Auf ihrem neuen Album „Songs After The Blue“ beweisen Deniz Çiçek und Robert Heitmann alias Kraków Loves Adana, dass weniger manchmal wirklich mehr ist: Simple musikalische Arrangements und der tiefe Timbre von Çiçeks Stimme sorgen beim Zuhören nicht nur für Gänsehaut, sondern sind zudem auch noch wunderbar eingängig.
Bereits in der Romantik verband man die Farbe Blau mit Gefühlen und Leidenschaft. Das bekannte Symbol der blauen Blume wurde von Literaten nicht selten verwendet, um in Texten und Gedichten die Sehnsucht nach dem Unerreichbaren darzustellen. Auf die Bedeutung der blauen Farbe – die Sehnsucht, häufig verbunden mit Melancholie und Depression – bezieht sich auch das Duo auf ihrem neuen Album. Die acht Tracks auf „Songs After The Blue“ stehen zwar bildsprachlich für sich, handeln aber im Großen und Ganzen von den Sehnsüchten eines aufstrebenden Kreativen – ebenso wie von den damit verbundenen Hürden. Inspiration für dieses Thema fand Deniz Çiçek nicht nur im eigenen Dasein als Künstlerin, sondern auch in Büchern von Rainer Maria Rilke, Julia Cameron und Patti Smith.
Musikalisch entzieht sich „Songs After The Blue“ jeder Komplexität: In diesem Fall ein wahrer Zugewinn. Die tiefe Stimme von Deniz Çiçek erzeugt vor einem dünnen Backing, bestehend aus Gitarre, Keys und Drums, eine faszinierende Wucht von Emotionen und Nähe. Trotz der übersichtlichen Instrumentierung scheint es für Kraków Loves Adana ein Leichtes zu sein, eine bunte Palette an Stimmungen zu erzeugen.
Begleitet von Synthie-Akkorden widmet Çiçek den Opener „Rapture“ dem mittlerweile fast nostalgisch anmutenden Medium der Kassette. Spärliche Lyrics und ein gleichbleibender Rhythmen geben dem Track das Zeug zum Ohrwurm. Çiçeks sonst so schnörkelloser Gesang erreicht, fast wie in Ekstase, zum Ende ungeahnte Höhen und lassen den Song so wie eine Ode an vergangene Zeiten wirken. Der Minimalismus im Sound von Kraków Loves Adana zieht sich wie ein roter Faden durch das gesamte Album. Auch „Bloom“ folgt anschließend diesem Schema, ebenso wie „American Boy“. Letzterer genoss nicht umsonst bereits vor Albumveröffentlichung eine größere Aufmerksamkeit: Mit verzerrten Gitarren und eindringlichen Synthie-Klängen mausert sich der Song zu einer kleinen Perle des Indierocks.
Etwas ruhiger wird es auf der zweiten Hälfte des Albums. „But tonight I am an open door/ Keep moving right through me/ While I’m playing this particular chord/ Resonating truly/ For you“, singt Çiçek in „Resonating Truly“, dem – dank der Lyrics – wohl schönsten Track des Albums. Während „The Day The Internet Dies“ von der Empathielosigkeit der Generation der digital natives handelt, befasst sich „Hamburg“ mit der Einsamkeit in der Großstadt – ein Problem, mit dem sich auch schon Leidensgenossen wie Isolation Berlin auseinandersetzten. Trotz des konsequent umgesetzten Klangbilds schaffen Kraków Loves Adana es, mit Hilfe kleiner Nuancen in Stimme, Besetzung und Melodie sowie eingängiger Elektropop-Refrains ein stimmiges Werk zu kreieren, das fern von Langeweile eine warme Atmosphäre erzeugt, in die man gerne immer wieder eintauchen möchte.
Deniz Çiçek möchte, so äußerte sie in einem Interview, mit ihrer Musik einen Beitrag für die Allgemeinheit liefern: Denkanstöße liefern und wenn nötig, ein Gefühl von Unbehagen oder Trost vermitteln. Mit „Songs After The Blue“ ist ihr das allemal gelungen.
