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Schluss mit der Selbstoptimierung – Auf Taxifahrt mit Nilüfer Yanya

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Nilüfer Yanya // © Molly Daniel

Die Londoner Newcomerin verbindet auf ihrem Debütalbum „Miss Universe“ gekonnt Gitarrenpop mit Soul-, Jazz- und Garage-Rock-Einflüssen. Wir haben uns mit ihr im Taxi unterhalten.

Mit 12 Jahren fing Nilüfer Yanya an ihre Songs zu schreiben, mit 18 wurden ihre Demos auf Soundcloud entdeckt. Aufgewachsen in West-London mit türkisch-irisch-barbadischen Wurzeln und einem künstlerischen Elternhaus, wusste sie schon als Kind, dass sie Musik machen wollte. In den letzten drei Jahren veröffentlichte sie drei EPs und wurde unter anderem vom BBC für den „Sound of 2018“-Preis nominiert. Ihr Talent entging auch der Musikszene nicht. Größen wie Sharon Van Etten, Interpol, Mitski und The XX nahmen sie schon als Support auf ihre Touren mit. Heute erscheint ihr Debütalbum „Miss Universe“, in dem sie sich vor allem mit ihrer Anxiety, brüchigen Beziehungen, den wahnwitzigen Anforderungen der Gesellschaft und Selbstoptimierung auseinandersetzt. Musikalisch erinnert ihr Album mal an den Garage-Rock Courtney Barnetts, dann an den smoothen Soul Sades, während im nächsten Track schon Lo-Fi-Bedroom-Pop oder ein Jazz Jam warten.

Weil Nilüfer einen absolut vollgepackten Promotag in Berlin hatte, wurde unser interview kurzerhand in die Taxifahrt verlegt. Mit ihrer Gitarre im Kofferraum machten wir uns auf den Weg von Mitte nach Schöneberg und redeten unter anderem über ihr Debütalbum, Astrologie und ihr Kunstprojekt mit Geflüchteten.

Eines der allerersten Statements auf deinem Album ist „I often search for validation in others“ und ich denke, dass viele, auch ohne es wirklich zu wollen, sich da wiederfinden. Ist das ein Gefühl, dass dich durch das Album begleitet hat?

Schon ein bisschen. Das ist ja eher eine Sache, die man nicht so gerne zugibt. Du willst nicht sagen „In meinem Album geht es darum, deinen Wert durch andere validiert zu bekommen“. Aber am Ende ist es das. Vieles von dem, was ich tue und was auch sehr viele andere tun. Klar, freut man sich, wenn dir jemand sagt „Hey, ich mag das, was du machst“, aber es sollte nicht so sehr darauf ankommen.

Ich denke, besonders in Beziehungen machen wir das oft.

Ja! Auch in Freundschaften.

Ja, auf jeden Fall, in allen Arten von Beziehungen. Dein Album trägt ja den Titel „Miss Universe“ – Kannst du mir das Konzept hinter dem Titel erklären?

Ich mag den Titel wirklich gerne. Und mag, wie es nichts bedeutet, aber auf der anderen Seite auch sehr viel. Für mich ist es die Stimme unserer Gesellschaft und was wir denken, was wir tun sollten im Gegensatz zu dem, was uns gesagt wird, was wir tun sollten. Zum Beispiel die ganze Werbung, die uns umgibt und permanent sagt, wo und wie wir unser Geld ausgeben sollen.

Der allererste Track auf deinem Album ist ‚WWAY HEALTH ™‘. Man hört eine Stimme am Telefon eines fiktiven Gesundheitsunternehmens. Was bietet uns diese Firma da an?

Sie bieten dir ein fertiges Package an, eine Lösung für quasi all deine Probleme – es macht dich stärker, gesünder, fitter, reicher und auch glücklicher. Es ist ein Witz, was verschiedene Unternehmen versprechen dir zu geben, wenn sie es aber eigentlich gar nicht tun können – oder eben zu einem großen Preis. Und was sie am Ende dann tun, ist dich zu kontrollieren, deinen Körper oder eben all deine Gedanken.

Du wurdest letztes Jahr vom BBC nominiert für den „Sound of 2018“. Ist es so, dass sich dann auf einmal einiges ändert oder stellt man sich das nur so vor bei so einer großen Nominierung?

Ich glaube nicht, viele Leute in Europa meinten „Du wurdest nominiert, wie gut!“. Aber ich kannte die Verleihung vorher noch nichtmal und es ist nicht so, dass ich speziell darauf hingearbeitet habe. Und die meisten Artists, die gewinnen, sind eh schon sehr bekannt. Ich weiß auch nicht, was sich noch groß für sie ändern würde, weil alle sie ja schon kennen. Aber die Idee der Nominierung an sich ist cool, um neue Leute zu supporten.

Eine Frage, die dir wahrscheinlich schon oft gestellt wurde – Du hast dich zweimal in London an einer Musikhochschule für Popular Music beworben und sie haben dich nicht genommen. Hat dir das am Ende geholfen deinen eigenen Weg zu finden?

Ich wollte eigentlich gar nicht zur Uni gehen. Ich wusste, ich muss mich zumindest bewerben, sonst hätten meine Eltern mich gefragt „Warum hast du dich nicht beworben oder es noch nichtmal versucht?“. Also musste ich ihnen zeigen, dass ich es versuche. Es war mehr der Druck.

Ich habe mir dein Album „Miss Universe“ angehört und finde and einigen Stellen hört man einen sehr starken Jazzeinfluss. Die meisten unserer Generation sind ja eher mit Gitarrenmusik großgeworden, aber mit Jazz ist es ein bisschen anders – Wie kamst du dazu?

Es kommt gerade wieder, vor allem in London. Alle hören gerade Jazz und durch Jazz inspirierte Musik. Und es hat gerade einen großen Einfluss auf die Musikszene.

Denkst du die Londoner Musikszene macht Jazz gerade wieder für ein größeres Publikum populär?

Das hoffe ich, ja! Was wahrscheinlich passiert ist, dass die Leute Musik hören, die von Jazz inspiriert wurde und dann Lust bekommen sich mehr Jazz anzuhören und zu schauen, wo der Einfluss jetzt gerade eigentlich herkommt. Es gibt so viele Musikrichtungen die ihre Wurzeln im Jazz haben oder davon inspiriert wurden, also geht es auch gerade darum wieder die Anfänge von Pop-Musik zu ergründen.

Ich habe gelesen, dass du deine ersten Songs geschrieben hast, als du 12 Jahre alt warst. Wie haben die sich angehört und vor allem, worum haben sich die Lyrics gedreht?

Das kann ich dir nicht sagen (lacht). Eigentlich ganz normale Themen, von wegen „Ich bin nicht cool, aber will es sein“. Ich wollte einfach gerne ausgefallener sein und mochte nie den Gedanken gewöhnlich rüberzukommen.

Würdest du mal wieder einen Song aus der Zeit spielen?

Nein, aber „Monsters Under The Bed“ ist auf dem Album. Den Song habe ich mit 15 geschrieben und das ist ja schon sehr nah an 12 dran (lacht).

Ich habe auch gelesen, dass du zusammen mit deiner Schwester das Kunstprojekt „Artists in Transit“ mit Geflüchteten in Griechenland gestartet hast. Findest du da im Moment eigentlich noch die Zeit dazu mitzuarbeiten?

Ja, gerade arbeiten wir mit einigen Freund*innen zusammen und sind jetzt eine kleine Gruppe geworden. Wir haben Treffen, bei denen wir besprechen, was noch zu tun ist und wie wir mit anderen Leuten aus unserer Community in London zusammenarbeiten können. Wir planen auch gerade Workshops an anderen Orten. Und auch, wenn ich manchmal nicht mitgehen kann wie nächste Woche zum Beispiel, werde ich immer noch mindestens einmal im Jahr mit nach Griechenland fahren und mitarbeiten. Es trotzdem immer Sachen, die man zwischendurch tun und um zu helfen, solange man einfach nur engagiert bleibt. Nur weil ich nicht sehr viel Zeit habe, heißt das nicht, dass ich nichts tun kann. Nur bei den Treffen dazusein, bringt schon viel.

Wann und wie kam die Idee für das Projekt zu euch?

Es war die Idee meiner Schwester und ich habe dann beschlossen mitzumachen, weil ich die Idee sehr toll fand und bin jetzt auch echt froh, dass sie die Sache ins Leben gerufen hat.

In einem Interview mit Pitchfork von 2017 warst du gerade dabei den Auszug aus der Wohnung deiner Eltern zu planen. Wie schwierig ist es in London Wohnraum zu finden? Gerade unter dem großen Problempunkt Gentrifizierung und Kosten?

Es ist sehr schwierig, deswegen habe ich auch so lange dafür gebraucht. Ich musste lange auf die richtige Wohnung warten und ich hatte schon sehr viel Glück, weil ich ja schon in London gewohnt habe. Es ist echt hart für die Leute, die keine Wahl haben, weil sie für das Studium hinziehen und es ist sehr, sehr teuer. Was schlimm ist, weil „normale“ Leute so nicht in London bleiben können. Sehr viele sind deswegen ja auch schon gegangen und es gibt nicht mehr genug normale Leute, die in London leben, weil sie schon lange rausgekickt wurden. Das ändert eine Stadt komplett, weil es dadurch nicht mehr wirklich ein Ort zum Leben, sondern nur noch ein Ort zum Arbeiten wird.

In deinem Video zu „Thanks 4 Nothing“ von deiner letzten EP sitzt du auf einem Bett und legst dir die Tarotkarten. Machst du das auch gerne in deiner Freizeit?

(Schmunzelt) Nicht wirklich, naja, vielleicht ein bisschen. Es macht Spaß über Dinge wie Tarot oder Sternzeichen zu reden. Es ist einfach eine andere Herangehensweise über Dinge nachzudenken. Es geht ja auch viel um kreatives Denken.

Besonders Astrologie ist ja ziemlich beliebt geworden mittlerweile. Was ist dein Sternzeichen?

Ich glaube ich bin Stier im Sonnenzeichen und Löwe im Aszedenten. Das muss ich nochmal genau nachschauen.

Passt es zu deinem Charakter?

Manches schon, ja! Ich kann ziemlich eigensinnig und hartnäckig sein und bin sehr emotional.

Deine beiden Eltern haben ja einen sehr künstlerischen Background und sind beide in der Bildenden Kunst tätig. Ist das eigentlich ein Vorteil, wenn man etwas Kreatives tun will oder hemmt es einen eher, weil der Erwartungsdruck an sich selber durch die Messlatte der Familie schon so hoch gelegt ist?

Ich denke, es ist anders als in anderen Berufen. Wenn meine Eltern jetzt Wissenschaftler wären und sie wären sehr gut darin und ich würde das Gleiche wollen, dann wäre da wahrscheinlich sehr viel Druck für mich da. Mit Kunst ist eher so, dass so viele denken, es geht darum gut zu sein. Dabei steckt einfach sehr viel Arbeit dahinter. Ich habe meine Eltern immer arbeiten gesehen, ihr ganzes Leben. Und so habe ich auch verstanden, dass es das ist, was du tun musst, um „gute Kunst“ machen zu können. Es ist nicht so, dass du einfach mal so ein tolles Kunstwerk erschaffst, sondern man muss so viel Zeit investieren. Das zu lernen, hat mir aber auch geholfen mich auf meine Musik zu konzentrieren. Als ich Gitarre spielen wollte, wusste ich, dass ich das alles machen kann. Alles was ich tun musste, ist zu lernen wie man spielt.

Jetzt gerade sitzen wir in einem Taxi, was ja schon eine witzige Interviewsituation ist. Hattest du jemals eine merkwürdige oder interessante Taxifahrt, die dir im Gedächtnis geblieben ist?

Ja, es war wirklich spätnachts und ich war in den Niederlanden auf dem Eurosonic Festival. Wir hatten einen echt langen Tag hinter uns. Mein Manager musste zum Flughafen, also haben wir ein Taxi bestellt. Ich hatte einen Zettel mit der Adresse vom Hotel, meine Band war schon dort und mein Manager stieg am Flughafen aus. Dann war ich allein im Taxi und der Fahrer fuhr mich zur Adresse. Auf dem Weg dahin war absolut nichts und niemand unterwegs und ich dachte okay, ich werde sterben, der Fahrer wird mich umbringen. Ich konnte absolut niemanden sehen und geriet ein bisschen in Panik. Dann kam ich am Hotel an, aber es war das falsche. Mir wurde irgendwie die falsche Adresse gegeben. Der Mann an der Rezeption hat mich dann bei einem anderen Hotel anrufen lassen, von wegen „Das ist wahrscheinlich das richtige“. Der Ort war absolut verlassen, also musste ich mit einem Sicherheitspersonal und Sicherheitshund zum eigentlichen Hotel laufen. Es war alles schlammig, ich hatte meine Tasche und meine Gitarre mit und es war kalt. Das war einfach schrecklich. Ich bin alleine, mitten in der Nacht in den Niederlanden mit diesem Hund rumgelaufen.

Welche Künstler*innen inspirieren dich zur Zeit? Hast du Musiktipps für uns?

MorMor – Kennst du ihn?

Ja, ich liebe seinen Song „Heaven’s Only Wishful“!

