Still aus: The Kooks - Always Where I Need To Be

Spätestens mit dem neuen Release von “Tranquility Base Hotel & Casino” und den dazugehörigen Pressebildern wurde das einstige Must-Have der Indie-Szene beerdigt. 

“I just wanted to be one of the Strokes, now look at the mess you made me make”, mit diesen Worten steigt Alex Turner auf dem sechsten Studioalbum seiner Arctic Monkeys ein und meint damit sicherlich mehr als nur die Musik. Denkt man zehn Jahre zurück, dann denkt man eben auch an Julian Casablancas und The Strokes. Kaum ein andere Band zu der Zeit verkörperte den rauen, wüstenstaubigen Lifestyle mit New York Hero-Chic mehr als The Strokes. Noch bevor die damalige Indie-Welle endgültig in Großbritannien einschlug, trugen die Mitglieder schon lange Pilzkopffrisuren, Lederjacken, Chelsea Boots und hautenge Skinny Jeans. 

Julian Casablancas war eine Art Posterboy einer neuen Bewegung, die durch Myspace damals noch einen weiteren Schub bekommen hat. Schnell wurde der Style millionenfach kopiert und selbst heute findet man in den Massenfilialen dieser Welt noch Überbleibsel davon wieder. Erst kürzlich hat Aldi beispielsweise Bandshirts in seinem Werbekatalog beworben. Es war ein Look, der für die Jugendkultur, wie auch für die Modemarken vor allem eines symbolisierte: Rock and Roll und Freiheit. Wer in Englisch aufgepasst hat, dem wird aufgefallen sein, dass eben das Genre auf das sich seit Jahren bezogen wird, nämlich Indie, nichts anderes als independent, also unabhängig bedeutet. 

 
Arctic Monkeys // © Zackery Michael

Schnell wurde dieses Gefühl der Unabhängigkeit von der zweiten 00er-Welle in UK aufgegriffen und so liefen die Fans der Arctic Monkeys, The Kooks, Bloc Party, Kaiser Chiefs und wie sie alle heißen, eben mit Skinny Jeans, verwaschenen Bandshirts und Lederjacken rum. Die Kids aus gutem Hause durften endlich ein bisschen Rock and Roll sein ohne dabei abseits der Norm zu sein. “Indie” zu sein, war immer ein guter Kompromiss für Menschen, die sich individuell fühlen wollten aber trotzdem nicht in der ersten Reihe tanzen wollten. Sinnbildlich für dieses Gefühl wurde schnell besonders ein Kleidungsstück unabdinglich; die Skinny Jeans. Von Pete Doherty über Luke Pritchard (The Kooks) trug sie einfach jeder. Man stieß dabei auf Unverständnis bei den Eltern, war aber trotzdem noch immer verhandlungsfähiger als die gute, alte Jogginghose. 

Kombiniert wurde der Look meistens mit anderen Accessoires, die man in vergangenen Zeitaltern immer wiederfinden konnte. Von Stoffarmbändern über Hüte, bis hinzu Ankle Boots, Bandshirts oder dem obligatorischen Sakko, war alles mit dabei. Nun schreiben wir aber mittlerweile das Jahr 2018 und so langsam sollte selbst der letzte Indie-Nerd aus seiner Nostalgie erwecken und begreifen, dass man entweder zu fett oder zu alt für seine hautengen Skinny Jeans geworden ist. 

Die Fashion-Idole sind gealtert und haben keinen Bock mehr sich in enge, selbst mit Stretch oftmals unbequeme, Jeans zu zwängen und so trägt das Indie-Idol von gestern heute Bundfaltenhose. Bei einem Alex Turner beispielsweise wird diese oft im Schlaghosenlook getragen und mehr oder weniger von der kompletten Band auch so übernommen. Vielleicht liegt am glitzernden Lifestyle in LA oder Alex Turner drückt seiner Liebe gegenüber Nick Cave nun auch kleidungstechnisch aus. 

Kombinieren kann man diese mit einem lockeren Hemd und auch der Hawaii/britischer Daddy-Look passt gut dazu. Auf einer ähnlichen Welle schwimmt auch der Frontmann von The Kooks, wie das neueste Pressebild der Band zeigt. Auch hier werden die Stoffhosen wieder ganz im Stile der 70er Jahre Hemden mit einem Reverskragen und Boots getragen. Wem dies aber zu overdressed ist, kann durchaus auch die Lederschuhe beiseite lassen und dafür Classic Vans oder sogar die ewig geliebten Converse tragen. Eurer Kreativität sind keine Grenzen gesetzt, aber lasst die alte Skinny Jeans doch jetzt einfach bis zum nächsten Revival im Schrank. Please.