Folgende Liste könnte sicherlich auch 50 Acts lang sein. Wir haben uns mit einer Träne im Auge aber erst einmal für zehn Bands entschieden, die wir uns zumindest in ihrer besten Zeit wieder zurückwünschen.
Milburn
Wer jetzt aufmerksam googlen wird, findet heraus, dass die Band eigentlich seit einem guten Jahr wieder vereint ist und sie mit „Time“ 2017 sogar ein Album veröffentlicht haben. Dennoch werden Milburn wohl nie wieder den Status früherer Tage erreichen. Die Band aus Sheffield gilt als Vorreiter für die Arctic Monkeys und hat die damaligen Leichtgewichte zu Anfangszeiten sogar mit ins Studio schleppen müssen. Nach Erfolgen wie „Send In The Boys“ oder „Cheshire Cat“ gerieten die vier Musiker immer mehr in den Strudel und wurden von der britischen Musikpresse mit dem Label „Arctic Monkeys Fake“ bedruckt. Aus diesem Schatten konnte die Band leider nie wieder austreten und so haben sie sich nach dem zweiten Album „These Are The Facts“ getrennt.
Bombay Bicycle Club
Bombay Bicycle Club waren lange Zeit die Nerds unter den Nerds. Sie trugen die Hornbrille und die die Oxford Shirts lange bevor irgendjemand in Berlin auch nur daran dachte. Vielleicht war es genau dieses Understatement, das ihnen schlussendlich zum Verhängnis geworden ist. Musikalisch kann man ihnen nämlich wenig vorwerfen. Ihre Alben „I Had the Blues But I Shook Them Loose„, „Flaws“, „A Different Kind Of Fix“ und „So Long, See You Tomorrow“ ließen allesamt eine Weiterentwicklung erkennen und haben auch Spaß beim Hören gemacht. Der Sänger Jack Steadman reist momentan mehr oder weniger erfolgreich als Mr. Jukes um die Welt und so ganz ausgeschlossen haben die Briten aus London eine Reunion nie. Daumen drücken!
Wild Beasts
Folgende Trennung ist leider noch zu frisch um darüber reden zu können. :(
Good Shoes
Indie Disco bist du es? Good Shoes waren eine dieser Joker Bands der Indie-Djs. Egal wie schlecht die Party oder die Stimmung auch gerade war – „Under Control“ wird es schon richten. Könntet ihr noch andere Titel als nur die Hits der Band aus Morden aufzählen? Uns fällt es schwer.
Klaxons
Die neuen (x) sollen sie werden. Was wurden Klaxons nach der Veröffentlichung von „Golden Skans“ in den Himmel gelobt. Die Londoner verstanden es wie kaum eine andere Band der 05er-Welle Electro und Indie zu kombinieren. Nach dem Erfolg von „Myths of the Near Future“ wurde der Label-Druck für das Nachfolgewerk jedoch zu groß und Klaxons mussten ein fast vollständiges Album komplett verwerfen, weil es dem Mainstream-Geschmack wohl nicht entsprochen hat. Herausgekommen ist mit „Surfing The Void“ eine Platte, die bis auf ein paar Hits und ein cutes Artwork leider wenig Inhalt zu bieten hatte. Das Aufraffen bei „Love Frequency“ blieb leider erfolglos und so verabschiedete sich die Band im Oktober 2014 klangheimlich via Twitter.
The Rakes
„22 Grand Job, AND THE CITY IS ALRIGHT“. Mehr London ging zu der Zeit wohl kaum. Dabei hatten The Rakes ganz deutliche Einflüsse von Joy Division und der Sänger Alan Donohoe hat auf Konzerten auch mal den Epilepsy Dance von Ian Curtis übernommen. Nach drei Alben und ein paar Hits war dann Schluss und mittlerweile gehen die Musiker wieder normal arbeiten.
Hard-FI
Hard-FI waren anfangs einfach vier junge Typen aus einem langweiligen Vorort Londons, der nicht viel mehr zu bieten hatte, als die Heimat von Ali G. Mit dem Vorhaben reich und wohlhabend zu werden, haben sie sich die Instrumente beibringen lassen und mit „Cash Machine“ einen ersten Song veröffentlicht. Ein paar Monate später stand mit „Stars of CCTV“ ein Klassiker in den Regalen vom HMV und Co. Songs wie „Hard To Beat“ hatten einen derartigen, kommerziellen Erfolg, dass sie selbst heute noch im Trash TV gespielt werden. Leider konnten die Musiker um Richard Archer diesen Erfolg nie wiederholen und so verlief sich die Karriere von Hard-FI nach drei Alben irgendwo im nirgendwo.
The Maccabees
Sehe Wild Beasts.
Beat!Beat!Beat!
Bei Beat!Beat!Beat! fällt weitaus weniger schwer über das Ende der Band aus Köln nachzudenken. Denn die Band war sozusagen der Grundstein für die Karriere von Marius Lauber aka Roosevelt. Der ehemalige Drummer ist mittlerweile smoother unterwegs und hat mit seinem Mix aus Indie und Italo-Disco weit über die Grenzen der Republik Erfolg. Neben Roosevelt sollte man auch noch Oracles von Joshua Gottmanns erwähnen. Manchmal haben Trennungen auch etwas Gutes.
The Paddingtons
The Paddingtons waren die Protégés von Pete Doherty und Carl Barat. Mit viel Hero-Chic, Kayal und der Single „Panic Attack“ tourten die Musiker durch UK sprachen eine ganze Generation an NME lesenden Sad Boys an. Das zweite Album „No Mundane Options“ blieb hinter den Erwartungen zurück und so verschwand die Band nach einer weirden EP namens „The Lady Boy Tapes“ von der Bildfläche.
Mit einem vielfältigen Line-Up aus Musik, Kunst, Literatur und Popkultur präsentiert das Jetztmusik Festival in Mannheim im April seine neue Ausgabe.
Bereits in den vergangenen Jahren zeichnete sich das Jetztmusik Festival aus Mannheim durch ein innovatives und freshes Line-Up aus. Von Palms Trax und Dadelus bis hinzu Martin Kohlstedt und Nils Frahm waren dem musikalischen Geschmack keine Grenzen gesetzt. Vom 19. bis 28. April gehen die Veranstalter auch in diesem Jahr wieder auf die Suche nach neuen Wegen und neuen Ideen in der Literatur, Musik und Popkultur. Das interdisziplinäre Festival möchte die breite, interessierte Masse ansprechen aber gleichzeitig auch neues Material vermitteln.
Diese Vielfalt dehnt sich in einem Begriff aus, den man mit Zeitgeist zusammen fassen könnte. Das Jetztmusik Festival ist zeitgleich ein Festival für die Generation Y, die Musik durch Bilder auf Instagram für sich entdeckt aber eben auch für Menschen, die sich einen studierten Geschmack zuschreiben würden. Als Headliner steht dieses Jahr das neue Gesicht von Zalando ganz oben auf der Liste. Kein geringerer als Süßiboi Yung Hurn kommt am 21. April in die Feuerwache nach Mannheim. Wie relevant der Wiener mittlerweile ist, beweist der Vorverkauf. Das Konzert war innerhalb weniger Stunden restlos ausverkauft.
Neben dem neuen Aushängeschild der Popkultur ergänzt die japanische Ambient Klangkünstlerin Midori Takada das diesjährige Line-Up. Weitere musikalischen Schauplätze sind die Partys, die ein breites Angebot liefern. Zum einen ist dem JMF18 eine Kollaboration mit dem Label Live From Earth gelungen. Das Showcase lädt Acts wie Gabber Eleganza, Dj Gigola, Noriflake, Dj Bangkok und Dj Creep ein. Für die Closing Party geben die Veranstalter jungen, aufstrebenden Djs die Chance sich zu beweisen.
Das Jetztmusik Festival begrenzt sich aber keineswegs nur auf die Musik. Einen ganzen Monat lang werden Lesungen und Workshops angeboten und auch visuell geht das Projekt aus Mannheim voran. Jedes Jahr werden die Designs in Zusammenarbeit mit den Studios gggrafik und Æther-Design genau an aktuelle Trends und Bewegungen angepasst.
The Postie präsentiert das Festival, das einen Monat lang die Bereiche der Musik, Kunst und Popkultur miteinander verbindet und in verschiedenen Locations in Mannheim präsentiert. Das komplette Programm findet ihr hier.
Mit einem Zug aus der rosa Watte eines 19-jährigen Indiekids und der dunklen Depression nimmermüder Post-Punk Heldinnen fahren unsere Songs des Monats in eure Gehörgänge und verkünden: Es werden wieder Verhandlungen um den guten Geschmack aufgenommen!
Courtney Barnett – Need A Little Time
Durch Raum und Zeit schwebt Courtney Barnett in der zweiten Veröffentlichung zum im Mai erscheinenden Album Tell Me How You Really Feel. Wer der Aufforderung des Titels nachkommen will, hat auf der Homepage Barnetts 250 Zeichen Platz den eigenen Gemütszustand zu erläutern. „Need A Little Time“ ist ausgeglichener als das bereits erschienene „Nameless, Faceless“, was der lyrischen Qualität der Australierin keinen Abbruch tut. Nachdenklicher und zurückgezogener präsentiert sie sich, fast wortkarg fallen die einzelnen Strophen im Vergleich mit den manchmal dahergeplappert erscheinenden Sentenzen des Vorgängeralbums Sometimes I Sit and Think, and Sometimes I Just Sit aus, ohne dabei vom empathischen Erzählstil abzukommen. Courtney Barnett versteht sich mit den Depressiven, den Tagträumerinnen, sich selbst aber anscheinend mitunter so gar nicht.
Boy Pablo – Losing You
Die erste Single der IndiePop Gruppe aus Norwegen um Pablo Muñoz „Everytime“ hat mittlerweile auf Youtube fast sechseinhalb Millionen Klicks, warum also nicht einen Song machen, der den weichen Gitarren und dem lockeren Rhythmus der Hitsingle folgt? „Losing You“ hat einen einfachen Refrain, der im Sommer auch auf Festivals außerhalb von Skandinavien bei angeschickerten Besucher*innen zum Gruppentanz im Freundeskreis führen kann und wirkt durch die Low-Fi Ästhetik der Produktion wie ein wirklich cooler Soundtrack eines Coming-of-Age Films, den man auch mit Mitte 20 noch ungeniert genießt. Muñoz Lyrics erzählen von ängstlicher Nervosität vor der bevorstehenden Trennung und dem Unvermögen sich in solcherlei Situationen unmissverständlich und endgültig auszudrücken. Aussehen tut’s, wie 19jährige momentan eben so aussehen, wenn ein wenig Geld da ist und klingen tut’s so langsam ganz schön originell.
XXXTENTACION – SAD!
Jahseh Dwayne Onfroy ist 19, Rapper aus Florida und derzeit unter anderem wegen schwerer Körperverletzung einer Schwangeren und Freiheitsentzug angeklagt. Sein im März erschienenes Album ? belegt derzeit den ersten Rang der Bilboard Charts in den Vereinigten Staaten. Onfroy erzählt von geplanten Suizidversuchen und präsentiert sich manisch depressiv, am Rande des Wahnsinns stehend. Der Hype um seine Person besteht nicht nur Jugendlichen, die sich den mehrfachen Anschuldigungen wegen brutaler häuslicher Gewalt scheinbar widersetzen können und sich mit den Beschreibungen schwerwiegender mentaler Probleme identifizieren, sondern auch aus der Unterstützung durch Rapgrößen wie Kendrick Lamar, Drake, Danny Brown und A$AP Rocky. Nachdem die Anklägerin im Dezember letzten Jahres darum gebeten hatte, sämtliche Anschuldigungen fallen zu lassen, ruht der Prozess im Moment. Die Staatsanwaltschaft will dennoch Anklage erheben, hatte die Anklägerin im Dezember doch noch unter Eid erklärt, man habe ihr aus dem Umfeld Onfroys Geld geboten, sollte sie sich zurückziehen.
Clairo – Flaming Hot Cheetos
Eine Drum-Line, ein Effekt auf einem Klavier Dreiklang, mehr braucht es instrumentell nicht für Clairos erstes offizielles Musikvideo. Ein pastellfarbenes Retro Drive-In, ein Ensemble aus tanzenden Cheetos ergänzen die vor sich hin sinnierende Stimme Claire Cotrills. Was eine clever inszenierte Marketing Kampagne für fettige Snacks sein könnte, ist wohl eher der nächste Schritt vom Youtube Star aus dem eigenen Schlafzimmer zum Presse- und Fanliebling. Nach „Pretty Girl“ spielt Clairo weiterhin mit minimalistischen Songgerüsten, (jetzt erweiterter) DIY Ästhetik und dieser so eingängigen Stilrichtung namens Bedroom Pop. Für Fans der ersten Stunde stellt „Flaming Hot Cheetos“ natürlich schon den Schritt zum Sell-Out dar, hat die Künstlerin doch ihr Zimmer verlassen und passt sich durch die Zusammenarbeit mit Regisseur Matt Dillon allem anderen an, was eben nicht bei Cotrill auf dem Schreibtisch entsteht. Geht’s bei euch eigentlich noch?
https://youtu.be/byGeEw9tRh8
Jimothy Lacoste – Subway System
Nachdem der fam klar gemacht wird, dass man jetzt bitte mal mit dem endlosen Geschniefe und Geschmeisse aufzuhören hat und sich in Trenchcoat und Lederhandschuhen, im money dance selbst erklärt wird, für wen tagtäglich bei Waitrose eingekauft wird und was überhaupt oberste Priorität ist, erklärt Londons softester Sonnenbrillenenthusiast Jimothy Lacoste die Tube von Brixton bis Tottenham. Rhythmisch wird hier so smooth von den Schweinepreisen der hauptstädtischen Underground erzählt, dass es diesen Monat nichts gibt, was nach dem ersten Mal hören so leicht ins Ohr geht. Versucht mal so entspannt zur Stoßzeit in die Picadilly zu kommen mates. Eher zu empfehlen wäre da ein Blick auf die Moves des Londoners. Die reichen nämlich von Morden bis Cockfosters.
https://youtu.be/MFoJ7eiHYd0
Preoccupations – Disarray
Düster und verbittert waren die ersten beiden Alben der Preoccupations. Beeindruckend manchmal in ihrer chaotischen Energie, mit der die pessimistischen Dystopien des Sängers Matt Flegel durch den Post-Punk der Band vermischt wurden. Flegel beschreibt das dritte Studioalbum New Material nun als „ode [to] depression and self-sabotage, and looking inward at yourself with extreme hatred“, was klingt, als würde thematisch weiter im Sumpf der eigenen Verwirrung gewühlt werden, mehr anklagend gegen sich selbst als auf Befreiung durch Benennung aus. Und wenn in „Disarray“ davon gesungen wird, dass alles Erzählte immer gelogen gewesen sei und Flegel im Video sprichwörtlich der Kopf zu platzen scheint, sind die Riffs doch hoffnungsvoller, ein Hauch von Shoegaze weht melancholisch durch die zuletzt erschienene zweite Single-Auskopplung. Die Band präsentiert sich zugänglicher, vielleicht ja dann auch live, wenn im Sommer in Berlin und Hamburg gespielt wird.
Soccer Mommy – Cool
Zu Beginn des Monats erschienen, ist Clean eines der besten Alben des Monats. Sophie Allison präsentiert mit ihren empathisch und vorsichtig erzählten Geschichten ein vielschichtes Singer-Songwriter Debüt, das sich nicht durch inhaltlose Melancholie aufhält, sondern gerade durch seine Ernsthaftigkeit überzeugt. „Cool“, das im Video in sympathisch selbstgemachter 90er Optik verpackt wurde, ist vielleicht nicht einmal Allisons bester Song, dafür hält Clean zuviel kleine Überraschungen bereit und dennoch sind die bissigen Lyrics und die hin und wieder nach dreckigem Garagerock klingenden Gitarren originell und spaßig. Wer mehr über das Debüt der in der Schweiz aufgewachsenen Künstlerin, die Pitchfork schon mehr oder weniger charmant als coole Variante der frühen Tayler Swift bezeichnet, erfahren möchte, hier entlang.
A Perfect Circle – Disillusioned
Orchestraler Rock, der auf Grund seiner Dramatik in Konzerthallen funktionieren könnte, aber durch die düstere Atmosphäre Abstand vom plumpen Grölen nach dem vierten acht Euro Bier im Stadion hält. Was sich anhört, als wäre Violence von den Editors doch in die richtige Richtung gegangen, bezieht sich aber auf die neue Single des Manyard James Keenan Projekts A Perfect Circle. Keenan, der vor allem als Sänger der Metal/ Artrock Band Tool bekannt ist, bedient auch mit A Perfect Circle eigentlich eher Geschmäcker der härtereren Gangart. Auf „Disillusioned“, der zweiten Veröffentlichung zum am 20. April erscheinenden Album Eat The Elephant, das damit das erste Release der Band seit vierzehn Jahren darstellt, schöpft Keenan die ganze Reichweite seiner Stimme atmosphärisch beeindruckend aus.
Lebanon Hanover – Alien
Die Trübsal von Goth an der sauberen Straßenecke zur Kurpfälzischen Apotheke, die Schwere des Post-Punk zwischen den Selfie-Sticks Heidelberger Touristen und Dark-Wave unter Orangenbäumen. Larissa Iceglass und William Maybelline alias Lebanon Hanover fühlen sich so gänzlich fehl am Platz, sei es in den verregnet grauen Straßen der Stadt in der Kurpfalz oder im Urlaubsziel der kleinstädtischen Bewohnerinnen letzerer, unter mediterranem Sonnenschein. Entfremdet von den Mitmenschen, isoliert und sich selbst überlassen, von Ian Curtis über Robert Smith bis Bauhaus fühlt das Duo den Idolen hinterher. Wo die Melancholie schier überschwappt und die dreckige Farbe des Neckar zum Stilmittel wird, klingen Lebanon Hanover glücklicherweise nicht mehr nach einer Reminiszenz an ihren Dark-Wave Hit „Gallowdance“ und wer weiß, vielleicht erscheint seit drei Jahren ja mal wieder ein wenig mehr als ein vereinzelter Song. Verzweifelte Youtube User aus Brasilien, mit denen wir uns natürlich gänzlich identifizieren können, wären sicher mehr als dankbar.
Mit der Feststellung „Everyone Acts Crazy Nowaydays, but we are taking all kinds of shit“ schließen Unknown Mortal Orchestra die dritte Single zum in einer Woche erscheinenden Album Sex & Food. Was nach Tide Pode Challenge, einem Abend im angesagten Szene Club oder einem Frühstück mit Quinoa-Acai-Goji-Bowl klingt, findet sich im Gemälde des Videos exzessartig dargestellt wieder. Apathische Gesichter, aufgerissene Augen, Mensch und Tier gleichsam festgehalten im Kontrollverlust des Rauschs. Aufgenommen wurde das kommende Album, das bei Jagjaguwar erscheinen wird, unter anderem in Seoul, Hanoi, Auckland, Mexico City und Portland.
Der Neid wird zum Hass, der Freundeskreis bleibt klein: Es scheint nicht leicht im deutschen Rap ein Star zu sein. Könnte man meinen, wenn man zum Beispiel Yung Hurns neuer Single „Sie Schauen“ zum kommenden Album 1220 Glauben schenken möchte.
Es ist ja nichts Neues, wenn Rapper*innen von der Unaufrichtigkeit und der Verlogenheit ihrer seit dem letzten Hit frisch gewonnenen Bekanntschaften erzählen: Kanye widmete seinen 2007er Kracher „Stronger“ niemand geringerem als seinen Hatern und hat mit diesen seitdem auch immer wieder Wichtiges zu besprechen. Drake, seit diesem Jahr offiziell von Gottes Plan gelenkt, wird nicht müde zu betonen, wer von Day 1 dabeigewesen ist und, ganz wichtig, wer eben nicht. Auch im Deutschrap stellt Trettmann zusammen mit dem stolzen Albino-Alligatoren Besitzer Gzuz im 2017er Radiohit „Knöcheltief“ fest, man habe die bleichen Füßlein nur noch mit „den Echten“ in den warmen Sand der Westindies gerieben. Die grob gezählt vierhundert Interviews, in denen Fler in den letzten zwei Jahren neben der Beruhigung seines unabdinglichen Bedürfnis, darüber aufzuklären, wer zu Rap gehören darf und wer sich von den Versace Trägern jetzt endlich schleunigst ficken gehen sollte, klar gemacht hat, das große Geschäft sei dreckig, man dürfe nur nach sich selbst schauen, überall lauern die gierigen Snitches, und auch wirklich fast jeder ließe dich hängen, machen klar: Yung Hurn erfinde, gelinde gesagt, mit „Sie Schauen“ das Rad nicht neu, sondern greift ein beliebtes Narrativ auf, dass er sich in nicht mal zwei Minuten Song zu eigen macht.
Während im Jil Sander Shirt der Insta Feed durchsgescrollt wird und die Freunde von den Händen abgezählt werden können, säuseln ein paar wenige Synthies über die Drums und Yung Hurn macht sich nicht die Mühe, in mehr als einer Strophe zu erzählen, warum denn jetzt alle Hater zu ihm und seinen Jungs und Mädels herschauen. Wie in den bereits erschienenen Songs zu 1220 „GGGut“, „MHM“ und „Ok Cool“ reduziert sich der Wiener auf ein textliches Minimum, während die Beats der einzelnen Songs homogen arrangiert werden, es riecht förmlich nach einem stilistisch kohärenten Album. Nach einem Album, auf dem das Thema Authentizität im Bekanntenkreis sicher nicht mit „Sie Schauen“ auserzählt sein wird. Gut so, denn solange sich in Rap- und Popmusik weiterhin fröhlich über sich selbst beklagt wird, bleiben die Fans ganz sicher nicht auf der Strecke. Also eben die, die von Tag Eins dabeigewesen sind, versteht sich.
Der Niederländer Jo Goes Hunting hat uns seine Lieblingsplatten in einer Videobotschaft vorgestellt. Sein Album „Come, Future“ erscheint heute am 30. März in Deutschland.
Jimmi Jo Hueting aka das Brain von Jo Goes Hunting hat uns eine Videobotschaft aus seinem Studio zukommen lassen. Der Niederländer schreibt sämtliche Texte der Band, spielt Schlagzeug und singt. Für uns hat er seinen Plattenschrank geöffnet und uns seine Lieblingsplatten kurz vorgestellt. Seine Musik zeigt wie vielfältig das Genre des Indie Pop in seiner Auslegung sein kann.
Eine ausverkaufte Berliner Volksbühne. Bis auf den letzten, rot gepolsterten Sitz besetzt und schon bald umhüllt Dunkelheit das Publikum. Die einzige Lichtquelle richtet sich auf die Frau, die an diesem Abend mit ihrer klaren Stimme den gesamten Saal zum Leuchten bringt – Kat Frankie.
Kat Frankie und Band trugen am 27. März zum Tourabschluss in der Hauptstadt das vorletzte Mal ihre farblich abgestimmten Outfits. Den musikalischen Einklang auch noch einmal visuell betonend. Und zwischen kleinen Song-Geschichten und obligatorischem Ton anstimmen zieht Kat Frankie das Publikum in den Bann mit ihrem bezaubernden Gesang. Dem Instrument, dass sie meisterhaft beherrscht, wie auch der Einsatz einer Loopstation verdeutlicht. Im Laufe des Abends füllen sich die hohen, verzierten Decken mit schimmernder Atmosphäre, gefühlvollen Klängen und einer entschleunigenden Gelassenheit.
Die australische Musikerin entspringt bei ihrem neuen Album „Bad Behavior“ ihrer Rolle als Singer/-Songwriterin und taucht ein in die Welt des Pop. Nach ihrer aktuellen Tour, wird die Musikerin außerdem an einigen Festival-Terminen, wie zum Beispiel dem Maifeld Derby zu sehen sein.
Auf der folgenden Seite findet ihr weitere Bilder des Konzertes von Kat Frankie in Berlin.
Nur wenige Monate nach dem Release ihres Debüts „Hymns To The Night“ kündigen Markus Nikolaus und Julien Bracht alias Lea Porcelain die Veröffentlichung vier neuer Tracks an. Nach „Gotta Run“ überzeugt das Duo nun mit dem neuen Video zu „If Time Was On My Side“.
Mit „If Time Was On My Side“ knüpfen Lea Porcelain musikalisch nahtlos an ihr Debüt „Hymns To The Night“ an. Der monotone, tiefe Gesang von Markus Nikolaus, der wuchtige Bass sowie der breit angelegte Sound des Duos – der Klang der 80er Jahre steht Lea Porcelain gut zu Gesicht. Vergleiche mit Joy Division oder The Cure sind an dieser Stelle deshalb wohl unvermeidbar, allerdings nur im besten Sinne.
Es ist der zweite von insgesamt vier Tracks, die bis April erscheinen sollen und das Material für eine EP liefern. Wie gewohnt kann man sich in der Weite, die Nikolaus und Bracht durch Bass, Drums und Gitarre in „If Time Was On My Side“ klanglich aufmachen, leicht verlieren. Die Quintessenz, die sich bereits im Titel ankündigt: Die Zeit kann einem das Leben schwer machen.
„If time was on my side, then I’d be by your side.“
Im Video zu „If Time Was On My Side“ setzt Micki Rosi Richter das amerikanische Hinterland in all seinen Facetten in Szene. Verlassene Straßen, Maschendrahtzäune, Leerstände, einsame Motels und weite Landschaftszüge – die durch lange Kamerafahrten eingefangenen Filmbilder spiegeln den breit angelegten Sound à la Lea Porcelain wider.
Mit seinem an David Lynch erinnernden Video zu „Hier Kommt Euer Bester Freund“ hat Tristan Brusch bereits erste Lorbeeren einheimsen können. Für seine Live-Session ist er nun gefühlt in Omas Wohnzimmer gezogen und gibt damit einen ersten Vorgeschmack für die anstehende Tour.
Ganz neu ist der ganze Musik-Zirkust nicht für Tristan Brusch. Und doch hat man mit der Ankündigung seines Albums „Das Paradies“ und der ersten Auskopplung „Hier Kommt Euer Bester Freund“ das Gefühl, dass man einen neuen, freshen Act vor sich stehen hat. Extrovertiert und extravagant geht der Musiker an sein Solo-Debüt heran und konnte mit vergangenen Projekten bereits die nötige Portion Selbstbewusstsein hierfür tanken.
Für das Video zu seiner ersten Single war Tristan Brusch maßgeblich beteiligt und sorgte für ein Resultat aus David Lynch meets Nosferatu. In ähnlich absurde Gefilde begibt sich der Musiker nun auch in seiner Live-Session zu „Hier Kommt Euer Bester Freund“. Der Raum in dem sich der Musiker samt Band installiert hat wirkt altbacken. Es könnte sich um eine großmütterliche Stube handeln, aber genau so gut um ein barockes Landhaus im britischen Stil. Fest steht jedenfalls, dass das Set-Up mit der Atmosphäre seiner Musik bricht. Diese erinnert vielmehr an Neonlichter, tosende Auspuffe und die 80er. Mit seinen explosiven Live-Auftritten geht Tristan Brusch im Oktober auf Tour. Davor kann man ihn bereits am 21. April in Berlin Record Store Crawl oder beim Maifeld Derby und Haldern live sehen.
Tourdaten:
15. – 17.06.18 • MAIFIELD DERBY
09. – 11.08.18 • HALDERN POP FESTIVAL
18.10.18 • KÖLN • VEEDEL CLUB
19.10.18 • HANNOVER • LUX
20.10.18 • BREMEN • LAGERHAUS
22.10.18 • DORTMUND • FZW CLUB
23.10.18 • FRANKFURT • DAS BETT
24.10.18 • NÜRNBERG • CLUB STEREO
25.10.18 • MÜNCHEN • ZEHNER
26.10.18 • STUTTGART • KELLERKLUB
27.10.18 • HEIDELBERG • HALLE02
29.10.18 • HAMBURG • NOCHTWACHE
30.10.18 • BERLIN • MUSIK & FRIEDEN
31.10.18 • LEIPZIG • NAUMANNS