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In Schwarz: The Soft Moon

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„Black“ ist die erste Single vom dritten Album

Luis Vasquez macht als the Soft Moon ziemlich düsteren Post-Punk. Zwei Alben und eine EP hat der Kalifornier schon eigenhändig realisiert, darunter das exzellente Zeros von vor zwei Jahren. Für 2015 hat Vasquez nun das dritte Album angekündigt. Deeper wird am 31. März auf dem Label Captured Tracks erscheinen, das neben the Soft Moon in den letzten Jahren einige Juwelen und Geheimtipps (Mac DeMarco, Widowspeak, das Saâda Bonaire-Reissue) hervorgebracht hat. Vorbestellen kann man das Album schon jetzt, die erste Single „Black“ gibt es dann als Gratis-Download dazu.

Luis Vasquez aka The Soft Moon // © Dennis Shoenberg
Luis Vasquez aka The Soft Moon // © Dennis Shoenberg

Wie schon The Soft Moon und Zeros ist auch Deeper größtenteils ein Solowerk. Vasquez‘ Pläne, andere Songwriter ins Boot zu holen, wurden kurzerhand wieder verworfen, einzig Produzent Maurizio Baggio war noch an Deeper beteiligt. „I finally felt the urge to express myself more verbally with this record,“ sagt Vasquez über das Album. „I was able to focus more on songwriting rather than just experimenting with soundscapes.“ Jene findet man auf „Black“ trotzdem noch, die Darkwave Anleihen verleihen dem Titel sein Gewicht. Andererseits kündigt die Single bedeutungssschwanger an, dass Deeper tatsächlich tiefer geht und im dritten Album von the Soft Moon womöglich noch mehr Emotion drin steckt als schon in Zeros.

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The Soft Moon – „Black“:


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Fichon

Alben des Monats – November 2014

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Mit Traumwelten und Waldinseln, einer Zeitmaschine und einem Acid-Trip als Remix-Album

Keine drei Wochen mehr, bis wir unter dem Tannenbaum wieder allerlei Freude und Stirnrunzeln finden. „Cool, die Morrissey-Biographie, die wollte ich immer schonmal haben!“ oder „Wer zum Teufel ist dieser Mumford und warum macht der Bluegrass mit seiner Familie?!“ So oder so ähnlich wird man Weihnachten mit seiner musikalisch stilsicheren Familie verbringen und Wham! in Dauerschleife hören. Damit ihr für die Adventszeit voller schlechter und weniger guter Weihnachtslieder gewappnet seid, präsentieren wir euch zum zweiten Mal die Alben des Monats. Die besten November-Releases für auf den Wunschzettel:


2:54: The Other I 

homepage_large.4ec4bed6„Come My Way„, folge uns in die tiefen des kalten Waldes. Folge uns in die Pforten des Post-Punks. Dieses Gefühl wollen Colette und Hannah Thurlow vermitteln. Zwar ist nirgends explizit die Rede von einem Wald und noch viel weniger von Kälte und doch schaffen die strengen Gitarren und der mystische Gesang eine kühle Stimmung, die das Interesse des Hörers gleich weckt. Kühl bedeutet im Fall von 2:54 keineswegs langweilig, sondern eher aufgeregt, wie ein pochendes Herz, mit Angst erfüllt. Ja, man verbindet irgendwie keine sympathischen Eigenschaften mit The Other I und gerade das ist es, was die Platte so aufregend macht.


Azealia Banks: Broke With Expensive Taste

Azealia-Banks-Broke-With-Expensive-Taste-2014-1200x1200Das Warten hat sich gelohnt. Zwei Jahre zu spät ist das Debüt von Azealia Banks nun endlich da und macht enorm viel Spaß. Zwar gibt es keine neuen Songs, die mit dem derben „212“, Banks‘ erster und bester Single, vergleichbar wären. Doch von Funk („Gimme a Chance“) über alle möglichen elektronischen Spielarten wie Garage („Desperado“), Trap und House bis hin zu „Nude Beach a Go-Go“, der Surf-Rock-Kollaboration mit Ariel Pink – die junge Harlemite setzt ihren Rap (und den echt ansehnlichen Gesang!) auf alle möglichen Vorlagen, wie sie gerade Lust hat. Broke With Expensive Taste mag mit seinen 60 Minuten lautem, Haken schlagendem Hip-Hop zuerst wie eine tour de force erscheinen, aber das freche Selbstbewusstsein und die kompromisslose Experimentierfreude – Broke With Expansive Taste? – machen einen schnell abhängig.


