10/10 Anna Erhard: „Oft entstehen meine Ideen in diesen Momenten des Übergangs“

Die Schweizer Musikerin Anna Erhard zog es wie so manch andere*n vor ihr in die deutsche Hauptstadt, um dort ihr Leben und ihre Musikkarriere neu aufzustellen. Als vormaliges Mitglied der Band Serafyn hat Anna Erhard schon einige Erfahrung als Musikerin gesammelt. Nun erscheint am 26. Februar 2021 ihr Solo-Debütalbum „Short Cut“. Mit Pola Roy (Wir sind Helden) als Produzent an ihrer Seite wagt sie nicht nur mit dem Wohnort Berlin, sondern auch musikalisch einen Neuanfang, dem ein charmanter D.I.Y.-Charakter anhaftet. Ihr Album klingt nach elektronisch angehauchtem Indie-Pop, dem die Folk-Vergangenheit noch anzuhören ist. Veränderung und Umbruch sind die Themen, die die Musikerin auf ihrem Album verarbeitet hat – ihr Tagebuch diente dem als Inspiration und Skizzensammlung.

1/10 Dein Umzug aus der Schweiz nach Berlin hat einen Umbruch in deinem Leben dargestellt, den Du in deiner Musik verarbeitest. Welche Bedeutung haben solo Musik zu machen und der Umzug für deine Musik?

Ich empfand diese Schritte als unausweichlich. Ich wollte umziehen weil ich ein neues musikalisches Umfeld entdecken wollte und ich konnte gar nicht anders, als dem nachzugehen. Wenn ich mehrere Nächte und Tage immer wieder über das Gleiche nachdenke, dann weiss ich dass ich dem Beachtung schenken muss, sonst rächt sich das. Der Umzug hat in mir viel freigesetzt und und dies hat sich wiederum in meinen Songs verfestigt.

2/10 Was bedeutet für dich Ankommen?

Irgendwie ist das der Zeitraum zwischen dem Moment in dem eine Bewegung zum Stehen kommt, bis zu dem Moment wo sich alles wieder neu platziert hat. Dann bin ich erst mal angekommen und es kann weitergehen.

3/10 Schöpfst Du Ideen in der Ruhe oder in Bewegung?

Oft entstehen meine Ideen genau in diesen Momenten des Übergangs. Dann wenn ich gerade so richtig im Sturm war und wieder zur Ruhe komme. Mein Kopf muss da gar nicht erst versuchen etwas zu verstehen, ich kann nur aufgeben und zuschauen wie sich alles setzt.

4/10 Welche Dinge oder Menschen beeinflussen dich am Meisten?

Auf diesem Album sind es oft Freundschaften, die mich beeinflusst haben. Ich spüre das heute stärker denn je, das sind nicht mehr nur die Menschen mit denen ich 12 Jahre die Schulbank geteilt habe, sondern ich entscheide mich mit wem ich meine Zeit teilen möchte und mit wem nicht. Und auch da merke ich, dass sich Beziehungen verändern, neu finden und vielleicht auch mal Schluss ist.

5/10 Was sollte man über dich als Musikerin unbedingt wissen?

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6/10 Wenn Du die Zeit zurück drehen könntest zu deinem 18-jährigen Ich, aber die Erfahrung von heute behalten würdest, was würdest Du anders machen?

Vielleicht würde ich mit mehr Mut neue Instrumente lernen, ohne Angst zu haben dass da was falsch klingt oder nicht gut genug ist. Darin war mein 18-jähriges Ich nicht so gut und das lerne ich immer noch.

7/10 Dein Tipp gegen Liebeskummer?

Ein möglichst grosses, schweres Boot kaufen.

8/10 Deine Musik scheint inspiriert von Tagebucheinträgen. Wie oft schreibst Du Tagebuch?

Eigentlich beinahe täglich, ich schreib da alles mögliche rein. Begegnungen, Wünsche, Zeug das ich woanders lese und mir merken möchte. Als ich nach Berlin gezogen bin las ich sehr viel C.G. Jung und für ein halbes Jahr lang habe ich meine Träume notiert, jeden Morgen eine Stunde. Das würde ich gerne wieder mal regelmässig machen, aber in der momentanen isolierten Situation finde ich es anstrengend, mich auf diese intensive Weise um meine eigene Welt zu drehen.

9/10 Welche Künstler:innen haben dich zuletzt am ehesten beeindruckt?

Im letzten Jahr waren es Fiona Apple und Adrianne Lenker. Erstere hat ein wunderbar wütendes und zweitere ein wunderbar heilendes Album rausgebracht. Das ist alles was ich momentan wirklich brauche. Ich bin auch ein grosser Kate Tempest Fan, „The Book of Traps and Lessons“ ist mein Lieblingsalbum um auf Inlinern ums Tempelhoferfeld zu cruisen.

10/10 Möchtest Du noch etwas loswerden?

Ich werde diesen Frühling/Sommer wahrscheinlich wieder auf meinem Boot auf dem Landwehrkanal spielen. Falls also keine offiziellen Konzerte möglich sind, kann man mich da live sehen und hören.

Seht hier das Video zu „Cut it Out“ von Anna Erhard: