Einen Monat lang sind Lui Hill und Fye & Fennek durch die Republik gereist. Exklusiv für The Postie haben uns die drei Musiker ihre Eindrücke und Erlebnisse von der gemeinsamen Tour im Herbst gesammelt und dabei fleißig Bildmaterial für uns geknipst. Wieso Lui einen Song namens „Cheesy Tiger“ schreiben möchte und weshalb der Bus von Fye & Fennek immer wieder für Diskussionen gesorgt hat, das erfahrt ihr im Tourtagebuch.

Habt ihr irgendwelche Rituale auf Tour?

Lui Hill: „Wir haben ein Bühnenritual – ganz klassisch nix aufregendes. Ein dummer Spruch, dann legen alle die Hände zusammen und schreien diesen ganz laut auf drei. Danach oder davor gibt es einen Schnaps.“

Fye: „Eher weniger. Es tut gut, vor dem Konzert ein wenig Zeit für sich zu haben, sich zu konzentrieren auf das, was kommt. Im Prinzip beginnt das Ritual schon viel früher, Vorbereitung auf die Tour hieß für mich auch körperlich fit zu sein und die Stimme auf bestem Niveau zu halten, indem man seine Trainings macht. Klingt nicht so nach Spaß, geht aber voll darin auf, wenn man dann auf der Bühne steht.“

Was waren die prägendsten, spaßigsten und unvergesslichsten Momente auf Tour?

Lui Hill: „Der schönste und aufregendste Moment auf Tour war für mich der Besuch in Margate kurz vor unserer Show in London. Dort haben wir einen Freund besucht. Er schickte uns lediglich den Namen seines Lieblingsrestaurants als Treffpunkt. Google Maps führte uns zum Hafen an einer schmalen Wehrmauer, der den Hafen vor den an diesem Tag riesigen Wellen schützte. Im Sekundentakt schwappten 10 Meter hohe Fontänen über diese. Unser Hunger war jedoch zu groß und wir rannten einfach los. Jeder in der Hoffnung, dass er derjenige ist, der das beste Timing hat und trocken bleibt. Einzig und allein Fye, die das ganz auf Video festgehalten hat und sich dabei  kaputtlacht, kam trocken durch. Als Belohnung gab es dann aber im „Cheesy Tiger“ das beste Essen, dass ich in England jemals hatte – jedes Gericht aus oder mindestens mit ganz viel Käse. Wir saßen sozusagen auf ca. 12 qm in der Küche bis wir irgendwann auch zu Käse wurden – zu sehr betrunkenem Käse. Wir wollten einfach nicht mehr weg und wieder trocken werden. Vielleicht heißt meine nächste Single ‚Cheesy Tiger‘!“

Fye: „Bei dem Besuch des Cheesy Tigers in Margate, einem urigen Restaurant am Hafen, wurden wir von Sturmwellen nassgespült und mussten die Hafenmole überqueren. Das war, als müsste man in eine andere Welt eintauchen. Der Grenzbeamte hat Jan mit Mr. Fennek angesprochen, weil Lui bei der Buchung  der Fähre dachte, er heißt so mit Nachnamen, der Lachs. Haha.“

Zum Auftakt der Tour erschien die gemeinsame Single „The Game“, wie kam es zu der Idee gemeinsam was zu machen?

Lui Hill: „Ohne dass wir es wollten und geplant hätten, stand irgendwann dieser Song vor uns und hat uns angegrinst. Dieser Track entstand aus einem total zufälligen Jam. Fennek hatte ein neues Gesangsmikrofon im Studio und wir wollten es einfach mal testen. Daraus wurde die Hook des Songs. Der ganze Prozess um Musik und Video war sehr intuitiv und hat uns einfach sehr viel Spaß gemacht. Ich habe selten so ungezwungen an Musik gearbeitet, wie bei diesem Song.“

Fye: „Jan und ich haben ziemlich schnell gemerkt, dass die Melodien des Tracks sich für einen Song anbieten würden, den man mit zwei Stimmen formt. Lui ist ein guter Freund, wir haben das dann einfach mal ausprobiert und aus einem Jam wurde gemeinsames Texten und ausgestalten der Sounds etc. So hat der Song Stück für Stück typisches von Luis und unserem Sound angenommen.“

Ihr saßt die letzten drei Woche so eng aufeinander, Hand aufs Herz, welche Macken am anderen haben euch schon mal aus der Haut fahren lassen?

Lui Hill: „Haha, ja die Macken werden mit jedem Tag sichtbarer und die Haut mit jeder Woche dünner. Das ist ganz normal. Du bist auf engstem Raum, hast kaum Privatsphäre, da gehst du auf mentalem Zahnfleisch. Jeder hat auch eine andere Vorstellung, der eine ist in diesem Beruf ‚tourender Musiker’ schon lange angekommen, der andere sieht es eher noch als lustige Klassenfahrt, aber ich will jetzt hier keine Namen nennen. Am Ende der Tour waren wir alle ein Team, aber der Weg dahin war nicht immer einfach bei sieben Individuen.“

Fye: „‚Wo ist der Busschlüssel?‘ War so unsere Lieblingsfrage, die uns alle begleitet hat. So richtige Überraschungen gab es nicht, weil wir uns alle schon vorher gut kannten. Wenn jemand Mal getrödelt hat oder sowas, war das auch schnell wieder vergessen.“

…und was habt ihr für Eigenschaften am andern schätzen gelernt?

Lui Hill: „Anpassungsfähigkeit. Diese Eigenschaft muss man haben, sonst ist man schnell das Arschloch auf der Tour. Ganz blöder Stempel, den will man nicht für den Rest der Tour haben. Ich wusste, dass das Ganze kein Kaffeekränzchen wird und man oft genug die Extrameile gehen muss, damit diese Tour funktioniert, aber genau diesen Mindset hatten auch Mitmusiker, Techniker und die Supportband. Das hat mich sehr gefreut. Die wussten, ich kann nicht Tourmanager, Performer, Busfahrer zugleich sein, wenn ich an diesem Tag auch noch frisch und aufgeräumt für ein Interview zur Verfügung stehen möchte.“

Fye: „Auf jeden Fall Luis Talent, Dialekte zu imitieren, das war einfach großartig und Jans Kochkünste, die wir allerdings gar nicht so oft in Anspruch nehmen mussten. Generell in der Gruppe die Entspanntheit, Offenheit und Kommunikationsbereitschaft, wenn doch mal was auf der Zunge lag.“

Die gemeinsame Single „The Game“ gibts hier:

Was werdet ihr nach der Tour am meisten vermissen und worauf freut ihr euch in Zukunft bzw. was kommt als nächstes?

Lui Hill: „Die Aufmerksamkeit, die jeden Abend auf einen einprasselt, der volle Kühlschrank mit alkoholischen Getränken – das sind alles Dinge, an die man sich leicht gewöhnt. Aber es ist auch gesund, wenn dies irgendwann ein Ende hat. Ich versuche in solchen Momenten immer so sehr es geht im Moment zu sein. Ich vermisse gerade nix, und genieße das momentane runterkommen.“

Fye: „Die Tour war sehr abwechslungsreich und wir haben auch mal bei Bekannten, Familie oder Freunden geschlafen. Dadurch wurden viele Orte in kurzer Zeit sehr heimisch. Es ist schön, wenn man sich auf einmal mit den paar Kleinigkeiten, die man dabei hat und der einem vertrauten Crew verschiedener Orts sich so zu Hause fühlen kann. Ich freue mich auf neue Songideen und darauf bald wieder Konzerte zu spielen, die Erfahrungen, die wir gesammelt haben, in neuen Ideen weiterzuspinnen. Wir sind noch mit Videos und anderen kreativen Dingen gut ausgelastet.“

Noch ein paar letzte Eindrücke von der Tour?

Lui Hill: „Diese Tour war super wichtig für uns als Band und Team. Das hat uns angefixt und hoffentlich auch die Menschen genügend vor der Bühne. Auf dass wir uns  ganz bald wiedersehen.“

Fye: „Ich habe während der Tour viel neue Musik entdeckt und bin mehr dazu gekommen nachzudenken und auch zu schreiben, als ich vorher erwartet hätte. Wenn im Bus die Landschaften an einem vorbeifliegen, kann man all das gut in Gedanken und Worten verpacken. Gleichzeitig war ich auch oft müde oder mal verkatert. Wir hatten immer wieder tolle Begegnungen mit Freunden, die uns in ihren Städten dann noch entführt haben. Einen letzten Joint aus Amsterdam mussten wir auf der Fahrt noch loswerden und unser Bus mit Aufschrift LSD-Trips hat immer wieder für tolle Diskussionen gesorgt, wenn wir im Schritttempo durch die Fußgängerzone zur Venue gefahren sind oder irgendwo gehalten haben. ‚Das würde ich ja nicht drauf schreiben‘ – ja danke für den Tipp auch, die Zollbeamtin in Dover hat sich trotzdem mehr für Philipps Nummer interessiert.“

Mehr Bilder von der Tour von Lui Hill und Fye & Fennek gibt’s hier:

Fotocredits: Filter Music Group