The Coral: The Curse of Love

TheCoralTheCurseOfLove600pxPR020914Lange haben the Coral um den Sänger James Skelly sich Zeit für The Curse of Love genommen, denn eigentlich sollte die Platte bereits 2006 in Angriff genommen werden, wurde dann aber durch eine interne Hinwendung zum Garagenrock links liegen gelassen. Ein Fehler, wie die Band nach Jahren wohl selber erkannt hat. Zwar hat The Curse of Love durchaus seine komplizierten Stellen, was aber eher dazu führt, dass man die Songs nicht so vor sich hin plätschern lässt. Immer wieder werden gekonnt Akzente gesetzt und so fällt man mit dem mittlerweile achte Studioalbum in eine aufregende, stimmungsvolle Traumwelt.


Cult of Youth: Final Days

cult of youth final daysNeo-Folk, Post-Industrial oder Black Punk? Alles, liebe Leser, Final Days ist all das zusammen. Dass ein Song namens „Todestrieb“ der am leichtesten zu verdauende eines Albums sein kann, passiert auch nicht alle Tage. Womöglich ist bald aber aller Tage Abend, wenn man dem prophetischen Gebrülle von Sean Ragon und der generell apokalyptischen Stimmung von Final Days Glauben schenkt. Alles am vierten Album des vom Soloprojekt zur Band mutierten Kults schreit „Das Ende ist nah, kommt zur Besinnung!“, inklusive des Turms zu Babel auf dem Cover. Vom tiefschwarzen Geschrammel auf „Empty Faction“ bis zum versöhnlichen Ende („Roses“) ist Final Days eine kathartische Reise, von der man vom Weltschmerz geheilt zurückkommt.


Hookworms: The Hum

Hookworms_the_Hum_coverKompliziert kann so einfach sein. Nach dem Motto ist die neue Platte der Band aus dem Norden Englands aufgebaut. Songs wie „Radio Tokyo“ sind beispielsweise wirr und doch poppig zugleich und lassen einen schnell mit den Füßen stampfen. Man will mehr und mehr und man bekommt mehr. Trotz des größeren Budgets sind die fünf Musiker ihrem DIY-Stil treu geblieben und haben in der kalten Jahreszeit eines der heißesten Rockalben des Jahres geschaffen. Die Platte dient nämlich gleichzeitig auch als Art Zeitmaschine. So reisen die Einflüsse von The Velvet Underground bis hin zu Primal Scream und enden bei Bands wie LCD Soundsystem oder den Psychedelic-Pop-Bands. Mit einer solchen Platte sind die Kaiser Chiefs wohl bald nicht mehr die erfolgreichste Gitarrenband aus Leeds.


Savages & Bo Ningen: Words to the Blind

1b1c0708Words to the Blind, ein halb-improvisiertes, live aufgenommenes Kollaborativ-Album von Savages und der japanischen Acid Punk Combo Bo Ningen, beginnt mit einem Spoken Word Teil auf Japanisch und Französisch (gleichzeitig!). Nach und nach türmen sich Instrumente auf, die Stimmen von Jehnny Beth und Taigen Kawabe geistern wortlos darüber hinweg. Auf einmal wird man sich bewusst, dass es einen durchgängigen Rhythmus gibt – wo kommt der denn her? Die Grenzen verschwimmen auf dem Album, das aus einem einzigen 37-minütigen Song besteht. Der Krach setzt ein und aus, die beiden Bands wechseln sich ab wie bei einem Gitarrenduell, nur mit wüstem, unmenschlichem Noise Punk anstatt schöner Soli. Langsam klingt alles aus, nur damit ein letzter Schub Chaos doch noch alles zerstört. So macht man Jazzcore.


Something Anorak: Tiny Island

tiny islandsTiny Island ist das Debütalbum der Gebrüder Barrett aus Bristol, klingt aber mehr nach amerikanischem Wald. Je weiter das Album fortschreitet, desto mehr Einflüsse werden offenbar. Grizzly Bears Lo-Fi Gestalten bekommen bald Besuch von Angel Olsen und ihren weirden Freunden von Animal Collective und Mount Eerie. Der erste „Boah alter!“ Moment kommt auf „The Dolphin“: ein Drumfill, ein Gitarrenschimmer, und ab geht es in Two Gallants‘ basslastige Härte. Tiny Island wirkt aufgrund der Assoziationen, die es hervorruft, sofort vertraut, dabei aber nie kopiert. Alles sitzt an seinem Platz, die Lo-Fi Gitarren, das rumpelnde Schlagzeug, der raue Gesang (der ein bisschen an Doldrums erinnert) und beizeiten eine ordentlich harte Kante von Ty Segall und Converge. Zu viele Vergleiche für ein unvergleichlich grandioses Album. Hört es lieber selbst, ich verzieh mich auf die winzige Insel.


Temples: Re-Structured

Temples-Sun-Restructured-400x400Oftmals sind Remix-Alben pure Geldmacherei seitens des Labels. Im Falle von Temples ist dies jedoch ein wenig zu relativieren. Diese nehmen uns nämlich mit auf ihren Trips durch große Soundräume und allerlei Träumereien. Die Abgedrehtheit der jeweiligen Songs hat phasenweise die Wirkung der in den 60er Jahren beliebten, kleinen Tablette. Beim Anhören der neun Songs schwirrt einem irgendwie immer der Name Jim Morrison durch den Kopf und ja das Album ist durchaus soundtechnisch als Hommage an „The End“ von The Doors zu nehmen. So ist Re-Structured also deutlich mehr als nur ein pures Remix-Album. Es ist ein Acid-Trip vom allerfeinsten geworden, der einem beim Anhören die schönsten Farben und Wellen in die Augen zaubert und das alles ohne Angst vor einem Drogentest haben zu müssen.


The Voyeurs: Rhubarb, Rhubarb

Basic RGBThe Voyeurs haben sich mittlerweile nicht nur bei ihrer Namensgebung, sondern auch bei der Musik auf das Wesentlich beschränkt. Die Band, die früher noch Charlie Boyer and The Voyeurs hieß, hat mit ihrem neuen Album Rhubarb, Rhubarb ein richtiges psychedelisches Spaßalbum hingelegt. Es ist ein Sound, der zum Second-Hand-Shoppen animiert. Mal ringelt man sich im klassischen Walzerschritt durch den Laden, mal im flotten Tanzschritt und schwingt dabei seine Haare durch die Luft. Mit Rhubarb, Rhubarb beweisen the Voyeurs, dass nicht nur  die Labelkollegen Temples zu glaubwürdigem Retro-Sound im Stande sind.


Wildbirds & Peacedrums: Rhythm

bay94Mariam Wallentin und Andreas Werliin sind nicht besonders subtil, was Titel angeht. „The Offbeat“ und das dazugehörige Album Rhythm sind dermaßen lakonisch, dass man sie erst einmal für Arbeitstitel hält. Auch der Bandname, Wildbirds & Peacedrums, ist kein Ausbund an Kreativität, bestehen ihre Songs doch aus kaum mehr als Werliins Schlagzeug und Wallentins vielschichtigem Gesang. Aber Me and My Drummer haben ja hierzulande das gleiche gemacht, und die sind ja auch nicht schlecht. Wildbirds & Peacedrums sind noch karger, aber auch noch besser. Das Album ist eine Herausforderung, ein perkussives Kunstwerk, das sich, einmal gemeistert, immer wieder öffnet und Neues offenbart. „Everything is happening all the time,“ singt Wallentin zum Schluss. Nach Rhythm hat man Kopfweh. Und drückt wieder auf Play.


Fichon & Yannick

Thumpers knüpfen sich Natalie McCool vor

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Im Visier war die Single „Wind Blows Harder“.

Spätestens nach dem Erfolg der Coverversion von „Drop The Game“ auf Soundcloud sind Thumpers über die Grenzen hinaus bekannt. Dieses mal nehmen sie sich aber nicht Flume vor, sondern haben sich einer Newcomerin angemommen. Natalie McCool ist eine junge Singer/-Songwriterin aus London/Liverpool oder wie sie gerne verlauten lässt „The World“.  Musikalisch erinnert die Briten ein wenig an Charlie XCX, wobei die studierte Musikerin sich selbst eher im Alternative Pop-Bereich sehen würde und gerne mal Johnny Marr als größten Einfluss nennt.

Die Version, die Thumpers nun aber aus „Wind Blows Harder“ gemacht haben, hat nur noch im Entferntesten was mit Pop zu tun und ist daher eher in hippen Clubs und Bars vorstellbar. Der dominante Bass leitet das Geschehen und lässt McCools Stimme trotzdem immer noch genügend Raum zum Atmen. Dadurch entsteht eine spannende Mischung aus den schleppenden Bässen, den hellen chorähnlichen Hintergrundgesängen und der Originalfassung. Thumpers haben es also wieder einmal geschafft!

Hier geht’s zum Re-Work  von „Wind Blows Harder“:

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Yannick

VITAMIN hauen neuen Song raus

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Die Band erheitern die Gemüter mit neuer Musik.

Oftmals sind Bandnamen völlig aus der Luft gegriffen und haben so rein gar keinen Zusammenhang mit dem Sound der Band. Dies ist bei VITAMIN nicht der Fall, diese erheitern einem den Tag nämlich wie eine gute Portion Vitamin C. Ihr neuer Song „Did It For You“ knüpft da also gnadenlos an Vorgänger wie „To Believe“ oder „Dancing On The Sun“ an.

Flotter Indie-Pop der dazu gedacht ist Spaß zu machen, ja gute Laune zu verbreiten. Fast genau so wichtig wie die vor Freude fast springenden Gitarrenriffs sind die floralen Hemden der Bandmitglieder, die mittlerweile bei keiner Indie-Band mehr fehlen dürfen. Diese werden bei den neuesten Presseshots der vier Jungs aus Leeds in Szene gesetzt und lassen den Eindruck einer großen Band erwecken. Mit „Did It For You“ nähern sie sich dem Ziel jedenfalls schon gewaltig nahe.

 

Hier geht’s zum Song „Did It For You“: 

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Yannick

 

Schulkid

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Facebook ist für Schuldkid(s) out.

Dies belegen nicht nur Statistiken, sondern auch der Producer, Sketch Artist und Songwriter aus London. Deswegen verzichtet das Multitalent einfach mal kurzerhand auf dieses Social Media Tool und konzentriert sich lieber auf das Wesenstlich – die Musik. Wegen der zahlreichen Schulwechsel, die er als Kind durchleben musste, gab der Musiker sich auch den Namen Schulkid, da er sich wohl selbst als ausgewiesener Schulkindexperte sieht.

Dem Künstler, dessen Zeichnungen auch auf Instagram zur Schau gestellt werden, ist eine musikalische Vielfalt deutlich herauszuhören. Zusammenfassend könnte man den Begriff des orchestralen Electro-Pops in die Runde werfen, welcher zwar ziemlich aufgebauscht klingt, beim Anhören von „Wildest Promise“ jedoch gerechtfertigt ist. Der Song wurde zusammen mit dem belgischen Vocalist Valair aufgenommen und zeigt in der Tat, klassische Phasen, die sich spielend leicht mit den tröpfelnde Beats fusionieren und so für ein besonderes Hörgefühl sorgen. Der einjährige Aufenthalt spielt hat ebenfalls Einfluss auf Schulkids Musik, so ist doch ein gewisser asiatischer Flair herauszuhören. Valair gibt dem Track mit seiner Stimme eine beruhigende Farbe, die die Nummer insgesamt entspannter wirken lässt und somit den Drang zum Replay Button zu greifen sehr groß macht. Die Single erscheint am 15. Dezember via Stop Being Cute.

Für Fans von: Beaty Heart, EYEDRESS, Glass Animals

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Yannick

Petite Noir mit „Chess“

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Von wegen klein und schwarz-weiß: ein musikalischer Fruchtsalat, reif und fresh zugleich

Petite Noir hat seinen Weg in meine Hörgänge über mehrere Kanäle gefunden. Zuerst wurde er von Yasiin Bey (ehemals Mos Def) als aufregender neuer Künstler neben Benjamin Clementine und Dirty Paraffin erwähnt, dann hat Nicorola den Musiker samt Single „Chess“ vorgestellt. Zu guter Letzt hat Pitchfork den Faden aufgenommen und „Chess“ zum Best New Track gemacht. Les Inrocks, Stereogum, Dazed – sogar in den „Top 50 South Africa’s most stylish men“ der südafrikanischen GQ taucht er auf. Viel mediale Aufmerksamkeit, die sich Yannick Ilunga auch redlich verdient hat. Nach seiner Debütsingle „Till We Ghosts“ b/w „Disappear“ von vor zwei Jahren erscheint Anfang 2015 die erste EP, The King of Anxiety.

„Chess“ ist ein guter erster Vorgeschmack auf die EP, auf der sich auch „Till We Ghosts“ finden wird, sowie eine Kollaboration, von der wir jetzt noch nicht zuviel verraten wollen. Indie mag man das nennen, von mir aus auch Post-Punk Electro. Ich nenn es ausnahmsweise mal gar nichts, denn die Einflüsse, die da drin stecken – Willis Earl Beals soulvolle Stimme, atmosphärische Gitarren und hallender Gesang à la Total Life Forever, die PBR&B-Produktion eines Chet Faker und die Stilsicherheit des Fresh Prince of Bel Air – lassen Petite Noir erfreulicherweise zwischen den Genre-Stühlen stehen. Fakt ist, „Chess“ könnte auf einer Party direkt nach „Cigarettes & Loneliness“ gespielt werden und niemandem würde es auffallen. Vom nüchternen Anfang steigert sich der Song hin zum ekstatischen Abschluss, der an einen weniger am Dancefloor orientierten Shamir denken lässt – ein weiterer aufregender, junger Künstler, der sich anhört, als sei er schon lange im Business. Wenn da nicht jemand nach der crossover Krone greift.

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Petite Noir – „Chess“:


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Fichon

Seafret mit Debüt-EP

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Schwappt da etwa das nächste große Ding auf uns zu?

Britischen Medienberichten zufolge, sollte man sich jedenfalls ein großes Kreuz hinter den Namen Seafret machen. Das Duo bestehend aus Jack Sedman und Harry Draper kommen aus der Kleinstadt Bridlington und haben in ihrer Heimat bereits für Furore gesorgt und es sogar bis auf BBC 1 geschafft. Nun wollen sie es jedoch wissen und haben ohne groß zu pokern ihre Debüt-EP namens Give Me Something veröffentlicht.

Musikalisch bewegen die Briten sich irgendwo zwischen Ben Howard oder auch noch Bon Iver und sorgen mit ihren Songs für kuschlige, warme Atmosphäre. Trotz dieser schon fast kitschigen Beschreibung wirken ihre Texte immer von Grund auf ehrlich und erstaunlich reif, wenn man bedenkt, dass das Duo erst kurz die Teenie-Zeit überschritten hat. Mit ihrer Akustischen Gitarre fesseln sie den Hörer mit Songs wie „Give Me Something“. Wie bereits am Anfang erwähnt, sollte man diesen jungen Act auf dem Zettel haben, auch wenn man sich die EP sicherlich auch jetzt in den kalten Monaten durchaus anhören kann und sollte.

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Hier kann man sich das Video zu „Give Me Something“ anschauen:

Vimeo

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Yannick

Interview mit Sinkane

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Every time I sing the lyrics, I feel a lot of emotion.

Das Prêt à écouter Festival im Heidelberger Karlstorbahnhof nähert sich seinem wohlverdienten Ende. Orchestraler Pop, orchestriertes Rock-Chaos, hitziger Funk, wortgewaltiger Hip-Hop und einnehmende Klaviermusik – die Auswahl war so divers, dass jeder auf seine Kosten kommen konnte. Das hat man auch an den vielen positiven Kommentaren und den interessanten Gesprächen gemerkt, die wir mit den Besuchern der Konzerte geführt haben. An dieser Stelle deshalb ein großes Dankeschön an euch und an die Organisatoren vom Karlstorbahnhof!

(Letzterer hat übrigens aufgrund von EU-Gesetzen seit 2011 ein Platzproblem. Das bedeutet, dass entweder Umbau oder Umzug anstehen. In jedem Fall braucht die Petition „Offen bleiben – Die Initiative für den neuen Karlstorbahnhof“ noch Unterstützer. Wenn ihr also weiterhin coole, interessante Konzerte in dieser einzigartigen Location sehen wollt, vergesst nicht, hier zu unterschreiben! Die Petition läuft noch bis Ende März.)

Auf Worte sollen Taten folgen, also haben wir eine kleine Überraschung für euch parat: Ahmed Gallab, der als Sinkane am vergangenen Sonntag die Zuschauer begeistert hat – das Highlight des Festivals –, hat sich die Zeit genommen, uns ein paar Fragen zu beantworten! Viel Spaß mit dem Interview und dem Konzert von Metronomy am 15.12. und bis zum nächsten Prêt à écouter Festival!


Hey Ahmed, hope you’re fine? Let’s start talking about your latest release! Do you agree with me if I say that Mean Love is a bit softer than your previous works?

I don’t know if I’d call it soft. I’d like think of it as a but tougher than my previous work. But maybe because I’m more attached with the lyrical content on my albums than I have been in the past. The music feels more energetic to me as well.

How would you explain your latest work to a complete stranger?

It’s feel good music. Lots of grooves and lyrics that anyone can relate to. Bits of reggae, funk, East African and Country Western grooves.

Is it true that you were already working on the new record before Mars was even released?

Yes! I started working on Mean Love almost immediately after I finished recording Mars. I was really inspired to work on something new and I did!

You’re touring at the moment through Europe. How’s it going so far? Any particular moments?

Touring in Europe is always a fun time for us. People seem to really enjoy my music here. Sometimes I don’t ever want to go home! Germany is always a great time for us. Our label City Slang is based here and the people are just so friendly. I also love the food here as well.

Your music is obviously based on your lyrics, which makes every song a small piece of art. Is it quite of a challenge to show this message on your concerts?

No not really. The lyrics are very therapeutic and cathartic for me so, every time I sing them, I feel a lot of emotion. It’s pretty exciting.

Sinkane beim Videodreh zu "How We Be" // © Erez Avissar
Sinkane beim Videodreh zu „How We Be“ // © Erez Avissar

What can people expect at your gigs?

The live show is much more energetic than the album. At times it can be very loud. Other times it’s a slow tantric groove. It’s really great to tour with my friends.

Well, let’s talk about something different! „Hold Tight“ is such a nice song. What’s it about?

It’s about the idea of death and accepting the fact that one day your time will come. I thought it would be funny to address a subject like that in the context of a very sexy sounding song. „Flirting with death“ I guess.

Radiohead and african music are a big inspiration for you, right? So what other bands or specific genres have a big impact on your music and your life as a musician?

I really like a lot of Jazz and Soul music. Big fan of Pharoah Sanders and Funkadelic.

I’ve heard that you’ve done some DJ gigs lately. Is there more to come?

Yes sure! DJing is so much fun. I plan to tour as a DJ sometime next year.

Do you have any plany for the time after your tour?

I want to start working on a new album soon. I’ve started to become excited about a few new ideas so, hopefully, if I’m not too exhausted, I will start writing new music again soon.

Thank you so much for taking your time! It’s been an honour!

Thank you!

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„Hold Tight“ live:


Fichon & Yannick

Prêt à écouter 7: Lambert

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Andächtige Miniaturmeisterwerke oder doch nur Easy Listening?

An Maskenträgern gab es in der deutschen Musik gerade einmal zwei bekannte Exemplare, und beide im Hip-Hop. Mit Lambert, der sich hinter einem Antilopenkopf versteckt, bekommt auch die wortlose Klaviermusik ein Gesicht (haha). Es wird gemunkelt, der Berliner Minimalist Nils Frahm stecke hinter der Maske, da er auch Produzent des selbstbetitelten Debütalbums von Lambert ist. Klingen tut er mehr wie Chilly Gonzales, mit seinen simplen und zugleich Miniaturwelten beherbergenden Stücken.

Simpel ist auch das Konzert im Saal. Der Flügel ist kaum zur Ruhe gekommen, da beansprucht ihn Lambert für das letzte Konzert des Prêt à écouter Festivals (abgesehen von Metronomy, die in zwei Wochen in der Stadthalle auftreten). Andächtig sitzen sie da, die Zuschauer, und lassen sich von den mäandernden Melodien berieseln. Die Lieder handeln von alltäglichen Dingen, aber auch von eher skurrilen Themen. Zwei Stücke handeln von Lambert, der Laufen geht und von der Geschwindigkeit, mit der er das tut („Run“ und „Slow Slow“); ein anderes von einem jungen Vampir, der gerade erst Vampir geworden ist. Diese Konzepte erklärt der Pianist vorher notgedrungen, man würde sie allein an der Musik nicht wiedererkennen. Dass Louis Theroux ein großes Vorbild darstellt, „was das Menschliche angeht“, hört man dem entsprechenden Song nicht an. Dass die Note H viel zu selten gebraucht wird und Lambert sie aus diesem Grund 500 Mal spielt, schon eher, der Song ist einer der besseren an diesem Abend.

Man ist versucht, die Augen zu schließen und einzuschlafen. Auch wenn man gar nicht müde ist, schafft die Musik es, dass man sich in seinen Gedanken verliert und sich plötzlich fragt: „Moment, wo kommt denn die zweite Antilope her?“ Für ein paar Songs, darunter zwei Uraufführungen und ein weiteres neues Stück namens „Locked“, hat Lambert seinen musikalischen Partner – den er mit den Worten „der zweitschlauste Halbitaliener Deutschlands nach Giovanni di Lorenzo“ beschreibt – auf die Bühne geholt, zuerst ans Klavier und dann an ein präpariertes Drumset. „Locked“ und die Zugabe sind auch die Höhepunkte des Konzerts. Die Songs mutieren durch den subtilen Beat zu minimalistischen Meisterwerken irgendwo zwischen Aaron Funk und Nicolas Jaar.

Diese ernsthafte Grandeur wird aber immer wieder durch den Künstler selbst zerstört, dessen Ansagen so albern und unbeholfen wie Helge Schneider-Dialoge wirken. Sein Humor ist, neben dem Einsatz des Schlagzeugs, die zweite größte Waffe Lamberts gegen das Risiko, ins seichte Easy Listening Milieu der Dallmayr Prodomo Werbung abzurutschen. Am Ende baut er sogar noch „Die Gedanken sind frei“ ins letzte Stück ein, ein Augenzwinkern in Richtung derjenigen, die ihm das Seichte vorhalten wollen. Er offenbart einen Blick auf eine andere Lesart von Lambert, die des Easy Listening Narren, der sich mit seinen Stücken auch ein bisschen über sich selbst moquiert. Entsprechend endet das Konzert auch nicht auf der letzten, sondern auf der vorletzten Note des angespielten Liedes über die Meinungsfreiheit: „Die Gedanken sind…“ Ja, was sind sie denn? Die Antwort zu finden, wie auch die Meinung zu Lambert und seiner Musik, ist jedem selbst überlassen.

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Meinungen aus dem Publikum:

Nico: Ruhig, aber ein schönes Konzert. Hat mich manchmal an Hauschka erinnert. Total gut fand ich, als er den Schlagzeuger dazu geholt hat, der hatte es auch voll drauf.

Volker: Ich fand es ein bisschen nichtssagend, der saß da am Klavier und hat seine Etüden geübt. Hätte ruhig mehr den Schlagzeuger einbinden können. An sich war die Musik ja ganz nett so, aber vom Hocker gerissen hat es mich jetzt nicht wirklich.

Miriam: Der Typ war richtig komisch drauf, der hatte voll den komischen Humor. Aber sonst fand ich es nicht schlecht, schöne relaxte Klaviermusik. Passte irgendwie zu so einem Sonntagabend.