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Exklusive Videopremiere: Pink Lint zeigt im Video zu „Fiddler“ die menschliche Unsicherheit der Selbstreflexion

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Still aus: "Pink Flint - Fiddler"

Knapp drei Jahre nach dem Debütalbum veröffentlicht Pink Lint, mittlerweile als Solo-Projekt, neue Musik und taucht in die Tiefen der menschlichen Unsicherheit ein. 

Viele Menschen teilen die Angst der Gegenüberstellung mit ihrem eigenen Spiegelbild. Zahlreiche Experimente, Studien und sogar das Free-TV haben sich in den letzten Jahrzehnten auf folgendes Phänomen gestürzt. Mit etwas mehr Finesse geht Pink Lint aus Berlin an die Sache heran. In einem kleinen Raum neben dem Café Kotti lösst er ProtagonistInnen bewegliche Spiegel-Fragmente an einer Wand hin-und her schieben. Der Betrachter sieht zu wie manche es wie eine künstlerische Perfomance, andere wie ein kindliches Gehabe behandeln. In den einen löst es Freude oder Verliebtheit und in den anderen Traurigkeit und Abwesenheit aus. 

Und genau hier schließt sich der Kreis zum normalen Blick in den Spiegel und die damit einhergehenden Gefühle, die Pink Lint in seinem Video zu „Fiddler“ offenlegen möchte. Die empathiegeladene Thematik zieht sich auch durch den Song des zu einer One-Man-Show geschrumpften Projekts. Der Song wird von einer Traurigkeit getragen, die einem in seiner genial-leidenden Ausführung doch ein Strahlen ins Gesicht zaubert. 

Der theatrale Tonus in „Fiddler“ erinnert an manchen Stellen an die großen Namen Geschäfts wie Get Well Soon oder an die düstersten Stunden eines Ben Howards. Hinter Pink Lint steckt der in Berlin lebende Oliver Burghardt, der bereits 2014 unter dem Label Grand Hotel Van Cleef das Debütalbum „You might lose a few Theeth but it’s fun“ veröffentlicht hat. Nun legt er am 23. November mit „Platte Don’t Pull The Rug From Under Your Horse“ eindrucksvoll nach. 

Die exklusive Premiere zu „Fiddler“ von Pink Lint gibt’s hier:

„Der perfekte Ort, um sich in Musik zu verlieren“ – Sea Moya im Interview

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Der Countdown läuft: In drei Tagen erscheint mit „Falmenta“ das Debüt von Sea Moya. Wir haben kurz vor der Veröffentlichung mit Elias Foerster über die Produktion und den Umzug der Band nach Montreal gesprochen.

Sea Moya sind wahre Klangakrobaten. Dass Elias Foerster und David Schnitzler auf ihrem Debütalbum „Falmenta“ mit Leichtigkeit diverse musikalische Einflüsse vereinen, ist also nicht weiter überraschend. Beim Hören entdeckt man immer wieder Neues – dieser Gesamteindruck spiegelt sich auch in der heute veröffentlichten Single „Purple Days“ wider. Aber was braucht eine Band, um eine so vielschichtige Platte aufnehmen zu können?

Elias Foerster gibt uns im Interview einen Einblick in die Produktion des Albums am Lago Maggiore und erzählt uns von der neuen Wahlheimat Montreal. Gemeinsam mit seinem Bandkollegen hat er außerdem ein paar Schätze aus der lokalen Musikszene in einer Playlist für uns zusammengestellt.

Eure EP habt ihr auf einem Roadtrip durch die baltischen Staaten wie beispielsweise Lettland aufgenommen, das kommende Album am Lago Maggiore – wie wichtig ist euch die Umgebung, in der ihr Neues aufnehmt und produziert?

Wir lassen uns gerne von unserer Umgebung inspirieren, begeben uns gerne in neue Situationen, um durch den Perspektivwechsel den Kopf frei zu bekommen. Ob die visuellen, kulturellen oder emotionalen Eindrücke eines Ortswechsels eine konkrete Spur hinterlassen, ist schwer nachzuvollziehen. Jedoch waren wir auch in Falmenta wieder überrascht, wie entspannt und konstant unser kreativer Fluss so vor sich hinplätscherte.

Wie kamt ihr denn darauf, das Debüt in einer Hütte am Lago Maggiore aufzunehmen?

Ich legte einen kurzen Stopp bei einem guten Freund in dessen “Rustico” während eines Non-Moya Roadtrips ein. Direkt von dem Ort und der Hütte fasziniert war es sehr einfach, die Band-Kollegen für einen Studio-Trip nach Falmenta zu überzeugen.

Erzählt mal ein bisschen von dem Ort Falmenta. Klingt ja wirklich ziemlich romantisch!

Wo fängt man hier an? Nachdem man die wuselige Uferstraße am Lago Maggiore verlässt und parallel zum wilden Flusslauf das Valle Cannobina bergaufwärts fährt, bekommt man einen ersten Eindruck der Ruhe und Gelassenheit der Region. Je weiter man sich immer schmaler werdende Serpentinen mit immer schmaler und älter werdenden italienischen Karossen teilt, desto klarer wird die Luft und der Kopf. Leicht oberhalb von Falmenta gelegen – die Straße wird hier zum Wanderpfad –  steht das “Rustico”, wunderschön an die Bergflanke geduckt. Weinbehangene Terrassen und Balkone, tiefhängende schwere Holzdecken, steinerne alte Wände, rußig, rauchiger Kaminduft – der perfekte Ort, um sich in Musik zu verlieren. Kein Netzempfang und schon längst kein WLAN tragen hier ihren guten Teil dazu bei. Oft über Tage hinweg völlig ohne Kontakt mit anderen Personen, genossen wir doch selten aber umso intensiver den guten Espresso in der einzigen Bar in Falmenta.

Spiegelt sich die dortige Atmosphäre auf der gleichnamigen Platte wider – abgesehen vom Titel?

Die Atmosphäre des Albums ist definitiv mit der Weite und Gelassenheit des Entstehungsortes verknüpft. In einigen Songs wie zum Beispiel „New Past“, „Victoria“ oder „Vineland“ ist dies vielleicht etwas klarer wahrzunehmen als in anderen, jedoch liegt da die Atmosphäre dann evtl. in anderen Details.

Angenommen ihr hättet freie Wahl – wo würdet ihr denn am liebsten mal ein Album aufnehmen?

Haha, da gab es schon viele Ideen. Einen ultimativen Ort gibt es nicht, Indien war definitiv schon das ein oder andere Mal im Gespräch, Mexiko, Westafrika – die Liste könnte zu lange werden, um interessant zu bleiben. Momentan Montreal, Kanada – ist aktuell jedenfalls der Ort, an dem wir uns sehr wohl fühlen.

Wie genau lief die Produktion des Debüts für euch ab?

Wir hatten die Möglichkeit zwei zeitliche Blöcke in Falmenta zu verbringen. Beide Male schleppten wir unser Studio- und Musikequipment den Wanderpfad ins Häuschen. Nach anfänglicher Anstrengung wurden wir mit der Freiheit belohnt, ohne Einschränkung aufnehmen zu können. Im Herbst hatten wir ein großes Sammelsurium an rohen Ideen aufgenommen. Manchmal entstanden die Ideen live als Band in einem Raum, oft verteilten wir uns auch auf verschiedene Räume, Balkone oder Terrassen und arbeiteten parallel an verschiedenen Songs. Es war interessant hier verschiedene Konstellationen auszuprobieren. Über den Winter konnten wir dann die Ideen etwas filtern und sortieren, um dann im Frühjahr mit konkreten Ideen die Platte zu finalisieren.

Hat sich in eurer Art und Weise des Aufnehmens seit der Produktion eurer EP „Baltic States“ etwas verändert? Wenn ja, was?

Durch die wachsende Erfahrung und Selbstsicherheit im Aufnahmeprozess waren wir definitiv schneller, effektiver und auch mutiger bei den Aufnahmen. Einige Aufnahmen der ersten Jam Sessions in „Falmenta“ haben es so tatsächlich auf die Platte geschafft, weil wir weniger perfektionistisch auf die Umsetzung achteten, als mehr den Charakter und die Attitüde der Momente einfangen wollten.

In eurem Sound werden viele verschiedene Einflüsse, bspw. aus Krautrock und elektronischer Musik, vereint. Wie kreiert ihr dieses vielschichtige Klangbild? Habt ihr bereits von Beginn an eine bestimmte Vorstellung von dem Endergebnis?

Hier ist unsere Herangehensweise sehr unterschiedlich. Manchmal war es sehr schön und spannend sich als Band einfach in einer ausladenden Improvisation näher zu kommen. Oft entstehen die Ideen, welche Kombination an Stil-Elementen man miteinander verkochen könnte, auch vorher im Kopf und man versucht sich einfach daran. Was jedoch letztendlich dabei rauskommt, kann sich von der Grundidee auch drastisch entscheiden.

Inwiefern wurdet ihr von Freunden und anderen Künstlern bei der Produktion unterstützt?

Es war sehr schön noch einige Gastmusiker und Freunde mit auf die Platte zu holen: Andi Haslacher am Saxophon im Song „Victoria“, Tilman Ruetz an den Percussions, welcher daraufhin live bei uns einstieg und nun mit nach Montreal gezogen ist und Drums spielt. Dazu hatten wir eine eineinhalbstündige Session mit Thanya Iyer hier in Montreal, die uns ihre wunderschöne Stimme und Synth-Welten für „Blown“ geliehen hat. Ansonsten machen wir vieles selbst wie Mixing und Artworks.

Verspürt ihr bei der Veröffentlichung eures Debüts einen gewissen Druck? Welche Gefühle kommen beim Gedanken an das baldige Release zusammen?

Ein Debüt-Album ist natürlich immer ein Debüt-Album (hmm ja), jedoch bremsen wir uns immer bewusst, wenn es um Erwartungen von unserer Seite geht. Wir sind sehr froh endlich die Songs in die Welt zu geben. Wen und wie viele Leute das dann tatsächlich erreicht, ist natürlich spannend und aufregend, jedoch nicht der Kern der Sache.

Heute erschien die neue Single von Sea Moya. Hier könnt ihr euch „Purple Days“ anhören:

Inwiefern hat euer Umzug nach Montreal die Musik auf „Falmenta“ beeinflusst?

Dadurch, dass der Recording-Prozess schon komplett abgeschlossen war vor dem Umzug, ist der Einfluss von Montreal auf der Platte eher gering. Der Mixing-Prozess wurde in Kanada abgeschlossen, was hier und da vielleicht eine Note hinterlassen hat. Und dann natürlich das Feature mit Thanya.

Was war denn eigentlich der ausschlaggebende Punkt für euch, um nach Kanada zu ziehen?

Die Lust ins Ausland zu ziehen, sich in eine andere Kultur einzuleben und mal wieder als blankes Blatt Papier durch die Straße zu laufen, bestand bei uns persönlich jeweils schon länger. Unser Hörverhalten zielte meist eher auf Musik außerhalb Deutschlands ab. Am Vorabend der Cologne Music Week saßen wir dann zusammen bei ein paar schmackhaften Getränken und kamen auf die Idee nach Kanada zu ziehen, kannten und hörten damals einige Bands aus Montreal, registrierten uns für den Visa-Antrag und dann ging alles recht schnell.

Wie unterscheidet sich die Musikszene von Deutschland und von Kanada? Welches Land würdet ihr heute eher als eure musikalische Heimat bezeichnen?

Wir genießen die Hilfsbereitschaft, den gegenseitigen Support und die DIY-Attitüde in Kanada sehr. Bisher haben wir wenig ‘sich unter Musikern kritisches Beäugen’ oder dergleichen mitbekommen. Das hatten wir tatsächlich in Deutschland manchmal anders erfahren, auch wenn man hier definitiv nicht generalisieren kann und darf! Was die DIY-Kultur angeht, kenne ich den Ansatz in Deutschland doch eher aus Punk und Hardcore, oder experimentellen Elektronik-Subkulturen. In Montreal findet man den Ansatz quer durch alle Stilistiken, Szenen und Altersklassen. Ob man beim Neighborhood Porch Fest durch die Straßen läuft und an jeder Ecke hat der Papa mit Tante und Onkel seine Veranda in eine Bühne verwandelt und leiert sich Bluesrock aus den Fingern, oder man per SMS-Anfrage den Ort und die Zeit des monatlichen Afro Future Electronic Happenings mitgeteilt bekommt, um die Nacht in irgendeiner Industrieanlage im Strobo zu baden – der Ansatz ist ähnlich. Einfach machen. Klingt alles so negativ auf Deutschland bezogen, soll es gar nicht, haha. Letztendlich freuen wir uns derbe darauf in Deutschland zu spielen, Essen im Club zu bekommen, Soundcheck zu bekommen haha. „Heimat“ ist momentan ein Begriff, den wir wenig unterstützen möchten, auch wenn das an sich traurig ist. Wir fühlen uns gerade in Kanada musikalisch sehr wohl, letztendlich ist die musikalische Heimat unserer Generation aber doch eher das Internet und dadurch die ganze Welt.

Wie würdet ihr eure neue Heimatstadt Montreal als Ort zum Musikmachen beschreiben?

Montreal ist sehr gut zu uns, wir sind super herzlich in die Szene aufgenommen worden und dafür sehr dankbar. Wenn man sich etwas raus wagt und Leute anquatscht, kommt man hier schnell in Kontakt mit anderen Bands und Künstlern aller Couture, kann Konzerte spielen, mit anderen Musik machen, etc. Jamsession und Beatmaker-Treffs, College Radios und Open Artspaces bieten alle Möglichkeiten sich schnell einzubringen und Teil der Szene zu werden. Love it.

Welche Bands aus Montreal legt ihr uns ans Herz?

Ihr solltet definitiv die neue Platte (‘Wait For Love’) von Cam Maclean anhören – super Songs und guter Typ! Natürlich solltet ihr euch mit Thanya Iyer befassen, wir sind alle maximal Fans geworden, ihre Konzerte sind übertrieben gut. So frei und trotzdem emotional berührend, eigen und doch zugänglich, ihre Mischung aus Jazz, Soul und Indie ist extrem gut. Guter Einstieg ist das sehr schöne Video zu „Daydreaming“. Future States sind Label-Kollegen und gute Freunde, die ihr definitiv auch auschecken solltet!

Und was sollten wir unbedingt mal machen, wenn wir nach Montreal reisen?

Esst kein Poutine, auch wenn das hier “Nationalgericht” ist. Das ist völliger Quatsch, es sei denn man ist nachts um vier auf einem extrem lange erscheinenden Heimweg und hat den entsprechend geschmacksunsicheren Zustand. Viel besser sind da die Bagels bei St. Viateur Bagel, das indische Essen bei Chand’s Palace, die Chocolatines bei Mamie Clafoutis. Ansonsten lohnt sich der klassische Touri-Aufstieg auf den Mont Royal definitiv, um einen Rundblick über Downtown zu bekommen. Was man auch unbedingt machen sollte in Montreal: Einfach Leute auf der Straße oder im Plattenladen (zum Beispiel 180G oder La Rama) fragen, was so los ist, da flattert auf jeden Fall die eine oder andere Einladung rein.

In der Playlist „Music Or New Treasures Roaming Easy At Last“ geben uns die Jungs von Sea Moya eine kleine Einführung in die Musikszene von Montreal:

The Postie stellt vor: Die neuen Singles von FARCE und Lanikai solltet ihr nicht verpassen

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Lanikai // © Jenny Ramone

Pünktlich zum Wochenende blubbert es nur so vor neuen musikalischen Eindrücken. Von überall her spült es Veröffentlichungen und wer da noch einen kühlen Kopf bewahren kann, darf sich jetzt selbstbewusst auf die eigene Schulter klopfen. Damit ihr euch an eurem wohlverdienten Wochenende nicht mehr durch alles durchhören müsst, haben wir zwei Neuerscheinungen für euch, die uns besonders im Gehörgang geblieben sind: die Klangkünstlerin FARCE aus Wien und die kanadische Newcomerband Lanikai. Warum? Das erfahrt ihr in unserer Vorstellungsrunde.

FARCE

In Zeiten in denen der virtuelle Raum in so ziemlich jeden Lebensbereich vorgedrungen ist, Sätze fallen wie „Ich glaube, dass Instagram jetzt das neue Tinder ist“ und ein Kennenlernen eigentlich keinen face-to-face-Kontakt mehr erfordert, antworten viele Songwriter*innen auf die Liebe 2.0 mit einem nostalgischen Wiederaufleben der klassischen Coming-Of-Age-Liebesgeschichten voll Drama und Happy Ends. Ganz anders geht die Österreicherin Farce mit dem Thema Internetgeneration und Liebe um. Im pulsierenden Synth-Pop-Song „Zozan“, der nach dem zweiten Vornamen ihrer Freundin benannt ist, steckt einiges an Leidenschaft. Noch viel cooler ist aber das Quiz, das Farce extra zur Single erstellt hat. Dort könnt ihr testen, ob ihr eure wahre Liebe finden werdet. Wir sind auf jeden Fall schon mal verliebt!

Lanikai

Die kanadischen Newcomer um Frontfrau Marti Sarbits, deren Bandname sich von einem hawaiianischen Strand ableitet, vereinen in ihrer Musik verschiedenste Gegensätze – wie Leichtigkeit und Schwere oder Vergangenheit und Gegenwart. Im frisch veröffentlichten „Heavy Ghost“ geht es um die Angst von der Vergangenheit eingeholt zu werden und darum, dass dieses Gefühl eigentlich ein ganz natürliches ist. Wenn Weisheiten wie diese von einer sanften Stimme wie der von Marti Sarbits vertont und von einem so erfrischenden Indiesound begleitet werden, dann können wir gar nicht genug bekommen.

https://www.youtube.com/watch?v=qlVVEyYfER

Coverstory: Flut – Eine Band, ganz am Draht

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Wo anfänglich noch VHS-Verliebtheit, Neue-Deutsche-Welle-Vibes und Retroromantik den Ton angegeben haben, schleifen Flut aus Wien jetzt die rauen Nostalgieanhaftungen von ihrer Musik ab und präsentieren mit „Global“ ein diverses, soundtechnisch eigenständiges Debütalbum. Im Interview haben wir mit Sänger Johannes Paulusberger und Schlagzeuger Jakob Herber über ihre eigenwilligen Songentstehungen, ihr Faible für Wettermetaphern und globale Exportpläne gesprochen.

„Wir leben in einer Stadt, die durstig macht. Wir leben in einer Stadt, sind immer am Draht.“ Was klingt wie das catchy Intro einer Kinderserie aus den Neunzigern ist die erste Textzeile auf dem Flut-Debüt „Global“. Sie markiert expositorisch die treffende Eigenbeschreibung für eine junge Band, die trotz scheinbar unstillbarer Liebe an musikalischen Zitaten und dem Drang nach ästhetischer Analogie, einen Schritt weiter gemacht hat. Flut tasten sich mit „Global“ in poppigere Welten vor, lassen ihre kantigen Eigenheiten dabei aber nicht zurück.

„Es sollte schon geupgradet klingen. Da muss man aber natürlich schauen, dass es man seine Authentizität nicht verliert und dann nur noch poppig und geschliffen klingt.“, bemerkt Sänger Johannes. „Wir haben geschaut, dass wir uns jetzt nicht nur an den Achtzigern bedienen, sondern an allen Einflüssen, die aus uns selbst kommen. Wir haben extra wenig Musik gehört im Studio.“ Insgesamt seien die Inspirationen fürs Debüt viel abstrakter geworden, fügt Schlagzeuger Jakob hinzu. Sie hätten nichts mehr einfach aufgegriffen, um es dann auf Flut zu adaptieren.

