Herzschmerz, Pastellfarben und Zuckerwatte: Hatchie’s Debüt-EP bietet alles, was einen guten Teenage-Dream ausmacht und verpackt es in allerfeinsten Dreampop.

Gibt es ein Paralleluniversum, in dem Lebensmittel mit uns Sprechen können? In dem eine Avocado noch vor dem Öffnen etwas über ihren Reifegrad erzählen könnte oder in dem ein Kuchen im Ofen Bescheid gibt, ob er wirklich schon gar ist? Was hätte Zuckerwatte wohl zu sagen? Zumindest auf diese Frage, gibt es endlich eine denkbare Antwort.

Und die kommt in Form von Hatchie daher – mit ihrer EP „Sugar & Spice“ erzählt sie zwar nicht von Dialogen zwischen Mensch und Zuckerwatte, aber gibt doch sehr lebendige Eindrücke, wie die rosa-weißen Fäden mit Erdbeergeschmack klingen könnten. Soft abgemischter Gesang, unaufdringliche Melodien und der perfekt abgestimmte Einsatz von Synthies umhüllen den zarten Sound, der alle behutsam in dem Arm nimmt, die ihre Tagträumerein am liebsten direkt durch ausgelebte Teenage-Dreams ersetzen.

Die wochenlange Trauer und anschließende Grund-Melancholie des ersten Herzschmerzes, das sorgenlose Umherstreunern und dahinbaumelnde Nachmittage mit Freunden und zu vielen Süßigkeiten am See – all das packt Hatchie in fünf Dreampop-Songs, die irgendwo zwischen den 80er und 90er Jahren ansiedeln und von denen sie die meisten bereits als Single veröffentlicht hat. Die unbeschwerte Gitarre von erinnert wie in “Sleep” an die naive Romantik von Sixpenche None The Richers „Kiss me“, die Synthie-Beats setzt Hatchie dagegen klar und bestimmt ein – vermutlich um den Ohrwurm von „Sleep“ oder „Sugar & Spice“ noch prägnanter einzubrennen.

 

Die Sängerin hat ein Händchen dafür, die Mitte von bonbonfarbender Nachmittagsuntermalung und tröstenden Tönen, wie im ermutigendem „Bad guy“ zu treffen und ist wohl ein weiteres Indiz dafür, dass australische Musiker noch etwas Anderes als lebensbedrohliche Giftquallen in ihrem Trinkwasser haben müssen. Vielleicht ja Zuckerwatte.

So entreißend der leichte Hall und die hellen Synthie-Töne auch sind, wie fast jede EP ist auch „Sugar & Spice“ zu kurz und weckt in erster Linie die Lust auf mehr von Hatchie. Material auf Albumlänge sei bereits in Arbeit – dann vielleicht mit einer „La boum“-inspirierten Ballade oder einer Prise Saxophon in Hatchies zuckergetränkten Traumwelt? Pop kann so schön sein.

Beste Songs: Sleep, Sugar & Spice, Try

VÖ: 25.05.2018 | Heavenly Recordings