Am 20. November erscheint die passende EP „On The Run“.
Wenn der Premierminister nicht gerade Geschlechtsteile in Schweine einführt, ist Großbritannien ja schon ein schönes Fleckchen Erde. Das müssen sich wohl auch Kytes bei ihrem Dreh zur Single „On The Run“ gedacht haben. Im besten Stile einer britischen Indie-Band toben sie sich im kultigen Brighton musikalisch wie auch menschlich aus. Natürlich tun sie dies extrem gut gekleidet und bedanken sich dabei auch noch artig bei Urban Outfitters.
Das Video wurde mit einer analogen Kamera aufgenommen und so fühlt man sich bei den vier Jungs der Indie-Pop Band fast an die guten Zeiten von Two Door Cinema Club erinnert. Klirrende Gitarren, catchy Beats und Lyrics, die sich auch noch nach dem zweiten Bier mitsingen lassen. Wir fiebern dem 20. November auf jeden Fall jetzt schon entgegen.
„Perm Krai“, der dritte Song von Olga Bells Russland-Album край, handelt vom Kriegszug des Kosakenheerführers Yermak Timofeyich und ist verständlicherweise ziemlich unruhig. Gnoomes, ein Trio aus Perm, der Hauptstadt jenes Bezirkes, sind so ziemlich das Gegenteil davon. Wer einen Song nach Werner Herzogs Hausband Popol Vuh benennt und Einflüsse von Cocteau Twins und Slowdive für sich beansprucht, kann mit Aufregung nicht so viel anfangen. Wenn man den selbst gewählten Vorbildern noch Wooden Shjips und Neu! hinzufügt, kommt man dem Sound von Gnoomes schon sehr nah. Die drei Jungs haben bisher eine EP veröffentlicht, nächste Woche erscheint das Debütalbum Ngan!. Ihr Humor ist übrigens auch ganz unaufgeregt: Die pseudo-mythologischen „Gnoomes“ sind ihre „inner idiots“, die zum Vorschein kommen, sobald sie Musik machen.
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Für Fans von: Wooden Shjips, Cocteau Twins, „Hallogallo“
„Perm Krai“, the third song from Olga Bell’s Russian album край, is about the expedition of Cossack military leader Yermak Timofeyich and is understandably quite agitated. Gnoomes, a trio from Perm, the capital of this region, are pretty much the opposite of that. Agitation doesn’t mean a thing to those who’d name a song after Werner Herzog’s house band Popol Vuh and would draw influence from the Cocteau Twins and Slowdive. If you then add to that the self-appointed role models of Wooden Shjips and Neu!, you start to come very close to building a picture of Gnoomes‘ sound. The three guys previously released an EP, and next week their debut album Ngan! will be appearing. By the way their humour is also really dry: the pseudo-mythological „Gnoomes“ are their „inner idiots“ who rise to the surface the minute they start making music.
Den Preis für den subtilsten Titel gewinnen Morzsa Records schonmal nicht. Der Sarkasmus – „die Welt ist ja so ein fröhlicher Ort, ha ha…“ – wird durch das Ausrufezeichen noch verstärkt. Morzsa Records, das sind nämlich vier „sad pathetic bastards“ aus Texas, Uschhorod und Budapest, und sie fallen auf What Comedy! mit der Tür ins Haus. Erbärmliche Traurigkeit ist für Freddy Schulze und Justin Spike, die Hauptverantwortlichen der Band, allerdings ein Plus, beide sind Fans von Elliott Smith und Conor Oberst. Deshalb wollen wir Worte mal Worte sein lassen und uns überlegen, was wir mit der Musik anfangen.
Die ist sogar noch niedergeschlagener als auf ihren bisherigen Alben. Die elektrische Gitarre hat einen nicht unwesentlichen Anteil daran, auf „Wind Die“ steigt sie sogar fast bis in den Doomkeller hinab. Man mag die Entscheidung gut oder schlecht finden, die eher ungewohnte Kombination aus zwei Akustikgitarren, Percussion und Cello durch eine (mal jaulende, mal knurrende) E-Gitarre zu ergänzen. Sie bringt jedenfalls, zumindest stellenweise, mehr emotionale Tiefe und klanglichen Spielraum. „Just Like Gagarin“ klingt als einziger Song der Band nach College Rock, überraschenderweise sogar gut. Man merkt What Comedy! zwar noch an, dass es selbstproduziert ist, aber Morzsa Records haben einen großen Schritt nach vorne getan.
Lieder wie „Jellyfish“, „Culture Corpse“ und das Intro „Azra“ führen einem vor Augen, dass musikalische Kreativität potentiell unendlich ist. Oft geht man beim Hören mit einer bestimmten Erwartungshaltung – hier: trauriger Folk Pop, das klingt immer wie Elliott Smith 2.0 – an ein Album heran, ohne zu merken, wie sie das Hören beeinträchtigt. Die Melodie und Harmonien auf „Jellyfish“ sind indes kreativ, auch wenn es die Struktur des Songs nicht ist. Epiphanie am späten Abend: Man muss ein Genre nicht neu erfinden, um originell zu sein. Das mag sich platt anhören, aber wenn man „False Canary“ mit den restlichen Songs vergleicht, fällt einem auf, dass jener Tourteaser – eine der wenigen nicht überzeugenden Kompositionen – den falschen Eindruck von What Comedy! vermittelt.
Mal abgesehen von den Texten, bei denen die beiden Texaner mit den verbitterten Gemeinplätzen und Weltverbesserer-Slogans ein bisschen spärlicher umgehen sollten, und dem einen oder anderen mittelmäßigen Song, ist What Comedy! nur eins vorzuwerfen. Resignierte Alben brauchen einen Hoffnungsschimmer, sei es nur ein kurzes Aufblitzen von Galgenhumor. Wer sie schon einmal live gesehen hat, weiß, dass die Schwermut von Morzsa Records nicht gleichzusetzen ist mit Depression. Ein Song wie „Ticket for Travelling“, der zeigt, dass Melancholie immer auch eine positive Seite hat, fehlt auf dem Album. Mit dem letzten Song, „Don’t Blame the Hour“, machen Morzsa Records das Unwahrscheinliche wenn nicht Realität, so zumindest Möglichkeit. Eine ruppige E-Gitarre gibt dem Akkordeon, das zuvor noch trist geschunkelt hatte, einen fatalistischen Drive und suggeriert statt künstlichem Emo echte, überindividuelle Tragik. Sie sind noch nicht ganz dort angekommen, doch What Comedy! zeigt, dass Morzsa Records das Zeug haben, ihr eigenes In the Aeroplane Over the Sea zu schreiben.
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Beste Tracks: Jellyfish, What Comedy!, Don’t Blame the Hour
Da kommt was Großes auf leisen Schritten auf uns zu.
Geduldige Synths und seichte, hallende Vocals schwappen in Wellenform auf uns zu. Das Duo aus Brooklyn hat mit der Single „I’m Already Gone“ den zweiten Teil ihrer Single-Trilogie veröffentlicht und es ist ein richtiger Schatz geworden. Die Vocals der Sängerin Alexandra Stewart erinnern zu Teilen leicht an die von HAIM, was natürlich positiv zu deuten ist.
Und auch sonst wirkt alles extrem stimmig und gut ausgetüftelt. Da fällt in keinem Moment auf, dass man es hier mit einem neuen Act zu tun hat. Denn wie „I’m Already Gone“ wusste auch der Vorgänger „What Do You Think They’ll Say About Me?“ zu überzeugen und demonstrierte schüchtern, süßen Pop mit leichten R’n’B-Einflüssen. Diese Welle lassen wir also gerne bis hin zu uns rüberschwappen.
Der 23. November ist einer von nur drei Terminen in Deutschland.
Viele Konzerte werden die Männer aus Leeds nicht in Deutschlang geben. Da freut es einen natürlich umso mehr, dass die Delta Konzerte es geschafft haben Alt-J nach Mannheim zu locken. Mit ihrem Debüt An Awesome Wave haben sie nicht nur die oft komplizierten Musikkritiker für sich begeistern können, sondern auch eine große Masse an Fans. Dieser Hype hat auch mit der Veröffentlichung des „schwierigen“ zweiten Albums This Is All Yours nicht nachgelassen.
Der lebende Beweis dafür waren die ausverkauften Hallen der letzten Tourneen und vor allem der diesjährige Festivalsommer bei dem die Band erstmals die ganz großen Slots ergattern konnte. Ob Glastonbury, Reading&Leeds oder Melt; die drei Musiker wussten zu jedem Zeitpunkt zu überzeugen. Wir haben auf jeden Fall Bock, wenn Alt-J die Maimarkthalle im November rocken. Noch sind die Tickets frei im Handel erhältlich, also ran an den Speck!
Sie polarisieren wohl wie kaum eine andere Band momentan. Entweder man liebt oder man hasst sie. Das weiß die Band um Matt Healy aber auch umzusetzen. So hatte das Debütalbum The 1975 diesen besonderen „noire“-Style, der viele Kritiker dazu bewegte der Band zu unterstellen, dass es ihnen hauptsächlich um ihr Image und nicht um die Musik geht. Bereits in den letzten Wochen hat die Band über die sozialen Netzwerke immer wieder angedeutet, dass sie dies nun ablegen werden.
Gestern (8.10) stellte The 1975 bei Annie Mac auf BBC Radio1 ihre neue Single namens „Love Me“ vor und man mus sagen, dass sie ihrem Namen nun endlich gerecht werden. Funk, Soul und Disco-Pop fließen mit ein und verleihen der Nummer einen Hauch von Prince. Es ist also durchaus möglich, dass die schlichten schwarzen T-Shirts in Zukunft durch glitzernde Pailletten-Sakkos ersetzt werden. Die Single ist Teil des zweiten Albums namens I Like It When You Sleep For You Are So Beautiful Yet So Unaware Of It, welches für Februar geplant sein soll.
Hier kann man sich die funky Nummer „Love Me“ ab Minute 3:30 anhören:
Eine willkürlich zusammengestellte Auswahl von Neuerscheinungen
Das neue Foals-Album habt ihr in letzter Zeit zu oft gehört und New Order sagt euch nicht so zu? Nicht verzagen, Postie fragen! Weil uns grad danach ist, empfehlen wir euch ein paar Neuerscheinungen in diesem Monat – betrachtet es als vorgezogenen Adventskalender. Mit halb so vielen Türchen und ohne Schokolade. Haltet euch bereit, wir haben ein paar ziemliche Hipstergeheimtipps mit im Jutebeutel…
Die junge Band tourt momentan mit Blossoms durch Großbritannien.
2005 ist das Jahr, das immer wieder genannt wird, wenn es um den Höhepunkt der Indie-Szene geht. Dabei haben die meisten Bands wiederum nichts anderes gemacht, als sich an den Bands des 90’er Britpops zu orientieren. Namen wie Oasis, Blur oder Pulp fallen als Inspiration immer wieder und so findet man bei den jungen „Lads“ von FRONTEERS tatsächlich auch eine Spur von Gallagher in ihrem Song „It’s Up To Me Now“ wieder.
Die Jungs machen genau die Musik, die mittlerweile schon fast verpöhnt ist im Musikgeschäft, durch die aber auch Leute wie Alex Turner erst in Erscheinung getreten sind. Mittlerweile schwappt aber mit den DMA’s eine neue Welle Lad-Rock aus Australien nach Europa, die auch Großbritannien vielleicht wieder dazu bekräftigt neuen Elan in dieser Hinsicht zu fassen. Denn Songs wie „It’s Up To Me Now“ sind vielleicht nicht die innovativsten machen aber noch immer genau so viel Bock wie eben im Jahr 05. Der Track erscheint am 13. November via Drawing Board Recordings.
Hier kann man sich das Video zu „It’s Up To Me Now“ anschauen:
Für einen Moment lang alle Probleme vergessen – das wünscht sich doch jeder. Mit dem einprägsamen Chorus „Running from my problems“ der Single „Hollow Life“ geben Coast Modern ein paar weniger ernst gemeinte Lifehacks, wie man dies innerhalb von ein paar Sekunden schaffen kann. Doch nicht nur die flotten Lyrics machen von 0 auf 100 in ein paar Sekunden gute Laune, sondern auch der sommerliche Sound des Duos.
Der Synth-Pop des Duos aus L.A. erinnert an Acts wie Only Real und verleitet einfach dazu auch mal nichts zu tun. „Chillen“ ist hier wohl der richtige Begriff dafür und so ist es geschäftlich gesehen schon fast ein grober Patzer der Band gewesen diesen Song nicht im Sommer unter die Menschen zu bringen. Aber was soll’s: auch im Herbst gibt es den ein oder anderen sonnigen Tag und wenn nicht, dann kann man mit „Hollow Life“ wenigstens seine Stimmung verbessern. Die Newcomer sind auf jeden Fall schon einmal bereit 2016 richtig durchzustarten.