Zur Erklärung der Veränderung im Flut-Sound fallen im Gespräch mit den beiden Bandmitgliedern immer wieder die Worte „Musik, die aus uns selbst kommt“. Scheint als wollen Flut auf ihrem Debüt mehr Individualität vermitteln. Musikalisch gesehen offenbart sich das auf „Global“ durch eine deutliche Weiterorientierung in Richtung Weltmusik ohne dabei auf die typischen NDW-inspirierten Synth-Pop-Züge der „Nachtschicht“ EP zu verzichten. „Ich glaube schon, dass man Verbindungspunkte zur „Nachtschicht“ EP sehen kann. Der Geist der Band ist der Gleiche geblieben.“, sagt Jakob zur musikalischen Weiterentwicklung der Band.

Den ersten Höreindruck von „Global“ markierte bereits Anfang des Jahres die Single „Agent 08“. Präsent ist hier die Leidenschaft für dunkel-morbide Geschichten über Astronauten, Gangster oder Spione, die direkt an der „Nachtschicht“ EP ansetzt. Doch die drei Minuten voll sauber tanzbarem Disco-Storytelling sind stilistisch gesehen fast schon irreführend. Auf Albumlänge bildet das nämlich nur eine der vielen Flut-Facetten: „Es ist viel in einen Topf zusammen geschmissen worden und von allen Bandmitgliedern einmal groß umgerührt worden.“

Auf der musikalischen Reise ins Innenleben der Bandmitglieder treffen kühle, dramatische Synth-Popballaden („Unterwasser“, „Alles“) auf retro-verliebte, sonnige Feelgood-Disco-Hits („Sommer in Mumbai“, „Cocktailbar“) bis sich die volle Flut-Energie in hymnisch-euphorische Mitgeh-Songs („Schlechte Manieren“, „Kein Land“) entlädt. Das Konzept der unterschiedlichen Facetten geht unter einem Albumtitel wie „Global“ dabei voll auf. Mit dem Begriff hat übrigens auch alles angefangen, wie Schlagzeuger Jakob erklärt: „Es hat einfach diesen Dachbegriff Global von Anfang an gegeben. Dann war auch Eiszeit schon relativ früh da. Das waren einfach so Begriffe, die in der Band herumgeschwirrt sind.“

Begriffe wie „Eiszeit“, „Regen“ oder „Unterwasser“, die sich von Stimmungsträgern oder „Working Titles“, wie Johannes sie nennt, zu Songtiteln gemacht haben. Es ist ein emotionaler Wetterbericht, der sich damit durch „Global“ zieht und für so ziemlich jede Gefühlslage die richtige metaphorische Vorhersage bereithält. „Es hat irgendwie zum Global-Ding gepasst verschiedene Wetterzonen miteinzubeziehen.“, bestätigt Johannes, „Und ich würde sagen, dass ich generell schon ein sehr wetterabhängiger Mensch bin, weil ich generell auch sehr naturverbunden bin. Es hat sich schön angeboten, dass man eine Wetterbeschreibung zu einer Gefühlslage hat.“

Die Songtexte greifen die jeweils passende Stimmung der Musik auf. Entstanden sind sie in knappen fünf bis sechs Wochen – aus einem Gefühl heraus, das ein unscheinbar wirkender „Working Title“ ausgelöst hat: „Es ist lustigerweise oft so gewesen, dass ein ‚Working Titel‘ am Anfang festgestanden ist, zum Beispiel ‚Schlechte Manieren‘. Das Lied heißt jetzt so, obwohl es nur einen ‚Working Title‘ gibt ohne einen Text oder so. Und dann hat man halt einen Text dazu geschrieben und dann sieht man schon wo’s hingeht.“

Eine gesunde Randomness gepaart mit einem gewaltigen Feingespür für musikalische Trends – Flut gehören damit aktuell nicht nur zu den interessantesten, deutschsprachigen Bands, sondern definitiv auch zu den sympathischsten. In andere Länder außerhalb von Deutschland, Österreich oder der Schweiz zu exportieren, ist trotz des überregionalen Albumtitels „Global“ erst einmal kein Ziel der Wiener. Johannes erklärt dazu: „Die Grenzen des deutschsprachigen Raums sind für uns eigentlich okay, weil vielleicht verstehen einen insgesamt nicht so viele Leute, wie wenn man Englisch singt, aber die wenigen verstehen einen halt besser.“ Außerdem bleibt ja auch immer die Option, tief in die Kitschkiste zu greifen und Singles einfach in einer schlechten englischen Version zu veröffentlichen. Jakob und Johannes lachen. „So im Vorbeigehen habe ich auch manchmal englische Versionen ins Mikro eingesungen.

Wenn irgendwo ein Mikrophon rumgestanden ist und irgendwer im Studio hatte das Lied laufen, dann habe ich immer kurz englisch drüber gesungen oder auch südtirolerisch.“ Flut gehören mit ihrem Debüt „Global“ jetzt vollständig zur Kategorie Band, die definitiv durstig nach mehr macht.

Flut auf Tour

09.10. Berlin – Privatclub
12.10. Wiesbaden – Schlachthof
13.10. Nürnberg – Pop Festival
20.10. Steyr – Röda
25.10. Bern (CH) – Gaskessel
26.10. Schaffhausen – TabTap
27.10. Aarau – KIFF
16.11. Lustenau – Carini Saal
17.11. Linz – Kapu
28.11. Wien – Wuk
30.11. Graz – PPC
01.12. Wolkersdorf – Outback
21.12. Salzburg – Rockhouse

Das Video zu „Schlechte Manieren“ seht ihr hier:

Vielfältig und erlesen: So war das Way Back When Festival 2018

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Kat Frankie in der Pauluskirche

Die Mischung machts! Bei der diesjährigen Ausgabe des Way Back Whens bekamen die Besucher wieder eine bunte Mischung aus lokalen, nationalen und internationalen Newcomern und Szene-Lieblingen. Von Indie über Rock, Folk und Pop war alles vertreten.

Eröffnet wird das Festival am frühen Freitagabend von den Lokal-Heroen East Ends. Durch den treibenden akustischen Punk-Rock-Sound der Dortmund und den schmissigen Gitarrenriffs wird der erste Festivaltag im FZW Club gebührend eingeweiht. Mit Strange Bones und Pabst geht es in deftiger Rock-Manier gleich weiter im Programm.

Kammermusik von Sam Vance-Law in der Pauluskirche

Neben dem FZW gibt es in diesem Jahr nur noch einen weiteren Spielort: Die Pauluskirche. In dieser spielt Sam Vance-Law, der sein Set von Sonntag auf Freitag vorgezogen hat, weil die südamerikanische Folkore-Sängerin Malena Zavala absagen musste. In wunderschöner und ungewöhnlicher Kulisse kommt die glasklare Stimme und die kammermusikalische Popmusik des Singer-Songwriters besonders gut zur Geltung.

Poppiger und groovinger geht es anschließend mit Her daher. Das einstige Duo aus Victor Solf und Simon Carpentier macht schönen samtig-loungigen und schmissigen Dandy-Soulpop. Durch den tragischen Tod von Sänger Simon im vergangenen Jahr, übernimmt mittlerweile Victor alle Gesangsparts allein. In der Halle des FZW sorgen Her vor allem für reichlich Hüftschwungs. Das liegt vor allem an sinnlichen Tracks wie „Five Minutes“. Genauso schmissig, jedoch rockiger, geht es auch bei Rikas weiter.

Dillon entzückt am Festivalfreitag mit ihrer Virtuosität

Highlight am ersten Festivaltag ist jedoch die Show der brasilianischen Sängerin und Pianistin Dillon. Komplett in weiß gekleidet steht die Musikerin in schummrigen Licht auf der Bühne und präsentiert dabei viel neues Material. Die zarten melancholischen Harmonie entfalten sich erst durch die wummrigen elektronischen Basslinien. Dazu die auf die Musik perfekt abgestimmten Lichter, so dass der Auftritt von Dillon sofort unter die Haut geht.

Auch der zweite Festivaltag startet wieder mit einer lokalen Band – der Alternative-Pop Band Walking On Rivers. Für all diejenigen, die fernab der Konzerte im FZW oder der Pauluskirche noch mehr sehen und erleben wollen, haben die Veranstalter mit einem abwechslungsreichen Rahmenprogramm Abhilfe geleiset. Neben einem Vinyl Talk mit Findlay steht am Festivalssamstag auch ein Streetart Workshop sowie das Interview-Café mit Fil Bo Riva auf dem Programm.

Fil Bo Riva am Samstag in der FZW Halle

Wer Letzteres im Café verpasst hat, hat am Abend noch die Chance den Musiker auf der Bühne zu sehen. Spärlich beleuchtet und kaum zu sehen, geht die außergewöhnlich tiefe Stimme von Fil Bo Riva schon beim ersten Song direkt unter die Haut. Rau, melancholisch und ein bisschen verdrogt wirkt die ganze Kulisse, was die melancholische und düstere, aber auch gefühlvolle Stimmung wiederspiegelt. Fil Bo Riva stürzt die Zuhörer gar in eine emotionale Achterbahnfahrt. So ist man stets zwischen den hochemotionalen und melancholischen, wie auch den souligen Tanznummern, hin- und hergerissen.

Weitere Highlights des Tages sind neben der eindrucksvollen emotionalen Show von All The Luck In The World in der Pauluskirche, vor allem der Auftritt von Findlay im FZW Club. Im rappelvollen Club wird zum Garage-Indie-Pop mit Synthie-Einflüssen der Britin abgerockt. Dazu die rotzige Attitude und der Samstag-Abend bekommt nochmal richtig Aufwind. Denn trotz der guten Mischung blieb die Stimmung am ganzen Wochenende beachtlich ruhig.

Findlay liefert schönsten Garage-Indie-Rock

Am letzten Tag geht es wieder ruhiger zu. Mit Kat Frankie steht in der Pauluskirche am Nachmittag eine wahre Ausnahmekünstlerin auf der Bühne. Ganz in rot gekleidet, performt die Musikerin mit ihrer Band viele Songs der neuen Platte „Bad Behaviour“ und überzeugt vor allem durch Vielfalt und ihre einzigartige Stimme. Werden bei Tom Grennan zu seinem schmissigen Soul-Pop noch einmal die Tanzschühchen ausgepack, so wird es spätestens zu schönster Singer-Songwriter-Manier von Das Paradies und Die Höchste Eisbahn nachdenklich und verträumt.

Das Way Back When ist und bleibt ein Festival für Musikliebhaber. Die Konzerte und das Rahmenprogramm sprechen für sich. Trotzdem ist dir, liebes Way Back When, in den letzten Jahren ein wenig die Seele verloren gegangen. Dein Publikum ist andächtig und still. Kann man auch verstehen bei dem gut erlesenen Line-up, doch sollte ein solch großartiges Festival mehr zelebriert werden und weniger an Messdienste erinnern. Wo ist deine Euphorie geblieben?

 

Neue Songs erst, wenn die alten aufgebraucht sind – das Paradies im Interview

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Das Paradies // © Marco Sensche

Hinter das Paradies steckt Florian Sievers. In Mannheim leitete er nach einigen Festivalterminen und Supportshows für Element of Crime nun seine eigene Tour zum Debüt-Album „Goldene Zukunft“ ein. Vor seinem Auftritt erzählte er uns, was er an Konzerten besonders schätzt und welche wertvollen Tipps er von Sven Regener bekommt.

Die Platte „Goldene Zukunft“ erschien vergangenen Monat und ist das Ergebnis seiner ungeplanten Gehversuche, in seiner Muttersprache zu texten. Bei Talking to Turtles, seiner Band mit Claudia Göhler, tat er dies bisher in Englisch. Mit dem Soloprojekt das Paradies überrascht Florian Sievers mit schönen Sprachbildern und Melancholie, die trotzdem eine phantastische Euphorie in sich trägt.

Hier geht’s zur Review seines Albums „Goldene Zukunft“

Die Songs sind so bunt, wie das Cover selbst: Von Giraffen, die sich strecken über Discoscooter und den großen Fragen des Lebens, die nicht einmal das Universum zu beantworten weiß. Der Blick auf die Welt, wie sie Sievers in seine Texte packt ist so absurd schön, dass man sich trotzdem oder gerade deshalb so verstanden und fast schon aufgehoben fühlt beim Hören seiner Platte. Grund dafür geben so Zeilen wie „Sind das da drüben wirklich Windkraft- oder Erdantriebspropeller?“, die einen wortwörtlich ein bisschen durch andere Augen schauen lassen. So ist es nicht verwunderlich, dass Themen wie Sicherheit und Unsicherheit großen Raum gelassen werden. Mit Florian Sievers sprachen wir auch darüber und ob bei den Bildern, die er verwendet, die gewählte Sprache eine Rolle spielt.

 

„Goldene Zukunft“ entstand ungeplant und spontan aus Experimentierfreunde in der aktuellen Pause deiner Duo-Band Talking to Turtles. Wie fühlt es sich an, dass daraus ein ganzes Album entstand und jetzt die Tour ansteht?

Das fühlt sich total gut an, wenn was ungeplant passiert. Das finde ich generell eine gute Sache. Die Bandpause von Talking to Turtles muss nun leider etwas länger dauern, was aber auch okay ist. Die Lust ist zwar da aber die Zeit nicht so wirklich. Das liegt hauptsächlich aber gerade an das Paradies und das ist ein guter Grund.

Wie golden sieht die Zukunft des Soloprojekts aus? Ist ein zweites Album denkbar?

Ich habe auf jeden Fall große Lust, neue Lieder zu schreiben und muss nur gucken wann. Sven Regener sagte öfter die Ansage auf der Bühne: „Keine neuen Lieder, bevor die alten nicht aufgebraucht sind.“ Mal gucken, wann ich das Gefühl habe, dass die alten Lieder aufgebraucht sind.

Gibt es einen Unterschied zwischen der Stimmung, wenn du mit Talking to Turtles ein Konzert spielst und jetzt mit das Paradies?

Schwierig zu sagen. Vielleicht ist die Musik von Talking to Turtles etwas langsamer und ruhiger. Daher ist es bei Paradies Konzerten eventuell ein bisschen euphorischer oder positivere Stimmung – wobei es das nicht ganz trifft. Es herrscht ja keine negative Stimmung bei Talking to Turtles Konzerten. Es ist vielleicht auch gleich. Ich kann ehrlich gesagt nicht sagen, ob überhaupt ein Unterschied besteht.

Wenn du nur noch in einer Sprache Songs verfassen dürftest, welche wäre das und warum?

Da möchte ich mich nicht entscheiden. Zum Glück muss ich mich da auch nicht entscheiden, weil mir beides auch gerade total Spaß macht. Zwei verschiedene Spielwiesen und das finde ich ganz schön und doch ist beides am Ende irgendwie das Gleiche.

„Wenn wir wollen, trauen wir dem Dürfen nicht. […] und wenn wir uns trauen, trauen wir dem Wollen nicht.“, heißt es in einem deiner Songs. Wann warst du zuletzt mutig und spielte Mut beim Veröffentlichen deines Soloprojekts eine Rolle?

Ich glaube mutig muss man sein, wenn man ein neues Lied hat und man sich überlegen muss, ob man das jemanden zeigt. Da habe ich aber relativ viel Glück, auch bei den ersten Paradies Lieder: Mit Claudia von Talking to Turtles habe ich jemand, die zumindest immer die erste Hörerin von Ideen ist und ich mich trauen kann, etwas zu zeigen. Meistens weiß ich auch schon ohne, dass ein Wort dazu gefallen ist, wie das Urteil ausfällt.

„Du füllst dein Nicken in Flaschen ab und schüttelst“ ist eines von vielen Sprachspielen, die man auf „Goldene Zukunft“ findet. Was macht das Jonglieren mit Worten für dich so attraktiv und spielt die jeweils gewählte Sprache eine Rolle?

Also die gewählte Sprache ist für mich, wie eben schon gesagt, fast das Gleiche, ob man auf Englisch oder auf Deutsch versucht ein Lied zu schreiben. Der einzige Unterschied ist vielleicht die Größe des Vokabulars, die man verwendet, wenn man in der Muttersprache singt oder versucht, sich etwas auszudenken. Da hat man vielleicht doch mehr Spielraum im Deutschen, weil das meine Muttersprache ist. Zwar war Englisch vorher immer meine Singsprache, aber trotzdem bin ich im Englischen dann doch beschränkter mit engerem Vokabelrahmen. Aber irgendwie geht’s dann trotzdem immer.

Sicherheit aber auch Unsicherheit sind Themen deiner Platte. Wo findest du Sicherheit und zählt das künstlerische Schaffen und das Verpacken eben jener Themen zu diesem Gefühl?

Ich glaube, die Situation in der ich mir ein Lied ausdenke und überlege, wie das klingen kann und es anfange aufzunehmen, ist ein ganz schöner Moment in dem man unsicher und gleichzeitig aber auch relativ sicher ist. Das ist ganz komisch: Wie ein Ort, an dem man sich zurückzieht und man ungefähr weiß, wo alles liegt aber selber nicht genau weiß, was man damit anstellen soll. Das ist eine schöne Mischung aus sich okay fühlen aber auch angenehm orientierungslos sein. Das finde ich ganz gut.

Vergangene Woche warst du auf dem Reeperbahn Festival und am Sonntag folgt ein Gig auf dem Way Back When. Was macht dir mehr Spaß: Festivals oder Clubtermine?

Generell erstmal spielen ist super! So ein Konzert ist theoretisch der Moment, an dem man eine Rückmeldung bekommt, was man da tut. Mittlerweile gibt es aber ja seit vielen Jahren Social Media, wo man Lob oder Abweisung erfährt. Aber unabhängig von Festival oder Clubkonzert finde ich es eine gute Sache, mit Leuten zusammenzukommen, die potentiell Interesse an der Musik haben und denen das etwas sagt, was man sich selbst zusammengereimt hat. Club ist schon schön, weil es so ein abgeschlossener Raum ist, in dem man Leute einlädt und dann zusammen in diesem Raum ist. Bei Festivals sind Zelte eine ähnliche Situation. Aber auf einer Festivalbühne stehen, wenn die Sonne scheint, ist auch toll. Generell finde ich die Situation gut, wenn man mit Leuten zusammenkommt, die potentiell die Musik mögen könnten. Beides toll.

Stichwort Festivals: Wirst du dir andere Künstler und Künstlerinnen ansehen können und wenn ja, welche?

Leider ist es tatsächlich so, dass man weniger schafft anzugucken, als man möchte. Man ist ja in einer relativ privilegierten Situation, wenn man als Band auf dem Festival spielt, weil man im Backstage ist und man sich tolle Bands sehr nah anschauen kann. Aber man ist nicht nur zum Spaß da und hat selbst eine Aufgabe und schafft deshalb aus verschiedenen Gründen selbst nicht, so viel zu sehen. Wenn wir am Sonntag auf dem Way Back When Festival spielen, wollte ich mir aber ein paar Sachen angucken. Selah Sue finde ich ganz interessant und Michael Nau wurde mir kürzlich empfohlen. Das finde ich auch ganz schön. Die Höchste Eisenbahn spielt ja auch, da kann man mal Hallo sagen. Das ist ja das Schöne, sich mit Leuten zu treffen.

Worauf freust du dich am meisten, wenn du an deine eigene Tour denkst?

Echt das, was ich eben schon gesagt habe: Ich freue mich abseits von dem digitalen Feedback zu dem, was man macht, dass man an einen Ort kommt, seine Instrumente aufbaut und sich darauf freut, dass Leute kommen und einem zuhören. Klingt nach etwas Banalem, ist halt ein Konzert, ist eine Band, kommen Leute hin und hören sich das an. Irgendwie ist da ja was Tolles daran – ist ja nicht normal, wenn jemand sagt, ich kaufe mir Tickets für ein Konzert und hab Bock dort hinzugehen. Da stellt man sich dann vor Leute und spielt denen Lieder vor. Wenn ich das so sage, klingt das wahnsinnig banal, aber das ist einfach toll! Manchmal denkt man, das ist ja nur die Tour vor der nächsten Tour und wir sind ja bald wieder in Hamburg oder bald wieder in Mannheim, ein Konzert von vielen. Aber irgendwie ist das auch nicht so. Im Dezember spielen wir zum Beispiel 10 Tage am Stück. Da kommen wir in Städte, in denen wir dann erst wieder ein oder eineinhalb Jahre später sind. Ich finde aber echt den vermeintlich banalen Aspekt toll, dass Leute da sind und sich die Musik anhören.

