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Grenzen durchbrechen – Das Queer Festival Heidelberg feiert 10. Jubiläum

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Im Mai 2018 wird Heidelberg wieder das Zentrum für queere Kultur in Deutschland und Europa. Zum 10. Jubiläum werden zusammen mit hochkarätigen Acts über einen Monat lang Grenzen durchbrochen. 

Seit den Anfängen 2009 hat sich beim Queer Festival in Heidelberg viel getan. Was mit zwei Konzerten, einer Lesung und einer Club-Show begann, ist mittlerweile eines der wichtigsten queeren Events im europäischen Raum geworden. In den letzten Jahren haben bereits internationale Stars wie Bonaparte, Hercules & Love Affair oder Julien Baker den Weg in den Karlstorbahnhof gefunden. Mittlerweile zählt das Festival jährlich über 3000 Besucher, was auch an dem kreativen Konzept der Initiatoren Martin Müller und Dominic Hauser liegt. 

Es werden nicht nur Grenzen der Sexualität und der Gender-Diskussion durchbrochen, sondern auch künstlerisch werden immer wieder neue Wege gegangen. Die Mischung aus Konzerten, Kunst, Perfomance, Kino und Lesungen wird daher weit über die Szene hinaus wahrgenommen und gilt daher als weitaus mehr als nur einen temporären Treffpunkt der LGBTTIQ-Community. 

Dennoch ist es so, dass die musikalischen Bookings als Zugpferd des Festivals angesehen können und da hat es sich der Karlstorbahnhof nicht nehmen lassen für das 10. Jubiläum alle Register zu ziehen. Neben dem Headliner Kele Okereke konnte nämlich eine Vielzahl an spannenden Acts für das Queer Festival überzeugt werden. Mit Porches spielt am 18. April ein Pionier des Synth-Pop-Indies eine Pre-Show. Aaron Maine aka Porches ist mit seiner Musik gelungen mit wenig sehr viel auszusagen. Seine Songs sind zwar durchaus für den Mainstream gebräuchlich, sind in der Essenz aber viel zu ausgetüftelt und mit Ecken und Kanten versehen um dem Radio-Publikum gerecht zu werden. 

Mit The Blow wird dem Besucher ein weiterer Vorgeschmack in Form einer Pre-Show auf des Festival gegeben. Melissa Dyne und Khaela Maricich verbinden gleich mehrere Schnittpunkte des gesamten Line-Ups. Ihr handgemachter Pop-Sound wird nämlich live mit aufregenden Visuals in Szene gesetzt. Dies liegt vor allem an den ursprünglichen Tätigkeiten des Duos. Dyne war früher Installation- und Konzeptkünstlerin und Maricich lange im Bereich der darstellenden Kunst tätig. Bei diesem Auftritt gehen die Bereiche der Musik und der Perfomance nahtlos auf der Bühne ineinander über. 

Ein weiteres Highlight der in der südafrikanischen Kleinstadt Alice aufgewachsene Nakhane. Der 30-jährige Musiker, Buchautor, Schauspieler und Dichter gilt als neuer Stern am Neo-Soul-Himmel. Er vermischt Einflüsse von David Bowie und Marvin Gaye mit Erinnerungen an seine afrikanische Heimat und lässt es in einem Mélange aus Urban-Pop und Neo-Soul ausarten. 

Für Freunde der gepflegten Indie-Kultur steht das Trio von Girl Ray am 12. Mai parat. Die drei jungen Musikerinnen aus London stehen bei dem Label Moshi Moshi unter Vertrag und spielen sich mit Witz und viel Zartheit in die Herzen der Kenner-Szene und Fans. Immer wieder werden Klänge der 80er Jahre deutlich, die mit Coolness und Texten der Pubertät in Einklang gebracht werden. 

Neben weiteren Highlights wie eben Kele Okereke oder auch dem Dark-Electro-Duo Boy Harsher werden dieses Jahr auch einige Partys veranstaltet, die sich längst dem breiten Publikum geöffnet hat. Djs wie Peggy Gou, Horse Meat Disco oder Massimiliano Pagliara kennt man sonst eher von Line-Ups aus Berlin. Umso spannender wird es sein diesen Mix aus Techno, House & Disco auf drei Partys verteilt in Heidelberg miterleben zu können. Diese Abende sind nämlich nicht bloß eine Bereicherung für die queere Szene in Deutschland, sondern auch Big Names für eine Stadt wie Heidelberg.

