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Leyya droppen mit „Wannabe“ einen absoluten Sommerhit

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Leyya // © Gabriel Hyde

Eindringliche Harmonien, flowiger Indie-Elektro-Sound und sehr ironisch – mit „Wannabe“ legen Leyya nach und präsentieren womöglich den Sommerhit 2018.

Kein halbes Jahr ist es her seit Leyya mit „Sauna“ ihr zweites Studioalbum veröffentlicht haben. Die Popmusik sind sie dennoch nicht überdrüssig. Vielmehr nehmen Sophie Lindinger und Marco Kleebauer dies zum Anlass sich erneut zurückzuziehen und an neuen Songs zu arbeiten.

Zwinkernd beginnt nicht nur der Clip zu „Wannabe“, sondern ist das zwinkern von Sophie auch ein klares Anzeichen der Ironie. „Wir haben versucht dem Post-Release-Down nach ‚Sauna‘ zu entkommen, indem wir kreativ waren und direkt neue Musik produziert haben,“ so das Duo über den Prozess zur neuen Single.

„I wanna be like you wanna be like me“

Die Antwort nach dem Album-Rausch kann sich definitiv hören lassen. „I wanna be like you wanna be like me“, besingt Sophie Lindinger und zwinkert dabei verschwörerisch in dem Clip. Thematisch geht es in „Wannabe“ darum, jemand anders zu sein. Quasi der Gedanke den ein jeder von uns schon mal hatte. Ironischerweise ist es oft genau anders herum.

Im Video zum Clip setzt Rupert Höller die Thematik bild- und farbgewaltig an der kroatischen Mittelmeerküste in Szene. Musikalisch geht die Nummer sofort ins Ohr. Auf dieser Indie-Welle lässt es sich gediegen in den Sommer gleiten. Mit der aktuellen Platte geht es im Herbst auch wieder auf Tour. Tickets gibt es an allen bekannten Vorverkaufstellen und via Eventim.

Leyya live:

03.10.18 – Rockhouse, Salzburg, Austria
04.10.18 – Cinema Paradiso, St. Pölten, Austria
17.10.18 – Ekko, Utrecht, Netherlands
18.10.18 – Kleine Freiheit, Osnabrück
19.10.18 – Artheater, Köln, Germany
23.10.18 – Sebright Arms, London, United Kingdom
25.10.18 – Glocksee, Hannover, Germany
26.10.18 – Engelsburg, Erfurt, Germany
24.11.18 – OKH, Vöcklabruck, Austria
27.11.18 – Konzerthaus, Wien, Austria

Exklusive Premiere: LIONLION geben in ihrem Porträt tiefe Einblicke in die Albumproduktion von „The Atlas Idea“

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Still aus: "LIONLION - The Atlas Idea"

LIONLION mussten im Zuge von „The Atlas Idea“ erst nach London reisen, um die Produktion ihres Debütalbums wieder anzukurbeln. In dem Porträt von Jonathan Steil gibt die Band persönliche Einblicke. 

„London ist ein aufregender Ort. Es war der perfekte Spiegel unserer Situation.“ Irgendwann im Laufe der Produktion des Debütalbums „The Atlas Idea“ verlor der Sänger und Songwriter der Band Michael seine Stimme. Mit diesem Vorfall zog der Stillstand bei der Band ein. Ein Gefühl des Aufgebens machte sich innerhalb der Band breit und die vier Musiker entschlossen daher die Eigenproduktion ihres Albums nach London zu verlegen. Mithilfe der britischen Metropole wollten sie ihre Gedanken wieder reinigen und sich nicht mehr weiter von Deadlines und Terminen vorantreiben lassen. 