Dein Album „Goldene Zukunft“ trägt die Farben der Blätter vom Herbst im Titel. Siehst du dein Album als Soundtrack, der den Sommer verabschiedet?

Das ist interessant und darüber habe ich so noch nicht nachgedacht: Vielleicht. Im besten Fall ist es aber auch ein Album für das ganze Jahr, aber das weiß ich nicht so genau. Zumindest ist es am Ende des Sommers veröffentlicht worden und im Herbst und Winter werden die Konzerte gespielt und dann ist es das vielleicht tatsächlich erstmal für den Moment. Aber im Sommer hat es auch Spaß gemacht auf Festivals, von daher. Aber vielleicht ist es ein bisschen so.

Das Paradies live:

27.10. 18 – Magdeburg – Moritzhof
28.10.
 18 – Regensburg – Alte Mälzerei
30.10.
 18 – Leipzig – Ilses Erika
01.12.
 18 – Rostock – Peter-Weiss-Haus
03.12.
 18 – Berlin – Lido
05.12.
 18 – Wiesbaden – Schlachthof
06.12.
 18 – Stuttgart – Merlin
07.12.
 18 – München – Milla
08.12.
 18 – Erfurt – Franz Mehlhose

Seht hier das Video „Ein schönes Unentschieden“ von das Paradies:

Gewinne Tickets für die Konzerte von Lui Hill in Hamburg, Regensburg und Köln

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Lui Hill // Filter Music

In seinen Songs verpackt Lui Hill intime Storys in gefühlvollem düsteren Neo-Soul. Mit seinem Debüt „Ancient Dust“ kommt der Singer-Songwriter im Oktober auf Tour.

Nicht nur die Storys seiner Tracks gehen unter die Haut, auch der Sound von Lui Hill. Durch die sanften elektronischen Elemente gepaart mit dem gefühlvollen düsteren Neo-Soul entstehen eindrucksvolle individuelle musikalische Meisterwerke. Unterstrichen wird das Ganze durch die facettenreiche Stimme des Musikers.

Dabei stellt Lui Hill in jeder neuen Veröffentlichung sein unglaubliches Talent erneut unter Beweis. Die Songs des Singer-Songwriters handeln von Ereignissen und Erfahrungen aus der Jugend des Musikers, doch vor allem sind es Ergebnisse der zahlreichen Reisen, die der Neo-Soul-Sänger mit seinem Vater vor dessen Tod unternommen hat. Jeder Track erzählt seine ganz eigene Geschichte.

Gemeinsame Tour mit Fye & Fennek

„Ancient Dust“ das Debüt des Musikers ist im Juli diesen Jahres erschienen. Mit dem neuen Material gehts es im Herbst auf ausgedehnte Europatour. Im Gepäck hat Lui Hill auch seine Labelkollegen Fye & Fennek. Beim gemeinsamen Konzert in Kassel spielen Lui Hill und das Duo Fye & Fennek gemeinsam am 18. Oktober im Unten und zwar für den guten Zweck. Um ein Zeichen für die kämpfende Clublandschaft der Eventszene zu setzten, verzichten die Künstler auf ihre Gage. Die Erlöse der Eintrittsgelder fließen zu 100 Prozent in den Erhalt des Veranstaltungsortes. Wer das Benefizkonzert unterstützen möchte – Tickets findet ihr hier.

Ihr wollt in Hamburg, Regensburg oder Köln dabei sein?

The Postie verlost jeweils 1×2 Gästelistenplätze für die Konzerte in Hamburg, Regensburg und Köln. Um am Gewinnspiel teilzunehmen, müsst ihr einfach nur unseren Facebook-Post und unsere Facebook-Seite liken, eure Begleitung in der Kommentarspalte verlinken und unter dem Beitrag kommentieren, zu welcher Show ihr gerne gehen würdet. Einsendeschluss ist jeweils der Tag vor der Veranstaltung um 10 Uhr. Die Allgemeinen Teilnahmebedingungen könnt ihr hier nachlesen.

The Postie präsentiert Lui Hill auf Tour

02.10.2018 Berlin, Musik & Frieden
04.10.2018 Hamburg, Haekken
12.10.2018 München, Amphere
14.10.2018 Stuttgart, Cafe Galao
15.10.2018 Zürich, El Dorado
16.10.2018 Nürnberg, Club Stereo
17.10.2018 Köln, MTC
19.10.2018 Darmstadt, Staatstheater
20.10.2018 Wien, Chelsea
21.10.2018 Dresden, Groove Station

Zehn musikalische Highlights beim Way Back When Festival 2018

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Findlay // Press Pic

Wer noch etwas Entscheidungshilfe braucht beim diesjährigen Programm des Way Back When Festivals ist bei uns an der richtigen Stelle. Neben Fil Bo Riva, Sam Vance-Law und die Höchste Eisenbahn gibt es noch zahlreiche weitere musikalische Perlen im Line-up.

Findlay

Eingängige Ohrwürmer, irgendwo zwischen Elektro-Beats und Gitarrenrock, dazu melodiöse Refrains und eine Prise Rock’n’Roll prägt den Sound von Findlay. Dazu der rockige Sound verzerrter Gitarren gepaart mit den Synthie-Pop-Klängen, die an die 80er erinnern. Musikalisch setzt sich Findlay kein Limit. Hinter dem kurzen Namen verbirgt sich die englische Singer-Songwriterin Natalie Rose Findlay. Besungen wird in den Songs auf ihrem Debütalbum „Forgotten Pleasures“ der unbändige Appetit auf das Leben und die Angst nur eine Sekunde davon mit allgegenwärtigen Zweifeln oder Misserfolgen zu verschwenden.

Samstag, 00:00 Uhr FZW

Rikas

Mit ihrem wilden Sound aus tropischem Indie-Pop entspricht die Musik der Stuttgarter Band vor allem einem Lebensgefühl. Songs wie „Tortellini Tuesday“ oder auch „Dancing In My Room“ strahlen pure Lebensfreude aus und animieren zugleich das Leben und die Lust zu zelebrieren. Zwischen den Zeilen sprechen Rikas jedoch immer wieder ernste Themen an. So facettenreich wie ihr Songwriting, sind auch die Live-Auftritte von Rikas. Bunt, unterhaltsam und voller guter Laune präsentiert die Band ihre fröhlichen Songs der aktuellen selbstbetitelten EP und animiert dabei auch die letzten Reihen zum ausgelassenen Tanzen.