Mit Horse Meat Disco wird am 30. Mai auch gleichzeitig der Abschluss dieses vielseitigen Festivals gefeiert. Wir verlosen 2×2 für die Pre-Show von Porches am 17. April. Die Bedingungen für den Lostopf sind das Liken des FB-Posts, unserer Facebook Page und das Verlinken eurer Begleitung. Der Einsendeschluss ist der 16.04.2018 um 20:00 Uhr. Die Allgemeinen Teilnahmebedingungen könnt ihr hier nachlesen.

Das Programm und Karten für das 10. Jubiläum des Queer Festivals findet ihr hier

The Postie präsentiert: Svavar Knútur auf Deutschlandtour

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Svavar Knutur // © Gunnar Freyr

Mit seinem 2017 veröffentlichten Album „My Goodbye Lovelies“ im Gepäck geht Svavar Knutúr im September auf Europatour. In 21 Städten macht der Isländer Halt.

Unglaublich sympathisch, freundlich und immer einen witzigen Spruch auf den Lippen: Svavar Knutúr ist nicht nur Singer/Songwriter, sondern auch der geborene Entertainer und Publikumsliebling. Sein schwarzer, isländischer Humor zieht die Zuschauer schnell in seinen Bann und macht seine Konzerte zu einem Erlebnis der besonderen Art. Nicht selten gibt Knutúr zwischen den einzelnen Songs die absurdesten Geschichten zum Besten und bringt so seine Zuschauer zum Lachen.

Mit seiner Folkmusik thematisiert der Isländer das harte, aber längst nicht freudlose Leben der Menschen in seinem Heimatland. Die Wärme seiner Stimme, gepaart mit Emotionen fern von jeglicher Kitschigkeit, lässt seine Musik aus der Masse an bereits existierender Folkmusik herausstechen. Dabei brauchen seine Songs keine ausufernden Arrangements, sondern begeistern insbesondere durch ihre Schlichtheit.

Tourdaten:

04.09.2018 – Münster, Hot Jazz Club
10.09.2018 – Pforzheim, Horch!
11.09.2018 – Aschaffenburg, Colos Saal
12.09.2018 – Ludwigsburg, Die Fetzerei
13.09.2018 – München, Feierwerk (Hansa39)
15.09.2018 – Osterburken, Alte Schule
17.09.2018 – Hamburg, Knust
19.09.2018 – Köln, Stadtgarten
20.09.2018 – Nürnberg, Club Stereo
22.09.2018 – Berlin, Lido
25.09.2018 – Dresden, Jazzclub Tonne
26.09.2018 – Jena, Glashaus im Paradies
27.09.2018 – Erfurt, Museumskeller
28.09.2018 – Aue, Schloss Schwarzenberg
29.09.2018 – Leipzig, Kupfersaal
01.10.2018 – Graz, Die Scherbe
02.10.2018 – Wien, B72
03.10.2018 – Innsbruck, Die Bäckerei
04.10.2018 – Göttingen, Apex
05.10.2018 – Husum, Speicher
06.10.2018 – Norderney, Gemeindesaal

Bis tief in die Nacht – Lea Porcelain im Interview

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Julien Bracht und Markus Nikolaus sind richtige Nachtschwärmer: Da kommt es schonmal vor, dass man vom Studio aus direkt ins Café zum Frühstücken fährt. Im Interview hat uns das Duo mehr über den Entstehungsprozess ihrer Musik erzählt.

Aus Naumanns Keller dröhnen schon die ersten Klänge von „Warsaw Street“. Denn während draußen noch die Ruhe vor dem Sturm herrscht, wird drinnen noch die Technik abgestimmt. Sowohl Julien als auch Markus sind etwas müde, denn am Vorabend ging es doch noch etwas länger: Heute ist Juliens Geburtstag. Zeit für ein Interview nehmen sich die beiden trotzdem.

Julien, du hast heute Geburtstag. Wie wirst du denn feiern?

Julien: Ich glaube, bei uns sind die Geburtstage immer sehr familiär, aber die Geburtstagsparty mache ich auch nächste Woche Samstag im Funkhaus nach unserem Konzert.

Markus: Oh ja, nach unserem letzten Konzert.

Julien: Ja, da feiere ich nach. Ja, wer kommt da? Alle unsere Freunde kommen und Felix, unser Roadie, legt auf.

Markus: Der legt mit YouTube auf.

Julien: Der macht ein Neue Deutsche Welle-DJ-Set mit acht offenen YouTube Tabs.

Markus: Nach dem Konzert müssen wir einfach nur noch Spaß haben, da darf man sich keine Gedanken über ein ernstes Dj-Set machen.

Jetzt aber mal zu eurer Musik. Ich weiß, dass du auch vor dem Projekt schon als Dj aufgelegt hast, Julien, aber wie seid ihr beide mit Musik in Berührung gekommen?

