Dillon

28.03 Karlstorbahnhof/Heidelberg Deutschland

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© Frank Eisenhauer

Dichter Nebel ging durch den restlos ausverkauften Karlstorbahnhof, als Dillon kurz vor halb 10 die Bühne betreten hat. Begleitet wurde die in Deutschland lebende Brasilianerin durch einen weiteren Musiker. Es herrschte brennende Stille. Was würde nun passieren? Wie geht’s los? Bereits mit dem ersten Ton war klar, dass man heute einzigartiges erleben würde. Die Musikerin, die bei einem Technolabel unter Vertrag steht, beginnt ihr Set mit dumpfen Beats, die den einen oder anderen Schaulustigen wohl ein wenig überrascht haben wird. Kein Wunder, so war der erste Longplayer „This Silence Kills“ auch eher ruhig, gar zerbrechlich. Nun offenbart Dillon  ihr wahres Gesicht und zieht uns wie eine Meerjungfrau mit ihrem unfassbar klaren Gesang in ihren Bann.

Oft war durch die clevere Lightshow und die dezente Kleidung nur Hüllen auf der Bühne zu erkennen, die umhüllt von einer Menge Nebel, den Effekt eines Moores oder eben einer Meereslandschaft erzeugten. So sang sich die junge Künstlerin Song für Song weiter in die Herzen Heidelbergs und war stets bemüht das Gleichgewicht zwischen Electro und Singer-Songwriter-Elementen aufrecht zu halten. Mit dem dritten Song „Matter Of Time“ gab es dann auch die erste Anerkennung des scheinbar in Schockstarre versetzten Publikums. Danach war die Wand zwischen Publikum und Künstler endgültig eingerissen und man schwamm dem Sound treu entgegen. Der Song „Thirteen Thirty-Five“ machte aus uns Zuschauern dann Sklaven der jungen Musikerin, man folgte treu und gewissenhaft den hypnotisierenden Beats und gab sich der Musik komplett hin. Mit ihrer zerbrechlichen Stimme kam dann auch das erste „Dankeschön“ und irgendwie wurde so langsam klar, dass man das Set nicht als Puzzle der noch jungen Karriere sehen muss, sondern als Gesamtkunstwerk.

Denn immer wieder wurde man durch die schlichte, aber wirkungsvolle Lightshow zum Staunen gebracht und so war es auch nur selbstverständlich, dass Dillon das Publikum kaum auffordern musste bei einer der bekanntesten Nummern „Tip Tapping“ laut mitzusingen. Es war vollbracht, die Meerjungfrau Dillon hat es geschafft ohne große Sprüche, mit Ästhetik das Publikum für sich zu gewinnen und so waren es die Zuschauer selbst, die durch die Trennung zwischen Frauenstimmen und Männerstimmen, für einen kurzen Lacher sorgten. Die knapp 600 Musikbegeisterten durften sich glücklich schätzen Teil dieses einmaligen, audiovisuellen Erlebnisses zu sein. Denn die Musik der Künstlerin, die erst kürzlich mit „The Unknown“ ihr zweites Studioalbum veröffentlicht hat, lädt zwar zum Tanzen ein, zerreißt einen innerlich aber auch gleichzeitig. Passend zum Titel der neuen Platte, ist die Musik so vielfältig, dass man selbst in der eigenen Gefühlslage irgendwo zwischen fröhlich herumwippen und tief ergreifenden Emotionen ist. Und so verfiel man der Musik immer weiter und jegliches Zeitgefühl schwamm in weiter Ferne, bis die gebürtige Brasilianerin nach einer dicken Stunde zum letzten Lied ansetzte und einen so in die so nach hinten gerückte Realität zurück zerrte. Erst das grelle Licht des Karlstorbahnhof machte deutlich, dass Dillon einen Abend lang charmant, manchmal schüchtern wirkend über Heidelberg geherrscht hatte. Was bleibt ist ein Abend, den vielen Besuchern wahrscheinlich noch sehr lange im Hinterkopf bleiben wird und durch nur durch die Songs wieder verschwommenen, wie der Nebel, rekonstruiert werden kann.

 

 

 

Hier kann man sich die aktuelle Single „Matter Of Time“ in voller Länge anhören:

[youtube http://www.youtube.com/watch?v=nHRSbXgkpPM&w=640&h=360]

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Yannick

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