ Kultfilm einrahmt, ist trotz der Emotionalität des Gesangs auf einer sanften Gitarrengrundlage angelegt, die dem Oceans Platz bietet und das Cover ins Melancholisch-Verträumte gleiten lässt. Wie immer lässt der Künstler seine Musik unkommentiert auf Youtube zurück, die Spekulationen über ein neues Album oder ein weiteres Jahr, in dem immer wieder happenartig neue Songs veröffentlicht werden, gehen weiter.