Ich habe mir das Album von Blossoms angehört und war überrascht

Wie sich die Band mit dem klassischen Indie-ABC an die Spitze der Charts spielte.

Wenn man mit einem herkömmlichen Namen wie „Blossoms“ im Google Ranking vor einer Serie aus den 90ern und vor der eigentlichen Wortbedeutung landet, kann man von sich behaupten, dass man es geschafft hat. Und auch sonst ist die Band momentan in aller Munde. Es ist schließlich auch schon wieder eine Weile her, dass eine neue Indie-Kombo einfach mal an der Spitze der britischen Albumcharts steht und sich jetzt schon in der zweiten Woche auf diesem Platz halten kann. Dabei muss ich zugeben, dass ich dem Hype um die Band nie so richtig getraut habe. Hat mich jemand in meinem Bekanntenkreis nach „diesen neuen Blossoms“ gefragt, habe ich meistens mit folgender Beschreibung geantwortet: „ach, das ist wieder einer dieser britischen Indie-Bands. Du weißt schon.. die mit den zu engen Skinny Jeans, Chelsea Boots und langen Haaren, die auf Shows gerne mal den Gallagher mimen, aber eigentlich doch ganz passable Schwiegersöhne wären. Die werden jetzt bis auf’s Maximum von der NME gespusht und dann irgendwann wie eine heiße Kartoffel fallen gelassen. Solche Musik lässt sich im Jahr 2016 einfach nicht mehr dauerhaft vermarkten.“

Scheisse habe ich mich getäuscht! Natürlich habe ich die Band nie komplett aus den Augen verloren und doch ist es irgendwie bezeichnend, dass keinen einzigen Artikel auf The Postie über diese aufstrebende Newcomer-Band aus Stockton gibt. Auch der Wechsel zum Label Virign EMI im Jahr 2015 konnte mich nicht umstimmen .Singles wie „Charlemagne“ oder „Cut Me And I’ll Bleed“ habe ich zwar klangheimlich auch das ein oder andere Mal gehört und mich dann tatsächlich auch dabei ertappt wie ich dann doch irgendwann mitgepfiffen habe oder mich sogar dazu bewegt habe. Ja, Musikblogger sind nicht immer nur die Menschen, die auf Konzerten von der letzten Reihe aus mit kritischem Blick nach vorne starren. Trotz dieser aufkeimenden Begeisterung, grätschte meine Vernunft immer wieder rein und malte dieses Bild dieser vergangenen Indie-Generation.

Nun hielt ich vor ein paar Tagen im Plattenladen doch tatsächlich das Debütalbum Blossoms in Händen und ein paar Euros später gehörte das Teil mir. Zuhause angekommen legte ich sie dann doch gespannt auf und nach wenigen Sekunden hallte es schon „Charlemagne“ durch mein Wohnzimmer. Es folgten mit „At Most A Kiss“ und „Getaway“ zwei weitere Songs, die man bereits aus vorherigen Single-Veröffentlichungen kannte. Alle waren noch dem gleichen Muster gestrickt. Es sind allesamt gut gemachte Songs, die zwar einerseits nach vorne gehen und doch schwingt immer diese Prise Melancholie mit. Typisch britisch halt. Also 2005er britisch, versteht sich. Die Kitschnote wird dann bei Nummern wie „Honey Sweet“ oder „Texia“ noch ein bisschen stärker und zeigt, dass Blossoms sowohl Psych-Rock wie auch schnulzigen (Indie-)Pop können.

Obwohl ich den Kitsch von „Texia“ nicht leugnen kann, war es gerade dieser 6. von den insgesamt 12 Tracks, der mich am meisten gepackt hat. Ich habe mich dem Sound der Band gebeugt und habe mich verführen lassen und das ist auch gut so. Blossoms spielen bewusst mit diesen alten Mustern des Musikgeschäftes aber irgendwann kam mir dann einfach der Gedanke auf, warum das alles immer negativ behaftet sein muss? Muss wirklich immer alles zu 100% hip und innovativ sein? Blossoms beweisen mit ihrem Debüt, dass man auch einfach mal das Vorhandene genießen kann. Die Platte macht tatsächlich einfach Bock. Für diese Erkenntnis bedanke ich mich bei der Band und so ist es vielleicht auch mal wieder an der Zeit die Chelsea Boots aus der hinteren Ecke des Kleiderschrankes zu packen.

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