Sissi & Pat // © Lukas Wenninger

Sissi Pohle und Patrick Scherzer sind die Gesichter hinter dem Vintage Label „outofuseberlin“. Für ihre besonderen Einzelstücke reisen sie durch die ganze Welt und durchstöbern unzählige Flohmarktstände. Dabei sind sie immer auf der Suche nach dem perfekten Kleidungsstück. Schnell wird aber klar, dass sie auf ihren Streifzügen auch etwas anderes gefunden haben – ihre große Leidenschaft.

Vintage Mode hat sich nicht nur rund um das Kottbusser Tor, den Hackeschen Markt und die Frankfurter Allee etabliert, auch Designer setzen auf Inspiration aus vergangenen Jahrzehnten. Kurz gesagt, aus den meisten Kleiderschränken ist Vintage nicht mehr wegzudenken. Mit outofuseberlin schaffen Sissi und Pat eine Plattform, die es Modebegeisterten ermöglicht, den Vintage Gedanken neu zu erleben und besondere Unikate zu finden. Dabei distanzieren sie sich von überfüllten Stangen und muffig riechenden Kleiderhaufen, denn jedes Kleidungsstück wird persönlich ausgewählt und aufbereitet. Das Ergebnis ist eine kuratierte Kollektion aus Schätzen vergangener Tage. Mittlerweile ist diese nicht mehr nur im eigenen Onlineshop, sondern auch in einem neuen Ladenkonzept von H&M in Berlin zu finden.

Wir treffen uns an einem kalten Herbstabend im Mitte Garten – so heißt der neue Concept Store von H&M in Berlin – bei einer Tasse Kaffee. Sissi und Pat begrüßen uns mit einer herzlichen Umarmung, die Hündin Luise mit misstrauischem Schnuppern. Mit uns spricht das Paar über ihr Konzept, über Inspiration und über Nachhaltigkeit.

Teil eures Konzepts ist es, Vintage Mode zu restaurieren. Wie kann man sich das genau vorstellen?

Sissi: Oft hat ein Vintageteil, das 30 bis 40 Jahre alt ist, nicht den Zustand, wie ein neuproduziertes Teil. Wir verändern die Teile jetzt nicht grundsätzlich aber natürlich, wenn ich einen mega Rock finde und sehe, dass eine Naht offen ist, dann näh ich das und erst dann wird er verkauft.

Pat: Dann muss man aber wiederum auch entscheiden. Ein T-Shirt, bei dem die Ärmel oder der Kragen aufgerissen sind, kann auch schön sein, weil es lebt. Das wollen wir dann auch. Aber wenn bei einem Mantel ein Knopf fehlt, können wir das nicht verantworten.
Man kann auch soweit gehen und sagen „Wir haben hier ‘ne lila Jeans, den Farbton find ich ein bisschen schräg, dann lass uns die doch einfach zuhause mit Domestos runterbleachen“. Damit hätte man dann einen komplett neuen Look. Wir würden gerade am liebsten in einer Punk Band der 80er spielen, da ist das dann eh super. (lacht)

Euer individueller Kleidungsstil polarisiert auf Social Media. Wovon lasst ihr euch inspirieren?

Pat: Ich glaube, wir inspirieren uns da gegenseitig. Sissi trägt meine Sachen, ich kann manchmal ihre Sachen tragen und so entdecken wir dann auch neue Looks.

Sissi: (lacht) Wir haben auch keinen getrennten Kleiderschrank. Das hängt bei uns alles an einer Wand.

Pat: Was aber für uns am inspirierendsten ist, ist Musik. Aber auch Labels, wie Helmut Lang oder Bands, wie die SexPistols, die ja auch eng mit Vivienne Westwood zusammengearbeitet haben.

Ihr geht viel auf Reisen und stöbert auch auf Flohmärkten in anderen Ländern. Gab es ein Highlight, das euch besonders in Erinnerung geblieben ist?

Sissi: Wir waren vor ein paar Monaten in Mailand. Dort hab ich dann meine ersten Vintage Chanel Schuhe gefunden. Richtige Klassiker. Das war für mich ein Highlight, auch wenn ich die nicht hergeben kann. (lacht)

Pat: Für mich ist es auch immer schön, Sissi zu sehen, wenn sie dann genau so ein Teil findet.

Was muss das perfekte Vintage Piece haben, um es zu outofuseberlin zu schaffen?

Sissi: Wir gehen auf die Suche nach Vintageteilen, die uns ins Auge stechen, weil wir sie selbst gerne haben würden. Wir fragen uns zum Beispiel „Was finden wir richtig heiß?“ Oder „Was gibt es gerade auf dem Markt an neuen Designs, die es vielleicht früher schonmal gab?“

Pat: Es ist eine Mischung aus Geschichte, Charakter aber auch Qualität und Design.

Sissi: Das zieht sich dann auch so durch. Wenn wir von Flohmärkten nach Hause kommen und die ganzen Teile sehen, sieht man eine klare Linie. Fast wie bei einer Kollektion.

Ihr sagt, ihr lasst euch viel von eurem eigenen Geschmack leiten. Fällt es euch dann schwer, sich von den Teilen zu trennen?

Sissi: (lacht) Oh gott, das ist das größte Problem! Aber wir stehen wirklich hinter jedem Piece und kaufen nur Teile, in die wir uns verliebt haben. Es wäre ja auch Quatsch, Sachen zu kaufen, die wir selbst nicht cool oder nur halbgut finden.

Mit der Kooperation mit H&M in Berlin Mitte ist euch ein großer Erfolg gelungen. Was wünscht ihr euch für die Zukunft?

Pat: Grundsätzlich sind wir erstmal super happy, dass es bis jetzt geklappt hat.

Sissi: Wir sind gar nicht so Großdenker. Wir sind dankbar dafür, was wir gerade haben.

Pat: Ich komme ursprünglich aus einer Kleinstadt in Unterfranken. Da wäre es schon schön mal ein kleines Häuschen zu haben, um auch mal abschalten zu können. Berlin ist oft schon sehr laut.

Sissi: Das muss auch nichts großes sein. Ein kleiner Garten wäre schön. Darauf arbeiten wir dann jetzt wohl mal hin. (lacht)

Pat: Aber grundsätzlich zur Kooperation. Das läuft hier wirklich alles sehr gut. Es gibt viele Events, das macht es wirklich spannend. Im Dezember wird es dann zwei mal einen Weihnachtsmarkt geben.

Sissi: Das wird cool! Der wird dann auch „outofuseberlin Christmas Market“ heißen. Dafür haben wir auch schon ganz besondere Teile zur Seite gelegt, die es nur dort geben wird. Richtig schöne Samtkleider von Missoni zum Beispiel.

Sissi, du trägst auf den Bildern einen Herrenanzug mit Krawatte. Hilft dir Mode dabei, als starke Frau wahrgenommen zu werden?

Sissi: Manchmal hab ich einfach Lust, wie ein frecher Junge auszusehen. Am nächsten Tag zieh ich dann Kleider mit Puffärmeln an. Ich liebe die 20er Jahre und ich hab das Gefühl, da haben die Frauen das auch so gemacht. Die haben sich manchmal weite Hosen angezogen und geraucht, waren dann aber trotzdem wieder super zart und filigran. Es ist doch so cool, die Freiheit zu haben, sich so anzuziehen, wie man sich fühlt. Und das mach ich auch einfach.

Pat: Wenn wir uns abends treffen, weiß ich eigentlich nie, wem ich da gleich begegne. (lacht)Es geht aber auch nicht immer darum, was man mit einem Look ausstrahlen möchte. Wenn du sagst du hast einfach mal Lust auf ein Burberry Sakko oder einen Anzug von mir, dann ist das auch cool.

Bei vielen Unternehmen in der Modebranche findet gerade ein Umbruch statt. Was denkt ihr über Nachhaltigkeit in der Mode?

Sissi: Wer nicht schon jetzt angefangen hat über Nachhaltigkeit in seinem Unternehmen nachzudenken, der hat verloren. Das fängt bei der Produktion, Verpacken und co an, die Mitarbeiter sind aber auch wichtig.

Pat: Mit dem Store hier hat H&M auch nochmal ein Statement gesetzt. Das pflegen die aber auch nicht erst seit gestern. Da wird schon lange viel Wert drauf gelegt

H&M ist ein Fast-Fashion Unternehmen. Mit outofuseberlin spezialisiert ihr euch auf Vintage Mode, die eine Geschichte erzählt. Wie passt das zusammen?

Pat: In diesem Store ist alles sehr selektiert. Man regt den Kunden dazu an, umzudenken. Es geht hier nicht um Masse, sondern um gute Teile.

Sissi: Genau! Wenn mir jemand sagt, wir denken um und hätten euch deswegen gerne dabei, dann ist das doch cool. So können wir auch einen Teil dazu beitragen.

Hier findet ihr den Online Shop und Blog von outofuseberlin.