Das Porträt zu „The Atlas Idea“ wurde zusammen mit dem Videografen  Jonathan Steil aufgenommen und zeigt die Reise, die die Band emotional hinnehmen musste. Alles begann mit der Entscheidung bei der Aufnahme ihres Debütalbums auf einen fremden Produzenten zu verzichten. Die Band um Andre (Drums), David (Bass) und den Zwillingen Matthias (Gitarre) und Michael (Keys, Vocals) wollte die Zügel selbst in der Hand haben, unterschätzten aber die damit einhergehenden Probleme. Schnell war man als Band gefangen in einer Mischung aus Druck und plötzlich fehlender Kreativität. In den sehr persönlichen fünf Minuten gibt die Band persönliche Einblicke in ihr Gefühlsleben zu dieser Zeit und zeigt, dass ein Ortswechsel manchmal Wunder bewirken kann. 

Der erste Longplayer „The Atlas Idea“ von LIONLION erschien im Januar dieses Jahres. Es ist eine Reise in die Zeit vergangener, musikalischer Epochen, zeigt aber auch das Innenleben der vier grundverschiedenen Musikern. Sphärisch, poetisch und groß klingt der Sound des Quartetts aus Nürnberg an manchen Stellen und doch wirkt das Gesamtkonstrukt am Ende fast zerbrechlich und extrem persönlich. 

Exklusive Einblicke und Hintergründe zu dem Debütalbum „The Atlas Idea“ von LIONLION: 

 

Arctic Monkeys enthüllen ihr stylisches Video zu „Tranquility Base Hotel & Casino“

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Arctic Monkeys // © Zackery Michael

Nicht lange ist es her seit die Arctic Monkeys ihr sechstes Studioalbum veröffentlicht haben. Nachdem schon die erste Single „Four Out Of Five“ ein stylisches und nahezu visuell reizüberflutendes Video verpasst bekommen hat, geht es jetzt mit dem Titeltrack des Albums weiter.

Absolut absurd und unfassbar grandios – so oder ähnlich fallen die ersten Reaktionen aus, nachdem man den Clip zum Titeltrack des aktuellen Albums „Tranquility Base Hotel & Casino“ gesehen hat. Visuel ähnlich im Kubrick Stil und mit Sci-Fiction ästhetischen Elementen gehalten, wie auch schon zuvor das Video zu „Four Out Of Five“, zeigt der Clip Alex Turner, vor dem Hintergrund wechselnder und atemberaubender Fantasien. Highlight ist neben der kurzen Sequenz von Turner in Badeshorts (Contenance, Ladies!) vor allem die retro Kulisse und das Batman-Telefon gegen Ende des Clips.

Der Song bildet das Herzstück des Albums und so war es nur eine Frage der Zeit, bis der Track als zweite Single veröffentlicht wurde. Die visuele Weiterführung von „Tranquility Base Hotel & Casino“ lässt vermuten, dass wir vielleicht nocht mit weiteren absurden experimentierfreudigen retro Clips der Band rechnen können. Solange sich Mister Turner himself weiter in so schmissige Outfits schmeißt und uns Einblicke in seine Vorstellungskraft gibt, haben wir jedenfall nichts dagegen – mehr davon!

Wie in alten Zeiten – The Kooks veröffentlichen „Four Leaf Clover“

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The Kooks // © Andrew Whitton

The Kooks kramen musikalisch in ihrer Vergangenheit herum und veröffentlichen mit „Four Leaf Clover“ einen neuen Song aus ihrem bevorstehenden Album. 

Seit 2004 halten sich The Kooks nun schon wacker im fast ausgetrockneten Teich des Indie-Rocks am Leben. Nach vielen Aufs und Abs scheint die Band aus Brighton mit der Produktion ihres fünften Studioalbums jetzt ihren eigenen Frieden gefunden zu haben. Sämtliche Songs aus „Let’s Go Sunshine“ haben die Energie der frühen Tage und die Ausgeglichenheit der Gegenwart. 

So auch ihr neuester Song „Four Leaf Clover“. Der Track handelt vom Schicksal eines vom Weg abgekommenen Mädchens, das mit Drogen und Alkohol den Verlust ihres Lovers zu bekämpfen versucht. Die eigentlich dunkle Thematik wird mit der Luke Pritchard-typischen Akustikgitarre in ein Feld aus Blumen und Indie-Fabelwesen geführt. „Four Leaf Clover“ erinnert damit stark an die ersten beiden Alben der Band. Ein wenig Nostalgie am Wochenende kann man sicherlich an warmen Sommertagen gerne vertragen. „Let’s Go Sunshine“ erscheint am 31. August via Lonely Cat / AWAL Recordings. 

