Bonaparte

29.04. Karlstorbahnhof/Heidelberg Deutschland

1794646_10152365522353684_7278923213250757570_nGestern ist im Rahmen des Queer Festivals regelrecht der Blitz in den Karlstorbahnhof eingeschlagen. Das mehrtägige Festival, das Jahr für Jahr immer wieder interessante Künstler aus den Bereichen Kunst, Literatur, Schauspiel und Musik nach Heidelberg lockt, hatte gestern Bonaparte zu Besuch. Die Band, die ja hinlänglich für ihre expressive Bühnenshow bekannt ist, sollte den Saal des Karlstorbahnhof zum Überkochen bringen, aber dazu später mehr. Das Gespann aus Berlin ist nämlich nicht alleine angereist, sondern hatte das Duo Hyenaz gleich mitgebracht. Nachdem das Konzert aus organisatorischen Gründen von der Stadthalle in den Saal des Karlstorbahnhofs verlegt wurde, begann das Konzert etwas später als geplant.  Gegen 20:30 Uhr traten zwei Gestalten bei denen das Geschlecht nur schwer zu unterscheiden war mit tobenden Techno-Beats auf die Bühne. Geboten wurde anschließlich eine Show mit Lichterketten, schrillen Kostümen und gelegentlichen David Bowie-Assoziationen. Instrumente wurden kaum gespielt und so besann man sich eigentlich mehr auf die abstrakte Perfomance, als auf die Musik. So entfiel es natürlich kaum jemanden, dass das Duo, was unter anderem aus einer Tänzerin von Bonaparte besteht, sich mit wirren, spacigen Ritualen mehr und mehr auszogen und eine Art Paarungstanz zur Schau stellten. Nach etwa einer halben Stunde war das doch sehr gewöhnungsbedürftige Spektakel vorbei und als Fazit könnte man es wohl „too much“ einstufen.

Gut, dass Bonaparte nicht lange auf sich warten ließ und man die leicht verstörenden Bilder wieder schnell aus dem Kopf bekommen hat. Nach einem kurzen rockigen Intro trat die zu einem Trio geschrumpfte Band auf die Bühne und riss das Publikum von Minute 0 an mit. Trotz mehrerer neuer Songs wie der Opener „I Wanne Sue Someone“ erreichte die Stimmung bereits mit dem zweiten Track „Anti Anti“ einen ihrer zahlreichen Höhepunkte. Hier bewies das bunt gemischte Publikum seinen unbändigen Support und grölte, die Nummer, die bereits viele Heidelberger Indie-Disko-Tanzflächen geschmückt hat, lauthals mit. Dem sehr treuen Publikum schien es zu keinem Zeitpunkt langweilig zu werden, was natürlich durch die vielen Pferdemenschen, Riesenbabys, leicht bekleideten Frauen oder den berüchtigten „Cannonball Man“ begünstigt wurde. Bonaparte, die ihre Musik mal selbst als „visuel trash punk“ bezeichnet haben, wissen einfach, wie man Leute zum pogen, wild rumhüpfen oder laut mitschreien bringt. Müsste man Abende wie diese literarisch untermauern, könnte man dies wohl mit Faust’s Besuch in Auerbachs Keller tun. 

Mit Bonaparte fühlt man sich durch Songs wie „C’est à Moi Qu’Tu Parles?“ sogar zum multilingualen Sprachgenie erhoben. Von der Songauswahl her kann den Berlinern sowieso keinen Vorwurf machen, die Band spielte die komplette Bandbreite von „Computer In Love“ über „Wir sind Menschen“ bis hin zu „Quarantine“ runter. Nach „Into The Wild“, der aktuellen Single und einem kurzen Bad in der Menge Sängers, verließen Tobias Jundt und Co. das erste Mal die Bühne. Da wollte das ausverkaufte Karlstorbahnhof just die Zugabe-Rufe anstimmen, so spielten Bonaparte mit „Too Much“ schon wieder den nächsten Song an. Kurz darauf gab’s dann eine feine Sektdusche für die Wildesten unter den Wilden und man hätte eigentlich meinen können, dass es das gewesen sei. Eigentlich – denn die Band ließ es sich nämlich nicht nehmen das nicht ausschließlich studentische Publikum mit einer weiteren Zugabe zu beglücken. Es folgte ein quasi identisches Szenario, dieses Mal leider ohne Sekt, und so kehrten Heidelbergs Lieblinge Bonaparte mit „Etat C’est Moi“ ein allerletztes Mal zurück auf die Bühne. Dann war Schluss, Ende, Aus. Denn auch wenn es vielen Besuchern schwer fiel, so muss auch im komplett ausgearteten Karlstorbahnhof irgendwann dann doch wieder der Alltag einkehren.

 

Die erste Singleauskopplung „Into The Wild“ aus dem  brandneuen Album der Band:

[youtube http://www.youtube.com/watch?v=KSOZ9f9hc6U&w=560&h=315]


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Yannick

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