Der Sommer ist greifbar nahe – ebenso wie die diesjährige Festivalsaison. Das Immergutfestival gibt Jahr für Jahr den Startschuss: Seit nunmehr 19 Jahren steht das letzte Maiwochenende in Neustrelitz ganz im Zeichen guter Musik. Das diesjährige Motto: Spiel, Satz, Sieg.
Wenn der Raps seine gelben Blüten zeigt, dann ist es wieder soweit – das Immergutfestival steht vor der Tür. An den blühenden Feldern und grünen Alleen Mecklenburg-Vorpommerns vorbei machen sich jedes Jahr etwa 5000 Musikliebhaber auf den Weg ins beschauliche Neustrelitz. Selten ist dort so viel los wie an diesem Wochenende. Mitten im Grünen schlagen die Besucher am 25. und 26. Mai ihre Zelte auf, treffen alte Freunde, springen ins klare Wasser der mecklenburgischen Seenplatte und lauschen handverlesener Musik. Ganz traditionell eröffnen Torpus & The Art Directors, Sue The Night und Tim Neuhaus das Festivalwochenende bereits am Donnerstagabend im Theater von Neustrelitz.
Nachdem die Festivalmacher mit den Gästen im vergangenen Jahr ihre Volljährigkeit feierten, lautet das Motto in diesem Jahr „Spiel, Satz, Lied“. Dabei handelt es sich um nichts anderes als die drei beliebten Komponenten der Veranstaltung – das alljährliche Fußballmatch am Samstagvormittag, die Lesungen verschiedener Autoren und natürlich die Konzerte. Es bleibt abzuwarten, wie das Thema auf dem Gelände in diesem Jahr umgesetzt wird – haben die Immergutler in den vergangenen Jahren doch immer ein gutes Händchen für die liebevolle und kreative Gestaltung zwischen Waldbühne, Zelt und Birkenhain bewiesen.
Nicht mehr ganz so geheim: das musikalische Programm. Mit Drangsal, Ilgen-Nur, Gurr, Die Nerven und Sam Vance-Law hat sich das Immergut wieder Musiker ins Boot geholt, die derzeit hoch im Kurs stehen. Nicht weniger beeindruckend: Die alten Hasen der deutschen Musikszene wie Kettcar und Olli Schulz oder Headliner Ty Segall & The Freedom Band. Zu den diesjährigen Geheimtipps zählen sicherlich die Norweger von Pom Poko und Makeness aus Schottland. Tanzen, Schunkeln, Wippen – das Line-Up verspricht, dass für jeden etwas dabei sein dürfte. Spätestens wenn die letzten Künstler die Waldbühne verlassen haben, und der Holzboden im Zelt anlässlich der Aftershowparty zu wackeln beginnt, wird wohl auch der letzte Besucher im Freudentaumel das Tanzbein schwingen.
So war’s übrigens im vergangenen Jahr beim Immergutfestival:
Zur Verkürzung der Wartezeit, zum Auswendiglernen der Texte oder zum Entdecken neuer Musik hat das Immergutfestival wieder eine Playlist auf Spotify erstellt. Wie sieht’s bei euch aus? Wir haben jedenfalls schon den einen oder anderen Ohrwurm. Bis bald, liebes Immergutfestival!
Tickets für das Immergutfestival 2018 gibt es hier.
Nach ihrem Album „Ich kenne kein Weekend“ und der dazugehörigen Tour veröffentlichen Yukno gemeinsam mit Fibel die erweiterte Version ihres Songs „Tomorrowland“: Expressionistische Lyrik, versteckt in dunkler Dystopie.
Auf ihrer albumlangen Fortsetzung des Beuys’schen Kunstwerks „Ich kenne kein Weekend“ findet sich im Song „Tomorrowland“ der Satz „Geiles Leben, geile Feiern. Ein Blowjob für den Biedermeier“. Ruhig und distanziert klingt sie, diese Parole über die abhanden gekommene spektakuläre Menschlichkeit im nie endenden Konsum des Mahlstrohms, der dich wahlweise von Donnerstag bis Dienstag dorthin treibt, wo es ihn noch zu geben scheint, den wirklich authentischen Kick des Exzesses.
Yukno und Fibel, die sich die Österreicher für die Überarbeitung ihres Songs „Tomorrowland“ ins Boot geholt haben, beschreiben über einem dunklen Beat-Arrangement mit eben jenen Sätzen die leere Angepasstheit der stillen Filterbubble, in der unsere geilen Leben, unsere Nächte bis zum Anschlag stattfinden. Vor den Bildern von Fritz Langs monumentaler Dystopie Metropolis ergänzen sich Nikolaus und Georg Nöhrer mit der Stimme des Fibel Sängers Jonas Pentzek, das Vorhaben der Österreicher die lyrische Aussage in den Mittelpunkt zu rücken, funktioniert hier noch klarer und deutlicher.
Ist Ich kenne kein Weekend musikalisch noch sehr ruhig und stimmig gehalten, entwickelt „Tomorrowland“ auch durch die Leere in die vor allem Pentzek hinein singt eine enorme räumliche Weite, Popmusik schafft sich Platz für die eigene Expression. Die kalte Stimmung, das mitunter monoton mechanisch voranschreitende Grundgerüst des Songs stehen sowohl dem Pop Yuknos als auch dem Post-Punk der Mannheimer von Fibel gut zu Gesicht, der Song schwebt lyrisch wie musikalisch, um sich schlussendlich selbst einfangen zu können. Yukno spielen im Sommer beispielsweise auf dem Kosmonaut Festival in Chemnitz, von Fibel gibt es nächste Woche mehr zu hören: Dann erscheint die Single „Kommissar“ zur im Verlaufe des Jahres erscheinenden Debüt-EP.
Auf dem neuem Album „High As Hope“ von Florence + The Machine werden neben Sampha, auch noch Jamie xx und Tobias Jesso Jr. vertreten sein.
Am 29. Juni soll es endlich erscheinen – das neue Album von Florence + The Machine. Ganze vier Jahre lang hat der Prozess zum Nachfolger von „Ceremonials“ gedauert. Die Platte der Sängerin Florence Welch und ihrer Begleitband wurde zusammen mit dem Produzenten Emile Haynie aufgenommen, welcher in der Vergangenheit bereits mit Acts wie Lana Del Rey oder Bruno Mars gearbeitet hat.
Bereits vor ein paar Wochen gab es mit „Sky Full Of Song“ einen ersten Vorgeschmack auf das neue Material. Gestern wurde mit „Hunger“ jetzt eine richtige Single samt Video nachgereicht und es könnte pathos-geladener kaum sein. In dem von AG Rojas produzierten Video ist die Britin umgeben von antik anmutenden Skulpturen, die wie Statisten zwischen der exzessiven Perfomance von Florence wirken. Durch ihren ausdrucksvollen Tanz wird die Stimmung, die sie live transportiert in das Video übertragen.
Die Sängerin selber sagt über ihre neue Single „Hunger“ folgendes: „This song is about the ways we look for love in things that are perhaps not love, and how attempts to feel less alone can sometimes isolate us more. I guess I made myself more vulnerable in this song to encourage connection, because perhaps a lot more of us feel this way than we are able to admit. Sometimes when you can’t say it, you can sing it.“
Tracklist:
1. June
2. Hunger
3. South London Forever
4. Big God
5. Sky Full of Song
6. Grace
7. Patricia
8. 100 Years
9. The End of Love
10. No Choir
Mit „Beyondless“ veröffentlichen Iceage aus Kopenhagen ihr mittlerweile viertes Studioalbum. Wir haben mit ihnen über die Zusammenarbeit mit Sky Ferreira und über Netflix-Serien gesprochen.
Seit sie Teenager sind teilen die vier Kopenhagener Elias, Johan, Jakob und Dan dieselbe Leidenschaft für Musik. 2008 gründeten sie aus genau dieser und etwas jugendlicher Langeweile die Band Iceage. Von Anfang an schrieben sie ihre Songs selbst und bekamen nach kurzer Zeit das Angebot, ihre erste Single zu veröffentlichen. Am 4. Mai diesen Jahres werden sie ihr viertes Album mit dem Namen “Beyondless” veröffentlichen. Die Singles “Pain Killer” und “Catch it” geben schonmal einen Vorgeschmack, worauf ihre Fans sich freuen dürfen. Worum es in ihrer neuen Single “Pain Killer” geht und die Geschichte ihres abstrakten Albumcovers haben mir Elias und Johan bei einem Tee in Berlin erzählt.
Wie kam es zu der Zusammenarbeit mit Sky Ferreira?
E: Während ich den Song geschrieben habe, habe ich mir überlegt, dass er sich zweistimmig – mit einer weiblichen und einer männlichen Stimme – besser anhören würde. Ich überlegte welche weibliche Stimme das sein könnte und kam schnell auf Sky Ferreira. Zum Glück stimmte sie ein mit uns zu arbeiten und ich finde sie hat einen großartigen Job gemacht.
Kanntest du sie bereits zuvor?
E: Nein, wir haben sie angefragt und sie hat zugestimmt.
I: Plant ihr weitere Songs mit ihr?
E: Wir haben keine konkreten Pläne. Wir wissen nicht wohin wir als nächstes gehen werden. Obwohl wir viele Ideen haben, kristallisiert sich erst im späteren Prozess heraus, was wir als nächstes tun werden.
J: Momentan ist das, das was wir machen. Wir wissen nicht genau was als nächstes kommt.
Worum geht es in “Pain Killer”?
E: Ich glaube, es geht um einen starken Wunsch oder ein Bedürfnis nach etwas, was nicht zwingend gut für dich ist. Was es ist, bleibt dem Hörer überlassen.
Wird eure neue LP “Beyondless” mehr in Richtung “Pain Killer” gehen oder mehr dem Stil von “Catch it” folgen?
E: Es geht in viele Richtungen aber gleichzeitig ist alles aus demselben Material herausgearbeitet, falls das Sinn macht.
J: Wir haben kein festgelegtes Ziel. Ich denke, alle Songs sind genauso unterschiedlich wie “Pain Killer” und “Catch it”.
E: Ich glaube “Beyondless” ist mehr eine Reise. Einiges davon ist düsterer und anderes ist etwas grooviger. Allerdings sind es viele kleine Ausschnitte verschiedener Emotionen, die zusammen einen großen Ausdruck ergeben.
J: In der Vergangenheit haben wir uns oft selbst Grenzen gesetzt, womöglich weil wir uns gewisse Sachen nicht zugetraut haben. Aber mit der Zeit haben wir gemerkt, dass wir uns immer mit dem identifizieren was wir tun und es wird immer ein Stück von uns sein. Das gilt auch für dieses Album. Die Songs wirken vielleicht sehr unterschiedlich aber zusammengetragen ergeben sie das was wir tun. Es ist von uns gemacht und wird von uns gespielt, ich denke, das sind die Fäden die es verbindet.
Wer schreibt die Songs?
E: Die Texte sind alle von mir geschrieben.
Elias, du bist auch als Solokünstler mit zwei Projekten unterwegs. Erzähle uns doch mal davon.
E: Eins entstand als Soloprojekt und endete mit einem Haufen Mitglieder inklusive Johan. Und dann habe ich noch eins, “Vår”, mit ein paar anderen Leuten und wir haben eine Platte veröffentlicht und dann haben wir uns irgendwie aufgelöst. Was auch immer man durchlebt bildet deinen Charakter welcher wiederum Einfluss auf deine Arbeit hat. Oder ob es letzten Endes neue Skills oder Wissen ist, welches man sich aneignet während man etwas Neues ausprobiert, sind alles Faktoren, die zu dem beitragen was in oder außerhalb der Band passiert.
Willst du jetzt erstmal deinen Fokus mehr auf Iceage legen als auf dein Soloprojekt?
E: Naja, jetzt im Moment haben wir das Album rausgebracht und ich glaube “Beyondless” gibt uns bereits Andeutungen was als nächstes kommen könnte.
Und was glaubt ihr, kommt als nächstes?
E: Es ist zu früh um das zu konkretisieren [lacht].
Spielt ihr lieber kleine, gemütliche Konzerte oder lieber auf Festivals?
J: Wir können beides. Aber ich würde nicht sagen, dass wir es gemütlich mögen. Wir können in allen möglichen Locations spielen. Es wirkt alles allerdings unterschiedlich. Ich glaube nicht, dass wir da irgendwelche Vorlieben haben, es sind nur unterschiedliche Formen der Aufführung.
E: Wir haben schon gute und schlechte Shows auf Festivals und in kleineren Locations gespielt. Ich glaube nicht, dass es die Größe ist die eine Rolle spielt.
Wie herausfordernd ist es für euch, die Stimmung, die ihr live erzielt auf eure Platten zu übertragen?
E: Es geht nicht so sehr um das Live-Feeling sondern mehr darum den Songs gerecht zu werden und so viel Seele wie die Songs benötigen auf die Aufnahme zu übertragen.
J: Es sind zwei unterschiedliche Arten der Aufführung. Es kommt einfach in zwei verschiedenen Arten und Weisen raus.
Welche Künstler haben euch beeinflusst, als ihr begonnen habt Musik zu machen?
J: Ich kann mich nicht mehr erinnern. Wir sind zusammen aufgewachsen und der Grund warum wir befreundet waren, waren dieselben Interessen. Es waren schon immer nur wir vier.
E: Wir haben uns über sowas gar keine Gedanken gemacht oder haben uns hingesetzt und es besprochen, es kam alles direkt von alleine. Wir waren Außenseiter die dieselbe Art und Weise hatten auf die Welt zu blicken. Wir mögen viele Stile, von Anarcho Punk bis zu eigenartiger Jazz-Musik.
Ihr werdet oft mit Nick Cave verglichen, dessen Song “Red Right Hand” der Soundtrack der Netflix-Serie “Peaky Blinders” ist. Wenn ihr zu einer Serie einen Soundtrack machen solltet, welche wäre es?
E: Keine Serie aber womöglich eher eine Dokumentation von David Attenborough.
Euer Plattencover ist sehr abstrakt. Wer hat es designt?
E: Wir trafen eine junge Frau in Kopenhagen, deren Großvater, welcher bereits verstorben ist, Marmorierungen anfertigte für Bücher und sie nahm uns mit in sein Archiv.
J: Sie macht das auch und es ist eine Mischung aus ihrer und seiner Arbeit. Den Aufbau der Platte haben wir selbst übernommen.
Am 5. Juli kommen Pip Blom aus Amsterdam für eine exklusive Show ins Monarch nach Berlin.
Was 2016 in irgendeinem heimlichem Kämmerlein in Amsterdam als Solo-Projekt begonnen hat, ist mittlerweile zu einem der spannendsten Acts der Szene geworden. Vor ein paar Jahren veröffentlichte die Sängerin Pip Blom ihre erste Single „Hours“ via Toaster Records und schnell sprangen niederländische Blogs und Radio-Stationen auf den Hype, um die Musikerin mit auf. In der Zwischenzeit hat sich die erst 21-jährige Niederländerin mit ihrem Bruder Tender Blom, Casper van der Lans und Gini Cameron Verstärkung dazugeholt und aus dem Solo-Projekt wurde eine richtige Band.
Als Quartett haben die vier Musiker mittlerweile über 100 Shows gespielt und durften unter anderem beim Eurosonic in Groningen oder beim The Great Escape in Bright0n mit ihrem lo-fi-Sound überzeugen. In den Niederlanden spielen nationale Radiostationen wie 3FM ihre Hits „Babies Are A Lie“ bereits rauf und runter und bieten eine gesunde Abwechslung zu dem grauen Pop-Wirrwarr. Und auch im Land der Gitarren, Großbritannien, konnte die Kombo aus Amsterdam bereits auf sich aufmerksam machen. BBC6, auch noch bekannt als das BBC der Nerds, hat Pip Blom sogar zu einer Session in ihrem Studio eingeladen.
Ihr Sound, der irgendwo zwischen Hinds und Gurr liegt, klingt unbeschwert locker und ganz mondän DIY. Das ernste Leben muss noch ein wenig auf der Bank Platz nehmen, denn die vier Niederländer wollen mit ihrer Musik zuerst noch die Welt entdecken. Am 5. Juli spielen Pip Blom eine exklusive Show im Berliner Monarch. Tickets kann man sich ab sofort hier sichern.
Am 11. Mai kommt das siebte Album des Duos aus Baltimore heraus. Gestern erschien ein weiterer Vorbote von „7“. Nach der Veröffentlichung von „Lemon Glow“, „Dive“ und „Dark Spring“ versüßt uns nun auch noch der düstere, melancholische Sound von „Black Car“ die Vorfreude auf das kommende Release von Victoria Legrand und Alex Scally.
Wie auch schon „Lemon Glow“, „Dive“ und „Dark Spring“ zeigt das Video zu „Black Car“ schlichte, schwarz-weiße Visualisierungen. Ähnlich einer optischen Täuschung wirken die Bewegungen der geometrischen Formen hypnotisch. Was bei den vergangenen drei Single-Auskopplungen von „7“ funktionierte, passt auch hervorragend zu „Black Car“.
Eine repititive Xylophon-Melodie, wabernde Synthesizer und die verträumte Stimme von Victoria Legrand schaffen einen Sog, in dem man ebenso verlieren kann wie in der dazugehörigen Visualisierung. Während „Lemon Glow“ und „Dive“ durch ein etwas frischeres Klanggewand auffielen, überzeugt „Black Car“ neben „Dark Spring“ insbesondere durch den düsteren Sound, der typisch für das musikalische Repertoire des amerikanisch-französische Dream-Pop-Duo ist.
Für den Auftakt der 10. Edition des Queer Festival Heidelberg kam Kele Okereke in die gute Stube des Karlstorbahnhofs und spielte ein sehr persönliches Set.
Am 1. Mai treffen sich Linke und Rechte auf den Straßen Deutschlands und bewerfen sich mit Steinen und schmeißen mit wilden Parolen um sich. Da tut es gut, dass mit Kele Okereke der Auftakt der 10. Edition des Queer Festivals in Heidelberg eingeleitet werden konnte, denn es sollte ein Abend wie bei guten Freunden werden. Den Beginn aber machte Tobias Bach, ein Singer/-Songwriter aus Heidelberg.
Kurz nach 21:00 Uhr betritt er, wie aus einem anderen Zeitalter, die Bühne. Im Hintergrund steht ein Klavier und die gute Couch aus Omas Stube. Beste Bedingungen also, um über die guten Tage zu reden. Dies tat Tobias Bach mit einer akustischen Gitarre und einer Mundharmonika. Ganz im dylanesquen Stil sang er über die Liebe und die Landschaften dieser Welt. Mit dem Schließen der Augen konnte man in die Welt des Tobias Bach eintauchen, der uns Songs aus seinem Mini-Album Baby Let Me Follow You Down“ vorspielte und man hätte am liebsten laut „I’m Not There“ gerufen und wäre mit dem Musiker auf Weltreise gegangen. Nach einer halben Stunde wurde dieses Wunschdenken jedoch mit einem letzten Song beendet und es wurde Platz für Kele Okereke gemacht.
Dieser stieg mit „Streets Been Talkin'“ auf den für ihn platzierten Stuhl und gab dem Publikum unmissverständlich zu verstehen, dass er viel zu erzählen hat. Kurz darauf begrüßte der Sänger von Bloc Party den bestuhlten Saal des Karlstorbahnhofs gut gelaunt und erklärte den Verlauf des Abends. Ein paar Songs und ein paar Cover sollten gespielt werden und man sollte einfach eine gute Zeit zusammen haben für die nächste Stunde. Und so spielte sich Kele Okereke nicht bloß durch sein neues Album „Fatherland“, sondern durch sein komplettes Oeuvre. Von einer akustischen Version von „Let Go“ über eine Coverversion von Elliot Smiths „Between The Bars“ war alles mit dabei. Immer wieder interagierte der Brite, der erst kürzlich zusammen mit seinem Mann einen Sohn adoptiert hat, mit dem Publikum. Diese Zeit nutzte er auch, um seine Gitarre immer wieder neu zu stimmen und um mit den Leuten über die Situation des Stuhls zu diskutieren.
Zusammen kam man dann zum Entschluss, dass es nett ist, wenn beide Seiten das Konzert sitzend genießen können. Sitzend konnte man sich eh noch besser auf seine Gänsehaut konzentrieren, die Kele Okereke das ein oder andere Mal bei einem selbst auslöste. So spielte er zum Beispiel herzzerreißende Acoustic-Versionen von „Blue Light“ oder „This Modern Love“, die wohl nicht nur Bloc Party Fans gefallen haben werden.
Als Zugabe gab es dann noch ein weiteres Stück aus seinem aktuellen Album „Fatherland“ und ein Cover auf das der Musiker merklich stolz ist. Kele Okereke gab dem Klassiker „My Girl“ von The Temptations seinen ganz besonderen Twist und wandelte den Song in „My Guy“ um. Für dieses sympathisch unaufdringliche Bekenntnis gab es großen Beifall vom Heidelberger Publikum. Es war als hätte Kele Okereke seine ganz eigene Hymne für das Jubiläum des Queer Festivals mitgebracht und es zeigte zudem, dass ein einstiger Indie-Hero mittlerweile angekommen ist in seiner Welt und alleine diese Tatsache ließ einen die Stube nach einer guten Stunde harmonie-erfüllt verlassen.
Der Donnerstagabend in der Alten Feuerwache stand ganz im Glanze der 60er Jahre mit all seinen Genre – Jazz, Funk, Rock’n’Roll und viel Folk gab es beim Doppelkonzert von L.A. Salami und Jordan Mackampa auf die Ohren.
An diesem Abend kommt jeder Musikliebhaber auf seine Kosten. Ganze drei Acts gibt es auf der Bühne der Alten Feuerwache zu bestaunen. Durch die großzügige Abhängung der Halle durch schwarze Vorhänge, wirkt die Location intimer und kuscheliger und dabei kommen vor allem die ruhigen, emotionsgeladenen Balladen von Singer-Songwriter Jordan Mackampa besonders zur Geltung. Dem Londoner Musiker, den man auch als Troubadour bezeichnen könnte, merkt man die tiefgreifende Bedeutung seiner Songs schon beim Zuhören an. So singt der Singer-Songwriter über sein Leben, seine Erfahrungen, die er in verschiedenen Städten in denen er über die Jahre gelebt und gesammelt hat und die Liebe natürlich. Dabei wird es einem stellenweise so schwer ums Herz, dass man den Musiker gerne umarmen und sagen würde, dass alles wieder gut werde.
Jordan Mackampa live @Alte Feuerwache Mannheim
Dabei ist gar kein Anlass zur Melancholie an diesem Abend, denn ist es sogar Mackampas Geburtstag. Ganze 24 Jahre jung ist der Musiker, der in Kinshasa, Kongo geboren wurde, geworden. Zur Feier des Tages gibt es von der Feuerwache während des Sets einen Kuchen auf die Bühne gebracht und natürlich auch ein Geburstagsständchen vom Publikum. Sichtlich gerührt bedankt sich Mackampa mit einer handvoll weiterer schöner, gefühlvoller doch auch trauriger Balladen, bei denen er sich selbst auf Akustikgitarre begleitet.
Nach so viel Emotioanlität wird es mit L.A. Salami am späteren Abend funkiger. Neben der Gitarre ist L.A. Salamis Lieblingsmusikinstrument wohl die Mundharmonika und beides spielt er am liebsten zusammen. Einfach faszinierend und ziemlich cool. Im Gegensatz zu Jordan Mackampa ist Lookman Adekunle Salami extrovertiert. Auch musikalisch nimmt der Abend von da an mehr Fahrt auf. Der Sound des Londoners trieft nur so vor Old School Rock’n’Roll mit einer großen Prise Blues.
Ein Abend im Zeichen der Musik
Man merkt, dasss L.A. Salami in seiner Musik richtig aufgeht. Seine Songs zieht er live aber gern mächtig in die Länge, was zum Teil extrem gut ankommt, zum Teil aber auch etwas übertrieben wirkt. Richtig Schwung kommt an dem Abend aber erst mit Songs wie „Generation L(ost)“ oder auch „Terrorism!“ auf. Mehr und mehr werden funkigere Tunes aufgelegt, was vor allem bei den Besucher gut ankommt, die sich sofort tanzwütig auf die Fläche wagen. Dies hält jedoch nur für drei Songs an, danach wird es in gängiger Singer-Songwriter Manier wieder folkiger und somit auch ruhiger. Hier hätte man sich doch schon noch etwas mehr Funk, Power und Rock’n’Roll gewünscht.
Klar hätte man sich allgemein an diesem langen Konzertabend hier und da noch etwas mehr Uptempo Nummern und mehr energische Tracks gewünscht, bei denen die Stimmung etwas mehr aufgekocht wäre oder zu denen etwas mehr hätte getanzt werden können, doch allgemein stand dieser Abend im Zeichen der Musik. L.A. Salami, wie auch Jordan Mackampa sind Vollblutmusiker, die vollkommen in ihrer Musik aufgehen und dies auch nach außen tragen.
Snail Mail veröffentlicht mit „Heat Wave“ die zweite Single zum in Bälde erscheinenden Debütalbum. Gefühlvolle Verletzlichkeit im Holzfällerhemd des Garage Rock.
Mit „Pristine“, der bereits im März erschienenen wirklichen Debütsingle (mal abgesehen von der 2016 veröffentlichten EP Habit), hat Lindsey Jordan bereits einen der besten Songs des Jahres veröffentlicht. Die Gitarren sind laut, durchgehend melancholisch harmonisch, während die Neunzehnjährige mit gebrochenem Herzen vor sich hin schmachtet. Auf dem nun erschienen „Heat Wave“ setzt Jordan ihre Reise durch die enttäuschenden Irrwege gebrochener Traumvorstellungen fort: Mal sind es die grünen Augen Dahingeflossener, mal die eigene emotionale Unerfülltheit, dem Leid der traurigen Romantik entkommt es sich schwerlich. Schon gar nicht auf hektischer Flucht über eine Eisplatte in der Dunkelheit der unbeleuchteten College Halle, wie es im Musikvideo versucht wird. „I’m feeling low, I’m not into sometimes“ singt Snail Mail, die Gitarren treiben vor sich hin, die zerbrochene Teenage Romantik ist kitschig und so klar, dass sie mit dem Alter ihrer Songwriterin so gar nichts zu tun haben scheint.
„Totally a guitar record“ wolle sie erschaffen, und auf den ersten beiden Singles ist es eben jenes Instrument, das der rauen Verletzlichkeit und der ehrlich offen gelegten Sensibilität überhaupt erst die Basis gibt. Wenn sich die Refrains langsam durch die Songs ziehen, hat man den Eindruck eines 90er Jahre Garage Rock Albums, den vielleicht in den letzten Jahren so nur Will Toledo mit Car Seat Headrest erzeugen konnte. Lush, das erste Album Snail Mails, erscheint am 08. Juni bei Matador Records. Wer sich im Sommer also die Nächte um die Ohren schlägt, ein bestimmtes Paar Augen vor den eigenen einfach nicht aus dem Blick bekommt und ganz hilflos vor sich hin romantisiert, hat dann wahrscheinlich einen wunderbaren Gitarren Soundtrack zur Verfügung. Diesen gibt es dann auch auf einer kleinen Europa Tour in beispielsweise Brüssel, Amsterdam, London oder Paris zu sehen.