OOIOO – Gamel

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Mit Gamelan durchsetzter Noise Rock, der einige Durststrecken hat

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Das Genre Japanoise hat seinen Ursprung in den Einstürzenden Neubauten. Bei einer Show der Industrialband in Osaka traf Gitarrist Mitsuru Tabata auf Tetsuro Yamatsuka. Die beiden gründeten die Noise Punk Band Hanatarash, deren Konzerte so zerstörerisch waren, dass die Band bald Hausverbot in sämtlichen Konzerthallen Japans bekam. Yamataka Eye (so Tetsuros aktueller Künstlername) gründete daraufhin die Boredoms, bei denen nach einigen Jahren auch Yoshimi P-We als Drummerin anheuerte. Seitdem ist Yoshimi neben Yamataka Eye der wichtigste Muskel in Boredoms.

Yoshimis Hauptprojekt der letzten Jahre ist die All-Female-Band OOIOO, deren Sound weniger dunkel als der der Neubauten-beeinflussten Projekte Yamataka Eye’s ist, jedoch die gleiche Vorliebe für experimentelle Sound-Experimente besitzt. „Gamel“ ist schon das siebte Album, und der Name ist Programm: Zu der vierköpfigen Band gesellen sich zwei Musiker des Gamelan, jener metallenen Instrumente der gleichnamigen traditionellen indonesischen Musik, die schon Claude Debussy und zuletzt Godspeed You! Black Emperor beeinflusste. Das Resultat ist ein beinahe ununterbrochenes Klanggerüst, zu gleichen Teilen Steve Reich und „Biophilia“.

Abgesehen von der isländischen Königin der experimentierfreudigen Popmusik erinnert Yoshimi – und ein Großteil von „Gamel“ mit ihr – an zwei andere Japaner: zuerst an Damo Suzuki, Sänger auf den vier besten Alben der Krautrock-Größen Can. „Don Ah“ kann man sich als eine Ode an die groberen Stellen in deren Diskografie vorstellen. Später erinnert Yoshimis Stimme-als-Instrument an Deerhoofs Satomi Matsuzaki, die wie Yoshimi der noisigen, umherrasenden Musik kindliche, aber nicht weniger noisige Gesangsfetzen und Schreie gegenüberstellt. Der Fokus liegt bei Songs wie „Gamel Ninna Yama“ – fünf der elf Songs tragen die Referenz an das Hauptinstrument im Namen – und dem massiven „Don Ah“ auf dem Rhythmus; den maximalen psychedelischen Effekt entwickelt „Gamel“, wenn man es von den ersten Geburtsschreien bis zum letzten Seufzer hört.

Das gestaltet sich allerdings als schwierige Aufgabe. Die Gitarren auf „Gamel Ninna Yama“ kratzen wenig wohltuend am Innenohr entlang. Bei „Pebarongan“ bekommt man den Eindruck, das ganze Lied bestehe nur aus Quietschen. „Kecupat Aneh“ kommt einem entspannten Track am nächsten, aber auch nur für ungefähr 42 Sekunden. Das noisige Whac-A-Mole klingt hier ziemlich genau, als würde man Can mit Deerhoof kreuzen. „Gamel“ ist jedoch doppelt so lang wie Deerhoofs letztes Werk, „Breakup Song“ – eine Länge, die sich bemerkbar macht. Bei knapp 60 Minuten restlosem Geratter und Gong-gestütztem Tribal Rock muss man sich schon anstrengen, bis zum Schluss durchzuhalten, maximaler Effekt hin oder her. Die Tatsache, dass das zehnminütige „Don Ah“, das das Album eröffnet, die Idee des Albums am besten zusammenfasst und der eingängigste und einprägsamste Song ist, macht das, was folgt, wenig lohnend.

Beste Tracks: „Don Ah“

VÖ: 01/07 // Thrill Jockey

Hier könnt ihr euch „Atatawa“ anhören:

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Fichon

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