Freitag, 21:30 Uhr FZW Club

Jamie Isaac

Der in London geborene und aufgewachsene Sänger und Produzent Jamie Isaac ist in seiner Heimat ein echter Shootingstar. Mit seinem träumerisch tänzelnden Pop und dem einfühlsamen Soul-Gesang kombiniert mit Jazz- und Elektronika-Klängen geht der Sound des Briten nicht nur unter die Haut, sondern lässt er es auch auf der Tanzfläche ganz schön krachen.

Samstag, 19:15 Uhr FZW Club

All The Luck In The World

Das sympathische Folk-Trio aus Irland ist zurück. Nachdem All The Luck In The World 2014 ihr selbstbetiteltes und hochgelobtes Debüt veröffentlichten, zogen sich die Iren auch wieder aus der Öffentlichkeit zurück. Vier Jahre später hat die Band jedoch ihr zweites Album „A Blinde Arcade“ mit im Gepäck und bleibt sich dabei ihrem Sound treu. Mit ihrer einzigartigen Mischung aus Folk, Synthies, Bläsern und eingängigem Indie-Rock schaffen All The Luck In The World auf ihren Konzerten eine intime Atmosphäre, die unter die Haut geht.

Samstag, 22:00 Uhr Pauluskirche

M.I.L.K.

Bühne frei für den tropischen Indie-Pop von M.I.L.K. Der Däne Emil Wilk liefert mit seiner treibenden Musik aus 80er-Jahre Synthies, Funk und Pop den perfekten Soundtrack für die letzten Sonnenstunden des Jahres. Am besten genießt man die groovigen Tracks des Singer-Songwriters in Hawaii-Hemd und mit Schirmchen-Cocktails in der Hand – Prost!

Samstag, 18:30 Uhr FZW Halle

Men I Trust

Bei Men I Trust treffen geschmeidiger Indie-Chanson auf gefühlvollen Dream-Pop. Hinter dem Namen verbirgt sich das kanadische Trio um Sängerin Emmanuelle Proulx. Mit ihrem DIY-Sound hat die Band mit dem ironischen Namen schon längst die Indie-Liebhaber verzaubert. Dazu die einfachen Rhythmen und die ruhigen Melodien, die den relaxenden verträumten Indie-Elektro-Pop-Klang der Band ausmacht.

Samstag, 21:30 Uhr FZW Club

Strange Bones

Bei so viel gefühlvollem Indie darf natürlich auch dreckiger lauter wütender Punk nicht fehlen. In der englischen Heimat von Strange Bones läuft so einiges schief – Grund genug das nicht stillschweigend hinzunehmen. Ihren Unmut schreien die Briten nur so aus sich heraus. Zu den sozialkritischen Texten packen Strange Bones eingängige Hooks, schroffe Melodien und intensiven lauten Punk-Rock.

Freitag, 18:30 Uhr FZW Halle

Pabst

Das Berliner Trio Pabst liebt es die Grenzen ihres modernen rockigen Sounds stets zu erweitern. Dabei experimentieren Pabst mit Grunge- und Noise-Einflüssen genauso gerne, wie mit Post-Punk, Psychedelica und melodischen Elementen. Im Juli erschien erst ihr Debüt „Chlorine“ mit dem es im Herbst auf Deutschlandtour sowie auf die Bühne im FZW geht.

Freitag, 19:15 Uhr FZW Club

Malena Zavala

Malena Zavalas Dream-Pop versprüht mit seinem tropischen Folklore auch an kalten Tagen noch eine leichte Sommerbrise. Dazu ein Hauch Elektronikas und die eingängige Stimme der südamerikanischen Singer-Songwriterin und der Sommer klopft auch im Herbst nochmals an die Tür, wenn auch nur musikalisch.

Freitag, 19:45 Uhr Paulskirche

East Ends

Heimspiel für die vier Jungs aus Dortmund: Mit ihrem Akustik-Punk-Rock eröffnen East Ends das Way Back When Festival 2018 und könnten dabei namentlich wie auch soundtechnisch aus dem urbanen London stammen. Die aktuelle EP „To The Lights and Towns Below“ klingt nach einer Mischung aus Jimmy Eat World und The Cure.

Freitag, 17:30 Uhr FZW Club

Das Way Back When Festival findet vom 28. bis 30. September in Dortmund an verschiedenen Orten statt.

 

Schlechte Vibes Adé: Some Sprouts präsentieren ihren Clip zu „She Longs For You“

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Some Sprouts // Press Pic

Vorantreibender Indie-Rock trifft auf verträumten Indie-Pop-Sound mit Folk-Einflüssen: Mit „She Longs For You“ vertreiben Some Sprouts die schlechten Vibes der Welt und geben einen weiteren Vorgeschmack auf ihre kommende EP im Oktober.

Der flowige vorantreibende Indie-Pop-Sound von Some Sprouts mit den catchy Melodien klingt zwar stark nach britischen Indie á la Two Door Cinema Club kommt aber aus dem wunderschönen beschaulichen Regensburg. Dem Sound des Quintetts haftet vor allem eine große Prise Vintageflair an und erinnert mit den eindringlichen Harmonien, den einprägsamen Gitarrenriffs und der warmen markanten Stimme von Sänger Joshua an die große Zeit des Indie-Rocks Anfang der 00er Jahre.

Mit ihrem einzigartigen Sound hat die Band schon weit über die Indie-Szene Deutschlands auf sich aufmerksam gemacht. So tourten Some Sprouts schon im Vorprogramm von We Are Scientists und Albert Hammond Jr. durch Deutschland. Auch die aktuelle Single „She Longs For You“ lebt von dem treibenden Indie-Rock-Sound der Band und vertreibt mit dem fröhrlichen groovingen Sound jegliche bad Vibes. Die Single ist ein weiterer Vorgeschmack auf die zweite EP „IMMT“, die am 19. Oktober erscheint. Aufgenommen wurde die Mini-Platte zurückgezogen in einem kleinen Landhaus. Mit den sechs neuen Songs geht es im Spätherbst auch auf Tour.

Some Sprouts live:

05.10.18 Wien, Rhiz (A)
06.10.18 Graz, Orpheum (A)
12.10.18 Zürich, Outinsphere Festival (CH)
19.10.18 Regensburg, Degginger
25.10.18 Steyr, Röda (A)
30.10.18 München, Milla
31.10.18 Berlin, Musik&Frieden
06.11.18 Hamburg, Molotow Skybar
08.11.18 Köln, Stereo Wonderland
22.11.18 Landshut, Rocket Club
23.11.18 Viechtach, Altes Spital

Seht hier den Clip zur aktuellen Single „She Longs For You“: