Antemasque – Antemasque

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Erfrischung im Jungbrunnen

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Bei Omar Rodríguez-López und Cedric Bixler-Zavala bleibt alles in der Familie. Zwei Jahre nach dem Ende ihrer dritten Band The Mars Volta steht nun mit Antemasque die vierte auf den Beinen. Das selbstbetitelte Album dieser neuen Band soll so klingen wie eine Mischung aus The Mars Volta und At the Drive-In, jener Post-Hardcore Heroen, bei denen die beiden zum ersten Mal zusammen spielten. Mit dem Chili Pepper Flea und Dave Elitch, der auch schon für The Mars Volta die Drums bediente, ist zumindest was das Personal angeht nichts Neues dabei. Das Songwriting wird zwar demokratisch der ganzen Band zugeschrieben, man darf aber erwarten, dass Rodríguez-López nach wie vor als Strippenzieher fungiert.

Die Songs überraschen dann doch: Nach fast 20 Jahren und elf Langspielern, ganz zu schweigen von den über 50 Alben, die Rodríguez-López solo oder als Stimmgeber anderer Bands veröffentlicht hat, schafft das Duo es immer noch, aus ihrer Zusammenarbeit Neues zu schöpfen. Antemasque ist das Bindeglied zwischen den punkigen At the Drive-In und der eher verkopften Prog-Frickelei, die vor allem auf den letzten The Mars Volta Alben im Mittelpunkt stand. Man könnte meinen, Lieder wie „4AM“ und „Momento Mori“ stammten aus den Monaten zwischen dem meisterlichen At the Drive-In Schwanengesang „Relationship of Command“ und der ersten The Mars Volta EP, gäbe es da nicht die aus der Reihe fallende Dub-Gruppe De Facto, Projekt Nummer zwei.

Bixler-Zavala singt tiefer und kehliger, sein „I’m never looking back“ auf dem Opener „4AM“ und das fast schon drohende „I Got No Remorse“ treiben die Mundwinkel nach oben ob dieser unerwarteten, textlich ironischen Rückkehr zur Punk-Energie von At the Drive-In. „Antemasque“ ist tatsächlich näher dran an „Acrobatic Tenement“ als an „Octahedron“ oder dem elektronischen „Noctourniquet“. Der Sound ist rau, auf überlange Instrumentalteile und Keyboard wird verzichtet. Bis hin zum schlichten Cover und der Abwesenheit exotischer Liedtitel – Bixler-Zavala hat diesmal das Wörterbuch zur Seite gelegt – ist „Antemasque“ ein unglaublicher Jungbrunnen für die beiden Texaner. Auch der Einfluss ihrer lateinamerikanischen Wurzeln ist zurückgeschraubt worden; besonders auf den ersten drei Alben von The Mars Volta war dieser jedoch einer der größten Pluspunkte, hier ist „Antemasque“ also eher Regression als Rückbesinnung auf Altbewährtes.

Gewiss, Antemasque bietet eher neues Altes, anstatt wahrhaft innovativ zu sein. Doch dass Rodríguez-López nicht ewig in seinem verkopften The Mars Volta Käfig gefangen bleibt, sondern sich auch mal gehen lassen kann – wie er schon letztes Jahr mit der Band Bosnian Rainbows bewies – bringt frischen Wind in seine überwältigende Diskografie.

 

Beste Tracks: “Providence”, “People Forget”

VÖ: 01/07 // Nadie

 

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Fichon

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