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Intime Wohnzimmeratmosphäre – So war es bei Island in Heidelberg

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Intensiv, atmosphärisch und brachial ist der Sound von Island. Im Heidelberger Karlstorbahnhof präsentiert die vierköpfige Band aus London ihr Debüt „Feels Like Air“ live und lässt dabei niemanden kalt.

Seit ihrer ersten EP “Girl” im Jahr 2015 ist die Londoner Band Island in aller Munde. Ausverkaufte Konzerte in ihrer Heimat und auch auf ihrer Europatour sind Zeichen ihres zunehmenden Erfolgs. Was nicht zuletzt Resultat des atmosphärischen und packenden Sounds des Quartetts ist. Denn ist der Sound von Island geprägt von verträumten Melodien, nachfühlbaren Texten und atmosphärischen Gitarren, die alles miteinander zu mitreißenden Songs verschmelzen lassen.

Verträumter und düsterer Sound

Der atmosphärische Indie-Rock der Band kommt besonders in der intimen Wohnzimmeratmopsphäre im Heidelberger Karlstorbahnhof zur Geltung. In der kleinen Runde wirken die Songs noch intensiver und fulminanter als auf Platte. Besonders die Stimme von Rollo Doherty geht live unter die Haut. Am besten wirkt diese bei langsamen Balladen wie „Try“ oder auch „Something Perfect“. Durch die fragilen Gitarren und Synthesizer in Kombination mit der spärlichen Beleuchtung auf der Bühne wirkt der verträumte Sound gar düsterer. Allgemein glänzen Island an diesem Abend am Meisten, wenn sie das Tempo drosseln und die Musik auf den Hörer wirken lassen, wie bei „Lilyflower“, das gar in einem akustischen Gewand daher kommt.

Unbeschwert und souveräner Auftritt

Musikalisch klingt der Sound der Band so brachial, dass man ihnen gar nicht abnimmt, dass ihr Debüt „Feels Like Air“ erst vor einigen Wochen erschienen ist. So souverän der Sound und der Auftritt von Island auch rüberkommt, so unbeschwerrt wirkt das Quartett aus London doch auf der Bühne. Hier und da wird gewitzelt und aus dem Nichts bekommt Doherty auch mal einen Drumstick an den Rücken geworfen.

An diesem Abend merkt man vor allem eines, hier stehen vier gute Freunde auf der Bühne, die einfach Spaß am gemeinsamen musizieren und performen haben und dabei so leicht und schwebend wirken, dass man für einen kurzen Moment alles um sich herum vergisst. Eine knappe Stunde hält der Spuk auf der Bühne an, bevor mit „The Day I Die“ der Abschied eingeläutet wird. Eine Zugabe weiter hat das Konzert sein Ende gefunden und es wird klar: Der Sound von Island entfaltet sich erst live gänzlich und lässt dabei niemanden kalt.

Drangsal – Zores

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Drangsal ist einer der Acts beim New Fall Festival 2018

Vom Feuilleton wurde er vor zwei Jahren als neues Enfant Terrible des New Wave bezeichnet. Zwei Jahre später veröffentlicht Drangsal mit „Zores“ die passende Antwort und öffnet sich weiter als die heilige Schrift.

Am Anfang war das Wort. So steht es schon im Buch Mose des Johannes-Evangeliums in der Bibel und so zitiert Drangsal alias Max Gruber in seinem neuen Album „Zores“ mehr als einmal die heilige Schrift, was Songs wie „Turmbau zu Babel“ und „Arche Gruber“ schon anklingen ließen. Mit einer engelhaften Stimme und den Worten: „Schaut mich an / ich werde älter“ eröffnet Drangsal seine neue Platte.  In den letzten zwei Jahren hat sich im Leben des Pfälzers viel getan. Aus einer wütenden nicht beachtete Stimme der Jugend, die im Körper eines 80s Geistes steckt, ist eine junge sich immer noch reibende Persönlichkeit geworden. Mit seinem Debüt „Harieschaim“ wollte er sich und der Welt da draußen beweisen, dass er die Musik, die seine Jugend geprägt hat, verinnerlicht hat. Mit hochgekrempelten Ärmeln versuchte er den deutschen Pop neu aufleben lassen und sämtlich Unnötiges auf den Scheiterhaufen des Musikbusiness zu befördern.  Dabei wollte er eigentlich nur „Jedem Das Meine“, wie er im zweiten Titel auf „Zores“ behauptet.

Wütendes Pack, eine Gruppe Asozialer, ein Streit, Wut; all das bedeutet Zores in der Pfalz und hat den jungen Drangsal lange Zeit begleitet. Ähnlich wie seine Attitüde, hat sich indes auch die musikalische Ausrichtung neue positioniert. Aus dem Zitat der 80er, den unnahbaren Hall-Effekten und den monumentalen Drums heraus, hat sich Drangsal in einer weitaus ehrlichere Richtung hin entwickelt. Auf „Und Du? Vol. II“ zeigt er in feinster Prefab Sprout-Manier, dass die Drangsal’sche Welt weiter, offener geworden ist. Mit der Zeile „Zur Zeit wird alles anders“, leitet Gruber ein neues Kapitel in seiner Karriere ein. Er geht einen Schritt auf den Zuhörer zu und eckt trotzdem bei diesem an. Durch das direkte Ansprechen in deutscher Sprache schafft er immer wieder ein Unbehagen der Hilflosigkeit. Drangsal stellt Fragen an sich selbst und lässt uns alleine in der Dunkelkammer seiner Gedanken zurück.

Die Single „Magst Du Mich (Oder Magst Du Bloß Noch Dein Altes Bild Von Mir)“ erzählt die verwelkte Liebesgeschichte zweier Menschen, die sich auch unmittelbar auf die Vita unseres Landarztes Dr. Angsal übertragen ließe. Mit seinem neuen Sound provoziert der Musiker bewusst und schreckt damit sicherlich auch einige alte Fans ab. Es ist genau diese  brutale Unbekümmertheit und der Mut zu kühnen Wortspielen, der das Schaffen des Herxheimers immer wieder vorantreibt und auszeichnet. Die neue Drangsal ist glasklar, selbstbewusst und klingt mit Abstrichen auch ab und an wie der Jünger Farin Urlaub. Da er auf Songs wie dem Highlight „Turmbau zu Babel“, aber den beim Ärzte-Musiker oftmals auffindbaren pubertären Duktus weglässt, tut dies der Platte jedoch keinen Abbruch. Vielmehr spickt Gruber vermehrt beim beliebtesten Buch der Pfälzer – der Bibel. Dadurch bringt er die nötige Prise Pathos auf seine Platte, die nunmal in das Leben des Max G. gehört.

Denn selbst wenn Drangsal die eigene Blaupause auf seinem neuen Album weggelassen hat, zählt Pathos und Grausamkeit nach wie vor zu einem beliebten Stilmittel des Musikers. Auf „Weiter Nicht“ wird wieder lamentiert und protestiert auf „Laufen Lernen“ wird nach dem Sinn des Lebens gefragt, aber zugleich auch manifestiert, dass er dieses Laben auch alleine schafft. Der Song beginnt mit einem ähnlichen Intro wie seine Version des Tokio Hotel Songs „Boys Don’t Cry“. Sicherlich kein Zufall. Es wird wieder eine starke Persönlichkeit manifestiert, die eben diesmal in ruhigen Momenten auch eine gewisse Verletzlichkeit aufblitzen lässt.

Den musikalischen Wutbürger, werden sein Produzent Markus Ganter und sein Co-Produzent Max Rieger (Die Nerven) wohl nie komplett aus Gruber herauskriegen können. Doch ohne Wut wie beim instrumentalen Teil des Closers „ACME“ würden solche Hochgenüsse des Post-Punks nicht zustande kommen. Im instrumentalen Erguss tobt sich Drangsal zusammen mit Max Rieger (Die Nerven), Kevin Kuhn (Die Nerven, Karies), Kristoph Hahn aus und zeigt zugleich seine zugängliche Seite. Denn auch Songs wie das englischsprachige „Arche Gruber“ oder das etwas repetitive „Gerd Riss“ zeigen, dass es dem Musiker wichtig ist seine Erfahrungen und seine Erlebnisse mit anderen Menschen zu teilen. Und genau wie damals schon im Alten Testament können dies  auf „Zores“ Geschichten der Wut, der Freude, des Erbarmen oder der Liebe sein.

