Erfrischend anders. Great News aus Bergen liefern mit ihrem Debüt „Wonderfault“ einen weiteren Beweis dafür, dass man in Skandinavien noch immer ein Händchen für guten Indie-Pop hat.

Great News – das sind Even Kjelby, Kim Åge Furuhaug und Ole Kristian Einarsen. Das norwegische Trio hat sich lebenslänglich der Musik und dem Songwriting verschrieben. Ohne Frage ist die gemeinsame Band der entscheidende Dreh- und Angelpunkt ihres Lebens. Dass sie für ihren Traum von einer Musikerkarriere häufig belächelt werden, nehmen die drei Norweger dafür in Kauf – sie schlagen sich mit unterbezahlten Gelegenheitsjobs durch und ziehen die notwendige Kraft aus ihren Songs.

Mit ihrem Debüt, das am 16. Februar über das norwegische Label Eget Selskap veröffentlicht wird, beweist das Trio, dass sich Schweiß und Tränen in jedem Fall lohnen. Um Perfektion geht es Great News dabei allerdings nicht – nicht umsonst trägt das erste Album den Namen „Wonderfault“. Selbst aufgenommen und von Freunden produziert, appellieren Kjelby, Furuhaug und Einarsen mit ihrem Werk an andere Kreativschaffende: Einfach mal machen! Dass das funktioniert, haben bereits die ersten drei Single-Auskopplungen gezeigt, die im Vorab erschienen sind.

Wer nun vermutet, dass es sich bei Great News um eine weitere Band aus der Dunstwolke des schnöden Indie-Pops handelt, hat weit gefehlt. Die jungen Norweger haben mit ihrer erfrischenden Mischung aus Pop und Shoegaze mehr zu bieten als romantisch anmutende Akustikgitarren. Elf Songs entführen den Zuhörer in eine Klangwelt, die von Zeit zu Zeit an musikalische Klassiker der 80er Jahre erinnert. Selbst definiert die Band den außergewöhnlichen Sound ihrer Musik liebevoll als Daze-Pop.

Mit dem Opener „Sleep It Off“ wird auch gar nicht lange um den heißen Brei geredet – einprägsame Gitarrenriffs, unbefangene Bassläufe, psychedelische Melodieabfolgen und die verträumten Vocals von Even Kjelby zeigen, wohin die Reise musikalisch geht. Der gleichnamige Titeltrack und „Make Me Feel“ machen anschließend Weiten auf, die mit der Stimme Kjelbys zu einem Ganzen zu verschmelzen scheinen. Dass den Norwegern diese ausufernden Klangteppiche bestens zu Gesicht stehen, wird auf „Wonderfault“ mehr als einmal bewiesen.

„Told“, der erste Song, den das Trio gemeinsam geschrieben hat, stellt definitiv den Hit des Albums. Hier nimmt das Debüt in alter Indie-Manier so richtig Fahrt auf. Kjelby, Furuhaug und Einarsen konzentrieren sich hier auf das Wesentliche, so dass der Titel im Gegensatz zu seinen Vorgängern fast minimalistisch wirkt – das geht ins Ohr. Zudem scheint der Song genau das zu transportieren, was den Norwegern selbst so am Herzen liegt: Träume. Erzählt wird die Geschichte von Menschen, die ihre ursprünglichen Ziele aufgeben, um ein Leben zu führen, dass schnellstmöglich von Erfolg geprägt ist.

„Secrets“ lässt in Bezug auf das Tempo nicht nach, strotzt allerdings vor diskotauglicher 80s-Attitüde. Sich immer wiederholende psychedelische Melodien lassen den Titel aus der Klanglandschaft des restlichen Albums heraustreten. Nachdem das Trio mit der Downtempo-Nummer „Untouchable“ einen Gang runterschaltet, folgen mit Songs wie „Never Get My Love“ und der Synthesizer-Hymne „You’re Mine“ wieder echte Ohrwurm-Garanten. Dabei werden Great News bis zur letzten Sekunde nicht müde, stets Neues auszuprobieren.

Nach ihren gefeierten Auftritten auf dem SPOT-Festival in Aarhus und beim KOKO in London haben Great News 2018 noch einige Konzerte auf ihrer Liste, bei denen sie das internationale Publikum von sich überzeugen können. Bestätigt sind unter anderem das Eurosonic Noorderslag und das Øya-Festival. Und mal ganz ehrlich – eine Portion verträumten Daze-Pop können wir zu diesen Zeiten doch alle gut vertragen.