Mit „Jōshi (Alles besiegt)“ bricht Kaltenkirchen sein eigenes Raster

Trocken“ von Kaltenkirchen sollte erstmals einen Ausblick auf die Klanglandschaft der „Panik EP“ geben, die nächstes Jahr erscheinen wird. Mit „Jōshi (Alles besiegt)“ gliedert sich nun ein überraschend neuer Sound ins Kaltenkirchen-Muster.

Panikattacken, Therapie und verschriebene Psychopharmaka. Die schwere Thematik der Texte fügte sich bisher einem Gerüst aus wuchtigen Beats und schrillen Riffs. Davon fehlt in der neuen Single „Jōshi (Alles besiegt)“ jede Spur. In vereinfachter Instrumentierung erzählt der Song vom gemeinsamen Suizid zweier Liebender (Jōshi: Japanisch für „Liebestod“) und deutet daraufhin, dass die „Panik EP“ wohl doch genreverquirlender werden könnte, als wir dachten.

Dass „Jōshi (Alles besiegt)“ gleichzeitig die aktuellen Risiken und Ängste vieler Musiker:innen verdeutlicht, zeigt die Geschichte hinter dem Release. Geplant war ursprünglich die Veröffentlichung eines anderen Tracks. Es fehlte lediglich eine letzte Studioaufnahme der Vocals, das Musikvideo war kurz davor gedreht zu werden, als sich die gesamte Produktion kurzfristig in Quarantäne begeben musste. Der Anruf einer Kontaktperson kam während der Aufnahmen und war wie ein Schlag ins Gesicht.

Was dann folgte, war zuerst ein starker Depressionsschub und dann impulsartiges Handeln. Der eigentliche Song wurde durch „Jōshi (Alles besiegt)“, der schon Monate davor fertig gemixt war, ersetzt. Innerhalb weniger Stunden entstanden neue Pressebilder und ein großartiges Musikvideo. Die Zweifel, der Track passe nicht in die großen Playlists der Streaming-Dienste, mischten sich ein, doch wurden letztlich verworfen. Zum Glück. „Für mich ist das Veröffentlichen des Songs auch eine kleine Rebellion gegen das ganze Business, dass uns Künstler:innen, speziell hier in den ganzen Online-Medien, ständig aufgezwungen ist – aber auch eine Konsequenz aus den letzten Monaten Reflexion,“ schreibt Kaltenkirchen auf Instagram. Entschlossen im Wienfluss stehend lässt er nun den höchst romantischen Tod in der japanischen Kunst hochleben – in bittersüßen Zeilen und mit ruhigen Gitarrensounds.

Seht euch hier das Video zu „Jōshi (Alles besiegt)“ an: