Die kanadische Musikkapelle Grounders gibt als Referenzen Jagwar Ma, Tame Impala und the Zombies an; „’60s sounds“, „psychedelic nostalgia“, „woozy“ und „dreamy“ sind die Schlagworte, die PR und Presse aus der letzten MGMT-/Tame Impala-/Washed Out-Review herüberkopiert haben. Schon bevor man sich Grounders anhört, ist klar, dass das Debütalbum des Quartetts aus Toronto irgendwo zwischen Magical Mystery Tour, Madchester und LSD-induzierten Kaleidoskopsounds schweben muss. „Schweben“ wie in „high sein“ – Musik für Druffis also, für Psychedelia-Hipster (den Rezensenten eingeschlossen) und Kevin Parker-Verehrer (idem). Aber gibt die Musik von Grounders, hinter den Querverweisen zu aktuellen Psych Pop-Größen und dem musikhistorisch durchaus nachvollziehbaren Stereotyp „Musik von Weggedröhnten für Weggedröhnte“, noch mehr her, als man anfangs vermutet?

Die eingängigsten Hits, „Secret Friend“ und die zweite Single „Drawing Space“, sind ziemliche Ohrwürmer, aber originell ist das nicht. Wer Psychedelic Pop liebt, wird die Songs mögen. Angenehm klingt das, die Gehirnzellen entspannen sich stante pede und die Musik tritt schnell in den Hintergrund. „Pull It Over Me“ ist kaum von einem Mac DeMarco Song zu unterscheiden, und selbst der ist ja bisweilen zu sehr easy listening. Überhaupt bewegt sich Grounders vor allem zwischen dem Slackertum des Kanadiers und der Tagträumerei von Tame Impala hin und her. „Fool’s Banquet“ gliedert sich in der Sommerplaylist zwischen „All I Know“ und „Chamber of Reflection“ ein. Beim besten Willen wird man auch nach mehrmaligem Hören das Gefühl nicht los, es handele sich um einen Sampler vom Austin Psych Fest, ohne die härteren Acts.

Alles in allem lautet die Antwort auf die eingangs gestellte Frage deshalb leider: nein. Was das Album vor der Belanglosigkeit rettet, sind zwei Dinge. Erstens: Es gibt noch Tracks, auf denen man Grounders‘ eigene Stimme hört, wenn man sich konzentriert. „Face Blind“ und „No Ringer“ sind im Grunde recht krautig, wenn auch der Akzent nach wie vor auf den Psych-Synths liegt. „Bloor Street and Pressure“ verspricht in den ersten Sekunden Abwechslung, driftet dann aber wieder in Reverb-Gefilde ab; später rettet die Band sich durch Rauschen und kleinere Noises, die einem durch die Ohren wimmeln. Zweitens sind die neun Songs von Grounders trotzdem noch Songs, die man sich sehr gerne anhört, Trittbrettfahrerei hin oder her. Dem Charme von „Drawing Space“ kann man sich genauso wenig entziehen wie dem von Melody Prochets Echo Chamber, die aus den gleichen Inspirationsquellen schöpft wie Grounders. Letztendlich ist es tatsächlich so, wie der Promotext behauptet: Grounders ist „a debut album that captures the true essence of what it means to be an emerging band in 2015.“ Nämlich der Dreifaltigkeit der psychedelischen Musik aus Beatles (Vater), MGMT (Sohn) und Tame Impala (heiliger Geist) fromm zu huldigen. Der Mensch ist eben doch oft nur ein Abbild der Götter, die er sich schafft.

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Beste Tracks: Drawing Space, No Ringer, Pet Uno

VÖ: 17/07 // Nevado Music

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„Secret Friend“:


Fichon