Beste Songs: Und Du Vol II., Turmbau zu Babel, Magst Du Mich

VÖ: 27.04.2018 // Caroline International

VIECH und die vielen Fehler – Finaler Akt

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Welche Fehler habt ihr am Wochenende gemacht? Dank VIECH lernen wir in der heutigen Ausgabe, dass das Konzertbuisness um einiges leichter wird, wenn man sich vor bestimmten Personen am Venue in Acht nimmt.

In der vergangenen Ausgabe erzählte uns Sänger Paul Plut vom ersten Showcase-Konzert im Land der unbegrenzten Möglichkeiten: in Österreich. Zwischen Krapfen, Schnitzeln und außerordentlich jungen Gästen auf der Aftershowparty nutzte die Band die Möglichkeit, ihre leere Bandkasse aufzufüllen und live zu proben. Wie sich dieser Abend gestaltete, könnt ihr hier noch einmal nachhören.

Im dritten Teil gibt VIECH uns eine Einführung in die Tücken des Konzertzirkus. Vor wem muss man sich auf Tour in Acht nehmen? Mit seiner wohlig warmen Erzählerstimme unterbreitet uns Paul Plut an diesem Montag, was ihm im Umgang mit Stage Managern, Schlagzeugern der Vorband und Securities bereits widerfahren ist – und uns wird bewusst: Unser Montag könnte schlimmer sein.

https://soundcloud.com/viech/fehler03/s-fA0Zx

Einfach cool – So war es bei Yung Hurn beim Jetztmusik Festival in Mannheim

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Krasse Beats, krasses Publikum, krasse Show – besser kann man das ausverkaufte Konzert des Wiener Cloud-Rappers Yung Hurn nicht in Worte verpacken.

Seit Wochen ist das Konzert von Yung Hurn in der Alten Feuerwache in Mannheim schon ausverkauft. Doch ist die Show nicht nur das erste Konzert des Wiener Shooting-Stars in der Metropolregion sondern auch zugleich das Opening des Jetztmusik Festivals – und was für eines! Mit dem österreichischen Rapper haben sich die Veranstalter ein musikalisches Phänomen ins Programm geholt, dass schon seit Monaten für viel Diskussionstoff im Internet sorgt.

Yung Hurn live // @Alte Feuerwache Mannheim
Yung Hurn live // @Alte Feuerwache Mannheim

Mit seinem dadaistischen und verkappten Sprechgesang, den langsamen Rhythmen und den wuchtigen Beats wird Yung Hurn von der Jugend gefeiert, vor allem auch weil der Rapper mit seinen Texten und seinem Auftreten auf aktuelle Trends und Gesellschafts-Phänomene setzt. Lässig und etwas zu cool rappt sich Yung Hurn mit seiner Crew in die Herzen seiner Fans und im Laufe des Abends weiß man nicht so genau wer hier wen anheizt – Yung Hurn das Publikum oder das Publikum die Akteure auf der Bühne, so dass beide Seiten mächtig ins Schwitzen kommen.

Caramelo als Opener

Allgemein merkt man, dass die zum Teil noch sehr jungen Besucher an diesem Abend extrem feierwütig drauf sind. Es wird ausgiebig getanzt, gepogt und mitgegrölt. Schon zum Opening Act Caramelo wird heftig abgegangen. Der Rapper, der Teil der Crew um Yung Hurn ist, hebelt mit seinem Deutschrap jegliche Genre aus und zieht auf der Bühne sein Ding durch. Quasi nach dem Prinzip „Ich mach einfach worauf ich gerade Bock habe“. Kommt vor allem beim Publikum gut an.

Yung Hurn live // @Alte Feuerwache Mannheim
Yung Hurn live // @Alte Feuerwache Mannheim

Mit dem Erscheinen von Yung Hurn kocht die Stimmung aber noch mehr auf. Ekstatisch wird zu Tracks wie „Bianco“, „Nein“ und „Opernsänger“ sowie auch zur neuen Nummer „ok cool“ getanzt. Zwischendrin erzählt Hurn, dass er das erste Mal in Mannheim ist und es ganz nice findet, aber auch dass die Show in der Feuerwache einer der größten Konzerte ist, die er bis jetzt gespielt hat. Zur Feier des Abends haut der Wiener dann auch gleich noch alte Tracks raus, ganz zur Freude seiner Anhänger, die diese lautstark bejubeln.

Flowige Vibes und nice Visuals

Mit seinem smoothen Sound schafft es der Rapper nach kürzester Zeit einfach jeden in seinen Bann zu ziehen. Nebenbei sind die Songs auch visuell durch die riesige Leinwand im Bühnenhintergrund und diversen knalligen Schriftzügen und Einblenden untermalt. Zum Ende hin wird es neben den spaßigen, flowigen Vibes auch nochmal Ernst. „Avicii ist tot“, ruft Hurn in die Menge und läutet damit eine Schweigeminute ein. So richtig schweigen will das Publikum nicht, doch zieht der Rapper und seine Crew diese Minute eiskalt durch und beenden sie dann anschließend mit „Levels“.

So ein richtiges Ende will dieser Abend aber nicht finden, zumindest wollen die Leute Yung Hurn nicht so wirklich gehen lassen. Mit der erneuten Performance von „ok cool“ läutet der Künstler seinen Abschied ein und holt dafür nochmal seine komplette Crew auf die Bühne. Egal was Yung Hurn an diesem Abend macht, die Stimmung geht durch die Decke. Konsequente Selbstinszenierung, schnörkelos und Vibe-beladen – Der Wiener Cloud-Rapper ist halt einfach cool.

Gudes Wedder – Die besten neuen Songs, wenn das Wetter mal wieder gut ist

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Die ersten Sonnenstrahlen brennen auf der weiß-blassen Haut und man spürt förmlich wie die Winter-Depression langsam wieder verschwinde. Mit dem guten Wetter verändert sich auch das Empfinden für Musik immer leicht und daher haben wir ein paar passende Songs für Sonnenscheintage für euch herausgepickt. 

M.I.L.K. – Slow Emotions 

M.I.L.K. aus Kopenhagen ist in seiner Heimat bereits eine größere Nummer. Letztes Jahr durfte er auf dem Roskilde auftreten, zur Festival-Saison natürlich. Da passt die Musik des Musikers nämlich vorzüglich hin. Für seine neueste Single „Slow Emotions“ verbindet er leichte Disco-Einflüsse mit fast schon Afro-Trap-artigen Beats. 

Friendly Fires – Love Like Waves

Bis vor ein paar Jahren durften Friendly Fires in keiner sommerlichen Playlist fehlen. Songs wie „Jump in The Pool“ oder „Kiss of Life“ waren Pflicht. Dann wurde es ruhig um das Trio aus Großbritannien und man hatte ich eigentlich schon auf eine Trennung eingestellt. Nun sind sie nach sieben Jahren zurück und haben mit „Love Like Waves“ nichts an tropischer Freshness eingebüßt. 

https://www.youtube.com/watch?v=MMiHXIllrHY

Rex Orange County – Loving is Easy

Rex Orange County ist erst 19 Jahre alt und hat dennoch die Gelassenheit eines 40-jährigen, immerjungen Weltenbummlers. Im echten Leben heißt er Alex O’Connor und darf Tyler The Creater zu seiner Fanbase zählen. Kein Wunder, denn „Loving is Easy“ ist ein Meisterwerk des Piano-Pop und bringt alles mit, was man an einem sonnigen Tag braucht. 

Ebo Taylor –  Mumudey Mumudey

Ebo Taylor ist das genaue Gegenteil zu Rex Orange County. Damit ist mit Sicherheit nicht ein Mangel an Talent gemeint, sondern vielmehr sein Alter. Mit zarten 82 rockt ghanaische Musiker noch immer die Bühnen dieser Welt und gilt längst als einer der Afro-Funk-Pioniere überhaupt. „Mumudey Mumudey“ ist ein Song aus seinem Album „Yen Ara“, das vor einigen Wochen erst erschienen ist. 

Mavi Phoenix – Yellow

Mavi Phoenix muss man nicht mehr vorstellen. Die Künstlerin aus Wien reißt momentan alles ab und gilt nicht umsonst als der nächste Pop-Hype. Ihre aktuelle Single „Yellow“ wurde von RIP Swirl produziert und die personifizierte Laid-Back-Streetwear-Attitüde. 

Ilgen-Nur – Cool

Wer ständig als „Slacker-Queen“ bezeichnet wird, darf in dieser Liste natürlich nicht fehlen. Erst kürzlich haben wir mit Ilgen-Nur über genau diesen Begriff gesprochen. Wie sie dazu steht und was sie sonst noch zu erzählen hat, könnt ihr hier nachlesen. 

Golf – Coconut 

„Playa Holz“ ist zweifelsohne einer der besten deutschen Pop-Platten der letzten Jahre. Kaum eine andere deutsche Band schafft es die Songs mit cleveren Messages zu bestücken aber dabei nie prätentiös oder aufgesetzt zu wirken. Dafür ist Spaß einfach ein zu großes Thema bei den Kölnern. Momentan machen die vier Jungs Pause oder widmen sich anderen Projekten

Clairo – Flamin Hot Cheetos

Sommer = California. Das haben uns mehrere Jahre Internet mittlerweile beigebracht. Clairo hat das das Video zu „Flamin Hot Cheetos“ in ihrer Heimat gedreht und vermittelt durch ihren Vibe einfach ein gutes Gefühl. Bald soll dann auch die EP der erst 19-jährigen Musikerin erscheinen. Bis dahin schnappen wir uns Cheetos und warten gespannt. 

https://www.youtube.com/watch?v=byGeEw9tRh8

Arp Frique – Kamajo 

Arp Frique ist das Projekt eines in Amsterdam lebenden Rotterdamers. Für seine Musik arbeitet er immer wieder mit Kollektiven anderer Musik-Kulturen zusammen und kreiert so eine wilde Mischung aus Space-Disco und Afro-Funk. Die Kollegen von „The Daily Indie“ haben den Musiker in unserer Newcomer-Liste genauer vorgestellt. 

Yung Hurn – GGGut

In einer Liste, die doof „Gudes Wedder“ heißt, darf ein Song namens „GGGut“ selbstverständlich nicht fehlen. Aber auch so hätten wir Yung Hurn mit seiner Don’t Give A Fuck-Einstellung bestimmt dieser Liste auftauchen lassen. Sein Debüt-Album „1220“ erscheint am 4. Mai. 

Roosevelt – Fever

Weil Marius Lauber aka Roosevelt einfach in keiner sommerlichen Liste fehlen darf. 

RIKAS – Picasso

Es gibt so vier Jungs aus Stuttgart, die Golf den Titel der unbekümmertsten Band Deutschlands streitig machen können. Sie nennen sich RIKAS und wurden erst kürzlich von uns genauer vorgestellt. So jetzt aber raus in die Sonne!

Hier findet ihr eine ausführlichere Liste mit weiteren sommerlichen Nummern. die je nach Lust und Laune von der Redaktion in den nächsten geupdated wird. 

 

Die Nerven – Fake

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Weg mit deiner Angepasstheit, die deinen Wahnsinn nicht mehr verstecken kann und weg mit unseren Zusammenhängen, die uns doch nur meilenweit von einander entfremdet haben. Es gibt nichts richtiges im Wahren auf dem neuen Album der Nerven.

Max Rieger, Julian Knoth und Kevin Kuhn verkrümmen sich, krampfartig schießen die Parolen durch die Refrains ihres neuen Albums. Es wird geschrien, Gitarren explodieren, „nichts bleibt wie  es ist […] glaub nicht alles, was ich sage“ heißt es in „Aufgeflogen“. Die Wut, das Unverständnis, die Verweigerung der beiden Vorgängeralben Out und Fun sind geblieben, und doch ist Fake eine umfassendere Herangehensweise an die eigene Musik. Der Starsinn des Punks weicht hin und wieder einer umfassenderen, runden Klangästhetik, die einen mitunter soften, empathischen Rahmen für die Absage an sich selbst und uns alle bietet. Die Nerven finden auf ihrem vierten Album nicht nur weiterhin zu Aggression aus gebrochener Illusion zurück, sondern vor allem zu einem erzählerischen Kontinuum, das die einzelnen Songs in eine zusammenhängende Aussage stellt. Fake macht in seiner Gebrochenheit, in der unermüdlichen Beobachtung seiner Umstände so viel Sinn, wie es vielleicht schon lang keine deutsche Band mehr vermochte.

Die Nerven, die sich in der Arbeit zum neuen Album zwischen Theaterarbeit, Livesessions und Proberaumquerelen zwischen Berlin und Leipzig laut eigener Aussage immer wieder fast getrennt hätten, bekommen in den Artikeln des deutschen Feuilletons meist den selben Namen, (welcher das ist, könnt ihr selber rausfinden) werden lapidar als Speerpitze der nationalen Punkmusik hingestellt und inhaltlich meist wohlwollend als Neinsager mit dreckigem Gitarrensound gelobt. Dass das schlicht zu kurz gedacht ist und die Band sich größtenteils nur gegen industrielle Popnormative und deren musikalische Vertreter richtet, wird auf Fake ein für alle mal aufgelöst. Die Bewegungslosigkeit, die Konformität und der Zwang so zu sein, wie es dein Discovery Feed oder deine Amazon-Kaufvorschläge vorgeben und nicht, wie es dir selbst oder deinem Umfeld tatsächlich nachhaltig gut tun würde, sind weitaus genereller, weitaus menschlicher.

Und so geht das hysterische und schäumende „Lass alles los, gib alles frei“ in  „Frei“ eben gegen uns alle, gegen die Stummheit, die Langeweile und den inneren Selbsthass, der so unbesprochen und bestätigt durch Freundeskreise, Beziehungen und Drogeriemärkte fließt. Songs wie „Roter Sand“ oder „Der Einzige“ sind voll eben jenem Unverständnis gegenüber sich selbst, das in mentale Isolation, im Gedanken nicht genügend genug zu sein, seine Kreise zieht, wo es doch gerade hier nicht gelöst werden kann. Der fehlende empathische Zusammenhang zwischen dir und mir findet nicht statt, er wird unterdrückt von normativem Traditionsdenken und dem psychologischen Konservatismus der Leistungsgesellschaft. Mit der Frage „Bin ich der Einzige der weint?“  sehnt sich eine Band nach nichts Einfacherem als aufrichtiger Zuneigung, nicht für ihre Musik sondern nach einem gefühlsbetonterem Umgang im zwischenmenschlichen Alltag. Romantisches Miteinander im Gewand einer 90s Punkband quasi.

Wo es auf der einen Seite in den Texten der Nerven einerseits um die Verweigerung gegenüber konsumgesteuertem Identitätsverlust geht, scheint sich kurz darauf fast eine Antwort auf die generelle Absurdität der Existenz zu finden, sei es Abkehr und Auflösung von der veralteten Lähmung des Gesellschaftsdruck oder doch die darauffolgende Akzeptanz von Emotion und der omnipräsenten Angst vor allem, was da kommen mag. Musikalisch wirkt Fake runder als seine Vorgänger, weitreichender. Die Gitarren haben genug Platz, sich weiterhin schlagartig bahnbrechen zu können und Kuhns Schlagzeug treibt die Geschwindigkeit teilweise gewohnt atemlos voran. Es sind die ruhigen Momente in lauten Songs, die „Niemals“ oder „Dunst“ besitzen, die den Sound der Nerven größer und vielfältiger wirken lässt. Als wäre ein großer Raum geschaffen worden, in dem sich ein weites Chaos für den „war inside“ auslegt.

„Her mit euren Lügen, her mit eurem Leid“, fordern Rieger und Knoth im Titelsong gemeinsam singend, als würden sie zum Abschluss kathartisch die Arme öffnen, die Oberflächlichkeit, die Scham, die schmerzhaft versteckte Angst vor dem eigenen Versagen müssen endlich ausgesprochen werden. Die Empathie muss frei sein, gelöst von der Arroganz einer falschen Auffassung der gesellschaftlichen Bedeutung des Individuums. Alles fake, alles muss weg.

Beste Songs: Niemals, Frei, Der Einzige

VÖ: 20.04.2018 // Glitterhouse Records

FLUT zeigen mit „Regen“ eine neue Facette von sich

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Im neuen Video zu „Regen“ zeigen sich FLUT von ihrer gefühlvollsten Seite und erinnern zudem an frühe 90s TV-Dramen. 

Neue Deutsche Welle, Spliff und VHS-Optik. FLUT aus Österreich haben bislang keinen Hehl aus ihren Inspirationsquellen gemacht. Mit ihrer neuen Single „Regen“ zeigen sie nun aber eine neue Facette von sich. Tatsächlich bewegt sich der Track auf einem anderen Terrain als die Songs aus „Nachtschicht“-EP oder „Agent 08“. Die Stimme ist klarer, weniger verzerrt und macht den Gesamteindruck dadurch minimalistisch. Auch der instrumentale Teil ist zurückgenommen und beschränkt sich auf das Wesentliche. Dennoch schafft es „Regen“ eine gewisse Stimmung zu erschaffen, die von aus früheren TV-Dramen kennt. 

„Sie lässt mich eiskalt im Regen stehen“, singt Johannes Paulusberger gefühlvoll und wird von einem quietschenden Gitarrenriff ergänzt. Visualisiert wurde der Song zusammen mit Zebo Adam (Produktion). Dieser hat bei der Konzeption eng mit FLUT und dem Keyboarder Manuel Hauer (Regie) zusammengearbeitet und das Resultat ist ein Musikvideo der Kälte und Sadness. Durch den blauen Farbton läuft es einem kalt den Rücken runter. Immer wieder werden die Mitglieder der Band in Slow-Mo-Nahaufnahmen gezeigt. Gegen Ende wird dann mit viel Pathos und der bereits bekannten VHS-Optik gearbeitet. „Regen“ ist die nächste Single von FLUT, die die Wartezeit auf das im Herbst erscheinende Album verkürzen soll. 

Das beste Release der Woche – Father John Misty

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Bevor in einem Monat das neue Album God’s Favourite Customer erscheint, veröffentlicht Joshua Tillman gleich zwei Songs vorab. Der zynische Kabarettglamour ist gewichen, die Lovesongs sind zurück.

Father John Misty ist, gelinde gesagt, interessiert. Am Bund der Ehe zwischen zwei Personen, den er auf seinem wunderbar betitelten Album I Love You Honeybear ins Auge seiner Untersuchung stellte. Am Sittenverfall einer neoliberalistischen Gesellschaft im 21. Jahrhundert, an ihrem Entertainment-Fetischismus, die er beide in einer großen Show aus glitzerndem Zynismus namens Pure Comedy zu analysieren suchte. In „Disappointing Diamonds Are The Rarest Of Them All“ fragt sich Tillman nun „Does everybody have to be the greatest story ever told?“ In „Dumb enough to try“, dem zweiten der beiden diese Woche erschienenen Songs, stellt er im Chorus fest „I’m just dumb enough to try to keep you in my life for a little while longer“. Die Euphorie und die Satire sind vom Spotlight in den Schatten der Kulisse getreten, es bleibt ein kontemplativer Monolog, Father John Misty erklärt sich auf seiner Bühne aus leitendem Piano und subtil gesteigertem Bläsereinsatz die Besonderheiten und Absurditäten der Liebe neu.

Entgegen dem geläufigen Narrativ der einzigartigen und nahezu unerreichbaren Liebeserfahrung einer dramatischen Kusszene aus Hollywood oder der perfekten Inszenierung des amourösen Zusammenlebens zweier, meist hetorosexueller, weißer und bis in die letzte Ecke des straffen Körpers durchgeplanter Instagram-Berühmtheiten, blickt Tillman auf eine speziellere Ebene. Auf Augenblicke, denen ebenjene Besonderheit abhanden gekommen ist, in denen das Unterbewusstsein weiß, dass früher oder später doch vielleicht endgültig gegangen wird. Seine Einordnung ist ehrlich und desillusionierend, sie bleibt ein Abgesang auf die Kommerzialisierung der Romantik, nicht auf die Gefühlswelt selbst. Father John Misty’s neues Album God’s Favourite Customer erscheint am ersten Juni bei SubPop und Bella Union.

Alles andere als betäubend – Gewinne zwei Gästelistenplätze für das Konzert des Newcomers Joe James Boyle am 20. April im Badehaus Berlin

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Wenn man Joe James Boyle Musik hört denkt man instinktiv an eine Mischung The Velvet Underground und Nirvana und dennoch überzeugt der junge Brite mit seinem eigenen Charme.

Seit fünf Jahren lebt er nun in Berlin und arbeitet derzeit an seiner EP “Daze” (auf deutsch “Benommenheit, Betäubung”). Doch sein Sound ist, trotz schwermütiger und melancholischer Stimmung, alles andere als betäubend. Die schweren Akkorde und seine raue Stimme wirken hypnotisierend und geben dem Ganzen eine leicht mystische Note.

Inspiration für seine kommende Debüt-EP entnahm Boyle der Musik der schottischen Indie-Rock Band Jesus and Mary Chain sowie der australischen Rock-Legende Nick Cave and The Bad Seeds. Letztere intensivierten seine Songs auf eine theatralische und düstere Art und Weise.

Als Kind der 90er wuchs er größtenteils mit der Musik auf die im Auto seiner Eltern oder im Radio gespielt wurde. Seinen musikalischen Weg ebnete die Band Nirvana, die für ihn alles veränderte. Einen kleinen Vorgeschmack bietet sein Live-Video “Berlin Undressing” – eine poetische Satire an Berlin und ihre Laster und vielleicht auch an all das, was die Leute aus aller Welt in die Hauptstadt zieht.

Die Poesie und Berlin in einem Satz zu nennen ist bei Boyle wohl mehr als zutreffend. Ursprünglich war sein Plan, nach Paris zu ziehen und Poet zu werden. Seine romantische Vorstellung des Künstlerlebens à la Puccinis “La Boheme” entstand aus mangelnder Inspiration in seinem Studium.  Er begann sich für Literatur zu begeistern und las überwiegend Bücher, die von Menschen geschrieben wurden, die ihre Schöpferkraft auf dem ganzen Kontinent fanden.

Warum es ihn in letzter Minute doch nach Berlin verschlug kann er nicht sagen. Die Entscheidung war genauso impulsiv wie die, nach Paris zu ziehen. Berlin war dennoch die absolut richtige Entscheidung und er ist froh, dass ihn in dem Moment seine Impulsivität leitete. Es war ein absoluter Neuanfang und das ist das, was er sich von seinem Ziel wünschte.

Am Freitag den 20. April steht er als Support der UK-Indie-Pop Band The ninth Wave auf der Bühne und ihr könnt zwei Gästelistenplätze dafür gewinnen. Die Bedingungen für den Lostopf sind das Liken des FB-Posts, unserer Facebook Page und das Verlinken eurer Begleitung. Der Einsendeschluss ist der 20.04.2018 um 15:00 Uhr. Die Allgemeinen Teilnahmebedingungen könnt ihr hier nachlesen.