Liturgy – The Ark Work

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Post-Black Metal Sound Art, die Köpfe sprengt

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Liturgy? Eine Black Metal Band auf einem Indie-Blog? Ja, denn wie nicht wenige der Bands, die bei Thrill Jockey unter Vertrag sind, stehen auch die vier Brooklynites an einer der unzähligen Schwellen des Venn-Diagramms, in deren Mitte man „Indie“ findet. Und ja, denn mit ihrem dritten Album The Ark Work haben sich Liturgy so weit von Immortal und Burzum enfernt wie Wolves in the Throne Room mit dem Ambient-Album Celestite, nur in eine andere Richtung. Es ist unwahrscheinlich, dass Liturgy ein ähnlicher Coup wie Deafheaven gelingt; stattdessen stellt The Ark Work Black Metal und seine konservative Fanbase in Frage, die schon nach der Veröffentlichung vom Vorgänger, Aesthetica, Gift und Galle ob der Hipster-Dekadenz und Abwesenheit von ‚trve‘-ness gespuckt haben.

Das Problem mit Liturgy ist leider auch, dass Frontmann Hunter Hunt-Hendrix Philosoph, Musiker und Künstler ist – in der Reihenfolge. Der Tumult und Puristen-Aufschrei nach dem Debüt Renihilation und einem Essay über Transcendental Black Metal hat die Band nach der Veröffentlichung von Aesthetica in den Hiatus getrieben und dominiert den Diskurs um die Band. Hunt-Hendrix, der neben Lightning Bolt Bone Thugs-n-Harmony und Korn als Einflüsse nennt und für The Ark Work gelernt hat, mit Ableton Live umzugehen, sieht seine Band als ein Mittel, Normen zu hinterfragen und neue Wege aufzusprengen. Kollateralschaden: die Köpfe der Hörerschaft.

Was also bleibt von Liturgys Dekonstruktion der Black Metal-Architektur? Pitchfork spricht von The Ark Work als einer „offenen Flamme“, der Frontmann erwähnt „overload and confusion of modernity“ als Hintergrund für den Sound des Albums. Tatsächlich ist das Album ein post-Internet Aesthetica, auf dem Gitarre, Bass und Schlagzeug fast mehr Verzierungen der computergenerierten Dudelsäcke und Streicher sind anstatt umgekehrt. Das Album beginnt mit einer zweieinhalbminütigen „Fanfare“, als handele es sich bei The Ark Work um ein sich selbst karikierendes Computer-Rollenspiel. (Laut Hunt-Hendrix hätten die zehn Songs genauso gut als Film oder Oper enden können.) Der Gesang ist klar und deklamatorisch-eintönig – BM-Gekrächze gibt es nicht, dafür ziemlich kaputten Rap mit Zach Hill Beat auf „Vitriol“. Gabber bietet die Grundlage für die Drums auf „Quetzalcoatl“.

Das Erfrischende an Aesthetica war, wie der Titel schon andeutet, der Fokus auf die ästhetischen Qualitäten der Musik: Die vier Musiker sehen aus wie eine Highschool-Art Pop-Band und machen die Musik um der Musik willen, während Satanismus allenfalls für Hunt-Hendrix‘ philosophische Hintergedanken eine Rolle spielt. The Ark Work ist nicht komplett losgelöst vom Transcendental Black Metal der ersten beiden Alben. Auf „Follow“ überlagern die Glocken zwar die Gitarre, doch die Blast Beats und das Geschreddere sind da. Die sich aufeinandertürmenden, überlangen Rhythmuspassagen von „Generation“ finden sich auf „Follow II“ wieder, das sich mit einem epischen Crescendo zu weiß glänzendem Metal steigert (nicht zu verwechseln mit White Metal). „Father Vorizen“ würde auf einem Enslaved-Album nicht auffallen.

Aesthetica war, wie zwei Jahre später Sunbather, progressiver Black Metal, ein Bastard zwar, aber noch Teil der Familie. The Ark Work ist post-BM Sound Art und gesellt sich zu solchen Kuriositäten wie Enid 8-Bit Metal oder Mount Eeries Auto-Tune Album. Abgesehen von der Tatsache, dass die Ideologie hinter dem Album und seine besondere Haltung vis à vis dem Rest des Genres Black Metal (bzw. dem Begriff „Genre“ im Allgemeinen) eine bedrohlich wichtige Position gegenüber dem Hörvergnügen einnimmt, hat Letzteres an sich schon Schwächen, allen voran der verwaschene Mix. Die Songs sind gut, der Drang nach Erneuerung ebenso. Von der Qualität von Aesthetica ist The Ark Work allerdings ein gutes Stück entfernt.

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Beste Tracks: Kel Valhaal, Follow II, Reign Array

VÖ: 27/03 // Thrill Jockey

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Hört euch hier „Quetzalcoatl“ an:


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Fichon

 

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