Jamie T – Carry On The Grudge

9 Review

Auch der größte Vorstadtrowdy wird mal erwachsen.

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Ganze fünf Jahre mussten sich die Fans des rotzigen Indies auf ein Nachfolgealbum des überaus erfolgreichen Albums „Kings & Queens“ gedulden. Wer sich nun aber „Carry On The Grudge“  getreu dem Motto von der Skinny Jeans auf die Tanzfläche besorgt hat, wird nicht schlecht gestaunt haben, als gleich der Opener der Platte „Limits Lie“ überaus besonnen daher kommt. Bereits zu dem Zeitpunkt fällt auf, dass der mittlerweile 28-Jährige ab jetzt ruhigerer Töne spielen wird. Klar war auch schon immer die ein oder andere Ballade auf seinen Alben, jedoch nicht in dem Ausmaß wie in seinem neuesten Werk.  Bereits „Limits Lie“ lässt nämlich erahnen, dass Treays (so sein gebürtiger Name) einen neuen Weg einschlagen wollte. Dies wird noch deutlicher, wenn ein Song wie „Don’t You Find“ darauf folgt. Eine gemächliche Nummer, bei der Mann zwar mit dem Fuß wippen kann, aber lange nicht so ausrasten kann wie dies einst noch bei „Sticks and Stones“ der Fall war.

Jenes war aber wohl auch nicht Jamie T’s Anliegen, als er sich an die Aufnahme seines dritten Studioalbums gemacht hat. Der Sänger verarbeitet in seinen Songs nicht mehr den Schmerz von langen Nächten und Jugendliebelei, sondern spricht persönliche, aber auch auf andere Menschen reflektierende Themen, an, die manchmal bis tief ins Innere der Seele vordringen. „proof reads a story/Kills all the characters and crosses out the heroine”. Jamie Treays hat bekanntlicherweise noch nie ein Blatt vor den Mund genommen und doch scheint „Carry On The Grudge“ noch eine Schippe eindringlicher und wesentlich erwachsener, als es die bisherigen Alben waren.

Dies bedeutet aber nicht, dass Britains Lieblingsindierapper keine schnellen Nummern mehr kann und sich nur noch hinter seinem Songwriting versteckt. Mit „Zombie“ gibt’s, wenn auch einen der einzigen versöhnlichen Tanzflächenfüller. Eine schnelle Nummer, die zwar nicht mehr die Spontanität von „Chaka Demus“ aufweist, aber auch wegen des fast schon ironischen Lachens, eine richtige Spaßnummer geworden ist. Bei „The Prophet“ wird dann der Einfluss eines Damon Albarn doch sehr deutlich, der dem Musiker aus Wimbledon geraten hat, sich keine Gedanken bei seinem Songwriting zu machen. Dies hat er sich scheinbar auch zu Herzen genommen, wenn auch weniger raptechnische Sachen mit eingebaut worden sind wie zum Beispiel bei „Trouble“ oder auch noch „Peter“. Mit „Rabbit Hole“ knüpft Jamie T an Zeiten an, in denen die Charts noch von Indie regiert worden sind treibt die Klischees so auf die Spitze, dass man schon fast wieder von einer leichten Ironie sprechen könnte. Der Rest des Albums ist mit Midtempo Nummern und Balladen aufgefüllt, bei denen man dem Briten seine Lyrics einfach immer zu 100% abkauft.

In den letzten fünf Jahren ist viel in der Musikwelt und auch in Jamie‘s Welt passiert und man hält mit „Carry On The Grudge“ eine Platte in der Hand, die zu 100%, die Handschrift eines Musikers trägt, der zwar gereift ist, jedoch nichts an seinem schlagfertigen Songwriting verloren hat. So ist die dritte Platte des einstigen Vorortrowdies zwar nicht mehr der jugendliche Wahnsinn von einst, aber ein Werk bei dem man sich sicher sein kann, dass der Musiker voll und ganz dahinter stehen kann und auch darf.

Beste Tracks: Don’t You Find, Zombie, Rabbit Hole

VÖ: 20/09 Virgin EMI

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Yannick

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