Ariel Pink – pom pom

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Pop-Pastiches durch den Weirdo-Filter gejagt

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Ariel Pink hat auch mal klein angefangen. Nachdem er Animal Collective vor über zehn Jahren nach einem Konzert eine Demo zugesteckt hatte, wurde er der erste Künstler, den jene auf ihrem eigenen Label Paw Tracks unter Vertrag nahmen. Ähnlich wie Animal Collective hat auch Pink sich weiterentwickelt, hin zu einem klareren Sound und dem Status eines Pitchfork-Protégés. Inzwischen ist er bei 4AD angekommen und hat seitdem zwei Alben mit seiner Band Haunted Graffiti aufgenommen. „pom pom“, sein drittes Album auf dem Label, läuft wieder unter ganz eigenem Namen – wenn auch die Musik mehr nach allen anderen Bands der letzten 50 Jahre klingt als nach einem einzelnen Künstler.

Das fängt beim catchy Opener „Plastic Raincoats In the Pig Parade“ an, der zu gleichen Teilen the Flaming Lips, „Getting Better“ und „In the Morning“ emuliert. „White Freckles“ pendelt zwischen weniger dunklen Sisters of Mercy und der energetischen Seite von Vampire Weekend hin und her („Not Enough Violence“ ist, ein paar Minuten später, ein Nuller Jahre „Temple of Love“). „Four Shadows“ ist eine Journey zurück in die ’80er, die es auch gab – denn nicht alles, was damals lief, war Disco oder Synth Pop. Während der restlichen 60 Minuten tauchen wie Whac-A-Mole Maulwürfe Reminiszenzen an Pink Floyd, New Order, Jimi Hendrix, Jefferson Airplane und Eurythmics auf.

Es sind dabei aber meist anstatt ganzer Songs nur einzelne Musik- oder Textfetzen, an denen man hängen bleibt. An die Eurythmics und ihr „Here Comes the Rain Again“ zum Beispiel muss man unwillkürlich im Refrain von „Put Your Number In My Phone“ denken, auch wenn der Rest des Songs kaum nach der Band klingt, deren anderer großer Hit „Sweet Dreams (Are Made of This)“ war. Zwar tauchen auch klare Referenzen an aktuelle Künstler auf – „Dinosaur Carebears“ klingt nach einem abgedrehten Intro verdächtig genau wie „Jeeper Creeper“; der Anfang des albernen, fast schon Zappa-esken „Sexual Athletics“ erinnert ein bisschen an the Corals „Arabian Sand“ mit Weirdo-Sprechgesang; „Negative Ed“ könnte auch von Deerhoof kommen. Ach ja, und „Nude Beach A Go-Go“ findet man auch auf Azealia Banks‚ letzte Woche veröffentlichtem Debüt. Der Großteil der Songs ist jedoch Syd Barrett/Sgt. Pepper Psych Pop und alles, was sich daraus entwickelt hat.

Dementsprechend ist es zweitrangig, einzelne Songs als Highlights zu kennzeichnen: Jeder wird seinem Musikgeschmack entsprechend mehr auf die Pop-Nummern abfahren, oder die psychedelischen Art Rock Songs, oder die ganz schrägen Sachen wie „Dinosaur Carebears“ und „Exile on Frog Street“. Dass ausgerechnet der langsamste und uncharakteristischste Song, „Picture Me Gone“, am längsten im Kopf bleibt, lässt einen schon an selbigem kratzen. Doch das ist auch die Kunst des „Willy Wonka der Popmusik“. Die so unterschiedlichen Songs auf „pom pom“ verbindet sein humorvoller, ruheloser Stil, so dass das Album im positivsten Sinne die Summe seiner Teile ist: eine musik-historische Sammlung an „hypnagogic pop“ Pastiches, das Best of Pop/Rock 19662014 mit psychedelischem Pink-Filter.

Beste Tracks: Picture Me Gone, Plastic Raincoats In the Pig Parade, Exile on Frog Street

VÖ: 14/11 // 4AD

Hört euch das Album hier im Stream an und unten „Picture Me Gone“ und „Jell-O“ mit dem PS22-Chor:


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Fichon

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