Julien: Ich habe als Kind angefangen, Schlagzeug zu spielen und hatte dann so eine „Kinderband“ – obwohl ich war, glaube ich, elf und der Rest der Band zwischen 16 und 23. Die Band gab’s so zwei Jahre oder so. Dann bin ich nach Spanien gezogen, habe die Musik erstmal ein bisschen liegen gelassen. Und mit 15 habe ich angefangen zu produzieren, vor allem elektronisch. Als ich dann nach Frankfurt gezogen bin, habe ich angefangen, mich eher in Richtung seriösen Underground House und Robert Johnson-Szene zu bewegen. Wir haben dann 2014 mit Lea Porcelain gestartet.

Markus: Mein Musikgeschmack hat sich tatsächlich durch das Skateboardfahren entwickelt. Dadurch, dass man sich Videos anschaut und immer den Typen feiert, der wiederum dann auch sein eigenes Lied für das Video verwendet. Man zieht sich die ganzen Lieder und erinnert sich dann an die Parts aus dem Video – da wurde unterbewusst ein Musikgeschmack geprägt. Ich kam aus so einer ganz anderen Schiene, aus einer rotzigeren Punker-Schiene eigentlich. Ich habe erst in England in Nottingham gewohnt und in Irland studiert. Julien habe ich dann getroffen als ich wieder nach Deutschland kam und da in Clubs gegangen bin. Clubmusik habe ich anfangs gar nicht so richtig verstanden, weil das für mich nur repetitiver Scheiß war, auf den man ganz viele Drogen nimmt. Und dann habe ich ihn kennengelernt und er hat ja nicht aufgelegt, sondern mit seinem Drumset live über seine Produktionen gespielt. Das war so gestört, weil das so einen Live-Charakter hatte. Nach dem Beziehungsabbruch mit meiner Freundin, mit der ich auch eine Band hatte, habe ich mich mit Julien zusammengetan und wir haben unsere ersten Songs geschrieben. Die waren halt auch sehr ehrlich und sehr krass. Das war kein technobasiertes Zeug und kein Punk – das war eine ganze eigene Sache. Die Anfangsstücke, von denen auch viele auf dem Album sind, sind alle in einem Offenbacher Kontext entstanden, als wir uns noch aus dem Robert Johnson kannten.

Könnt ihr mir vielleicht ein bisschen mehr darüber erzählen, wie ihr als Duo zusammen an eurer Musik arbeitet?

Julien: Eigentlich ist es immer so, dass ich irgendwas aufnehme und eine Basis vorbereite und Markus intuitiv irgendetwas drübersingt. Dann schieben wir uns das Ganze gegenseitig hin und her. Dann kommt noch eine Fläche drüber, noch eine Gitarrenschicht und so weiter.

Markus: Ein Song entsteht eigentlich in einer Nacht. Wenn du am nächsten Tag nicht rausgehst und hast einen guten Beat und eine gute Bassline und eine Stimme, die den Song macht, dann fasst Julien die Idee nicht mehr an. Das ist dann für ihn etwas, das es nicht geschafft hat. Wenn es die Nacht nicht überlebt hat, dann geht’s nicht weiter. Das ist in der ersten Nacht und anschließend werden die Sachen ausproduziert, was etwas entspannter ist.

Ihr arbeitet also immer nachts? Könnt ihr zu dieser Zeit besser arbeiten?

Julien: Wenn wir schreiben, ist es schon ein krasser Rhythmus auf jeden Fall. Dann gehen wir so um fünf ins Studio, manchmal auch früher. Aber bis wir warm sind und da wirklich was kommen kann, ist es immer so zwischen 12 und 4 Uhr morgens. Manchmal machen wir das Grundding dann noch fertig und dann ist es 6 oder 7 Uhr, wenn wir nach Hause fahren.

Markus: Manchmal gehen wir auch direkt danach noch frühstücken. In Frankfurt waren wir zum Bespiel mal im Café Karen um acht Uhr morgens. In der Nacht davor haben wir Endlessly geschrieben. Wir gehen noch ins Karen, haben wir gesagt. Dann haben wir da zwischen alten Rentnern gesessen und dachten nur, wir haben gerade so einen krassen Track geschrieben.

