Foals im Atelier

© Yannick Philippe

5.9.2015: Foals stehen wortwörtlich auf Luxemburg

Der September ist in Luxemburg allein historisch gesehen immer ein sehr ereignisvoller, schließlich findet dann der größte Jahrmarkt der Großregion statt: die Schueberfouer. Und auch der Schulbeginn steht demnächst noch an. Am gestrigen Tag, sollte aus einem ereignisvollen Tag aber ein unvergesslicher werden. Begonnen hat alles mit der britischen Vorband Formation, die soundtechnisch an vergangene Zeiten zu erinnern vermochten. Was haben wir doch alle Bands wie The Infadels oder Reverend and The Makers früher für ihre Tanzbarkeit und die schnell einprägsamen Lyrics geliebt. Viel übrig geblieben ist davon heute nicht mehr und doch gelingt es dem Act aus London sämtliche positive Seiten dieses vergangenen Sounds zu bündeln und daraus ihr ganz eigenes „neues“ Ding zu machen. Wäre der Hauptact des Abends nicht Foals gewesen, wäre Formation wohl der heimliche Star des Samstags gewesen.

Die eben angesprochenen ehemaligen Math-Rocker traten pünktlich gegen 21:30 auf die Bühne und sofort ging ein Ruck durch das Atelier und jeder einzelne Besucher. Sogar die, die sich oben gerne mal verstecken, schienen wie elektrisiert. Bereits beim zweiten Song reichte der Band um Yannis Phillipakis lediglich ein Ton von „Olympic Airways“, um den eh schon überhitzten Konzertsaal zum Kochen zu bringen. Verfechter der ersten Platte der Band mussten diesen Moment ganz besonders genießen, da Foals in Hinsicht auf alte Songs für den Rest eher Diätkost auftischten. Das Gute an Bands wie Foals ist aber eben, dass sie ein solches Verlangen nach älteren Nummern mit Dancefloor-Knallern wie „My Number“ schnell wieder vergessen machen. Kein Wunder, denn kaum ein anderer Song der Band ist so sexy wie die Single aus ihrem letzten Album. Nicht weniger sexy wurde es bei „Mountain At My Gate“, der vom Publikum aufgenommen wurde, als wäre es ein alter Bekannter.

Ab diesem Zeitpunkt konnte eigentlich nichts mehr schief gehen aus der Sicht der Band und so ließ sie es sich nicht nehmen mit „Birch Tree“ gleich mal eine Bühnenpremiere rauszuhauen. Eine Nummer die zwar auch den oft gesuchten Groove hat, gegen „My Number“ jedoch eher wie der schüchterne Bruder wirkt. Mit dem Brüller und Festivalliebling „Providence“ verlor dann auch das restlos ausverkaufte Atelier seine letzte Hemmungen und wirbelte die Griechenland-Flagge im Pogo nur so um sich. Es war ein Schrei an die Band, der brünstig rausschreit: „Gib mit verdammt nochmal mehr davon!“. Doch bevor weiter gewütet wurde, gönnten Foals sich und auch ihren Fans mit ihrem hochgelobten Song „Sahara“ erst einmal eine kleine Abkühlung bevor es dann mit „Red Socks Pugie“ doch noch was für die alten Connaisseure geboten wurde. Jetzt galt es sich mit „Late Night“ schnell noch einmal zu sammeln und sich auf das Bevorstehende vorzubereiten.

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Denn was jetzt passieren sollte, kennt man eher von dem oben angesprochenen Jahrmarkt als von einem wohl gesitteten Konzert. Yannis Phillippakis sucht die Nähe zum Publikum und lässt sich ganz Rockstar-Like samt Gitarre über die Menge tragen. Spätestens jetzt versteht man die Aussagen der Band, dass sie mit ihrem neusten Studioalbum What Went Down die animalischen Triebe in sich geweckt haben. Es gab kein Halten mehr und so spielte sich die Band mitsamt Publikum in einen Rausch und kam bereits nach kurzer Pause ohne Widerworte wieder zurück in die Manege. Geladen waren die Fohlen mit scharfen Geschossen namens „What Went Down“ und „Two Steps, Twice“, die sie dann schreihälsig auf die Menge abfeuerten. Wie ein wildes Raubtier wirbelte nun auch der Frontmann der Band im Saal umher und bestieg die oberen Ränge und ließ sich von der gefesselten Menge auf Händen tragen. Dies mag jetzt alles wieder ein packender Action-Thriller klingen, war aber im Endeffekt die in Luxemburg so oft sehnlichst vermisste Harmonie zwischen Fans und Band.

Live kompakt: animalisch, wild, zerstörerisch

Auch in Reading haben Foals ihre Live-Qualitäten unter Beweis gestellt:


 

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