 

The 1975 veröffentlichen mit „Love It If We Made It“ einen neuen, herzzerreißenden Song

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The 1975 // Presse

Nach „Give Yourself A Try“ ist „Love It If We Made It“ der zweite Song, den uns The 1975 aus ihrem bevorstehenden Album „A Brief Enquiry Into Online Relationships“ zeigen.

Werden The 1975 jetzt etwa politisch? Der Chorus in ihrem neuen Song „Love It If We Made It“ lässt vermuten, dass Matt Healy und seine die Zuständen in der Welt keineswegs kalt lassen. „Modernity has failed us
But I’d love it if we made it“, heißt es in dem neuen Song, der eine leichte Weltdepression vermuten lässt. 

Der negative Ton kommt im typischen 1976-esquen Kitsch daher und spricht neben dem depressiven Allgemeinheitsgefühl auch konkrete Themen wie den Tod des Rappers Lil Peep an. Anschließend richtet sich Healy schon fast verzweifelt an die Religion und singt „Jesus please help us“. Die ausdrucksstarke Single „Love It If We Made It“, die bei Beats 1 premierte, ist der zweite Song nach „Give Yourself A Try“ den The 1975 aus ihrem neuen Studioalbum mit uns teilen. Das Album soll im Herbst erscheinen. 

 

The Postie präsentiert: Rat Boy kommt im November nach Deutschland

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Rat Boy // Press

Rat Boy kommt im November mit seiner „Dumb and Confused“ nach Deutschland und hat mir etwas Glück neue Musik mit dabei.

Dass Rat Boy mal in der legendären „BBC Sound of XY“-Liste landen wird, konnten wir 2014 als wir erstmals über den Briten geschrieben haben, nicht erhahnen. Aber bereits damals hat man aus den verzerrten, weirden Soundcloud-Demos auf DIY-Basis heraushören können, dass Jordan Cardy kein gewöhnlicher neuer Brit-Indie-Star ist. Dafür unterscheidet sich Rat Boy in seinem Projekt und der zusammenhängenden Idee auch einfach zu sehr von der herkömmlichen Herangehensweise. Sich in ein Studio einsperren und an einem Album arbeiten, würde den Musiker womöglich schnell langweilen.

Viel eher setzt er auf ständiges Produzieren von neuen Mixtapes. Nebenher gestaltet Rat Boy auch noch die Artworks selbst und gibt sich somit eine eigene Street Art-Handschrift, die von Skatewear über Graffiti bis hinzu Socken geht. Mit „Scum“ reichte er 2016 ein handfestes Album nach, das ein wildes Konstrukt mit prominenten aus Britpop und Hip Hop sein sollte. Das Projekt Rat Boy scheint auch großen Namen wie dem Genie Damon Albarn und seinem Mate Graham Coxon zu gefallen, ansonsten wären sie wohl nicht als Gast auf der Platte gelandet. Rat Boy gelang mit seiner Beastie Boys-Attitüde und dem Indie-Charme auf „Scum“ also etwas, das Kanye West noch verwehrt bleiben sollte.

Über neue Musik wird zwar noch nicht offiziell gesprochen, jedoch kann man davon ausgehen, dass Rat Boy längst wieder im Studio an neuen Songs arbeitet. Und da der Musiker als äußerst experimentierfreudig gilt, kann man davon ausgehen, dass man vielleicht den ein oder anderen Song im November hören wird. Da kommt er nämlich für insgesamt vier Live-Termine nach Deutschland. Ob diese ähnlich wie gerade in London, auch in Themenabende eingeteilt werden, ist unklar. Die Shows wurden in: Nummer  „early mixtape jams“, „tracks from the present and future“, „SCUM“ und einem Set, das Social Media bestimmt, eingeteilt.

The Postie präsentiert Rat Boy auf Tour:

08.05.2019 – Köln, Blue Shell
10.05.2019 – Hamburg, Molotow
13.05.2019 – Berlin, Kantine am Berghain
14.05.2019 – München, Feierwerk Orangehouse

LIT TV – Mavi Phoenix zeigt uns ihren neuen Song „Trends“

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Still aus "Mavi Phoenix - Trends"

Die Österreicherin Mavi Phoenix zeigt mit „Trends“, dass sie auch wilde Punchlines drauf hat. 

Mit ihrem LIT TV zeigt sich Mavi Phoenix von ihrer euphorischsten Seite und haut den Punch-Pop-Song „Trends“ raus, der hoffentlich auch in den Youtube Trends landen wird. Es ist der erste Song, den sie nach dem Release ihrer „Young Prophet“-EP geschrieben hat, welches einen großen Einfluss auf dem Gemütszustand der jungen Musikerin gehabt haben muss. So verrät sie: „Trends beschreibt den mentalen Zustand, den ich zu der Zeit hatte. Die Tatsache, dass ich mein Team und mein Label LIT Records hab, hat mich extrem gestärkt. Ich wollte einfach ausbrechen und einen richtigen Punksong schreiben.“

Produziert wurde der Song Alex The Flipper und Mavi Phoenix selbst. Das Video zeigt die Künstlerin in einer Art Fernsehinterview am Strand. Sichtlich aufgebracht entreißt sie dem Reporter das Mikrofon und spitted wild mit Phrasen um sich. Der Look des Videos weist einen starken VHS-Charakter auf. Für die Nachbearbeitung des Videos war die Kreativagentur Selam X am Werk. „Trends“ teast zudem eine im November anstehende Europatour an. 

Wir haben Selam X ein paar Fragen gestellt und wurden mit kryptischen Bildern belohnt.

„Bemyself“ – Parcels veröffentlichen neues Video

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Parcels // © Presse

Es ist soweit: Noch in diesem Jahr soll das Debüt von Parcels erscheinen. Mit „Bemyself“ veröffentlicht das Quintett bereits den zweiten Song vom kommenden Album. Hier könnt ihr das dazugehörige Video der Wahlberliner ansehen.

Das Video zu „Bemyself“ wurde über den Dächern von New York aufgenommen. Immer wieder, wenn man die Band zusammen spielen sieht, fühlt man sich in der Zeit zurückgesetzt: Louie Swain, Patrick Hetherington (Synthesizer), Noah Hill (Bass), Anatole Serret (Schlagzeuger) und Jules Crommelin (Gitarre) tragen lange Haare, Schnurrbärte, weite Hosen und gemusterte Hemden. Kein Wunder, denn die Band lässt sich von den 70er Jahren inspirieren und beschreibt ihre Musik selbst als Modern Disco.

Mit der neuen Single liefern sie den perfekten Soundtrack für einen faulen Tag in der Sonne – und machen neugierig auf das langersehnte Debütalbum. Es sei der erste Song, den sie gemeinsam in den Mesanic Studios aufnahmen, erklären die fünf Freunde der Presse. „We were all very excited to start the record with this song, as it felt right to dive into a song that really had meaning for us all lyrically; it’s the message you want to tell yourself when recording your first album.“

Parcels live:

03.08.2018 Diepholz, Appletree Garden
04.08.2018 Dangast, Watt En Schlick
21.09.2018 Hamburg, Reeperbahn Festival
18.11.2018 Köln, Music Hall
05.12.2018 Stuttgart, LKA Longhorn
06.12.2018 Wiesbaden, Schlachthof
10.12.2018 München, Muffathalle
11.12.2018 Dresden, Alter Schlachthof
12.12.2018 Berlin, Astra Kulturhaus

Ein grenzenloses Fest – So war das Melt Festival 2018

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Florence and the Machine

Das womöglich größte, deutsche Indie-Electro-Festival zeigte sich in seiner 21. Edition so bunt und grenzenlos wie noch nie. Neben dem verschwitzten Duft der Keta-Raver bot das Line-Up wie auch das Publikum auf dem Melt Festival eine süßliche Note an Grenzenlosigkeit und Queerness. 

Jedes Jahr pilgern etwa 20.000 Besucher aus aller Welt in die Eisenstadt Ferropolis, um versteckte Raves, ausgefallene Looks, hochkarätige Acts und vor allem sich selbst zu feiern. Dieses Jahr gelang es den Veranstaltern mithilfe eines diversen Line-Ups die Engstirnigkeit des eigenen Publikums abzulegen. Mit seinen queeren Headlinern und Eckpfeilern der Akzeptanz kreierte  das Melt Festival einen einzigartigen Raum in dem sich Billo-Raver und queere BesucherInnen am Ende jeden Abends verliebt in den Armen lagen. 

Dabei startete der Donnerstag mit dem Headliner der Pre-Party doch derart stumpf und vorausschauend. Jeder Drop, jeder Knopfdruck ist einstudiert bei dem in die Jahre gekommenen Blech-Techno von Boys Noize. Umso erfreulicher war es, dass der Freitag früh mit The Internets Genre-Verschmelzung eine andere Kerbe einschlug. Neben The Internet bewiesen auch Acts wie Superorganism mit ihrem Weirdo-Indie, Rex Orange County oder Little Dragon, dass festgefahrene Genres längst der Vergangenheit angehören. Und so kann man als Veranstalter bedenkenlos auch mal einen Trap-Act wie Yung Hurn, der spontan RIN ersetzen musste, mit ins Line-Up einbauen ohne abends schweißgebadet in Angst vor einem Shitstorm einschlafen zu müssen. 

Wer sich abends nicht zwischen den vielen, kleinen Raves oder der  Hipness der Highsnobiety Stage entscheiden konnte, fand sich meistens vor dem großen Industriebrocken der Melt Stage wieder. Dort tänzelte am ersten Abend Florence + The Machine im leichten Sommerkleid über die Bühne und umgarnte das Publikum mit einer exklusiven deutschen Festivalshow. Die an Perfektion grenzende Bühnenpräsenz der Britin ließ das eisern-kalte Gelände zu einem bunten Märchenwald erblühen und so sorgte sie mit einem energievollen Set aus Klassikern wie „Shake It Out“ oder „Dog Days Are Over“ dafür, dass man für einen Moment lang zu glauben versuchte, dass die Welt doch ein guter Ort zu sein scheint. Ein weiterer Glücksmoment in ihrem Set war, als es ihr gelang die zahlreichen Influencer davon zu überzeugen ihr Handy kurz wegzulegen und einfach das Leben wieder analog wahrzunehmen und zu spüren. Inspiriert von diesem Vibe schwebte sie selbst wie ein Fabelwesen gegen Ende des Sets mit einer Regenbogenflagge über die Bühne und sprach sich stark für Weltoffenheit aus. Ein Zeichen, das uns das Wochenende über begleiten sollte. 

 

Gurr

Gurr im Interview über die Festivalkultur und heiße Sommertage

Mit ähnlicher Energie aber deutlich mehr Demut rockten sich Gurr den ersten Slot am Samstag auf der Melt Stage zurecht. Neben der drückenden Hitze, sprach auch das Public Viewing gegen das Set der Garagenrockerinnen. Dies ließ das Duo motiviert durch einen dezenten Kater jedoch ziemlich kalt und so performten Gurr stark auf der Bühne auf denen einst schon ihre Idole von Oasis aufgetreten sind. Starke Frauen dominierten wie Gurr, NOVAA, IAMDDB oder auch Sevdaliza, die mit ihrem erotisch aufgeladenen Set am Strand der Melt Selektor Bühne überzeugen konnte, bestimmten den Samstag und hätten damit auch keinen Raum für das Macho-Gehabe der Gallagher Brüder gelassen. 

Noch vor dem Headliner Fever Ray, die es bei dem Publikum mit ihrem Kabinett der Absurditäten leider schwer hatte, eroberten zehn Tänzer und Tänzerinnen zusammen mit der Dragqueen Pandy die Bühne und zelebrierten als Vulva verkleidet den Pussy Riot-Song „Straight Outta Vagina“. Eine mögliche Erklärung für das leider übersichtliche Publikum bei Fever Ray könnte aber auch mit dem Aufkommen eines neuen Popstars zusammenhängen. Auf der oft ein wenig unterschätzten Superdry Stage (vielleicht liegt es an den hässlichen Klamotten der Marke) trat nämlich Mavi Phoenix vor voller Hütte auf und stellt dem Publikum zurecht die Gretchenfrage, ob denn nun das Splash! oder das Melt Festival das bessere Festival sei. Die Antwort lieferte die Österreicherin mit ihrer Mischung aus Urban-Pop und Hip Hop selbst und feuerte die Genreverschmelzung zwischen der Containerlandschaft weiter an. 

Nach den Auftritten von Fever Ray und Mavi Phoenix wurde die BMP-Anzahl noch einmal angezogen und so konnte man sich mit Nina Kraviz, Modeselektor & Apparat oder zu später Stunde mit Palms Trax auf der Forest Stage in den Morgen tanzen. Wem dies zu elektronisch war, konnte sich ohne Alkoholkontrolle auf dem Intro-Floor in einen Autoscooter setzen und zusammen mit den Kollegen ein letztes Mal nostalgisch zurückblicken. Obwohl das Melt Festival jedes Jahr den Sleepless Floor anbietet, zeigt es auch, dass es durchaus Verständnis für die Besucher auf den Sleepyes Floors aka den Campingplätzen hat.

© Stephan Flad

Der musikalische Sonntag begann nämlich erst um 16:00 Uhr auf der am letzten Tag von The Black Madonna kuratierten Big Wheel Bühne mit Tijana T. Auf der großen Bühne dröhnten die, das ganze Wochenende perfekt abgemischten Klänge, sogar erst um 17:00 auf die Stahlbetonlandschaft von Ferropolis. Eine knappe Stunde später traten die Australier von Parcels gegen das Public Viewing auf der Melt Selektor-Bühne an und haben das Spiel locker mit 5:4 für sich entscheiden können. Mit Glitzer und viel Funkiness machten die in Berlin lebenden Musiker aus Down Under deutlich, warum sie momentan aufregendste neue Gitarrenband sind.

Der Glitzervorhang von Parcels musste anschließend dem Lack und Leder von Fischerspooner weichen. Die New Yorker sind nach einer neunjährigen Pause wieder zurück und setzen ein Statement indem sie die anrüchige Bühnenshow der New Yorker Queerszene auf die große Bühne der Melt Stage verlegen. Die Ästhetik der LGBTQ-Community durchbrach sämtliche Barrieren und stärkte das Motto der Grenzenlosigkeit des Melt Festivals, das sich dieses Jahr nicht nur musikalisch stark ausdrückte. Es ist nämlich kein Zufall, dass beim krönenden Abschluss eines nahezu perfekten Wochenendes mit Oliver Sim und Romy Madley Croft gleich zwei offenkundig homosexuelle Menschen auf der Bühne stehen und sich für Pride und Akzeptanz in der Gesellschaft stark machen. 

Auch musikalisch könnten The xx, die vom genialen Jamie xx im Hintergrund elektronisch gesteuert werden, als Sprachrohr und Markenbotschafter für das Melt Festival fungieren. Die perfekt ausgetüftelte Musik, die Verschmelzung von Tradition, Innovation, von Nostalgie und Fortschritt, die perfekte Bühnenshow, all dies sind Werte, die genau so auch auf die 21. Edition des Melts treffen könnten. Wenn es kommerzialisierte Festivals wie das Melt Festival schaffen sich dann auch noch auf natürliche Art und Weise für Akzeptanz, Gleichheit und Grenzenlosigkeit stark zu machen, finden wir die Welt zwischen liegen gelassenem Plastikgeschirr und Selfie-Sticks dann doch ganz in Ordnung. 

Eindrücke der 21. Edition des Melt Festivals

© Stephan Flad
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