Starke Frauen, die die deutsche Musiklandschaft aktuell aufmischen

Es ist der 8. März 2020 und noch immer werden Frauen im Musikgeschäft benachteiligt oder völlig falsch bewertet. Deswegen eine Liste nur mit toller Musik – von Frauen am Weltfrauentag.

Jinka

Würde diese Seite wie ein Meme-Account funktionieren, wäre die Geschichte mit “Deutsche Grimes” schnell erzählt. Dann hätte man jedoch unterschlagen, dass Jinka erstens aus Transsylvanien in Rumänien stammt und dass ihr Stil auch an Acts wie Kate Bush oder Charli XCX erinnert. Soundcloud-Welten werden bei Jinka mit futuristischen Spaceship in Mainstream-Welten katapultiert.

Eunique

Eunique steht mit ihrer Musik für das Wir-Gefühl einer neuen Generation. Hip Hop aus Hamburg mit Attitüde und ohne Geschlechtergrenzen. Hallo 2020!

Perel

Der Sound von Perel alias Annegret Fiedler reibt sich gerne an den Konventionen, die die Szene so mitbringt. “Der Weg – das Ziel – sie finden sich nicht. Auf einem Hof – ein Herz zerbricht”. Bedrohliche Lyrics, verpackt in waviger 80s Atmosphäre. All dies wirkt abstrus, kalt aber zugleich eben auch zugänglich und anziehend. Die DJane, die übrigens ausgebildete Sängerin ist und ihre Texte selber singt, ist die erste Deutsche, die bei DFA unter Vertrag steht. Das Label wurde 2001 von einem gewissen James Murphy von LCD Soundsystem gegründet.

Amilli

Mit “Rarri” hat Amilli aus Bochum letzten Sommer fast aus dem Nichts einen Hit gelandet. Der Song hat mehrere Millionen Aufrufe auf Spotify und hat der Künstlerin zudem zu einem ersten Award verholfen. Der Förderpreis der 1Live-Krone zeigt auch, welche Hoffnungen man in die erst 19-jährige Musikerin setzt. Mit ihrem warmen Sound und den zurückgenommenen Beats strahlt sie bereits seit Beginn ihrer Karriere eine gewisse Internationalität aus.

Ebow

Anekdote aus dem echten Leben: Als Ebow beim letztjährigen Reeperbahn Festival aufgetreten ist, haben viele Männer die Nase gerümpft. Rap über die Periode? Das geht zu weit! Ja, geht es auch. Eine solche Ignoranz kotzt uns nämlich an Boys.

Mia Morgan

Geschichten aus der Gruft: Dass Mia Morgen gerade die deutsche Musikszene aufräumt und mit „Waveboy“ für tagelange Ohrwürmer sorgt muss man wohl niemandem mehr erklären. Mit ihrer Musik holt sie außerdem viele, vergessene Seelen ab.

Keke

Dass feministischer Deutschrap kein Widerspruch ist, beweist aktuell die Wiener Rapperin Keke. Seit der Veröffentlichung ihrer ersten Single „Donna Selvaggia“ im Sommer 2018 wirbelt sie mit starken Texten den Männer-Club im deutschen Hip-Hop auf. Die „wilde Frau“, was „Donna Selvaggia“ übersetzt bedeutet, wird dabei gleichzeitig zum Ausdruck des eigenen Selbstbilds und Anspruch ans Musikmachen. In ihren Songs beschäftigt sich Keke unter anderem mit Schönheitsnormen, Weiblichkeit und mentaler Gesundheit. Ihre radikale Ehrlichkeit kommt gut an. Mit authentischem Songwriting und eindringlicher Stimme hat sie es 2019 auf zwei der wohl wichtigsten Deutschrap-Platten des Jahres geschafft. Sowohl Trettmann als auch Kummer wollten sie als Featuregast auf ihrem Album haben. Damit sind für Keke wohl alle Weichen gestellt, um 2020 endgültig zur Queen of Deutschrap zu avancieren.

Mine

Wenn Intimität in der deutschen Poplandschaft ein Label bekommen müsste, dürfte dies Mine höchstpersönlich ausstellen. Ihr Sound ist mal zurückgenommen, mal geht er textlich unter die Haut und springt dir dadurch schon fast ins Gesicht. Aktuell tüftelt sie an Musik für die Supergroup Möse Onkelz. Mit dabei Musiker wie Mia Morgan, Drangsal, Kaltenkirchen und Tristan Brusch.

Rola

00er RnB at its best!

Toni Strange

Wer an Soundcloud-Rap denkt, denkt an Acts wie Yung Hurn. Da dieser sich aber spätestens mit dem letzten Album inhaltlich ins Aus katapultiert hat, ist es nun endlich an der Zeit, dass auch Frauen in dem Genre Playtime bekommen. Gut, dass es dafür Toni Strange aus Berlin gibt. Mit ihren Texten über Depressionen eckt sie bewusst an schiebt damit die Oberflächlichkeit des Traps zur Seite.

Madsius Ovanda

Musik ist eigentlich ein Sinnbild für Verbindung. So wie sich einzelne Klänge, Ideen, Melodien und textliche Bausteine zu einem Gesamtkunstwerk verzweigen, so funktioniert auch Madsius Ovanda. Das Projekt besteht aus Pia Ovanda und Carina Madsius und besticht durch das enge Zusammenspiel der beiden Persönlichkeiten. Ehrlichkeit zusammengestellt aus Indie-RnB und Dream-Pop.

Umme Block

Spätestens seit ihrem Auftritt beim Puls Festival 2019 und der ausverkauften Album-Release-Show gehören Umme Block mit Sicherheit zu den gefragtesten Acts innerhalb der Münchner Stadtgrenzen. Eigentlich müsste das Projekt von Klara Rebers und Leoni Klinger auch bald den Rest des musikbegeisterten Deutschlands erreichen und zwar so schnell wie möglich. Vielschichtige, sich verwebende und miteinander verschmelzende Klänge aus Stimmen, Synthies, Gitarre und analogen Beatmaschinen machen Umme Block aus. Wer auf Musik irgendwo zwischen The xx, Moderat und Ibeyi steht, sollte sich Umme Block unbedingt in die Playlist packen.

shi offline

shi offline ist die weibliche Antwort auf Die Antwoord. Die Band aus Hamburg und Köln spielt immer mit den Kontrasten zwischen hart und weich. So fallen die Beats weich ab und treffen dann auf die oftmals als streng und als kalt wahrgenommene russische Sprache.

CHILDREN

Zukunft ist morgen und Freundschaft ist Musik. Ganz nach dem Credo leben Steffi Frech und Laura Daede ihr Dasein als CHILDREN aus. Die beiden Musikerinnern, die sich seit kleinauf kennen, kombinieren Elemente aus der Vergangenheit und verwandeln diese in deine Future-Lovesongs. Aktuell tourt das Duo durch mehrere Städte.

IUMA

In der Kölner Musiklandschaft kannte man die Musikerin lange als Frontfrau der Indie-Pop-Band Planetarium. Nun macht IUMA auch als Solo-Act auf sich aufmerksam. Als IUMA lässt sie Urbanität in ihre Musik einfließen und teilt deutsche Texte mit ihren Zuhörern. Es ist ein Sound, der sich nur durch seine Sprache nicht als international durchmogeln lässt.

Haiyti

Haiyti ist schon länger in Hamburg für ihr großes Mundwerk bekannt. Manch einer würde ihre Musik als frech bezeichnen, wir bevorzugen hier selbstbewusst. Kein Wunder also, dass sie in ihrem neuesten Song “Toulouse” auch ohne mit der Wimper zu zucken eine Hommage an den französischen Afro-Trap raushaut.

Alli Neumannn

Wenn es so etwas wie eine neue Deutsche Pop-Hoffnung gibt, dann ist es Alli Neumann. Schon lange nicht mehr hat ein*e Künstler*in den Zeitgeist so perfekt getroffen und in derartig kluge, innovative und sich trotzdem nicht-zu-ernst-nehmende Musik übersetzt. Wir erwarten hier ein großes Album (no pressure), das hoffentlich die Anerkennung erhalten wird, die es verdient.

Juju

Juju ist auf jeden Fall eine Anwärterin auf die Champions League-Plätze des Deutschraps. Ob sie in dieser Liga jedoch kicken möchte oder stattdessen lieber ihr eigenes Game spielt, wir wissen es nicht.

Nura

Auch Nura war bis vor einiger Zeit noch Teil von SXTN – wie Juju auch. Es spricht für das Talent der beiden Musikerinnen, dass man diesen Fakt mittlerweile leicht unterschlägt. Nura lässt ihre Vergangenheit hinter sich und liefert stattdessen einen Hit nach dem anderen.

Ilgen-Nur

Ilgen-Nur Borali ist nicht nur die weibliche Antwort auf Mac Demarco, sondern die Antwort aus Deutschland auf Mac Demarco. Alles andere wäre Quatsch und würde die Lässigkeit im Sound der Musikerin auch unrecht tun.

Salwa Benz

Streng genommen fällt Salwa Benz aka Salwa Houmsi ein wenig aus dem Raster der Liste. Eine Musikerin in dem klassischen Sinne ist die Moderatorin aus Berlin nämlich nicht. Zwar tourt sie ab und an als DJane durch die Clubs der Nation und droppt immer wieder spannende, neue Acts. Viel wichtiger als dieser Job, ist jedoch ihre Aufklärungsarbeit in ihrem Podcast, auf WDR Cosmo und auf Instagram. Mit ihren Aussagen kommentiert sie Probleme wie Sexismus im Rap ohne auch nur eine Sekunde dafür den Zeigefinger zu heben. Vielmehr ist es ein Mittelfinger gegen noch immer festgefahrene Strukturen.

Gurr

Gurr ist ein deutsches Indie/Rock-Duo, bestehend aus den beiden Musikerinnen Andreya Casablanca und Laura Lee. Der Musikexpress ordnet die Musik dem amerikanischen Slacker-Pop zu”, das sagt das World Wide Web, beziehungsweise Wikipedia dazu. Wir würden eher sagen: “Gurr machen live und auf Platte einfach Bock.”