Ja, das ist ein toller Song! Ich höre auch gerade viel Mount Kimbie. Die Musik ist schon etwas älter, aber ich habe sie jetzt gerade entdeckt. Oder Tirzah. Sie ist sehr cool, hör dir ihr Album an! Es ist sehr elektronisch beeinflusst.

Hier könnt ihr Nilüfer Yanyas aktuelles Video anschauen:

Erstes Foto: Molly Daniel
Zweites Foto: Hollie Fernando
Design: Yannick Philippe

Juju droppt mit „Hardcore High“ die zweite Single aus ihrem neuen Album

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Lieber High als Lelele – Juju veröffentlicht ihre neue Single „Hardcore High“.

Koks hat dem Gras in Rap-Songs längst den Rang abgelaufen. Nun sorgt Juju mit ihrer neuen Single „Hardcore High“ für klare Verhältnisse und beschreibt knapp drei Minuten lang einen Grasrausch. Die Berliner rappt über „Jibbet“, das „Amsterdamer Oti“ und garniert dies mit einer Menge Alkohol. Nachdem die Berlinerin sich in ihrem vorherigen Release „Intro“ noch die deutsche Rap-Szene vorgeknöpft hat und diese auseinander genommen hat, möchte sie jetzt eine gute Zeit haben. 

In „Hardcore High“ thematisiert sie das Nachleben Berlins. Sie zieht mit ihren Girls um die Straßen, betrinkt sich mit Vodka aus dem Späti und sinniert selbstbewusst über die Blicke pubertärer Jungs: „Kleine Jungs im Stimmbruch schreien ‚Geile Sau'“. „Hardcore High“ ist nach „Intro“ der zweite Song, den das ehemalige Mitglied von SXTN als Solo-Künstlerin veröffentlicht. Beide Tracks erscheinen auf dem Album „Bling Bling“, welches am 31. Mai erscheint. 

Das Video zu „Hardcore High“ von Juju gibt’s hier:

Tame Impala veröffentlichen den neuen Song „Patience“

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Kevin Parker von Tame Impala // © Matt Sav
Kevin Parker von Tame Impala // © Matt Sav

Das Warten hat ein Ende. Über Nacht haben Tame Impala einen neuen Song namens „Patience“ veröffentlicht. 

Wie aus dem Nichts haben Tame Impala den neuen Song „Patience“ veröffentlicht. Es ist das erste neue Material seit ihrem erfolgreichen Album „Currents“ aus dem Jahr 2015. Danach mussten sich Fans lediglich mit B-Sides, Remixes und etlichen Kollaborationen von Kevin Parker zufrieden geben. Der Musiker hat unter anderem mit Acts wie Lady Gaga, Mark Ronson zusammengearbeitet. Erst kürzlich erschien der Song „Whiplash“ zusammen mit dem Musiker „Theophilus London“. An neue Musik von Tame Impala hat da jedoch noch kaum jemand gedacht. 

„Patience“ kommt wie ein logischer Nachfolger zu den Aufnahmen von „Currents“ daher. Der Song wird von prägnanten Synthesizer dominiert, die einen ab Sekunde Eins mitnicken lassen, wie der Wackeldackel im Auto der Großeltern. Mit „Patience“ hat Kevin Parker nun jedoch den Schritt in die Disco komplett gewagt und so kann man erwarten, dass Tame Impala an ihrer ganz eigenen Genre-Bezeichnung arbeiten. Diese könnte man dann mit fancy Wordings wie Phsych-Post-Hippie-Disco betiteln. Ein Releasedatum und einen Titel eines neuen möglichen Albums haben die Australier bisher noch nicht bekannt gegeben. 

Den neuen Song „Patience“ von Tame Impala gibt’s hier:

The Postie präsentiert: Neufundland gehen mit ihrer neuen Platte im Herbst auf „Scham“-Tour

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Neufundland // © Jean Raclet

Ehrliche gesellschaftskritische Texte treffen auf eingängigen treibenden Indie-Rock: Mit ihrem zweiten Album, das im Frühsommer erscheint, geht es für Neufundland im Herbst auf große „Scham“-Tour.

Eineinhalb Jahre nach dem Debütalbum „Wir werden niemals fertig sein“ folgt mit „Scham“ im Mai die Nachfolgeplatte. Einen ersten Vorgeschmack auf das kommende Album haben Neufundland mit „Männlich Blass Hetero“ geliefert und widmen sich dabei bewusst zeitgenössischen und gesellschaftskritischen Themen. So hat sich die Band willentlich den Titel „Scham“ für ihr neues Werk ausgesucht. „In einer Gesellschaft, die Freiheit für ihr Markenzeichen hält, ist Scham ein probates Mittel der Kontrolle und Regulierung. Die Beschämung als sozialer Akt arbeitet für den Mythos der freien Gesellschaft, denn Freiheit heißt ja: Wer keinen Erfolg verbuchen kann, ist selber schuld. Und so schämen wir uns für unsere Körper, für unsere Depressionen, für unsere schlecht bezahlten Jobs und für zu wenige Follower auf Instagram,“ heißt es dazu in einem Pressestatement zum neuen Album.

Auch auf ihrem neuem Album bleiben Neufundland gewohnt provokant und sprechen auch weiterhin kritische Themen der modernen Gesellschaft mit einem ironischen Augenzwinkern an. Mit ihrem Mix aus Indie-Rock und Pop gespickt mit den ehrlichen Texten geht die Band bei ihren Liveshows mit dem Publikum dabei direkt auf Tuchfühlung.

„Scham“ erscheint am 31. Mai via Unter Schafen Records / Kontor Media. Mit dem neuen Material und dem lässigen Sound aus eingängigem Indie-Rock und treibenden R&B-Rhythmen geht es ab Herbst für die Ehrenfelder-Band auf ausgedehnte Tour.

The Postie präsentiert: Neufundland auf „Scham“-Tour:

11.10.19 – Halle, Objekt 5
22.10.19 – Dresden, Ostpol
23.10.19 – Leipzig, Naumanns
24.10.19 – Berlin, Badehaus
25.10.19 – Hamburg, Molotow
26.10.19 – Osnabrück, Kleine Freiheit
29.10.19 – Zürich (CH), Werk 21
30.10.19 – München, Ampere
01.11.19 – Wien (AT), Rhiz
02.11.19 – Passau, Zauberberg
13.11.19 – Wiesbaden, Schlachthof
14.11.19 – Erfurt, Engelsburg
15.11.19 – Göttingen, Nörgelbuff
16.11.19 – Köln, Gebäude 9

Tickets gibt’s an allen bekannten VVK-Stellen!

Hier gibt’s die geballte dandyhafte Punk-Attitüde zur aktuellen Single „Männlich Blass Hetero“:

 

Fil Bo Riva – Beautiful Sadness

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Fil Bo Riva "Beautiful Sadness" // Albumcover

Auf „Beautiful Sadness“ bricht Fil Bo Riva nicht mit den Erwartungen an ihn, doch führt der Wahlberliner mit der charmanten Reibeisenstimme die europäische Folktradition durch die stimmige Verbindung aus Melancholie und Dynamik in die Moderne.

Filippo Bonamici, bekannt unter seinem Künstlernamen Fil Bo Riva, hat sich viel Zeit mit seinem Debütalbum genommen. Kein Wunder, denn setzte der Künstler 2014 für seine Musik alles auf eine Karte und brach  dafür sogar sein Studium ab. Anschließend versuchte er sich als Straßenmusiker und lernte dabei seinen heutigen Bandkollegen, den Gitarristen Felix A. Remm, kennen. Fortan wurde gemeinsam an Musik gearbeitet und mit „If You’re Right, It’s Alright“ erschien vor fast zweieinhalb Jahren die erste EP des Wahlberliners mit italienischen Wurzeln. Darauf enthalten auch die eindrucksvolle Single „Franzis“, mit der Fil Bo Riva durch seine beeindruckende Reibeisenstimme und der melancholischen Stimmung des Songs erste Erfolge verstreichen konnte. Anstatt den aufkommenden Hype um seine Persönlichkeit zum Anlass zu nehmen schnell einen ersten Longplayer nachzuliefern, entschied sich der aufstrebende Musiker jedoch für ein Leben zwischen Tourneen und Festivalauftritten um sich so peau a peau einen Namen in der Szene zu erspielen und sich zugleich intensiv Zeit zu nehmen an einem Debütalbum zu arbeiten.

Das Debüt entstand erst während der Aufnahmen

„Beautiful Sadness“ heißt der Rohdiamant, an dem Fil Bo Riva die letzten Jahre geschleift hat. Das Werk ist dabei kein Querschnitt aus der bisherigen Karriere des Musikers, auch wenn gar die Hälfte des Albums durch vorab veröffentlichte Singles schon bekannt ist. Vielmehr ist die Platte als ein Reifeprozess des Künstlers zu verstehen, ein Album, auf dem der Italiener seinen Sound gefunden hat und trotzdem mit verschiedenen musikalischen Stilmittel spielt und sich ausprobiert und dabei auch seine Erfahrung und seine Wurzeln miteinfließen lässt. So entstand das Debütalbum erst während der Aufnahmen selbst: Eindrücke und Erfahrungen von zahlreichen Konzerten wurden vor Ort gemeinsam mit Band und Produzent genährt und weiterentwickelt.

Das Werk beginnt mit dem atmosphärischen Intro „Sadness“. Dieses versetzt den Hörer direkt in die vom Musiker bezweckte melancholische Stimmung, gibt dabei einen perfekten Ausblick darauf, was in den nächsten 12 Songs des Debüts zu erwarten ist und spannt zugleich einen Bogen um das komplette Album. Daran knüpft sich das facettenreiche „Time Is Your Gun“ an, dass die atmosphärisch düstere Stimmung des Intros auffängt. Dabei beginnt der Song fast schon zurückhaltend, baut sich gar langsam auf und steigert sich anschließend durch treibende Gitarrenhooks und die ekstatischen Gesangsparts.

Das Videointerview mit der Band gibt’s hier:

Das Debüt folgt dabei einer klaren Struktur. So bemerkt man spätestens ab dem dritten Titel „Radio Fire“ eine langsame Steigerung in der Dynamik. „Go Rilla“ und spätestens das treibende „Head Sonata (Love Control)“ entpuppen sich schon nach wenigen Sekunden als Uptempo-Nummern. Hier nimmt das Werk plötzlich an Auffahrt an. Hingegen nimmt „Is It Love“ sämtliche Klischees gängiger Lovesongs auf, während Filippo Bonamici herzzerreissend den Titel des Tracks im Refrain als Frage stellt. Was auf den ersten Blick kitschig daherkommt, entwickelt sich zu einem interessanten musikalischen Experiment, indem sich Fil Bo Riva verschiedener Stilelemente bedient und zwischen chansonartigem Gesang im Refrain und kräftigen treibenden Strophen wechselt.

„L’impossibile“ und „Different But One“ bilden experimentierfreudige Ausnahmen

Von Hoffnung wechselt die Stimmung mit dem nächsten Song „L’over“ in Einsamkeit, während der Musiker hier einfühlsam sein gebrochenes Herz besingt. Die „Lalalala’s“ werden auch in dem Lied beibehalten, kommen jedoch uneuphorischer als zuvor daher. Durch die klingenden Gitarrenparts, dem leidenschaftlichen Gesang und dem folkigen Touch der Nummer spürt man in dem Track die italienischen Wurzeln des Sängers. Diese Wurzeln begegnen einem in „L’impossibile“ wieder, dem vielleicht besten Lied des Albums.

In dem Song experimentiert der Sänger nicht nur zum ersten Mal mit Autotune sowie entrückten Space-Gitarren, sondern singt er auch in seiner Muttersprache Italienisch. Hier wird klar, Fil Bo Riva möchte sich nicht auf ein Genre festnageln lassen. Vielmehr pustet die Nummer den Staub vom traditionellen Folk-Sound, greift die Amore eines Eros Ramazottis mit einer gekonnten Lässigkeit auf und lässt das Ganze durch das beliebte Stilmittel des Autotune mit viel Coolness in die Moderne eintauchen.

Eine weitere experimentierfreudige Ausnahme auf dem Album bildet das neunminütige „Different But One“, das nicht nur dank Stil- und Tempowechseln für Abwechslung sorgt, sondern auch in einzelnen Sequenzen Elemente der Platte wieder aufnimmt. So beispielsweise den Refrain von „Go Rilla“, um ihn in abgewandter Form in dem musikalischen Epos verschmelzen zulassen. Mit dem Outro „Beautiful“ schließt sich der Bogen, der mit „Sadness“ aufgespannt wurde. Die musikalische Struktur, wie auch die zum Albumtitel zusammengefasste Songtitel von Opener und Closer der Platte lassen verlauten, dass es sich bei „Beautiful Sadness“ um ein Konzeptalbum handelt. Der Bogen wird hierbei nicht nur von Melancholie bis hin zu Ekstase gesponnen, sondern wirkt die Struktur wie eine Katharsis auf den Hörer.

So baut sich die Platte langsam auf, bis sie in dynamischen poppigen Folk-Nummern ihren Höhepunkt findet, in experimentierfreudige ruhigere Nummern ihre Kunst entfaltet und sich mit dem stimmungsvollen schunkelnden „Happy Song“ verabschiedet, um anschließend im atmosphärischen ruhigen Outro auszuklingen.

Auf seinem Debüt zeigt Fil Bo Riva solide seine musikalische Vielfältigkeit, bleibt dabei jedoch im Großen und Ganzen vorhersehbar. Einzig „L’impossibile“ und „Different But One“ bilden hier eine Ausnahme und glänzen durch ihre Experimentierfreudigkeit. Ein Kunstgriff des jungen Musikers zwischen den eingängigen melancholischen leicht poppigen Folk-Nummern, der durchaus funktioniert. Bei so viel musikalischer Bedachtheit und zugleich unfassbarer Leichtigkeit, mit der Filippo Bonamici trotz der anhaftenden emotionalen Tiefe seine Songs hervorbringt, darf man gespannt sein, wie weit der Wahlberliner bereit ist sich in seinem Sound weiterzuentwickeln und welche epochalen Nummern auf dieses zeitlose Erstlingswerk noch folgen werden.

VÖ: 22.03.2019 // Humming Records
Beste Songs: „L’imposible“, „Different But One“ und „Time Is Your Gun“

„L’impossibile“ von Fil Bo Riva gibt es hier:

Foto: Juliane Späte

The Postie stellt vor: Das Moped und die Melancholie des Kleinstadtlebens

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„Geist“ ist die erste deutschsprachige Veröffentlichung der Band Das Moped. Am 26. April steht der Release ihrer Debüt-EP „Alle wollen Liebe“ an, welche über Epic / Sony Music erscheinen wird.

Denkt man an Bad Kreuznach bei Mainz, hat man vermutlich nicht direkt das Bild einer schillernden Metropole, in der das Leben nur so tobt, im Kopf. Aber das muss man vielleicht auch gar nicht. Der Name „Das Moped“ soll eine Hommage an diese kleinstädtische Heimat sein, der das Trio entstammt.

Augustin Zimmer, Ali Baltz und Martin Brummer schlossen sich schon vor etwa neun Jahren als Schülerband zusammen. Damals noch unter anderem Namen machten sie englischsprachige Musik, die vornehmlich dem Indie-Pop zuzuordnen war. Vor vier Jahren entschied sich das Trio dann, in die Muttersprache zu wechseln. Das Ergebnis dieser Wandlung ist nun in Form von „Geist“ hörbar, welches die erste Auskopplung der am 26. April erscheinenden Debüt-EP darstellt. Der Song thematisiert eine tragische Liebe, in der der Protagonist von seinem Gegenüber nicht wahrgenommen wird. Er fühlt sich wie ein Geist, der beständig und beinahe flehend, aber schließlich doch ohne Erwiderung hinter der Geliebten her schwebt. Das Ganze wird musikalisch von halligen Gitarren und mystisch klingenden Synths begleitet, die die Stimmung des Tracks weiter unterstreichen.

Seht hier das Video zum Track „Geist“ von Das Moped:

Die Review zum Debütalbum von Das Moped gibt’s hier. 

The Postie stellt vor: Endlich Rudern und ihre Münchner Schule

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Endlich Rudern // © Basti Dürst.

Endlich Rudern treiben mit ihrer Mischung aus sehnsüchtigen Gitarrennummern und angepisstem Post-Punk die Münchner Szene in eine neue Richtung und beweisen ihm Video zur ruhigeren Nummer „Lieber allein“ ganz nebenbei, wie schön es doch sein kann, alles mit altrosa Farbe zu begießen, statt sich in Liebesbeziehungen zu verlieren.

Hamburger Schule ist als Stilbegriff allgemein bekannt. L’Age D’Or, Die Sterne, Blumfeld usw. – da klingelt es im Indiebrain. Doch auch wenn die Neunziger-Bands der Hamburger Schule stilprägend für die deutschsprachige Gitarrenmusik waren und größtenteils auch bis heute existieren, ist diese Zeit irgendwie auch ziemlich weit weg. Damals noch die Jugendkultur beeinflusst, erscheinen die Haus-Maus-Parolen für die heutige Generation irgendwie nicht mehr ganz so „wahr, Electric Guitar“. Aber der Millenial-Kopf mag natürlich Referenzen und (ironische) Neuinterpretationen. 2016 updaten Isolation Berlin die eingestaubte Hamburger Schule: Berliner Schule/Protopop ist zwar mehr loser Albumtitel als Stilbezeichnung. Dennoch! Es ist es ganz schön cool, ein eigenes „Genre“ zu bespielen. Vor allem wenn man sich als Band geografisch gesehen in einer Stadt gründet, die in den letzten Dekaden einiges an Coolness einbüßen musste. Endlich Rudern machen also die bisher begrifflich unbefleckte Münchner Schule und verorten sich damit auch nur zu gerne neben Iso, den Nerven und Co. Nur sind Max, Felix und Simon textlich und musikalisch ein Stück leichtfüßiger, weniger düster und um einiges niedlicher unterwegs.

