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MS Dockville 2016 – Line Up

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Bilderbuch / Frittenbude / OK KID / Abby / Bebetta / DCVDNS / Einmusik / Erobique / Feine Sahne Fischfilet / Fjaak / Hinds / Karate Andi / Möwe / Oscar / Sookee / Super Flu

Grounders – Grounders

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Die kanadische Musikkapelle Grounders gibt als Referenzen Jagwar Ma, Tame Impala und the Zombies an; „’60s sounds“, „psychedelic nostalgia“, „woozy“ und „dreamy“ sind die Schlagworte, die PR und Presse aus der letzten MGMT-/Tame Impala-/Washed Out-Review herüberkopiert haben. Schon bevor man sich Grounders anhört, ist klar, dass das Debütalbum des Quartetts aus Toronto irgendwo zwischen Magical Mystery Tour, Madchester und LSD-induzierten Kaleidoskopsounds schweben muss. „Schweben“ wie in „high sein“ – Musik für Druffis also, für Psychedelia-Hipster (den Rezensenten eingeschlossen) und Kevin Parker-Verehrer (idem). Aber gibt die Musik von Grounders, hinter den Querverweisen zu aktuellen Psych Pop-Größen und dem musikhistorisch durchaus nachvollziehbaren Stereotyp „Musik von Weggedröhnten für Weggedröhnte“, noch mehr her, als man anfangs vermutet?

Die eingängigsten Hits, „Secret Friend“ und die zweite Single „Drawing Space“, sind ziemliche Ohrwürmer, aber originell ist das nicht. Wer Psychedelic Pop liebt, wird die Songs mögen. Angenehm klingt das, die Gehirnzellen entspannen sich stante pede und die Musik tritt schnell in den Hintergrund. „Pull It Over Me“ ist kaum von einem Mac DeMarco Song zu unterscheiden, und selbst der ist ja bisweilen zu sehr easy listening. Überhaupt bewegt sich Grounders vor allem zwischen dem Slackertum des Kanadiers und der Tagträumerei von Tame Impala hin und her. „Fool’s Banquet“ gliedert sich in der Sommerplaylist zwischen „All I Know“ und „Chamber of Reflection“ ein. Beim besten Willen wird man auch nach mehrmaligem Hören das Gefühl nicht los, es handele sich um einen Sampler vom Austin Psych Fest, ohne die härteren Acts.

Alles in allem lautet die Antwort auf die eingangs gestellte Frage deshalb leider: nein. Was das Album vor der Belanglosigkeit rettet, sind zwei Dinge. Erstens: Es gibt noch Tracks, auf denen man Grounders‘ eigene Stimme hört, wenn man sich konzentriert. „Face Blind“ und „No Ringer“ sind im Grunde recht krautig, wenn auch der Akzent nach wie vor auf den Psych-Synths liegt. „Bloor Street and Pressure“ verspricht in den ersten Sekunden Abwechslung, driftet dann aber wieder in Reverb-Gefilde ab; später rettet die Band sich durch Rauschen und kleinere Noises, die einem durch die Ohren wimmeln. Zweitens sind die neun Songs von Grounders trotzdem noch Songs, die man sich sehr gerne anhört, Trittbrettfahrerei hin oder her. Dem Charme von „Drawing Space“ kann man sich genauso wenig entziehen wie dem von Melody Prochets Echo Chamber, die aus den gleichen Inspirationsquellen schöpft wie Grounders. Letztendlich ist es tatsächlich so, wie der Promotext behauptet: Grounders ist „a debut album that captures the true essence of what it means to be an emerging band in 2015.“ Nämlich der Dreifaltigkeit der psychedelischen Musik aus Beatles (Vater), MGMT (Sohn) und Tame Impala (heiliger Geist) fromm zu huldigen. Der Mensch ist eben doch oft nur ein Abbild der Götter, die er sich schafft.

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Beste Tracks: Drawing Space, No Ringer, Pet Uno

VÖ: 17/07 // Nevado Music

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„Secret Friend“:


Fichon

Interview mit Inner Tongue

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Wir hatten die Möglichkeit uns kurz nach dem Auftritt beim diesjährigen Maifeld Derby in Mannheim mit dem Künstler Inner Tongue zu unterhalten. Inner Tongue hat mit seiner ersten EP TZ, KA nicht nur die Aufmerksamkeit der Blogger auf sich gezogen, sondern konnte auch Medien wie die Spex oder Noisey von sich begeistern.


Es ist nicht wirklich therapeutisch zu sehen, hat mich aber selber doch sehr beruhigt.

Lass uns einfach mal mit der ersten Frage starten. Wie fandest du deinen Auftritt auf dem Maifeld Derby?

Ja, es war sehr schön! Ich hatte anfangs die Befürchtung, weil wir ja der erste Act in dem Palastzelt waren, dass eher wenige Leute kommen würden, aber es war sehr schön anzusehen. Es war der erste Gig auf einem Festival überhaupt und somit auch besonders.

Dem kann ich nur zustimmen! Du hast ja drei Songs als EP veröffentlicht und da kommt doch die Frage auf, warum du gleich alle auf einmal raushaust und nicht hintereinander?

Mir war es wichtig, dass man gleich mehr von meiner musikalischen Seite erfährt und das Ganze erklärt sich nicht mit einem Song. Es sind auch keine typischen Singles, wo man mal einen raushaut und dann fahren tausende Leute gleich drauf ab. Deshalb habe ich darauf gehofft, dass es ein paar Leute gibt, die es mögen und gut finden…

Was ja ganz gut geklappt hat! Es gab ja anfangs schon eine große Euphorie.

Also ich persönlich war doch sehr überrascht, dass es gleich so viel Feedback gab. Das war ein schönes Gefühl für mich!

Ist es ungewohnt für dich mit einer Liveband aufzutreten, da du doch eigentlich Solokünstler bist?

Nein, ungewohnt nicht so. Ich schreibe alleine, kümmere mich um das Arrangieren der Instrumente und mir war es dann schon von Anfang an wichtig mit den drei ersten Songs mit einer Band ins Studio zu gehen. Ich wollte das Gefühl des Perfomens auf Band haben, um zu spüren wie die Songs sich anfühlen. Es war nie der Gedanke da Musik zu machen, die sich live nicht umsetzen lässt, deshalb war es bereits vor den Studioaufnahmen wichtig es auch live umzusetzen.

Daraus lässt sich deuten, dass es auch keine Probleme bei den Gigs gab?

Ich hatte das große Glück, dass die gleichen Leute, die es mit mir aufgenommen haben auch mit mir auf Tour jetzt sind. Also wir fühlen uns auf Tour schon wie eine Band und sind somit alle ein Stück Inner Tongue quasi. Ich glaube der Spagat zwischen einer fixen Liveband und einem Solo-Act gelingt doch ganz gut.

Am Anfang war das Rätselraten, um Inner Tongue ja doch sehr groß. Warum hast du dich so lange versteckt?

Also ich dachte nie, dass es das Ganze interessanter machen würde. Ich wollte eigentlich nur schauen wie die Leute auf die Musik reagieren, also ohne Bild. Es folgten ja dann mit dem Video doch ziemlich schnell Bilder. Dass es so ein Mysterium geworden ist, kam eher von den Blogs. Mir war zwar bewusst, dass man von mir nichts als Person weiß, was aber auch hätte damit enden können, dass sich niemand für die Songs interessiert und sie auf Soundcloud mit 10 Plays enden. Erst als die Songs dann doch gut angekommen sind, habe ich mir gedacht, dass man das Versteckspiel doch noch weiter treiben könnte.

Es gab also von deiner Seite aus nie die Bedenken, dass sich der Zauber beim ersten Live-Auftritt dann auflöst?

Naja, ich muss zugeben, dass ich mir vor dem Release des Videos schon Gedanken gemacht hab, ob wir es tatsächlich schon auflösen sollen, weil es ja eigentlich auch ein gutes Thema ist, was die Leute unterhält. Schlussendlich habe ich mir dann aber gedacht, dass den Leuten ja die Musik gefallen muss und ich somit dem Versteckspiel ein Ende bereitet hab.

Ich habe neulich erst bei den Kollegen von Noisey gelesen, dass deine Songs anfangs alle ohne Gesang geplant waren?

Ja, das stimmt. Ich hatte vor ca. zwei Jahren meine Stimme verloren und konnte über acht Monate lang nicht richtig performen. Große Teile dieser Zeit musste ich sogar ganz schweigen, durfte noch nicht einmal husten. Das war schon eine sehr heftige Zeit, weil ich wusste nicht, wie sich meine Stimme nach dem Schweigen anhören würde und ob ich überhaupt jemals live singen kann. Aus dem Grund habe ich nach neuen Wegen gesucht, die Musik für mich sprechen zu lassen. Ich hatte eigentlich schon meine Vergangenheit als Sänger aufgegeben und habe die Musik sozusagen als Neuanfang gesehen. Das ist aber eher auf einer persönlichen Basis passiert. Ich wollte einfach etwas finden, was ich für mich selber auch ohne Gesang akzeptieren kann. Es war eigentlich wirklich nur für mich bestimmt. Es ist nicht wirklich therapeutisch zu sehen, hat mich aber selber doch sehr beruhigt.

Sind die Texte dann nachträglich entstanden?

Ja, die sind in den Monaten entstanden, in denen ich schon wieder im Training war. Ich habe die Angewohnheit, wenn immer mir was einfällt, schnell das Handy herauszuholen und es schnell einzutippen, um es dann später mal zu einem Text zu verfassen. Die Texte stehen aber ziemlich unabhängig von den Songs. Sie sind auf aus ewig langen Texten entrissen und ich schaue es dann so mit einem Track zu kombinieren, dass es auch wirklich Sinn macht. Es geht beispielsweise darum ein Gefühl eines Abends mit den Textstücken möglichst gut zusammen zu fassen.

Du wirst oft, vor allem in der Bloggerlandschaft, mit James Blake verglichen. Wie stehst du dazu? Kannst du dem folgen?

Es ist natürlich ein sehr schmeichelnder Vergleich! Natürlich gefällt mir James Blake sehr gut, aber so wie ich die Musik wahrnehme, würde ich mich jetzt nicht unbedingt mit ihm vergleichen. Möglicherweise liegt es an den ruhigen Passagen in Kombination mit den Synth-Passagen und dem Gesang, aber ich kann das insgesamt sehr schlecht beurteilen.

2015
Inner Tongue // © Philipp Fischer

Wie erklärst du dir die Welle an guten österreichischen Acts, die da gerade auf uns einschlägt?

Also ich kann da nur im Zusammenhang mit Wien sprechen. In Wien hat sich die Szene beispielsweise bisschen professionalisiert. Vorreiter war in dem Zusammenhang sicherlich SOHN, der bereits sehr erfolgreich war und zu dem damaligen Zeitpunkt seinen Schaffensmittelpunkt in Wien hatte. Er hat quasi gezeigt, dass man mit guter Musik sehr weit kommen kann. Dazu muss ich aber sagen, dass ich selbst gar nicht zu dieser Szene gehöre! Ich betrachte das Ganze auch eher von außen. (lacht)

Eine letzte Frage hätte ich noch! Was hat dich bei den Aufnahmen deiner Songs am beeinflusst?

Hm, da gibt es so einen Einfluss! Ich habe nämlich zu den Helfen meiner Kindheit zurückgefunden. Und zwar waren das The Cure. Im Alter von drei Jahren habe ich extrem viel Disintegration gehört. Ich höre das auch heute noch gern, kann mir aber nicht erklären warum mir das als Kind gefallen hat. (lacht) Ich habe dann auch irgendwann angefangen mir die Lippen sexy anzumalen wie Robert Smith, was meine Eltern dann doch etwas verwirrt hat, aber wir sind ja offen. (lacht) Dann waren aber natürlich auch so Zeug wie Dark Side Of The Moon von Pink Floyd dabei. Das sind so die konkretesten Sachen, die mich wirklich inspiriert haben. Das Entschleunigte an den Cure Songs hat mich immer beeindruckt. Es ist trotz dieser langsamen Beats, extrem emotional. Mir hat einfach imponiert, dass man mit so wenig einen Menschen so berühren kann.

Hier kann man sich Inner Tongue in bewegten Bildern anschauen:


Yannick

The Libertines geben Details zum Album bekannt

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Die neue Platte hört auf den Namen Anthems For Doomed Youth.

Quasi über Nacht haben The Libertines die Details zu ihrem lang erwarteten Album bekannt gegeben. Es ist das erste Studioalbum seit 11 Jahren der Band und wurde in Thailand aufgenommen. Grund dafür ist sicherlich, dass Pete Doherty durch eine Rehab mal wieder versucht hat von den Drogen wegzukommen.

Mit von der Partie auf dem Longplayer wird auch der Song „Gunga Gin“ sein, der gleichzeitig auch die erste Single sein wird. Die Nummer wurde den Fans bereits auf dem Glastonbury Festival vorgetragen. Das bereits erwähnte Album wird am 4. September erscheinen.

Tracklist :

01. Barbarians
02. Gunga Din
03. Fame and Fortune
04. Anthem for Doomed Youth
05. Heart of the Matter
06. Belly of the Beast
07. Iceman
08. You’re My Waterloo
09. Fury of Chonburi
10. The Milkman’s Horse
11. Glasgow Coma Scale Blues
12. Dead for Love

+ Bonus
13. Love on the Dole [Bonus]

14. Bucket Shop [Bonus]

15. Lust of the Libertines [Bonus]

16. 7 Deadly Sins [Bonus]

Hier kann man sich das brandneue Video zu „Gunga Gin“ anschauen:


Facebook // Website // Soundcloud

Yannick

10 Bands, die nach Orten benannt sind, aus denen sie gar nicht stammen

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Sleaford Mods
Sleaford Mods

Namen sind nur Schall und Rauch – oder etwa doch nicht? Die Suche nach einem passenden Namen hat wohl schon so mancher Band Kopfschmerzen bereitet. Wenn man nicht den easy way out nimmt und sich nach sich selbst benennt (siehe: AnnenMayKantereit) oder sich hinter einer leicht durchschaubaren Kombination aus Konsonanten versteckt (SBTRKT, MGMT, BRNS), muss man sich einen ordentlichen Bandnamen überlegen. Manche benennen sich nach ihren Heimatorten: die New York Dolls, Chicago oder Mount E(e)rie. Was aber, wenn Bands den Namen eines Ortes tragen, der gar nicht ihre Heimat ist? Geographische Appropriation oder Namensfindung mit Hintergedanken? Eine stichprobenhafte Untersuchung:

Algiers

Bei Algiers musste ich zuerst an das Album Algiers von Calexico denken (übrigens auch eine Band, die sich nach einem fast 500 Kilometer von der Heimat entfernten Ort benannt hat). Algiers ist aber auch das Debütalbum der Band Algiers aus Atlanta, Georgia. Der Mix aus Southern Gothic und Post-Punk klingt kaum nach der am Mittelmeer gelegenen Hauptstadt Algeriens, sondern eher nach etwas, was bei True Detective im Hintergrund laufen könnte. Vielleicht hat die Bezeichnung als „Post-Worldbeat“, die das Trio um Franklin James Fisher sich selbst gegeben hat, etwas mit der Namensgebung zu tun. Andererseits gibt es in Amerika ja auch eine langanhaltende Tradition, Inspiration bei anderen Ländern zu suchen…

METZ

Man kann nur mutmaßen, was hinter dem Bandnamen von Alex Edkins, Hayden Menzies und Chris Slorach steckt. Fakt ist: Das Hardcore-Trio stammt weder aus der Hauptstadt der französischen Region Lothringen, noch aus einer der Handvoll amerikanischer Städte mit dem selben Namen. Kanada, genauer: Toronto ist ihre Heimat, auch wenn ihre musikalischen Vorbilder allesamt aus den United States of Nirvana stammen. Metz bietet historische Monumente, eine Universität und einen Ableger des Pariser Museums für moderne Kunst Centre Pompidou. METZ zeichnen sich durch Aggression, Lautstärke (daher die Großbuchstaben) und retrograde Punkhymnen aus – also alles, was die Stadt nicht ist.

of Montreal

Wenn wir annehmen, dass Musiker ihre Band nach geografischen Wurzeln benennen, um etwas Persönliches, ihre eigene Vergangenheit, mit in die Musik zu bringen, die sie mit anderen Menschen machen, ist Kevin Barnes‘ Entscheidung durchaus nachvollziehbar. Den Musiker aus Athens, Georgia, hat eine Beziehung zu einer Frau aus Montreal dermaßen geprägt, dass er sein Soloprojekt anstatt nach seiner eigenen schlicht nach ihrer Heimat benannt hat. Mittlerweile hat of Montreal eine Liste mit ehemaligen Mitgliedern, die so lang und gut bestückt ist – Sinkane, Kishi Bashi und Elf Power sind alle of Montreal-Alumni – wie die der Alben, die Barnes in den letzten 18 Jahren veröffentlicht hat. Das aktuellste, das rockig-funkige Aureate Gloom, ist gerade mal ein Vierteljahr alt.

Lake Cisco

Lake Cisco waren in meiner Vorstellung lange Zeit Isländer, da ich die Band mal im Vorprogramm von Agent Fresco gesehen hatte. Tatsächlich sind Lake Cisco, benannt nach einem See in Texas, eine vierköpfige Art Rock Combo aus Köln und Koblenz, die ihre musikalische Sozialisierung New Prog Bands wie Oceansize oder eben Agent Fresco zu verdanken haben. Indie und Prog gehen eben auch in hart, nach Permanent Transient ist gerade das zweite Album der Jungs in der Mache.

Beirut

Für Zach Condon hat der Name Beirut eine ideelle Bedeutung. Der Amerikaner kommt zwar aus Santa Fe, hat aber nach einer Reise durch Europa seine Liebe zur Weltmusik entdeckt. Europäische Städtenamen wie „Brandenburg“„Bratislava“ und „Cherbourg“ finden sich zuhauf auf Beiruts Alben. Besonders die Folklore der Balkanhalbinsel scheint ihn fasziniert zu haben, was man vor allem seinem Debütalbum Gulag Orkestar stark anhört. Nun liegt Beirut weder in Europa noch in der ehemaligen Sowjetunion, sondern im Libanon, einem Land in Westasien, das Condon zum ersten Mal 2014 besucht hat. „Es ist trotzdem eine gute Analogie zu meiner Musik,“ erklärt er. Der Name sei gleichzeitig „catchy“ und von Konflikten geplagt, „der Ort, an dem Dinge kollidieren.“ Im September erscheint mit No No No bereits das vierte Album des zur Band gewachsenen Projekts. Einer der Songs, die sich wahrscheinlich darauf finden werden: „Rumeli“, ein alter Name für…? Na klar, die Balkanhalbinsel!

Eyot

Das Jazz Fusion Quartett Eyot hat sich nicht nach einem bestimmten Ort benannt: Als Eyots oder Aits werden kleine Flussinseln bezeichnet, besonders die der Themse. Das Wort ist seit einem Jahrhundert kaum noch in Gebrauch und passt ehrlich gesagt eh besser zu den weitschweifenden Kompositionen der Band aus dem serbischen Niš. Wobei Jazz Fusion als Schublade zu eng für Eyot ist, man müsste noch Post-Rock und Balkan Folk ergänzen. Während sie musikalisch die Frage stellen, warum so selten über serbische Bands berichtet wird (denn anscheinend gibt es die ja), zeigen sie mit ihrem Namen, dass die Aneignung auch in die andere Richtung gehen kann, nämlich von Ost nach West.

 

Indochine

Was den Deutschen ihre „99 Luftballons“, ist den Franzosen „L’Aventurier“. Der Song über Bob Morane (den französischen Indiana Jones) war der erste große Hit der Pariser New Wave Band Indochine. Heute kann jeder Franzose „L’Aventurier“ mitsingen. Nachdem sie in den Neunziger Jahren in der Versenkung verschwunden waren, fand die Band um Sänger und einziges verbleibendes Gründungsmitglied Nicola Sirkis mit Paradize von 2002 wieder Anschluss an die nationale Rockszene. Die Faszination für das ehemals von Frankreich kolonialisierte Indochina und besonders den Vietnam gab der Band nicht nur ihren Namen, sondern auch die visuelle, auditive und sprachliche Ästhetik des Debüts L’Aventurier sowie des Nachfolgers Le Péril Jaune (dt.: die gelbe Gefahr), mit Songtiteln wie „Indochine (Les 7 jours de Pékin)“ und „La Sécheresse du Mékong“.

Portugal. The Man

Beim relativ kryptischen Namen Portugal. The Man hilft einem die deutsche Wikipedia-Seite weiter. In einem Interview mit dem Deutschlandfunk erklärte John Baldwin Gourley den Namen der experimentellen Indie-Band aus Alaska. Wie eine Band sei auch ein Land eine Gruppe von Menschen, gewissermaßen ein Kollektiv mit gemeinsamen Interessen. Die Ergänzung „The Man“ bedeute, dass es sich bei der Band um ein Alter Ego handelt. Und warum Portugal? „Es war schlicht das erste Land, das uns in den Kopf gekommen ist.“ Die Mitglieder waren selbstredend noch nie in Portugal, musikalisch klingt die Band nach Blues (Church Mouth), New Orleans (Censored Colors) und dem American Ghetto. Portugal. The Man sind übrigens wieder im Studio, ihr nächstes Album soll sich an Hip-Hop orientieren und wird von Beastie Boy Mike D produziert.

Strasbourg

Straßburg ist von Bordeaux mehr als 800 Kilometer entfernt. Zieht man mit dem Stift eine Linie von der Metropole an der Atlantikküste zur Stadt im Nordosten des Landes, die das Europaparlament beherbergt, teilt man Frankreich glatt in zwei Hälften. Was Raphaël „Guadaloupe“ Sabbath dazu bewegt hat, sein Noisewave-Projekt Strasbourg zu nennen, ist unklar. Klingt Bordeaux zu sehr nach Wein und gutem Wetter für die kalte, harsche Musik der Band? Hat es etwas mit der Geschichte der elsässischen Stadt zu tun, die als Spielball der deutsch-französischen Konflikte immer wieder den Besitzer gewechselt hat? Was es auch sein mag, hinter Strasbourgs Namen und den Songtiteln versteckt sich ein albtraumhaftes Biest von einer Band, bei der die „Sangria“ nach Schierlingsbecher klingt und das Elsass nach dem Airstrip One.

 

Sleaford Mods

Großbritanniens am lautesten keifendes Duo hat die Widersprüche gepachtet: Die Sleaford Mods sind weder aus Sleaford, noch sind sie Mods. Sie machen Punk, aber auch Hip-Hop und primitiven Drum’n’Bass und haben mit dem siebten Album, das ausgerechnet den Titel Divide and Exit trägt, das UK hinter sich vereint. Die Idee zur Band (ursprünglicher Name: That’s Shit, Try Harder) ist dem Kopf von Jason Williamson entsprungen, der immerhin aus dem rund 20 Kilometer entfernten Grantham stammt. Der Sänger, dessen MO eher ein endloses Schimpfen ist als tatsächliches Singen, klingt schon durch seinen Midlands-Akzent wie Mike Skinner und hat dazu noch die „fuck off“-Attitüde des Punk Poeten John Cooper Clarke. Im Hintergrund sorgt Andrew Fearn seit 2012 für die minimalistisch-raue Musik, die sich zwischen the Prodigy und den Cockney Rejects bewegt. Das Ergebnis passt weder zu Grantham noch zum beschaulichen Sleaford, aber mit den beiden Briten auf dem Soundtrack ließe sich dort sogar ein Guy Ritchie-Film drehen.

Bonus: Mars

Das hier ist ein No-Brainer. Dass das No Wave Quartett Mars von der Erde stammt, mag man den circa 30 Minuten experimenteller Musik, die es hinterlassen hat, zwar nicht anhören. Tatsächlich aber war die New Yorker Band um Sumner Crane ein wichtiger Faktor in der Entwicklung des lokalen No Wave Genres. Vorher hießen sie kurz China, bevor sie sich für den roten Planeten entschlossen und Sängerin Connie Burg „China“ als ihren Künstlernamen verwendete. Den gab sie kurz darauf zugunsten von Lucy Hamilton wieder auf, nach dem Lydia Lunch Album The Drowning of Lucy Hamilton, auf dem Burg Klavier und Klarinette gespielt hatte. Lunch und JG Thirlwell aka Foetus kümmerten sich derweil um die Veröffentlichung von 78, der einzigen EP der Band. Achja, und dann gibt es noch die auf Don Juan basierende No Wave Oper John Gavanti – „the most unlistenable record ever made“ – die Mars mit Arto Lindsay und seiner Band DNA geschrieben haben. Verwirrt? Wir auch.

Sean Nicholas Savage in „Casablanca“

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„u n i: romantic / for a little while..“

Lang lebe der Soft Pop! Sean Nicholas Savage, der Kanadier und Teilzeitberliner, der letztes Jahr mit Bermuda Waterfall ein paar kleinere Wellen geschlagen hat, ist mit einem neuen Song und Album zurück. „Casablanca“ ist die erste Single des elften Albums Other Death, das am 18. September über Arbutus Records erscheinen wird. Mit seinem Falsettgesang und den schillernden Billigsynths – nicht zu vergessen: das R&B-typische „u“ für „you“ – bringt Savage Hüften sinnlich zum Schwingen wie sonst nur Blood Orange. Einer der zwölf Tracks auf Other Death wurde von seinen Freunden von TOPS produziert, auf einem anderen wird Nite Jewel zu hören sein. Vorbestellen kann man das Album hier. „Casablanca“ findet ihr nach der Tracklist und dem Cover.

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Other Death:

01 Death
02 Propaganda
03 Casablanca
04 Dont Be Sad (prod. by TOPS)
05 Promises
06 Romeo
07 1 More Chance (feat. Nite Jewel)
08 Suburban Nights
09 Delta Fresh N Breezy
10 SOS
11 Why I Love U
12 Young Again

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cover other death klein

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„Casablanca“:


Fichon

M.I.L.K.

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Emil Wilk und die tropische Milch.

Tropische Milch? Hört sich im ersten Moment erst mal nicht so geil an, doch der Schein trübt. Denn der dänische Künstler Emil Wilk (alias M.I.L.K.) hat gleich mit seiner ersten Single den Soundtrack zum Sommer produziert. „If We Want To“ macht mit seinen zurückgenommenen Beats Lust auf Hawaiiketten und Hula.

In dem Zusammenhang passt die tropische Milch denn dann doch wieder ganz gut. Stellt man sich nämlich eine leckere Kokosnuss vor, passt das malerische Bild, das uns M.I.L.K mit seinem Sound vor Augen hält doch wieder ganz gut. Emil Wilk ist eh ein Mann für Gegensätze, denn man würde wohl auch kaum erwarten, dass ein solch exotischer Pop-Sound aus dem kühlen Dänemark kommt. Aus diesem Grund, sollte man sich einfach mal keine Gedanken machen, die Sonnebrille aufsetzen und das extrem coole dazugehörige Video genießen.

 

Für Fans von: Theme Park, Jungle, Beaty Heart


Emil Wilk and the tropical milk.

Tropical milk? Doesn’t sound so great when you hear it for the first time, but then the lights dim. With his first single, the Danish artist Emil Wilk (alias M.I.L.K.) has also managed to produce the soundtrack to the summer. With its bashful, unembellished beats, “If We Want To” gives you the uncontrollable urge to don an Hawaiian lei and hula.

In this context, the tropical milk starts to sound like it would go pretty well. You mainly imagine a tasty coconut to suit the scenic picture M.I.L.K. creates right before your eyes with his sound. In any case, Emil Wilk is a man of contradictions; you’d hardly expect that such an exotic pop sound could come from breezy Denmark. For this reason, you should just put aside your thoughts, put on your sunglasses and enjoy the extremely cool music video.

 

For fans of: Theme Park, Jungle, Beaty Heart

 

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Yannick (Deutsch) / Rachel (Englisch)

Family Friends mit neuer Single

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Der neue Song liefert feinsten Schaukelstuhl-Blues.

Family Friends ist der Name der fünfköpfigen Band, die vom Bruder-Schwester-Duo Rebecca und Tom Fitzsimons angeführt wird. Die in London lebenden Musiker mit australischen Wurzeln haben nun mit „Sometimes“ ihre bereits zweite Single aus der noch unveröffentlichten EP auf Soundcloud gestellt. Diese nennt sich Across The Water und erscheint am 6. Juli.

Die neueste Single von Family Friends ist ein Song, welcher einfacher nicht sein könnte. Ein gemütlicher Gitarrenriff, dann die an die Südstaaten erinnernde Stimme von Rebecca Fitzsimons; diese Komponenten verleihen dem Song diesen unverkennbaren Schaukelstuhl-Blues. All zu gut kann man sich einen Farmer mit Strohhut und einem Bourbon vorstellen, wie er in die fernen Landschaften hinaus blickt. Blendet man die polische Ausrichtung jener Region für einen Moment aus, ist es doch eine wahrlich charmante Vorstellung, oder?

Hier kann man sich „Sometimes“ über Soundcloud anhören:

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Yannick

Nein, du kriegst heute kein Mr. Brightside von mir!

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Ein kleiner Exkurs zu Musikwünschen auf Indie-Partys.

Musikwünsche an den DJ sind meiner Meinung nach kein Sakrileg. Ich mags, wenn mich Gäste beim Auflegen mit Wünschen versorgen. Das bietet ab und an wirklich schöne Ideen für den weiteren Verlauf des Abends, aber oft leider auch immer wieder das Gleiche.

Hoch im Kurs steht Mr. Brightside. Keine Frage, ein absolut toller Song. Mittlerweile dürfte aber jeder, der seinen Musikgeschmack mit dem Wort „Indie“ umschreibt, dieses 2004 erschienene Stück Musikgeschichte zumindest oft genug gehört haben, um es sich nicht jeden Abend zu wünschen. Oder der Wunsch nach Bloc Party wird laut: Ein paar Tracks später spiel ich Ratchet von 2013. Und noch bevor das Ding vorbei ist, hört man von der Seite ein: „Ey, wann kommt denn jetzt endlich Bloc Party?“ Auf die Antwort, dass das die gewünschte Truppe ist, kommt nur noch: „Ey, aber du weißt doch was ich meine… Den einen Song da, den man halt kennt.“ Wohlgemerkt tanzt der Rest des Publikums. Und am nächsten Nachmittag findet man in der Veranstaltung noch ein nettes Posting à la „Scheiß DJ, erfüllt gar keine Wünsche.“ Cool, danke.

Noch schlimmer ist es dann, wenn Gäste sich irgendwas komplett anderes unter der Party vorgestellt haben. Oder einfach die Musik nicht verstehen. Weder Helene Fischer, Materia, noch irgend ein Act aus dem letzten Tomorrowland-Line-Up landet im Set. Nein, auch nicht die Hymne deines lokalen Fußball-Vereins. Und dein Handy kannst du auch nicht anschließen.

Aber auch das andere Extrem ist nicht selten. Wenn man zwischen Grouplove, Fenech Soler und The Fashion dann mal den „Fehler“ macht „Eez-Eh“ von Kasabian zu spielen, ist natürlich der asozialste Partygast überhaupt zugegen und tritt dir nach kurzem Wortgefecht von hinten in die Kniekehle. Vor diesem Ereignis hab ich mich immer gefragt, warum es in einigen Clubs Notfall-Knöpfe für DJs gibt. Ich hätte zu gerne einen gehabt.

Perfekt wäre natürlich, wenn man diesen großen roten Knopf nie braucht, wenn sich Leute bedanken, während anstatt „Wonderwall“ mal „She’s Electric“ gespielt wird, wenn Wünsche irgendwo zwischen Urban Cone, den Chvrches und Is Tropical ankommen und vielleicht freut sich ja sogar jemand über schönes Mixing. Das wäre echt toll. Ich hab wirklich immer total Spaß dabei, Musik aufzulegen und Leute zum Tanzen zu bringen. Aber es gibt oft einzelne Gäste, bei denen man sich wirklich fragt, wieso sie es nicht selber als DJ versuchen, wenn sie meinen es eh besser zu können. Oder warum sie nicht zuhause bleiben. Da wo man jeden Song selbstbestimmt hören kann und sich nicht auf einen DJ verlassen muss. Denn der spielt ja eh nur Scheiße und nie das, was ich hören will.

 

Wer dann trotzdem noch immer nicht genug hat, hier zum x-ten Mal:

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Jonas