Balthazar – Thin Walls

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Leichtigkeit und Tiefe reifen zu etwas Großem

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Mit Thin Walls veröffentlichten die Belgier Balthazar Ende März ihr drittes Studioalbum. Seitdem lief diese Platte bei uns in häufiger Wiederholung auf dem Plattenspieler. Der Grund dafür ist nicht das Fehlen anderer spannender Platten, sondern eben schlicht und einfach die enorme Qualität und Eingängigkeit der zehn neuen Songs des Quintetts. Wer diese Band schon länger auf ihrem musikalischen Weg begleitet, wird dies ohne groß nachzudenken vermutlich einfach hinnehmen, jedem anderen kann man die Band einfach nur ans Herz legen, denn Balthazar sind inzwischen weitaus mehr als der Geheimtipp und Kritikerliebling als den wir sie kennenlernten.

Thin Walls beginnt mit „Decency“, einem irgendwie typischen Song, der ruhig-atmosphärisch beginnt und seinen Höhepunkt im balthazaresquen mehrstimmigen Gesang gipfelt. Mit „Then What“ folgt die Vorab-Single, die uns nun schon ein paar Monate länger begleitet und irgendwie der perfekte Soundtrack für derzeitige lauwarme Frühlingstage ist – flott, fröhlich und eben sehr leichtfüßig. Aber auch Songs wie „Bunker“, einer der irgendwie sehr glamourös daher kommt oder das irgendwie bezaubernde „Dirty Love“ sind die Beweise für eine enorme Dichte an in sich und auch untereinander stimmigen Songs, die so eine Platte eben zu einem wirklichen Meisterwerk machen können, wenn man sich drauf einlässt.

Das letzte Highlight erwartet den Hörer dann ganz am Ende. „True Love“ könnte nicht nur ein wunderbares Fazit für diesen Longplayer sein, sondern ist in seiner ruhigen, aber sehr pompösen Art ein monumentales Abschlusswerk. Sehr träumerische Strophen und dagegen fast schon Aggressive Refrains und einer langgezogene Bridge mit mehrstimmigem Gesang machen samt seiner Instrumentierung mit Bläsern, Drums und Gitarre zum perfekten Abschluss nicht nur dieser Platte, sondern eines jeden Theaterstücks, Musicals oder Films. Balthazar auf der Spitze ihres Schaffens!

Balthazar liefern mit Thin Walls ein erneut deutlich gereifteres Album im Vergleich zum Vorgänger. Diese Entwicklung war auch bereits im Schritt vom ersten zum zweiten Album sichtbar und ist somit vielleicht auch einfach die logische Konsequenz der Entwicklung einer Band, die sich sechs Jahre Zeit lies bis das Debüt 2010 erschien. Was aber bei anderen Bands oftmals auch als negatives Zeichen gewertet werden kann, wirkt auf uns bei Balthazar anders. Thin Walls schafft es trotz sehr erwachsenem, teils schon klassischem Sound dennoch über die komplette Länge von gut 40 Minuten zu begeistern und das eben auch noch Wochen nach dem ersten Hördurchlauf. Längst vorbei sind die Zeiten, in denen die fünf BelgierInnen noch ein Geheimtipp waren.

Wegzudenken aus der europäischen Musiklandschaft sind sie nämlich nicht mehr, was mit Sicherheit auch an den enormen Live-Qualitäten liegt. Denn am schönsten ist es dann, wenn das Publikum fast schon hypnotisch in den mehrstimmigen Gesang einsteigt und die Instrumente hier und da ein wenig knarzen. Thin Walls klingt für uns wie eine aufregende Reise durch das, was Balthazar bisher schuf, was sie beeinflusste und gibt vielleicht auch einen Ausblick auf das, was noch kommen kann. Von vorne bis hinten ein unheimlich gutes Album.


Christian

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