Teure Mieten oder fehlende Proberäume – München ist kein einfaches Pflaster für junge Musiker*innen. Unsere Autorin Miriam wünschte manchmal diesen Satz mit den Worten „Alles nur ein Klischee.“ auflösen zu können. Als Wahlmünchnerin will sie aber nicht über Altbekanntes lästern, sondern loben, was die Szene so zu bieten hat und euch natürlich direkt damit anstecken.

Die Sauna

„Kann man überhaupt noch rebellieren?“ – Diese Frage stellen sich die sechs Münchner in ihrer aktuellen Single „Das geometrische System“. Die Mathemetapher für die Statik und Unbeweglichkeit des eigenen Lebens, die an eine Die Sterne-Hymne erinnert, kommt in klassischer Gitarrenmusik daher, die, besonders durch die Stimme von Sänger Matthias, den aufregenden Weg in Richtung träumerische Düsterness einschlägt.

Lakedaimon

In seinem Soloprojekt Lakedaimon singt Dobré-Frontmann Joe Dobroschke mit seiner zarten Stimme auf liebevoll arrangierte Electronica-Klangfelder, die mit rhythmischen Percussions liebäugeln. Produzent hinter den tänzelnd-schönen, düster-andächtigen Pop-Hybriden des Musikers ist niemand geringeres als Occupanther, eine weitere Größe der Münchener Szene.

Matija

Die früheren The Captiols haben sich 2017 nicht nur einer Namensänderung unterzogen, sondern auch ihrem Indie-Sound zu einem cleanen Synth-Pop-Anstrich verholfen. Minimalistische Instrumentierungen sind seitdem die perfekte Grundlage für die eigenwillige Stimme von Sänger Matija. An Dynamik fehlt es Matija natürlich trotz runtergeschraubtem Schlagzeug nicht. Live haben die Musiker auch einiges drauf!

Tiger Tiger

Wenn Cornelia Breinbauer nicht gerade die vielversprechendsten Künstler*innen der Musikwelt in die wahrscheinlich schönste Konzertlocation Münchens, die Milla, bucht, dann lässt sie komplexe, elektronische Beatkonstruktionen auf gesellschaftskritische Lyrics treffen. Tiger Tiger nennt sich das Projekt der Münchnerin, das von einer seltenen Unvergleichbarkeit zeugt, nicht nur innerhalb der Stadtgrenzen, sondern deutschlandweit. Wem die spacig-futuristischen Klänge von Fever Ray oder Björk teilweise etwas zu extrem sind, wird von Tiger Tigers softeren, zugänglicheren Herangehensweise sicher mehr als überzeugt sein.

SAMT

Jakob, Pia und Philip machen als SAMT glibbrig-schönen, zuckersüßen Super-Pop. Wer sich also die Playlist von eskalativen Gitarrensoli, schwülen, halligen Sounds und tänzelnden Elektroparts versüßen lassen will, sollte hier zuschlagen. Passend zur Sweetness der Band heißt ein Song des Trios „Sugar“. Das Musikvideo dazu ist übrigens als Teil der funk-Webserie Hit and Run entstanden und definitiv einen Klick wert.

Mola

Wer so wenig Berührungsängste mit Autotune, EDM-Elementen und rauschhaften Disco-Texten hat, darf in der Auflistung interessanter Acts aus München natürlich nicht fehlen. Mola machen die Musik, die die Hoch- und Absturzphasen einer Partynacht zusammenhalten kann. Wer sich also nach Nachwuchs im Stil von Grossstadtgeflüster, Sokee oder Neonschwarz sehnt, wird an Isabella Streifeneder aka Mola nicht vorbeikommen.

LVNG

Musik aus München? Die ersten Gedanken (neben Blasmusik) fallen wahrscheinlich auf Klassiker wie Münchner Freiheit oder die Spider Murphy Gang ein. Davon ist mittlerweile (zum Glück) nicht mehr viel übrig. LVNG ist eine weitere Band aus der bayerischen Landeshauptstadt, die sich ganz der Neuentdeckung von Popmusik verschrieben haben. Der glatte Elektro-Pop der jungen Band darf dabei immer wieder in Richtung Neo-R’n’B driften und uns ganz mit in seinen Bann ziehen.

Endlich Rudern

Die Befürworter*innen härterer Musik unter euch haben sich durch so viel Popverehrung hoffentlich nicht von Bord verabschiedet. Keine Sorge, Endlich Rudern gibt’s ja auch noch. Durchdachte Gedanken treffen hier auf wohlwissend arrangierte Post-Punk-Klänge, die sich mit Element Of Crime genauso gut vertragen wie mit Isolation Berlin oder den Nerven. Eine eigene Stilbezeichnung darf zur Abgrenzung dennoch nicht fehlen. Deswegen wird einfach neologistische Münchner Schule gespielt. Einfach so, einfach gut.