In ihrer neusten Single „Lieber allein“ singt Sänger Max in einer Mischung aus Frustration, Zynismus und Erleichterung über unerfüllte Erwartungen und – natürlich – die mehr oder weniger bewusst gewollte Magie des Alleinseins. Diese Leiden des jungen M. finden im dazugehörigen Musikvideo ihre wunderbar ironische Visualisierung. Pommes, Katzensocken, ein Hund, rosa Instrumente und noch viel mehr rosa Farbe – da fällt es schwer, der Münchner Schule nicht auf Anhieb zu verfallen.

Seht am besten selbst: Endlich Rundern mit ihrem Video zu „Lieber allein“:

Düsterer Anime-Clip: Billie Eilish zeigt künstlerischen Clip zu „you should see me in a crown“

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Videostill: Billie Eilish "you should see me in a crown"

Zum düsteren Song „you should see me in a crown“ präsentiert Billie Eilish zusammen mit dem japanischen Künstler Takashi Murakami ein noch düstereres Anime-Video. Zu sehen gibt es dieses jedoch nur auf Apple Music.

Wenn Billie Eilish so weiter macht, hat sich die junge US-amerikanische Singer-Songwriterin schon bald den Titel „Queen of Dark-Pop“ eingeheimst. Niemand schafft es derzeit düstere Pop-Nummern in solch schöne unheilvolle Clips zu packen, so dass sich Sound und Visuals gegenseitig ergänzen. Für die im vergangenen Sommer veröffentlichte Nummer „you should see me in a crown“ hat die Sängerin jetzt einen passenden Clip nachgeliefert, der in Zusammenarbeit mit dem japanischen Anime-Künstler Takashi Murakami entstanden ist.

Gegenüber der britischen NME sprach der Künstler über die Kooperation: „Eight months from start to finish, I sprinted throughout the production process with my animation team striving to realise Billie’s vision in an unprecedented way.“ Der Clip enthält neben dem signifikanten BLOSH Charakter von Billie Eilish auch die für Murakami typischen Blumen-Animationen. Durch zahlreiche schauerliche Sequenzen aus Dämonen, Spinnen und Monstern transportiert das Video den spooky Vibe des Songs nahezu perfekt. So verwandelt sich der Anime-Charakter der jungen Musikerin in einer Episode in ein spinnenartiges Wesen. Den animierten Clip zur Single kann man sich exklusiv auf Apple Music ansehen.

Zuletzt veröffentlichte die junge Musikerin mit „wish you were gay“ und „bury a friend“ weitere Vorboten auf ihr Debütalbum. „When We All Fall Asleep, Where Do We Go“ erscheint kommende Woche am 29. März via Polydor.

Seht hier den Teaser zum Anime-Clip zu „you should see me in a crown“:

Two Door Cinema Club bescheren uns mit „Talk“ eine funkige 80’s Disco-Hymne

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Still: Facebook Two Door Cinema Club

Die aktuelle Single von Two Door Cinema Club trieft geradezu vor Funk und schillerndem Disco-Pop. „Talk“ ist der erste Vorgeschmack der Nordiren auf ein kommendes viertes Album und weist dabei musikalisch den Weg.

In knapp zehn Jahren haben Two Door Cinema Club den Sprung von eingängigen tanzbaren Indie-Dudes hin zu coolen 80’s Funk-Typen geschafft. Die aktuelle Single „Talk“ beschreitet dabei den Weg weiter, den das Trio mit „Gameshow“ 2016 angetreten hat. Jedoch trügt der erste Eindruck. So beweist der Track, dass er durch die penetranten Bassriffe und den funkelnden Disco-Referenzen noch viel weiter geht.

Durch die Verbindung von Indie und Funk gibt die Band dem 80’s Disco ein modernes Gesicht und zeigt dabei den musikalischen Weg der kommenden Platte auf. So hat sich der Sound von Two Door Cinema Club in den letzten Jahren stetig vom eingängigen groovigen Indie-Pop wegbewegt und sich gleichzeitig kantigeren, elektronischeren Disco-Funk angenähert. Indie-Fans müssen aber nicht traurig sein, denn bleibt der Sound der Band durchaus tanzbar und indielastig. Angekündigt wurde ein neuer Longplayer des Trios schon vergangenen Monat, wann genau ein viertes Album jedoch erscheinen wird, steht noch nicht fest.

Seht hier das knallige Video zur Disco-Pop-Nummer „Talk“: