Den Blick nach oben gerichtet: Django Django machen ihren Albumhattrick mit „Marble Skies“ komplett und klingen gar nicht so grau, wie es der Titel vermuten ließe.

Django Django gehörte 2012 mit ihrem Debütalbum zu den Überraschungen überhaupt. Trotz Überrumpelung vom damaligen Erfolg, erscheint pünktlich alle drei Jahre ein weiteres Album. Denn nach „Django Django“ veröffentlichten sie 2015 dann „Born Under Saturn“. Mit dem zweiten Album wagt man den Blick ins All, jetzt mit „Marble Skies“ bleibt der Fokus auf dem Himmel. Anscheinend machen David Maclean, Vincent Neff, Jimmy Dixon und Tommy Grace viel richtig, zwar stets nach oben zu streben, aber letztlich ohne im negativen Sinne abzuheben. Der Titelname entspringt jedoch nicht einem Kreativ-Kompetenzteam, das zwanghaft einen roten Faden zu spannen versucht. „Marble Skies“ beruht auf eine zufällige Entdeckung des Schlagzeugers David Maclean, der während einer Unterhaltung auf einem Festival in Chicago von der Wolkenkonstellation sehr beeindruckt war und die ihn an Marmor erinnerte.

Django Django holen Rebecca Taylor als Featuregast

Die neue Platte ist 10 Songs stark und beginnt mit dem Titel, dessen Name sie selbst trägt. Dieser Song kommt ziemlich leichtfüßig daher und macht direkt zu Beginn Tempo. Trotz seiner fast 5 Minuten Länge, eröffnet er mit eingängigen Synthie-Episoden und experimentellen Phasen sehr beeindruckend dieses neuste Komplettwerk. Mit „Surface to Air“ folgt ein Titel, der original so auch hätte in den 90ern in einem Autoradio laufen können. Dabei gibt sich die Band aber nicht altbacken, sondern gegenwärtig Retro, was sich hören lassen kann. Als Gast holten sich Django Django für diesen Song Rebecca Taylor von Slow Club mit auf die Platte. „Champagne“ ist nahezu selbstredend. Er lädt zum Konsumieren eines eben solchen alkoholischen Getränks ein und zum Träumen. Fast die Mitte der Platte erreicht man mit „Tic Tac Toe“. Das war auch der im Oktober schon mit einem Video veröffentlichte Song, der ein Vorgeschmack auf das jetzige Album darbot. Der dazugehörige Musikclip zeichnet sich durch zügige Schnitte und Bildfolgen aus, die schnell ablaufen. „Don’t go, so slow. You’re wasting time“, heißt es hier. Dass mit dieser Platte Zeit verschwendet werden würde, kann an dieser Stelle aber deutlich dementiert werden.

„Beam me up“ und „In Your Beat“ als verbundene Puzzleteile

Qualitativ fährt das Quartett aus Großbritannien enorme Geschütze auf. „Further“ entschleunigt jedoch etwas und ist vergleichsweise eine ruhigere Nummer, die hymnische Sequenzen erkennen lässt. Mit einem Klavier zu Beginn von „Sundials“, haben wir es mit einem klassischeren, poppigen Song zu tun. Dem Motiv, das sich durch einen Blick in den Himmel realisiert, begegnet man hier ebenfalls. „Beam Me Up“ und „Real Gone“ bedienen sich stärker dem Synthesizer, was besonders beim zweiten genannten Song dominiert. „Beam Me Up“ entführt einen tatsächlich in andere Sphären und bestätigt das aufkommende Bild dieser Band, in andere Zeiten beamen zu können. Als zweite Singleauskopplung erschien „In Your Beat“. Die Tanzeinladung im Song darf man durchaus ernst nehmen! Bildcollagen in Kombination zu Textpassagen bestimmen das dazugehörige Video. „In Your Beat“ kann als Puzzleteil zu „Beam Me Up“ verstanden werden. Denn hört man die Songs direkt in Abfolge, so wie sie auch auf der Platte angeordnet sind, lässt sich ein fließender Übergang und somit eine Art Zweiteiler erkennen. Ein spannender Twist, der eventuell auch die Begebenheit stark macht, ein Album am Stück zu hören und sich mal nicht auf den sich langsam eingebürgerten Zugang zu Musik über buntgemischte Playlists einzulassen (wobei die klassische Playlist ja einem Mixtape gleichkommt und das ist bekanntlich nicht so neu). Die Platte schließt mit dem Song „Fountains“, der wiederum träumerisch und ruhiger anmutet.

Selbstfindungstripp, ohne sich je verloren zu haben

„Marble Skies“ ist eine bunte Mischung an Genre-Vielfalt, die man in der Form nur selten finden kann. Wer wie Django Django in der Lage ist, sich solcher Vielfalt zu bedienen, sieht sich auch klar einmal mehr mit der Problematik konfrontiert, wo man denn musikalisch hingehört. Von einem eher fröhlicheren ersten Album, entschied man sich beim Nachfolger für eine düstere Richtung. Mit der nun erschienenen Platte möchte man zwar nicht ganz „back the roots“, doch man hält an dem fest, was man in der Vergangenheit für gut empfunden hat und lässt die Finger davon, was einem eher weniger zusagte. „Marble Skies“ wirkt konzentrierter als das Erstlingswerk. Bewahrt hat sich jedoch die einfachere Art der Produktion. Anders als bei „Burn Under Saturn“, bevorzugte man nun eben kein großes Studio mehr, um sich mehr Freiraum zu lassen. Wenn man so will, vereint das dritte Album das Beste aus den ersten beiden Platten. So befindet sich die Band, wie so viele, auf einem Selbstfindungstripp, ohne sich je verloren zu haben. Django Django sind definitiv eine Band, die man sich merken sollte. Gerade wegen solch spannender Hintergründe, wie die Tatsache, dass der Schlagzeuger David Maclean nicht nur die Drumsticks in den Händen hält, sondern eine Doppelrolle innehat. Er ist auch der Produzent seiner eigenen Band.

Beste Songs: Beam Me Up, Tic Tac Toe

VÖ: 26.01.2018 // Because Music / Caroline International