Julien: Und links neben uns: „Norbert, reichst du mir mal bitte den Pfeffer?“

Markus: Davon wollen wir auf jeden Fall mehr. Wir haben auch, nachdem wir das Album rausgebracht haben, wieder angefangen zu schreiben. Am Anfang tut man sich ja immer so ein bisschen schwer, weil man sich ja irgendwie auch ein bisschen entwickeln will. Jetzt sind wir aber wieder reingekommen ins Schreiben und haben wieder einen richtigen Spaß daran entwickelt, andere Sachen auszuprobieren. Nach der Tour gehen wir auch erstmal drei Wochen nach Südamerika und schreiben dort Musik – nach Rio in Brasilien. Auch nur wir zwei, weil das ist eine ganz krasse, energetische Sache – das ist wie eine Spirale, die sich die ganze Zeit dreht und die immer schneller wird. Wenn wir dann da für drei Wochen sind, kommen auch ganz andere Ideen für noch eine Tour oder für irgendwelche Pläne, für noch eine Vision. Das ist ganz gut, wenn man etwas abgekapselt ist von allem anderen.

Kommt es da dann auch mal zu Reibereien? Wenn man aus unterschiedlichen musikalischen Hintergründen kommt, stelle ich mir das nicht immer ganz einfach vor.

Markus: Nee, es sind schon Gegensätze, die sich ergänzen.

Julien: Wenn wir unseren Groove wiedergefunden haben beim Schreiben, dann ist es schon geil. Wir merken häufig auch beide gleichzeitig, wenn eine Idee wieder abnimmt. Dann guckt man sich schon so an…

Markus: Den Moment hasse ich. Drei Stunden Vollgas und dann lehnt sich der Julien kurz zurück und hört mit dem einen Ohr, dann mit dem anderen. Und ich denke schon, sag es nicht! Aber wir haben auch schon Songs weggeworfen und dem Management gezeigt und die sagen dann, dass es einer unserer besten ist. Manchmal ist man auch einfach betriebsblind.

Julien: Das ist aber schon eine Ausnahme gewesen. In der Nacht, wenn wir so Momente haben wie jetzt auch wieder, dann ist so ein Ding da und dann hört man sich das vier Stunden im Loop an. Das hat so eine Energie. Dann ist die Wahrscheinlichkeit schon sehr gering, dass die Idee wieder stirbt.

Ihr veröffentlicht ja gerade vier neue Songs – drei sind bereits erschienen. Letztendlich münden die dann in einer neuen EP. Wann sind diese Songs entstanden?

Julien: Alle auch während des Albums.

Markus: Manche fand ich besser. Zum Beispiel „Gotta Run“ hat einfach mehr Wertigkeit, aber der Song hat tatsächlich nicht ins Bild vom Album als Konzept gepasst. Wir haben gesagt, der ist stark, aber wir nehmen ihn raus. Und wir hatten noch andere: „Opposite Mind“ haben wir immer aufgehoben – das ist einer der stärksten Tracks. Wir haben so ein bisschen darauf gehört wie es sich anfühlt, wenn man sich das Album komplett anhört, also nach dem traditionellen Ich-lege-die-Platte-auf-Modell. Das war uns einfach wichtig, weil man im Endeffekt ja doch, zum Beispiel bei Spotify, einfach das Album als Ganzes anhört. Irgendwie war das alles stimmiger, aber die Songs, die jetzt rausgekommen, auch „Can I Really Decide“, sind einfach Songs, die wir total lieben, aber die nicht so ganz in dieses Konzeptalbum gepasst haben, die wir aber trotzdem rausbringen wollten, weil sie uns am Herzen liegen.

Ihr habt euer Album ja vor allem im Berliner Funkhaus an eurem Album gearbeitet, oder?

Markus: Halb und Halb. Viel in Offenbach, ein Track ist in London entstanden. Wir haben überall unsere Musik gemacht. Die wirklichen Schübe kamen in Offenbach, neben dem Robert Johnson, wo Julien sein Studio hatte, und in Berlin.

Wie ist es im Funkhaus an der eigenen Musik zu arbeiten?

Julien: Geil.

Markus: Geil. Es ist das Beste, was uns hätte passieren können. In London haben wir sowas gesucht und nicht gefunden. Uns wurden Räumlichkeiten angeboten. Man hat sich auch so krass gefühlt, wenn dann vor der Haustür James Blake steht und sich einen Kaffee kauft. Das war so die Community. Aber wirklich Platz hatten wir da nicht. Wirklich kreativ waren wir da auch nicht. Im Funkhaus haben wir uns einfach echt wohl gefühlt. Wir sind ziemlich gut mit den Leuten da, werden von denen auch sehr unterstützt – die rufen uns an, wenn irgendwas ist und wir rufen die an, wenn irgendwas ist. Wir haben da schon so eine kleine Community mit den Leuten.

Hat sich denn nach der Veröffentlichung eures Debüts irgendwas für euch verändert, auch an der Art wie ihr an eure eigene Musik herangeht?

Julien: Nee. Wir waren von Anfang an ziemlich großdenkend.

Markus: Und trotzdem DIY.

Julien: Es war ein krasser Schritt und wir hatten auch ein kleines Loch vor Weihnachten. Jetzt, habe ich so im Gefühl, geht es in die zweite Runde. Während der Tour merkt man, das wirklich was zurückkommt. Es kommen Leute, die uns erzählen, dass unsere Musik einen krassen Einfluss auf ihr Leben hat.

Markus: Das ist geil. Allein, dass da eine Person am Abend kommt und so einen Satz sagt. Das macht’s schon so megawert. Wann kriegt man das mal gesagt?

Julien: Auch, dass es das stärkste Debütalbum sei, was sie jemals aus Deutschland gehört haben. Ja, jetzt ist so die zweite Runde. Wir schreiben jetzt wieder, wir gehen auf Tour. Im Herbst wollen wir eine Europatour spielen.

Die Europatour wird dann ja wahrscheinlich nochmal eine Steigerung zu dem Gefühl, das ihr jetzt habt. Man ist doch bestimmt neugierig, welches Feedback man auch international erhält.

Markus: Wir haben ja auch wirklich schon viel international gespielt, aber halt nur vereinzelt – einmal Paris mit KVB, einmal da mit Alt-J. Aber eine „Hymns To The Night“-Europatour hatten wir noch nicht. Wir hatten immer nur 16 Stunden Fahrt, ein Gig, 16 Stunden zurück. Das ist halt auch mörderisch. Damit macht man sich kaputt, glaube ich. Jeden Tag ein Konzert, das macht schon Sinn.

Julien: Man merkt einfach, auch in Berlin, dass wir da jetzt auf 500 Tickets gehen. Da kommt jetzt so ein bestimmtes Level.

Markus: Da haben wir letztens noch im Auster-Club in Kreuzberg gespielt. Ein Jahr später verkaufen wir 500 Tickets für den dreifachen Preis. Das ist schon schön, es braucht einfach ein bisschen Zeit. Das hat uns jeder gesagt, dass die Musik ein bisschen Zeit braucht, aber das ist vielleicht gut, weil wir auch ein bisschen als Menschen Zeit brauchen, um uns ein bisschen daran zu gewöhnen.

Foto 2: Peter Kaaden

Spiel, Spaß und Splatter – Drangsal veröffentlicht das Video zu „Magst Du Mich“

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Für „Allan Allign“ musste Max Gruber alias Drangsal noch Jenny Elvers küssen, nun hat die amerikanische Filmemacherin Kansas Bowling das Ruder für das Video zu „Magst Du Mich“ übernommen. 

Bis in den Boulevard hat Drangsal es damals mit seiner Kussszene mit Jenny Elvers geschafft. Ein paar Wochen später konnte man sie dann zu später Stunde auf RTL beim Dschungelcamp sehen. Mit der amerikanischen Filmemacherin Kasnsas Bowling geht es nun mit „Magst Du Mich“ ähnlich brisant weiter – um im Boulevard-Jargon zu bleiben. 

Ihr bis jetzt größter Erfolg war der Feminist Slasher „B.C. Butcher“, den sie mit 17 Jahren für das Filmlabel TROMA („The Toxic Avenger“, „Blood Sucking Freaks“ etc.) gedreht hat. Die Hauptrolle im Clip von Dr. Angsal spielt sie selbst. Begleiten lässt sie sich von ihrer Schwester Parker Love. Zusammen sind sie im Mittelpunkt von viel Blut & Pizza. Neben den widerlich aussehenden Pizza Slices wird zudem mit einem Leguan und mit Gewehren hantiert. Hier bleibt offen, ob der Vater von Max Gruber diese vielleicht besorgt hat. Ähnliche Szenarien konnte man im Podcast „Mit Verachtung“ der Kollegen von Diffus letzte Woche verfolgen. 

Die erste Single „Turmbau zu Babel“ war vor einigen Wochen unser „Release der Woche“

Wir raten auch dringend dazu das Video vor dem US-Präsidenten fernzuhalten. Es werden nämlich nicht bloß amerikanische Flaggen angezündet, sondern auch viel nackte Haut gezeigt. Dies könnte dem konservativen Rotkopf möglicherweise missfallen. Gegen Ende des Clips taucht der legendäre Radio-DJ und „Mayor of the Sunset Strip“ Rodney Bingenheimer im Video auf und zeigt sich aufgrund der Szenerie erschrocken. „Magst Du Mich“ ist der dritte Ausschnitt aus dem am 27. April erscheinenden Album Zores.

 

Das beste Release der Woche – Mavi Phoenix

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In dreizehn Tagen erfährt Maxi Phoenix, ob sie denn nun einen ihrer zwei möglichen (und anscheinend inniglich ersehnten) Amadeus-Awards in Wien abholen darf. Bis dahin wird das Publikum auch durch der neuen Single mit softem RnB versorgt.

Dass die beste Popmusik rund um die Alpen aus Österreich kommt, ist mittlerweile auch bis in Städte wie Ravensburg oder Fulda durchgedrungen. Die Wiener Boybands Wanda und Bilderbuch verkaufen auch dort ihre Tickets restlos aus. Dafür dass in diesem Kosmos mitunter weniger versteckt auch RnB mit Streetwearcharme und enormem Chartanspruch gemacht wird, zeigt sich seit zwei Jahren Marlene Nader aka Mavi Phoenix verantwortlich. Nach dem Rhythmus von “Aventura” und der Coolness von “Janet Jackson”, ist “Yellow”, so der Name der neuen Single, die Fortsetzung des Stils, der auch ohne veröffentlichtes Album schon authentisch individuell ist: Langsame Beats, glitzernd vibrierende Synthies und keine Angst vor sich selbst. Abgeklärt, lässig fordert Mavi Phoenix dazu auf doch “ihr Amigo” zu werden, ein unangestrengter Gegenpart zum gepitchten Refrain des Songs.

Ihre Tagträume seien gefüllt mit der Musik von Größen wie Snoop Dogg, Nerd, Daft Punk oder David Bowie, so Nader in einem im März erschienen Gespräch mit dem ZEIT Magazin. Gerade die Experementierfreudigkeit und die originelle Produktionsästhtetik, des von rip Swirl produzierten Songs, erinnern in diesem Zusammenhang an Individualisten wie Pharrell Williams, ohne dabei generelle Vergleiche bemühen zu wollen. Die Selbstverständlichkeit mit der Nader ihren eigenen Stil und ihre Kunstfigur Mavi Phoenix weiterentwickelt, macht auch ihre erste Single im Jahr 2018 zu einem kleinen Highlight der Woche. Dass das in den kommenden Monaten wie im letzten Jahr mit “Aventura” auch international erneut erfolgreich werden könnte, ist durchaus vorstellbar. Die 22-jährige braucht keinen Kneipenalkoholiker-Charme und keine Exzessästhetik, sie ist trotzdem die Coolste im glücklicherweise derzeit bunt gefüllten Raum der mitteleuropäischen Popmusik.

 

RIKAS – Swabian Samba

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RIKAS aus Stuttgart gehören seit längerer Zeit zu den vielversprechendsten Acts Deutschlands. Mit „Swabian Samba“ tänzeln sie im 6/8-Takt durch den Boxring. 

Stuttgart ist für viele merkwürdige Sachen bekannt. Schwäbische Sparfüchse, Stuttgart21 und Mercedes-Benz. Das klingt erst einmal wenig nach Lebensgefühl, nach Samba. Jetzt gibt es aber eben seit geraumer Zeit vier Chicos, die diesen Klischees einen Strich durch die Rechnung machen. RIKAS machen Musik bei der eingeölte Machos, wie auch eure Töchter an der Copacabana nur anerkennend nicken würden. 

Die Band steigt nämlich mit der schlechten Laune in den Ring und möchte sie mit schnittigen Tanzmoves und sonnendurchfluteten Melodien bekämpfen. Ganz friedlich und easypeasy versteht sich. Den ersten musikalischen Kinnhaken setzen RIKAS gleich mit dem Opener „Dancing In My Room“. Mit humorvollen Texten und einer großen Unbeschwertheit werfen sie in dem Song sämtliche Altlasten aus dem Ring und führen den Gegner stattdessen tänzelnd durch das Zimmer. Zwischen der feuchtfröhlichen Stimmung, greift die Band aus Stuggi aber auch immer wieder typische Probleme von Millennials auf. „And everybody’s going crazy/ I keep on being Mr. lazy“ heißt es gegen Ende des Songs. Und mal ganz ehrlich, wer wollte in dem ganzen Erfolgsdruck nicht auch schon mal das Handtuch werfen und sich einfach nur auf die nächste Sonnenliege fläzen?

Richtiges Faulenzen geht aber eben nur mit dem richtigen Futter und so huldigen RIKAS in „Tortellini Tuesday“ dem sündhaften Pasta-Gericht gleich einen kompletten Song. Auch hier verliert das Songwriting nie an Witz und so greift man gerne genüsslich zum nächsten Cocktail, wirft sich in die Palmen-Shorts und gönnt sich mit „Slow Down“ die wohlverdiente Pause der Pause, der Pause. An der Copacabana setzt sich die Sonne so langsam und es darf sich auf die nächste After-Beachparty gefreut werden.

Das Video zur neuen Single „Picasso“ von RIKAS:

Auf dieser läuft feinster Indie-Pop, wie man es sonst nur von der kalifornischen Küste oder den kleinen Bühnen Großbritanniens kennt. Die Gitarren tanzen wild und die Rasseln umkreisen sie wild. Für „Lisa“ wird das Schritt-Tempo beschleunigt und endet in der aktuellen Single „Picasso“. Hier kann man vor lauter Funk schnell mal Sterne sehen. Der farbenfrohe Mix aus Jangle-Pop, Indie und Latin gefällt sicher nicht nur der Sippe an der Copacabana oder in Stuttgart, sondern auch so ein paar Musikern aus Down-Under, die unter dem Kürzel Parcels ihr Unwesen treiben. Gegen Ende des Songs beweisen RIKAS, dass ihr Können in der ganzen Lebensfreude aber nie zu kurz kommt und schieben ein minutenlanges Gitarre-Schrubben hinterher. 

Zurück aber zur Beachparty, die mittlerweile in ein heftiges Flirten übergegangen ist. Der Closer auf „Swabian Samba“ trägt den Namen „We Had A Date“ und erzählt eine ehrliche Love-Story, die von fröhlichen Klängen begleitet wird. Nach den knapp drei letzten Minuten endet nicht nur die Romanze und somit auch die Party, sondern auch die starke Debüt-EP von RIKAS. Der in Zusammenarbeit mit Robert Stephenson entstandene Sechsteiler ist schneller zu Ende als der Cocktail auf der nächsten Beachparty. 

Beste Songs: Dancing in My Room, Tortellini Tuesday, Picasso

VÖ: 13.04.18 // Fanny Pack Records

The Postie präsentiert: RIKAS auf Tour im Oktober

Foto links: Mario Simic

Foto rechts: Linda Ambrosius

Mit „Teeth“ liefert Inner Tongue einen weiteren Vorgeschmack auf sein Debüt

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In der Indie-Szene ist Inner Tongue schon längst kein unbeschriebenes Blatt mehr. Mit „Favours“ erscheint im Frühsommer endlich das Debütalbum des Wieners. Die Indie-Pop-Single „Teeth“ gibt dabei erste Einblicke in das Werk.

In den vergangenen Jahren tourte Inner Tongue schon in den Vorprogrammen von Get Well Soon, Everything Everything oder auch Ghostpoet, spielte auf zahlreichen Festivals und trat so mehr und mehr auf die Bildfläche der Indie-Szene. Der Hype um den österreichischen Musiker könnte auch daran liegen, dass es Inner Tongue versteht seinen Indie-Synthie-Pop gekonnt mit Post-Dub und elektronischen Klängen verschmelzen zu lassen.

Musikalisch erfindet sich der Wiener Musiker jedoch stehts neu. Während seine Erstlingswerke auf der Debüt-EP „Tz, Ka“ noch nach smoothen Indie-Pop-Nummern klangen, die teils an Foals, teils an Rhye oder auch an The Cure erinnerten kommt die exzentrische Pop-Ballade „Teeth“ ruhiger und intensiver daher – hat jedoch wie alle bisher veröffentlichten Songs auch einen starken Synthie-Einschlag.

Debütalbum „Favours“ im Mai

Der neuen Single bescherrte der Solokünstler zugleich auch ein stark visuell gesprägtes Video. Kreiert wurde der Clip vom Wiener Designer und Regisseur Patrick Sturm, der in einer packenden Animation einen sich selbst zerlegenden Award mit dem Titel „Nichts für Niemanden“ zeigt. Inspieren ließ sich Inner Tongue laut eigenen Aussagen dazu von seinem Mentor: „Mein Mentor Jörg Schlick (MoMA, musée d’art moderne et contemporain), der 2005 verstorben ist, war Teil des Lord Jim Loge Kollektivs. Ich wollte seine Arbeit posthum ehren, in dem ich meinen eigenen Ansatz auf deren Mantra „Keiner hilft Keinem“ einbringe.“

Wie vielseitig Inner Tongue Genre-Grenzen und Sinnerswahrnehmungen miteinander verschwimmen lassen kann, davon könnt ich euch auf seinem Debüt überraschen lassen. „Favours“ erscheint am 25. Mai via Mount Silver Records / Caroline International. Live zu sehen ist Inner Tongue mit dem neuen Material bisher nur auf zwei Shows. Im Juni spielt der Wiener je eine Show in seiner Heimatstadt und ein Konzert in Berlin.

Tourdaten:

11.06.18 Wien – Porgy & Bess
13.06.18 Berlin – Privatclub

 

 

Spiritualismus und Schlangen – BICEP veröffentlichen mit „Rain“ das Video zu ihrer neuen EP

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Mit „Glue“ sind die zwei Briten von BICEP für einen der größten Banger des vergangenen Jahres verantwortlich. Das Video des Titelsongs „Rain“ der neuen EP soll mit viel Spiritualismus an diesen Erfolg anknüpfen. 

Die EP-Veröffentlichung von BICEP ist diesmal gleich auch an das Release eines neues Videos gekuppelt. Der verglitchte Clip zu „Rain“ setzt den stimulierenden Titelsong mit viel Spiritualismus in Szene. Der Regisseur Luke Wyatt aka Torn Hawk spricht in dem Zusammenhang von einem „Video-Mulch“. Und tatsächlich tauchen in dem Zusammenschnitt aus altem Material immer wieder Schlangendarstellungen auf. Man könnte meinen, es wäre perfekte Propaganda für die verwirrte Vertreter der Reptiloiden-Theorie. 

Zeitgleich wird damit aber auch ein veraltetes Bild des Orients aufgegriffen. Schlangenbeschwörer tauchen seit Jahrhunderten immer wieder im Zusammenhang mit dem Fremden auf. Diese Symbolik passt hervorragend zu dem orientalischen Einfluss des 4-minütigen Tracks. Zudem wird das Konzepts von „Kundalini“, dessen Wurzeln auf fernöstlichen tantrischen Spiritualismus zurückgehen immer wieder in den irreführenden Zusammenschnitten angedeutet. Die EP „Rain“ kann sich ab sofort angehört werden und ist ein erster Teaser für das, was die Fans des Duos im Sommer noch erwarten wird. Die Live-Shows der Producer wurde komplett neu aufgestellt und wird im Sommer auf internationalen Festivals präsentiert. 

Ein Blumenmeer aus Selbstbestimmung – Arca veröffentlicht neue Single „Fetiche“

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Seit seinem 2017 erschienen Album Arca war Alejandro Ghersi auf Welttournee. Seine neue Single „Fetiche“ ist sperrig und destruktiv, das knapp elfminütige One-Cut-Video setzt die Ästhetik der Liveshows fort.

Blutüberströmt, auf protesenartigen Stelzen, in High-Heels und Lederkorsett geht, kriecht, springt Ghersi auf seiner Tour über den Laufsteg aus Plexiglas, der seine Bühne ist. Die rohe Authentizität und die nackte Selbstentblößung, die auf dem im letzten erschienene  und selbstbetitelte Album musikalisch in mitunter chaotischen Produktionsexperimenten wird mehr als Performance umgesetzt, denn als konventionelle Live Musik. „Fetiche“ nun, das die erste Veröffentlichung seit Arca darstellt, setzt sich ein wenig ab von der an Popmusik erinnernden Struktur der 2017er Singles „Desafio“ und „Reverie“. Auf über zehn Minuten wechseln sich Stil und Stimmung ab, es wird mit verwirrenden und schlicht destruktiven Elementen gearbeitet, die an frühen Dubstep erinnern, es werden vereinzelte Ambient-Momente eingeschoben und immer wieder pochen stumpfe Bassfolgen effektreich aufgeladen die dringliche Energie durch den Song.

Begleitet wird „Fetiche“ von einer kurzen Videobeschreibung, in der Ghersi mit den Worten „Mira en tu interior, libérate de ti misma; no permitas ningún abuso Look inward, cut yourself loose from your self; tolerate no abuse“ die Stimmung der Bilder thematisch unterstreicht. Während mit cremefarbenen High-Heels auf die Stile und Blüten eingehackt wird, sich mit dicker Flüssigkeit und Blumengewirr über die glatt rasierten Beine gestrichen wird, brummert im Hintergrund schrill und aufgeregt die industriell anmutende Produktion. Hiermit setzt sich künstlerische Darbietung, die Ghersi mit seiner Bühnenfigur auf der letzten Tour in den Mittelpunkt seines Schaffens gestellt hat, fort. Sexuelle Freiheit, die Zurschaustellung abstrakter, sensibler und vor allem individueller Emotion breiten sich aus zwischen den Tropfen, die die Waden herunterlaufen, den Absätzen der Schuhe und dem grauen Boden unter den zerfetzen Überresten der einzelnen Gewächse.