01.05.14 Karlstorbahnhof/Heidelberg Deutschland

Im Rahmen ihrer „Walkabout“ Tour hatten sich die Augustines am Tag der Arbeit das schöne Heidelberg für ein Konzert ihrer Wahl im Kalender markiert. Dies kommt im ersten Moment alles sehr pragmatisch und gewöhnlich daher, sollte aber zu einem späteren Zeitpunkt zu einer regelrecht magischen Nacht werden. Zuerst waren aber die Jungs von New Desert Blues dran, die es wohl wie keine andere Band versteht Namen in ihren Songs mit einzubauen. Die Briten traten pünktlich um 21:00 Uhr vor das Publikum des gut besuchten Saals im Karlstorbahnhof.  Überraschenderweise gaben diese bereits mit der zweiten Nummer „Adam“ wohl ihren bekanntesten Track zum besten und gestanden ihrem Set so kaum größere Steigerungen zu. Und so kam es, dass der Funke zum sonst sehr offenen Publikum nicht so richtig überzuspringen schien. Schade eigentlich, denn musikalisch gesehen, bewegt sich die Band mit ihren melancholischen Indie-Songs wie beispielsweise „Matthew“ oder dem Closer „Zachary“ auf sehr hohem Niveau. Die Band aus Portsmouth haben von A capella, über akustische Klänge bis hin zu richtigem Rock ’n’Roll alles geboten, was ihre Palette so hergibt, waren aber wohl in ihrer Sache, die sie taten, doch ein wenig zu artig. Nach einer knappen halben Stunde bedankten die netten Jungs von nebenan sich beim Publikum und überließen den Augustines die Bühne.

10314753_10202968939695842_4933200264208348391_nDiese sind dann höflich wie sie nun mal sind um Punkt 22:00 Uhr auf die Bühne getreten und haben die Meute kraftvoll mit einem kurzen aber knackigen Intro auf die kommenden Momente eingestimmt. Weiter ging’s prompt mit der Nummer „Headlong Into The Abyss“, die so gefühlvoll beim Publikum ankam, dass man sich fast wie bei einem gemütlichen Gig zuhause im Wohnzimmer gefühlt hat. Es ist nur ein Song von vielen, der Band aus New York, die zwar die Mächtigkeit und die Größe von Arena-Rock aufweisen, einen aber immer an der Hand nehmen und durch die ehrlichen Geschichten der Jungs führt. So gefühlvoll und traurig manche Songs der Band auch sein mögen, so tut es doch gut zu sehen, dass sie nie ihre Fröhlichkeit und ihren Sinn für Humor verloren zu scheinen haben.  Allen voran der unglaublich sympathische Billy McCarthy der nicht nur gerne mit großen Gitarren musiziert, sondern auch noch mit riesengroßem Herzen.

Er ist sich, genau wie die anderen Bandmitglieder auch, nie zu schade für einen guten Witz oder eine Portion Selbstironie. Nachdem die Band ihren aktuellen Hit „Cruel City“ mit einer unbändigen Energie vorgetragen hat, ließ er es sich beispielsweise nicht nehmen über den viel zu tief eingestellten Mikrofonständer zu lamentieren und gab dabei aber nicht dem Roadie namens Alex die Schuld, sondern schöpfte viel eher Verdacht bei den Zwergen, die doch ganz sicher im Schluss oben auf’m Berg leben werden. Das für knapp 20 Euro gebotene Spektakel erwies sich jetzt schon fast, als reinen Glücksgriff, bezieht man auch die Multi-instrumentalität der Band mit ein, die im Studio jedoch nicht so stark zum Vorschein kommt. Posaunen, Streichinstrumente, Kisten, Keyboards, alles was auch nur irgendwie musizierbar ist, wird von den vier Musikern mit in ihr Live-Erlebnis mit einbezogen. Die Stimme des Publikums darf bei solch einer Fülle an Möglichkeiten natürlich nicht fehlen und so forderten die Musiker das Heidelberger Publikum mehrmals dazu auf die schon fast charakteristischen „Aaahs“, „Oohs“ und „Yeaah“’s lauthals mitzusingen, was wiederum von diesen sehr offen aufgenommen wurde, genau so wie auch die mexikanisch angehauchte Coverversion von The Clashs „Guns Of Brixton“ auf Anklang stoß.

Als kleines Dankeschön für die tolle Unterstützung gab es zwar leider keinen Schluck von McCarthy’s leckerem Whiskey, deshalb aber einen Song ihrer „alten“ Band Pela, der aus dem Wunsch eines Fans heraus entstammte. Kurz darauf wurde mit frechen Gitarrenriffs kurz mit den vielversprechenden Worten „Heute knacken wir die 3 Stunden-Marke!“ „Eye Of The Tiger“ angestimmt. Nach einandhalb Stunden gab’s dann trotzdem den kurzen Cut und wäre das Konzert da vorbei gewesen, hätte man auch ohne Zugabe ein solides Handwerk geboten bekommen, was aber dann folgte war von einem anderen Stern oder halt von Brooklyn. Die Musiker von Augustines verwandelten ihr Konzert einfach mal kurzerhand zu einer einzigartigen Jam-Session und ließen Heidelberg ein Teil davon werden. So ließen sie es sich nicht nehmen nach einigen Akustik-Songs in ehrlicher Straßenmusiker-Manier dann vollends mit dem Publikum zu verschmelzen. Mit Sack und Pack mischten sie sich, samt Manager, unter die Menschen und hauten eine Zugabe nach der anderen raus. Das Heidelberger Publikum konnte sich vor Staunen und Begeisterung kaum noch auf den Beinen halten und machte es sich auf dem Boden gemütlich. Sehr zur Freude der Band, die sich sichtlich wohl in Heidelberg fühlte und so kam es wenig überraschend, dass die Band am Ende ihres unfassbar guten Gigs auch noch auf ein flottes Tänzchen einlud und so verließ man das Karlstorbahnhof mit dem Gefühl eine neue Freundschaft geschlossen zu haben. Eine Freundschaft, geschlossen durch den Spirit der Songs vierer unfassbar sympathischen Menschen.

 

 

Die Single „Cruel City“ aus dem Album „Augustines“:

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Yannick