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Kultivierte Funkiness – Gewinne 2×2 Karten für das Konzert von Unknown Mortal Orchestra in Heidelberg

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Am 20. Mai kommt der Querdenker Unknown Mortal Orchestra mit seinem Album „Sex & Food“ in den Karlstorbahnhof nach Heidelberg. Wir verlosen 2×2 Karten für das Konzert und laden zur exklusiven Aftershow- Party ein.

Spätestens mit „Multi-Love“ ist Unknown Mortal Orchestra 2015 endlich der längst überfällige Ruhm im Raum der Popkultur gelungen.  Der Song „You Can’t Keep Checking My Phone“ lief nämlich nicht bloß auf Fifa rauf und runter, sondern hat es auch gleich in mehrere fancy DJ-Sets geschafft. Den groovigen Mix aus Soul, Indie und Funk haben sich mit Sicherheit auch schon einige Bands abgeschaut und diesen dann in eine konformere Form gepasst.

Eines ist Unknown Mortal Orchestra nämlich auf keinen Fall: ein Mitläufer. Ruban Nielson, so heißt der Neuseeländer mit bürgerlichem Namen, verbindet auf seinen Album immer wieder schier willkürliche Genres miteinander und erweckt diese zu einem Konstrukt, das nach Grips klingt. Man darf sich also auf eine aufregende Live-Show im Heidelberger Karlstorbahnhof gefasst machen. Da Unknown Mortal Orchestra am 20. Mai und somit an Pfingstsonntag auftreten, haben die Veranstalter gebannt auf die Tanzschuhe gestarrt und gleich eine Aftershow angehängt. Diese findet gleich im Anschluss an das Konzert statt und soll den funky Vibe der an dem Abend im Karlstorbahnhof mit Sicherheit herrschen einfach weiterleben lassen. Ausschlafen kann man an Pfingsmontag auch. 

Hier geht es zur Facebook-Veanstaltung der Aftershow-Party

Wir verlosen 2×2 Gästelistenplätze für das Konzert von Unknown Mortal Orchestra am 20. Mai im Karlstorbahnhof in Heidelberg. Die Bedingungen für den Lostopf sind das Liken des FB-Posts, unserer Facebook Page und das Verlinken eurer Begleitung. Der Einsendeschluss ist der 18.04.2018 um 20:00 Uhr. Die Allgemeinen Teilnahmebedingungen könnt ihr hier nachlesen.

Das Maifeld Derby erhöht die Vorfreude mit einem Trailer und kündigt zwei neue Acts an

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Das Maifeld Derby geht in seine 8. Edition und bestätigt final noch  Tank and The Bangas (USA) und Hinds (ES). 

Die Pferde sind los! (Und damit hätten wir unser Kontingent an schlechten Pferde-Witzen auch aufgebraucht). Das Maifeld Derby geht in seine 8. Edition und findet dieses Jahr vom 15. bis zum 17. Juni auf dem Maimarktgelände in Mannheim statt. Als Headliner stehen Editors, Nils Frahm und Eels in den Startlöchern. Zusätzlich dazu haben die Veranstalter aber auch noch The Kills, The Wombats, Black Rebel Motorcycle Club, Jon Hopkins oder die Newcomer Sam Vance-Law, Ilgen-Nur, FIBEL oder Tristan Brusch eingeladen. 

Zusammen mit der Bekanntgabe der Tagestickets wurden zudem jetzt noch Tank and The Bangas (USA) und Hinds (ES) bestätigt. Hier die Auflistung auf die jeweiligen Tage:

Tagesticket Freitag, 15.6.2018: 50,00 € 
mit NILS FRAHM (D), JON HOPKINS live (UK), RHYE (USA), DEERHUNTER (USA), IBEYI (F), FENNE LILY (UK), KLANGSTOF (NL), SAM VANCE-LAW (CAN), KREISKY (AT), LEYYA (AT), BROTHER GRIMM (D), WICCA PHASE SPRINGS ETERNAL (USA), PHANTOM WINTER (D), COCAINE PISS (BEL), uva.
 
Tagesticket Samstag, 16.06.2018: 50,00 € 
mit EDITORS (UK), THE WOMBATS (UK), NEUROSIS (USA), ALL THEM WITCHES (USA), TANK AND THE BANGAS (USA), HINDS (ES), WOLVES IN THE THRONE ROOM (USA), KID SIMIUS (D), THIS IS THE KIT (S), SUDAN ARCHIVES (USA), TAMINO (BEL), GOLDROGER (D), YELLOW DAYS (UK), 5K HD(AT), V.O. (BEL), HEADS. (D), HYSTERESE (D), uva. 

Tagesticket Sonntag, 17.06.2018: 50,00€ 
mit EELS (USA), THE KILLS (UK), BLACK REBEL MOTORCYCLE CLUB (USA), YOUNG FATHERS (SCO), KAT FRANKIE (AUS/D), ALEX CAMERON (AUS), DÄLEK (USA), GUS DAPPERTON (USA), GOLDEN DAWN ARKESTRA (USA), MIKAELA DAVIS (USA), ÄTNA (D), ORI (IL), WARMDUSCHER (UK), ILGEN-NUR (D), $ICK (D), uva.
 
Mehr Infos über das Festival findet ihr hier, oder in Kürze hier auf der Website. 

Arctic Monkeys zeigen Video zu „Four Out Of Five“

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Arctic Monkeys // © Zackery Michael

Die Gerüchte auf Reddit sollten Recht behalten – Arctic Monkeys haben ihr Video zu „Four Out Of Five“ im Castle Howard in North Yorkshire abgedreht. 

Mit der Entscheidung keine Vorab-Single zu veröffentlichen, haben die Arctic Monkeys vor ein paar Wochen für Verwirrung gesorgt. Nun ist ihr sechstes Studioalbum „Tranquility Base Hotel & Casino“ draußen und der Plan des Gesamtkunstwerks scheint komplett aufgegangen zu sein. Und trotzdem hat sich „Four Out Of Five“ trotzdem schnell als potenzielle Single hervorgehoben. Nach dem Auftritt bei Jimmy Fallon reichen die vier Musiker jetzt auch ein Musikvideo nach.

Der Großteil des Video spielt sich auf dem Anwesen des Castle Howard, einem Anwesen in York, Nord Yorkshire ab. In dieser Abgeschottenheit findet man die vier Musiker der Band wieder, allen voran Alex Turner, der auf ein Modell seines Tranquility Base Hotels blickt.  Im Inneren des Castles wurde eine Art 70s Filmset aufgebaut, das immer wieder die Gerätschaften und Technologien dieser Zeit zeigt. Durch die Kameraführung und der Nachbearbeitung des Clips wird auch für das komplette Video an Sci-Fi-Filmer der 70er Jahre erinnert. Immer wieder springen rote Overalls als Statisten durch das Bild und sorgen dafür, dass die Band ausreichend umsorgt ist. 

Bereits vor ein paar Wochen gab es auf Reddit das Gerücht, dass das Castle Howard für ein paar Drehtage der Band abgeriegelt werden musste. Auch die roten Overalls kamen dort bereits zur Sprache. Nachdem es dann jedoch kein Vorab-Release gab, wurde kurz an der Richtigkeit dieser Insider-News gezweifelt. „Tranquility Base Hotel & Casino“ ist das sechste Studioalbum der Arctic Monkeys und ist am 11. Mai erschienen. 

Das beste Release der Woche – Get Well Soon

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„Martyrs“ ist der erste Song aus dem fünften Studioalbum von Konstantin Gropper aka Get Well Soon, das den Namen „The Horror“ tragen wird.

Alleine das Artwork spricht Bände. Nachdem Konstantin Gropper aka Get Well Soon mit „Love“ bereits eines der grundlegendsten Themen unseres Daseins besungen hat, widmet er sich nun offenbar den Riten und Bräuchen der Religion. Auf dem Artwork zu „Martyrs“ ist eine schwarzweiß Fotografie zu erkennen auf der ein Mann ein christliches Kreuz durch eine enge Gasse trägt. Er ist umgeben von weiteren Menschen und trotz dieser schweren Aufgabe scheint es so, als würde der Mann seine Aufgabe mit Würde meistern. Es handelt sich hier aber keineswegs um eine richtige Kreuztragung, sondern vielmehr um eine Osterprozession, die so noch bis heute in vielen italienischen Orten  praktiziert wird.

Die Dramatik und die Wirkung des Covers spiegelt sich auch im neuen Song „Martyrs“ wieder. Feierliche Glocken und stampfende Drums leiten den Song ein. Kurz darauf werden sie von chorähnlichen Vocals begleitet, die im starken Kontrast zu der tragisch düsteren Stimme Groppers stehen. Es wird eine nebulös, dunkle Stimmung erzeugt, die die seltenen Alpträume des Musikers wiedergeben. Es ist der erste Auszug aus dem am 8. Juni erscheinenden fünften Studioalbum „The Horror“. Das Träumerische wird auf dem Album immer wieder in Verbindung mit dem ruinenhaften Irdischen gesetzt und bildet zusammen einen orchestralen Sound, wie wir ihn bis dato noch nicht von Get Well Soon gehört haben. 

 

Sechs Song-Releases, die ihr vielleicht verpassen würdet

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FIBEL // Presse

Neben Veröffentlichungen der Arctic Monkeys und Beach House überragt der tragische Tod des Sängers Scott Hutchison von Frightened Rabbit den heutigen, musikalischen Tag. Es zeigt abermals, dass es immer die guten, empathischsten Menschen auf dieser Welt sind, die uns leider viel zu früh verlassen. Um nicht völlig der Depression zu verfallen, zeigen wir lieber mit dem Finger auf neue Musik und hoffen auf schönere Zeiten. 

YONAKA – F.W.T.B.

So ganz erschließen tut sich uns das Fischen beim weirden Sound von Fall Out Boy nicht so ganz, trotzdem ist die neue Single „F.W.T.B“ live sicherlich eine große Nummer. Wenigstens verstecken YONAKA nicht, dass das einzige Ziel der Band ist möglichst schnell „big“ zu werden. 

Sevdaliza – Humana

„Humana“ ist eine Neuauflage ihres Songs „Humand“, der mittlerweile über 11 Millionen Klicks auf Youtube zählt. Die niederländisch-iranische Musikerin Sevdaliza performt ihren Song hier jedoch nicht auf Englisch, sondern auf Portugiesisch, was den Track nochmals in eine völlig neue Richtung lenkt. Mit dem am Samstag in Lissabon stattfindenden Eurovision Songcontest hat das alles Gott sei Dank so rein gar nichts zu tun. 

Ben Khan – Do It Right

R’n’B ist seit ein paar Jahren schon zum neuen Unding der Musikszene geworden. Zu sehr verbindet man es mit leeren Sangria-Eimern und dem miefenden Geruch von Großraum-Diskos, die ihre besten Tage längst hinter sich haben. Gut, dass es Ben Khan gibt. Nachdem sich der Musiker aus London ein paar Jahre von seinem Pitchfork-Hype erholen musste, ist er nun in neuer Frische wieder zurück und droppt mit „Do It Right“ einen weiteren neuen Song. 

Pip Blom – Pussycat

Die liebste Slacker-Band veröffentlicht mit „Pussycat“ ihren wohl frechsten Song. Frecher als der Kurzhaarschnitt, den man beim Friseur um die Ecke verpasst bekommen würde. Mit Akkorden, die fast an „I Love Rock n Roll“ von Joan jett The Blackhearts erinnern, prescht der Song nach vorne und gibt erst nach dreit Minuten wieder nach. Im Juni kommen die Niederländer für einen Termin nach Berlin. 

Tristan Brusch – Zuckerwatte

Ein süßlicher Geruch liegt in der Luft, im Hintergrund läuft eine Drehorgel und schon springt der Papa Tristan Brusch mit „Zuckerwatte“ in den Song. In seiner neuen Single geht es um den Anfang und das Ende einer vergänglichen Liebesgeschichte. Der Chansonartige Song ist ein weitere Auszug aus seinem Album „Das Paradies“, das am 7. Juni erscheinen wird. 

FIBEL – Kommissar

„Mitten in der Nacht habe ich ihn laut schreien hören!“ hallt es durch das Treppenhaus des neuen Songs von FIBEL. Der Sänger und Songschreiber der Band Jonas Pentzek erzählt die Geschichte eines Mordes in einem Mehrfamilienhaus. Aus der Ausweglosigkeit und der Verzweiflung heraus, gedeiht der Song zu einer langen Metapher, die auch auf die Unsicherheiten des eigenen Lebens transportierbar sind. „Kommissar“ ist der erste Vorbote aus ihrer bald erscheinenden EP. 

 

Arctic Monkeys – Tranquility Base Hotel & Casino

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Die Chip-Shop-Rocker nehmen eine Auszeit und stattdessen präsentiert sich Alex Turner in dem „Tranquility Base Hotel & Casino“ so ehrlich wie nie zuvor. 

„I just wanted to be one of the Strokes, now look at the mess you made me make“ sind die ersten Zeilen, die Alex Turner in Crooning-Manier ins hallende Mikrofon haucht. Dabei könnte man meinen Turner hätte diesen Status spätestens seit dem letzten Studioalbum „AM“ und dem Erfolg von „Do I Wanna Know“ längst erreicht. Das fünfte Studioalbum der Arctic Monkeys bescherte ihnen den längst überfälligen Titel als Superstars und ließ ihren Frontmann aber zugleich in eine Zeit des Stillstands fallen. Die Post-AM-Phase wurde erst am 30. Geburtstags des in LA lebenden Musikers kreativ wiederbelebt. Ein simples Klavier sollte die Art und Weise mit der Alex Turner an das Songwriting und an Melodien herantritt noch neu aufleben lassen. Die ersten Stücke waren schnell geschrieben und anfangs gar nicht als Bandmaterial gedacht. Es musste erst der Gitarrist Jamie Cook kommen, damit beschlossen werden konnte, dass die Selbstreflexion des Alex Turner durchaus für eine erneute Reise der Band geeignet ist, die planlos und zugleich gemächlich auf die Tranquility Base zusteuert. 

Die anfänglich ziellose Reise spiegelt sich zugleich im Konzept der Platte wieder. Immer wieder wird der Mond und das Weltall als unfassbare Sphäre in den insgesamt elf Songs als Metapher angesetzt. Nachdenklicher denn je sinniert Alex Turner über den Sinn des eigenen Lebens und phrasiert schon fast in dadaistischer Manier „Dancing in my underpants / I’m gonna run for government“. Eine gelungene Verbildlichung, die zeigen soll, dass auch er die Gefahr der Künstlerblase zur Kenntnis nimmt. Keine Ideen sind unerschöpflich, vor allem nicht, wenn fernab der realen Welt irgendwo in den Hügeln von LA sesshaft geworden ist. 

Umgeben von den heutigen Technologien wird man mit seiner Gefühlswelt alleine gelassen und so holt man sich selbst allmächtigste Ratschläge heutzutage per Videocall ab, wie Turner in „American Sports“ erklärt. Die Kritik an der Technologie und der damit korrespondieren Flucht in eine andere Welt korreliert mit dem Sound auf dem Album. Matt Helders, Drummer der Band, erklärte erst kürzlich in LA Weekly, dass jeder Song immer, die Stimmung des Songwritings wiedergeben muss. Der Sound auf „Tranquility Base Hotel & Casino“ ist zurückgenommen, die Gitarrenriffs sind zwar noch vorhanden, wurden aber den Piano-Klängen zuliebe gedrosselt. Vielmehr wird Turners ausgereifte Stimme mit Hall und spacigen Sound-Effekten unterlegt. Dadurch bekommt die Platte nicht bloß einen Last Shadow Puppet Humbug-Vibe, sondern ist auch ein verstecktes Tête à Tête mit dem Geist von David Bowie und erinnert außerdem an Sci-Fi-Filme der 70er und frühen 80er Jahre.

„Four Out Of Five“, das bereits im Album-Teaser angespielt wurde, skizziert Turner das Bild einer Mondreise, die ihn vor dem Bewertungswahn unserer Gesellschaft retten soll. Zudem spricht er über den Druck seines Künstlerdaseins und dem heutigen Informationsfluss, der irgendwann in einer Willkür endet. Mit den Worten „Take it easy for a little while“ greift er den Prozess der Entschleunigung auf, der von einem sehr Arctic Monkeys-esquen Gitarrenriff gefolgt wird. In  „The World’s First Ever Monster Truck Front Flip“ zitiert er mit den Worten „You push the button and we’ll do the rest“ einen Kodak-Werbespruch aus dem späten 19. Jahrhundert und deutet immer wieder dystopische Ideen, wie die von Aldous Huxley an. Diese Gedanken enden in „Science Fiction“ in der Perversion der Technologie, die dann in „She Looks Like Fun“ wieder von irdischen Problemen abgelöst wird. Mit tiefer Creep-Stimme erzählt Cameron Avery zusammen mit Alex Turner die Geschichte einer unangenehmen Online-Bekanntschaft, die sich problemlos auf die Beziehung von Alex Turner zu dem Model Taylor Bagley übertragen lassen könnte. „The Ultracheese“ bietet einen würdigen Abgang und ist womöglich neben „505“ und „Cornerstone“ einer der schönsten Songs, den die Band aus Sheffield je produziert hat. 

Das sechste Studioalbum „Tranquility Base Hotel & Casino“ der Arctic Monkeys, das vom Stammproducer James Ford produziert wurde, ist mit seinen fehlenden Chorussen und den zurückgeschraubten Gitarrenriffs die nach „Humbug“ die womöglich unzugänglichste Platte der Band. Vielmehr ist der außerirdische Zufluchtsort für einen Musiker, der mit Anfang 30 bereits alles in seinem Leben erreicht hat. Die Entscheidung keine Vorab-Single zu veröffentlichen, bestärkt das Gefühl eines Gesamtkunstwerks, das gewürdigt werden muss.  Der Zuhörer soll sich nach mehreren Hörversuchen auf den erzählerischen Sound der Platte einlassen und kann dann durchaus mit einer großzügigen Retro-Suite im Tranquility Base Hotel rechnen. 

Vö: 11.05.18 // Domino

Beste Tracks: Four Out Of Five, One Point Perspective, The Ultracheese

Foto: Zackery Michael

Iceage – Beyondless

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Durch den Drang und die Hektik sind sie bereits gegangen, auf „Beyondless“ fallen Iceage in die Romantik der Aggression. Druckvoll, kitschig und voller Farbe ist das vierte Album der dänischen Punk-Band das Beste ihrer bisherigen Historie.

Elias Bender Rønnenfelt betritt den abgedunkelten und engen Bühnenraum der Londoner Scala kurz nach seinen Bandmitgliedern. Mit nassen, dunklen Strähnen im Gesicht und dem Mikrofonkabel um seine Hand geschlungen stürzt sich der 26 Jährige in ein Publikum, das in den ersten sechs Reihen bis zum Ende des Konzertes nicht aufhören wird, sich einander von sich zu stoßen, Ellbogen auszuweichen und den Sänger in den Schlund aus Körpern zu saugen. Rønnenfelt schreit nicht und doch klingen seine Texte manisch vorgetragen, fast wahnsinnig anmutend keift und gestikuliert er. Zwischen einzelnen Songs vermeidet er bis auf ein paar Songtitel größtenteils zu sprechen, ein Song nach dem anderen wird wie eine Walze aus synchronisiertem Chaos durch den Konzertsaal gerollt und unermüdlich bricht sich die Aggression des Sängers Bahn. Wie in der ein paar Wochen zuvor durchgeführten Installation des japanischen Künstlers Makoto Azuma, in der Iceage in einem Blumenmeer ihr neues Album performten, zeigt sich die Musik der Dänen in ihrer Rauheit, in ihrer Gewalt aber auch während der einzigen Großbritannien-Show vor allem als das, was das vierte Studioalbum mit dem Namen „Beyondless“ so besonders macht: Vielfältig romantisch.

Dass der Ausdruck dieser Band aus Kopenhagen viele Gesichter kennt, ist nichts Neues. Rønnenfelts Nebenprojekt Marching Church steht hierfür als Beweis, ebenso der Wandel vom Punk, zu Etwas nahe am Hardcore, zu Irgendwas mit Americana-Melodie, zu Punk, durchflutet von Melodie und Charme. Erhalten geblieben sind die schon fast unwirklich faszinierende Wirkung des Frontsängers, der sich für seine lyrische Arbeit zu „Beyondless“ in einem Kopenhagener Turm mit Plattenspieler, Schreibmaschine und ein paar Büchern einschloss und eine Dynamik, die durch die weiteren Bandmitglieder Jakob Tvilling Bless, Johan Surballe Wieth und Dan Kjaer Nielsen nun auch dramatisch mit Saxophon und Violine umgesetzt wird. „Beyondless“ wankt, es taumelt und windet sich, aber es findet seinen Weg, wohin auch immer.

Mit Blut an den Händen begrüßt Rønnenfelt seine Zuhörer in diesem poetischen Kabinett, das er auf eben diesem Album entwirft: Mit Teppichbomben und einer Schrotflinte für den menschlichen Drang über den Gartenzaun aus der natürlichen Anomalie der Bequemlichkeit herauszuklettern und das Hirn des Nachbarn kathartisch an dessen Küchendecke verteilt zu sehen. Es kann, es wird, es soll nicht aufgehört werden, mit diesem ständigen inneren Gewaltexzess, der Mensch in der shakespearschen Revolte gegen den Trieb und immer gegen sich selbst. Eingehüllt in ein musikalisches Rippengerüst aus Posaune, Gitarre, dunklem Bass und wirren Pianos, rast jener Körper rastlos durch seine eigenen Nervenbahnen, für immer zu viel. Und während im Duett mit Sky Ferreira der Tag verflucht wird, stolpert Rønnenfelts Figur wahnsinnig in seidene Spinnennetze, verfängt sich betend zwischen Beinen und Füßen, um den Geschmack von bittersüßem fremdem Speichel mit Medikamenten zu übertünchen. Romantik wie aus einer Burroughs-Erzählung, kalter Schweiß in den Haaren über der klebrigen Stirn, raue nervöse Nervenenden und vier Tage ohne Schlaf, um zu ebenjener Person zu gelangen, in deren Schoß der eigenen Verzweiflung keine Grenzen mehr gesetzt werden können.

Und während hier die Pophymnen aufblitzen und in Stücken wie „Thieves like us“ und „Showtime“ eine Kabarett-artige Atmosphäre jazzartig das Licht aufhellt und „Beyondless“ fast sanft glitzern lässt, sind es gerade die dunklen, undurchsichtigen Tiefen, in die Iceage eintauchen, die dem Album seine Spannung aufzwingen. Durchgehend makaber und niemals voller freier Lungen kommt Rønnenfelt im abschließenden Titeltrack „Beyondless“ zur Selbstaufgabe auf hoher See, hilflos und orientierungslos fällt er durch seine Metapher der Todeskämpfe einer unbenannten Stadt. Seine Stimme windet sich um die Worte, verrenkt, verdreht sich und streckt sich nach dem Ufer der Zuneigung, als wären seine Wahnsinnigen am Ende ihres Weges durch die surreale Welt ihres Gemütszustands gegangen und schlussendlich vielleicht nirgendwo angekommen. Im Rasch des Absurden, wo es keinen Schlussstrich gibt, lassen Iceage „Beyondless“ dahinziehen.

Vier Jahre sind seit der Veröffentlichung von „Plowing Into The Field of Love“ vergangen, genug Zeit um einen Weg zu finden, auf einem Album sowohl expressionistisch als auch musikalisch an einen Punkt zu kommen, der Iceage als Band authentisch zu autonomer Individualität verschafft. Die Eindringlichkeit, mit der Rønnenfelt in „Catch It“ auf die Hörerinnen einredet und die düstere Mischung aus Blasinstrumenten und Punk, die ihrem Vampir von Sänger eine Bühne verschafft, findet man vielleicht bei Leonard Cohen und Nick Cave, die Impulsivität, das Elend des Wahnsinns aber nur noch in frühen Werken des Letzteren. Getrieben durch eine Bildsprache eines sich selbst durch das eigene Unterbewusstsein Hetzenden und befeuert von einer unermüdlichen Band, ist „Beyondless“ das romantische Gegenstück zum ersten Album „New Brigade“. Eine bittersüße Reise durch die Poesie Rønnenfelts, der zum Ende hin vielleicht zum ersten Mal nach Luft zu schnappen scheint.

 

Beste Songs: Pain Killer, Catch It, Take It All

VÖ 04.05.2018 // Matador Records

 

 

Die besten Songs des Monats – #April

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Der April ist nicht nur einer der zwölf besten Monate des Jahres, er ist 2018 anscheinend auch offizieller Sommerbeginn. Während ihr also gerade aus dem Maikater erwacht, präsentieren wir die besten Songs der letzten 30 Tage.

Beach House – Dark Spring

„Hypnotisiernd“ ist einer dieser Begriffe, der derart inflationär in der Bloglandschaft benutzt wird, dass wir nun mit aller Kraft versuchen werden diesen zu umschreiben. Der Song „Dark Spring“ von Beach House ist ein Auszug aus ihrem bevorstehenden Album „7“, das am 11. Mai erscheinen wird. Im düsteren Video werden immer wieder überbelichtete Nahaufnahmen gezeigt, die trotz Dunkelheit und Nebel ein Gefühl von Vertrautheit vermitteln. Ähnliche Reaktionen löst auch der treibende, shoegazige Rhythmus bei „Dark Spring“ aus. 

Blossoms – There’s A Reason Why (I Never Returned Your Calls)

Mit einem straighten Kopfsprung geht es für Blossoms bei „There’s A Reason Why (I Never Returned Your Calls“ in den großen Top der Cheesyness. Der Song ist nach „I Can’t Stand It“ die zweite Single-Auskopplung der Band aus Stockport, die mit großen Gestern an bessere Zeiten der britischen Musikgeschichte erinnern wollen. Und so findet man in dem Track einen Chorus wieder, der voluminöser und mächtiger kaum sein könnte. Bei solch einer Arena-Stimmung breiten wir schon gedanklich unsere Arme aus, schließen die Augen und singen lauthals mit. 

Peace – You Don’t Walk Away From Love

Mit den Worten „I’m not leaving footprints behind me“ steigt Harry Koisser in „You Don’t Walk Away From Love“ ein und macht deutlich, dass diesmal bei Peace alles anders werden soll. Vorbei sind die (dicken) Zeiten in denen sie von Sony gepusht wurden und darauf angewiesen waren Hits zu schreiben. Mit ihrer aktuellen Single haben sie es aber ein weiteres Mal getan und eine Nummer produziert, die ihrer neuen Genre-Bezeichnung Funge (Funk Grunge) gerecht wird. Der Song ist nach der Ballade „From Under Liquid Glass“ eine entspannte Abwechslung zu dem sonst super ehrlichen Ton ihres aktuellen Studioalbums „Kindness Is The New Rock And Roll“. 

A$AP Rocky – A$AP Forever

Dass A$AP Rocky mit einer Moby Kollaboration auf die große Bildfläche vor seiner dritten Albumveröffentlichung zurückkehrt, ist im ersten Moment überraschend, im zweiten eine originelle Idee und im dritten die Basis für einen schlicht wirklich guten Song. Wie im dazugehörigen Video gleitet der nicht zu Unrecht selbst ernannte schönste Mann New Yorks durch massive Beat-Landschaften, Gang-Shoutouts und eben jenes von Khloe Anna gesungene Moby Sample, das aus „A$AP Forever“ ein kleines Genre-überschreitendes Highlight des Monats macht. Flow, Überheblichkeit, ein uniformhafter Overall und träumerische Atmosphäre, alles fließt ineinander auf dem ersten wirklichen Release seit Long Last A$AP. Wann Flackos neues Album herauskommt oder wie es heißen wird, ist bis jetzt nicht veröffentlicht. Sollte die Experimentierfreudigkeit aber darauf nicht nach den genau vier Minuten der ersten Single aufgebraucht sein, könnte A$AP Rocky hiermit ein ganz besonderer Wurf gelingen.

Jesper Munk – Solitary

Mit langsamen Schritten geht Jesper Munk seine Ballade „Solitary“ an, vorsichtig und nachdenklich klingen das Klavier und die Stimme des 25 Jährigen Münchners. Favourite Stranger, das bereits vierte Studioalbum Munks, erweicht den Blues seiner Vorgänger um mal mehr oder weniger offensichtliche Pop-Annäherungen und gerade auf „Solitary“ erweist sich das bisschen mehr Romantik als erleichternde Bereicherung. Wie schon auf der im Januar erschienen Single „Happy When I’m Blue“, dessen Video nach spontanem Einfall in Tianducheng, der chinesischen Remineszenz an Paris, entstanden ist, findet Munk im Minimalismus seine besten Momente. Und ganz nebenbei, nennt uns doch mal einen Alman, der beim Rauchen und Tanzen besser aussieht.

Cardi B – Be Careful

Bevor Cardi B mit „Bodak Yellow“ einen der größten Hits des vergangen Jahres veröffentlichte, hatte die New Yorkerin bereits einen Strip-Club in ein Social-Media Highlight verwandelt und sich damit im Reality-TV einen Namen gemacht. Started from the bottom, now we everywhere wo sich die Facebook-Feeds und Instagram-Videos an steigenden Klickzahlen schier überfressen müssen, quasi. Mit ihrem zu Beginn des Monats erschienenen Debütalbum Invasion of Privacy beweist Cardi B endgültig dem patriarchalischem Duktus im Rap, nach dem Stripperinnen eben optische Attribute in Musikvideos sein sollen, hoffentlich das Gegenteil. Witz, Ehrlichkeit und eine sich durch jeden Satz tänzelnde Stimme machen Songs wie „Be Careful“, auf dem potentiellen Zukünftigen von kopflosem Geflirte abgeraten wird, zum Besten, was Rap und Hip-Hop 2018 bisher hervorgebracht haben.

Drangsal – Und Du? Vol.II

Neben „Turmbau zu Babel“ ist „Und Du? Vol.II“ der beste Song auf Max Grubers neuem Album Zores. Wie sich durch den Wald an Sprachbildern gewunden wird, Worte um des Wortes Willen verwendet werden und sich die Drangsal im angenehmen Klang bester Prefab Sprout Anspielungen auf neue Wege des Songschreibens begibt, ist vielleicht noch mehr als sich Fans und Kritikerinnen des Pfälzer Musikers erwartet hatten. Die Ehrlichkeit und die Süße mit der hier über Selbstentwicklung und -entdeckung nachgedacht wird machen aus „Und Du? Vol.II“ einen Song, zu dem im kleinen Zimmer vor dem fleckigen Spiegel gleichsam getanzt werden wird wie vor den Bühnen hiesiger Festivalvenues. Ohne dabei in zu große Vergleiche einsteigen zu wollen, stellen wir, vielleicht ein wenig zu verzückt, fest, dass es Gruber hier gelungen ist, einen Song zu schreiben, der sich vor der Eindringlichkeit seiner persönlichen 80er Herzstücke nicht verstecken muss. 

Hatchie – Sleep

Emotional glitzert es durch die bisherigen drei Singles der Australierinnen und die Synthies schillern farbenfroh. Hatchie aus Brisbane klingen nach jugendlichem, schwärmerischem Shoegaze, befreit vom Schwermut und der Dunkelheit, die Bands wie Lush, Slowdive oder eben My Bloody Valentine umgeben. Popmusik mit träumerischen Refrains und sich überlagernden Gesangsspuren, in denen Sängerin Hariette Pilbeam „Sleep“ authentisch gleichzeitig von der Angst und dem Rausch der Romantik erzählt. Musik, gemacht für die warme Spannung hoffentlich baldiger Sommernächte.

Father John Misty – Mr. Tillman

Schon mit Videos zu „Hollywood Forever Cemeteries“ oder „The Night Josh Tillman Came To Our Apt.“ hat Father John Misty seine Vorliebe für originelle visuelle Umsetzungen seiner generell gleichsam originellen Texte umgesetzt. In einer Mischung aus Shining Anspielungen und einem Hotel California Set, bewegt sich Joshua Tillman durch ein Penrose-artiges Konzept, gefangen im eigenen Selbst, so scheint es. Der Songwriter, dessen neues Album God’s Favourite Customer in einem Monat erscheinen wird, sieht sich von Dächern fallen, nur um sich später in eben jener ungünstigen Situation wiederzufinden. Mit „Mr. Tillman“ zeigt Father John Misty die Satire und den Sinn für komisch Absurdes, das sein letztes Album Pure Comedy bestimmte nachdem vor allem „Just To Dumb To Try“ den Lovesong wieder in sein Oevre aufgenommen hatte.

 

Doppelschlag – Jungle veröffentlichen gleich zwei neue Songs

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Nach fast vier Jahren Pause sind die Musiker von Jungle mit zwei neuen Songs zurück im Business. In der kommenden Woche sind sie dann in Deutschland auf Tour. 

Der Hype vor vier Jahren hätte größer nicht sein können. Mit kryptischen Veröffentlichungen und noch kryptischeren Pressebildern trat das Kollektiv aus London damals auf. Erst kurz vor den ersten Live-Auftritten ließen sie ihre Maskierung dann fallen und man bekam langsam Einblick in die Kunstwelt von Jungle. Bestimmt wird diese von den beiden Produzenten Tom McFarland und Josh Lloyd-Watson, die seit Ewigkeiten befreundet sind. Nachdem das erste Projekt Born Blonde irgendwann zu Ende ging, beschlossen sie dann Jungle in die Welt zu rufen und bescherten der Musikszene mit dem gleichnamigen Debütalbum dann auch einen Mix aus Groove und Funk. 

Fast genau vier Jahre später tauchten mit „Happy Man“ und „House in LA“ gleich zwei neue Songs im Netz auf. Der erstgenannte knüpft nahtlos an den bekannten Musikstil der Band an, die live immer wieder von befreundeten Musikern ergänzt wird. Das dazugehörige Video zeigt die Band in einer Art Bandkeller, die zudem als Treffpunkt für Freunde zu gelten scheint. Im Gegensatz zu der Dunkelheit in „Happy Man“ steht das Viideo von „House in LA“. In einer großen Villa auf den Hügeln von Los Angeles werden hochpolierte Aufnahmen gezeigt. Es ist nicht bekannt, ob beide Songs Vorboten für ein neues Album sein werden. Nächste Woche sind Jungle live in Deutschland zu sehen. 

Tourdaten:
16.05. Huxley’s neue Welt, Berlin
17.05. Live Music Hall, Köln